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von Xyn
GeschichteRomanze, Sci-Fi / P12
Marcus Cole
25.10.2016
25.10.2016
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Vorgeschichte Babylon 5






Kjeir saß in dem kleinen Schnellrestaurant und ließ sich gerade irgendetwas undefinierbares schmecken, das entfernt einer Süßspeise ähnelte, während sie aus dem großen Panoramafenster den Flugverkehr beobachtete.

Am liebsten würde sie die mentalen Barrieren fallen lassen um nach einer bestimmten Person zu suchen. Sie wusste, dass er hier war und nach ihr suchte.

Aber dann würden tausende Gedanken und Emotionen auf sie nieder prallen.

So blieb ihr nur das Warten und das üben in Geduld.

Lange Zeit war selbst das Luxus, denn die letzten Monate hatten sowohl von ihr wie auch ihrem Seelengefährten alles abverlangt und kaum Zeit zum Durchatmen gelassen. Zu viele Gerüchte, die auf ihrem Wahrheitsgehalt geprüft werden mussten, zu viele Hindernisse, die ihre Arbeit nun zunehmend erschwerten. Gerade auf der Erde vollzogen sich Veränderungen, die sie ins Grübeln brachte und erahnen ließ, dass die Menschen in diesem Konflikt eine Schlüsselrolle einnehmen werden.

Und angesichts dessen, was sich langsam aber sicher zusammenbraute wäre es auch vermessen gewesen eigene Bedürfnisse voran zu stellen. Das wäre auch nicht im Sinne des Anla`Shok und das wussten Beide. Denn ihr und auch ihn war bewusst für welch ein Leben sie sich entschieden und sie waren gewillt, diesem sich mit absoluter Sorgfalt zu widmen. Dann verbannte Kjeir ihn aus ihren Gedanken. War zwar nicht ganz leicht, aber es war notwendig jede Ablenkung in ihrem Geist zu eliminieren um ihre Aufgaben mit Effizienz zu erfüllen. Zuviel hing an ihrem Engagement um sich auch nur die kleinste Nachlässigkeit zu erlauben.

Somit zahlte sich das jahrelange strenge Mentaltraining erst bei den Telepathen, dann bei den Ranger voll aus.

Und ihr Seelenpartner sah es genau so. Bis er jedoch diese Einsicht bekam war viel Arbeit und Training von Nöten gewesen, bis er die innere Festigkeit bekam die er brauchte. Denn Beide wussten jede Schwäche oder Nachlässigkeit machten sie Verwundbar und jedes Versagen wirkte sich auch auf die nachfolgenden Aktionen aus. Es stand einfach viel zu vieles auf dem Spiel.

Doch jetzt war eine kleine Atempause für beide drin.

Und so versank ihr Bewusstsein in Meditation, während sie das kommen und gehen diverser Schiffe und Fähren studierte. Sie fragte sich, wer wohl an Bord dieser Schiffe waren. Die Landedocks waren ein Schmelztiegel.

Vor kurzem war auch Babylon 5 hinzugekommen obwohl schon jetzt böse Zungen auf das baldige Ende der Raumstation spekulierten und sogar schon Wetten abgeschlossen wurden, wann es denn soweit war, dass Babylon 5 in die Ewigen Jagdgründe eingehen würde. Die ersten 3 Stationen wurden durch Sabotage zerstört, Babylon 4 verschwand einfach so....

Gerne sehen würde sie diese Station gerne mal.

Dann natürlich nicht allein, sondern mit William an ihrer Seite. Sie vermisste ihn.

Beziehungen waren nicht verboten, solange sie im Einklang mit den Regeln des Anla`Shok waren. Sie waren nur sehr selten, denn weibliche Ranger gab es nur sehr wenige und noch seltener war die Zeit, die man miteinander verbringen konnte. Denn ein Ranger war stets unterwegs um nicht nur als Nachrichtenkuriere den Informationsfluss am Laufen zu halten, sondern auch sofort jede Unregelmäßigkeit zu registrieren, bedrängten Personen zu helfen oder zu warnen wenn Gefahr im Verzug war. Manchmal führten die Einsätze sie auch ziemlich weit entlegene Gegenden.

Sie verlangte von jedem Einzelnen vollständige Hingabe an den Dienst und den Pflichten. Nichts durfte über diesem Credo stehen deshalb war das Aufnahmeverfahren sehr streng. Jeder musste sich im klaren sein, dass man sein altes Leben hinter sich lassen musste mit allem was daran hing. Denn war man einmal Ranger gab es kein zurück in das alte Leben. Und manchmal war der Preis auch sein Leben, denn Missionen waren sehr selten ungefährlich. Die meisten, die den Anla`Shok beitraten, waren Personen die entweder niemanden mehr hatten, denen sie verpflichtet waren und somit einen neuen Sinn in ihrem Leben sahen oder wirklich dienen wollten, das alles im Universum seine Ordnung hatte.

Seit William bei den Anla`Shok war. hatte sich Kjeir zu seine treue Begleiterin entwickelt, die ihn gewissermaßen unter ihre Fittiche genommen hatte. William wiederum mochte dieses zarte fremdartige Geschöpf und wie er bald feststellen musste beruhte dies auf Gegenseitigkeit.

Diese Beziehung war auch dem Sech Turval nicht verborgen geblieben und den positiven Einfluss, den Kjeir auf William hatte.

...und er auf sie.

Der junge Mann hatte ihm Anfangs Sorgen bereitet, da er völlig im Inneren seiner Selbst ohne jegliche Struktur zu sein schien. Doch Kjeir hatte es verstanden nach und nach einen mentalen Ruheplatz in Williams Gedanken zu schaffen, wo er in sich gehen konnte und lernte sein inneres Chaos nach und nach erfolgreich zu beseitigen. Und so beschloss Sech Tuval einige Meditationsübungen für William durch Kjeir durchführen zu lassen. Ihm waren ihre Fähigkeiten natürlich nicht verborgen geblieben. Als Ausbilder musste er jeden einzelnen Rekruten gut kennen, das studieren der Akten war natürlich unerlässlich. Kjeir und später auch William waren seine besten Schüler, die ihm viel Freude bereiteten. Wann immer es die Zeit und Gelegenheit es zuließ, manchmal mit Sech Tuval`s Assistenz half sie ihm die Unruhe und Ziellosigkeit in seinem Geist zu fokussieren, die in ihm jede Zielstrebigkeit einst tilgten und ihm nicht nur deswegen die Missbilligung seines großen Bruders einbrachte.

