Bruderliebe und ihre Folgen

von Matty
OneshotFamilie, Freundschaft / P12
Felix Brummer / Kummer Till Brummer / Kummer
16.10.2016
16.10.2016
1
1648
4
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Felix vergrub den Kopf in seinem Kissen. Drehte sich erst nach rechts, dann nach links. Nahm das sanfte Schaukeln des Nightliners wahr, welches er sonst immer so beruhigend fand, weil es ihn schläfrig machte.
Aber heute hatte es die gegenteilige Wirkung auf ihn.
Er empfand das viele Hin-und-her als störend. Sein Körper kam einfach nicht zur Ruhe. Egal, ob er nun oft seine Schlafposition änderte, einfach nur still dalag oder anfing Schäfchen zu zählen.
Das alles half Felix einfach nicht beim Einschlafen. Mittlerweile starrte er einfach nur an die Decke seiner Schlafkoje. Fixierte einen Punk in der Dunkelheit und lauschte den leisen Schnarchen seiner Bandmitglieder.
Es war eine Situation, die ihm vollkommen bekannt war. Trotzdem benahm sein Körper sich so, als hätte er noch nie in einer Schlafkoje übernachtet. Nervosität nistete in seinem Kopf, aber er konnte sich einfach nicht erklären, warum das so war.
Es gab keinen ersichtlichen Grund dafür.

Plötzlich durchzog ein leises Klopfen die ruhige Atmosphäre des Schlafabteils.
Felix hielt automatisch die Luft an, weil er das Geräusch nicht zu ordnen konnte. Auf einmal war er unglaublich angespannt, obwohl das eigentlich völlig sinnlos war.
Vielleicht war einfach irgendwo etwas heruntergefallen. Etwas anderes konnte es eigentlich nicht sein. Eine fremde Person konnte nicht in ihrem Nightliner sein und von seinen Bandkollegen konnte es auch nicht stammen. Die lagen schließlich alle friedlich schlummernd in ihrer eigenen Schlafkoje. Schliefen den Schlaf der Gerechten… und der Erschöpften. Denn nach dem heutigen Konzert waren sie alle ziemlich erledigt gewesen. Keiner hatte etwas dagegen einzuwenden gehabt, als Karl vorschlug, heute ausnahmsweise einmal früh schlafen zu gehen.

Aber er lag falsch. Denn nachdem er mehrere Minuten ruhig dalag, als hoffte er, dass dadurch die Ursache des Geräuschs verschwand, ertönte das leise Klopfen erneut. Diesmal ein kleines bisschen lauter und direkt an seiner Koje.
Tonlos wisperte jemand seinen Namen, worauf er erschrocken zusammen zuckte. Er hätte mit einem erneuten Klopfen gerechnet, aber nicht damit.
Die Stimme konnte er außerdem nicht zu ordnen. Dafür hatte sie seinen Namen zu leise ausgesprochen.

Felix drehte sich zur offenen Seite der Schlafkoje und zog den Vorhang zögerlich beiseite. Traf auf noch mehr Dunkelheit und auf das Gesicht seines kleinen Bruders, welches er jedoch nur schemenhaft erkennen konnte.

,,Bin noch wach”, flüsterte Felix überflüssigerweise. Denn dadurch, dass er den Vorhang beiseite gezogen hatte, musste Till bemerkt haben, dass er nicht schlief. Kommentieren tat er es trotzdem nicht. Fragte nur leise: ,,Kannst du vielleicht ein Stück rücken?”, was Felix auch augenblicklich tat… so gut es eben ging.
Denn die Schlafkoje war für eine einzelne Person schon ziemlich eng. Jetzt, wo Till sich zu ihm legte und unter seine Decke krabbelte, war überhaupt kein Platz mehr vorhanden.

