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I Want You

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Michael "Michi" Beck Michael Bernd "Smudo" Schmidt
24.10.2016
02.01.2017
18
27.447
6
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Dieses Kapitel
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24.10.2016 1.340
 
„Wenn man verliebt ist, tut man verrückte Dinge…“
Ich hörte die Rechtfertigung von Andreas, dass er ein Talent wie ein Weihnachtsbaum angeputzt hatte und überlegte nun angestrengt, was ich daraufhin noch entgegenbringen könnte.
Doch ein kurzer Blick zu den Zuschauern reichte und mir kam eine Idee, die ich dann mit dem Herz um meinen Hals sofort umsetzte.
Mit geöffneten Armen ging ich deshalb schnurstracks auf Andreas zu und gab ihm ein Kuss auf seine Lippen.
Die ganze Situation dauerte nur ein paar Sekunden an und trotzdem veränderte dieser Moment etwas zwischen mir und Michi.
Ich konnte sofort seinen Blick sehen, welchen er uns verachtungsvoll entgegenschmiss und sofort wurde mir unwohl.
Postwendend versuchte ich noch die Situation zu retten und gab mich als Loverboy, um mit meiner Liebe die anderen Personen im Studio anzustecken.
Jedoch schaffte ich es nicht, dass Michi seinen genervten Blick wieder verlor und so befreite ich mich wieder von dem Herz und setzte mich wieder auf meinen Stuhl.
Wenn Sie jetzt nicht zu uns kommen würde, dann wäre es mir auch egal. Hatte ich mich so ins Zeug gelegt, doch letztendlich musste Sie sich entscheiden.
Nur nebenbei verfolgte ich jetzt das Battle der anderen Coaches, denn im Vordergrund stand mein Doppelstuhl-Partner, der mit seinen Gedanken wo ganz anders war und sich nur durch einen Stupser von mir wieder beirren ließ der Show zu folgen.
Auch als wir Ruth in unser Team locken konnten, Sie sich für uns entschied, gelang seine fröhliche Maske nicht weiter, als bis zu seinem Gesicht.
Konnte verfolgen, wie er leicht qualvoll seine Lippen zu einem Lächeln zwang.
Hoffentlich fingen die Kameras nur die guten Emotionen ein und ließen Michi dabei außen vor.
Wie er es gelernt hatte, schaffte er mit mir das Talent nach draußen, um mit einem Siegertänzchen zurück zu kehren.
Doch bevor wir wieder in Sichtweite der Kameras und der Zuschauer kamen, hielt ich ihn kurz an seinem behaarten Arm fest und fixierte ihn mit meinen blauen Augen.
„Was war das grade?“, fragte ich ihn direkt und erntete ein Kopfschütteln.
„Michi?“, versuchte ich es nochmal, als er ein paar Schritte weitergehen wollte.
„Überleg einfach vorher, bevor du etwas machst!“, entgegnete er und schaute mich betrübt an.
„Und jetzt lass uns singend wieder rausgehen…“
Damit ließ er mich ahnungslos zurück und ich hatte ehrlich zu tun, dass ich zu ihm pünktlich aufschloss und wir fast schauspielerisch unseren Sieg feierten.
Dass diese Freude nun auf beiden Seiten inszeniert wurde, bekam niemand mit.
Nur noch kurz waren die Kameras an und danach musste ich nicht mehr so tun, als würde mir die Sonne aus dem Arsch scheinen.
„Wollt ihr noch was zu trinken haben?“, hörte ich die Stimme von Nash, die sofort um unser liebliches Wohl besorgt war.
„Will Alkohol!“, befahl ihr Michi mit seinem genervten Unterton, den jetzt wirklich jeder heraushörte.
Nash war zudem mehr als erschrocken und verschwand mit einem irritierten Blick aus meinem Sichtfeld.
Ich getraute mich schon gar nicht mehr in seine Richtung zu schauen und blätterte gelangweilt in meinem Notizbuch umher.
Was hatte ich ihm nur getan?
Besonders, was hatte der Kuss mit Andreas damit zu tun?
Ich wusste absolut keine Antwort darauf.
Und so ging ich mit vielen Fragezeichen im Gesicht in die letzte Blind Audition an diesem Tag.
Richtige Lust hatte ich nicht mehr, war Sie mir durch Michi mehr als vergangen und so buzzerten wir für das Talent auch nicht.
Ein Kommentar fiel uns auch nicht wirklich ein und so saß ich nur die Zeit ab, bis endlich das Ende in Sicht war und ich schnellstens von dort verschwinden konnte.
Wusste ich nicht, dass mich die Nichtachtung von Michi so hart treffen würde.
Vor allem deshalb, weil mir immer noch nicht der Grund für seine negative Einstellung eingefallen war.
Die Treppen zu unserer Umkleide nahm ich in Rekordgeschwindigkeit, um dann dementsprechend auch aus der Puste zu sein.
Hinter hörte ich ebenfalls atemloses Schnaufen, welches zu Michi gehörte.
