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Das Erbe von Alagaësia

von Aquinius
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
OC (Own Character)
09.10.2016
22.09.2021
32
131.158
13
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14.10.2016 2.861
 
Physikunterricht

Genau 12 Uhr 32. In Exakt 23 Minuten war es vorbei. Die Langeweile. Dann konnte er endlich zurückkehren.
„Eine Welle ist in der Physik ein räumlich und zeitlich veränderliches Feld, das Energie, jedoch keine Materie, durch den Raum transportiert. Wer kann mir die zwei klassischen Wellenarten nennen?“
Gelangweilt sah Vincent aus dem Fenster. Grundlagen der Physik. Was hatte ihn nur geritten, dass er diesen Kurs belegt hatte. Er liebte die Physik, keine Frage, doch er hatte sich mit physikalischen Wellen bereits vor drei Jahren auseinander gesetzt.
Irgendwo hinter Vincent antwortete ein Mädchen. „Longitudinal- und Transversalwellen.“
„Und wer kann mir den Unterschied zwischen Longitudinal- und Transversalwellen nennen?“
Viele Hände, die eben noch oben waren senkten sich jetzt.
„Was ist mit ihnen Vincent? Wollen sie uns an ihren Gedanken teilhaben lassen?“ Vincent sah auf. Sein Lehrer Professor Eppstein stand vor seinem Tisch und sah auf ihn hinab. Einige seiner Mitschüler mussten ein Kichern unterdrücken. „Longitudinalwellen schwingen parallel zur Ausbreitungsrichtung, während Transversalwellen senkrecht zu dieser schwingen.“
Eppstein nickte zustimmend und ging wieder nach vorne. Vincent sah wieder aus dem Fenster. Eigentlich hatten sie dieses Thema schon vor einer Woche behandelt, doch sein Physiklehrer hatte bemerkt, dass viele Schüler allzu gern vergaßen, diese Grundlagen zu wiederholen und so schob Professor Eppstein gern mal ein Wiederholungsstunde ein. Den Rest der Stunde redete der Physiklehrer über die Berechnung von Frequenzen und Ausbreitungsgeschwindigkeiten von Wellen. Vincent hörte nur mit halbem Ohr zu.

Eppstein beendete die Stunde pünktlich um 5 Minuten vor 1. Vincent packte noch seine Sachen ein, da kam sein Lehrer noch einmal zu ihm.
„Wären sie so nett und kommen nach der Stunde in mein Büro?“
Na toll, noch mehr Verzögerung. Vincent sagte zu und verließ den Klassenraum.

„Was wollte Eppstein noch von dir?“ Max wartete vor dem Klassenraum.
Maximilian von Berand, war ein Junge in Vincents Alter. Er hatte kurze schwarze Haare und olivfarbene Augen. Er war der Sohn von Graf Johannes von Berand, einem Adligen, der sein Anwesen ein paar Kilometer vom Internat entfernt hatte, und Vincents bester Freund in dieser Welt.
„Ich soll jetzt nach der Stunde zu ihm ins Büro kommen. Vermutlich muss ich mir jetzt eine Standpauke über das korrekte Verhalten im Unterricht anhören.“
Maximilian lachte. „Ich denke nicht, dass es darum geht, dass du nicht aufpasst. Schließlich weißt du die Antworten, wenn er dich fragt.“
Vincent nickte schweigend. „Mal sehen. Dann bis nachher, wir treffen uns dann in der Mensa.“
Sie gingen in unterschiedliche Richtungen davon.

