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Borderlands III - Das Artefakt

GeschichteSci-Fi / P16 / MaleSlash
Data Deanna Troi Geordi LaForge Jean-Luc Picard Worf
24.10.2016
19.12.2016
14
47.647
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15.11.2016 3.807
 
Das schien Toran zu genügen. "Prüft den Status von Charon 7", befahl dieser als er zu einem Kommunikator getreten war. Einen kurzen Augenblick später kam die Antwort: "Die Atmosphäre zeigt abnorm hohe Strahlungswerte der Stufe C auf. Außerdem verlassen ständig Schiffe den Orbit, Herr."
Für einen Moment herrschte Stille. "Eine Boje sendet die Warnung, sich dem Planeten zu nähern. Er wird als Todeszone bezeichnet. Wir werden Charon 7 in 48 Stunden erreichen."
"Da hören Sie es! Wir müssen das Artefakt, das Sie haben, wieder dorthin bringen, wo ich es herhabe, auf Varaas 3. Damit wird es vielleicht aufgehalten!" Etienne widerstand dem Drang sich gegen das Kraftfeld zu werfen. Hier ging es nicht mehr um ihn.
"Vielleicht ist das ein Ablenkungsmanöver", meinte Toran. Er sprach schleppend. "Wir werden nach Charon 7 fliegen. Dort werde ich sehen, ob das stimmt. Warum sollte die Föderation der Verbleib eines Grenzplaneten stören? Ein Rattenloch weniger."
"Toran, verdammt, haben Sie nicht zugehört? Das ist kein Trick! Sie haben die halbe Galaxis auf dem Gewissen, wenn Sie es nicht aufhalten!"
"Halten Sie den Mund. Sie sollten sich um Ihr eigenes Schicksal Sorgen machen. Wir fliegen nach Charon 7. Dann werde ich ja sehen, ob alles nur gelogen ist."
"Toran!!!" Aber der Romulaner hörte ihn nicht mehr, er war bereits aus dem Raum gegangen. Etienne sank in sich zusammen. Es war alles umsonst gewesen. Und nicht einmal ein schneller Tod war ihm vergönnt. Toran hatte mit ihm gespielt und alles gewusst. Aber das wichtigste hatte er nicht gewusst. Jetzt fuhren sie zu einem sterbenden Planeten. Vielleicht starben sie ja dabei auch gleich mit.

A´kebur blinzelte. Er war unter Fell begraben. Er fühlte sich überhitzt an und hatte Durst. Er spürte Etienne noch immer nicht. Allein diese Feststellung ließ in ihm wieder Panik aufsteigen. Eine raue Zunge leckte über sein Gesicht und Mikku sah ihn mitfühlend an.
"Gehts Ihnen besser, mein Junge?", fragte Harlan vom Pilotensitz her. "Wir brauchen nicht mehr allzu lange." Er lächelte breit. "Wir fliegen mit Warp 4,4. Uns fliegt fast der Antrieb um die Ohren. Aber das wird schon."
A´kebur setzte sich auf. Seine Glieder fühlten sich an, als wäre er alt und verbraucht. Und in seinen dunklen Erinnerungen glaubte er zu wissen, dass der Captain behauptet hatte, sein Schiff würde nur 3,9 schaffen. Ganz offensichtlich gab es noch weitere Ressourcen auf diesem Schiff. A´kebur versuchte sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. "Wie lange wird es dauern?", fragte er rau.
"Ungefähr noch drei Stunden", antwortete der Captain, "und bis dahin sollten Sie wieder einigermaßen fit sein. Keine Ahnung, was uns erwartet."
"Der Planet ist eine Todesfalle", flüsterte A´kebur, dem die Stimme versagte. "Niemand kann dort leben. Es dürfte sich keiner da mehr aufhalten."
"Ich werde jedenfalls mal ein paar Funksprüche absetzen. Aber wie kann Etienne da sein, wenn der Planet hinüber ist?"
"Ich weiß es nicht. Aber ich bin mir ganz sicher." A´kebur versuchte sich aufzusetzen. "Was ist das da in den Langstreckensensoren?", fragte er.