Solche Kandidaten waren sehr schwer zu finden, die eine gewisse Disziplin schon vor ihrer Anla`Shok Laufbahn erarbeitet und nun erfolgreich ausbauten. Wenn sie noch einige Jahre an sich selbst arbeitete, hatte sie das Zeug selbst später Lehrerin zu sein. Sie war bereits bei  den Telepathen im Tempel hervorragend ausgebildet worden. Und er zweifelte nicht daran, dass sie dieser Aufgabe mit Bravour erfüllen würde

Nach und nach wurde ihre Beziehung enger und William lernte ihre bionischen Modifikationen kennen, ihre Leistungsfähigkeit... und ihre Besonderheiten, die auch Telepathie beinhalteten. Mehrfach hatte sie sich in entsprechenden Trainingseinheiten mit ihm mental vereinigt, aber es ging nie sehr tief, weil William die bionischen Modifikationen und die entsprechende Hardware fehlte und sie nicht das Risiko eingehen wollte ihn dabei zu verletzen. Denn sie musste sehr schnell erkennen, das ein unmodifiziertes Nervensystem ausgesprochen überempfindlich auf elektrische Felder reagierte und fatale Folgen haben konnte. Ihre Fähigkeiten gingen durch diese Erweiterungen weit über dem hinaus, wenn man irdische Maßstäbe als Vergleich anlegte. Ihr ganzer Organismus war eng mit dieser fremdartigen organischen Technologie durchzogen auf eine Art und Weise, die jede Vorstellung traditioneller Transplanationstechniken sprengte. Und erst recht als es sich herausstellte, das diese noch organischen Ursprungs waren.

Obwohl William keinerlei bionische Modifikationen besaß und ein Mensch wie jeder andere auch schienen diese Lektionen nicht geschadet zu haben. Mehr noch, es war ihm gelungen eine Verbindung zu ihr knüpfen, die es ihm und auch ihr erlaubte Emotionen und auch Gedanken ohne einer direkten mentalen Verbindung auszutauschen. Es hatte bei Beiden noch eine Zeit gedauert bis ihnen bewusst wurde das sie auf einer gewissen Art geistig verbunden waren, denn im Gegensatz zu Kjeir, die sich ihrer Fähigkeiten bewusst war konnte sich William nicht erklären wie er solch eine Fähigkeit entwickeln konnte. Keiner in seiner Familie hatte jemals telepathische Fähigkeiten besessen.

Hatte sie während der mentalen Trainingseinheiten etwas in ihm aktiviert, was bisher inaktiv in ihm ruhte oder hatte das komplette Trainingspensum seine Ursache, das er Dinge wahrnahm, die er vorher nie spürte? Interessanterweise stellte er fest, dass es ihn nicht störte.

Das schien Kjeir ebenso zu sehen. Sie liebte es William dann innige Gedanken zukommen zu lassen und er ihr ... Er liebte ihre Nähe die ihm ein Gefühl von Geborgenheit und auch Stabilität gab. Selbst wenn sie manchmal weit voneinander entfernt waren. Attribute, die er lange und vergeblich bei seinen bisherigen Partnerinnen gesucht hatte.

Obwohl es eine Zeit bei ihm gedauert hatte in ihr mehr als nur eine Begleiterin zu sehen. Sie war 8 Jahre jünger als er und hatte anfangs in ihr mehr eine Art kleine Schwester als eine Frau gesehen...bis auf dem Tag auf Azimuth. Das war das erste Mal als sie spürten wie tief ihre Gefühle füreinander waren und nicht nur auf das geistige Niveau beschränkt blieb. Sie hatte William lange ihre Fähigkeit verschwiegen um sicher zu gehen, dass seine Gefühle für sie echt und nicht vorgetäuscht waren. Denn sie wusste, dass man mit entsprechenden Mental-Training einen Telepathen durchaus täuschen konnte. Erst als sich die Gewissheit herauskristallisierte dass er es wirklich ernst mit ihr meinte gestand sie ihm ihre Fähigkeiten Gedanken und Gefühle lesen zu können, denn ihre in ihr transplantierte Hardware war in der Lage Hirnwellen in entsprechende Bilder unzusetzen. Im Grunde war es der gleiche Vorgang wie bei einem Telepathen.

Sie hätte niemals gedacht, dass jemand solche Gefühle in ihr auslösen konnte seit dem Tag an wo sie William das erste Mal sah. Er war damals weit von dem entfernt, was er nun war. Ein chaotischer aber charmanter Flegel, der sich bis dahin irgendwie durch das Universum durchgeschlagen hatte immer auf der Suche nach neuen Reizen und Erfahrungen und doch gleichzeitig völlig ziellos. Wie ein Stück galaktisches Treibgut erschien er ihr.

Und plumpste wortwörtlich mit seinem Freund Richard  ihr vor die Füße.

Aber er musste etwas in sich gehabt haben, was ihre Aufmerksamkeit erregte. War es sein Aussehen? Er entsprach durchaus dem, was Kjeir als ansprechend empfand. Denn anatomisch gab es zwischen ihr und der menschlichen Spezies so gut wie keine Unterschiede, wenn man die Kybernetik außen vor ließ, zu der sie zur Hälfte bestand.

Oder war es sein Wesen? Seine schelmisch blitzenden Augen und das freche Grinsen, seine spontane Lebensfreude? Seine Mentalität hatte ihr auch die schönen Dinge des Lebens gezeigt, nachdem William durch sie Ruhe in seinem Bewusstsein erlangte. Dinge, die sie während ihrer Ausbildung im Tempel nicht von den Telepathen gelehrt bekam, weil sie für die Minbari auch nicht typisch waren.

Oder war etwas in ihm, was erahnen ließ, dass er zu einem den besten Anla`Shok werden würde?

Sie wusste es nicht.

Ganz in Gedanken versunken merkte sie nicht, wie sich eine Gestalt von hinten näherte und ihr unvermittelt eine große Tüte Karelianische Bonbons vor die Nase hielt....

….und spürte Sekunden später seine Lippen auf den ihrigen. Gefolgt von einer Welle von Innigkeit, die sie erwiderte. Zu lange hatte sie dieses Gefühl und die Nähe entbehren müssen.

„Hmmm....“mit einem sinnlichen Seufzer löste er sich von ihr und grinste sie breit an.„Hätte nicht gedacht das du so ausgehungert bist.“ Der Schalk blitzte ihm aus seinen Augen. „Hast du mich vermisst, dass du dich so fest an mich saugst?“

Seine grünen Augen schienen förmlich vor Freude zu glühen. William war eine Weile im Solar-System unterwegs gewesen und hatte natürlich auch die Erde besucht. Als er erfuhr und auch spürte, dass Kjeir in der Nähe aktiv war hatte er sie natürlich gesucht und sie nun gefunden. Dies entschädigte ihn für die letzten recht stressigen Wochen. Und sie gab ihm Kraft für neue Herausforderungen. Und die größte dürfte momentan sein großer Bruder Marcus sein. Denn er würde ihn besuchen, um nicht nur im Namen der Ranger und mit Genehmigung des Entil`Za einen für ihn lukrativen Deal für das heiß begehrte Quantium – 40 auszuhandeln, was seine Mine förderte und dringend für die Sprungtore benötigt wurde.

