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Borderlands III - Das Artefakt

GeschichteSci-Fi / P16 / MaleSlash
Data Deanna Troi Geordi LaForge Jean-Luc Picard Worf
24.10.2016
19.12.2016
14
47.647
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12.12.2016 3.408
 
A´kebur sah Worf stumm an. Dieser fühlte sich seit geschlagenen vier Sekunden, seit dem A´kebur nun schon vor ihm stand, irgendwie am falschen Ort in diesem Universum. Er sollte auf Mr. Duval aufpassen und seine Wege überwachen, damit dieser Ausbruchkönig nicht von der Enterprise verschwand. Aber mit einem jungen Halbklingonen sollte er nichts zu schaffen haben. Dieser wirkte aber im Moment so, als befände er sich im Rausch. Oder, als ob Worf ihm den Weg zu seiner Geliebten versperren würden.
"Was kann ich für Sie tun, Fähnrich?", bemühte der Sicherheitschef um Höflichkeit.
A´kebur grollte dunkel.
Worf verstand das Angriffsignal und auch die Tatsache, dass er A´kebur offenbar im Weg stand. Aber er war Starfleetoffizier, das hatte Vorrang. Er wandte sich zur Tür und betätigte die Com-Anlage. "Mr. Duval. Fähnrich A´kebur will Sie sehen."
Die Tür glitt auf und Worf trat beiseite. Doch er ließ es sich nicht nehmen, A´kebur warnend anzubrummen. "Haben Sie irgendwelche Waffen bei sich?"
"Wollen Sie mich abtasten?", fauchte ihn A´kebur unverschämt an und wirkte ganz und gar wie ein klingonischer Krieger auf Brautschau. Da das hier kein offener Kampfplatz war, gab es nur noch diese Alternative für A´keburs Verhalten.
"Sie sind Starfleetoffizier ebenso wie ich", gab Worf steif zurück, "ich handele nur nach Vorschrift."
"Ich habe keine Waffe!", erwiderte A´kebur knapp und ging an ihm vorbei.
Kaum hatte sich das Schott hinter ihm geschlossen, stand Etienne auch schon vor ihm. Er lächelte ein wenig hintergründig, und seine Augen blickten auch nicht ganz klar.
A´kebur sorgte dafür, dass sich die Tür nicht für Unbefugte und vor allen Dingen nicht für Worf öffnete - außer die Enterprise würde abbrennen oder Etienne sprang durch das große Fenster in der gegenüberliegenden Wand seines Quartiers. Doch dafür hatte A´kebur nur einen kurzen Blick. Sein Hauptaugenmerk lag auf Etienne.
Der stand immer noch ganz ruhig vor ihm, den Blick mit dem A´keburs verschränkt. Auch Etienne atmete schneller, als reiche der Sauerstoff plötzlich nicht mehr aus. Er tat aber nichts, sondern wartete ab.
"Ich gehe am besten wieder", flüsterte A´kebur, der sich dafür haste. Er hätte schreien sollen, so wie es sich geziemte. Aber damit hätte er in sich selbst etwas erschüttert, was besser ruhig blieb, so lange es ging.
"Warum bist du dann hergekommen?" Etiennes Stimme war leise, verlangte aber eine Antwort. "Wovor hast du auf einmal Angst?" Er hob die Hand und strich mit den Fingerspitzen die Konturen von A´keburs Gesicht ab, bis hinunter, wo die Uniform begann.
A´kebur glühte. Er war fast so heiß, wie er es im Blutfieber gewesen war. Doch dieses Mal waren die Augen klarer. Und sie waren verzweifelter in ihrem Ausdruck.
A´kebur kämpfte gegen sich selbst und sein Verlangen. Das Blutfieber war eine Notwendigkeit gewesen, der er nichts entgegensetzen konnte; das hier jedoch war reines Begehren. Es war auch nicht mehr bloße Triebbefriedigung, wo er Etienne benutzt und auf dem Holodeck der Station Deep Space 13 in den Boden gestampft hatte.
Hier war mehr im Spiel und diese Erkenntnis verlangte Aufmerksamkeit und Erkennen. "Ich will dich", antwortete A´kebur wahrheitsgemäß. Zu lügen kam ihm nicht in den Sinn. Dennoch schützte es ihn nicht vor seiner eigenen Blindheit.
