Er kann nicht lieben

von Black Owl
GeschichteDrama, Romanze / P18
Astoria Greengrass Draco Malfoy
08.10.2016
04.06.2017
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76.650
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27.11.2016 1.836
 
Danke an LupinBlack fürs betan. Danke an Feuerblitz fürs Kommentar dalassen. ^^



Es war voll, wie immer. Das Restaurant war seit seiner Eröffnung in der Winkelgasse der Geheimtipp, wenn es um gutes Essen ging. Und es war fast unmöglich, ohne Reservierung in dem modernen Restaurant einen Tisch zu bekommen. Weshalb Astorias Schwester schon vor drei Wochen einen Tisch zum Mittagessen reserviert hatte. Es war üblich, dass sich Astoria mindestens einmal in der Woche mit ihrer Schwester traf. Es war fast so was wie ein Pflichtprogramm, das sie auch bei ihren Eltern durchziehen musste. Wenn sie sich nicht mindestens alle zwei Woche bei ihrer Mutter melden würde, wäre vermutlich halb England damit beschäftigt sie zu suchen. Wobei Daphne um einiges angenehmer war, als ihre Mutter. Astorias Augen schwebten von den schwarzen Seidentapeten zu den modernen goldenen Lampen und dann zu den Gästen, doch ein bekanntes Gesicht sah sie nicht. „Wie läuft dein Praktikum?“, wollte Daphne wissen und Astoria blickte ihre Schwester an. „Gut.“, meinte sie knapp und Kate begann zu lachen. „Gut? Der Redakteur frisst ihr praktisch aus der Hand. Er ist begeistert.“ Daphne lächelte Kate milde an, bevor sie ihre Schwester wieder ansah. „Ist das so?“

Astoria unterließ es mit den Augen zu rollen und zerschnitt weiterhin das Hühnchen. „Er mag meine Vorschläge. Er will das ich dort anfange, wenn die Prüfungen vorbei sind.“ Daphne musterte sie aufmerksam, während sie nach ihrem Weinglas griff „Und willst du dort anfangen?“ Astoria rollte mit den Augen. „Der Prophet ist nicht gerade das, was ich als Traumjob ansehe.“
„Ich weiß nicht was du gegen den Tagespropheten hast. Die Zeitung ist in England und im Ausland sehr angesehen.“ Es war eine Tageszeitung. Darum ging es. Wenn Astoria ihrem Beruf nachging, dann wollte sie für etwas schreiben wie einem großen Modemagazin. Oder einem Architekturmagazin. So etwas in der Art. Und nicht die seltsamem Ergüsse von verliebten Teenagern und deprimierten Hausfrauen lesen und darauf eine Antwort finden und diese niederzuschreiben. Kummerkastentante war momentan ihre Praktikumsarbeit und es fiel ihr immer schwerer nett zu bleiben bei den Antworten und nicht die reine Wahrheit den Menschen um die Ohren zu schlagen.

Sie hörte kaum zu, während Kate von ihrem Praktikum in der Rechtsabteilung im Ministerium erzählte. Sie kannte diese Geschichten schon von ihrer Mitbewohnerin zu genüge. Astoria schob sich genüsslich die Rosmarinkartoffel in den Mund und dachte kurz darüber nach, dass sie heute wohl noch ihr Sportprogramm durchziehen musste. Ständige Quälerei. „Wie war das Wochenende?“, hakte ihre blonde Schwester nach und zerschnitt weiterhin ihren Fisch.
„Wir haben interessante Leute kennengelernt.“, erwiderte Kate und unterdrückte ein Kichern.
„Ach ja? Wen? Jemanden den ich kenne?“ Astoria kniff ihre Lippen zusammen, als Kate heiter antwortete. „Blaise Zabini.“ Daphnes Lippen bildeten ein Lächeln.
„Ich war mit Blaise in Hogwarts. Er ist ein guter und witziger Kerl.“ Kates Augen funkelten vor Freude. „Ja ist er, oder? Ich hab mich sofort mit ihm verstanden. Und ein wahrer Gentleman. Er hat mich Nachhause gebracht.“

Daphnes Zähne leuchteten regelrecht auf, als sie breiter grinste. „Du solltest ihn festhalten, Kate. Blaise Zabini ist wahrlich eine gute Partie.“ Kates Wangen schienen zu glühen, während sie den Teller fixierte. „So gut kenne ich ihn noch nicht“ Astoria klinkte sich in das Thema ein.
„Aber du gehst morgen Abend mit ihm essen. Und er hat dir heute Morgen schon wieder Blumen geschickt. Rote Rosen.“ Sie merkte regelrecht wie Daphne dieses Thema aufsog wie ein Schwamm. Vermutlich sah Daphne die Chance, schon die nächste Hochzeit zu planen. Eines von Daphnes Lieblingshobbies. „Wirklich? Kate, nicht so schüchtern. Blaise schickt nicht jeder Frau Blumen. Du musst ihn ja schwer beeindruckt zu haben.“ Vor allem wundgeküsst haben, dass traf es eher, dachte Astoria und sagte nichts. „Er ist sehr angenehm, ja“ meinte Kate fast kleinlaut. „Aber auch sein Freund ist sehr nett. Oder Astoria?“ Astoria zuckte lapidar die Schultern.
„Kann sein.“
„Kann sein?“, fragte ihre Freundin nach. „Du hast dich doch offenbar sehr mit ihm amüsiert. Zumindest hat es so ausgesehen.“