Das Kopernikus Internat war ein sehr großer Gebäudekomplex und Vincent brauchte etwas länger zu Professor Eppsteins Büro. Er klopfte an die Tür und sein Lehrer öffnete ihm.
„Vincent, gut dass sie kommen.“
Vincent trat wortlos ein.
„Geht es wieder um meine Unaufmerksamkeit?“
Eppstein lachte und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. „Setzten sie sich doch Vincent. Und nein Keineswegs geht es darum. Sie haben mir heute wieder bewiesen, dass sie doch in der Lage sind dem Unterricht zu folgen. Nein, es geht darum, dass ich glaube, dass sie in meinem Physikkurs hoffnungslos unterfordert sind. Ich habe mir ihren Stundenplan einmal angesehen, sie haben jeden Physikkurs belegt, der in Ihrer Klassenstufe angeboten wird und da frage ich mich warum. Sie belegen Kurse zur Quantenphysik, Atomphysik und Astrophysik unter anderem auch bei mir und haben in jedem Fach gute bis sehr gute Zensuren und doch belegen sie meinen Kurs zu Grundlagen der Physik, wohlgemerkt der einzige Kurs in dem sie fast einschlafen.“
Vincent atmete tief durch. „Ich interessiere mich nun einmal für Physik.“
Er sah, dass sein Lehrer wusste, dass das nicht die ganze Wahrheit war. Doch Vincent konnte seinem Lehrer ja schlecht erzählen, dass er vor drei Jahren durch einen Gewittersturm in eine andere Welt gereist war und nun nach einer physikalischen Erklärung suchte. Er hatte damals sechs Wochen in Alagaësia zu gebracht, in denen er und sein Meister Hjalmar den Wahren Namen seiner Welt herausfanden. Vincent hatte feststellen müssen, dass er die Veranlagung zur Anwendung von Magie hatte und so konnte er den Zauber selber anwenden. Es hatte ihn viel Energie gekostet, als er das erste Mal zurück in seine eigene Welt gereist war. Mittlerweile besaß er einen violetten Diamanten, der mit soviel Energie geladen war, dass Vincent alt und grau sein würde, wenn die Energie aufgebraucht sein würde. Und nebenbei lud er den Edelstein auch weiter mit Energie auf, sei es seine eigene oder die von sterbenden Tieren, so abstoßend er das auch fand. Sein Meister hatte ihm den Edelstein anvertraut und gemeint er solle gut darauf achtgeben. Der Stein schien Hjalmar sehr wichtig zu sein.
Vincent kam so oft er konnte in die andere Welt und ließ sich von seinem Meister unterrichten. Sie hatten zusammen viele Städte besucht. Doch in den letzten Monaten war es zu gefährlich gewesen und sie hatten Städte wie Teirm, Dras-Leona und Gil'ead gemieden. Trotz Vincents Wunsch die Hauptstadt des Reiches einmal zu sehen, hatte Hjalmar sich stets geweigert ihn nach Urû'baen zu begleiten. Aber besonders in der letzten Zeit hatte Vincent auch nicht mehr danach gefragt.
Die Lage in Alagaësia war allgemein angespannt. Die Varden, eine vor vielen Jahren ins Leben gerufene Volksgruppe bekämpfte im Verborgenen das Imperium und seinen dunklen Tyrannen Galbatorix.
Surda hingegen war weiter ein gern anvisiertes Reiseziel gewesen. Das kleine Land im Süden distanzierte sich vom Imperium und unterstütze heimlich die Varden.
Vincent wusste, wo sich die Varden aufhielten, doch er hatte sie nie selber besucht.
„Vincent?“
„Ja, Professor?“
„Sie scheinen mit ihren Gedanken wieder woanders zu sein. Ich werde sie damit nicht weiter belästigen. Ich hätte nur gerne gewusst was sie dazu bewegt hat.“
Vincent stand auf. „Es tut mir wirklich leid Professor, dass ich ihnen da nicht weiter helfen kann. Wenn es weiter nichts gibt werde ich mir nun in der Mensa etwas zu essen holen.“
Er versuchte es ehrlich klingen zu lassen und ohne sarkastischen Unterton.
„Dann wünsche ich ihnen ein schönes Wochenende, Vincent.“ Vincent verließ das Büro des Professors und machte sich auf den Weg zum Speisesaal des Internats.

Sein Tablett vollbeladen mit Essen, setzte sich Vincent zu Maximilian, der einen Tisch für sich ganz allein hatte.
„Und was wollte Eppstein von dir?“
Vincent winkte ab. „Er wollte wissen, warum ich seinen Kurs zu den Grundlagen der Physik besuchen würde, da ich ja offenkundig dort unterfordert sei.“
Max stopfte sich ein Stück Pizza in den Mund. „Und? Was hast du ihm geantwortet?“
„Die Wahrheit, das ich viel Interesse an Physik habe.“
Obwohl Max sein bester Freund war, hatte Vincent ihm nie von der anderen Welt erzählt.
An einem der anderen Tische konnte Vincent einen Blick auf Chiara werfen. Sie war nur wenige Monate älter als er selbst, hatte lange braune Haare und eine honigfarbene Haut.
„Du starrst sie schon wieder an.“ meinte Max und zog schelmisch eine Augenbraue hoch.
„Tu ich gar nicht!“
Max lachte kurz auf. „Es ist doch offenkundig, dass du auf sie stehst. Wenn ich dir einen gut gemeinten Rat geben darf: Sprich sie doch einfach mal an. Was kann schlimmstenfalls schon passieren? Sie serviert dich ab. Aber dann weißt du wenigstens woran du bei ihr bist.“
Vincent ließ die Frage unbeantwortet im Raum stehen. Er durfte sich einfach nicht verlieben, nicht in dieser Welt, es würde nur ein Hindernis sein.
„Ist ja auch egal.“ Max stand auf. „Sehen wir uns dann später?“
Vincent schüttelte den Kopf. „Wahrscheinlich nicht, ich hab noch was zu erledigen.“
Während des restlichen Essens, musste Vincent immer wieder zu Chiara hinüber sehen, wenngleich er sich der Gefahren bewusst war, die eine Beziehung mit sich bringen konnte.

