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Das Erbe von Alagaësia

von Aquinius
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
OC (Own Character)
09.10.2016
14.09.2021
31
126.665
12
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40 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
09.10.2016 1.473
 
Anmerkung:
Diese Geschichte spielt parallel zu "Eragon - Der Auftrag des Ältesten", dem zweiten Teil der Eragon-Tetralogie. Somit können sich Spoiler zu Geschehnissen, sowohl aus dem genannten Buch, als auch aus den folgenden Büchern, in der Geschichte finden. Viele der hier genannten Charaktere entspringen meiner Fantasie. Die Rechte an der Welt, sowie an den anderen Charakteren liegen alleine bei Christopher Paolini.



Prolog

Die Sonne war bereits untergegangen, doch der Himmel erstrahlte in einem rötlichen Licht. Schwarze Wolken überzogen den östlichen Horizont. Vincent liebte es um diese Zeit draußen noch einen Spaziergang zu machen. Doch das Donnergrollen in der Ferne beunruhigte ihn. Zumal das Gewitter auf ihn zu kam und er noch mindestens eine halbe Stunde für den Rückweg brauchte. Dann zuckte ein Blitz über den Himmel. Er zählte die Sekunden. Nach etwa neun Sekunden vernahm er den Donner. Das Gewitter war noch ungefähr drei Kilometer entfernt. Auf einmal kam Wind auf und die Wolken breiteten sich schneller in seine Richtung aus. Noch ein Blitz, nur noch drei Sekunden bis zum Donner. Das war unmöglich, es war doch gerade einmal eine Minute vergangen. Wolken konnten sich nicht mit einer Geschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde ausbreiten, wenn eben noch kaum Wind gewesen war. Der Wetterbericht hätte einen solchen Sturm doch bestimmt vorher gesagt. Er blickte nach oben. Von den Wolken ging ein leicht grünlicher Schimmer aus. Der Sturm um ihn herum wurde immer stärker und die Blitze häuften sich. Das Gewitter hatte ihn eingeholt. Flach warf er sich in den Straßengraben. Dann schlug ein Blitz in einen Baum ein, kaum zehn Meter von ihm entfernt. Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, wie der Baum zerbarst und die Überreste in Flammen aufging. Als er das Feuer betrachtete merkte er, dass noch etwas anders war. Der Regen fehlte. Über ihm hing eine schwarz grüne Wolkenfront und um ihn herum tobte ein Sturm aus Wind und Blitzen, doch kein Tropfen war vom Himmel gefallen. Dann schlug ein Blitz direkt vor ihm ein. Der Schmerz war nicht auszuhalten und er verlor das Bewusstsein.

Vincent erwachte in einem kreisrunden Raum. Jemand hatte ihn in ein Bett gelegt. Benommen versuchte er sich aufzurichten, doch seine Arme versagten, als er sich damit hoch stemmte. Interessiert sah er sich in dem Raum um. Durch mehrere Fenster strömte Sonnenlicht in den Raum. Die Wände waren aus großen Steinquadern, außen herum führte eine Rampe anstelle einer Treppe sowohl nach oben, als auch nach unten. Plötzlich trat ein Mann ein.
„Gut, du bist wach.“
Mit seinen sturmgrauen Augen blickte er Vincent an. Er war vielleicht ein Meter siebzig groß und trug Kleidung die man wohl eher im Mittelalter vermuten würde, eine einfache braune Hose und ein Lederwams. Vincent konnte sein genaues Alter nicht bestimmen, doch er schätze ihn, aufgrund seines kurzen weißgrauen Bartes zwischen 60 und 65 ein. Auch seine vielleicht einstmals schwarzen Haare, waren bereits angegraut. Trotz seines Alters sah der Mann fit aus.
„Wer sind sie?“ fragte Vincent mit zitternder Stimme.
Der Mann sah ihn gütig an. „Ich habe viele Namen, aber du kannst mich Hjalmar nennen.“
„Ist das hier ein Traum?“
Hjalmar sah ihn nachdenklich an. „Fühlt es sich denn für dich wie ein Traum an?“
Er nahm sich einen Stuhl, stellte ihn zu dem Bett und zündete sich eine Pfeife an. Als Vincent keine Antwort gab fuhr er fort.
„Für mich ist es die Realität, doch womöglich bin ich nur ein Produkt deiner Fantasie. Und nun verrate mir, was du zu so später Stunde auf meiner Türschwelle zu suchen hattest.“
Vincent schrak zusammen. „Wie spät ist es? Ich komme zu spät zum Unterricht. Ich bin noch nie zu spät zum Unterricht gekommen.“
Hjalmar wirkte verwirrt. „Beruhige dich mein Junge. Um deine Frage zu beantworten, die Sonne ist vor etwa vier Stunden aufgegangen. Ich habe das Gefühl, dass du mir viel zu erzählen hast. Doch lass mich zuerst den Tee aufsetzten und den Eintopf vom Feuer nehmen.“
Er stand auf und ging zu einer Feuerstelle am Rand des Raumes. Er nahm einen Kessel vom Feuer und füllte zwei Teller. Dann hängte er einen anderen Kessel, gefüllt mit Wasser über das Feuer. Er setzte sich wieder auf den Stuhl und gab Vincent einen der Teller.
„So, nun kannst du mir deine Geschichte erzählen.“
Vincent nahm einen Löffel der Suppe und probierte sie. „Zuerst möchte ich wissen, wo ich mich hier befinde.“
Hjalmar hob seinen Kopf. „Auf Adlerswacht. Einem verlassenen Turm. Ich bin mir seiner ursprünglichen Funktion nicht ganz sicher. Möglicherweise diente er als Außenposten. Von diesem Berg aus kann man bei gutem Wetter bis nach Kuasta sehen. Der Leona-See ist durch andere Berge versperrt. Den Namen Adlerswacht bekam er wohl erst Jahrhunderte nach seiner Erbauung. Seinen richtigen Namen kenne ich nicht. Jetzt dient er mir als Zuhause.“
Vincent kannte viele Städte und Seen in Deutschland, doch von Kuasta oder dem Leona-See hatte er noch nie gehört. Und er konnte sich nicht an ein Gebirge erinnern, welches bei ihm um die Ecke war.
„Welches Jahr haben wir?“ fragte er in einer plötzlichen Eingebung.
Der alte Mann blickte ihn weiter aus seinen klugen grauen Augen an. „Wir schreiben das Jahr 7997 nach der Erschaffung.“
„Nach der Erschaffung?“
„Die Erschaffung von Alagaësia. Du bist ungebildeter als ein Kleinkind, wie mir scheint.“ Der alte Mann lachte.
Vincent erbleichte.
„Was ist los Junge?“, fragte Hjalmar besorgt.
„Entweder ist das hier wirklich ein Traum oder ich befinde mich hier nicht mehr in meinem Universum.“, meinte Vincent ermattet. „Ich komme aus einem Land namens Deutschland, von einem Kontinent namens Europa, diese Namen werden euch nichts sagen, doch von da komme ich her. Und wie mir scheint, ist diese Welt hier weniger weit fortgeschritten als meine. Bevor ich in diesem Bett hier aufwachte, befand ich mich in einem Gewittersturm in meiner Heimat. Ich suchte Deckung in einem Graben, doch mich traf ein Blitz und nun bin ich hier.“
Vincent dachte schon, dass der alte Mann ihm die Geschichte nicht abnehmen würde, doch dieser nickte bloß. Im Hintergrund fing der Teekessel an zu pfeifen. Hjalmar stand Wortlos auf und füllte zwei Tassen mit dem Tee. Er reichte Vincent eine davon und meinte: „Wenn du ausgetrunken hast, komm bitte in mein Arbeitszimmer.“ Dann verließ er den Raum nach unten.