"Das? Eine kleine Raumanomalie vor uns." Harlan runzelte die Stirn. "Allerdings fliegt sie mit Warp 8,9. Merkwürdig. Aber meine Sensoren sind speziell kalibriert, die können auch mal Fehlanzeigen machen."
A´kebur wankte. Schwer ließ er sich in den Co-Piloten-Sitz fallen. Er wischte sich über die Augen. Dann begann er mit den Fingern über die Anzeigen zu gleiten. Kalibrierte sie und sah dann noch einmal genau hin. "Es ist ein getarntes Schiff. Ich bin mir sicher. Das ist keine natürliche Anomalie."
"Ein getarntes Schiff, hier? Dabei sind wir außerhalb der Neutralen Zone und fast im Föderationsgebiet..." Harlan starrte auf die Anzeigen.
Mikku drängte sich zwischen sie. "Es ist ein getarntes Schiff", tippte sie.
"Und was machen wir jetzt? Einfach weiterfliegen? Waffensysteme laden? Gegen einen Warbird oder einen Bird of Prey kommen wir nie an. Außerdem wissen wir nicht, was die hier wollen." Der Captain musterte A´kebur. "Haben Sie eine Ahnung, mein Junge?"
"Auf dem Schiff muss Etienne sein. Ich bin mir sicher, dass er dort ist."
"Ja? Wie gesagt, auf einen Kampf würde ich es mit denen nicht ankommen lassen. Sollen wir es mit reden versuchen?"
"Es ist Toran. Ich weiß nicht. Ich kenne Toran nicht. Kann man mit ihm reden?" A´kebur wusste nicht genau, woher er das wusste. Aber er redete sich ein, dass es die logische Konsequenz war, dass es nur Toran sein konnte, der ihm Etienne wegnahm.
"Toran? Mit dem ist nur zu reden, wenn man ihm ein unwiderstehliches Geschäftsangebot machen kann. Ansonsten ist er schlichtweg ungesund." Harlan runzelte die Stirn. "Ich persönlich habe kein Verlangen, sein Kielwasser zu kreuzen. Der Typ ist selbst für einen Romulaner außergewöhnlich gefährlich."
A´kebur berührte die Kontrollen des Schiffes. "Ich muss zu ihm."
Aber jegliche Funkversuche schlugen fehl; das getarnte Schiff reagierte nicht, sondern verfolgte stur seinen Kurs, der laut Harlans Berechnungen ebenfalls geradewegs nach Charon führte.
"Was will der im Sperrgebiet?", brummte der Captain, "Wenn die Luft da unten wirklich schon so ungesund ist."
"Ich weiß nicht. Wir müssen ihnen folgen", bestimmte A´kebur. Seine Stimme klang fester und er wirkte klarer.
"Wir sind vor ihnen, aber sie werden uns bald einholen. Wenn sie nicht schneler werden, sind wir fast zeitgleich im Orbit. Aber wir müssen sehen, was sie tun, wenn wir bei Charon angekommen sind", meinte der Captain, "auf jeden Fall sollten wir uns nicht unnötig mit den Romulanern anlegen."
"Ich töte sie!", knurrte A´kebur und bleckte die Zähne.
"Junge, ein Warbird hat mindestens zwanzig Mann Besatzung! Etienne ist nicht geholfen, wenn Sie sich abknallen lassen. Wir sollten lieber in Ruhe überlegen."
"Ich töte sie!" A´keburs Körper ruckte. Der Blick, der dem Captain zuteil wurde, war wild und voller Wut. Unvermittelt sprang Mikku auf und fauchte A´kebur an. Ihr Blick war unmissverständlich: "Setz dich wieder hin und rede nicht solchen Unsinn!"
Harlan hob beschwichtigend die Hände. "Ich kann das Transportersignal checken, falls sich vom Warbird aus Personen auf den Planeten beamen und feststellen, ob ein Mensch dabei ist", schlug er vor, "wenn ja, haben wir eine gute Chance. Ich kenne Charon wie meine Westentasche."