Wie lange ist es her, wann er seinen Bruder zuletzt gesehen hatte?

Er verzog ein wenig das Gesicht als ihm bewusst wurde, dass dies bei der Beerdigung ihrer Mutter war, die auch schon einige Jahre zurücklag. Danach hatte er Marcus nur kontaktiert wenn er finanziell ziemlich knapp bei Kasse war.....es würde unter Garantie kein freundliches Wiedersehen werden. Deshalb beschloss William dafür zu sorgen, das Kjeir nichts von diesen Querelen mitbekam. Denn Marcus missfiel auch Williams Umgang mit seinen Partnerinnen, die er wie das sprichwörtliche Hemd wechselte und hatte es ihm auch ziemlich deutlich gemacht.

Wie würde er auf die Tatsache reagieren, dass Kjeir eine Außerirdische und es auch ernst mit ihr war?

Er würde sicher enorme Überzeugungsarbeit leisten müssen dass Marcus Kjeir akzeptierte und ihn davon zu überzeugen dass er dieses Mal die Richtige gefunden, bevor er überhaupt daran denken konnte sie nach Arisia mitzunehmen.

„Was für eine Frage.“ Sie schnupperte an der Tüte. „Karelianische Bonbons....Will, die müssen doch ein Vermögen gekostet haben. Diese Knospen werden nur einmal im Jahr geerntet und sind  dementsprechend nicht ganz preiswert zu haben.“

William hasste es, wenn sein Name abgekürzt wurde. Dann war er für seinen großen Bruder nur der Willi. Markus wusste es und zog ihn immer damit auf, um ihn so richtig zu Ärgern.

Ganz im Gegensatz zu dem zärtlichen Will aus Kjeir`s sinnlichem Mund. Da wusste er dass sie in diesem Moment ihm innig zugetan war.

Sie sog den würzig-süßen Geruch tief in ihre Nase „Danke“ seufzte sie und umarmte ihn. Sie verbarg ihr Gesicht tief in seinem schwarzem Haar, küsste ihn sanft, sog seinen Geruch ein. Sein Bart kitzelte ihr angenehm an der Wange, löste in ihr Wellen des Verlangens aus, als seine Hände sanft über ihren Rücken glitten. Sie musste an sich halten ihre Hände nicht an Ort und Stelle unter seiner Kleidung wandern zu lassen. Sie sehnte sich nach seiner Wärme...

Schwer atmend lösten sie sich aus der Umarmung.

„Und...“ Ihre Wangen waren erhitzt, was er amüsiert zur Kenntnis nahm. Ihre sehr blasse Haut betonte die Röte sehr und ließ sie sehr zerbrechlich erscheinen, erst recht wenn sie einen mit ihren großen und sehr ausdrucksvollen blaugrauen Augen ansah, deren Pupillen geheimnisvoll in einem zarten Schimmer glühten.

Das gleiche empfand sie, wenn er mit seinen schelmischen, dann hintergründigen grünen Augen in ihrem Augenpaar versank.

Er spürte ihr Verlangen nach seiner Nähe und würde es ihr liebend gern endlos stillen. Auch wenn er sich der Disziplin des Anla`Shok mit Freuden unterwarf um so ein guter Ranger zu werden war er auch ein Mann mit gewissen Bedürfnissen und Sehnsüchten wenn man die Gegenwart einer geliebten Person genießen durfte. Aber es war noch zu früh daran zu denken so weit zu gehen, denn es gab einige Dinge, das, was sie sich von ihm und er von ihr sich ersehnte noch im Weg stand. Es machte beiden deutlich, dass sich sich zwar sehr ähnlich waren was die Anatomie betraf, aber die Unterschiede zwischen ihnen größer war als es auf dem ersten Blick vermuten ließ.

In Kjeir´s Adern floss nebst ihrem Blut elektrische Energie, die ihre organische und mechanische Harware versorgte und das tragen spezieller Kleidung notwendig machte um zu vermeiden, das dieses Energiefeld Stromkreise zum durchbrennen brachte oder eine andere Person von ihr einen Stromschlag erhielt. Das sichtbare Zeichen was auf diesen Stromkreislauf in ihr hinwieß war dieses Schimmern auf ihrer Haut und das hohe Summen in ihren bionischen Elementen.

William hingegen trug keinerlei bionische Transplantate, zumal unterschied er sich von ihr durch die Tatsache, das sie ein völlig anderes Nervensystem ihr eigen nannte, die es ihr erlaubte Energie wie Nahrung zu verwerten während ein Mensch wie William nur sehr geringe kaum fühlbare Energiespannungen verkraften konnten und alles was darüber hinausging den sicheren Tod bedeutete. Der menschliche Organismus war nie eine Verbindung mit künstlicher Technologie eingegangen und modifiziert worden, weil auch ihre technologische Entwicklung weit hinter der Spezies zurücklag, von der Kjeir entstammte oder erschaffen worden war.

Ihre eigene Cyber-Technik steckte noch in den Kinderschuhen, beschränkte sich in erster Linie darauf Behinderten oder Kriegsveteranen verlorene Fähigkeiten und Gliedmaßen zu ersetzen. Kommunikation im Cyber-Space war zwar schon möglich, aber ausgesprochen riskant und erforderte ein umfangreiches Equipment und das entsprechende Wissen. Was würde also mit ihm geschehen wenn sie sich einander näher kamen. Würde es ihn umbringen wenn pure innige Lust über sie triumphierte und jedes rationale Denken in diesem Moment ausgelöscht wurde? Wenn die letzte Barriere fallen würde wenn sie sich jenem Gefühl hingaben, eines der intensivsten Empfindungen zwischen zwei Liebenden? Konnten sie es riskieren oder würde es nur ein Wunschtraum bleiben?

William wischte diese Gedanken fort. Die Zeit war momentan zu kostbar um sich enlosen Grübeleien hinzugeben. Zur Zeit stand ein viel wichtigeres Thema an, dem er all seine Energie widmen musste.

Er blickte ihr tief in die Augen. „Ich werde in den nächsten Tagen meinen Bruder besuchen....“

Kjeirs Augen leuchteten erwartungsvoll auf. „Das ist ja wunderbar....“ Sie war in der Tat ziemlich neugierig auf William`s großen Bruder und hatte sich gefragt, ob er genau so aussah wie William.

