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Was es heißt haltlos zu sein

von RamonaXX
OneshotSchmerz/Trost / P16 / Gen
Elias Grodin
17.10.2016
17.10.2016
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Die Hände gelangweilt in den Hosentaschen, schlenderte Sergeant Elias Grodin allein über den sandigen Grund des Basis Camps. Eben war ihm noch Taylor – dieser verrückte Spinner, der sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatte – über den Weg gelaufen. Elias hatte freundlich gegrüßt und sich dann schnell aus dem Staub gemacht. Er wusste, Chris Taylor gehörte zu jenen, die diesen verdammten Krieg überstehen würden. Bei sich selbst war der Sergeant in diesem Punkt lange nicht so optimistisch.

Er hatte viel gesehen auf seiner ersten Tour – zu viel! So viel, dass er es Zuhause nach kurzem nicht mehr ausgehalten hatte und für eine zweite Tour zurück nach Vietnam gekommen war. Auch diese war jetzt zu über einer Hälfte um und Elias spielte ernsthaft mit dem Gedanken ein weiteres Mal zu verlängern. Nicht, dass ihm das Töten von Vietnamesen Spaß machte, es war das Dreckigste, was der Krieg von ihm verlangte. Es waren Leute wie Chris, die ihn hier draußen hielten und für die er gerne seinen Arsch riskierte. Chris war blauäugig und blond gewesen als er in die Truppe gekommen war, aber der Junge hatte rasch dazugelernt und Elias war mit der Zeit klar geworden, dass dieser durchgeknallte Collageabbrecher seinen Weg schon machen würde.

Deswegen war er wieder in Vietnam. Er musste zwar immer wieder Menschen töten, aber er hatte auch die Chance dafür zu sorgen, dass ein paar gute Leute wieder heil nach Hause konnten. Leute wie Chris, King, Crawford… Alles mehr oder weniger anständige Kerle, auf die noch etwas anderes wartete außer Krieg, Tod, Leid und Zerstörung.

Er selbst hatte schon lange niemanden mehr, der auf ihn wartete. Aber Elias wollte die freie Stunde, die er an diesem Nachmittag hatte, nicht damit vergeuden sich in Selbstmitleid zu ertränken. Das konnte er auch des Nächtens tun, wenn er – wie so oft – keinen Schlaf fand. Was er jetzt wollte, war Abstand von alldem gewinnen und sich ein bisschen gut fühlen.


Die sengende Hitze verwandelte den feinkörnigen Sand auf dem Boden in glühendheißen Staub, der ab und zu von drückend schwülen Windstößen aufgewirbelt wurde. Weit und breit war kaum eine Menschenseele zu entdecken. Die höherrangigen Offiziere hockten um dieser Zeit in ihren klimatisierten Hütten und die einfachen Mannschaftssoldaten verbrachten die Mittagshitze im Schatten, sofern sie ein solches Plätzchen fanden.

Der ausgediente Munitionsbunker lag in einem Winkel des Camps, wo sich zu dieser Tageszeit garantiert niemand hin verirrte. Einen besseren Ort, um ungestört ein wenig vor sich hin zu träumen, gab es nicht.

Elias erreichte den Bunker und warf einen letzten kontrollierenden Blick über die Schulter, bevor er in das unscheinbar wirkende Erdloch abtauchte. Die abgestandene, warme Luft im Inneren beraubte ihn sofort jeglichen Sauerstoffs in seinen Lungen und gab ihm kurzeitig das Gefühl zu ersticken. Man musste schon ziemlich bescheuert sein, um sich zur späten Mittagszeit in einen solchen Glutofen zurückzuziehen, ging es Elias durch den Kopf als er seine nassgeschwitzte Feldbluse abstreifte.

Er hängte den ausgeblichenen, grünen Fetzen an einem Nagel auf und taumelte in freudiger Erwartung zu seiner Hängematte, die er zwischen zwei Stützpfeiler des Bunkers gespannt hatte. Bevor er sich jedoch in die ausgemusterten Regenumhänge, die er mit ein paar alten Kabeln verknotet hatte, fallen lassen konnte, braucht er noch etwas zum Entspannen.

