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Fate

von Shirokura
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Hardcore Superstar
16.10.2016
02.11.2016
4
7.213
3
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
16.10.2016 1.806
 
Hey und danke für den Klick. =)

Diese Story ist Kouri gewidmet. Ich habe eine Jocke-Entschuldigungsstory versprochen und hier ist sie.
Es ist zwar doch kein Oneshot geworden (Hab das Ganze in vier besser verdauliche Stückchen geschnitten.) und das Pairing ist ziemlich exotisch, aber vielleicht findet die Geschichte ja trotzdem ein wenig Anklang.

Ich hab Whip lieber aus der Story rausgelassen, nicht das wieder eine Entschuldigungsgeschichte fällig wird. xD (Diese hier ist nur entstanden, weil ich in meiner Story "Sieben Sünden" Jocke für die Rolle des Bösen missbraucht habe.^^)

Zum Setting gibt es nicht viel zu sagen, außer dass es ein Jahr vor der Gründung von Hardcore Superstar spielt. Jocke (=Joakim Berg) war vorher in vielen anderen Bands. Ich wollte eine Story über den jungen Jocke schreiben. Ursprünglich sollte es um ihn und Whip (von den Deathstars) gehen, aber bei der Ideenfindung bin ich dann über jemand ganz anderen gestolpert und schon war ich Feuer und Flamme.

Viel Spaß beim Lesen!
Shirokura

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Schwarz


20.04.1996, Göteborg

Er skatete gern, fühlte sich dabei frei, lebendig. Der Wind fuhr schneidend durch sein Gesicht und verfing sich in seinen kinnlangen, pechschwarzen Haaren, ließ sie hinter ihm flattern. Kleine Steinchen knackten unter den Rollen seines Skateboards. Es war kühl für April. Selbst für Göteborger Verhältnisse. Lauter Metal dröhnte aus seinen Kopfhörern, während er durch die Straßen glitt, aber die Musik konnte nicht zu ihm durchdringen. Er war einfach zu genervt.

Die Scheißband, in der er sang, nahm die Sache einfach nicht ernst. Diese Idioten standen ihm nur im Weg. Er hatte die Schnauze voll. Wofür riss er sich eigentlich Tag für Tag den Arsch auf, arbeitete an seiner Stimme, seinem Lungenvolumen, den Songs, wenn diese faulen Spinner nicht einmal die simpelsten Ideen umsetzen konnten? Er hatte keinen Bock auf eine normale Arbeit. Er würde Musiker werden und diese verdammten Versager würden ihn nicht aufhalten!

Wütend starrte er in die Ferne, als plötzlich etwas Schwarzes direkt vor ihm auftauchte. Es war zu spät, um auszuweichen.

Mit voller Wucht krachte er in den Typen, der offenbar, ohne aufzusehen, lesend Straßen überqueren wollte, um dann im hohen Bogen weiter geschleudert zu werden und unsanft auf dem Asphalt aufzuschlagen.
"Fuuuuuuck...", röchelte er, nachdem er mühsam wieder neue Luft in seinen Körper gezwungen hatte, welche bei dem Aufschlag restlos aus seiner Lunge herausgepresst worden war. Wenigstens war er auf den Rücken gefallen und nicht mit dem Kopf voran. Routiniert fühlte er in sich hinein, hatte aber nicht den Eindruck, er wäre schlimm verletzt, also atmete er paar Mal tief durch und rappelte sich dann ächzend auf.

Probeweise bewegte er alle Gelenke, räkelte sich ein wenig, um rauszufinden, ob es doch irgendwo größere Schwierigkeiten gab, doch es schien bis auf ein paar Kratzer, blaue Flecken und ziemlich lädierte Klamotten tatsächlich alles ok zu sein. Als er seine aufgerissenen Ärmel hochkrempelte, stellte er fest, dass seine Ellenbogen ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden waren, aber das war halb so wild. Er skatete schon jahrelang, hatte gelernt, so zu fallen, dass er sich möglichst geringfügig verletzte, aber das war keine Garantie. Knochen brachen deutlich schneller, als man sich das vorstellte, was er selbst schon mehr als einmal am eigenen Leib hatte erleben müssen. Aber dieses Mal schien im Großen und Ganzen nichts weiter passiert zu sein.