Harlan sah von einem zum anderen. Irgendwie hatte er nicht das Gefühl, als würde ihm irgendjemand auf diesem Schiff zuhören. A´kebur und Mikku funkelten sich einander an, als würden sie einen Wettbewerb austragen. Doch dieser Wettbewerb war tödlich. A´kebur wich nicht zurück. Nur Mikku konnte hören, wie er grollte.
Harlan ächzte.
Was hatte er sich da nur eingebrockt? Er gab es auf, die zwei Streithähne trennen zu wollen und konzentrierte sich auf die Anzeigen. Charon 7 war nur noch ein paar Flugstunden entfernt, und das getarnte Schiff war noch nicht langsamer geworden.
A´keburs Kopf folgte der Bewegung, als Charon 7 im Monitor auftauchte. Wie von selbst stellte er die Sensoren ein. Sie schlugen aus und gaben roten Alarm. Offenbar war der Zustand des Planeten noch kritischer geworden; die Anzeigen warnten, dass die Strahlung nach 24 Stunden bereits tödliche Schäden für Lebewesen verursachte. Allerdings blinkte eine weitere Anzeige auf, als das getarnte Schiff in den Orbit eintrat. Von der Sovk selbst war keine Spur auszumachen, aber angesichts der massiven Strahlung, lag es durchaus im Bereich des Möglichen, dass sie im Planetenschatten von Charon verschwunden war und die Petrasch und damit auch das roumalische Schiff sie daher nicht sehen konnte. "Die sind tatsächlich so verrückt und beamen runter", brummte Harlan ungläubig.
"Wir müssen auf das Schiff. Auf dem Planeten wird er sterben. Dieses Schiff kann nur runter beamen. Aber niemand mehr nach oben. Dafür ist es zu alt und die Sensoren sind zu ungenau, was durch die Strahlung noch schlimmer wird", sprach A´kebur hastig.
"Keine Chance, Junge. Durch die Schilde von Warbirds kann man nicht beamen", widersprach Harlan, "und nichts gegen meine Sensoren! Wir machen genau die Koordinaten aus, an denen wir zu einer bestimmten Zeit wieder sind, und es wird funktionieren."
A´kebur zeigte ihm etwas auf dem Monitor. "Wir werden nicht wieder hochkommen. Aber wir können das andere Schiff zwingen, uns mit hochzubeamen."
"Das könnte klappen, aber es ist ein hohes Risiko", meinte der Captain, "Mikku, such mal die alten T2-Disruptor hinten im Laderaum. Ich denke, die brauchen wir." Er verfolgte auf der Konsole die Koordinaten, zu denen der Warbird seine Passagiere gebeamt hatte. "Definitiv ein menschliches Lebenszeichen da unten zwischen den Romulanern."
A´kebur ging zur Transporterplattform. Er sah Mikku an. "Beam mich nach unten", befahl er knapp.
"Sicher, dass ich nicht mitkommen soll?", wollte der Captain wissen, "Sie könnten Verstärkung gebrauchen. Oder soll ich von hier aus zusehen, dass wir Sie und Etienne wieder aufgabeln?"
Er warf A´kebur einen gefährlich aussehenden Blaster zu.
"Einer sollte Zeuge sein, wenn es keine mehr gibt. Aber sie kann ja mitkommen, wenn sie mag." A´kebur legte den Kopf schief. Noch immer den Blick auf Mikku gerichtet. Die Katzendame machte einen Buckel und tapste neben A´kebur.
"Sicher, Mikku?", fragte Harlan nach, doch sie nickte deutlich. "Dann viel Glück euch beiden. Kommt heil zurück und bringt Etienne mit!" Harlan betätigte den Transporter. Während er die beiden Gestalten in schimmernden Fragmenten verschwinden sah, überkam ihn ein ungutes Gefühl. Wenn das nur gut gehen würde!

