Geschichte: Fanfiction / Prominente / Musik / K-Pop / EXO / All of Me

All of Me

von -Janet
OneshotDrama, Romanze / P12
20.10.2016
20.10.2016
1
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Ein leises Schluchzen entwich seinen Lippen, als seine Augen über die einzelnen Zeilen des Briefes wanderten. Salzhaltige Flüssigkeit sammelte sich rund um seine dunkelbraunen, fast schwarzen Iriden und floss in Form von Tränen seine Wangen herab, prasselten auf das weiße Stück Papier in seinen Händen, welche unkontrolliert zu zittern begannen. Jede Silbe, jedes Wort, jeder Satz, den er laß taten weh, hinterließen tausende von kleinen Messerstichen in seinem Herz, welches bereits schon unaufhörlich blutete. Und doch konnte er nicht aufhören, laß den Brief immer wieder und wieder. War es schließlich das einzige, was ihm von ihm noch geblieben war. Oder war es am Ende doch das kleine bisschen Hoffnung, dass die anderen Member ihm einen bösen Streich spielten, obwohl er schon lange begriffen hatte, wie die Realität aussah? Eine Realität, die er bis heute nicht akzeptieren wollte, geschweige denn konnte. Hatten sie sich fernab der anderen doch ein Versprechen gegeben. Ein Versprechen, wie er damals gehofft hatte, das bis in die Ewigkeiten halten sollte.

