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Mein Herz brennt

von ViJay
KurzgeschichteTragödie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Corvo Attano Emily Kaldwin Jessamine Kaldwin / Kaiserin
17.10.2016
17.10.2016
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Moin.
Dieser Gedankenfluss ist entstanden, als ich versucht hab Corvo ein wenig mehr zu verstehen und für mich menschlicher zu machen. Jetzt wollte ich das wirre Ding mal mit euch teilen. Ich hoffe, es gefällt!
Viel Spaß beim Lesen. (Soll gar nicht so zynisch sein, wie es klingt.)


Ich hatte versagt. Ich hatte nur eine Aufgabe: Sie zu beschützen und zu retten. Ich hatte weder das eine noch das andere vermocht. Ich hatte versagt.
Ich war nie ein Mann vieler Worte gewesen, aber bei dem Gedanken an Jessamines Tod stockte mir auch jetzt noch der Atem. Es kam mir immer noch so vor wie ein dunkler Traum. Wie gelähmt war ich zu ihr gekrochen, hatte ich neben ihr auf dem Boden gesessen. Jessamine schwer und gleichzeitig so zart in meinen Armen. Ihre letzten Worte waren mein Name gewesen. Ich hatte es nicht verdient. Ihre grauen Augen brachen. Grau wie die von Emily.
Sind Sie in meiner Nähe findet mein Herz Frieden. Das hatte in ihrem Brief gestanden. Ich habe ihn sooft gelesen, dass ich ihn auswendig kannte. Sie hatte sich nicht um die schlechten Nachrichten geschert, sondern sich im ersten Moment nur gefreut, dass ich da war. Sie hatte mich vermisst. Das hatte Emily gesagt. Ich war zwei Tage zu früh daheim und dennoch zu spät. Ich war in ihrer Nähe gewesen, aber nicht nah genug.
Ihre Schreie, Jessamines und Emilys, ihr Blut auf dem Boden. Sie hatten meinen Namen gerufen. Beide. Nie werde ich das vergessen können.
Ich saß da in Gedanken und immer noch vollkommen gelähmt. Was war nur geschehen?
Schon längst hätte ich fliehen können, doch ich bin hier geblieben. Wartend auf meine Hinrichtung für eine Tat, die ich nie begehen könnte. Niemals begangen habe. Habe sechs Monate lang die Folter, die Demütigungen im Gefängnis von Coldridge über mich ergehen lassen. Unfähig irgendetwas zu fühlen und dessen ungeachtet voll von ihnen. Ich wünschte, sie hätten mich getötet und Emily ihre Mutter gelassen. Mein Herz brannte, war wund von stummen Schreien.
Was haben sie mir zu sagen?
Jessamine. Ich möchte, dass sie stolz auf mich ist und ich muss doch auf Emily aufpassen. Muss sie finden, muss sie retten. Dabei will ich nicht mit einem Mord beginnen. Auch wenn ich für beide getötet hätte und hatte und es tun würde. Jederzeit. Sie haben mir den Spiegel vorgehalten; für sie wollte ich ein besserer Mensch werden. Jene verschonen, die den Tod verdient hätten. Nun sind jene gestorben, die das Leben verdient hätten. Ich hatte versagt.
Sie hatte mich ausgeschickt, die Stadt und ihre Bürger zu retten. Die Lücke zwischen arm und reich zumindest ein wenig zu schließen. Nicht nur sie waren Opfer, auch ihre Kaiserin war es. Vollkommen machtlos gegenüber den Schatten um sie herum. Sie hatte bei der Nachricht so traurig und gleichzeitig so gefasst ausgesehen; aber ich wusste, dass sie in solchen Momenten lieber allein war. Gewesen war, korrigierte ich mich und ich spürte einen Kloß in meinem Hals. Lord Corvo, Kaiserlicher Schutzherr, weinte nicht. Niemand hatte mich je am Hofe weinen sehen. Außer Jessamine als ich Emily das erste Mal in meinen Armen gehalten hatte. Wir waren so stolz gewesen. Gerettet habe ich niemanden, nur verloren. Ich hatte versagt.
Sie hatte mir einmal gesagt, dass sie glücklich war. Mit mir. Und dankbar mich so früh, so lange kennen zu dürfen. Glaubte sie dies immer noch? Ich hatte versagt.
Kaiserin, Herrin, Geliebte, es tut mir leid.
Ich konnte es ihr nicht mehr sagen. Nichts mehr. Nie mehr. In meinem Herzen legte ich einen Schwur ab. Kein Wort würde jemals wieder über meine Lippen kommen. Nicht wenn ihre für immer verstummt waren. Ich hatte versagt.
Sie führten mich ab. Zur letzten Folter vor der Hinrichtung. Wollten ein Geständnis, das ich nicht erbringen konnte.
Ich hatte versagt.
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