Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ich bin für dich da

von RamonaXX
OneshotFreundschaft / P12 / MaleSlash
Chris Taylor Elias Grodin
17.10.2016
17.10.2016
1
2.917
5
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
17.10.2016 2.917
 
Hinweis:
Dies ist der erste Teil einer Slash-Trilogie zum Film "Platoon".
Der Link zum zweiten Teil befindet sich am Ende des Kapitels.


Vorbemerkung:
Wann ist homosexuell eigentlich homosexuell?
Dazu ein fiktives Beispiel: Eine Frau wird von ihrem Mann verlassen. Sie fährt zu ihrer besten Freundin, schmeißt sich dort heulend auf die Couch und weint die halbe Nacht im Arm ihrer Freundin. Macht diese Erfahrung die Frau oder ihre Freundin lesbisch?
Ich wage zu behaupten, dass die Mehrheit diese Frage mit „Nein“ beantworten würde. Wenn also Körperkontakt, Nähe und Trost die beiden Frauen nicht homosexuell machen, wieso fällt es dann manchen Menschen so schwer sich eine vergleichbare Situation mit zwei Männer vorzustellen?



Die Schmerzen in seinem Nacken hielten Chris Taylor schon seit Stunden wach. Immer wieder wechselte er die Position, drehte sich im Dämmerschlaf von einer Seite auf die andere und fand doch keinen Weg ins Reich der Träume. Dabei war diese Nacht so gut zum Schlafen geeignet wie kaum eine andere, denn es war ruhig. Ein Zustand der in heißen Kriegsgebieten nur selten vorkam.

Mit der Nacht, die in diesem südostasiatischen Land ohne jede Vorankündigung oder Dämmerung hereinbrach, war die Stellung der Bravo-Kompanie ausnahmsweise in seliges Schweigen gefallen. Kaum ein zischendes Leuchtspurgeschoss erhellte den dunklen Himmel, keine einzige Artilleriegranate donnerte über sie hinweg und auch der Mörserbeschuss schien für heute Abend abgesagt worden zu sein.

Seufzend drehte sich Chris in seinem Unterschlupf auf den Rücken. Seine Nackenschmerzen brachten ihn um den Verstand. Vor drei Tagen war er auf nächtlichem Horchposten von Schrapnellstücken getroffen worden und hatte zwei Tage im Feldhospital von Cu Chi verbracht. Mit der Anordnung nur ‘leichten Dienst’ zu verrichten, hatte man ihn zurück zu seiner Einheit geschickt. Das Schrapnell war aus seinem Nacken entfernt, aber die Schmerzen waren geblieben.

Gequält rollte Chris sich zur Seite und suchte vergebens eine Haltung, die sein Genick so entlastete, dass er endlich einschlafen konnte.


Sergeant Elias hockte derweil draußen am Rand der Stellung auf dem Wachposten und betrachtete sehnsüchtig den wolkenfreien Sternenhimmel über sich. Einerseits war er sich im Klaren darüber, dass diese friedliche Nacht geradezu zum Ausruhen einlud, andererseits empfand er es als viel schöner diese beruhigende Stille bewusst zu genießen und seiner Seele damit etwas Gutes zu tun, anstatt diese kostbaren Stunden sinnlos zu verschlafen.

Er war ganz allein hier, zusammen mit Millionen von Sternen über sich und hunderten von laut zirpenden Grillen um sich. Ein schönes Gefühl, dachte Elias und lehnte sich entspannt an den Stamm eines hohen Baumes, unter dem er sich im Schneidersitz niedergelassen hatte.

Es war jetzt irgendwas nach Mitternacht und so wie er die Lage einschätzte, würden die restlichen Stunden bis zum Sonnenaufgang ebenfalls ruhig verstreichen. In solchen Sachen konnte Elias sich hundertprozentig auf sein Bauchgefühl verlassen. Seinen Kameraden King von der Wache abzulösen, war auch so eine spontane Eingebung gewesen, zu der ihm sein Bauch geraten hatte. So bekamen die Jungs seiner Gruppe wenigstens ein bisschen Schlaf und er als ihr Gruppenführer ein bisschen Ruhe.


Chris hielt es nicht länger aus. Das Gefühl, jemand hätte seinen Nacken in einen Schraubstock eingespannt, ließ sich einfach nicht vertreiben. Entmutigt gab er den Versuch einzuschlafen auf und kroch aus seinem Unterschlupf. Er musste irgendetwas tun, um sich abzulenken.

