Regen, Wein und fünf Minuten

von classic
OneshotRomanze, Freundschaft / P12
DI / DCI Carol Jordan Dr Anthony "Tony" Valentine Hill
25.10.2016
25.10.2016
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Huhu. :)

Eine neue-alte Fanfiktion, die ich wieder in überarbeiteter Form hochlade. Ich hoffe, sie gefällt euch. :)
Die Phrase „Yes, Ms Sophie“ kommt aus Dinner for One. ;)





Regen, Wein und fünf Minuten

[Hautnah – Die Methode Hill/ Wire in the Blood] Ein weiteres Curry-Wein-Date, das eigentlich gar kein Date ist.  


„Ich hätte alles allein aufgegessen“, gab Tony mit gespielter Beleidigung von sich und schaute auf die Tüte mit asiatischem Take-Away in seinen Händen.

„Ich hätte alles allein ausgetrunken“, versetzte Carol so trotzig wie ein kleines Mädchen und schwenkte die Flasche Wein in ihrer Hand leicht umher.

„Das will ich sehen“, erwiderte er und drehte den Schlüssel im Türschloss, damit sie dem leichten Nieselregen entfliehen konnten.

Beide waren gerade auf dem Weg zum je anderen gewesen —  Tony ausgerüstet mit Curry und Naan und Carol mit Wein — als sie sich auf der Hälfte des Weges getroffen hatten. Natürlich gab jetzt keiner der beiden zu, dass es eigentlich keinen Grund gab gemeinsam Abend zu essen. So versuchten sie den anderen zu zwingen es als erster zuzugeben. Das alte Spiel um Dominanz und Unterwürfigkeit.

„Sie wollen mich betrunken kriegen, Dr. Hill?“ Sie fixierte mit ihren grünen Augen seine blauen.

„Yes, Ms Sophie.“ Tony lächelte leicht, wissend welche Phrase er gebrauchte und was es bedeuten könnte. Er wusste auch, dass sie nicht darauf eingehen würde. Das würde die unsichtbare Linie, die sie sich mühevoll erarbeitet hatten, überschreiten.

„Und dann?“ Carol setzte sich auf den einzigen leeren Stuhl im Raum und Tony ließ sich auf dem Boden nieder. So, wie schon unzählige Male zuvor. Und so, wie bei ihrem ersten gemeinsamen Fall. Seitdem war der Stuhl, auf dem sie saß, der einzige, der von den Unmengen an Büchern verschont blieb. Stattdessen stapelte er es auf dem Schreibtisch oder legte noch einen Stapel vor seinem Bücherregal an. Aber Carols Stuhl blieb frei. Sie würde immer Platz haben.

„Stell dir vor“, erklärte er, und hob ein Stückchen seines Brotes an. „Du bist betrunken. Ich nicht. Draußen regnet es wie sonst was.“ Er warf einen kurzen Blick aus dem Fenster. Natürlich regnete es nicht. Es hatte in der Sekunde aufgehört, in der sie es sich im Wohnzimmer bequem gemacht hatten. „Was würdest du tun?“

„Warten“, meinte sie lapidar und fügte hinzu: „Dann bräuchte ich nicht diese fünf Minuten durch den Regen zu laufen.“

„Und wenn die Sonne scheint?“ Tony schaffte es nicht mehr, die Frage zurückzuhalten. Für eine Sekunde hielt er ihrem Blick stand. Dann sackte sein Inneres ab und er betrachtete eingehend das Essen auf dem Teller vor ihm.

„Dann hätte ich etwas falsch gemacht, wenn ich schon so früh am Morgen betrunken wäre“, stellte sie mit einem Blick auf die Uhr fest. Es war noch nicht einmal vier Uhr morgens, aber Mitternacht war auch schon seit einigen Minuten verstrichen. Kopfschüttelnd goss sie ihm und ihr Wein ein und reichte ihm ein Glas.

„Wenn es nicht regnet?“, fragte er, ernsthaft diesmal. Er nahm das Glas am Kelch entgegen und stellte es neben sich ab. Natürlich wusste er, dass er sein Interesse mit dieser Frage verraten hatte. Er gab ihr den Vorsprung, trat einen Schritt zu weit über die unsichtbare Linie und machte sich abhängig von ihrer Reaktion.

Sie antwortete nicht. Vorsichtig sah er auf und beobachtete sie. Ihr Gesichtsausdruck verriet nichts. In den letzten Wochen geschah es ihm immer wieder, dass er sie nicht einschätzen konnte. Nicht mehr.

„Ich würde hier bleiben.“ Carol hob kurz die Schulten und schaute sich um. Vage deutete sie um sich. Überall stapelten sich Bücher und Papiere, Arbeiten von Studenten, außer dort, wo sie saßen. Sie betrachtete es nicht kritisch oder wertend, eher so, als würde der Fußboden dennoch genug Raum bieten.

„Wo?“, fragte er, schockiert von ihrer Antwort. Er hatte sie gefragt, auf eigene Verantwortung, nun lag es nur noch daran, dort wieder herauszukommen. Nicht, dass sie ihm viele Möglichkeiten dazu geben würde.

Als ob sie nichts seiner Zerrissenheit mitbekommen hätte, nahm Carol einen Schluck bevor sie antwortete. „Hm, in Betracht dessen, dass deine Couch fehlt, nehme ich das Bett.“

„Und was soll ich machen?“ Immer noch geschockt, schaffte er es halbwegs gefasst zu klingen. Doch Carol bemerkte seine Anspannung, und erlaubte sich ein kurzes Lächeln.

Sie zögerte, bevor sie zu einer Antwort ansetzte, bewusst, dass das, was sie schon immer sagen wollte falsch sein könnte, es jetzt zu sagen. Oder es je zu sagen.

„Es gibt zwei Möglichkeiten.“ Carol begann zaghaft zu Lächeln und deutete mit ihrem halbvollen Glas auf ihn. Aber die rote Flüssigkeit gab ihr nicht die Antwort die sie brauchte. Die konnte ihr nur Tony geben.

„Du könntest die fünf Minuten bis zu meiner Wohnung gehen und dort übernachten.“

Sie raffte all ihre Kraft und ihre Mut zusammen. Selbst ihre Antrittsrede vor der Bradfield Police CID war ihr leichter über die Lippen gegangen. Sie wartete so lang, bis Tony sie endlich anschaute.

„Oder, was mir besser gefallen würde, du bleibst auch hier.“