Dicht vor der Seitenwand, die aus gebrauchten Munitionskisten und aufgestapelten Sandsäcken bestand, ging Elias in die Hocke. Eine der untersten Kisten enthielt ein gut getarntes Versteck. Man musste genau wissen, wo man drücken und wo man ziehen musste, damit einem der kleine Ausschnitt im Holz entgegenfiel. Die Öffnung war nur so groß, dass man mit zwei, drei Fingern hineinlangen konnte, aber das reichte vollkommen aus. Nach kurzem Tasten fand Elias wonach er gesuchte hatte: eine frisch gedrehte Marihuana-Zigarette.
 
Er wusste nicht wie, aber der gerissene Rhah schaffte es immer den besten Stoff aufzutreiben und ihn in lukrativen Geschäften an den Mann zu bringen. Den gekauften Stoff allerdings in der Tasche bei sich zu tragen, war Elias zu gefährlich. Wenn man ihm mit dem Zeug erwischte, war dass das Aus für ihn als Gruppenführer. Und er wollte seine Leute um keinen Preis im Stich lassen.

Grundsätzlich galt für das Kiffen die gleiche Regel, wie für das übermäßige Saufen: Es wurde geduldet, solange es niemand mitbekam und es den Ablauf nicht störte.

Mit einem zufriedenen Lächeln betrachtete Elias das weiße, gerollte Blättchen, das eine ausgewogene Mischung aus Tabak und Gras enthielt. Er griff in seine Hosentasche und holte sein graviertes Zippo-Feuerzeug hervor. Das kleine Schmuckstück hatte er sich auf seiner ersten Tour machen lassen. Auf der einen Seite war das Divisionsabzeichen der 1. Kavallerie abgebildet: ein spitzzulaufendes Wappen mit einem Pferdekopf und einem breiten Querbalken. Die Rückseite zeigte die Inschrift „VIET-NAM  64 - 65“. Sein Zippo war ihm immer ein treuer Begleiter gewesen und irgendwie hing er an dem silbernen Feuerzeug, war es doch eines der wenigen Besitztümer, die er hatte.


Keine zwei Minuten später lag Elias ein seiner Hängematte, die linke Hand in den Nacken geschoben und das rechte Bein locker über den Rand baumelnd. Er zog an seinem Joint und schloss die Augen. Die Hängematte bekam noch einen sanften Schubs und selig drifteten seine Gedanken davon. Ja, dachte Elias, so kam man den Krieg aushalten. Ein bisschen Kämpfen dann und wann und ein paar Hinterhalte hier und dort, und den Rest der Zeit von allen körperlichen und seelischen Schmerzen befreit in einem wohligen Dämmerzustand verdösen.
 
Seine Augen öffneten sich kurzzeitig als er die Marihuana-Zigarette erneut zum Mund führte und den Rauch inhalierte. Ein glückliches Lächeln breitete sich im Gesicht des Sergeants aus als die triste Bunkerdecke über ihm plötzlich skurrile Formen annahm und zu Tanzen begann.

Hin und her wanden sich die Konturen, liefen zusammen und flossen wieder auseinander bis sich ein klares Bild einstellte. Es war eine Dschungelkulisse aus dichtem Elefantengras und hohen Bambuspflanzen. Elias betrachtete einen quakenden Laubfrosch, der hektisch von einem Blatt zum nächsten hüpfte. Mit seinen Glubschaugen seitlich am Kopf, den fetten Schenkeln und seinem plumpen Körper, sah das Tier unglaublich hässlich aus, fand Elias. Wieso konnte ihm sein Rausch nicht etwas Schönes bescheren?  Er war schließlich hier, um sich zu entspannen!