Milde Nachtluft wehte Chris um die Nase als er sich aufrichtete und in den sternenklaren Nachthimmel blickte. Ein angenehm kühler Windstoß krabbelte unter seine Feldbluse und streifte seinen Rücken. Chris rieb sich mit der Hand über die schmerzende Stelle im Nacken. Planlos sah er sich um und fasste schließlich den Entschluss einen kleinen Rundgang zu machen.

Mit stumpfsinnigen Schritten schlenderte er durch die Stellung und ärgerte sich über den Zwist in seinem Körper. Seine Glieder verlangte es nach einer Ruhepause, aber sein verkrampftes Genick hielt ihn unermüdlich wach. Was hätte er nicht alles dafür gegeben sich jetzt, auf eine weiche Matratze legen zu können und sein Gesicht in ein pralles Federkissen zu schmiegen… Doch bevor Chris diesen tröstenden Gedanken vollends ausschmücken konnte, tauchte bereits der mit Stacheldraht gesicherte Rand der Stellung vor ihm auf. Chris ging ein Stück am Zaun entlang.

Er wusste, dass King heute mit Wache an der Reihe war und war umso erstaunter als er feststellen musste, dass die schmale Silhouette, die dort hinten auf dem Wachposten hockte nie und nimmer zu dem hochgewachsenen, muskelbepackten Schwarzen aus Mississippi gehören konnte.
 
Neugierig kam Chris näher. Ein Schmunzeln erhellte sein Gesicht als er seinen Gruppenführer Elias erkannte.

„Hi, Sarge.“, sagte Chris, überrascht ihn hier anzutreffen.

Elias hob den Kopf. Der zunehmende Mond schien so hell, dass es ein leichtes war das Gesicht des anderen in der Dunkelheit auszumachen. „Hey, Taylor.“, erwiderte er freundlich und richtete seinen Blick wieder geradeaus.

Schweigend stand Chris eine Weile neben dem Sergeant und während er seinen Gedanken nachhing und weiter von einem flauschigen, warmen Bett träumte, sah er hinauf in den Himmel. „Schöne, klare Nacht heute.“, sagte er irgendwann, unschlüssig worüber er sonst sprechen sollte.

Elias folgte seinem Blick rauf zu den Sternen. Leise ergänzte er: „Und vor allem ruhig.“ Aus dem Augenwinkel konnte Elias sehen, dass Chris abwesend wirkte. Für ihn sah der Junge gar nicht glücklich aus. „Warum nutzt Du die Gelegenheit nicht und haust dich aufs Ohr?“, fragte Elias und hörte auf die Sterne zu betrachten.

Chris zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht.“, brachte er hervor und mied es Elias anzusehen. Er wusste genau, warum er nicht schlafen konnte, aber sollte er seinem Sergeant davon erzählen?

Aufmerksam beobachtete Elias den jungen Soldaten. Äußerlich sah Chris nicht anders aus, als die anderen Jungs auch. Staub und Wasser hatten dafür gesorgt, dass seine Schnürsenkel eine untrennbare Verbindung mit den Ösen seiner Dschungelstiefel eingegangen waren, die Hosenbeine waren vom Arbeiten im Matsch und dem vielen Hinknien schlammverkrustet und seine ausgeblichene Feldbluse stank nach getrocknetem und frischem Schweiß. Dazu kamen schwielige, aufgerissene Hände, ein paar entzündete Blutegelbisse und ein unrasiertes, übermüdetes Gesicht.

„Alles okay?“, fragte Elias als er sah, wie sich Chris’ Stirn in schmerzliche Falten legte und er sich mit der Hand durch den Nacken fuhr.

Die rücksichtsvolle Stimme seines Gruppenführers ließ Chris Vertrauen fassen. „Mein Nacken.“, antwortete er knapp und ließ sich zu einer ausführlichen Erklärung verleiten, „Ich hab’ die Schrapnellstücke in der Hand gehabt, die die Ärzte in Cu Chi aus mir rausgeholt haben. Aber wenn ich ehrlich bin, dann fühlt es sich immer noch so an als steckten sie da drin. Das tut so höllisch weh, Sarge, ich bekomm heut Nacht einfach kein Auge zu.“

Chris wusste nicht warum er Elias das erzählte, wollte er doch nicht als Jammerlappen gelten, der sich bei seinem Sergeant ausweinte. Aber allein die Tatsache, dass da jemand war, dem er sich mitteilen konnte und der ihm zuhörte, verschafft ihm Linderung.
 