"Und ich will dich", setzte ihm Etienne ohne Zögern entgegen. "Oder denkst du im Ernst, mir hätte die Warterei nichts ausgemacht? Also sind wir uns doch einig." Etienne wusste nicht so recht, wie er das Ganze im Moment logisch ausdiskutieren sollte. Viel lieber würde er sich A´kebur schnappen und ihn auf das Bett werfen, aber damit war der Sache nicht gedient.
"Dass ich dich am liebsten zerreißen würde? Dich zu meinem Eigentum machen möchte? Dich nie wieder mit irgendjemand teilen will. Ich glaube nicht, dass wir uns darüber einig sind, Etienne. Ich sollte gehen, bevor ich dich ein weiteres Mal Shanas Kunst überlassen muss. Ich werde gerade wieder ruhiger." A´kebur wandte sich widerstrebend ab.
Aber so hatte Etienne nicht gewettet. Er hielt ihn am Arm fest und zog ihn wieder zu sich herum, um ihn nicht gerade sanft zu küssen. "Du rennst mir nicht weg", flüsterte er, "dir scheint nicht klar zu sein, dass ich dich genauso brauche. Und ich will dich auch mit niemandem teilen. Du gehörst mir, wie ich dir gehöre, also wage es nicht, einfach abzuhauen!"
A´kebur keuchte. Ihm war mit einem Mal schwindlig und sein Blut rauschte in wahnwitziger Geschwindigkeit durch seine Adern. Er fasste Etienne im Nacken, um zu verhindern, dass sein Geliebter einen Rückschritt machte und ihn mit seinem Verlangen auch nur einen Herzschlag allein ließ. Grob drängte er ihn zurück Richtung Bett. "Dann wird Shana von mir begeistert sein", knurrte er mit rauer Stimme. Ein knapper Stoß und Etienne befand sich auf dem Bett. Und keine Sekunde später war A´kebur über ihm.
"Ich will garantiert nicht wieder in der Krankenstation landen", gab Etienne zurück und rollte sich und A´kebur herum, bis er selbst oben lag. "Also eins nach dem anderen." Er küsste A´kebur erneut und tastete nach den inzwischen vertrauten Verschlüssen von dessen Uniform. Wie schon bekannt, war jedoch A´kebur weniger geduldig und riss im Gegenzug an Etiennes Sachen, um schneller Haut an Haut zu fühlen. Hier brauchte es noch einiges an Geduld und sehr viele Lehrgängen in Sachen Liebe, wie Etienne meinte. A´kebur grollte einmal mehr, weil der Stoff ihm dieses Mal mehr Widerstand entgegensetzte.
Etienne grinste. Er hatte sich geschworen, nun immer Kleidung zu tragen, die nicht ganz so leicht zerreißbar war; da musste einfach jemand Geduld lernen. Er schlug A´keburs Hände beiseite und öffnete die Verschlüsse seines eigenen Hemdes - langsam.
A´keburs Augen folgten jeder seiner Bewegungen und sie waren voller Gier. Die Unruhe in seinem Gefährten war nicht nur auf mentaler Ebene greifbar. Selbst ohne die Verbindung zwischen ihnen hätte er die Gefühle berühren können.
A´keburs Hände waren noch immer so, wie Etienne sie weggeschlagen hatte. Zitternd, ungeduldig und bereit, jederzeit wieder ins Geschehen einzugreifen. Aber Etiennes Blick hielt seinen Gefährten bewegungslos. Ewigkeiten schien es zu dauern, bis die hinderlichen Stoffschichten endlich nicht mehr zwischen ihnen standen. Aber Etienne ließ es weiterhin langsam angehen; sanft küsste er A´kebur und ließ seine Fingerspitzen über dessen Brust wandern. Das nahm A´kebur zum Anlass, sich an Etiennes Hose zu schaffen zu machen und war dabei kein bisschen weniger ungeduldig. Etienne wusste, dass er die Lektion noch nicht einmal im Ansatz verstanden hatte. A´kebur wollte mehr spüren und nur noch das beherrschte seine Taten und seine Gefühlswelt.
Etienne ließ ihn gewähren, sah aber zu, dass er selbst oben blieb. Mit ein paar weiteren Handgriffen war auch endlich A´keburs Uniform Geschichte. "Hey, wir haben Zeit", flüsterte er seinem ungeduldigen Geliebten zu und streichelte durch dessen Haare "Ich laufe dir nicht weg."
