Bleibst du bei mir?

GeschichteSchmerz/Trost / P18 Slash
Sharon Raydor
21.10.2016
21.10.2016
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Träge lies Sharon ihre Finger über die kalte Oberfläche ihres Weinglases wandern. Es war ein langer Tag gewesen. Ihre Glieder fühlten sich taub und starr an, ihre Nackenmuskulatur war so steif, dass selbst das Lehnen ihres Kopfes an die Rückseite der Couch schmerzte.
Vielleicht wurde sie allmählich wirklich zu alt für diese Tage an denen sie Parker Center nur für 2-3 Stunden Schlaf verließ, wenn sie wieder einen Fall hatten der sie alle bis in die Morgenstunden im Büro hielt.
Auch wenn der liebe gute Gavin immer betonte wie sie nicht so alt aussah wie sie wirklich war, jedoch fühlte sie es.
An diesen Tagen besonders.
Ihr Körper  hatte sich mittlerweile daran gewöhnt mit auch wenig Schlaf am Vortag trotzdem arbeitsfähig in den nächsten zu starten.
Diese Angewohnheit hatte sich in den 30 Jahren die sie nun schon als Polizistin arbeitete einfach verhärtet.
Sie hatte gelernt mit welchen Produkten sie die dunklen Ringe, die Blässe und die Linien unter ihren Augen abdecken konnte, damit ihre Müdigkeit nicht das Erste war, dass die Menschen bemerkten.
Jedoch spürte sie es tief in ihren Knochen.
Sie würde es nicht zu geben, doch Sharon Raydor fühlte sich abgekämpft..
Es lag nicht daran, dass sie mit der Belastung nicht zu recht kam. Gott nein, nach über 15 Jahren FID war das kein Thema mehr.
Genau sowenig wie die Blicke die ihr immer zu geworfen wurden, wann immer sie einen Raum betrat.
Sie hatte in diesen 30 Jahren viel
Hässlichkeit gesehen. Vielleicht zu viel.
Hässlichkeit nicht im Sinne vom Äußerlichen, aber Hässlichkeit des Inneren. In der Seele eines Menschen.
Sie zeigte sich in den unterschiedlichsten Arten, aber alle waren von scheußlichen Ausmaß.
Hässlichkeit die es nur schwer zu verdrängen galt, wenn sie Parker Center verließ um nach Hause zu fahren.
An den meisten Tagen war es nicht ganz so schwer nach Hause zu kehren und die Arbeit dort zu lassen wo sie hin gehörte, aber heute hatte es sie bis in ihr Wohnzimmer verfolgt.
Rusty war schon lange zu Bett gegangen und auch sie wusste, dass das eigentlich der Platz war an den sie gehörte, aber sie konnte sich einfach nicht dazu aufbringen.
Zu viele Sachen huschten in ihrem Kopf herum um ihr die ersehnte Ruhe zu schenken.
Sie nahm einen langen Schluck aus ihren Glas und lies das kalte Liquid ihre Kehle hinunter fließen.
Genoss, das sanfte Brennen des Alkohols ihren Hals hinab.
Sharon war niemand der Alkohol als Dämpfer für unwillkommene Geschehnisse benutze.
Sie hatte schon zu genüge gesehen wie sich jemand auf diese Art und Weise kaputt machen konnte.
Jedoch hatte sie ihren halboffenen Lieblingsweißwein in ihrem Kühlschrank entdeckt, als sie überlegte, ob sie überhaupt etwas Essen wollte und sich dazu entschieden die Flasche auch nach ihrer Bestimmung zu nutzen.
„Wenn es mal wieder etwas holprig auf Sharon  Raydors Catwalk wird.“,hatte Gavin gesagt als sie versuchte hatte ihm die halbvolle, eigentlich viel zu teure Flasche wieder unterzuschieben.
Erschrocken schreckte sie aus ihren Gedanken, als sie ein metallisches Klingeln neben ihr vernahm.
Die Einsicht, dass es nur ihr Handy gewesen war, kam wenige Sekunden später.
Einen kurzen Moment zögerte sie und überlegte, ob sie es einfach liegen lassen sollte und zu Bett gehen sollte.
Das Letzte was sie jetzt brauchte war noch ein Mordfall der sie vom Schlafen abhielt.
Jedoch übermannte sie die Neugier und sie griff nach dem elektrischen Stressmacher.
Es war, glücklicherweise, nur eine SMS.
Um genauer zu sein eine von Brenda Leigh Johnson.