„Welcher Freund?“, wollte ihre Schwester wissen wie eine wartende Viper. „Draco Malfoy“, antwortete Kate und Astoria fixierte ihr Essen, während sie eine weitere Gabel in den Mund schob. Sie spürte regelrecht den eisigen Blick von Daphne auf sich, während Kate weiterhin plapperte. „Ich meine in den Zeitungen wird er immer als sehr kaltherzig dargestellt. Aber im Grunde ist er sehr amüsant. Er hat die ganze Zeit mit Astoria getanzt und er ist wirklich ein guter Tänzer.“ Was wusste Kate schon noch? Sie war so betrunken gewesen, dass Blaise sie in die Wohnung tragen musste. „Er hat uns auch Nachhause begleitet und er hat Astoria geküsst.“ Astoria würde sie töten. Hier und jetzt. „Oh ihr entschuldigt mich kurz. Ich sehe gerade meine Großtante dort hinten“, fing Kate an und stand auf. Astoria sah nicht auf, als Daphne ihre Stimme senkte. „Bist du denn von allen guten Geistern verlassen?“ Sie atmete schwer aus und lehnte sich auf ihren Platz zurück, während Daphne sich weiter zu ihr beugte. „Draco Malfoy? Auf so einen Kerl lässt du dich ein?“

„Ich lass mich nicht auf ihn ein“, widersprach Astoria und sah ihre Schwester immer noch nicht an. „Ach ja? Und wie nennst du das dann? Oder hast du ihn nicht geküsst?“, wollte Daphne wissen. Astoria blickte auf und Daphnes Augen fixierten sie wie Dolche. „Ich hab ihn nicht geküsst. Er hat mich geküsst und das hat gar nichts zu bedeuten.“ Daphne funkelte sie weiterhin an.
„Habe ich dich nicht genug von ihm gewarnt? Stehen nicht genug Geschichten von ihm und seinen Affären in den Klatschmagazinen Englands?“
„Daphne, es hat nichts zu bedeuten. Ich hab ihm klar und deutlich gesagt, dass er keine Chance bei mir hat und, dass ich mich auf gar keinen Fall auf ihn einlasse“, warf Astoria erklärend ein. Sie war kein verdammtes Kind mehr. Wieso musste sie sich rechtfertigen? „Wir haben getanzt und hatten alle einen guten Abend. Er ist nur mitgekommen, weil Blaise Kate in ihrem angetrunkenen Zustand nicht alleine gehen lassen wollte. Und wenn du es genau wissen willst, hat er mich geküsst. Mir den Kuss gestohlen trifft es eher. Es hat nichts zu bedeuten. Absolut nichts. Denkst du wirklich, ich bin so dumm und lass mich auf einen Kerl wie ihn ein?“

Daphne musterte sie einen Augenblick, bevor sie sich wieder auf ihr Essen konzentrierte. „Du wärst nicht die Erste die auf ihn reinfällt, Astoria. Wirklich nicht. Ich hab schon viele Frauen gesehen die mit gebrochenem Herzen davon sind. Ihre Zeit vergeudet haben an einem Kerl, der es nicht wert ist.“ Astoria blickte genervt zur Decke.
„Ich hab nicht vor, meine Zeit an einem Kerl zu vergeuden der es nicht wert ist.“
„Gut so. Unsere Eltern wären außer sich. Sie erwarten viel von dir Astoria.“ Sicher. Als wäre es noch großartig, wenn Astoria etwas schaffte, was Daphne schon vorgemacht hatte. „Weißt du, er hatte schon einige gute Partien gehabt. Es ist nicht so, dass er irgendwelche dummen Eulen wählt. Nun, zumindest nicht immer.“, fachsimpelte Daphne und Astoria nippte an ihrem Glas. „Das kann schon sein. Mein Interesse hat er sicherlich nicht geweckt.“