A´keburs Atem trug ihn. Etienne fühlte das Grollen mehr, als er es hörte. Das war wohl die Antwort auf seine Feststellung. A´kebur küsste ihn harsch, dann knabberte er sich sein Gesicht entlang und begann südlichere Gefilde zu erobern.
Warten können gehörte noch immer nicht zu A´keburs Tugenden. Aber solange das Tempo noch überschaubar war, hatte Etienne nichts dagegen: er wollte nur nicht wieder völlig überrumpelt werden. Ganz kurz fragte er sich, was Worf draußen denken sollte von dem, was hier vorging und musste kichern. Es war fast absurd. Doch dann verlor sich auch dieser Gedanke, und Etiennes Hände krallten sich fester in die Schultern seines Geliebten.
"Wir haben nichts", keuchte A´kebur jedoch einen Augenblick später. "Ich ..."
"Warte!" Etwas unkoordiniert angelte Etienne sich seine Jacke, die er über einen Stuhl geworfen hatte und kramte in der Tasche darin. Zutage kam eine Tube. "Ich hab an alles gedacht", meinte er nicht unzufrieden.
A´kebur griff danach. Er setzte zum Hebel an, um Etienne in eine bessere Position zu bringen. Aber dieser hielt die Tube außer Reichweite. "Nichts da. Ich kann gerade wieder sitzen, schon vergessen?" Er küsste A´kebur auf die Nase und arbeitete sich von da aus zu dessen Ohr weiter, welches sich verdächtig grün verfärbt hatte. "Lass mich, ja?"
Er spürte, wie A´keburs Atem stockte, dann jedoch nickte er.
"Okay, es ist wohl besser so."
Etienne knabberte ein bisschen am spitzen Ohr herum und schraubte derweil die Tube auf. Er spürte A´keburs Spannung, die in der Hinsicht immer nur langsam und mit viel Mühe abgebaut werden konnte. Aber sie hatten Zeit. Schritt für Schritt bereitete er seinen Geliebten vor, lenkte die ungestüme Erregung in ruhigere Bahnen.
A´kebur zerbiss kurz einen Fluch, als er ihn vollkommen vereinnahmte. Dann jedoch war sein Geliebter wie Wachs in seinen Händen, auch wenn er zweifellos die Langsamkeit des Geliebtwerdens weiterhin stumm verfluchte.
Keine bloße Triebbefriedigung strebte hier Etienne an, sondern sehr viel mehr. A´kebur versuchte immer wieder, Etienne anzutreiben, musste dann jedoch aufgeben, weil jegliches zielgerichtete Handeln schwerer wurde. Ewigkeiten vergingen, in denen die beiden in ihrer Verbindung verglühten, viel zu langsam und doch schnell genug. Etienne genoss es einmal mehr, A´kebur zu zeigen, was den Unterschied zwischen reinem Sex und wirklicher Zärtlichkeit bedeutete.
Vielleicht würde dieser es eines Tages auch von sich aus begreifen. Nachdem er A´kebur seinen Höhepunkt geschenkt hatte, lag dieser bewegungslos und vollkommen ruhig unter ihm. Sein Atem verriet, dass er halb bewusstlos in den Schlaf der Zufriedenen glitt.
Wie ein großer Kater rollte sich Etienne neben ihm zusammen, küsste ihn sanft auf die Schläfe und döste ebenfalls ein. Selbst wenn die Enterprise abgestürzt wäre, hätte ihn das nicht gestört.
Doch irgendwann später störte sie beide eines ganz sicher auf: Dieses penetrante Klingeln. Es kam von der Tür. Der Blick zur Uhr zeigte Etienne, dass gut eine Stunde vergangen sein musste, als sie Zehn Vorne verlassen hatten. A´kebur brummte missmutig und zog das Kissen über seinen Kopf und murmelte etwas davon, dass es nicht seine Schicht war.
Da der Krach nicht aufhörte, stand Etienne brummend auf und ging zur Sprechanlage an der Tür. "Ja, was gibt es?"
"Mr. Duval!" Es war Worf, der wohl noch immer vor seiner Tür stand. "Der Richter und der Staatsanwalt wollen Sie sehen."