„Hey, wenn das nicht unser Wunderkind ist.“ Vincent drehte sich langsam und bedacht um.

„Was wollt ihr?“ fragte er genervt.
Hendrik und Carlos blickten herablassend auf ihn hinab. Hendriks Vater war ein hochrangigen Politikers und Carlos war der Sohn eines mexikanischen Unternehmers. Vincent war nicht eingebildet und behandelte Mitmenschen nie herablassend oder arrogant, aber Hendrik und Carlos nannte er nur zu gerne die Höhlenmenschen aufgrund ihrer mangelhaften Intelligenz. Sie schienen es in einer Tour auf ihn abgesehen zu haben.
Sie hatten schon mehrere Male versucht eine Prügelei anzuzetteln, doch Vincent war klug genug sich davon abzuwenden. Er wusste, dass er gewinnen würde, doch er wollte es nicht darauf anlegen, zumal er schon einmal vor der Schulleitung gelandet war, nachdem ihm ein „Jierda!“ herausgerutscht war und Hendrik mit einer gebrochenen Hüfte auf der Krankenstation gelandet war.
Die Schulleitung hatte es als einen Unfall abgestempelt, da es ein Überwachungsband gab, dass bestätigte, dass Vincent keinen Finger gerührt hatte. Woher sollten sie auch wissen, dass Vincent seit drei Jahren das Studium der Magie verfolgte, nachdem sein Meister die Veranlagung bei ihm entdeckt hatte.
Seitdem waren die Höhlenmenschen nur noch mehr hinter Vincent her. Sie hatten schließlich gehört, dass Vincent etwas gesagt hatte. Auch wenn sie es nicht verstanden, wussten sie doch, dass es etwas mit dem vermeintlichen Unfall zu tun hatte.
„Wir wollen uns doch nur unterhalten.“, meinte Carlos gespielt unschuldig.
„Ja, eine Unterhaltung über die neusten Erkenntnisse der Physik.“, erwiderte Hendrik.
„Ja, klar.“ Vincent stand auf und nahm sein Tablett vom Tisch.
Er wollte gerade zum Tablettwagen gehen, da schlug Carlos es ihm aus der Hand. Sein Teller zersprang auf dem Boden und das Besteck fiel klirrend in die Scherben.
„Ich glaube du hast da was fallenlassen, Wunderkind.“
Carlos sah ihn mit seinen schwarzen Augen gehässig an.
Vincent ignorierte die Höhlenmenschen und hob sein Tablett zusammen mit dem Besteck auf. Die Teller ließ er liegen, denn ein Lehrer, der den Lärm des zerspringenden Tellers gehört hatte, kam bereits angelaufen. Vincent ging weiter in Richtung des Tablettwagens, während hinter ihm Hendrik und Carlos eine Strafpredigt bekamen. Er konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Vincent hatte das Glück ein Zimmer für sich alleine zu haben und so konnte er sich in aller Ruhe auf seine Reise nach Alagaësia vorbereiten.
Den Diamanten trug er ohnehin immer bei sich. Im Hinteren Teil seines Schrankes stand eine Truhe, die er zusätzlich noch mit einem Zauber geschützt hatte. Er zog sie hervor und löste den Schutzzauber.
Zu oberst lagen einige Kleidungsstücke, eine einfache braune Hose, ein Gürtel, ein Paar Lederschuhe, ein Lederwams und ein Paar Handschuhe. Unterwäsche benutze er trotz der Gefahr aus seiner Welt – Sie war einfach bequemer. Er kleidete sich an und schnallte sich an den Gürtel ein Schwert und einen kleinen Beutel mit Goldstücken. In der Truhe lag noch eine Ausgabe der Domia abr Wyrda, die Macht des Schicksals, ein Buch, das König Galbatorix bei Todesstrafe verboten hatte.
Nachdem das von dem Mönch Heslant verfasste Buch erschienen war, hatte Galbatorix alle Bücher, soweit er sie finden konnte, verbrennen lassen. Hjalmar hatte Vincent das Buch geschenkt und dieser hatte es in seine Welt gebracht, außerhalb der Reichweite des Tyrannen.
Vincent versiegelte die Truhe wieder mit Magie und schob sie in den Schrank zurück. Dann stellte er sich in die Mitte des Raumes und tastete mit seinem Geist nach dem Diamanten, um seine Energie anzuzapfen. Er tauchte in den Strom der Magie ein und sprach die Worte die ihn nach Alagaësia bringen würden.

