Er kann nicht lieben

von Black Owl
GeschichteDrama, Romanze / P18
Astoria Greengrass Draco Malfoy
08.10.2016
04.06.2017
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Hallo meine Lieben,

dies wird meine nächste Drastoria Geschichte. Sie wird regelmäßig geupdatet, nachdem Scherben beendet ist. Heute schon einmal ein kleiner Vorgeschmack. Viel Spaß beim Lesen und Herzlichen Dank an LupinBlack, Beta dieser Geschichte.



Es war seltsam wie fremd und beengt ihr die Wohnung vorkam. Sie seufzte leicht, als sie im großen offenen Wohnraum stand und fuhr mit Bedacht über den schwarzen Flügel. Er hatte ihn besorgt, weil sie Musik mochte. Sie zog ihre Hand zurück und wandte sich den großen Fenstern zu. Vermutlich nur, um sie bei Laune zu halten, das wurde ihr gerade schmerzlich bewusst. Sie verließ mit energischen Schritten den großzügigen Wohnraum und ging zurück ins Schlafzimmer, wo sich ihre Koffer bereits stapelten. Sie schritt in das angrenzende Ankleidezimmer und sah sich um. Seine Seite war noch voll. Nun, was voll eben bei einem Mann wie ihm hieß. Sie wusste, dass er bei seinen Eltern auch Sachen hatte und sie wusste von mindestens einer anderen Wohnung, die er auch für sich nutzte. Sie ignorierte den Schmerz gekonnt. Sie würde nicht jetzt zusammenbrechen. Nicht hier. Nicht so. Sie ging auf den Schrank mit dem Schmuck zu und öffnete erneut alle Schubläden. Sah nach, ob sie ihren Schmuck bereits rausgenommen und nichts vergessen hatte.

Sie hielt inne, als sie ihr Spiegelbild sah. Sie war blass, sehr blass sogar. Ihr braunes Haar wirkte glanzlos. Sie hatte es heute Morgen aufgegeben in Form zu bringen und hatte einen Glättungszauber angewandt. Ihre blauen Augen wirkten dunkel und tief. Zumindest sah man nicht mehr, dass sie die ganze Nacht durchgeweint hatte, während sie ihre Sachen hier zusammengesucht hatte. Sie dankte ihrem Makeup in Gedanken dafür. Sie hasste sich. Hasste sich, sich so zu sehen. Zugelassen zu haben, dass es so weit kam. Sie war dumm. Dumm, einfältig und furchtbar naiv gewesen. Jeder hatte sie gewarnt. Wirklich absolut jeder. Angefangen von ihrer Mutter, zu ihrer Schwester und ihrer Patin. Bis hin zu ihren Freunden, Bekannten und entfernten Verwandten. Himmel, sogar Freunde von ihm hatten sie gewarnt. War sie wirklich so dumm gewesen, all diese Wahrungen in den Wind zu schießen? Sie senkte den Blick und atmete schwer aus. Nein. Nicht dumm. Nur blind.

Sie war blind vor Liebe gewesen. Obwohl doch von Anfang an klar gewesen war, was er von ihr wollte. Hatte er das nicht deutlich gemacht bei ihrer ersten Begegnung? Sie hätte es dabei belassen sollen, statt sich von ihm einlullen zu lassen. Sich zu seinem neuen Spielzeug machen zu lassen. Aber irgendwann hatte sie auf diese innere Stimme von ihr und vor allem von den anderen, nicht mehr gehört. Sie hatte zugelassen, ihr sorgsam bewachtes Herz aufzumachen für diesen verdammten Idioten. Sie hatte zugelassen sich mit netten Gesten, Schwüren und Geschenken, Hoffnungen zu machen. Hoffnungen, dass er sich irgendwann ändern würde. Seine Meinung ändern würde. Sie hatte zugelassen, dumme Träume zu träumen über ewige Liebe, Glück und Heirat. Vielleicht sogar mal Kinder. Jetzt betrachtet, konnte sie über ihr Verhalten nur den Kopf schütteln. Sie hatte ein Jahr vergeudet und was noch schlimmer war, sich selbst dabei schwer verletzt.

