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Der Fall Blocksberg

von Bartifer
GeschichteDrama / P12
Alexander von Falkenstein Bibi Blocksberg Tina Martin
27.10.2016
27.10.2016
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27.10.2016 548
 
Alle glücklichen Familien gleichen einander. Jede unglückliche Familie ist jedoch auf ihre eigene Art unglücklich.

Neustadt hatte, ginge es nach dem Bürgermeister, nur glückliche Familien. Wie könne man auch nicht glücklich sein, wenn man dort lebte. Keinem Neustädter mangelte es an etwas, nicht unter dem wachen Blick der Führungsebene. Und der amtierende Bürgermeister Dr. Dr. Bruno Presssack hätte dafür seine Hand ins Feuer gelegt, zumindest Angesicht zu Angesicht mit jedem Reporter, der ihn danach gefragt hätte. Mit Ausnahme von mir.

-Einleitungsskizze Artikelbeginn

Fortsetzung Titel:
„Der Fall Blocksberg“ (Klingt zu sehr nach einer Tatort- Folge)
„Die Hexen von Neustadt“ (Zu profan?)
„Neustadts Schattenseite“ (Zu dramatisch)


Sitzung 1
Rathaus Neustadt, Bürgermeister Dr. Dr. Bruno Presssack

„Hier Karla Kolumna, wir haben den 27 Oktober, ich spreche jetzt mit Dr. Bruno Presssack im Büro, eventuell im Beisein des Sekretärs Herr Pichler. Bürgermeisterchen, sind Sie soweit?“

„Na fragen Sie schon. Sie können es ja doch nicht lassen.“

„Sie sind seit über 30 Jahren der amtierende Bürgermeister von Neustadt, ist das richtig?“

„Richtig.“

„Sie kannten die Blocksbergs?“

„PICHLER!“

„Ja, Chef?“

„Machen Sie mir und Frau Kolumna einen Kaffee, aber beeilen Sie sich. Es wird nicht lange dauern.“

[Pichler murmelt etwas, die Tür fällt ins Schloss]

„Bruno, die Blocksbergs.“

„Natürlich kannte ich die Blocksbergs. Und nennen Sie mich nicht 'Bruno'.“

„Was können Sie uns über die Blocksbergs erzählen?“

„Was ich Ihnen erzählen kann? Viel. Gerade die Frauen haben beizeiten meine ganze Stadt in Trab gehalten, es ist mir unerklärlich, wie ich mich damals habe breit schlagen lassen, sie hier einziehen zu lassen.“

„Die Blocksbergs waren also schon immer so?“

„Ja. Nein.“ [Er seufzt schwer] „Sie wohnten nicht immer hier, aber ich weiß nicht viel über die Zeit, in der die Kinder noch klein waren. Vermutlich kam das alles erst mit den Jahren.“

„Sie sagen 'Kinder', Herr Presssack. Reden Sie von Bibi?“

„Natürlich rede ich von Bibi. Ich habe diesem Gör viel zu viel zu viele Freiheiten gelassen, in meiner schönen Stadt herumzutoben. 'Ich bin Bürgermeister, kein Betreuer', hab ich Pichler immer wieder gesagt, aber die von oben haben darauf bestanden, dass ich das übernehme.“

[Ich lache, auf diese schrille, stechende Weise, die er nicht leiden kann]

„Herr Presssack, meine Recherchen haben Interessantes über die 'Kinder' ergeben, von denen sie sprachen. Angeblich habe die Mutter, Barbara Blocksberg, zwei Krankenhausaufenthalte zwecks Kinderentbindung gehabt.“

[Er schweigt]

„Bürgermeisterchen, ich erinnere Sie gerne daran, dass eine Aussageverweigerung Ihrem Image nur noch mehr schaden würde, als-“

„Schon gut! Ist ja gut. Ich gebe Ihnen die Akte.“

„Erzählen Sie es mir, Bruno, die Welt will es hören!“

„Nein. Sie bekommen die Akte, damit Basta.“

„Aber-“

„Die Akte. Und jetzt – machen Sie dieses Ding aus -“

[Es raschelt und rauscht dann. Die Aufnahme bricht ab. Den Kaffee habe ich nie erhalten.]

Obwohl ich Bruno Presssack mehrmals darauf hingewiesen habe, was für Folgen es haben könnte, seine Aussage ganz oder teilweise zu unterlassen, blieb ich am Ende nur mit der 'Akte Blocksberg', die er mir zukommen ließ. Fühlt er sich schuldig? Aber wieso, hätte er doch seine Entpuppung als Wohltäter und Menschenfreund in Angriff nehmen können. Möglicherweise steckte hinter dieser Geschichte mehr als das Leid eines in die Jahre gekommenen Mannes, der sich damals einer Familie in einer solch schwierigen Situation angenommen hat.
 
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