Als er sich nach der doch recht zufriedenstellenden Bestandsaufnahme seines Körpers umsah, fiel ihm auf, dass ein bleicher Typ mit gelocktem, mittellangen, braunen Haar in schwarzen Klamotten vor ihm herumfuchtelte. Er schien sehr ungehalten. Jocke konnte jedoch zum Glück nicht hören, was er sagte, da der dürre Typ von der Musik aus seinen Kopfhörern übertönt wurde.

Entspannt betrachtete er den wütenden Mann, der ihn nun mit gerunzelter Stirn ansah. In dem Moment began ein neuer Song und ließ die ganze Situation seltsam unwirklich erscheinen. Irgendwie bedeutsam klimperte das Intro des Songs "This love" von Pantera in seinen Ohren. Eine unerklärliche Faszination wallte in ihm auf, als er sich den Goth genauer ansah.

"If ever words were spoken painful and untrue
I said I loved but I lied"


Er war wirklich wahnsinnig bleich, seine Haut schien fast aus Porzellan. Die großen Mengen schwarzen Kajals, die seine Augen umrandeten, ließen seine blaugrünen, gerade wütend funkelnden, Augen mit den fein geschwungenen Brauen und irrsinnig langen Wimpern riesig erscheinen.  

"In my life all I wanted
Was the keeping of someone like you"


Der schwarze, gerade geschnittene Mantel, der dicke Schal und die Wollmütze, unter der braune, lange Locken hervorquollen, betonten seine schmale Statur.

"As it turns out deeper within me
Love was twisted and pointed at you"


Sein missbilligender, hochnäsiger Blick fesselte ihn. Er konnte nicht wegsehen.

"Never ending pain, quickly ending life"

Dieser Mann war unbestreitbar eine klassische Schönheit. Dem mussten die Weiber scharenweise nachrennen.
Gerade als der Song laut wurde, öffnete der Fremde seinen Mund. Es war unmöglich, ihn zu verstehen.

"You keep this love, thing, love, child, love, toy
You keep this love, fist, love, scar, love, break
You keep this love"


Auch wenn es Joakim nicht wirklich interessierte, was er zu sagen hatte, schob er sich seine Kopfhörer von den Ohren und brummte ein unwilliges "Huh?". Vielleicht wollte sich der Spinner ja entschuldigen, weil er einfach so auf die Straße gelatscht war, auch wenn seine Körpersprache und Mimik etwas anders vermuten ließen, aber die Hoffnung starb ja bekanntlich zuletzt.
"... dämliches Arschloch! Die Hose war neu! Kannst du nicht aufpassen, wo du hinfährst?!", wetterte der Dürre auf Englisch. Der Akzent war eindeutig nicht schwedisch. Außerdem würde ein Schwede in Schweden wohl kaum Englisch sprechen. Ein Norweger auch nicht.
Und das war auch definitiv keine Entschuldigung. Müde betrachtete Jocke das Loch in besagter hautenger Hose, durch das schneeweiße Haut, verziert mit ein paar hübschen blutigen Kratzern, blitzte und fragte sich, warum sich der Typ so aufregte. Hätte verdammt noch mal schlimmer kommen können.

Er beschloss also, das Thema Hose zunächst auszusparen. "Finne, huh?"
"Das geht dich einen verfickten Scheiß an!" Er hatte wirklich eine erstaunlich tiefe Stimme für so ein schmächtiges Kerlchen.
"Du fluchst viel."
"Und du hast mich einfach umgefahren, blöder Penner!"
Fein. Er wollte diskutieren? Konnte er haben. Beschissener konnte der Tag eh nicht mehr werden.
"Du bist in mich reingelaufen." Provokant reckte Joakim sein Kinn vor, doch die erwünschte Wirkung blieb leider aus, da sein Gegenüber fahrig eine Schachtel Kippen hervorwühlte und sich eine davon anzündete. Als er wieder aufsah, verzog sich sein Gesicht angeekelt.
"Einen Scheiß bin ich. Du blutest übrigens."

Jocke folgte seinem Blick und musste feststellen, dass tatsächlich größere Mengen Blut an seinem rechten Unterarm herunterliefen. Die Wunde an seinem Ellenbogen war tiefer, als er gedacht hatte, aber das war nichts, was ihn beeindrucken konnte.
Er grinste nur breit und sagte: "Stimmt." Überrascht wurde ihm bewusst, dass es sein erstes Lächeln an diesem abscheulichen Tag war.