„Und ich weiß, was du mich fragen willst, ob du mich begleiten kannst.“ Sein Blick senkte sich und er zog ein Pad hervor und reichte es ihr. Er musste seine Gedanken zusammen nehmen damit sie nicht registrierte, dass er diese Versetzung eingefädelt hatte. Der Zeitpunkt dafür war einfach noch zu ungünstig sie nach Arisia 3 mitzunehmen. Denn sein großer Bruder wusste noch nicht, dass es dieses mal wirklich ernst für ihn war, nachdem mehrere Beziehungen nicht lange gehalten hatte.

Irgendwie konnte William nicht so recht mit seinen Partnerinnen etwas anfangen. Sobald er das Gefühl hatte eingeengt oder gelangweilt zu sein war er auch schon fort.

Bei Kjeir war es anders. Auch wen zugegebenermaßen seine Motive sie kennenzulernen anfangs andere waren. Es war eher seine Neugier was ihn dazu trieb, denn mit solch einer exotischen Erscheinung wie sie hatte er es noch nie zu tun gehabt. Bisher war auf seinen Reisen keine Spezies ihm begegnet die ihr ähnelten. Erst recht nicht mit diesen Modifikationen. Schon alleine deshalb ging er das Risiko ein sie näher in dieser Spelunke kennenzulernen statt das Weite zu suchen, was für seine Gesundheit sicher zuträglicher gewesen wäre. Aber das war es ihm wert gewesen, all die Blessuren die ihm ihre erste Begegnung in diesem verrufenen Etablissement einbrachte. Sie war nicht nur eine Anla`Shok wie er, schließlich war diese Organisation sein Ziel, sie war auch mental wie er. Mit Wesenszügen, die den anderen fehlten und wie einem Puzzle gleich ergänzten.

Er war erstaunt, wie sehr sie innerlich gefestigt war für ihr sehr junges Alter. Was wohl auch daran liegen mochte, dass sie wie eine Minbari erzogen und ausgebildet worden war. Kjeir war, als sie sich kennen lernten eine pragmatisch nüchtern und dadurch fast leblos wirkende junge Frau, die gleichzeitig durch die strenge Ausbildung eine innere Ruhe ausstrahlte während er sehr zu tun hatte seine innere Unruhe und Ziellosigkeit unter Kontrolle zu bekommen Seine Mentoren lehrten ihm herauszufinden, welchen Sinn er in seinem Leben sah. Durch Kjeir lernte seine Energien zu bündeln und sich auf ein Ziel zu konzentrieren ohne ihn dabei einzuengen, was er stets verabscheut hatte. Im Gegenzug brachte er ihr nach und nach all die kleinen und großen Freuden bei, hauchte förmlich eine soziale Seele in ihr ein, die sie dankbar und neugierig zugleich in sich aufsog.

Menschliche Ranger gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht viele. Zumindest nicht jenen, den sie interessant befunden hatte als Seelengefährten zu akzeptieren.

Noch nie hatte William sich in der Gegenwart einer Frau so wohlgefühlt. Das sie zur Hälfte ein kybernetisches Geschöpf und einer unbekannten Spezies angehörte, war ihm im Grunde egal. Er brauchte sie einfach. Als Anla`Shok und auch privat ergänzten sie sich perfekt. Er hoffe, dass ihr niemals etwas zustieße.

Kjeir nahm das Pad entgegen und Enttäuschung zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab. Normalerweise hätte sie eine solche Nachricht gefreut. Doch jetzt würde sie wieder keine Gelegenheit bekommen die Arisia-Kolonie kennenzulernen. 4 Wochen lang wäre sie wieder von William getrennt....

William sah ihre Enttäuschung deutlich in ihren Pupillen.

„Kjeir, da verpasst du auch nichts. Es ist eine dreckige Minenkolonie. Die ist im Orbit, kein so schöner Ort. Und Arisia 3 selber ist extrem lebensfeindlich.“ Er grinste sie breit an. „Es gibt schönere Plätze, wo ich dich hin entführen möchte. Und Marcus bringe ich auch mit, versprochen. Und was der Einsatz betrifft, bei Richard bist du gut aufgehoben.“

In der Tat war die Orbitale Minen - Kolonie Arisia alles andere als einladend. Definitiv kein Platz, wo er Kjeir zum Essen ausführen geschweige mehrere Tage mit ihr bleiben würde. Und das lag nicht nur an der industriellen Architektur, die ausschließlich auf reine Zweckmässigkeit ausgerichtet war. Die Bewohner waren in erster Linie Minenarbeiter, teilweise mit ihren Familien, wenn beide Partner dort beschäftigt waren. Und dieses Millieu war nicht gerade berühmt für gehobene Konversation. Der Ton unter den Minenarbeitern wie bei den Besatzungen der Frachtschiffe war oft rauh und ebenso oft traf das auch auf ihre Manieren zu. Es reichte schon für William zu wissen, dass ihre eigenen Einsätze oftmals in solche Umgebungen führten deren Verständigung oft vollen Körpereinsatz notwendig machten. Wobei Kjeir keine Probleme hatte ihrem begriffsstutzigen Gegenüber mit durchschlagenden Argumenten zu antworten. Das hatte sie ihm gleich am Anfang bei ihrer ersten Begegnung eindrucksvoll demonstriert.

Und der Planetoid Arisia 3 selbst glänzte nicht gerade durch einen lieblichen Anblick denn William wusste, dass Kjeir einen absolute Ästhetin war und diesen Ort wollte er ihr auf keinem Fall zumuten. Arisia 3 hatte sich definitiv den Titel >Ungemütlichster Planet des Universums< verdient. Das Luft war extrem toxisch, tektonisch sehr aktiv, was sich täglich in Erdbeben und Vulkanausbrüchen äußerte. Und das unbeständige Wetter rundete das Bild eines lebensfeindlichen Planetoiden ab. Das einzig positive an ihr war das reichhaltige vorkommen von Quantium – 40...das teuerste und meistgefragte Mineral im Universum, das der Minenkolonie ein solides Einkommen gestattete.

Hinzu kam, dass er nicht wusste wie Marcus auf Kjeir´s Gegenwart reagieren wird. Die Nachricht an seinem Bruder, dass er kommen würde hatte er vor einem Monat abgesetzt und wohlweislich in letzter Sekunde sich die Bemerkung verkniffen das er in Begleitung kommen würde. Er fand das es dafür noch nicht die richtige Zeit war solange noch nicht einige Unstimmigkeiten zwischen ihnen ausgeräumt waren. Er verzog nur etwas säuerlich das Gesicht, denn die kurze Mitteilung hatte ihm etliches an Kredit – Einheiten gekostet. Die Nachrichten-Terminale in den Dock-Anlagen oder Flughäfen waren überall Preis intensiv. Eine ausgesprochen lukrative Geldquelle um Touristen oder Besatzungsmitglieder um ihre sauer verdienten Kredit-Einheiten zu erleichtern, doch eine andere Alternative hatte er zu diesem Zeitpunkt nicht. Er hoffte, dass diese Nachricht die Kredit-Einheiten wert waren, die dafür hinblättern musste, Marcus die Mitteilung las und nicht gleich auf die Lösch- Taste drückte wenn er nur seinen Namen hörte. Immerhin würde es ihm ein lohnendes Geschäft einbringen. Und dieser Auftrag war ein wichtiger Grund für William nach Arisia zu fliegen. Trotz aller Zwistigkeiten vermisste er seinen großen Bruder.