Die Welt um ihn herum wurde schwarz. Vincent spürte in der Ferne eine fremde Präsens – die Welt, welche er erreichen wollte. Dann nahm seine Umgebung langsam Konturen an. Er sah schneebedeckte Berge und Adlerswacht, seine zweite Heimat – oder war es schon seine erste geworden? Er schwankte leicht, fing sich aber gleich wieder und ging auf das Portal des Turmes zu. Bevor er anklopfen konnte öffnete Hjalmar bereits die Tür.
„Du kommst heute spät.“ bemerkte der alte Mann.
Vincent konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Ich wurde aufgehalten, Meister.“
Hjalmar nahm die Antwort zur Kenntnis und begleitete Vincent hinein. Er hatte nie viele Fragen über die andere Welt gestellt.
„Gab es über die Woche hinweg wissenswerte Neuigkeiten?“ fragte Vincent.
Hjalmar setzte sich auf einen Stuhl und zündete sich eine Pfeife an.
„Ich schätze du möchtest wissen, ob sich die Gerüchte über den neuen Drachenreiter bewahrheitet haben. Leider habe ich darüber keine weiteren Informationen. Nach dem angeblichen Auftauchen eines blauen Drachen in Gil’ead ist nichts weiter vorgefallen und das ist jetzt schon über eine Woche her. Ich weiß jedoch, dass die Urgals, die aus dem Buckel hinab gezogen sind, in Richtung des Beor-Gebirges marschieren. Wenn meine Vermutung stimmt, dann werden sie einen Angriff auf die Varden durchführen oder zumindest auf die Zwerge, doch ersteres ist wahrscheinlicher. Wir können nur hoffen, dass sie es nicht vorhaben, denn selbst mit Hilfe der Zwerge, können die Varden einem Ansturm dieser Ungeheuer nicht lange standhalten.“
Vincent erbleichte. „Wenn die Gerüchte über den Drachenreiter wahr sind, dann hätten sie doch eine Chance auf einen Sieg.“
Hjalmar seufzte. „Ja, wenn. Aber wie du dich vielleicht erinnern kannst, wurde die Botschafterin der Elfen auf ihrem Weg zurück nach Du Weldenvarden überfallen. Das Drachenei kann bei dem Überfall nur gestohlen worden sein.“
Vincent überlegte kurz. „Und was ist, wenn Botschafterin Arya das Ei noch fortschicken konnte. Was ist, wenn sie es war, die in Gil’ead gefangen gehalten wurde und der neue Drachenreiter sie befreit hat. Das würde die Gerüchte über den Drachen in der Stadt erklären. Immerhin wollen viele ihn gesehen haben.“
Hjalmar lächelte. „Ich vergesse immer wieder, was für einen intelligenten Schüler ich doch habe. Das ist eine Theorie, die sogar sehr plausibel klingt, doch wie hat die Elfe es geschafft, das Ei zu dem Menschen oder Elfen zu schicken, bei dem es schlüpfen würde. Das ist doch ein bisschen sehr abwegig.“
„Naja, Zufall.“ erwiderte Vincent.
Sein Meister nickte. „Zufall, natürlich. Wenn sich doch alles so leicht erklären ließe. Und nun ruhe dich aus, ich brauche dich morgen bei vollen Kräften.“
Mit diesen Worten entließ Hjalmar seinen Schüler. Vincent ging zu seiner Kammer. Sie war spärlich eingerichtet. Ein Bett, ein Schrank und ein Schreibtisch. Das Fenster nach Westen gab den Blick auf den klaren Ozean frei. Vincent schnallte seinen Gürtel ab und lehnte das Schwert an sein Bett, in das er sich sogleich hinein legte. Obwohl er Energie aus dem Diamanten benutzt hatte, waren er doch am Ende seiner Kräfte und so schlief er sofort ein.