Die Blondine und Sharon hatten in dem letzten Jahr, nachdem Brenda suspendiert wurden war, etwas entwickelt das man wage als Freundschaft bezeichnen konnte.
Auch wenn es anfangs nur Sharon gewesen war die Brenda eine schnelle Mail mit einer Einladung zum Kaffee gesendet hatte.
Da sie noch ein paar Unterschriften auf verschiedenen Papieren benötigte, den Chief nicht in ihr früheres Büro beordern wollte und vielleicht auch, weil sie wissen wollte wie es der Blonden ergangen war.
Nachdem sie ihre Nummern ausgetauscht hatten, versuchte sie so bisweilen einen schnellen Kaffee in einer Mittagspause oder nach dem Dienst einen kleinen Stopp in der lokalen Bar zu arrangieren.
Auch wenn Sharon anfangs Probleme mit dem eigensinnigen Gemüt des Chiefs gehabt hatte, begann sie mittlerweile ihre Gesellschaft zu genießen.
Da waren immer noch Spannungen zwischen ihnen, jedoch von einer ganz anderen Sorte als wie sie es damals bei ihrer Arbeitsbeziehung gewesen waren.
Sie entsperrte ihr Handy und öffnete die SMS:
„Wie geht’s dir? Habe gehört euer Fall war einer von den toughen.“
Sharons müde Mundwinkel zogen sich ein wenig nach oben als sie antwortete:
„Schwimme im Alkohol und bin immer noch wach um deine Nachricht zu beantworten. Was glaubst du wohl?“
„15 Minuten.“, kam es zurück und Sharon legte das Handy neben sich auf die Couch.
Was würde sie in 15 min schaffen?
Sie hatte die Möglichkeiten: Duschen und Umziehen,
Umziehen und ihr Gesicht anschaulich zu gestalten oder Umziehen und etwas zu essen. Sie entschied sich für erstere Idee und schwang ihre Beine auf den Teppich bedeckten Boden.



Sie legte den Kopf nach hinten, als die heißen Tropfen über ihren Rücken ihren Körper hinunter rieselten.
Die Muskeln begannen sich langsam zu entspannen, als sie sich die wenigen Strähnen aus dem Gesicht strich, die nicht in der Spange verwunden waren, die ihre Haare beisammen hielt.
Langsam lies sich ihre Hände über ihre Brust, an den Seiten hinab zu ihren Hüften wandern, als das Bild einer ganz bestimmten Blondine aufloderte.
Deren Augen brennend auf die Form Sharons fielen, während sie jede einzelne Kurve begutachtete und sich einzuprägen schien, bevor sie näher an Sharon heran trat.
Braune Augen bohrten sich in grüne bevor pinke Lippen auf rote trafen.
Brendas Hände wanderten über Sharons Körper und fanden großen Gefallen an dem runden Hintern der Brünetten.
Der Captain stöhnte leise in den Kuss hinein als Brendas Hände begannen ihren Hintern zu kneten.
Die pinken Lippen wandernden zu dem Hals der Brünetten und küssten eine sengende Spur hinunter zu ihren Schlüsselbeinen.
Die perfekt manikürten Nägel des Captains vergruben sich in den wilden blonden Locken, als sie den Kopf gegen die geflieste Wand fallen ließ..
Sharon öffnete die Augen um zu realisieren, dass sich ihre Hand gefährlich nahe am Zentrum vieler zusammen laufender Nervenenden befand.
Sie drehte das Wasser ab und trat aus der Dusche um sich in ein kuscheliges Handtuch zu wickeln, etwas Lotion auf der Haut aufzutragen und etwas frisches anzuziehen.
Was hatte der Chief in ihren Gedanken zu suchen??
Sie lies es für jetzt, darüber groß nachzugrübeln und betrat ihr Schlafzimmer...


Grade als Sharon aus ihrem Schlafzimmer zurück gekehrt und Tee aufgesetzt hatte klingelte es an der Tür.
Ein scheues Lächeln spielte auf Brendas Lippen, als sie eintrat um sich von ihren Schuhen und dem Mantel zu befreien und dann Sharon ins Wohnzimmer folgte.
Sharon verschwand in der Küche und kehrte mit zwei Tassen, einer Kanne und Zucker zurück.
„Ich hoffe du magst Pfefferminz.“,sagte sie als sie das heißen Liquid in 2 Tassen füllte und Brenda eine reichte, als sie sich auf Sessel und Sofa Platz nahmen.