Irgendetwas änderte sich in dem Moment im Gesicht des Anderen. Sein Ausdruck wurde weicher.
"Auf der anderen Seite auch", sagte er mit einem amüsierten Funkeln in den Augen und blies Rauch aus.
Joakim überprüfte die Bemerkung und wieder hatte der vermeintliche Finne Recht. Er zuckte mit den Schultern und rieb sich, verlegen lachend, am Hinterkopf. "So ist es zumindest nicht einseitig."
Irgendwie fühlte er sich komisch, als der Bleiche begann, leise zu lachen. Irritiert sah er auf den Boden. Vielleicht hatte er doch eine Gehirnerschütterung und sollte lieber ins Krankenhaus?

Als Jocke wieder aufsah, stand der Fremde direkt vor ihm und streckte ihm lächelnd eine Packung Taschentücher entgegen. Wobei seine Mundwinkel gar nicht so weit hochgezogen waren, er lächelte mehr mit seinen strahlenden Augen. Erst als sich sein Gegenüber räusperte und mit den Taschentüchern wedelte, wurde Jocke bewusst, dass er ihn wahrscheinlich gerade schon wieder ziemlich lange ziemlich doof angeglotzt hatte.
Die Indizien für eine Gehirnerschütterung häuften sich.

Zerstreut nahm er die Taschentücher entgegen, fischte eins aus der Packung und drückte es auf einen Ellenbogen, um die Prozedur auf der anderen Seite umständlich mit einer Hand zu wiederholen, nur um dann festzustellen, dass nun zwar der konstante Blutfluss gestoppt war, er aber einen Arm zu wenig hatte, um sich zu reinigen. Ein beschämtes Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit, als er sein ersticktes Kichern hörte, das rasant anschwoll.
Vorsichtig sah er auf und ihm wurde fast schwindlig, als er den Finnen richtig lachen sah. Er leuchtete förmlich, wirkte fast wie ein anderer Mensch, wenn er lachte. Fasziniert betrachtete Joakim die Metamorphose. Der Mann war unbestreitbar schön, aber wenn er Spaß hatte, war sein Anblick nahezu berauschend. Diese Erkenntnis machte den Schweden irgendwie verlegen. Beschämt senkte er den Blick auf seine Fußspitzen, bis das Gelächter verstummte und ihm die Taschentücher aus der Hand gefischt wurden. Sein Gegenüber trat seine Zigarette aus, befeuchtete das Taschentuch mit einer Wasserflasche aus seiner Tasche und begann, Jockes blutige Unterarme behutsam zu reinigen.

"Das reinste Massaker", grinste er dabei, machte aber ungerührt weiter, während Joakim wegen der sanften Berührungen der lederbehandschuhten Finger eine Gänsehaut am ganzen Körper bekam.
"Ich bin übrigens tatsächlich Finne. Woher wusstest du das?"
"Man hört es an der Art, wie du Englisch sprichst. Ein eindeutig finnischer Akzent."
"Tatsächlich? Dann muss ich wohl noch ein wenig daran feilen."
"Neinnein! Es klingt niedlich", plapperte Jocke gedankenlos dahin, was den Finnen wieder losprusten ließ. "Niedlich?"
"Also... Im Sinne von ungewöhnlich." Hatte er echt niedlich gesagt?
"Du findest mich niedlich und ungewöhnlich? Da werd ich ja ganz rot", amüsierte sich der Finne weiter, während Jocke spürte, wie ihm die Hitze ins Gesicht stieg.
"So mein ich das nicht... Ich..." Das Lachen des Goths brachte ihn völlig aus dem Konzept. Als dieser dann auch noch seine Hand auf seinen Unterarm legte, verstummte der verwirrte Schwede vollends. Er brachte kein Wort mehr heraus, war einfach nur noch unendlich verlegen.
"So gerne ich dir auch weiter beim Erröten zusehen möchte, ich muss leider los, mein schöner Schwede", meinte der Finne nach einem Blick auf seine Uhr, zündete sich eine weitere Zigarette an und wandte sich zum Gehen.
"Bye", krächzte Jocke und kratze sich am Kopf.
"Ich bin übrigens heute Abend im "Nocturnal", falls dir langweilig ist", rief der Fremde noch lächelnd über seine Schulter, bevor er um die nächste Ecke bog.

Sobald er außer Sicht war, kam Joakim ihre Begegnung schon seltsam irreal vor. Hatte er ihn wirklich schön genannt?
Irritiert sammelte er sein Skateboard ein, klemmte es sich unter den Arm und beschloss, nach Hause zu gehen, um seine Ellenbogen zu verarzten.

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Das Nocturnal gab es damals wohl noch nicht, aber ich brauchte einen Club und mag den Namen. ;-)
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