Als würde eine höhere Macht seinen Wunsch befolgen, machte der Frosch einen großen Sprung und verwandelte sich dabei in ein ganz anderes Tier. Die dicken Froschschenkel wurden zu schlanken Hinterläufen und aus dem klotzigen Rumpf wuchs ein geschmeidiger Körper. Elias sah eine Antilope, die anmutig und voller Stolz mit dem Kopf schlug und ihr Geweih präsentierte. Dieses Bild war deutlich mehr nach seinem Geschmack. Auch der Dschungel hatte sich in der Zwischenzeit gelichtet und war einer offenen grasbewachsenen Steppe gewichen. Elias beobachtete wie das Tier flink auf seinen Stöckelbeinchen durch die Landschaft sprang. Er wollte unbedingt wissen wie die Geschichte weiterging.
 
Schon reichlich benebelt brachte Elias den Joint ein letztes Mal mit seinen Lippen zusammen. Und während die Antilope vor seinen Augen davon galoppierte, durchflutete ihn eine nie zuvor dagewesene Wärme. Elias hielt die Luft an. Er wollte den Rauch so lange wie es nur ging, in den Lungen halten und mit ihm dieses besondere Gefühl der Schwerelosigkeit, das ihn von seinem Kummer befreite.

Wie gebannt starrte er an die Decke und verfolgte die schnellen Bewegungen des Tieres. Die Antilope preschte gerade an einem Dickicht vorbei als mit einem Satz eine Raubkatze daraus hervor sprang. Rasend schnell nahm der kräftige Leopard die Verfolgung auf und rannte dem grazilen Tier nach.

Nach etwa zehn Sekunden, oder vielleicht waren es auch zwanzig – so ganz genau konnte Elias das in seinem Zustand nicht mehr feststellen – überwog sein Atemreflex und notgedrungen blies er den Rauch in einem langen Atemzug gegen die niedrige Decke des Bunkers. Zu seiner Erleichterung blieb die wohltuenden Wärme trotzdem in seinem Körper. Die Rauchschwaden verzogen sich und Elias fokussierte wieder die Jagdszene, die sich zum Greifen nah vor seinen Augen abspielte.

Der Leopard, mit seiner prächtigen Fellzeichnung hatte die flüchtende Antilope fast eingeholt. Panisch schlug das Tier ein paar letzte verzweifelte Haken, um den Angreifer abzuschütteln. Aber der Jäger war schneller, als sein Opfer. Mit ausgefahrenen Krallen sprang der Leopard die Antilope an und riss sie zu Boden.

Und dann geschah etwas, dass Elias niemals für möglich gehalten hätte. Die beiden Tiere veränderten sich, wechselten ihre Gestalt. Das Geweih der Antilope zerfloss zu seidenweichem Haar, sie bekam einen flachen Bauch mit attraktiven Kurven und die Hinterläufe wandelten sich zu wohlgeformten Frauenbeinen, die sich einladend öffneten. Auch der Leopard änderte sein Aussehen. Die gefährlichen Pranken wurden zu großen Händen, das Fell mit seiner unverwechselbaren Musterung verschwand und der gesamte Körper der Raubkatze nahm männliche, muskulöse Formen an.

Elias traute seinen Augen nicht. An die Stelle der grazilen Antilope war einen bildschöne Frau getreten und wo sich eben noch der geschmeidige Leopard befunden hatte, bewegte sich jetzt ein athletischer Mann. Ihre Silhouetten waren glasklar mit einander verschmolzen und er, Elias, lag einfach hier und sah ihnen dabei zu.

Das letzte Drittel seines Joints war ihm längst aus den Fingern geglitten und glomm nun still auf dem sandigen Boden des Bunkers vor sich hin, bis es endgültig erlosch. Fasziniert von dem Liebesspiel der beiden rutschte Elias tiefer in die Hängematte und seine Hände fanden seinen Schoß.

Er war ganz allein in diesem alten, ausgedienten Munitionsbunker. Und selbst wenn er es nicht gewesen wäre, in Elias’ Wahrnehmung gab es nur ihn und seine Fantasie. Benommen öffnete er den Knopf seiner Hose und begann am Reisverschluss zu nesteln. Die Bilder waren so real in seinem Kopf; Er brauchte nicht länger an die Decke zu starren, um sie aufleben zu lassen.