Er drückte sich noch etwas mehr zur Wand und legte vorsichtig einen Arm um Till, um sich etwas mehr Platz zu machen. Der Kleinere nahm das stumme Angebot sofort an und kuschelte sich dicht an ihn. Vergrub seinen Kopf an Felix’ Brust und krallte sich mit einer Hand in seinem Shirt fest. Gab darauf keinen Mucks mehr von sich, sondern lag einfach nur noch still da.
Mehrere Minuten verstrichen, während Felix ebenfalls nur schwieg und dem schweren Atmen seines Bruders lauschte. Erst dann rang sich Felix dazu durch, leise zu fragen:

,,Alles okay?”

Zur Antwort schüttelte Till nur den Kopf, sagte aber nichts weiter.
Erklärte nicht, warum er mitten in der Nacht unter die Decke von Felix krabbelte und sich zu ihm kuschelte.
Aber Felix fragte auch nicht weiter nach. Er wollte Till nicht drängen. Wenn er reden wollte, würde er das schon von alleine machen, ohne das Felix viel nachhaken musste.

,,Ich glaube, ich werde krank, Felix… auf Tour krank sein, ist scheiße”, nuschelte Till irgendwann leise. Eigentlich hatte Felix die Hoffnung schon aufgegeben, dass der Kleinere überhaupt noch mit der Sprache rausrückte. Umso glücklicher machte es ihn, dass Till beschlossen hatte doch mit ihm zu reden.
Felix strich seinem kleinen Bruder sanft durch die kurzen, blonden Haare, während er etwas belustigt schnaufte. Schließlich war er selbst bis vor ein paar Tagen krank gewesen. Wie immer, wenn sie unterwegs waren.

,,Wem sagst du das?”

,,Dir sag ich das. Du hast mich angesteckt!”, grummelte Till und kniff Felix in die Seite. Er beeilte sich zurückzuweichen, jedoch traf er bald schon auf die Wand, die ihm die Fluchtmöglichkeit verwehrte. Diese Schlafkoje war definitiv zu klein für so was.
Aber Till ließ sich davon nicht aufhalten. Bohrte weiter seine Finger in Felix’ Haut, kitzelte ihn, sodass er ein ersticktes Auflachen und ein ,,Hör auf, Till”, nicht unterdrücken konnte.
Felix schob seinen kleinen Bruder von sich weg. Verknotete seine Beine mit denen des anderen, damit er sich wenigstens ein bisschen wehren konnte, wenn er schon nicht weiter zurückweichen konnte.

,,Könnt ihr wenigstens die Klappe halten, wenn ihr schon in einer Koje pennen müsst?!”

Sofort verstummten Felix und Till und hielten in ihren Bewegungen inne, als sie den scharfen Ton bemerkten, den Karls Stimme angenommen hatte. Ihre Freunde hatten sie eigentlich nicht aufwecken wollen.
Deswegen nuschelten sie beide synchron ein ,,Entschuldigung”, und hörten dann auf sich zu ärgern.
Felix legte sich wieder auf den Rücken und Till legte sich auf Felix drauf. Achtete darauf, dass er ihm dabei nicht weh tat, oder ihm zu schnell zu schwer wurde.
Beschweren tat der Ältere sich aber nicht. Till war leichter als er aussah. Er legte sogar noch eine Hand auf dessen Rücken, damit er nicht einfach wieder runterrollen konnte.
Mit der anderen Hand griff er nach der von Till. Verschränkte ihre Finger, um sicher zugehen, dass Till nicht noch eine gemeine Attacke auf ihn starten konnte.
Aber das Risiko war relativ gering. Sie hatten sich beide vor Karls lauter Stimme erschrocken, so dass sie sich jetzt nicht mal mehr trauten, leise miteinander zu reden.

Erst als Felix wieder das kollektive leise Schnarchen seiner Bandkollegen vernahm, fing er erneut an mit dem Jüngeren zu reden. Karl war wahrscheinlich nach wenigen Sekunden wieder in seinen Schlaf gefallen. Und ob Steffen oder Max kurz wach gewesen waren, hatte er nicht ausmachen können. Die beiden hatten sich schließlich nicht zu Wort gemeldet.