Noch ein paar Minuten mit ihm im Zimmer und dann konnte ich mich alleine in meinem Hotelzimmer erholen und konnte da endlich richtig über die Sache nachdenken.
Welche Sache das auch immer gewesen sein möge.
Schnell war die Tür geöffnet, ich schlüpfte hinein und zog mir schon im Gehen mein Oberteil über den Kopf.
„Smudo, muss das sein?“, erklang die Stimme von Michi.
Langsam bekam ich richtige Wut.
Mit einer Hand schmiss ich den Stoff in die Ecke und suchte mir wutentbrannt ein anderes Oberteil.
Als ich mir dieses übergezogen hatte, drehte ich mich wieder in seine Richtung.
Er fixierte mich mit einem undefinierbaren Blick und bei mir stellten sich sogleich sämtliche Haare auf.
„Scheiße Michi, was war heute dein Problem? Ich habe gar nichts gemacht!“
Meine Stimme war plötzlich um einige Pegel hochgeschnellt, aber anscheinend schien ich damit in seinen Dickschädel vorgedrungen zu sein.
Erschrocken wand er sich sofort von mir ab und zog sich ebenfalls um.
Dabei sprangen mir ein paar Wunden ins Auge, die seinen Oberarm zierten.
„Was ist da passiert?“, fragte ich ihn forsch, ging auf ihn zu und fuhr vorsichtig über die Wunden.
Eine war noch ganz frisch, denn das getrocknete Blut befand sich noch um den eigentlichen Riss.
„Nichts…“, murmelte er und versuchte sich von mir wegzudrehen.
„Verdammt. Rede doch endlich mal mit mir!“, schrie ich ihn an.
Mit dem Rücken stand er nun zu mir und ich konnte an seinen Schultern sehen, die sich auf und ab bewegten, dass er zügig atmete - ja schon fast hyperventilierte.
Freundschaftlich legte ich meinen Arm auf seine Schulter, um ihn wieder von vorne ansehen zu können.
Doch plötzlich schlug er diese weg und schaute mir zornig ins Gesicht.
„Fass mich nicht an…“, „Aber wieso?“, fragte ich sogleich traurig und konnte mir sein Verhalten absolut nicht zusammenreimen.
„Kriegst du denn gar nichts mit?“
Seine Stimme klang enttäuschend und ich konnte in seinem Braun sehen, wie sich langsam Tränen sammelten.
„Du bist an Allem schuld!“
Als er diese Worte aussprach, ging er meinen Blick aus dem Weg und ich konnte verfolgen, wie sich sein Blick stattdessen auf den Boden legte.
„Ich habe doch gar nichts gemacht!“, rechtfertigte ich mich, weil ich mich an nichts Böses meinerseits erinnern konnte.
„Wenn ich mich mal lustig über dich gemacht habe, dann tut es mir leid, aber…“,
„Lustig gemacht? Schön wär’s…“, unterbrach er mich und ließ sich kaputt in die Couch fallen.
„Was dann?“, hakte ich nach und hockte mich vor ihm auf den Boden hin.
„Deine Blicke, deine Berührungen, deine Nähe…“, flüsterte er schon fast und ging meinen Blick immer noch aus dem Weg.
„Aber wir sind doch Freunde, wieso sollte ich dich da nicht anfassen und nicht in deiner Nähe sein wollen?“
Als ich diese Frage aussprach, brach Michi immer mehr zusammen und es zerriss mir fast das Herz, ihn so zu sehen.
„Wir sind keine Freunde mehr…“
Die Richtung, in welche dieses Gespräch einschlug, gefiel mir ganz und gar nicht und ich konnte auch nicht mehr klar denken.
„Was habe ich falsch gemacht? Ich versteh’s nicht…“
Meine Stimme wurde nun auch immer leiser und brüchiger.
Michi fuhr sich nun nervös durch seine Haare, die danach in allen Richtungen abstanden.
„Im Grunde hast du ja gar nichts falsch gemacht…“, wisperte er und sah mich das erste Mal wieder direkt an.
„Aber du hast doch grade gesagt, dass ich…“, „Smudo, ich habe mich in dich verliebt!“
Die Worte hallten von den Wänden wieder, vermutlich hatte sie gefühlt jeder im ganzen Haus gehört.
Doch diese Vermutung trat jetzt in den Hintergrund.
Ich war komplett überfordert, weil ich die Worte immer noch nicht deuten konnte,
„Wieso?“, zerriss meine Stimme die Stille und ich schlug meinen Kopf innerlich gegen die Wand.
„Frag mich etwas Leichteres…“
Langsam kam die Bedeutung seiner Worte so richtig in meinem Gedächtnis an und ich wollte das Ganze nicht wahrhaben.
Zügig stand ich auf, musste mich jedoch vor Schwindel kurz am Tisch festhalten, bevor ich mir ungeschickt meine Sachen schnappte und ohne mich nochmal umzudrehen, das Zimmer verließ.
Er konnte sich doch nicht einfach in mich verlieben.
Hoffentlich würde ich bald aus diesem Albtraum aufwachen.
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