A´kebur fühlte sich nicht gut, als sie auf der Planetenoberfläche standen. Die Luft war kaum noch atembar. Mikku sah auch nicht so aus, als ob sie in dieser Umgebung lange gesund bleiben würde. "Wir müssen uns beeilen. Sonst sterben wir einfach hier."
Die Katzendame nickte. Um sie herum waren mehrere große Baumaschinen und ein paar provisorische Gebäude; sie waren mitten im Ausgrabungsgelände gelandet. Mikku fauchte warnend, als sie hundert Meter weiter ein paar Gestalten zwischen den Ruinen verschwinden sah.
Sie hatten offenbar Schutzanzüge an. Sonderlich gut gegen die Strahlung konnten sie aber nicht wirken. Wahrscheinlich sorgten sie nur für eine bessere Atemluft. A´kebur und Mikku folgten ihnen im Abstand, um zu sehen, wohin sie gingen. Sie schienen sich ins Zentrum der Ausgrabungsstätte zu bewegen. Die übriggebliebenen Gebäudereste wurden weniger, und der Boden ging steil abwärts; offenbar hatte man schon recht tief gegraben.
Unvermittelt hielten die Romulaner inne. Eine der weißen Gestalten stapfte auf eine andere zu und schien aufgebracht zu sein. Zumindest schien sie voller Anspannung auf die andere einzureden. "Das sind Toran und Etienne", meinte A´kebur. Er war sich sicher. Ohne auf seine Deckung zu achten, ging er einfach los.
Mikku sprang hinter ihm her und knurrte ihn an, aber der Klingone ignorierte sie. Schon war er in Hörweite der Romulaner. Augenblicklich drehten sich die Wachen um und richteten ihre Waffen auf A´kebur.
Dieser senkte jedoch nur den Kopf und schien sie imaginär aufspießen zu wollen. Er nahm noch nicht einmal seinen Disruptor hoch, um sich mit den Männern anzulegen. Der hochgewachsenen Romulaner, den er ganz richtig für Toran hielt, musterte ihn und lächelte dann jovial. "Sieh an, das ist also der Klingonenmischling, von dem ich schon gehört habe", meinte er, "Mr. Duval, mir scheint, da ist jemand wegen Ihnen hier."
Etienne blickte A´kebur an, sagte aber nichts. Wieso war der so verrückt, hierher zu kommen? Wieso wusste er überhaupt, wo Etienne war? Etienne hatte plötzlich Angst. Nicht um sich selber, aber um seinen Geliebten der dort stand, das Gesicht eine Maske der Entschlossenheit.
Aber dann sah er nur, wie A´kebur dem einen Wächter einen gut gesetzten Schwinger versetzte. Der war so verblüfft über das irrationale Verhalten des Klingonen gewesen, dass er gar nicht daran gedacht hatte zu schießen. Dem anderen erging es nicht besser. Ohne Umschweife wollte A´kebur sich auf Toran stürzen, aber dieser hielt ihm augenblicklich einen Disruptor in den Weg. "Nicht so voreilig! Wenn Sie noch etwas am Leben bleiben wollen, sollten Sie solche Aktionen unterlassen." Er blickte zu Etienne. "Aber wie es aussieht, sind wir hier sowieso fertig."
"Hier ist nichts. Also irrt sich hier einer oder jemand lügt."
A´kebur kniff die Augen zusammen. Er presste die Kiefer aufeinander und hielt sich nur mit Mühe davon ab, gegen die Disrupter zu rennen.
"Ich habe nicht mehr gewusst", erklärte Etienne und mied A´keburs Blick, "und das mit Charon 7 haben Sie selbst herausgefunden. Aber wenn hier nichts ist, umso besser. Dann finden wir eben beide nicht heraus, wo das zweite Artefakt ist und die Galaxis hält vielleicht noch ein Weilchen länger!"
"Ich habe es nicht von Ihnen. Sondern von Ihren unfähigen Wissenschaftlern. Sie sagten, dass das Artefakt hier ist!", schrie Toran.