Ein feistes Grinsen stahl sich über Elias’ Gesicht und ohne zu zögern sprach er seinen Gedanken aus: „Vielleicht haben die beim Zusammenflicken ein Stück vergessen.“

Chris schmunzelte und war dankbar für die zynische Bemerkung, zeigte sie ihm doch, dass Elias seine Worte nicht als Gejammer aufgefasst hatte.

Die heitere Miene des Sergeants klärte sich urplötzlich als er seinen Schneidersitz öffnete und forderte: „Setzt dich, Chris.“ Elias wies auf den Platz zwischen seinen Beinen: „Hier her, und mit dem Rücken zu mir.“

Befehlsgewohnt folgte Chris der Anweisung seines Gruppenführers, auch wenn er diesmal nicht ganz sicher war, wohin das führen sollte. Ihm war komisch zu Mute, sich an der besagten Stelle niederzulassen, aber das Zutrauen in seinen Gruppenführer überwog.

„Wo genau tut es weh?“, fragte Elias und klang dabei als hätte er eine ganz gewöhnliche Frage gestellt.

Verunsichert warf Chris einen Blick über seine Schulter. Meinte sein Sergeant das etwa ernst?

Der Gesichtsausdruck von Elias hatte etwas sonderbar verspieltes, das gleichzeitig vertrauenserweckend wirkte. Nun gut, dachte sich Chris, er wird schon wissen, was er tut. Zögernd drehte er seinen Kopf wieder nach vorne und zeigte Elias die Stellen wo es besonders wehtat, indem er sie mit dem Zeigefinger nachfuhr. Er konnte hören, wie der Sergeant hinter ihm bestätigte, dass er alles gesehen hatte und ihn anschließend anwies die Hände unten zu lassen.


Was dann passierte jagte Chris einen Schauer über den Rücken. Mit einem Mal spürte er wie sich zwei große Hände auf seine verspannten Schultern legten und begannen ihn zu massieren.

Elias musste schmunzeln als er Chris’ kurzes Aufschrecken unter seinen Händen spürte, ging jedoch kommentarlos darüber hinweg und setzte sein Tun fort. Vorsichtig fing er an die steife Muskulatur durchzukneten, erhöhte sanft den Druck, machte kreisende Bewegungen, hielt an, wechselte die Richtung und begann wieder von vorne.

Chris war überwältigt von dem erlösenden Gefühl. Wie konnte es sein, dass ein Mensch so zauberhafte Hände hatte, noch dazu jemand wie sein eigener Sergeant? Erleichtert schloss er die Augen und gab ein tiefes Seufzen von sich. Er versuchte gar nicht erst diesen Laut zu unterdrücken, zu schön war es, dass endlich jemand den Schraubstock in seinem Nacken löste.

Zufrieden verfolgte Elias wie der junge Soldat sich unter seinen wohldosierten Griffen lockerte und entspannte. „Gut, nicht wahr?“, flüsterte er und rückte noch ein Stück näher zu seinem Kameraden auf.

Wieder seufzte Chris und genoss es regelrecht von seinen Schmerzen befreit zu werden. Wie von selbst fiel sein Kinn auf die Brust und gab so seinen gesamten Nacken frei.

Eine solch direkte Einladung schlug Elias nicht aus. Zielsicher arbeitete er sich mit seinen Händen von Chris’ Schultern immer näher an seinen Hals bis er schließlich mit den Daumen exakt jene Stelle bearbeitete, die sein Freund ihm als besonders schmerzlich beschrieben hatte.

Niemals hätte Chris es für möglich gehalten, dass es sich so verdammt gut anfühlte von jemandem massiert und im Nacken gekrault zu werden. Zu seiner eigenen Verwunderung fand er Gefallen an der Art, wie die Finger des Sergeants über seine Haut rieben und dabei in regelmäßigen Abständen auch durch seinen kurzgeschorenen Haaransatz streichelten.
 
Elias tat diese Zweisamkeit ebenfalls gut, allerdings auf eine andere Weise. Er verspürte das unstillbare Bedürfnis seine Arme um Chris zu schlingen und sich an ihm festzuhalten. Doch seine Sorge, es könnte den Jungen verschrecken, hielt ihn zurück. Stattdessen ließ er seine Massage auslaufen, wurde langsamer, machte kleinere Bewegungen und kam nach einer Weile gänzlich zum Stehen. Die Hände ruhig auf den Schultern seines Kameraden abgelegt, schloss Elias die Augen.

Unerwartet spürte Chris einen seltsamen Druck in seinem Kreuz. Er hob den Kopf und spähte zaghaft nach hinten. Elias hatte sich mit seinem schweren Oberkörper an seinen Rücken angelehnt. Nervosität stieg in Chris auf. Wollte der Sergeant jetzt etwa so mit ihm hier sitzen bleiben? Was, wenn sie jemand erwischte, so eng beieinander?