Daphne grinste schief. „Kein bisschen? Draco Malfoy sieht gut aus. Ich weiß, von was ich spreche. Ich war mit ihm in Hogwarts. Und er muss gewisse Fertigkeiten besitzen. Sein Ruf im Bett war legendär.“ Astoria seufzte genervt.
„Sind das nicht immer angeblich alle Typen? Verzeih mir Daphne, aber ich hab wirklich keine Lust weiter über Draco Malfoy zu lästern.“ Daphne lachte aufgesetzt.
„Wieso? Ist er so schlecht im küssen?“ War das ihr ernst? Erst bekam sie hier einen halben Wutanfall weil er es gewagt hatte sie zu küssen und jetzt wollte sie wissen wie es war? Ihr blieb die Antwort erspart, weil Kate zurückkam mit lieben Grüßen an Daphne und damit das Thema Draco Malfoy, der berüchtigtste Herzensbrecher der Stadt, vom Tisch war. Hoffentlich endgültig. Als wäre es nicht schon peinlich genug gewesen, dass er mitgekommen war. Sie beide – Zabini und Malfoy - weil Kate sich wie ein schulreifes Kleinkind aufgeführt hatte. Wieso fing sie ständig zu kichern an wie ein kleines Mädchen, wenn sie zu viel trank? Das ging Astoria wirklich auf die Nerven.

Nach seinen endlosen Flirtversuchen und charmanten Komplimenten, hatte sie ihm im Aufzug ganz klar zurückgewiesen. „Ich werde mit dir nicht schlafen,“ hatte sie ihn frech angegrinst und dann, als sich die Türen eigentlich geöffnet hatten zu dem Stockwerk wo ihre Wohnung lag, hatte er sie einfach zurückgezogen und geküsst. Sie hatte den Kuss erwidert. Tatsächlich erwidert. Die Aufzugtüren hatten sich geschlossen und sie hatte sich nur schwer von ihm lösen können. Er hatte mehr erwartet. Erwartet, dass sie ihn zu sich einladen würde nach diesem unbeschreiblichen Kuss. Doch sie war unter seinen Arme hindurch getaucht und hatte knapp gemeint. „Das war nett. Ich werde trotzdem mit dir nicht schlafen.“ Himmel, sie hoffte ihn nie wieder zu sehen, diesen arroganten, eingebildeten Idioten. Was half es schon, dass er charmant war und gut aussah? Gar nichts. Sie wäre nur die Nächste auf seiner Liste. Die nächste Dumme, die sich auf diesen Casanova einließ.

„Warum war deine Schwester so verstimmt, als ich Malfoy erwähnt habe?“, fragte Kate ahnungslos, als sie ihre gemeinsame Wohnung betraten. Astoria zuckte die Schultern, während sie ihre Schuhe abstreifte und über dem hellen Parkett ins Wohnzimmer ging. „Keine Ahnung. Sie sieht vermutlich Gespenster.“ Sie ließ sich auf die himmelblaue Couch fallen und schloss die Augen. Sport, wollte sie nicht Sport machen? Sie hatte keine Lust. Es klingelte und Astoria rief nach Kate. Sie bekam keine Antwort. Als es erneut klingelte, stand sie genervt auf und schritt zurück in den hellen Flur. Sie hörte im Bad das Wasser laufen und öffnete milder gestimmt die Tür. Nur um verdutzt zu blinzeln, als sie einen Strauß bunter Gerbera vor sich sah. Der Lieferant sah sie freundlich an. „Lieferung.“ Sie unterließ es, etwas Böses zu murmeln, dass dieser Zabini vermutlich gerade den Verstand verlor. Vermutlich würde wirklich Daphne bald eine weitere Hochzeit planen. Himmel, wieder Brautjungfer spielen. Es wurde Zeit, wegzukommen aus England. Hinaus in die weite große Welt.

Astoria unterschrieb. Nahm den Strauß und trug ihn in die Küche. Sie kramte nach einer Vase und stellte die Blumen in kühles Wasser. Sie wollte sich gerade abwenden, als sie auf einem kleinen Umschlag, der in den Blumen steckte, ihren Namen las. Irritiert griff sie danach. Es war eine simple Karte. Schlicht und ohne Aufdruck. Die Schrift war geradlinig und wirkte seltsam fein. „Danke für den schönen Abend. Gerne eine Wiederholung. D.M.“ Sie senkte die Karte und sah wieder auf die Blumen. Dachte er wirklich, Blumen würden sie beeindrucken? War sie nicht deutlich genug gewesen?
„Blumen?“, fragte Kate interessiert und trat näher. „Von wem sind sie?“ Astoria reichte ihr wortlos die Karte und Kate begann aufgeregt zu quietschen. „Oh ich wusste er mag dich, Astoria.“ Sicher, Draco Malfoy mochte alle Frauen sehr gerne. Sie würde er nicht ins Bett bekommen. Niemals. „Woher weiß er, was deine Lieblingsblumen sind?“ Tja, das war die nächste Frage, die aber wohl eher belanglos war. Aber eine gute Frage. Woher zum Teufel wusste er das? Schwachsinn. Es war Zufall.
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