"Danke. Ich bin sofort da." Etienne knurrte ein paar Flüche, suchte seine Klamotten zusammen und machte sich wieder präsentabel. Kurz küsste er A´keburs aufs Ohr, das Einzige, was von ihm unter dem Kissen zu sehen war, und verließ das Quartier.
Lieutenant Worfs Gesichtsausdruck war in der Zwischenzeit nur noch finsterer geworden. Stumm brachte er Etienne in einen Besprechungsraum, wo er schon erwartet wurde. Kurz, bevor er eintrat, blieb Worf abrupt stehen und wandte sich zu ihm um. "Muss ich die medizinische Abteilung informieren?", fragte er.
Etienne schmunzelte. "Nein, nicht nötig. Vielen Dank für Ihre Sorge." Dann trat er an Worf vorbei in den Raum. Am Tisch saßen sein Anwalt Tevis und zwei weitere Personen, die Etienne unbekannt waren.
"Mr. Duval", wurde er begrüßt. Sein Anwalt nickte ihm kurz zu. "Ich bin Richter Templeton. Das ist der Staatsanwalt Mr. Cincaid. Bitte setzen Sie sich! Wir haben einiges zu besprechen."
Etienne tat wie geheißen und musterte die drei Männer. Mr. Tevis wirkte so nichtssagend wie immer. Richter Templeton war schon älter, Captain Picard nicht unähnlich in seinem unbestechlichen, bohrenden Blick. Staatsanwalt Cincaid hingegen trug einen eleganten Anzug und wirkte etwas gelangweilt, wenn nicht gar abfällig.
"Hier sind die Anklagepunkte gegen Sie", eröffnete Richter Templeton. "Einige dieser Punkte bedürfen einer Revision. Aber die meisten davon bleiben bestehen. Der Punkt ist, dass Ihr Fall nicht so einfach ist, wie ich es mir wünschen würde. Sie sind nicht vorbestraft. Es gibt einige Dinge, die wir Ihnen nachweisen können und die Ihr Anwalt zweifellos entkräften wird, wenn ich ihm die Gelegenheit dazu gebe. Ich werde Ihren Fall auf jeden Fall verhandeln. Dem gegenüber stehen jedoch auch Ihre Taten, die Tausenden und vielleicht sogar Millionen und mehr Leben in dieser Galaxie, ihre Einzigartigkeit und ihr Dasein gerettet haben. Eines kann nicht gegen das andere aufgerechnet werden. Aber Leben wiegen immer noch schwerer als Eigentumsdelikte, wie sie Ihnen vorgeworfen werden. Ich werde Sie bestrafen, wenn Ihre Schuld nachgewiesen wird. Dessen können Sie sich gewiss sein, Mr. Duval. Ich habe Ihr Persönlichkeitsprofil. Ich weiß, was Ihnen weh tut."
Tevis sagte nichts. War er sich seiner Sache so sicher?
"Mit Verlaub, Sir, ich bin hier, um mich Ihrer Entscheidung zu unterwerfen. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich freuen würde, wenn ich abgeurteilt werde, aber davor weglaufen werde ich sicher nicht. Einmal hat gereicht." Das meinte Etienne ernst; jetzt banden ihn Fesseln hier, die so dünn, so unsichtbar waren und doch fester hielten als alles andere. Selbst wenn er gewollt hätte, hätte er nicht mehr von ihnen freikommen können.
"Darf ich fragen, woher dieser Sinneswandel kommt? Soweit ich weiß befanden Sie sich fast ein Jahr lang auf der Flucht, Mr. Duval."
"Persönliche Gründe, Euer Ehren, die hier nicht weiter von Bedeutung sind. Ich würde nur gerne wissen, was jetzt auf mich zukommt", gab Etienne zurück.
Der Staatsanwalt ruckelte etwas ungeduldig auf seinem Stuhl. Mr. Tevis hingegen wirkte immer noch äußerst ruhig. Offenbar befürchtete er wirklich nichts.
"Nun, Mr. Duval", meinte Mr. Templeton, "es geht mich durchaus etwas an. Ich möchte wissen, was diesen Sinneswandel begründet hat. Es geht um die Chancen Ihrer Rehabilitierung."
Etienne widerstrebte es zutiefst, seine Gefühle derart breittreten zu müssen, noch dazu vor völlig Fremden, aber wenn es die Chance auf Freiheit bedeutete ...
