【Persona : Metanoia】

von yeoubi
MitmachgeschichteFantasy, Freundschaft / P16 Slash
OC (Own Character)
11.10.2016
11.10.2019
82
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»i don't know much about spirits,
i live in my dreams,
and that's what you sense.
other people live in dreams,
but not in their own,
that's the difference.«
|| »demian«; hermann hesse [pg. 134] ||


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prologue : 【new guests】

Sonntag; 03.04.2016


Die breite Straße spiegelte die Dunkelheit des Himmels nur in mäßiger Intensität wieder; auf den Bürgersteigen war keine Menschenseele zu erblicken, da es bereits lange Mitternacht geschlagen hatte. Eine der Straßenlaternen, die sich direkt gegenüber eines Obstwarenladens befand, flackerte nervös und stellte die einzige Bewegung da, um nicht davon ausgehen zu können, sich einem Standbild gegenüber zu sehen, bei dem die Zeit bis in alle Ewigkeit eingefroren war. Im nächsten Moment erklang ein Geräusch wie ein Tropfen Wasser auf einer heißen Herdplatte, das alle Lichter gleichzeitig ausfallen ließ. Stockdunkel machte die Geschäftsstraße, auch bekannt als ‚Matsu Mile‘ noch weniger her; die geisterhafte Stille, die sich über dem Asphalt und den Betonbauten aufzutürmen schien, sorgte für ein beklemmendes Gefühl in der Luft.
Tagsüber konnte auf den Bürgersteigen kaum ein gerader Schritt getätigt werden, wenn Fußgänger auf dem Weg waren, um ihre Einkaufslisten abzuarbeiten, oder die Büroarbeiter ohne Rücksicht auf die verglasten Wolkenkratzer zuströmten, die hier und da die ansonsten eher unspektakuläre Skyline durchbrachen. Wenn die Sonne schien, lebte die Matsu Mile, doch in der Nacht, wenn die Ruhe der einheitlichen Schwärze alles und jeden überdeckte wie eine gewaltig schwere Plane, konnte leicht die Hoffnung auf ein erneutes Aufgehen der Sonne verschwinden; die Schatten waren zu lang geworden, um wieder in sich zusammen zu schrumpfen, sobald die ersten Strahlen sie erreichten. Die bunten Aufschriften der Läden, die nun grau und unsichtbar ausschilderten, wo es welche Angebote gab, würden ihre Aufgabe wieder erst dann wieder erfüllen können, denn es gab keine Neonschilder von geöffneten Nachtclubs an diesem Knotenpunkt Yokomatsus.
Nichts brach die Regel; kein einziges Gebäude am Bürgersteig fiel aus der Reihe der ordentlichen vor oder hinter sich, gäbe es da nicht diesen einen Fehler wie in jedem angeblich perfekten System. Ohne diesen wäre die Dunkelheit übermächtig, während sie die ganze Stadt ins Nichts verschluckte, doch so schien der mysteriöse, dunkelblaue Laden durch sein eigenes Leuchten hervor zu stechen. Seine Erscheinung rettete die Straße vor der Finsternis und unterbrach dennoch nicht nur auf diese eine Weise die Ordnung; das Geschäft schien seit ewigen Zeiten nicht mehr genutzt worden zu sein und das zeigte sich deutlich in der gedrängten Art, in der es sich beinahe zwischen den nebenan liegenden zu verstecken versuchte, ohne dabei seine geheimnisvolle Ausstrahlung einzubüßen. Die Stützbalken, die ehemals eine Markise aus prächtigem Stoff über die Eingangstür, welche dagegen schmal und etwas zu schlicht wirkte, gespannt hatten, hingen schief, sodass erwähnter nur noch in Fetzen übrig geblieben war; in keiner Weise wurde der Bürgersteig noch dominant davon überragt, um Vorbeigehende in seinen Schatten einzuladen und auf die Auslagen in den großen Fenstern aufmerksam zu machen. Ebendiese waren allesamt eingeschlagen worden und der Wind, der auch den samtigen Stoff zum Erzittern brachte, hatte die scharfen Kanten mit der Zeit abgeschliffen, obwohl momentan nicht einmal ein leichter Luftzug durch die Matsu Mile streifte. Die Aufschrift, die eventuell noch einen Hinweis auf den Zweck dieses Gebäudes hätte verraten können, war von unleserlichem Graffiti überdeckt worden und tatsächlich auch an sich schon schwer zu erkennen, da das darüber liegende Dach unter einem unsichtbaren Gewicht von drei Metern auf nur noch zwei abgesunken war. Egal von welchem dieser Aspekte abhängig, ein solcher Laden hatte nichts in dieser Umgebung zu suchen, wo sich die Bewohner dieser Stadt doch wie jede Gesellschaft von Menschen überhaupt die Mühe gaben, dass zumindest die Hauptorte innerhalb Yokomatsus gepflegt aussahen; er stand an dieser Stelle trotzdem scheinbar schon über Jahrzehnte hinweg, ohne abgerissen und durch etwas Ansehnlicheres ersetzt zu werden, wie es ebenfalls der Norm entsprechen würde.
Je länger der Blick dort ruhte, desto unscheinbarer wurde das Geschäft und leuchtete dabei von innen heraus weiter; die Intensität des Lichts war unverändert, während seine umgebende Gestalt zwischen seinen von Menschen erbauten Nachbarn zu schwinden schien, damit niemand für lange Zeit wahrnahm, dass sich dort Ungewöhnliches befand. Fakt war, dass egal zu welcher Stunde kein Fußgänger, ob nun mit seinen Einkäufen oder der schnellsten Schneise zu seiner Arbeit beschäftigt, seine Augen lange genug auf die Erscheinung richten könnte, um sie als das zu erkennen, was sie zweifelsohne war. Denn der Velvet Room erschien niemals grundlos und besonders nicht in einer unpassenden Gestalt, obwohl nur die auserwählten Gäste ebendiese zu schätzen wüssten… So war es immer gewesen; auch in diesem Fall befolgte der blaue Laden diese Regel, obgleich er dabei alle anderen der Matsu Mile brechen musste.


