Snake Girls

von -Mizuki
GeschichteFamilie, Fantasy / P12
20.10.2016
28.10.2017
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Marry trifft auf Azami

„Deiner Familie?“, hakte Marry verwirrt nach.
„Ja. Meine Tochter verstarb, genauso wie mein Liebster. Meine Enkelin ist seit einigen Jahren verschwunden, weshalb ich in meine Heimat zurückkehrte, in der Hoffnung ich könnte etwas über meine Enkelin herausfinden.“, erklärte die Schwarzhaarige monoton.
„Dann haben wir wohl was ähnlich.“, lächelte die Weißhaarige etwas.
„Ähm…“, kam es nur von Kido.
„Ach ja und was?“, fragte die Rotäugige emotionslos.
„Naja-“
„Marry, fällt dir das nicht auf?“, unterbrach Kido sie.
„Doch, sie hat mit mir einiges ähnlich.“, lächelte sie.
„Ja eben, für mich scheint es so, dass sie deine Großmutter wäre.“, flüsterte die Grünhaarige ihr zu.
„Wieso denkst du das?“ Marry war verwirrt und stand anscheinend auf dem Schlauch.
„Du siehst meiner Tochter verdammt ähnlich.“, stellte die Dunkelhaarige fest. „Ich… vermute fast, dass deine Freundin recht hat. Aber wieso lebst du unter den Menschen? Ist das nicht zu gefährlich?“
Marry sah die Frau in der dunklen Kleidung an und musterte sie von oben nach unten. Sie schien nachdenklich und war sich ein wenig unsicher. War das wirklich ihre Oma? Immerhin vermutete es Kido und auch die Frau sagte, sie sähe ihrer Mutter ähnlich. Das stimmte auch. Die weißen Haare hatte sie von ihrer Mutter, während ihre Mutter die Haarfarbe von ihrem Opa geerbt hatte.
„Wieso hast du uns dann damals verlassen?!“, fuhr Marry diese Frau an, das obwohl sie eigentlich nicht der Typ dazu war, andere anzuschreien.
„Das hatte seine Gründe. Wegen mir konntet ihr nie in Frieden leben, da hinter mir immer die Menschen her waren und ihr dadurch auch diesen Ärger hattet.“, erklärte die Schwarzhaarige.
„Aber das hätten wir doch gemeinsam durchstehen können! Mama hat immer gesagt, dass sie und Opa gewollt hätten, dass du geblieben wärst…“ Die Weißhaarige wurde immer leiser. „Und jetzt auf einmal… kehrst du in dein altes Zuhause zurück, wieso bist du nicht früher zurückgekommen?“
Azami, die Schwarzhaarige, konnte sehr gut verstehen, dass ihre Enkelin sauer auf sie war, jedoch tat sie es damals nur zum Schutz ihrer Familie.
„Wie hättest du denn reagiert, wenn Opa so etwas getan hätte, wie du damals?“, bohrte Azamis Enkelin nach.
„Ich hätte es vermutlich nicht zugelassen.“, gab Azami zu.
„Ja also! Wieso hast du das dann gemacht? Opa hätte immer auf dich aufgepasst, sowie auch umgekehrt… ich wäre dankbar gewesen, wenigstens noch dich bei mir zu haben, nachdem auch meine Mutter gestorben ist…, aber ich war jahrelang allein.“
Azami hob ihren gesenkten Blick und sah ihrem einzigen Familienmitglied in die Augen. Sie war glücklich, eine Familie gegründet zu haben, anderseits dachte sie oft darüber nach, ob es jemals eine gute Idee gewesen war. Das lag daran, dass sie auch Marry diese furchterregenden Fähigkeiten aufgebürdet hat. Aber nun konnte sie es kaum glauben, dass Marry vor ihr stand.
„Ohne mich konntet ihr glücklicher werden, weil ihr diesen Stress nicht hättet.“, meinte die jungaussehende Frau. Älter als zwanzig würde man sie wohl nicht vermuten.
„Das glaubst du vielleicht…“ Traurig sank die Weißhaarige ihren Kopf. Kido mischte sich da nicht ein, da es eher eine Familienangelegenheit war.
Azami trat näher zu ihrer Enkelin, jedoch wich sie ihr aus. Das Mädchen verlor einige Tränen und rannte nach draußen.