,,Wann soll ich dich eigentlich angesteckt haben?”

Während er auf eine Antwort wartete, zog er seine Bettdecke unter sich heraus. Breitete sie über sich und Till aus, bevor er seine Hand zurück auf Tills Rücken legte.

,,Beim Konzert vorgestern. Als du mich einfach geküsst hast…”

Leise lachte Felix. Er erinnerte sich zu gut daran, wie euphorisch er geworden war, als die Töne des letzen Song des Abends verklungen waren. Irgendwo hatte er die überschüssige Energie loswerden müssen und da er nicht weiter auf der großen Bühne rumhüpfen konnte, hatte er sich ein anderes Ventil suchen müssen.
Laut hatte er gesagt, dass er irgendwen küssen wollte… und Till war der Erste, den er zwischen die Finger bekommen hatte. Gewehrt hatte er sich zu diesem Zeitpunkt kein bisschen.
Wahrscheinlich weil er vergessen hatte, dass Felix eigentlich erkältet war.

,,Du bist aber nicht nur deswegen zu mir gekommen, oder? Da ist noch irgendwas anderes…”, fragte Felix vorsichtig nach. Ließ seine Hand behutsam den Rücken des Kleineren hoch und runter wandern. Till vergrub unterdessen sein Gesicht in der Halsbeuge seine Bruders.
Geduldig wartete Felix auf eine Antwort. Malte weiter sanfte Muster auf den Rücken des anderen, was ihn zunehmend beruhigte und schläfrig machte. Das entspannte ihn hier gerade viel mehr als das Schäfchen zählen. Gerade ging Felix’ Bewusstsein in einen Dämmerzustand über, als Till stark ausatmete.
Felix zuckte merklich zusammen. Hatte sich vor dem heißen Atem, der plötzlich seinen Hals streifte und eine Gänsehaut über seinen Körper schickte, erschrocken.

,,Doch… eigentlich ist das der einzige Grund. Ich fühl mich so elend.”

Till log ihn an. Hätte er einfach weiter geschwiegen, wäre er nicht darauf aufmerksam geworden. Aber durch das lange Zögern wurde die Antwort auffällig. Trotzdem fragte Felix nicht weiter nach. Till würde schon seine Gründe haben, nicht mit ihm zu reden. Außerdem war es jetzt viel zu spät für ein tiefgründiges Gespräch, weshalb Felix Till einfach den Gefallen tat und mitspielte. Sogar erneut leise lachte, als er antwortete:

,,Gut, ich werde mich über deine Anwesenheit nicht beschweren.”

,,Will ich auch hoffen. Du schuldest mir was…”

Ein Lächeln machte sich auf Felix’ Lippen breit, während er seinen Kopf in den Nacken legte. Tief durchatmete, bevor er sich wieder entspannt. Versuchte in den Dämmerzustand zurückzukehren, den er eben schon erreicht hatte.
Diesmal hatte er wirklich die Hoffnung, dass er einschlafen würde.
Die Situation fühlte sich auf einmal viel angenehmer an. Nicht mehr so ungewohnt, obwohl Till jetzt bei ihm lag, was sonst auf Touren nur äußerst selten vorkam.
Aber die Gesellschaft seines kleinen Bruders beruhigte ihn ungemein.

Gerade als Felix in die warme Schwärze des Schlafes eintauchen wollte, nahm er das leise Wispern von Till war, das ihm noch etwas sagen wollte.

,,Danke, Felix.”

Der Ältere nuschelte ein undeutliches ,,Kein Ding”, bevor er der Schlaf ihn gänzlich beanspruchte und er nichts mehr von seiner Umgebung wahrnahm. Das sanfte Schaukeln des Busses war in den Hintergrund getreten und störte ihn nicht mehr. So, wie er es eigentlich gewohnt war.

______________________________________________________________________________________________________________________________________
Vielen Dank an Little Bird, dass sie dieses OS für mich betagelesen hat. *Lässt viel Liebe für sie hier* <3
Review schreiben