                                                 ~~~

Schwer atmend schreckte Sehun hoch, nachdem ein Albtraum ihn unsanft aus dem Schlaf gerissen hatte. Lange mehr hatte er keinen gehabt und umso schlimmer waren sie nun wieder mit einer unvorstellbaren Wucht zurückgekehrt. Schweiß ran in Strömen seine Stirn hinab, während seine Brust sich schnell wieder hob und anschließend senkte. Stumm liefen ihm Tränen übers Gesicht, dessen Konturen deutlich seine Furcht, seine Angst wieder spiegelten. Mit dem Handrücken wischte er sich über die Wangen, versuchte verzweifelt damit diese trocken zu kriegen. Aber es wollte ihm auch nach einer gefühlten Ewigkeit einfach nicht gelingen. Sehun fühlte sich auf einmal, als wäre er gerade in einem ganz anderen Körper. Luhan, der seelenruhig neben seinem Freund im Bett lag, wurde während dessen durch ein leises Wimmern geweckt, welches ihm tief rein in die Ohren drang. Müde blinzelte er einige male, bis es ihm schließlich gelang seine Lider vollständig zu heben und sich im Raum zu orientieren. Nichts fiel dem jungen Chinesen dabei auf, nichts besonderes stach ihm dabei ins Auge, was den selben Ton verursacht haben könnte, das sein Erwachen mitten in der Nacht zu Schulden hatte. Als sein Blick jedoch irgendwann auf die andere Seite des Bettes fiel, gefror ihm regelrecht das Blut in den Adern und seine Augen weiteten sich merklich. Ohne großartig zu zögern, griff Luhan nach der zusammengerollten Gestalt neben sich, deren Schluchzen mittlerweile unkontrolliert durch das gesamte Schlafzimmer hallte und drückte sie dicht an seinen Oberkörper heran. Sofort krallten sich Sehuns Fingerkuppen in seinen Rücken, was Luhan kurz dazu veranlasste schmerzhaft das Gesicht zu verziehen. Doch schnell verflog das stechende Gefühl auf seiner Kehrseite und er ließ seine Hände über den Rücken des anderen wandern, hoffte, so klischeehaft diese Geste auch sein mochte, ihn dadurch etwas zu beruhigen. Denn Sehuns Körper bebte stark, ließ seinen Freund nur erahnen, dass etwas schlimmes passiert sein musste. Hatte der Chinese seinen Freund in solch einer Verfassung bisher nur einmal gesehen. Und er wünschte sich nach heute, dass sich dieser Anblick nicht ein drittes Mal wiederholen würde. Tat es ihm selber unbeschreiblich weh die Person, die er am meisten auf Erden liebte, so dermaßen leiden zu sehen.
"Was ist passiert?", fragte Luhan vorsichtig, strich weiterhin über den Rücken des anderen, dessen verheultes Gesicht auf seiner Brust ruhte. Sehun öffnete seinen Mund, setzte zum sprechen an, jedoch schloss er diesen wieder, als ihm nach mehreren Versuchen kein einziges Wort über die Lippen kommen wollte. Noch immer war er zu aufgelöst von dem Traum, den er eben gehabt hatte, konnte keinen einzig klaren Gedanken fassen. Luhan, dem nicht entgangen war, dass sein Freund mit den Folgen des Passierten schwer zu hadern hatte, blieb geduldig still und spendete der Person in seinen Armen weiter Trost, bis diese letztlich von sich selbst aus bereit dazu war mit ihm zu sprechen. Lange musste er gegen seiner Erwartung nicht darauf warten, denn wenig später nuschelte Sehun etwas gegen seine Brust. So leise und unverständlich, dass Luhan glaubte, dass Sehun sogar beabsichtigte, dass er ihn nicht vernehmen konnte. Doch er tat es und es ließ ihn vor Wut fast über schäumen.
"Es ist nichts. Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe".
"Es ist nichts", wiederholte Luhan ungläubig und drückte seinen Freund leicht von sich weg, um ihm besser in die rot angeschwollenen Augen schauen zu können,"Sieht man so etwa aus, wenn angeblich nichts wäre? Klammert man sich so etwa, wie ein Ertrinkender an jemandes Rücken und heult sich an dessen Brust die ganze Seele aus dem Leib, nur um am Ende zu sagen, dass angeblich nichts ist? Wen willst du hier gerade auf den Arm nehmen?". Ohne es zu bemerken, wurde Luhan Wort für Wort lauter, brachte Sehun dazu erschrocken zusammen zu zucken. So wütend hatte er den Chinesen noch nie gesehen. Und noch nie hatte die Wut ihm, seinem eigenen Freund gegolten. Bei diesem Gedanken wurden die Augen des Maknae der Gruppe erneut glasig, füllten sich wieder mit unzähligen von Tränen, die der Schwerkraft allesamt zum Opfer fielen. Er wusste selber nicht, was im Moment mit ihm los war, dass er auf die kleinsten Dinge so emotional reagierte. War es der Traum, der ihn so verängstigte? Der Traum, der so real gewirkt hatte, dass er Angst hatte, dass sich dieser jeden Augenblick bewahrheiten könnte? Oder machte er als jüngster hier gerade irgendeine seltsame Phase durch, die das alles mit ihm anstellte? Die bewirkte, dass er sich wie ein kleines Kind fühlte, dass sich selbst und seine Gefühle