In A´kebur sickerte die Information, dass das Artefakt nicht hier war. Verwirrt sah er sich um. Langsam kristallisierte sich in ihm ein Gedanke. "Es ist nicht Charon 7", meinte er dann verblüfft. "Ich habe mich geirrt. Es ist Charon 7, der in Schach gehalten wird durch die Artefakte. Der Planet ist das, was sich im Kraftfeld der Artefakte befindet. Er beherbergt nicht das Artefakt. Wahrscheinlich sind es einfach nur Kontrolleinheiten in einer wesentlich größeren Anlage. So groß wie Planeten." A´kebur grinste dümmlich. Dann hielt er sich den Kopf und blinzelte.
Toran und Etienne sahen ihn gleichermaßen überrascht an. "Die Föderationsbacken hatten das mit dem Artefakt von DIR?", fragte letzterer ungläubig, "Ich fasse es nicht! Tja Toran, Pech gehabt.
Offensichtlich stehen wir wieder am Anfang, alle beide", sagte er nicht frei von Häme in der Stimme, "wie wärs, wenn Sie mir nicht doch Ihr Artefakt geben?"
A´kebur taumelte und sank in die Knie. "Es ist Charon 7", flüsterte er.
Sofort war Etienne neben ihm und half ihm wieder auf. Trotz der Blockade, die noch immer in seinem Kopf einen direkten Kontakt verbot, wusste er, dass A´kebur litt. Und er hatte keine Ahnung, was er machen sollte. "Verdammt, Toran, lassen Sie uns gehen!", flüsterte er, "Sie sehen doch, es ist aus!"
"Nichts ist aus. Gar nichts ist aus! Offenbar weiß dieser Drecksklingone, wo das Artefakt ist. Dann werde ich eben die Geiseln tauschen. Ich verzichte auf das Geld, was Ihr Verkauf mir einbringen würde."
Etienne stellte sich zwischen Toran und A´kebur. "Er weiß nichts. Er hat sich ebenso geirrt wie wir. Und Sie bekommen für ihn nicht annähernd soviel wie für mich. Wo bleibt Ihr Geschäftssinn, Toran?"
Der Romulaner lachte und richtete die Waffe auf Etienne. "Er weiß es besser. Sie sind überflüssig."
Ein Fauchen war zu hören, und ein haariges Etwas schoss auf Toran zu. Überrascht taumelte dieser nach hinten, und die beiden Wächter wussten für einen Moment nicht, worauf sie schießen sollten. Etienne reagierte sofort und beförderte den Nächststehenden von ihnen mit ein paar gezielten Tritten auf den Boden.
"A´kebur, sieh zu, dass du Land gewinnst!"
Statt jedoch zu laufen, griff dieser einfach nach einem der Romulaner und begann auf ihn einzuschlagen, bis grünes Blut seine Fäuste bedeckte. Er schrie dabei seine unartikulierbare Wut und Verzweiflung heraus. Mikku hielt derweil noch immer Toran in Schach, obwohl dieser sich nicht gerade wenig wehrte. Etienne nahm dessen Waffe kurzerhand an sich.
"A´kebur, ich denke es reicht", meinte er, "so, Toran, wir sollten uns nochmal unterhalten. Danke, Mikku." Er grinste die Katzendame an.
Diese legte den Kopf schief. Als sie merkte, dass A´kebur nicht reagierte, sprang sie dazwischen und versetzte ihm einen Hieb. Als er sie erkannte, ließ er sich auf seine Fersen fallen und setzte sich hin. Sein Atem ging schwer. Er hatte einmal mehr die Kontrolle verloren. Doch jetzt hatte er zugeschlagen, wenn auch sehr viel undifferenzierter und uneffektiv als gewöhnlich. Trotzdem sagte der Romulaner nichts mehr. Aber er tot war er auch nicht.
A´kebur nahm die Hände von ihm. Dieser Romulaner hatte mehr als nur genug. Beinahe tröstend leckte Mikku A´kebur übers Gesicht.
Ächzend setzte Toran sich auf; Etienne hielt noch immer dessen eigene Waffe auf ihn. "Toran, ich fordere Sie nur noch einmal auf: geben Sie mir das Artefakt wieder."