"Ich stehe in einer ... sehr tiefen, persönlichen Bindung zu einer anderen Person und würde sie ungern nur durch Gitterstäbe oder Glaswände sehen dürfen", gab er schließlich zu, "von daher geht es nicht nur um Freiheit um meiner selbst willen."
"Nun, eine kurze Liaison kann keine Grundlage ..."
"Hier geht es nicht um eine flüchtige Affäre", unterbrach Etienne ihn aufgebracht, um jeden Zweifel gleich auszuräumen, "sind Sie mit vulkanischen Seelenbindungen vertraut? Wenn nicht, bitte ich Sie, nähere Details dazu nachzulesen."
Der Richter runzelte erstaunt die Stirn. Er lehnte sich zurück und überdachte das Gehörte. Die anderen beiden Männer wirkten nicht minder aufgeregt.
"Nun, das macht aus Ihnen nicht automatisch einen unschuldigen Menschen", fasste Mr. Templeton seine Überlegungen zusammen. "aber es ist eine Chance, aus Ihnen einen Menschen zu machen, der seine Strafe akzeptiert und die nötige Demut aufbringt, weil er weiß, was auf dem Spiel steht. Nichtsdestotrotz haben Sie den Ruf eines Freibeuters, Dealers und Grabräubers. Sie sollen schmuggeln und damit Sachen über alle Grenzen schaffen, die illegal sind. Und bevor jetzt Ihr Anwalt eingreift: Das sind die Anklagepunkte. Es liegt am Staatsanwalt, sie zu bekräftigen und an Ihrem Anwalt, sie zu entkräften. Ihr Anwalt jedoch hat einen Vorschlag unterbreitet, der auch vom Staatsanwalt getragen wird. Ich verurteile Sie, wenn Sie annehmen, zu acht Jahren Reha-Kolonie. Ich werde die acht Jahre in zwanzig Jahre auf Bewährung umwandeln und Sie werden als Wiedergutmachung für fünf Jahre Ihre Kenntnisse einem Archäologenteam zur Verfügung stellen. Es geht vor allen Dingen darum, die Schmugglerwege auszutrocknen. Keine leichte Aufgabe, da Sie damit den Ruf eines Verräters haben werden und damit auch die Konsequenzen tragen. Und Sie werden die geplünderten Stätten nennen, dass sie geschützt werden. Ihnen ist bekannt, dass das Plündern von Kulturen eigener und fremder Rassen im Gebiet der Föderation verboten ist? Ich schätze Sie als so klug ein, dass Sie das wissen. Sie werden erfahren, warum das so ist. Auch das wird ein Teil Ihrer Bewährung sein: Lernen Sie das Wissen und die Vergangenheit anderer Völker schätzen und werden Sie Ihr Beschützer. Wenn Sie jedoch gegen Eure Bewährung verstoßen, werden Sie die restlichen Jahre auf einer Reha-Kolonie verbringen dürfen."
Etienne sah den Richter an. Das waren keine Alternativen, die ihm angeboten wurden; es konnte nur eine Wahl geben, wollte er nicht erneut davonlaufen.
"Das würde ich akzeptieren", erklärte er schlicht.
"Ich gebe Ihnen Gelegenheit, sich das ganz genau zu überlegen. Nach acht Jahren sind Sie ein freier unbelasteter Mann. Zwanzig Jahre sind eine sehr lange Zeit und die kann sehr viel härter werden, als die Zeit in der Reha-Kolonie", warnte ihn der Richter gutmütig.
"Das mag sein, aber mir sind zwanzig Jahre in relativer Freiheit lieber als acht völlig ohne. Außerdem kann ich mich wirklich nützlich machen, anstatt Reha-Aufsehern auf die Nerven zu fallen, die aus mir auch keinen besseren Menschen machen können."
"Sie sind sich da ja ganz sicher, dass Reha-Kolonien nichts bringen", meinte der Staatsanwalt missmutig. "Vielleicht sollte mindestens ein Monat Reha-Kolonie hinzugefügt werden.“
"Ich habe nicht gesagt, dass sie nichts bringen. Ich sagte nur, andernorts ist mein Aufenthalt von mehr Vorteil - für die Föderation, für Sie, für mich. Das ist alles." Etienne lächelte. "Das müssen Sie doch einsehen!"