noch nicht ganz unter Kontrolle hatte? Laut begann Sehun zu Schluchzen und wandte sich aus Luhans Armen raus, um sich daraufhin wieder zu einer Kugel zusammen zu rollen. Letzterer der beiden seufzte leise, während er sich neben seinen weinenden Freund aufs Bettlaken legte und ihn von hinten sanft umarmte. Er hatte Sehun mit seinen Worten nicht verletzen, geschweige denn hatte er vor ihm laut werden wollen. Er war in dem Moment nur so wütend gewesen, weil Sehun ihn dermaßen offensichtlich angelogen hatte, dass er kurz die Kontrolle über sich verloren hatte. Dabei wollte Luhan der Person in seinen Armen doch nur helfen. Wollte, dass es ihm besser ging und er keine seiner kostbaren Tränen mehr vergießen musste. In der Zeit vor ihrer Beziehung, war es Sehun nämlich äußerst schlecht ergangen. Luhan erinnerte sich noch ganz genau, wie kraftlos und fertig der Junge gewirkt hatte, weshalb er ständig Sorge mit sich trug, er könne jeden Moment in sich zusammenklappen. Lange war diese Entwicklung den anderen Membern natürlich ebenfalls nicht verborgen geblieben, sodass sie sich alle zusammengesetzt und dem Maknae ihre Hilfe angeboten hatten. Ihm gesagt hatten, dass er nicht alleine war und er immer mit ihnen reden konnte. Sehun allerdings hatte nur abgeblockt und sich weiter zurückgezogen. Kurz nach diesem Gespräch war dann das geschehen, was auf Dauer abzusehen gewesen war. Mitten am hellichten Tage war Sehun zusammengebrochen, als sie sich alle gemeinsam auf den Weg zum Training machen wollten. Dies war der entscheidende Moment gewesen, in dem Luhan endgültig die Reißleine gezogen hatte. Nachdem Sehun im Krankenhaus ordentlich durch gecheckt und schlussendlich mit verordneter Bettruhe zurück ins Dorm geschickt worden war, hatte er ihn dort zur Rede gestellt. Unmengen an Tränen waren dabei im Spiel gewesen, denn was zu diesem Zeitpunkt noch keiner außer ihm selbst gewusst hatte. Luhan war schon da in Sehun verliebt gewesen. Und zu sehen, wie es einer geliebten Person von Tag zu Tag immer schlechter ging ohne zu wissen warum dem so war, hatte ihn seelisch unfassbar fertig gemacht. Geschockt von Luhans Reaktion, war Sehun letztendlich eingeknickt und hatte ihm alles erzählt. Von seinen Albträumen, die ihm in der Nacht den Schlaf raubten, ihn tagsüber vollkommen verunsicherten und somit rundum die Uhr ein nahmen, bis hin zu den mehr als freundschaftlichen Gefühlen, die er für sein Gegenüber übrig hatte. Alles an Geheimnissen hatte der Maknae ihm an diesen Tag offenbart. Und obwohl die Umstände, die dazu geführt hatten nicht trauriger hätten sein können, so hatte der Tag heute zurück blickend etwas Gutes gehabt. Sehuns Albträume und Selbstzweifel hatten seitdem nicht nur aufgehört, sie beide waren seither auch ein Paar. Umso besorgniserregender war es für Luhan nun, dass sein Freund scheinbar wieder in alte Verhaltensmuster zurück fiel. Das die Träume von damals wieder zurückkehrten und er unter deren Last erneut fast zu zerbrechen drohte.
"Es tut mir leid, Sehunnie", erhob der Chinese nach vielen Minuten, in denen er einfach nur über alte Zeiten nachgedacht hatte, endlich das Wort und brach das bedrückende Schweigen, welches zwischen ihnen geherrscht hatte," Ich wollte dich nicht anschreien. Wirklich. Aber du musst mich ja auch verstehen. Du krallst dich mitten in der Nacht völlig aufgelöst an mich, scheinst den Nervenzusammenbruch deines Lebens zu haben und sagst mir anschließend, dass nichts ist. Wie soll ich mich denn dabei fühlen?". Luhan machte eine Pause, in der er tief durch atmete. Er musste seine Gedanken ordnen, bevor er weiter sprach. Bei Müdigkeit gerieten diese nämlich leicht durcheinander. Etwas, was er in einer Situation wie dieser wohl kaum gebrauchen konnte.
"Ich mache mir Sorgen um Dich, Sehun. Ich will nicht, dass es dir schlecht geht. Ich will nicht, dass du weinst, du leidest, dir wünscht, dass alles endlich ein Ende hat und alles Leid in dich hinein frisst. Ich will viel mehr, dass du lächelst. Will, dass das Funkeln von Lebensfreude, von Lust und Spaß in deine Augen zurückkehrt. Will, dass du wieder so frei, so unbekümmert bist, wie ich dich kennengelernt, wie ich dich eigentlich in Erinnerung habe. Ich will dich, Sehunnie einfach nur endlos glücklich sehen, denn wenn du es bist, bin ich es auch. Wieso? Weil ich dich liebe, verdammt. Ich liebe dich mehr als mich selbst, mehr als all die Fans da draußen und mehr als alles andere auf diesem Planeten. Also bitte, Babe. Bitte lass mich dir helfen und rede mit mir. Friss es nicht in dich hinein". Zärtlich platzierte er einen Kuss auf die Halsbeuge des anderen, der unter der plötzlichen Berührung sichtlich verkrampfte, ehe er sich nach und nach