Schwarzer Rabe und weiße Eule

von Silvaria
GeschichteMystery, Romanze / P12
Juro Krabat Lyschko OC (Own Character) Tonda
24.10.2016
10.11.2016
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Heyho!
Willkommen zu dieser neuen Krabat-Story. Ich kenne Film und Buch erst seit Kurzem, muss aber sagen, dass die Geschichte es mir sehr angetan hat. Da ich jedoch auch eigene Vorstellungen hatte, habe ich mich entschlossen, eine Fanfiction dazu zu schreiben. ACHTUNG! Uploads kommen recht selten und unregelmäßig, da ich mich vornehmlich meiner anderen FF (Fandom: Maze Runner) widmen werde. Joah.
Ich habe mich sowohl am Film als auch am Buch orientiert und noch dazu einiges dazuerfunden, also wundert euch nicht, wenn ihr manches nicht wiedererkennt.
Über Reviews freue ich mich natürlich immer, egal ob direkt hier oder per Mail.
GGGLG Silver


Prolog


Dass sich die Liebe auch immer den schwierigsten Weg suchen musste, dachte sich Juro. Er dachte dabei nicht an sich, sondern an seinen einzigen wirklichen Freund, Tonda. Tonda war ein Jahr jünger als Juro und seit einem Jahr auf der Mühle. Er war ein kluger Bursche, und oftmals wirkte er erwachsener, als er sollte mit seinen siebzehn Jahren. Jetzt gerade stand Tonda mit gesenktem Kopf neben Jankos Grab, die Zähne in die Unterlippe verbissen, als wolle er so die Tränen zurückhalten, die seine dunklen Augen zum Glänzen brachten. Juro tat er leid; auf diese Art und Weise die Geheimnisse der Mühle zu erfahren, war schlimm genug, aber Tonda hatte damit außerdem erfahren, was geschehen würde, wenn man ihn und sein Mädchen erwischte.
Tondas Mädchen war nicht etwa eine Bauerstochter aus einem der Dörfer, nein, sie war ein Kind des Weißen Volks. Wer genau das war, das Weiße Volk, das wusste Juro selbst nicht, aber der Meister fürchtete sie, weil sie reinere und somit mächtigere Magie praktizierten als er. Deshalb wurde er nicht müde zu betonen, dass sich die Burschen von den Mädchen des Weißen Volks fernhalten sollten. „Sie mögen schön sein, aber im Inneren sind sie verrottet wie ein alter Apfel“, pflegte er zu sagen, und Juro pflegte seinerseits zu stolpern und den Meister anzurempeln oder mit Essen oder Unrat zu überschütten. In seiner Rolle als der „Dumme Juro“, der den anderen gerade gut genug für die Hausarbeiten war, konnte er so etwas tun. Nur Tonda kannte ihn, wie er wirklich war. Nun gut, nur Tonda und sein Mädchen, aber keiner der beiden hätte ihn je verraten. Im Fall des Mädchens stünde auch in Frage, ob der Meister ihr überhaupt Glauben schenken würde. Es war zu bezweifeln.
Juro wartete, bis die anderen Burschen wieder auf dem Marsch zurück zur Mühle waren, bevor er zu Tonda hinüberging und eine Hand auf seine Schulter legte.
„Komm jetzt“, flüsterte er. „Du kannst nicht ewig hier herumstehen. Wer auf der Mühle stirbt, wird vergessen, das ist die Regel.“
„Ist mir egal“, flüsterte Tonda zurück. Seine Stimme war rau und zittrig. „Ich werde Janko nicht vergessen. Das kann ich nicht. Wenn ich es vergesse…“
„Dann lass es dir nicht anmerken“, unterbrach Juro ihn und zog ungeduldig an Tondas Umhang, bis sich dieser dazu bewegen ließ, langsam zur Mühle zurückzugehen.
„Jetzt weißt du, was ich damals an Ostern meinte“, sagte Juro mit gesenkter Stimme. Tonda nickte. Juro hatte ihn in seiner ersten Osternacht letztes Jahr gewarnt: Die Mühle sei nicht sicher, und man könne dort nicht weg. Aber wie jeder Neuling hatte Tonda sich nicht dazu bewegen lassen, den Meister zu verlassen, solange er es noch konnte. Und so hatte Juro es dabei belassen, ihn vor dem Meister zu warnen und sein Freund zu sein. Als Tonda Sannara begegnete, kurz nach Ostern, als er in den Wald geschickt worden war, um Holz zu schlagen, hatte Juro ihm den Rat gegeben, sie vor den Burschen geheim zu halten, besonders, da sie vom Weißen Volk kam. Und Tonda hielt sich an den Rat.
„Du weißt, wieso Janko sterben musste“, sagte Juro jetzt. Tonda nickte. „Er hatte ein Mädchen.“ Er schwieg kurz, dann fragte er: „Wieso verbietet der Meister, dass wir Burschen Mädchen haben?“
„Es steht im Koraktor“, gab Juro zurück. „Aber keiner von uns weiß, wieso es verboten ist. Ich versuche, es rauszufinden.“
„Sannara wird also weiterhin ein Geheimnis bleiben“, murmelte Tonda. „Ich will sie nicht in Gefahr bringen.“
„Sie könnte sich vermutlich besser beschützen als du es kannst“, gab Juro zurück. Er hatte Sannara mehrmals treffen dürfen, immer, wenn Tonda und er einen Auftrag des Meisters ausgeführt hatten, und er hatte sofort die Kraft gespürt, die von dem Mädchen ausging. Sie war jung, sechzehn Jahre erst, und so zerbrechlich sie aussah mit dem dunklen Haar und der hellen Haut, sie war bereits jetzt mächtig und stark. Sie hatte Kräfte, die nicht einmal Juro kannte, und er war immerhin ziemlich gewandt im Umgang mit den dunklen Künsten.
„Was meinst du damit?“ Tonda blieb stehen und schaute Juro an.
„Ich meine bloß, dass sie beim Weißen Volk Schutz suchen kann. Du kannst nicht von hier weg.“ Juro zog seinen Freund weiter. „Ich kann dir nicht viel raten, aber am besten ist es, du behältst sie geheim wie zuvor und gibst weder dem Meister noch den Burschen Anlass zu glauben, du hättest ein Mädchen. Trefft euch im Geheimen, wie ihr es sonst gemacht habt.“
„Und wenn das nichts nutzt?“ Tonda schaute noch einmal zurück zum Wüsten Plan, wo nun Janko lag. Janko, der mit seinem Mädchen hatte fliehen wollen. Eine Tanne hatte die beiden erschlagen, die in einem plötzlichen Sturm umgestürzt war. Das Werk des Meisters, getarnt als Unfall. Jeder auf der Mühle wusste es, obwohl es niemand sagte.
„Der Meister hat die beiden doch auch enttarnt“, fuhr Tonda fort. „Woher weiß ich, dass er mich und… und sie nicht auch erwischt?“
„Ich denke, jemand hat sie verraten“, erklärte Juro. „Lyschko vermutlich, du kennst ihn ja.“
Tonda antwortete nicht. Juro seufzte und bereitete sich darauf vor, wieder den „Dummen Juro“ zu geben. Vielleicht konnte er Lyschko bei Zeiten in den Schnee stoßen – aus Versehen natürlich.
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