"Nein", brummte der Ankläger, "muss ich nicht. Ein Monat! Und das schadet nicht den Vorteilen, die Sie der Gesellschaft bringen werden. Sie haben Ihr schließlich ziemlich geschadet. Es ist der Schadensersatz, den Sie leisten werden, Mr. Duval. So wird ein Schuh daraus."
"Ich beuge mich da Ihrem Urteil." Etienne schoss einen kurzen Blick zu seinem Anwalt ab. Warum bewahrte der ihn nicht vor solchen Schikanen? Ein Monat Reha-Kolonie! Das hatte etwas von Stubenarrest für ein ungezogenes Kind!
In diesem Moment schob ihm dieser ein Datenpad rüber. "Der Staatsanwalt hat zwanzig Jahre Reha-Kolonie gewollt!", stand darauf. "Seien Sie dankbar. Und den Monat werden Sie wegen seines verletzten Stolzes absitzen müssen." Er grinste halb verborgen, so dass nur Etienne es wirklich sehen konnte, und tat dann so, als wäre nichts gewesen. Etienne verkniff sich jeglichen Kommentar und beschloss, seine Zunge nun im Zaum zu halten. In hoffentlich angemessen demütiger Weise erwartete das Weitere.
"Überlegen Sie sich das. Morgen sagen Sie, was Sie darüber denken", mahnte ihn der Richter an. "Ich beende hiermit diese Sitzung. Wenden Sie sich an Ihren Anwalt und sprechen Sie alles durch, Mr. Duval! Mr. Tevis!" Richter Templeton erhob sich. "Bis morgen."
"Vielen Dank, Euer Ehren." Etienne stand auf und neigte den Kopf. Im Hinausgehen warf ihm der Staatsanwalt noch einen finsteren Blick zu, dann war Etienne mit Mr. Tevis allein. "Ich glaube, ich muss Ihnen auch danken", erklärte er.
Tevis lehnte sich zurück und nickte. "Ja, können Sie. Sie können es aber auch lassen. Ihr Fall war und ist der ungewöhnlichste, den ich je hatte. Ein Teil der Sachen, die man Ihnen vorwirft, sind zweifellos vorhanden. Man kann sogar Ihre Spuren verfolgen. Aber ich kann die Beweise genauso gut in Zweifel ziehen. Und das ist es, was ich angedroht hatte. Das hätte bedeutet, dass bei einem Helden des Universums ein hässlicher, langer Prozess stattfinden würde, der kein gutes Licht auf alle Beteiligten geworfen hätte. Sie können daher wirklich von Glück reden. Sie müssen jetzt nur noch überlegen, ob Sie es nicht schnell hinter sich bringen wollen oder langsam. Ich habe es leider nicht geschafft, die zwanzig Jahre herunterzuverhandeln." Er seufzte. "Das wird eine lange und harte Zeit, wenn Sie darauf eingehen. Die acht Jahre sitzen Sie auf einer Backe ab und Sie können sogar Hafturlaub bekommen, wenn Sie sich gut führen. Ich sag das nur, wegen Ihrer, Sie wissen schon. Dieser Vulkanierin."
Etienne grinste und entschloss sich, seinen Anwalt nicht darüber aufzuklären, um wem es sich bei dieser "Vulkanierin" handelte. "Danke für Ihren Rat. Aber die Vorstellung, acht Jahre in einer Reha-Kolonie zu sitzen, ist für mich, gelinde gesagt, unerträglich. Über kurz oder lang würde ich doch etwas tun, was wir alle bereuen müssen. Nein, es ist besser, ich gehe den Wissenschaftlern zur Hand und ändere mein Leben auf Dauer. Vermutlich wird es dann länger währen." Er lächelte schief.
"Soviel Weisheit? Ich gebe zu, ich bin beeindruckt. Dann viel Glück in Ihrem neuen Leben. Wir sehen uns dann morgen. Ihren Monat können Sie sich sicher aussuchen. Und wenn nicht, werde ich sehen, was ich machen kann", versprach Tevis. Er reichte Etienne die Hand und ging dann.
Etienne sah ihm kurz nach und wandte dann seinen Blick aus dem Fenster des Besprechungsraumes. Sie waren noch immer im Orbit um Charon 7, aber der Planet hatte wieder eine gesündere Farbe angenommen. Ein wenig Blau war auch zu sehen. Blau wie A´keburs Augen.
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