Auch wenn er sich insgeheim eine freundlichere Begrüssung erhoffte war ihm auch klar, es würde es kein einfaches Wiedersehen werden. Denn seit der Beerdigung ihrer Mutter hatten sie sich nicht mehr gesehen und Williams Kontakte zu seinem Bruder beschränkten sich danach auf einige sporadischen Mitteilungen, die meist finanzieller Natur waren. Marcus Wiedersehensfreude dürfte sich folglich in Grenzen halten wenn er erklären musste warum er sich lange Zeit sich nicht hat bei ihm nicht sehen lassen, weil er in der Zwischenzeit den Rangern beitrat und sechs Monate lang als Rekrut ein strenges Ausbildungspensum absolvierte. Alleine sein persönliches Anliegen und die Tatsache, dass er nun Seite an Seite mit Minbari bei den Rangern diente könnte Anlass für neuen Streit sein. Er kannte Marcus´ Aversion gegenüber den Minbari. Es würde ihm viel Überzeugungsarbeit kosten Marcus zu bitten sein altes Leben aufzugeben und mit ihm zu den Rangern zu gehen. Gleichzeitig machte er sich auch nicht all zu große Illusionen das seine Bemühungen fruchteten, Marcus war in dieser Beziehung ausgesprochen stur und war bisher keinen Millimeter von seinen Ansichten abgerückt. Er hoffte, das er zumindest erlaubte ein paar Ranger dort als Vorposten auf der Mine zu stationieren, damit sie das Areal überwachten um rechtzeitig auf Schattenaktivitäten zu reagieren.

Selbst für den Fall, dass Marcus seine Angebote und Vorschläge ablehnte, ja vielleicht sogar nicht mehr mit ihm reden wollte.... einen lukrativen Geschäftsabschluss würde er sich niemals durch die Lappen gehen lassen. Noch immer war seine Finanzielle Situation angespannt und konnte es folglich nicht leisten diese Offerte abzulehnen, was er bisher auch nie getan hatte. Gleich mit wem er Geschäfte gemacht hatte, er hatte sich immer stets als zuverlässiger Lieferant erwiesen und so war es nicht schwer Ranger One davon zu überzeugen, dass sein Bruder perfekt für diesen Deal war.

Es waren auch noch andere Gründe die er für den Grund hielt Kjeir nicht zu früh seinem Bruder vorzustellen. Er ahnte, dass seine Beziehung zu ihr Marcus nicht gefallen dürfte. Und das letzte war William gebrauchen konnte ist dass Kjeir diesen ganzen Streit noch mitbekam. Dann wäre unter Garantie nicht nur die Mine ein Reizthema zwischen ihm und Marcus. Die Tatsache dass er mit einer Außerirdischen Frau in der Minen-Kolonie aufkreuzen und sie als seine große Liebe präsentierte würde bei Marcus nicht gerade zu Freudensprüngen verleiten. Er würde die Beziehung zu ihr nicht sonderlich begrüßen. Wie bei den meisten Menschen war für ihn eine Beziehung zu einer Außerirdischen jenseits des Denkbaren. Es reichte schon zu wissen, dass er sicher von seinem großen Bruder garantiert mit Vorwürfen überhäuft werden würde, dass er seinen Verpflichtungen dem Erbe nicht nachkam.

Aber William hatte ihm mehr als einmal erklärt, dass er niemals in der Minen-Kolonie arbeiten wird. Er hatte absolut keine Lust dort für den Rest seines Lebens zu versauern während draußen das Leben tobte, aber leider auch große Gefahren. Eine alte Spezies schickte sich an langsam zum neuen Leben zu erheben, die dieses Universum bald in Trümmern legen würde wenn es nicht gelang rechtzeitig dem entgegen zu stellen....falls es denn überhaupt möglich war.

Sie waren einfach noch zu wenige.

Statt dessen würde er alles versuchen Marcus zu einem Beitritt zu den Anla`Shok zu überreden. Es musste gelingen. Vielleicht war sein großer Bruder inzwischen auch etwas offener geworden und bereit ihm zuzuhören. William wusste, dass Marcus alle Voraussetzungen als Ranger mitbrachte und er wusste auch, dass ihm das Dasein Boss einer Mine zu sein alles andere als Spaß machte. Er würde trotzdem verdammt viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Denn bei Marcus stand leider das familiäre Pflichtbewusstsein im Weg, was ihn an die Mine kettete.

„Na gut.“ Sie richtete sich auf. „ Ich denke, dass wir mit dem restlichen Tag noch etwas anfangen können als hier herum zu sitzen....wann musst du denn wieder fort?“

„Ich fliege leider schon morgen, ein Minbari - Schiff geht morgen nach Arisia, bin als Unterhändler und Dolmetscher bei den Verhandlungen dabei denn die Minbari an Bord sprechen kein Englisch.... wir haben also nicht viel Zeit, also nutzen wir sie so gut es geht.“

Er nahm ihre Hand ,hakte sie unter und begann fröhlich von seinen letzten Reisen zu plaudern.

„Es gibt hier einen  kleinen wunderschönen Garten, den musst du mal unbedingt ansehen....warst du  schon mal auf Arimorikke, dort gibt es herrliche hängende Gärten...ach ja, du musst unbedingt mal in das kleine Cafe auf der oberen Dock-Promenade.....Dort gibt es zig Eissorten, die musst du mal probieren....“

„Gib`s auch zuckerfreie Sorten....du weißt doch was Zucker bei mir anrichtet...“Kjeir lachte.

William lachte „Ja, du warst total High....“



Die Dämmerung war bereits hereingebrochen, als Kjeir und William Stunden später in ihr für diese Nacht gemieteten Hotelzimmer heimkehrten. Sie fühlte Schwermut, zu schnell waren die Stunden fort. Es würde ihr erneut wie eine endlose Ewigkeit erscheinen bis sie sich wieder in die Arme schließen konnten.

Doch diese Zeitspanne würde zeigen, ob ihre Mühen von Erfolg oder Scheitern gekrönt werden würde.