Brenda sah Sharon dankend an und griff nach dem Zucker, um eine Menge hinein zu schütten, die Sharon als mehr als ungesund betiteln würde.
Brenda hatte die blonden Locken in einem hohen Pferdeschwanz hoch gebunden, während ein paar lose Strähnen ihr Gesicht umrahmten.
Sharon zog die Beine unter sich und ließ ihren nur mit einem beigen Shirt bedeckten Rücken gegen die Kissen sinken.
Auch wenn Sharon ihre Müdigkeit sehr gut mit dieser Maske aus Make-Up abgedeckt hatte, bemerkte Brenda ihr Erschöpfung.
Die Art wie sie versuchte ihre Augen offen zu halten, die tiefen Linien um ihre Augen, der abwesende Blick und wie ihre Schultern gegen die Couchlehne sanken.
Plötzlich bereute Brenda es her gekommen zu sein.
Das Einzige was die ältere Frau wirklich zu benötigen schien, war Schlaf und nicht jemanden der sie davon abhielt und glaubt sie bräuchte jemanden zum reden.
Nachdem beide minutenlang still an ihrem Tee genippt hatten, fragte Brenda:“Willst du darüber sprechen?“
Die Brünette blickte auf:“Alleinerziehende Mutter tötet ihre beiden Kinder, nachdem sie die Diagnose Krebs im Endstadion bekam und zwei Tage zuvor ihren Job verloren hatte.“
Brenda konnte das Zittern von Sharons Händen sehen, als die Brünette einen Schluck von ihrer Tasse nahm um sie dann wieder in ihrem Schoß zu platzieren.
„Ich kann es nicht verstehen.“ Sharon fühlte einen Kloß der sich in ihrem Hals bildete.
Zu sehr hatten sie die Kinder an Ricky und Emily erinnert.
„Sie dann einfach in ihren Betten verbluten zu lassen während sie sich selber erschoss.“
Sharon schluckte hart und kämpfte gegen die Tränen an die sich hinter ihren Augen bildeten.
Ihre Stimme war von Wort zu Wort leiser und heiserer geworden.
Sharon hatte diesen Drang den ganzen Tag über relativ gut unterdrücken können.
Aber nun fühlte sie, dass es jeden Moment aus ihr herausbrechen würde, wenn sie nicht schnell wieder Herrin ihrer Gefühle werden würde.
Sharon goss sich eine weitere Tasse Tee ein, verschüttete jedoch ein wenig da sie ihre Hände nicht still halten konnte.
Für ein paar Sekunden starrte die Brünette nur verloren in die Weite, bevor sie sich eine kleine Träne den Weg ihre Wange hinunter bahnte.
Sie zog einen unsicheren Atemzug ein und erhob sich um etwas zum weg wischen dieses Missgeschicks zu beschaffen.
Sharon rieb sich den Handrücken über die Stirn, um dann ihre Brille mit zittrigen Händen anzunehmen.
Die andere Hand stütze sie auf die Arbeitsfläche der Küche. Die Tränen flossen nun zu vielen ihre Wangen hinunter.
Die Szene blieb von Brenda natürlich nicht unbemerkt, sie erhob sich vorsichtig und folgte Sharon in die Küche.
Die ältere Frau hatte ihr zwar den Rücken zu gedreht, aber Brenda konnte sehen, dass sie kämpfte.
Die Brille lag vergessen neben ihr und sie hatte eine Hand auf die Arbeitsfläche gestützt.
Ihre Schultern bebten und Brenda wusste, dass Sharon versuchte ihre Gefühle wieder unter Kontrolle zu bekommen.
Sie legt vorsichtig eine Hand auf ihren Arm.
Die Brünette weichte überrascht zurück und blickte Brenda mit Scham gefüllten roten Augen an.
„Ich- es-...ich..sollte. Entschuldige mich.“
Sharon rannte praktisch zum Bad und verschloss die Tür hinter sich.
Mit dem Rücken gegen die Tür lehnend vergrub sie ihr Gesicht in den Händen.
Seine Kinder einfach allein zu lassen während ihnen die Chance auf alles genommen hatte.
Auf einen Abschlussball, die erste Liebe, die erste Wohnung und die erste große Enttäuschung aus der sie dennoch viel lernen würden.
Es machte sie wütend, traurig und frustriert zu gleich.
Wütend wie man so egoistisch sein konnte.