"Sie wissen, dass ich es an Bord des Schiffes habe."
A´kebur lehnte sich an Mikku. "Ich verliere den Verstand", flüsterte er ihr zu. "Ich brauche Etienne."
"Aber ich habe auch mitbekommen, dass Sie es speziell gesichert haben. Also werden wir jetzt auf Ihr Schiff beamen und Sie geben mir das Teil. Und denken Sie ja nicht, ich würde nicht zögern, abzudrücken, wenn Sie etwas Krummes versuchen." Etienne tippte auf den Phaser. "Ich weiß ganz genau, dass diese Einstellung hier bei bestimmten Treffern lebenslange Lähmungen verursacht." Kurz blickte er zu A´kebur und Mikku. Etwas stimmte ganz und gar nicht.
Toran verzog das Gesicht und erhob sich. "Gut, da auf diesem dreckigen Planeten sowieso nichts mehr ist ..." Er betätigte den Kommunikator. Kurz sah er sich um. "Sechs Personen hochbeamen!", befahl er.
Die Umgebung verschwamm, und gleich darauf fanden sie sich im Transporterraum der Scavenger wieder. Etienne hielt den Phaser fest auf Toran gerichtet und ermahnte ihn so stumm, den Transportoffizier nicht auf Ideen zu bringen.
"Gehen Sie vor!", befahl er dem Romulaner und sah sich nach Mikku um in der Hoffnung, sie könne sich im Augenblick allein um A´kebur kümmern. Aber der Blick war nur kurz, weil sich Toran wohl Oberwasser erhofft hatte. Mit einer unmissverständlichen Geste wurde er aber von Etienne aufgehalten. Aber das leise Knurren des Klingonenmischling verhieß ihm das Schlimmste, sollte er sich noch einmal rühren. A´kebur stemmte sich hoch und sah mit wildem Blick in die Runde der Romulaner. "Will jemand?", fragte er herausfordernd.
Keiner der Anwesenden rührte sich; offensichtlich verspürte selbst Toran absolut kein Verlangen, sich mit A´kebur anzulegen. Etienne deutete mit der Waffe zur Tür, und der Romulaner ging voran. Auch in den Gängen des Warbird hielt sie niemand auf, aber das lag hauptsächlich daran, dass sie niemandem begegneten. Toran schien nur die Minimalbesatzung an Bord zu habe.
A´kebur schien dies ebenfalls nicht zu entgehen. Ehe Etienne eingreifen konnte, entwaffnete er zwei der Männer, die das Pech hatte, doch ihren Weg zu kreuzen, und sperrte sie in den nächstbesten Raum, den er kurz inspiziert hatte. Die Romulaner zischten. Aber auch der Dritte musste sich widerstandslos entwaffnen lassen. "Wie viele sind hier?", blaffte A´kebur Toran an.
Der Romulaner zog eine grimmige Miene und erklärte dann: "Zehn Mann insgesamt." Er bog ab zu seinem Privatraum und blieb vor dem Safe stehen. "Los, aufmachen!", befahl Etienne.
Mikku stupste A´kebur an, der sich davon ablenken ließ. Mikku deutete auf einen Monitor, wo romulanische Zeichen aufblinkten. A´kebur konnte sie nicht lesen. Aber er wusste, wo sie sich befanden und was sie bedeuten konnten. "Vergesst, was auch immer ihr hier ausfechtet. Schlag ihn bewusstlos und fessle ihn. Wir müssen hier weg."
"Ich komme ohne ihn nicht an das Artefakt!", widersprach Etienne, der die Zeichen ebenfalls gesehen hatte. Eine Selbstzerstörungssequenz.
Toran hatte innegehalten und lächelte überheblich.
A´kebur sah ihn verwirrt an. "Geht es um dieses Ding, wegen dem dich dieser Bastard gefoltert hat? Ist es das Ding, was die Zerstörungssequenz des Planeten eingeleitet hat? Wenn wir hier nicht verschwinden, dann bleibt von uns nichts und dem Planeten nicht genug, was sich erhalten ließe", knurrte A´kebur wütend.