Kjeir griff in ihre Manteljacke und zog eine silberne Kette mit einem Medaillon hervor, genau die gleiche, die sie auch trug. Sie hatte sehr lange am Dessign und vor allem am organischen Innenleben gearbeitet um eine nahezu perfekte Kopie ihres Medaillons zu bekommen, dass sie trug, seit sie lebte. Offenbar hatte man ihr diesen unter dem dekorativen Äußeren verborgenen Neural-Scanner unmittelbar nach ihrer Geburt angelegt. Ihr ganzes bisheriges Leben war auf ihr gespeichert.... ihr Medaillon war faktisch ihre Gedächtnisbibliothek, das alles, was sie in Echtzeit sah und dachte in das organische Innenleben übertrug.

Auch wenn sie den Sinn und Zweck dieses außergewöhnliche Medium noch nicht verstand, warum sie überhaupt damit ausgestattet worden war, brachte es sie auf die Idee das gleiche mit William zu versuchen. Denn ihr war auch klar, dass er jederzeit nicht mehr von einer Mission zurückkehren konnte. So sehr ihr dieser Gedanke auch widerstrebte William zu verlieren musste sie auch dies stets mit einkalkulieren, dazu war sie zu realistisch. Sie hatte nie den Fehler begangen nur sich auf das Prinzip Hoffnung zu verlassen wie es viele taten und sich letzten Endes doch dem Unvermeindlichem beugen mussten. Zu überdeutlich zeichneten sich die ersten Spuren einer unruhigen Zeit ab, die von allen hohen Einsatz und vielleicht auch Opfer verlangen wird. Und bevor es zu spät dafür wurde beschloss sie so schnell wie möglich eine Kopie ihres Neural-Scanner und Datenkristall anzufertigen. Getrieben von den Gedanken ein Teil von ihm in einem Datenmedium zu konservieren.

Drei Monate hatte sie an diesem Schmuckstück gearbeitet, unzählige Versuchsreihen mit vielen Fehlschlägen die organischen Komponenten zu klonen bis sie endlich das Resultat hatte das funktionierte und sie zufriedenstellte. Es war ein klein wenig größer als ihres, da sie auf einige Ersatzkomponenten zurückgreifen musste. Zusätzlich hatte sie einen Transponder implantiert der ein Leuchtfeuer senden würde sollte er verloren oder in falsche Hände geraten. Sonst unterschied es sich nicht von dem, den sie trug.

Die Tests waren hervorragend verlaufen, der Scanner und das Datenmedium funktionierten einwandfrei. Sie hoffte, dass der Scanner empfindlich genug war und es auch bei William seinen Dienst verrichtete und alles, was ihn als Persönlichkeit und Individuum auszeichnete auf dem Datenträger abgespeichert wurde. Sie hatte diese Art eines Neural – Scanner noch nie an einem anderen Lebewesen probiert, weil sie diese Idee noch nie ansatzweise einst für einen anderen in Betracht gezogen hatte.

„Was ist das?“ fragte er.

„Bitte trage sie für mich.“ schnurrte sie, ein tiefer inniger Glanz legte sich in ihren Blick. „Es ist für mich sehr wichtig und vor allem, bringe sie wieder unversehrt zu mir zurück... es ist gewissermaßen ein Zeichen unserer Verbundenheit. Soweit ich weiß gibt es solche Liebesketten bei den Menschen, wo man jeweils eine Hälfte vom Anhänger trägt und erst beim Zusammensein wieder aneinanderfügt.“

William betrachtete das Schmuckstück. Es war sehr fein gearbeitet und schien von innen heraus zu leuchten....wie das Gegenstück an Kjeirs Hals. Offenbar eine Art Freundschaftskette...der fremdartige Glanz faszinierte ihn und schien aus dem Material zu bestehen, aus der auch die Bionischen Cybertransplantate stammten, die wie ein feines Netz Kjeir`s linke Schläfe überzog und an den Neural-punkten im Gesicht verbunden war. Er fragte sich, wie viel Kybernetik unter ihrer Haut steckte, die nicht zu sehen war.

War sie einzigartig oder gab es ein Volk die eine Verschmelzung zwischen Organischem und kybernetischem Leben vollzogen hatten?

Wenn ja, dann hatte man sie noch nicht entdeckt. Das könnte auch erklären, warum Kjeir bis heute nichts über sich weiß.

„Versprochen.“ Sanft hauchte er einen Kuss auf ihre Nasenspitze. Vorsichtig legte er die Kette um seinem Hals. Als er es anlegte hatte er das Gefühl ihr besonders nahe zu sein. Er spürte eine innere vertraute Wärme.

Sie schloss ihre Augen als sie seine vertraute Geistessphäre in ihrem Bewusstsein spürte, obwohl sie ihn nicht berührte. Ein deutliches Zeichen, dass das Medaillon tatsächlich auf William reagierte und funktionierte ...und es begann seine Gedankenmuster aufzuzeichnen. Sie würden sich trotz der Entfernung einander spüren...

Kjeir war überglücklich über ihre Schöpfung.

Wenn ihm doch etwas geschehen würde, hätte sie nicht nur eine Kopie von seinen Erinnerungen, die sie mit einem entsprechenden Modul reaktivieren könnte. Auch ein Büschel Haare, die sie in einer Kristallschatulle aufbewahrte...mit Haarwurzeln, die seine DNA enthielt. Denn sie wusste, wie schnell der Tod einen packen und sie wollte sich nicht auf gut Glück verlassen irgendwie durch den aufkeimenden Konflikt zu manövrieren. Der Gedanke ihn zu verlieren hatte sie zu diesem Schritt veranlasst. Zu oft hatte sie diese Glücksmomente als zu flüchtig erleben müssen ohne dass etwas zurückblieb, an das sie sich halten konnte und sie war es leid diese Gefühle immer und immer wieder zu spüren.

Auch wenn sie es zu diesem Zeitpunkt noch als zu gewagt empfand William durch Klonen wieder an ihre Seite zu holen, der Gedanke das es möglich war beruhigte sie etwas. Auch wenn sie nicht wusste, ob das, was sie sich vorstellte, auch wirklich funktionierte.

Sie waren Anla`Shok....sie kannten die Risiken und William auch. Jetzt mehr als denn je. Eine dunkle Macht schickte sich an sich zu erheben...auch wenn sie diese nicht in Worte fassen konnte spürte sie die Gefahr...

Den Tod hatte sie bereits auch schon mehr als einmal in die Augen gesehen und Williams Verzweiflung spüren müssen.

Es hätte durchaus sein können, dass er dann zurückblieb ohne sie.

Auch wenn sie den Eid geschworen hatten für den Einen zu leben und für den Einen zu sterben...jemanden zu verlieren war die größte Pein. Kjeir hätte niemals es für möglich gehalten, für jemanden so tiefe Gefühle zu entwickeln.