langsam entspannte. Lange blieb es wieder zwischen ihnen still. Sehun hatte schon längst aufgehört zu weinen und schien stattdessen in Gedanken zu sein, über das eben Gesagte nachzudenken. Luhan befürchtete nach einer gefühlten Stunde sogar tatsächlich gar keine Antwort mehr zu bekommen. Doch dann drehte sich Sehun auf einmal in seinen Armen um, sahen sich tief in die Augen, während ihre Nasenspitze, ihre Stirnen einander federleicht berührten. Alles andere wirkte schlagartig unwichtig, wurde als solches eingestuft vollkommen ausgeblendet. Binnen von Sekunden hatte sich die angespannte Atmosphäre in eine wärmere, eine vertrautere geändert und woran genau es lag konnte keiner der beiden wirklich sagen.
"Ich liebe dich auch, Hyung. So sehr wie du mich. Und genau deshalb hatte ich mich dazu entschieden dir nicht zu sagen, was passiert ist. Diesbezüglich hat sich meine Meinung ehrlich gesagt auch nicht geändert. Aber tue ich es nicht, gehe ich daran kaputt. Das wissen du und ich ganz genau. Mir bleibt auf Dauer also nichts anderes übrig, egal wie egoistisch das auch klingen mag. Verzeih mir bitte". Luhan wollte schon nachfragen, was sein Gegenüber mit dem letzten Satz bitte meine, da wurde er sofort zum Schweigen gebracht, als sich Sehuns Lippen auf seine legten. Schuld, Liebe, bittere Angst. All die Emotionen, die der Jüngere gerade fühlte, steckte er in diesen einen Kuss hinein und Luhan versuchte zu erwidern. Zu zeigen, wie sehr er ihn ebenfalls liebte, aber eben auch, dass er immer an seiner Seite sein würde, sie alles gemeinsam durchstehen würden und er keine Furcht vor der Zukunft, vor dem noch ungewissen haben brauchte. Sie würden immer zusammen sein. Niemals würde Luhan ihn im Stich lassen. Auf keinen Fall. Ihre Lider schlossen sich, ihre Arme legten sich fest um den anderen, ihre Körper drückten aneinander. Ihre Lippen bewegten sich im Rhythmus, wirkten perfekt aufeinander eingespielt. So als ob sie schon immer füreinander geschaffen gewesen seien. Von Gott, von Mutter Natur vorherbestimmt. Der Kuss endete irgendwann. Wie lange er gedauert hatte konnten beide nur erahnen. Als sie sich voneinander lösten, waren ihre Lippen ungewöhnlich rot und angeschwollen. Ihr Atem ging schneller als vorher, beunruhigte beide jedoch nicht. Ganz im Gegenteil. Luhan und Sehun schauten sich in die Augen, übten auf den jeweils anderen eine beruhigende Wirkung aus. Alles um sie herum war noch immer verblasst. Kein Lärm, nichts von der Außenwelt drang zu ihnen hervor. Nicht mal, wenn Kyungsoo ihnen jetzt eine seiner berühmten, vor allem aber wohl gefürchteten Schläge verpassen würde, würden sie voneinander ablassen, dachte der Chinese und musste bei diesem Gedanken leicht schmunzeln. Aber er kehrte zum ernst der Lage zurück, als ihm Sehuns Aussage erneut durch den Kopf schoss. Ein weiteres Mal öffnete er also den Mund, wollte das aussprechen, was ihm auf der Zunge lag. Jedoch kam ihm Sehun wieder zuvor, der schon geahnt hatte, dass sein Freund seinen vorherigen Beitrag nicht einfach so akzeptieren würde.
"Ich habe geträumt, dass du Exo verlassen hast. Das du zurück nach China gehst und mich alleine zurücklässt. Du hast dich nicht mehr bei mir gemeldet, mich komplett ignoriert und so getan als hätte es mich, als hätte es uns nie gegeben. Die anderen haben versucht mich aufzuheitern, mich abzulenken, aber im Endeffekt half nichts. Während ich also vor dem totalen Zusammenbruch stand, physisch und psychisch, scheint est du den Spaß deines Lebens zu haben. Ich war vergessen, schlicht weg Vergangenheit. Irgendwann habe ich keinen Ausweg mehr gesehen und eine Überdosis an Schlaftabletten genommen, um dieser schier endlosen Qual zu entgehen. Tatsächlich habe ich dann keinen Schmerz mehr gespürt. Alles war vorbei und ich nun an einem besseren Ort. Allen ging es gut. Man, Luhan. Der Traum hat so echt, so real gewirkt. Was ist, wenn er wahr wird?". Die Sorglosigkeit war verschwunden und die Zweifel kamen zurück. Am liebsten wollte Sehun weinen, alles mit einem Male hinfort spülen. Doch wo kein Wasser war, da gab es auch keine Flut. Er hatte keine einzige Träne mehr übrig. Luhan, dessen Arme immer noch um den Maknae geschlungen waren, zog ihn bei der Taille an sich. So dicht, dass kein Blatt Papier mehr zwischen sie passen würde.
"Der Traum entspricht nicht der Wahrheit", flüsterte er und schickte seine Finger wieder auf Wanderschaft über Sehuns Rücken," Ich verspreche dir dich niemals zu verlassen".
"Wirklich?", fragte Sehun nach und atmete erleichtert aus, fühlte sich augenblicklich etwas leichter, als er das Nicken des anderen spürte.
"Wirklich", antwortete der Chinese und vereinte ihre Lippen zu einem zweiten Kuss.