„Ich hab’s wohl total vermasselt…“, seufzte Azami.
Kido starrte sie mit verschränkten Armen an. „Nein, Sie können es sogar noch gut machen. Sie müssen verstehen, dass sie enttäuscht ist, immerhin sind Sie ihre einzige Familie.“
„Du bist ein Mensch…, weißt du überhaupt wer oder was sie ist?“
„Darüber weiß ich bescheid. Dank ihr und Ihnen haben wir ja diese besonderen Fähigkeiten.“, erklärte die Grünhaarige.
„Was meinst du mit ‚wir‘?“, hakte die Dunkelhaarige nach.
„Sie hat nicht nur mich als Freundin.“
Sprachlos sah Azami dieses menschliche Wesen an.
„Also machen Sie sich keine Sorgen. Wir akzeptieren sie, so wie sie ist. Uns ist es egal, wer oder was sie ist, uns geht es letztendlich nur darum, wie die inneren Werte sind.“
„Gibt’s also doch noch mehr Menschen, die wie Tsukihiko sind…“, murmelte die Medusa.
„Tsukihiko?“, fragte Kido verwirrt.
„Der Großvater von Marry. Ich weiß nicht einmal, wie ich mich bei euch bedanken soll…“
„Das müssen Sie nicht. Aber ich möchte Ihnen eines sagen: Marry lebt mit uns glücklich, obwohl sie kein Mensch ist. Naja, eigentlich ist sie überwiegend ein Mensch, als Ihre Spezies, aber trotzdem. Und wir sind auch glücklich, also können Sie genauso glücklich unter andere leben. Die meisten sind nun mal so, dass sie vor nicht menschlichen Wesen zurückschrecken oder vor Leuten, die übernatürliche Kräfte haben, das sind eben ängstliche Kreaturen.“, erklärte die Kapuzenträgerin und vergrub ihre Hände in die Jackentasche.
„Ich weiß nicht mal, was ich jetzt tun soll.“, murmelte Azami in den Kragen ihres Oberteils.
„Zuallererst sollten Sie mit Marry reden, sie ist nie lange nachtragend.“, lächelte Kido, mit ihrem sonst so ernsten Gesicht.
„Aber wo fange ich da an…?“ Die Schlangenfrau vergrub ihr Gesicht in ihre Hände und seufzte.
„Das wird der Mutterinstinkt schon sagen.“
„Ich bin ihre Großmutter, nicht ihre Mutter.“
„Sie wissen schon wie ich das meine.“, entgegnete Kido.
Dieses menschliche Mädchen hatte recht. „Kommst du mit?“
„Das müssen Sie schon selbst klären.“, sagte sie und ließ sich auf der Hängematte nieder, die in der Bibliothek hing.
Ob sie das schaffen würde? Sie musste. Seufzend machte sich die Frau auf den Weg nach draußen und suchte nach dem weißhaarigen Mädchen – ihre Enkelin und auch ihr einziges Familienmitglied. Sie hoffte sehr, dass sie das irgendwie wieder geradebiegen konnte.

Nachdenklich kickte Marry einen Stein durch die Gegend. Sie lief geradewegs einen Fluss entlang, der durch den Wald führte. Eigentlich hätte sie ihre Großmutter nicht so anschreien sollen. Vor allem, weil sie Azami auch ein wenig verstehen konnte. Aber trotzdem hätte sie sich gewünscht, gerade als sie jahrelang allein war, jemanden bei sich gehabt zu haben. Das hätte sie sehr gebraucht.
„Ich sollte wieder zurück und mich mit ihr aussprechen.“, sagte sie zu sich selbst und drehte sich um. „Ich muss sie davon überzeugen, dass sie keine Angst haben braucht. Außerdem würden sich Mama und Opa darüber freuen.“
Entschlossen lief sie wieder zurück und achtete nur halbwegs auf ihren Weg, weshalb sie am Flussrand abrutschte und direkt ins Wasser flog. „Huh!“
Seufzend stemmte sie sich ans Flussufer und ging aus dem Wasser. Nun war sie patschnass. Sie war wirklich ein geborener Tollpatsch. Aber davon ließ sie sich nicht abhalten und ging weiter, immerhin musste sie mit ihrer Oma reden, damit sie sich nicht noch mehr Vorwürfe machte.
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