Im Traum konnte Vincent ein großes Gebäude erkennen. Es war das Kopernikus Internat. Über diesem braute sich ein gewaltiger Sturm zusammen. Es war dieselbe schwarz-grüne Wolkenfront, die ihn damals nach Alagaësia gebracht hatte.
Dann zuckten Blitze über den Himmel. Einer schlug auf dem Dach des Internats ein. Es ging in Flammen auf.
(Unmöglich) dachte Vincent.
Die Schule besaß Blitzableiter und ein Blitz hätte in den Steinen ohnehin nur Rußflecken hinterlassen. Aber das Feuer, dass sich ihm bot war einfach zu groß, um auf normalem Wege entstanden zu sein.
Augenblicke später rückte die Feuerwehr an, die das Feuer auch unter Kontrolle bringen konnten. Die meisten Schüler und Lehrer hatten sich zu einer großen Menge auf dem Platz vor dem Internat eingefunden.
Vincent erkannte unter ihnen Maximilian und Chiara. Dann begannen die Blitze erneut über den Himmel zu zucken und die Szene wechselte.
Vincent befand sich nun in einem Wald. Über ihm ragten Berge in die Höhe. Er stand am Rande eines Wasserfalls. Hinter ihm keuchte jemand und er drehte sich um. Ein Mädchen mit braunen Haaren rannte durch den Wald. Ihre Kleidung war zerfetzt und sie hatte einen gehetzten Gesichtsausdruck. Dann rannte das Mädchen plötzlich in Vincents Richtung und er erkannte um wen es sich handelte.

„Ich muss sie finden!“ rief Vincent verzweifelt.
Sein Meister war dagegen gewesen, als Vincent ihm von dem Traum und dem Mädchen erzählt hatte.
„Die Umgebung des Traumes erinnerte mich wage an das Palancar-Tal. Ihr erinnert euch noch, als wir den Utgard besucht haben. Wir haben uns in einem Gasthaus in Theringsford eingemietet. Diese Berge erinnern mich an die Umgebung. Und wenn ich den Wasserfall dort nicht finde, dann werde ich weiter nördlich nach Carvahall reisen. Ihr habt mir mal gesagt, ich solle Träume nicht ignorieren, einige könnten mir wichtige Dinge verraten. Genau jetzt brauche ich euer Vertrauen. Ich muss dahin aufbrechen.“
Hjalmar ließ die Tirade wortlos über sich ergehen. Als er glaubte, dass Vincent fertig sei antwortete er: „Du kennst meine Antwort. Es ist zu gefährlich. Wenn der König dich in die Finger bekäme hätte er eine Waffe, die er gegen die Varden einsetzten könnte, ich meine dein Wissen. Du hättest Wissen über fortschrittliche Technologien, wie du sie mal genannt hast, für die diese Welt noch nicht bereit sei. Wenn Galbatorix solche Technologien erschaffen könnte, ist alles aus. Selbst wenn die Gerüchte über den Drachenreiter wahr sind.“
„Galbatorix weiß nichts von mir. Wenn ich mich unauffällig verhalte, bin ich in Sicherheit. Zumal es ein größeres Risiko wäre mich nicht gehen zu lassen, denn wenn sich mein Traum als Wahr heraus stellt, dann gebe es noch eine weitere Person, die über dieses Wissen in Maßen verfüge.“
Seufzend gab Hjalmar nach.
„Ich kann diesen Streit nicht gewinnen, oder? Du findest immer ein Argument, mit dem du mich übertrumpfst und ich kann dich ja ohnehin nicht aufhalten, du bist kein Kind mehr. Mit sechzehn giltst du hier schließlich schon als Mann. Also geh, rette das Mädchen. Aber sieh dich vor! Gib acht, dass du nicht die Aufmerksamkeit des Imperiums erregst.“ Hjalmar hob beide Augenbrauen. „Und denk immer an unsere Lektionen.“
Vincent atmete tief durch. Dann trat er in den Stall hinter dem Turm und schwang sich auf sein Pferd.
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