Geschmeidig tauchte seine rechte Hand unter den Hosenbund und fand ausreichend Platz sich zu bewegen. Die Augen geschlossen, kam Elias ein tiefes und zufriedenes Seufzen über die Lippen.

Feinfühlig streichelte er über seinen Schaft und genoss es mit sich selbst zu spielen, seine Gedanken vollkommen fixiert auf die lustvolle Fantasie in seinem Kopf. Elias versuchte sich vorzustellen, dass die Hand, die seine Erregung steigerte nicht ihm gehörte, sondern ihr. Er war der Leopard und sie die Antilope.

Das Zusammenspiel des Paares gewann an Leidenschaft und Intensität. Sie bewegten sich schneller, kraftvoller. Ihre Körper drängten sich einander entgegen und rieben sich mit einem Verlangen aneinander, das nicht zu bändigen war.

Elias reizte das stimulierende Gefühl bis zum Äußersten. Er gab sich ganz diesem angenehmen Druck hin, der an seinem steifen Glied auf- und abrieb und folgte der rhythmischen Bewegung ihrer Hand, die ihn so berührte, wie er es gern hatte.
 
Er konnte es deutlich vor sich sehen: Seine Händen, die durch ihr weiches Haar glitten und ihre wunderschönen Augen, die ihm, nach tiefer Befriedigung verlangend entgegenblickten...

Er konnte es hören: Seinen eigenen schnellen Atem und ihr lustbetontes Keuchen, das in seinen Ohren rauschte...

Er konnte es fühlen: Seine Lippen, die sich an ihrem Hals festsaugten und ihr Becken, das sich seinem entgegen wölbte…

Er konnte es schmecken: Den salzigen Schweiß auf seiner Oberlippe und die süße Weiblichkeit, die er von ihrer Haut küsste…

Und er konnte es riechen: Den Duft seiner eigenen Erregung und die feuchte Hitze zwischen ihren Schenkeln…

Elias spürte das wachsende Verlangen zu ejakulieren und – tat es. Mit einem Mal lag ihre Hand ganz still. Ein langgezogenes Stöhnen klang in seinen Ohren nach als er den Druck aus seinem Schoß entweichen spürte. Er atmete weiter, bewusst und kontrolliert. Sein kurzeitig verspanntes Gesicht löste sich und wich einer friedlichen und ausgeglichenen Miene. Wenige Atemzüge später hatte dieser gelöste Zustand auch vom Rest seines Körpers Besitz ergriffen. Für einen Moment spürte Elias keinen Schmerz und keinen Kummer in sich.

Befreit von all seiner Last streichelte er noch ein paar Mal beruhigend über sein Glied und fühlte die noch körperwarme Feuchtigkeit zwischen seinen Fingern. Um die Flecken auf seiner Hose scherte er sich dabei nicht im Geringsten. Sie gesellten sich einfach zu den schon vorhandenen. Dann zog er seine Hand vorsichtig zurück.


Müde, aber auf angenehme Art erschöpft, ließ Elias den Kopf zur Seite kippen und rieb seine Wange am Stoff der Hängematte. Doch da war nichts. Nichts, an das er sich anschmiegen konnte. Nichts, mit dem er kuscheln konnte. Er war vollkommen allein – allein in dieser Hängematte, allein in diesem Bunker, allein in diesem Krieg.

Mit einem Mal war die Wärme, die bis eben seinen Körper durchströmt hatte weg. Elias wusste, dass dieses Gefühl geblieben wäre, wenn neben ihm eine Frau gelegen hätte, mit der er all das Schöne hätte teilen können. Doch da war niemand. Niemand, den er in den Arm nehmen konnte und auch niemand, der ihn hielt.

Trostlosigkeit überfiel Elias und trieb einen schmerzhaften Keil durch seine Eingeweide. Wie ein Kind das Bauchweh hatte, verschränkte er die Arme vor dem Bauch und versuchte vergeblich seine Schmerzen wegzudrücken.

Wohin sollte er mit seinem Kummer, wenn er nicht mal in seinem eigenen Körper Zuflucht fand?