Elias glaubte genau zu wissen, was in Chris vorging und versuchte dem entgegen zu wirken. Gedämpft raunte er hinter ihm: „Geh nicht weg, Taylor.“

Der flehende Unterton in Elias’ Stimme entging Chris nicht und aus irgendeinem Gefühl heraus – das er sich selbst nicht so recht erklären konnte – bleib er sitzen. Die Schmerzen in seinem Nacken waren verschwunden, dafür verspürte er jetzt ein sonderbares Kribbeln in seinem Bauch. Es war nicht dieses Gefühl des Verliebtseins, das Chris in sich spürte. Es war mehr so etwas wie unreife Neugier, die von der Frage getrieben wurde, was als nächsten passieren würde.

Elias fiel es immer schwerer an sich zu halten. Chris ausgiebig zu massieren, den Gefallen hatte er ihm gerne getan. Aber jetzt wünschte er sich, dass der junge Soldat im Gegenzug auch etwas für ihn tat. Und alles was er dafür tun musste, war bei ihm zu bleiben.

Mit geschlossenen Augen stützte Elias seine Stirn an Chris’ Hinterkopf ab und atmete in einem langen und tiefen Zug aus. Er spürte die Reflektion seines Atems in Chris’ Nacken und roch den Schweiß auf seiner Haut. Langsam ließ Elias seine Hände links und rechts über die Schultern von Chris gleiten. Er streifte das aufgenähte Einheitsabzeichen, lief über Chris’ deutliche Oberarmmuskulatur und erreichte die aufgekrempelten Ärmel seiner Feldbluse.

Nach einem Moment des Innehaltens, setzt Elias sich auch über diese Grenze hinweg und streichelte zum ersten Mal geschmeidig über Chris’ Unteramre bis runter zu den Handgelenken. Immer wieder fuhr Elias liebevoll über seine Arme und lief mit seinen rauen Fingerkuppen gegen die vielen feinen Härchen an, die sich auf Chris’ Haut ganz von allein aufstellten.

Nein, ich bin nicht schwul, ging es Elias durch den Kopf, Und nein, ich will dich auch nicht verführen, Chris. Was ich suche, ist viel einfacher als Du denkest…

Er wusste, dass Chris seine Gedanken nicht lesen konnte, hoffte aber trotzdem, dass seine Botschaft ankam.

Chris war wie paralysiert. Sein Körper signalisierte ihm, dass die zärtlichen Berührungen von Elias sich gut anfühlten – außerordentlich gut sogar! Doch in seinem Kopf wurden die Stimmen immer lauter, die dieses Rumgeschmuse gar nicht gut hießen – überhaupt nicht gut!

Verlegen stammelte Chris: „Sarge, ich…“

„Schhh.“, unterbrach ihn Elias sanft, „Nich’ reden.“ Sein anschmiegsames und verspieltes Reiben fand unvermittelt ein Ende als er seine Arme um Chris’ Oberkörper schlang. Im nächsten Moment ließ sich der Sergeant nach hinten kippen und zog den widerstandslosen Chris mit sich. Den Rücken gegen den Baumstamm gelehnt, atmete Elias ruhig und gleichmäßig und genoss das Gewicht von Chris, das er halb liegend, halb sitzend auf seinem Brustkorb spürte.

Die Position in der Chris sich wiederfand, erinnerte ihn an das Rudertraining mit seiner Collagemannschaft. Nur das man beim Rudern niemals einen so engen Kontakt zu seinem Hintermann hatte.

Warum nur wollte Elias ihn so nah bei sich haben? War Elias etwa…?

Chris fiel es schwer, an das Wort überhaupt zu denken. Von sich selbst wusste er, dass er auf keinen Fall – nun ja – dass er nicht homosexuell war. Auch wenn er seine bisherigen erotischen Begegnungen mit Frauen an einer Hand abzählen konnte, zu Männern hingezogen fühlte er sich deswegen noch lange nicht!

Und was war mit Elias? Konnte es wirklich sein, dass dieser selbstsichere und clevere Sergeant, der bei so ziemlich allen Soldaten beliebt war und der kaum eine Gelegenheit ausließ mit seinen Weibergeschichten anzugeben in Wahrheit Männer liebte?