                                           ~~~

"Lügner", hauchte er kaum hörbar gegen die Luft, die alles um ihn herum in Keime zu ersticken, zu erdrücken drohte,"Du hast dein Versprechen gebrochen". Kaum hatten diese Worte seinen Mund verlassen, ging er schluchzend zu Boden. Der Brief dabei noch immer in seinen Händen. Er hatte gehofft zu vergessen. Zu vergessen oder wenigstens irgendwann in Frieden weiterleben zu können. Seiner Familie, seinen Freunden, den Fans, aber vor allem um seiner eigenen Willen. Doch die Erkenntnis, dass Luhan ihn tatsächlich verlassen hatte, ließ ihn nicht los, traf ihn nach all der Zeit noch immer so unverblümt, so hart. Eine Last, die seine schmalen Schultern nicht mehr länger tragen konnten. Sie war einfach zu schwer. Sie war zu groß. Das weiße Stück Papier glitt aus seinen Fingern. So wie Sand durch Zehen. Er hatte keine Kraft um es weiter festzuhalten. Er hatte für nichts noch Kraft. Selbst seinen Körper irgendwie aufrecht zu erhalten strengte an. Sehun gab nach, ließ sich fallen neben den Brief, der sich unter seinen Tränen leicht gewölbt hatte. Ein dumpfes Geräusch hallte bei seinem Aufprall durch den Raum. Schmerz zog sich vereinzelt durch seine dünnen Knochen. Am Rande nahm er aufgeregte Stimmen war, darunter auch die von Suho. Sie mussten wohl vom Wohnzimmer aus gehört haben, dass etwas zu Boden gegangen war. Das etwas nicht richtig war. Seine Aufmerksamkeit ruhte trotz dessen auf was anderem. Auf eine Zeile des Briefes, die auf der Rückseite von diesem stand. Ganz klein und leicht zu übersehen. So wie Sehun es bis jetzt auch getan hatte. Mit zittrigen Händen griff er wieder nach dem Papier, nahm es in seine schwachen Hände und laß die letzte Botschaft, die Luhan für ihn hinterlassen hatte.

"Ich liebe dich, Sehunnie. Vergiss das nicht. Wir werden uns wiedersehen, werden neu anfangen. Versprochen".

Müde begann Sehun zu lächeln. Es war so unwillkürlich. Erst versprach er, dann brach er und nun versprach er ihm wieder etwas. Das Vertrauen zwischen ihnen war weg. Und doch lösten diese Worte in ihm etwas aus. Wärme, Hoffnung, ein wohliges Kribbeln in seinem Bauch. Ein Kribbeln, was er schon lange nicht mehr gespürt hatte und nun eigentlich auch nicht mehr spüren sollte. Aber er tat es. Das Vertrauen war weg, jedoch die Gefühle, das Band, das sie verband war noch da. Es zog angenehm in seiner Brust. Jetzt gerade. Wo es sich die letzten Tage, Wochen und Monate allerdings versteckt hatte, wusste Sehun nicht. Musste er auch nicht. Denn vielleicht, ja vielleicht hatte das alles auch zu Gottes Plan, zusammen mit dem von Mutter Natur gehört. Einen Plan, der extra auf sie beide zugeschnittenen worden war, auch wenn er schon ganz gerne wüsste, was die Gründe dafür gewesen waren, dass er erst durch die Hölle gehen musste, bevor das Paradis scheinbar endlich an die Reihe kam. Trotzdem beschloss er vorerst zu ruhen, nicht weiter zu hinterfragen. Schritte konnte er vernehmen, die sich seinem Zimmer näherten, während seine Augen langsam zu fielen. Die Tür flog auf, als Suho gefolgt von Chen, Kai und Kyungsoo eintrat.
"Sehun", riefen sie im Chor und kamen auf diesen zugelaufen.
"Ist alles in Ordnung?", fragte Kai und hob seinen besten Freund hoch. Schwach nickte Angesprochener, bevor sich seine Augen endgültig schlossen. Alles war gut. Er würde auf Luhan warten. Warten, bis dieser sein Versprechen einlösen würde. Warten, bis sie endlich gemeinsam von neu anfangen würden.


•Forgive? Yes. Forget? No•

•You have to hurt in order to know, fall in order to grow, lose in order to gain. Because most of the life lessons are learned in pain•
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