Das Arbeitszimmer war beeindruckt. Die stufenlose Treppe führte auch hier in beide Richtungen außen um den Raum herum. Bücherregale standen symmetrisch zur Mitte hin ausgerichtet. Ansonsten war der Raum nur noch mit einem großen Schreibtisch gefüllt. Hjalmar saß an eben diesem und brütete über Schriftrollen und Büchern.
„Ah, da bist du ja Junge. Da fällt mir auf, ich kenne deinen Namen ja noch nicht einmal.“
Vincent sah sich staunend in dem Zimmer um. „Äh... Vincent.“
Der alte Mann sah ihn zweifelnd an. „Du trägst einen seltsamen Namen.“
„Wie gesagt, ich vermute, dass ich aus einer ganz anderen Welt komme, auch wenn dies eigentlich physikalisch nicht möglich sein dürfte.“
Hjalmar sah auf. „Über diesen Punkt wollte ich mit dir sprechen.“
Er nahm eine Schriftrolle vom Tisch und reichte sie Vincent. „Ich habe vor längerer Zeit, von einem Menschen gelesen, der wie er es nannte „Zwischen den Welten wandeln konnte“. Ich hatte es damals als die Worte eines Verrückten abgestempelt, denn der Mann wurde in anderen Schriftrollen von Zeitgenossen, als eben solcher beschrieben. Doch als du mir deine Geschichte erzählt hast, kam mir diese Schriftrolle wieder in den Sinn.“
Er zeigte auf die Rolle in Vincents Hand. Vincent rollte sie aus, doch die Schriftzeichen waren für ihn unverständlich.
Hjalmar fuhr fort. „Der Autor beschreibt nicht nur, dass er zwischen den Welten wandeln konnte, sondern auch wie. Sie zeigt eine Zauberformel, mit der man wohl dieses Wunder vollbringen kann. Doch sie ist leider unvollständig. Ein Teil der Worte ist verblichen. Ich vermute, dass dort der Wahre Name deiner Welt stand. Doch wenn du deine Welt wirklich so gut kennst, wie du es beschrieben hast, dass du viele Städte und Seen kennst, haben wir eine Chance den Namen heraus zu finden.“
Vincent schöpfte Hoffnung. „Dann sollten wir uns schnell an die Arbeit machen. Ein Name findet sich ja nicht von selbst raus. Was ist ein Wahrer Name eigentlich?“
„Jedes Wesen und jeder Gegenstand hat neben seinem normalen Namen, auch noch einen Wahren. Von deinen Eltern wurdest du Vincent genannt, doch dein Wahrer Name beschreibt dein gesamtes Wesen umfassend und präzise. Der Name besteht aus Worten in der alten Sprache, bitte frage jetzt nicht was das ist. Wenn du weiter so viele Fragen hast sitzen wir noch in eine Woche hier. Die Kenntnis des Wahren Namens von Personen oder Gegenständen verleiht große Macht über diese. Wenn wir also den Namen deiner Welt wüssten, könnten wir diesen Zauber wohl vervollständigen.“
Hjalmar stand auf und holte weitere Bücher.
„Ich habe keinerlei Kenntnisse über deine Welt, also muss ich dir wohl die alte Sprache beibringen, damit du mir helfen kannst, den Namen deiner Welt heraus zu finden.“
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