Das Innere des Geschäfts glich der äußeren Atmosphäre; still und ohne eine Rührung der Luft, die unbeweglich die Einrichtung verhüllte, an der seit genauso langen Zeiten nichts geändert worden war wie an der Fassade. Ein Tisch mit breiter, runder Platte dominierte die Mitte, von der aus in keine Richtung Wände zu sehen waren, da alles in ein trübes, verwischtes Blau verschwand; eine Farbe, in der der ganze Laden ohne jegliche Ausnahmen gehalten war. Auf dem Sofa, das gegenüber stand, saß eine Gestalt, die in ebendieser Sekunde ihre Augen öffnete und sogleich auf das Kartendeck starrte, das ausgebreitet vor ihr lag. Es war ein unheimlicher Blick, passend zu dem Grinsen und dem restlichen Auftreten des Mannes, der ein wenig mit den Füßen wippte, bevor er seine langen, spindeldürren Finger nach dem Stapel noch unaufgedeckter Karten ausstreckte. Bereits offen zu sehen waren nur zwei; die eine symbolisierte die Sonne und die andere den Mond, was trotz ihrer seitlichen und damit invertierten Lage zu erkennen war. Dazwischen fand sich aufrecht ein noch geheimes Stück Karton; die Tarotkarten erfüllten in diesem Sinne alle je unterschiedliche Zwecke, die noch nicht ersichtlich waren, wie es sich derjenige, der nun mit seinen ebenfalls unangenehm krallenähnlichen Fingernägeln über den Rücken des Stapels kratzte, in Zukunft erhoffte. Trotzdem verging sein erfreuter Ausdruck nicht, als er mit beinahe gierigen Glubschaugen das ersichtliche Blatt beäugte; seine Stimme erhob sich mit einem Klang, der im ersten Moment für ein beängstigendes Ziehen in der Magengegend sorgte: »Olivia… Unsere Gäste sind bereits auf dem Weg.«
Durch eine Tür, die zuvor in den Massen an blau wirklich unsichtbar gewesen war, trat eine schlanke Frau mit einem Aussehen, das es schwierig machte festzustellen, ob sie wirklich menschlich war oder nur extrem ähnlich dazu. Ihr Teint war fast durchlässig hell und doch zeichneten sich unter ihrer Haut keinerlei Adern ab; ihre Haare waren weißblond und reichten ihr offen bis zur Hüfte, während sie dazu beitrugen, dass sie selbst einen kompletten Kontrast zu ihrem dunkelblauen, bodenlangen Kleid bildete. Noch dazu war sie an den Mann gewöhnt, der nach ihr gerufen hatte, denn sie blickte geradewegs an der gewaltigen Nase vorbei, die er von Mutter Natur frech ins Gesicht gesetzt bekommen hatte, als sollte er damit die Karten verwalten können. »Gäste...«, murmelte sie, wobei ihr Lächeln wie eingefroren blieb. Die Stille um die beiden Bewohner des Velvet Rooms herum brach keinen Moment lang, wobei sie die Zeit damit verbrachten, wortlos auf die Tarotkarten zu starren, deren Lage von Augenblick zu Augenblick unpassender erschien. »Ich kann es gar nicht erwarten, wenn sie sich erst aufrichten… Denn das besiegelt das Schicksal, dass unsere Gäste in dieser Stadt finden und verfolgen werden, ohne sich dessen Schwere vollkommen bewusst sein zu können.« Die bernsteinfarbenen Augen Olivias blinzelten und unterbrachen damit den Kontakt zu dem Blatt, dessen Präsenz ihre Aufmerksamkeit nur Sekunden zuvor komplett absorbiert hatte; sie verlor dabei jedoch nicht so sehr ihre Konzentration, wie ihr Gegenüber es bereits getan hatte. Er musterte die Karten mit größtem Enthusiasmus und es schien ihn kein bisschen zu stören, dass die Zeit um sie herum schon seit einer jahrzehntelangen Weile stehen geblieben war, um sie jeden Bruchteil einer nicht vorhandenen Einheit lautlos verstreichen spüren zu lassen.




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↬ P L A Y L I S T ↫


↬»insight« by White Ash [japanese; Empfehlung von CrazyCris]↫
↬»forgotten soul's poem« [Velvet Room Instrumental s. Website; »forgotten« taken from FMA]↫
↬»tokyo« by RM [english]↫
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