Selbst diese Wohnung war doch nur von ihm dazu gedacht gewesen, dass sie immer auf Abruf bereit war. Er immer auf sie zurückgreifen konnte. Es ging gar nicht darum, dass er sie aus tiefgründigen Gefühlen hierhaben wollte. Es ging nur um seine Wünsche und Bedürfnisse. Ansonsten nichts. Das war ihr die letzten Wochen immer schmerzlicher bewusstgeworden. Doch der Gipfel hatte sich bis gestern Nacht aufgehoben. Sie hatten gestritten. Schon die ganze Zeit. Sie war gegangen. Er hatte wohl geglaubt, dass sie nicht mehr vor dem Morgen kommen würde, doch er hatte sich geirrt. Nicht sie war das kleine bockige Kind und das, obwohl sie jünger als er war. Sie schloss die Augen und drückte ihre Hand fest gegen ihr schmerzendes Herz. Er war nicht alleine gewesen. Zumindest war die halbnackte Blondine an ihr vorbeigestürmt, als sie die Wohnung betreten wollte.

Schlimmer war gewesen, dass er es nicht einmal abgestritten hatte. Dass er selbstgefällig noch rumstolziert war, während er sich einen Drink eingeschenkt hatte. „Du weißt wer ich bin. Du wusstest auf was du dich einlässt“, hatte er ruhig erwidert, als sie ihn völlig verzweifelt angefahren hatte. Beinahe den Verstand verloren hatte. Vermutlich ging das schon die ganze Zeit so. Es gab genügend Tage, an denen sie gar nicht oder erst spät Nachhause gekommen war. Sie lachte innerlich falsch auf. Nachhause. Das hier war nie ein Zuhause gewesen. Sicher. Es war eine große, moderne Wohnung. Aber alles hier gehörte ihm. Er hatte sich ja schon über kleine Dinge aufgeregt, die sie verändert hatte, also hatte sie es gelassen. Sie hatten gestritten, was damit endete, dass er gegangen war und natürlich war er nicht mehr aufgetaucht und das war gut so. Denn Astoria hatte vielleicht genau das gebraucht, um den Absprung von ihm zu schaffen.

Sie hatte das hier nicht nötig. Bevor dieser verdammte Idiot seine Finger nach ihr ausgestreckt hatte, hattw sie sich vor Bewerbern nicht retten können. Sie war schlau, angesehen und verdammt attraktiv. Das wusste sie genau. Ihr stand die verdammte weite Welt offen, sie musste nur endlich den ersten Sprung wagen. Sie hatte ihre Sachen gepackt. Alles rausgesucht was ihr gehörte und ihre Schwester angefleht, damit sie jemand heute abholte. Sie wollte nicht ihre Eltern um Hilfe bitten. Daphne war zwar höhnisch und hatte ihr wie üblich einen Vortrag gehalten, aber alles war besser als Astorias Mutter.
„Astoria?“, ertönte eine bekannte Stimme und kaum einen Wimpernschlag später, stand Daphne mit hochgesteckten blonden Haaren und einer breiten Sonnenbrille auf der Nase im Ankleidezimmer. „Da bist du ja“, begrüßte ihre ältere Schwester sie und schloss sie dann theatralisch in die Arme. Erst nachdem Astoria leicht ihren Rücken tätschelte, ließ Daphne sie los und musterte sie besorgt.
„Geht es dir gut?“ Natürlich. Ihr ging es Prima.
„Es geht schon.“ Daphne seufzte. „Ich hab‘ dich noch gewarnt. Ich wusste, dass es so kommen würde.“