Elias spürte die wachsende Anspannung in dem jungen Mann. Sicher machte Chris sich darüber Gedanken, was all das hier zu bedeuten hatte. Wenn ihm doch nur die passenden Worte eingefallen wären, dann hätte er vielleicht versucht es ihm zu erklären, doch Elias blieb stumm. In einem schweren Seufzen hob und senkte sich sein Brustkorb, was ihn noch einmal auf angenehme Weise Chris’ Körper spüren ließ.

Die innere Anspannung von Chris war mittlerweile soweit fortgeschritten, dass er sich ernsthaft Gedanken machte, diese bizarre Schmuseattacke zu beenden und sich aus Elias’ Arm zu schälen. Doch der Sergeant kam ihm zuvor.

„Tut dein Nacken noch weh?“, fragte Elias, der die Augen in der Zwischenzeit wieder geöffnet hatte. Er wollte den Bogen keinesfalls überspannen und wusste, dass es an der Zeit war den Jungen gehen zu lassen.

„Nein, Sarge.“, antwortete Chris reflexartig und in einem Ton als antwortete er auf einen Befehl.

„Gut.“, meinte Elias schlicht und zog seine Hände in einer gleichmäßig fließenden Bewegung zurück. Als er Chris freigegeben hatte, tippte er ihm freundlich auf die Schulter: „Los, hoch mit dir.“

Leicht verwirrt rappelte Chris sich hoch und stand nach kurzem wieder auf seinen eigenen Beinen. Auf eigenartige Weise kam er sich plötzlich nackt und ungeschützt vor. Sein Blick ging runter zu Elias, der an den Baum gelehnt sitzen blieb. Der Sergeant hatte wieder sein typisches Grinsen im Gesicht, eine Mischung aus aufgeklärtem Ernst und kindlicher Gelassenheit.

„Geh schlafen, Kleiner.“, sagte Elias unverkrampft und nickte in die Richtung aus der Chris vorhin gekommen war, „Und grübel’ nicht so viel über das hier nach, okay?“

Für Chris kam die Normalisierung der Situation viel zu schnell und er wusste nicht recht damit umzugehen. Hatte er nicht eben noch im Arm seines Sergeants gelegen? Und hatte es sich nicht auch ein kleines bisschen gut angefühlt? Chris war durcheinander.

Elias sah dem Jungen an, dass dieser nicht loslassen konnte und es noch eines weiteren Schubses bedurfte, ihn wieder auf Spur zu bringen. „Nacht, Taylor.“, sagte er mit dem nötigen Nachdruck und nahm wieder seine entspannte Sitzhaltung im Schneidersitz ein.

Zerstreut sah Chris – der bis eben abwesend auf den Boden geblickt hatte – Elias an. Etwas steif murmelte er seine Antwort: „Nacht, Sarge.“ Dann drehte er sich um und verließ den Wachposten.


Nachdenklich, aber zufrieden sah Sergeant Elias dem jungen Soldaten hinterher. Er hatte bekommen, wonach er sich schon lange gesehnt hatte. In diesen schweren Zeiten, wo Leid und Zerstörung den Alltag vieler Soldaten zu einer seelischen Zerreißprobe machten, war es wichtig einen Ausgleich für die eigene strapazierte Seele zu finden und gelegentlich frische Energie zu tanken. Genau das hatte Chris ihm ermöglicht, indem er einfach für ihn dagewesen war. Elias bezweifelte, dass der Junge das jemals begreifen würde, war aber gleichzeitig dankbar dafür, dass Chris diese Art der Nähe zugelassen hatte.

Noch etwas benommen erreichte Chris seinen Unterschupf. Ohne zu zögern kroch er hinein und rollte sich in das wärmende Futter seines Ponchos. Wie er so dalag, stellte Chris fest, dass ihm äußerst seltsam zu Mute war. Rückblickend war dies die verrückteste Begegnung gewesen, die er je mit seinem Sergeant gehabt hatte. Und doch hatte das Ganze auch sein Gutes. Es blieb das unbestimmte Gefühl zurück, für einen Freund dagewesen zu sein, wenn auch auf sonderbare Weise. Übermüdet döste Chris über diesem Gedanken ein. Den Rest der Nacht schlief er ruhig und traumlos – und vor allem ohne Nackenschmerzen.


A.N.
Mein stiller Dank geht an Johns Chaya, die mich mit ihren Slash-Geschichten über John und Rodney (aus Stargate Atlantis) dazu ermutigt hat, meine eigene überhaupt zu posten. (Auch wenn ihre Geschichten eine Gangart „härter“ sind. :-)

Und hier geht es zur Fortsetzung mit Chris und Elias: Ich bin immer für dich da
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast