Snake Girls

von -Mizuki
GeschichteFamilie, Fantasy / P12
20.10.2016
28.10.2017
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Prolog

An einem sonnigen Nachmittag saßen Kido und Marry zusammen in einem Café. Die Weißhaarige Marry starrte die Kapuzenträgerin eine Weile lang an. Gerade als Kido von ihrer heißen Schokolade nippen wollte, merkte sie dies.
„Alles in Ordnung?“, fragte sie ihre Freundin.
„Ja.“ Ohne den Blick dabei abzuwenden, starrte sie Kido weiter an.
„Du möchtest doch irgendwas sagen.“, bemerkte Kido und stellte ihre Tasse ab.
„Ja.“, wiederholte sie. Sie lief auch immer und überall barfuß herum – sogar jetzt, hier im Café.
„Und was?“ Die Grünhaarige zog die Augenbraue hoch.
„Äh... eigentlich gar nicht so wichtig.“ Marry wandte den Blick von ihr ab und sah zu Boden.
Irgendwas schien sie zu bedrücken, das merkte Kido. „Na los, spuck schon aus.“
„Naja…“
„Hm?“ Kido sah ihr Gegenüber auffordernd an.
„Darf ich dir mal meine Heimat zeigen?!“, kam es von ihr auf einmal wie aus einer Pistole geschossen.
„Ja klar und deshalb hast du jetzt so rumgedruckst?“
Marry schwieg.
Kido seufzte und griff nach ihrer Tasse. Sie trank ihr Heißgetränk aus, woraufhin sie dieses auch zahlte.
„Wir können.“, meinte Kido.
„Ja!“, rief Marry und sprang auf, woraus ein kleines Desaster wurde. Sie war so schusselig. Sie flog über den Tisch, da sie über ihre eigenen Füße stolperte.
„Leg dich doch nicht auf den Tisch.“ Kido zog Marry zu sich und verließ mit ihr das Café.
Auf diesen Tollpatsch musste man wirklich immer aufpassen. Sie bekam wirklich alles hin, was Schusseligkeit betraf.

Draußen ließ Kido Marry los und überließ ihr die Führung, da Kido ja nicht wissen konnte, wo sich ihre Heimat befand. Die beiden waren eine ganze Weile lang unterwegs, da es doch eine etwas längere Strecke war. Doch nach ungefähr zwei Stunden kamen sie an ihr Ziel. Ein Haus, das eher in die Höhe als in die Breite ging, stand am Rand eines Sees, ein Steg führte direkt zur Haustür und das alles war von Bäumen umgeben. Viele Vögel schwirrten hier herum, wovon einer auf Marrys Schulter Platz nahm. Lächelnd rannte sie aufs Haus zu, weshalb der Vogel aufschrak und davonflog. Kido lief ihr gelassen hinterher und sah sich dabei ein wenig um. Ihre Hände vergrub sie in ihre Jackentasche. Noch nie hatte sie solch ein Haus gesehen, noch dazu mit so viel Natur umgeben. Hier wuchs Marry also auf. Kaum vorstellbar, dass sie hier einige Jahre komplett allein lebte, das in ihrem Alter. Zumindest sah sie erst wie vierzehn oder fünfzehn aus und gab dieses Alter auch bei den anderen Leuten so an.
Marry zerrte ihre Freundin mit ins Haus hinein. Von drinnen sah es fast noch größer aus, als von draußen. Kido staunte nicht schlecht, zudem man von unten aus auch hinauf zu den anderen Stockwerken sehen konnte. Hier sah es auch ein bisschen wie eine Bibliothek aus, zumindest das Erdgeschoss. Denn hier standen einige Regale und alle waren komplett vollgestellt. Wie es schien, lasen Marry und ihre Familie sehr gerne. Die Weißhaarige musste sich hier auch komplett selbstständig weiterbilden. Ihre Mutter starb, als sie noch kleiner war, auch ihr Großvater weilte schon lange nicht mehr unter den Lebenden. Was jedoch mit ihrer Großmutter war, das wusste sie nicht wirklich. Sie wusste nur, dass sie ihre Mutter und ihren Opa damals zurückließ, da sie die beiden nicht noch mehr ins Unglück stürzen wollte. Ihr größter Wunsch war es immer, dass sie glücklich waren – das letztendlich ohne sie.