"Ja, darum geht es! Aber wenn wir das Ding nicht dahin zurückbringen, wohin es gehört, ist alles zu spät! Toran, Sie verdammter Bastard! Machen Sie auf der Stelle den Safe auf oder wir gehen alle völlig umsonst drauf!" Etienne packte Toran und drückte ihn gegen die nächste Wand.
Dieser grinste nur weiter selbstgefällig. A´kebur riss einen Disruptor von der Wand und rief Mikku zu, dass sie Etienne beistehen sollte. Dem nächsten Romulaner, dem er begegnete, schlug er bewusstlos. Auf seinem Weg zur Brücke setzte er noch einen weiteren außer Gefecht.
Etienne hatte ihm nur kurz nachgesehen, dann wandte er sich wieder Toran zu. Mikku fletschte die Zähne und fauchte. "Zum letzten Mal: Safe auf! Ansonsten wird Ihnen ein Aufenthalt in der eigenen Folterkammer wie ein Urlaub vorkommen!"
Toran schüttelte verächtlich den Kopf. "Ihr werdet sterben, wenn ihr nicht aufgebt", sagte er. Plötzlich machte das Schiff einen Ruck, als ob die Trägheitsdämpfer einen Wechsel nicht mitmachen konnten. "Wer fliegt das Schiff?", brüllte Toran aufgebracht.
Etienne grinste. "Och, nur ein gewisser Klingone. An Ihrer Stelle würde ich mir darüber keine Gedanken machen."
"Er zerlegt mein Schiff, dieser Idiot!"
"Nun, das ist doch jetzt egal, oder? Es sei denn, Sie geben mir endlich das Artefakt zurück. Also, was ist nun? Lange wird der Antrieb das nicht aushalten."
Toran wehrte sich ungezielt, weil es ihn offensichtlich mehr aufregte, dass A´kebur sein Schiff auseinandernehmen könnte. "Das Schiff ist ein Prototyp", schrie er und schien dabei vollkommen vergessen zu haben, dass er sowieso gedachte, die Savanger in die Luft zu jagen.
"Interessiert mich nicht." Etienne packte seinen Widersacher noch fester. "Sie öffnen den Safe oder ich sage A´kebur, er soll Ihr kostbares Schiff in tausend Teile zerlegen. Er ist sehr gut darin."
Etienne wusste, dass er damit A´kebur beleidigte, aber das war ihm egal. Toran schoss einen zornigen Blick auf ihn ab. "Ich öffne den Safe. Aber dann bekomme ich das Schiff wieder!"
"Ja, verdammt!" Etienne ließ Toran los, hielt aber weiterhin die Waffe auf ihn.
Mit einer wuterfüllten Geste strich Toran über einen Sensor. Dann öffnete er den Safe. "Sie werden das Artefakt nicht behalten. Ich kriege sie alle beide. Aber jetzt bekomme ich das Schiff wieder!"
Etienne griff in den Safe und nahm das Kästchen an sich, in dem ein unscheinbarer ovaler Stein befand. So ein kleines Ding, das soviel Unheil anrichtete. Er wandte sich zu Toran um und schlug ihn ohne viel Federlesens zu Boden. Dann rannte er, gefolgt von Mikku, zur Brücke.
Er fand dort A´kebur, dem es offenbar gelungen war, mittels der Versuch- und Fehler-Methode herauszufinden, wo die Einstellungen zu machen waren, um das Schiff unter Kontrolle zu bekommen.
Denn gerade wechselte das Bild von Charon 7 mit der Weite des Alls.
"Irgendwie meldet der Computer immer wieder etwas, was ich nicht ausschalten kann", informierte ihn A´kebur. Ihm stand der Schweiß auf der Stirn und sein Hemd war durchnässt, als hätte ihn jemand in Wasser getaucht. "Wenn ich es beschwören müsste, würde ich behaupten, es ist die Selbstzerstörungssequenz, die sich so nicht beenden lässt!"
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