Sie spürte seine Besorgnis. Die Reise war für ihn mehr als nur die Geschäftsverhandlungen mit seinem Bruder zu führen. Schon seit einer geraumen Zeitspanne waren die Schattenaktivitäten massiv angestiegen und Arisia lag nicht weit von einem potenziellen Angriffsziel entfernt. Denn diese Minenkolonie förderte das sehr wichtige Quantium 40, um die Sprungtore damit zu versorgen. Denn die Ranger brauchten eine zuverlässige Quelle für das Quantium – 40.

Er hoffte endlich Marcus davon zu überzeugen, dass er bei den Anla`Shok besser aufgehoben ist als in der Minenkolonie, dessen Aufgabe als Geschäftsführer ihn nicht sonderlich glücklich machte. Aber es würde nicht leicht werden. Marcus hatte nie etwas für die Aktivitäten seines Bruders übrig gehabt und erst recht nicht, wie er es mal ausgedrückt hatte für irgendwelche Legenden oder Hirngespinste, die die Ranger angeblich nachjagten.

Für Marcus war dies keine Option, obwohl sein momentanes Leben auch nicht das Wahre war...aber die Pflicht überwog alles. Obwohl er vielleicht insgeheim William ein wenig beneidete, auch wenn er es nicht zugeben würde. Denn er war klug genug gewesen, das Erbe auszuschlagen, eben weil es nicht sein Ding war sich mit Behörden oder anderen Firmen herumzuschlagen, die nach und nach die kleinen Familienunternehmen schluckten oder die Erdregierung sie mit üppigen Steuerforderungen auspressten.

Dann war natürlich noch Richard, sein bester Freund, unter seinem Kommando Kjeir gestellt worden war. Wie er ebenfalls aus der Arisia-Kolonie stammte und auch noch Familienmitglieder dort wohnen hatte... Und auch er musste ziemlich viele Streitereien mit seinem Vater oder Geschwistern ausfechten, die ebenfalls nicht sonderlich von seinem Lebensweg begeistert waren.

Auch Richard hielt nichts auf der Minen-Kolonie und zog kurzerhand eines Tages mit ihm gemeinsam los. Er fragte sich, was sein engster Freund gerade so alles trieb. Das Schiff würde in ein paar Tagen diese Station anfliegen und Kjeir abholen...

Er wartete, bis Kjeir geduscht ins Bett schlüpfte.„Schlafe gut meine kleine Seelengefährtin...ich bin auch gleich bei dir.“ Sanft schob er die Decke über ihren zierlichen Körper. Danach entledigte er sich seiner Kleidung unter ihren sehnsüchtigen Blick und huschte unter die Dusche...

Am Morgen danach waren sie beide zeitig aufgestanden um noch etwas mehr Zeit füreinander zu haben, denn William musste fort.

William war dieses Mal etwas zeitiger aufgestanden um wie jeden Morgen in tiefer Meditation zu versinken während Kjeir noch tief schlief. Er hätte sie auch deswegen wecken können, aber dann wäre die Überraschung keine mehr. Denn er hatte ein üppiges Frühstück sowie ein ausladendes Blumenbouquet auf das Zimmer kommen lassen und genossen nun die Momente innigen Genusses. Für ihn gehörten auch solche Momente zu einem perfekten Start in den Tag. Es war für ihn ein Symbol für die schönen Momente des Lebens.

Und Kjeir liebte Blumen über alles.

Sanft schoben sie sich kleine Happen in den Mund ihres Gegenübers, die sehr aktive mentale Verbindung durch durch die innige Körpernähe verstärkte die Bindung zwischen ihnen. Es würde Wochen vergehen, ehe sie wieder die Gelegenheit dazu hatten. Das Ranger-Leben ließ kaum ein Privatleben zu und deshalb war jede einzelne Minute ausgesprochen kostbar als es sinnlos zu verschwenden. Zuvor hatten beide unter der Dusche sich innigen Zärtlichkeiten hingegeben, indem sie sich gegenseitig einseiften und dabei herumalberten. Kjeir genoss diese sinnlichen Momente der Nähe, das Perlen des Wassers  auf ihrem Körper und die Präsenz Williams, sein Lachen und das Blitzen seiner grünen Augen, seiner sanften Hände....zu selten waren diese Momente fernab des Lebens als Ranger. Sie hätte nicht gedacht, dass es außerhalb der Welt voller Verpflichtungen, Regeln, Gefahren und Entbehrungen eine Wundertüte voller sinnlicher Momente gab, die nur eine geliebte Person einen schenken konnte. Vor dem Erscheinen des William Cole in ihrer Welt der Ranger hatten Regeln und Rituale ihr Leben bestimmt....bis William zeigte, dass es noch einige andere Dinge gab wofür es lohnte zu leben und die sie noch nie erfahren hatte....ja überhaupt nicht glaubte, überhaupt zu solchen Empfindungen fähig zu sein oder sie gar zu besitzen....

Bis sie in einer Spelunke seine wunderschönen Augen gesehen hatte....

Und William genoss das unbekümmerte heitere Wesen Kjeir`s, gepaart mit einer tiefen Ruhe und tiefen Vertrauen die ihn für einige Momente das stressige und manchmal entbehrungsreiche Leben eines Rangers vergessen ließ. Vom ersten Moment an hatte ihn dieses zarte Geschöpf fasziniert und schnell festgestellt, dass sie ein hervorragender Ranger, aber als Individuum gewisse emotionale Defizite hatte....in gewisser Hinsicht hatte er sie förmlich erweckt, ihr gezeigt, dass es noch einige aufregendere Sachen als nur Pflichten gab....beispielsweise sich über beide Ohren zu verlieben...

Auch wenn es ihn immer wieder schockte, wie jung sie noch war um sich solch einem risikoreichem Leben einzulassen...sie wirkte so zerbrechlich, obwohl sie dieser Erscheinung schon mehrfach Lügen strafte. Glücklich lächelten sie sich einander an und stiegen aus der Duschzelle, das Wasser wurde kalt. Danach hingen sie jeweils ihren eigenen Gedanken nach, als sie sich ankleideten.

Kjeir erinnerte dies an den Sommerregen auf Azimuth, beide waren völlig vom Regen überrascht und ihre Kleider durch die Intensität der Tropfen schnell durchnässt worden. Sie fanden Unterschlupf in einem alten Gartenhaus. Sie glaubte immer noch den schweren Geruch feuchter Erde zu riechen, als sie sich das erste Mal schüchtern küssten und ihre Gedankensphären sich zart berührten. Die Hitze seiner Haut als sie sich ihrer nassen Kleidung entledigten, damit sie trocknen konnte, seinen erregten Atem, als er sie als Frau wahrnahm und als Folge bei ihm etwas reagierte, was  eigentlich nur in gewissen intimen Stunden wünschenswert gewesen und Beide und vor allem ihn in Verlegenheit brachte.