„Sag mal, wie viele wart ihr hier?“, fragte Kido nach, schon allein wegen der überwältigten Größe des Hauses.
„Zu zweit.“, erwiderte Marry. „Meine Mutter und ich… bis sie dann starb.“
„Echt riesig…“, staunte die Grünhaarige.
„Ja.“ Marry lächelte. „Ich hätte nur gerne mal meine Oma kennengelernt…“
„Hm?“, kam es von Kido, da Marry den letzten Satz nur vor sich hingemurmelt hatte.
„Ach nichts. Ist nicht wichtig.“ Das Mädchen packte ihre Freundin an der Hand und zog sie mit sich mit.
Jedoch merkte Kido sofort, dass Marry ruhiger geworden war, seitdem sie sich hier befanden. Es musste auch sehr schwer für sie sein, da das alles hier an ihre Familie erinnerte, die nun nicht mehr bei ihr war. Glücklich war sie trotzdem, da sie immerhin nicht einsam war. Sie hatte Kido und auch die anderen aus dem Mekakushi Dan.
Aber sie gab sich bis heute noch die Schuld daran, dass ihre Mutter Shion starb. Das lag daran, dass sich Shion für sie opferte, das nur, weil sie allein rausgegangen war und damals von zwei maskierten Typen belästigt wurde. Dabei hatte ihre Mutter sie immer sooft davor gewarnt, nicht allein rauszugehen.
Marry bereute es zutiefst, nicht auf ihre Mutter gehört zu haben. Hätte sie auf sie gehört…, dann wäre sie sicher noch am Leben. Andererseits hätte sie wohl nie ihre jetzigen Freunde kennengelernt, wenn das alles nie geschehen wäre. Aber vielleicht wäre auch beides möglich gewesen? Sie wusste es nicht. Jedenfalls plagten sie diese Schuldgefühle mehr, als ihr lieb war. Diese Schuldgefühle ließ sie sich jedoch nicht anmerken. Sie hatte über diese Gefühle auch noch nie mit jemanden geredet, zudem sie auch keinen damit belästigen wollte.
Marry bemerkte, dass Kido sie ansah.

„Was denn?“, fragte Marry.
„Du siehst sehr nachdenklich aus.“, bemerkte die Dunkelgrünhaarige. „Was hast du denn?“
„Nichts, es ist alles in Ordnung.“, lächelte die junge Marry Kozakura.
„Aach ja?“, bohrte Kido Tsubomi weiter nach.
„Äh…“, mehr brachte die Hellhaarige nicht zustande.
„Ja?“
„Ich denke nur wegen meiner Familie nach.“, antwortete sie schließlich.
„Ist es auch wirklich nur das?“
„Ja, wirklich.“
„Hm, okay.“ Widerwillig gab Kido sich mit dieser Antwort zufrieden. „Aber wenn du über etwas reden möchtest, kannst du das jederzeit tun.“
Kozakura sah ihre Freundin an und nickte lächelnd. Dann sprang sie auf einmal schreckhaft auf, da anscheinend einige Bücher vom Regal runterflogen und sie sich gerade in Marrys ehemaligen Kinderzimmer befanden.
„Ich dachte hier wohnt keiner mehr.“, merkte Kido an.
„Ist auch eigentlich so… vielleicht spukt es hier?!“ Marry verfiel in Panik.
„Quatsch, du glaubst doch nicht etwa an Geister?“
„I-ich weiß nicht!“ Sie klammerte sich fest an ihre Freundin Tsubomi.
„Jetzt komm doch mal runter.“, murmelte Kido in ihren Kragenpullover, den sie unter ihre Kapuzenjacke trug. Die Kapuze zog sie fast nie vom Kopf.
„Ich kann mich aber nicht beruhigen!“, sagte die Weißhaarige verängstigt.
Nachdenklich schnalzte Kido mit der Zunge. „Dann lass uns nachsehen.“
„W-was?!“
„Du kannst auch gerne ganz allein hier warten, wenn dir das lieber ist.“, grinste sie hämisch.
„I-ich komm doch lieber mit!“ Marry ließ Kidos Arm nicht mehr los und wich ihr auch keine Sekunde von der Seite.
Je mehr sie sich der Bibliothek näherten, desto mehr zitterte die Rosaäugige vor Angst. Aber als sie dann bei den Regalen ankamen, sahen sie niemanden. Es fehlte auch die Spur von heruntergefallenen Büchern.

„Dann vielleicht auf der anderen Seite des Regals?“, murmelte Marry.
Kido nickte und lief mit ihr auf die andere Seite, um da nach dem Rechten zu sehen. Dort lag ein ganzer Haufen Bücher auf den Boden und bei dieser Form des Haufens, wie er dalag, könnte man auch vermuten, dass jemand darunterlag.
„Da liegt bestimmt ein Geist drunter!“, rief Marry panisch.
„Nennt mich doch nicht Geist.“, kam eine Stimme, die vom Haufen kam, was Marry zurückschrecken ließ. Dann fing sich der Stapel an zu bewegen, bis eine menschliche Gestalt zum Vorschein trat. Ihre Haare waren lang, pechschwarz und zu einem Pferdeschwanz gebunden. Die Haut dieser weiblichen Person war etwas bleich, jedoch sah Marrys Haut auch nicht viel anders aus.
„Du bist eben schon ein Geist!“, widersprach Marry panisch und bemerkte nicht, wie Kido seufzte.
Die jungaussehende Frau sah über ihre Schulter hinweg und sah die beiden an. Ihre Augen funkelten knallrot und ihre Pupillen waren sehr schmal, ähnlich wie bei Reptilien. Weißliche Schuppen zierten ihre Wangenknochen.
„Ich bin vielleicht ein Monster, aber sicher kein Gespenst. Wie kommt ihr überhaupt ins Haus meiner Familie, hm?“, fragte sie die zwei Mädchen mit einem ernsten Unterton.
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