Traurig wie man Kindern die Chance auf ihr Leben einfach entrissen hatte und frustriert darüber, dass sie nichts dagegen tun konnte.
Frustriert auch darüber, das sie wie ein Feigling vor Brenda geflüchtet war, obwohl diese ihr wohl einfach nur hatte helfen wollen.
„Sharon?“ Sie hörte ein Klopfen an der Tür.
„Ich..Es tut mir leid..“
Die Brünette öffnete langsam die Tür und rot umrahmte grüne blickten in besorgte braune Augen.
Wortlos legte die Blondine ihren Arm um die schmale Taille der Brünetten, während sie zur Couch im Wohnzimmer zurück liefen.
Sharon legte ihre Hand auf die Hand die Brenda um ihre Taille gelegt hatte und drückte sie.
Als sich beide auf der Couch niedergelassen hatten blickte Brenda Sharon fragend an:“Willst du es mir erzählen oder wollen wir es dabei belassen?“
Sharon blickte nachdenklich auf, bevor sie ein paar Atemzüge nahm um über ihre Antwort nach zu denken.
„Ich sehe Emily und Ricky vor mir.“
Sharons Kinder. Brenda wusste wie sehr Sharon sie liebte und wie sehr ihre Augen aufleuchteten wann auch immer sie von ihnen sprach.
„Wie die Beiden in diesen großen Betten liegen und friedlich schlafen. In ihren ersten Schlafzimmern in unseren alten Haus. Ich war damals viel arbeiten und wenn ich Zuhause war, widmete ich meine Zeit nur den Beiden, um den Verlust von Jack irgendwie wieder gut zumachen.
Ich hatte damals des öfteren Schwierigkeiten und habe bestimmt zu viel geraucht, aber ich habe sie Beide groß bekommen und schau wo sie nun sind.“
Ihr stiegen wieder die Tränen in die Augen.  Brenda dachte nicht länger darüber nach und wickelte ihre Arme um die Brünette um sie in eine ermunternde Umarmung zu ziehen.
Zu erst versteifte sich Sharon wie schon das Mal davor und Brenda war sich schon fast sicher eine großen Fehler begannen zu haben. Als die Brünette jedoch ihren Kopf auf ihren Schulter sinken ließ, während die Tränen wieder zu fließen begannen.


Die Bilder des Tatortes blitzten wieder vor dem geistlichen Auge Sharons auf. Die Blaulichter die die Hausgegend und einen eigenartig flackernden Schein hüllten, das große Haus mit schön verzierter Haustür, die nun offen stand um der Spurensicherung Einlass zu gestatten.
Teppiche in warmen Farben bedeckten den ganzen Boden fast im ganzen Haus. Als Sharon auf der Treppe nach oben stieg besah sie sich die eingerahmten Bilder die an den gelb gestrichenen Wänden hingen genau. Eine Frau mit schulterlangem Haar, ein Mädchen und ein Junge im Alter von 2 Jahren waren darauf zu sehen, alle lächelten freudig in die Kamera von ihrem Platz auf einer großen Terrasse.
Auf dem nächsten waren nur die beiden Kinder zu sehen, die breite Grinsen in ihren Gesichtern trugen als sie grade aus dem Meer gerannt kamen.
Sharon riss sich von den Anblicken los und stieg hinauf in das erste Zimmer.
Es war ein neutral gehaltener Raum mit Holzmöbeln einen kleinen Schminktisch und einen Bett, das nun Blut durchtränkt war.
In den nächsten beiden Zimmern veränderte sich dieser Anblick nicht und Sharon zog den dunklen Trenchcoat enger um sich als sie wieder vor dem Haus stand und auf ihren Wagen zu lief.
Mit einem Gefühl im Bauch, dass dieser einer der schwierigen Fälle werden würde..


Brenda linke Hand wanderte nach oben und strich beruhigend über Sharons Rücken.
Sie wusste, dass es manchmal nach solch einen Fall einfach nur wichtig war nicht allein sein zu müssen mit seinen Gedanken.
Sie hatte damals nicht mit Fritz darüber gesprochen, aber er hatte es oft nur gespürt und sie Abends im Bett nicht allein gelassen.
Aber sie wollte nicht über ihren Exmann nachdenken, während sie die wunderschöne und doch so starke Brünette in ihren Armen hielt und sich diese ihr öffnete.
„Bleibst du heute Nacht bei mir?“, murmelte Sharon in blonde Locken.
Ein sanftes Lächeln legte sich auf Brendas Lippen:“Hmm“
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