Durch die jetzt sehr starke noch sehr aktive telepathische Verbindung seitens Kjeir erinnerte sich auch William an diesen Moment, als sie das erste Mal Geistig ziemlich einander nahe kamen...für ihn würde der Klang von Regen immer mit diesem Moment verknüpft bleiben...er hatte gespürt wie stark sie war als sie zum ersten Mal eine Gedankenverschmelzung mit ihm vornahm, weil er natürlich auch von Neugier getrieben wurde, was wohl dabei passieren mochte....für einen Nichttelepaten war diese Welt verschlossen. Aber in diesem Moment waren sie sich sehr nah gekommen und das erste Mal gespürt was es bedeutete mit einer mental sensiblen Frau liiert zu sein....

Die erotisch körperliche Reaktion als Mann auf eine Frau war leider ziemlich peinlich für ihn... er hatte eigentlich nicht vor gehabt sich so in Verlegenheit zu bringen. Zwar hatte Kjeir darüber kein Wort verloren, aber William konnte nie ganz verhindern, dass sich Wochen danach manchmal sich seine Wangen vor Verlegenheit röteten wenn er sie sah. Er hatte das Gefühl sie irgendwie verletzt zu haben, obwohl es eine normale körperliche Reaktion eine Mannes auf eine Frau war, ein Zeichen, dass er sie begehrte. Kjeir war noch so jung und es wäre ihm nie in den Sinn gekommen sie zu berühren. Sie hatte etwas unschuldiges an sich, die durch eine unangemessene Reaktion seinerseits entweiht worden wäre. Wahrscheinlich hatte sie noch nie das intimste Körperteil eines Mannes in seiner voll aufgerichteten Pracht gesehen.
Und in diesem Moment hätte er Richard dafür den Hals umgedreht als sie von Azimuth an Bord gingen und er natürlich es nicht lassen konnte anzüglich zu grinsen, als beide aufgrund der Situation im Gartenhaus gleichzeitig erröteten und er zugegen kam....

Danach hatte er mit seinem Freund mehrere Tage lang kein Wort gewechselt bis Kjeir die Beiden bat sich wieder zu vertragen.

Richard war ein guter Kumpel  und auch ein sehr verlässlicher Freund, doch manchmal schossen seine Gedanken, die Erotik enthielten, in eine recht zu derbe Ecke...bis dieser eines Tages feststellen musste, dass Kjeir Telepatin war und alles mit bekam, was er sich dieses Themas gedanklich an Entgleisungen erlaubte, vor allem ihr und William gegenüber.... Danach übte Richard besonders intensiv in Meditation...sehr zur Freude seines Mentors Sech Turval, der aber nie herausbekommen hatte, was die Ursache für den Sinneswandel seines Schülers war, der sich bis dahin nicht gerade durch herausragenden Fleiß diesbezüglich geglänzt hatte...

„Danke William...aber ich bin jetzt definitiv satt...“ Kjeir rollte genüsslich mit den Augen. „Noch ein Happen und ich platze.“

„Lieber nicht.“ Ein zärtlicher schelmischer Glanz, begleitet von einem leicht schiefen Grinsen.“ Ich will ja auch im Zukunft noch was von dir haben.“ Er steckte sich die Frucht in den Mund. Sein Blick fiel auf die Uhr. „Wahnsinn, wie schnell die Zeit weg ist. Ist schon 8 Uhr und ich muss nun los.“

Sie räumten rasch alles zusammen, um sich danach gemeinsam aus den Hotel aus zu checken. Als sie heraustraten ging gerade die Sonne auf und tauchte das Firmament in einem Gold-violetten Schein.

„Einfach nur wunderschön William...ich möchte diesen Moment jeden Tag erleben mit dir an meiner Seite.“ flüsterte sie.

„Ich auch...“ seine Lippen verschmolzen mit den ihren...

Wenig später standen sie am Dock. Das Schiff der zu den Arisia-Kolonien flog war fast fertig gelöscht und würde in zwei Stunden abfliegen. Sie hatte ihren Kopf an seine Schulter gelehnt, in ihr brannte die Sehnsucht und dass obwohl er noch nicht abgeflogen war.

„Am liebsten würde ich dich nicht gehen lassen oder einfach in den Frachter zu dir steigen und mitfliegen.“ Sie sah zu ihm auf.

„Na...“ein gespielt tadelnder Blick traf sie.“Du wirst doch nicht etwa undiszipliniert werden oder...? Er sah ihr tief in die Augen. „Die vier Wochen werden schneller vergehen als du gucken kannst und ich verspreche dir danach....“ein entrückter Glanz machte sich für einige Sekundenbruchteile auf seinen Pupillen breit und wich wieder den schelmisch hintergründigen Blick, den sie so mochte. “....bereite ich uns eine besondere Überraschung.“

Kjeir spürte eine tiefe Wärme aufsteigen. William war das Wertvollste und das Beste, was ihr je begegnet war. Zärtlich strichen ihre Finger über seine Wange und er spürte die tiefe Zuneigung, die sie ihm entgegenbrachte.

„Ah sind Sie bereit?“ ein Minbari war auf ihn zu getreten.“ Wir starten gleich, Sie sollten an Bord kommen.“

„Ich werde gleich da sein.“ Er wandte sich um. „Meine kleine Seelengefährtin“ Sanft streichelte er ihr Gesicht. Er berührte ihr tiefes schwarzes Haar, dass ihr über die Schultern floss und ein blasses Gesicht betonte, die feinen Cybertransplantate an ihrer linken Schläfe, atmete eine zarten blumigen Duft ein und sah in tiefgründig blickende blaugrauen Augen, in denen ein gewisses Versprechen und Sehnsucht, aber auch tiefe Sorge lag.

„Ich muss jetzt los.“

Kjeir hielt seine Hände fest, die so voller Zärtlichkeit waren, strich ihre Wange über seinen Handrücken und küsste sie, ehe sie tief in seine grünen sinnlichen Augen blickte, die sein schmales Gesicht dominierten, die von seinem schwarzem schulterlangen Haar und einem Bart umrahmt würde und ihm eine elegante Erscheinung gab. William war zweifelsfrei ein wunderschöner Mann.  Sie hatte Mühe, sich von ihm zu lösen, als er sich umdrehte um den Frachter zu besteigen. Als er sich umdrehte sah er Tränen in ihren Augen, während sich die Tür langsam schloss.

„Ich liebe dich William!“

Die Tür schloss sich  und das Schiff löste sich langsam von der Andockvorrichtung ....

To be continued....