Als gäbe es ein Entkommen vor dieser brutalen Einsamkeit, drehte Elias sich auf die Seite. Schutzsuchend zog er die Beine an und schlang seine Arme um die Knie. Zusammengerollt wie ein Igel kauerte Elias in seiner Hängematte und wollte, dass das Stechen in seiner Brust aufhörte. Er wollte, dass das Kribbeln in seinen Armen verschwand. Er wollte, dass die Krämpfe in seinem Bauch vorbeigingen. Er wollte, dass dieser furchtbare Schmerz in seinem Körper endlich ein Ende fand. Er wollte, dass er nichts mehr fühlte. Er wollte, dass er tot war.

Tränen sammelten sich in seinen Augen und Elias musste fest die Lippen aufeinander pressen um ein Schluchzen zurückzuhalten. Dem kurzen Beben seiner Schultern folgte ein schweres Schlucken. Seine urplötzliche Angst war überwältigend und schnürte ihm die Kehle zu.

Nie zuvor hatte er seine Sehnsucht nach Trost und Geborgenheit als quälender empfunden. Es war eine bittere Erfahrung, dass nicht einmal sein eigener Körper ihm Schutz vor dem Grauen des Krieges bieten konnte.

Seine Selbstbefriedigung hatte ihn nicht über den Verlust von guten Freunden und Kameraden hinweggetröstet; Hatte ihn nicht das Schreien der Frauen und Kinder vergessen lassen, auf die seine Einheit geschossen hatte; Hatte ihn nicht von den grauenhaften Bildern, der verstümmelten und verbrannten Leichen in seinem Kopf befreit; Hatte ihn nicht von dem Schuldgefühl erlöst, dass er hätte eingreifen und etwas gegen diesen Wahnsinn unternehmen müssen. Haltlos begann Elias zu weinen und sah keinen Ausweg aus seinem Schmerz.

Der aufkommende Weinkrampf schüttelte ihn heftig durch. Tränen liefen über seine Wangen. Er fröstelte und zitterte am ganzen Körper. Doch Elias wehrte sich nicht gegen das, was mit ihm geschah. Er ließ es einfach zu. Denn für den Augenblick wollte er nichts sehnlicher, als sich von all seiner Last frei zu machen – egal wie.

Elias weinte noch eine ganze Weile weiter, aber irgendwann stellte sich dieses erleichternde Gefühl ein, sich leer geweint zu haben. Langsam beruhigte er sich wieder und gewann die Kontrolle über seinen Körper zurück. Wie kindisch, dachte Elias und lächelte durch seine letzten Tränen hindurch als ihm bewusst wurde, dass er schluchzend in seiner Hängematte lag. Er fuhr sich mit der Hand über sein verweintes Gesicht und rieb sich die Augen trocken.

Ein paar Mal noch schnappte er reflexartig nach Luft und schniefte mehrfach, während er vergebens versuchte wieder normal zu atmen. Elias fühlte wie Rotz aus seiner Nase lief und wischte ihn wie ein Kleinkind mit dem Handrücken fort. Wenig später hatte er sich gefangen.

Entkräftet ließ Elias sich in seiner Hängematte auf den Rücken fallen und schloss die Augen. Er hatte gekifft. Er hatte masturbiert. Er hatte geweint. Und auf eigenartige Weise hatte das Zusammenspiel dieser drei Dinge ihm Linderung verschafft. Er wusste, die Erinnerungen an das Erlebte und Gesehene würde er niemals aus seinem Gedächtnis löschen können, aber er wusste auch, dass es einen Weg gab all das erträglicher zu machen.
 
Erst jetzt, wo ihn diese verborgene Erkenntnis erreichte, begann Elias zu begreifen was mit ihm los war. Und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte er wahre Ausgeglichenheit zwischen seinem Geist und seinem Körper. Es war als deckte ihn jemand liebevoll zu, so wie eine Mutter ihr Kind vor dem Einschlafen.

Elias entschied noch ein paar Minuten liegen zu bleiben und diesen kostbaren und schwer erkämpften Moment der Ruhe in sich wirken lassen, bevor er wieder raus zu seiner Gruppe ging.
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