Astoria amtete schwer aus. „Könntest du deinen Vortrag bitte später abhalten? Ich möchte einfach nur so schnell wie möglich hier raus.“
„Sicher. Wo ist Draco?“
Astoria schnalzte missbilligend mit der Zunge. „Keine Ahnung. Ich denke in der Arbeit. Ich hab‘ ihn gestern Nacht nicht gefragt, wo er hin wollte nachdem er mit dieser… Frau fertig war.“
Daphne sagte nichts, aber ihr Gesichtsausdruck war eindeutig. Mitleid und die Erkenntnis, dass sie recht gehabt hatte. Die Blondine sah sich in dem Zimmer um. „Ich dachte, du bist fertig.“
„Bin ich auch“, erwiderte Astoria und zog die letzte Schublade auf.
„Aber da sind noch Kleider, Handtaschen, Schuhe und Unterwäsche. Brauchst du die Sachen nicht mehr?“
Astorias Stimme war kühl, als sie die blaue Samtschatulle herausholte und öffnete. „Das sind die Sachen, die Draco mir geschenkt hat.“
„Und warum nimmst du sie nicht mit?“
„Ich will ihm nichts schuldig sein“, erwiderte Astoria knapp. Sie würde nichts von ihm mitnehmen. Rein gar nichts.

Daphne rollte mit den Augen. „Ich bitte dich. Wenn du schon ein Jahr deiner Zeit verschwendet hast an diesem elendigen Schwein, dann solltest du wenigstens die Geschenke behalten. Sie stehen dir zu.“ Das sah sie anders. Sie wollte sie nicht behalten. „Astoria, selbst den Schmuck?“ keuchte Daphne, als Astoria die feingearbeitete silberne Kette abnahm mit dem tropfenähnlichen Anhänger. Sie war schlicht und ebenso der Anhänger, der aber aus vielen kleinen Diamanten bestand. Sie mochte die Kette gerne. Nicht wegen dem Wert. Es war das erste richtige Geschenk von ihm gewesen. Sie verbannte die Kette in die Schatulle und sperrte sie wieder in die Schublade ein und somit hoffentlich auch die Erinnerung die dazu gehörte.
„Ich will nichts von ihm haben“, wiederholte sie sich und die beiden Schwestern zuckten zusammen, als es klopfte.
„Oh gut, Henry“, fing Daphne an und Astoria erkannte den Fahrer. „Würden Sie die Koffer meiner Schwester runterbringen, bitte. Wir kommen dann gleich.“ Daphne wandte sich leicht zu ihr. „Oder hast du noch mehr Gepäck?“

Sie schüttelte stumm den Kopf und trat mit ihrer Schwester ins Schlafzimmer, nur um zuzusehen, wie Daphnes Angestellter die Koffer schrumpfte und vermutlich nach unten zum Wagen brachte. „Können wir?“, fragte Daphne freundlich und Astoria sah sie bittend an.
„Geh schon mal vor. Ich komme gleich.“ Sie nickte stumm und verschwand, während Astoria sich erneut umsah. Sie hatte alles. Sie ging zum Sessel, in dem sie auch ein paar Minuten geschlafen hatte, weil sie in diesem Bett nie wieder schlafen wollte, und griff nach ihrem schwarzen Blazer, den sie über ihr mitternachtsblaues Etuikleid drüberzog. Sie verließ das Schlafzimmer und griff im Wohnraum bei dem großen Beistelltisch nach ihrer Handtasche. Sie suchte eine Weile nach ihrem Schlüsselbund und machte den Haustürschlüssel ab, nur um ihn auf den Tisch zurückzulassen. Ansonsten nichts. Kein Brief des Bedauerns und des Abschiedes.

Vermutlich würde sie ihm somit nur eine lästige Diskussion ersparen. So war es einfacher, für beide Seiten. Er würde wohl erst merken, dass sie weg war, wenn er von der Arbeit heimkam. Wenn er denn kam. Es war egal. Es interessierte sie nicht mehr. Zumindest redete sie sich das ein, als sie die Wohnung verließ, sich im Erdgeschoss beim Portier verabschiedete und sich dann in die Limousine ihrer Schwester setzte, die sofort mit ihrem Vortrag begann. Astoria hörte nicht zu, erst als Daphne Henry Anweisungen gab, zu ihrem Stadthaus zu fahren, mischte sich Astoria ein.
„Nein. Zum Flughafen.“
„Wie sie wünschen, Miss“, erwiderte Henry knapp und Daphne sah sie entgeistert von der Seite an. „Was heißt hier zum Flughafen? Was möchtest du beim Flughafen?“
Astoria sah ihre Schwester erschöpft an.
„Dort wartete ein Flug auf mich. Da man in Marseille nicht auf magische Weise reinkommt von England aus.“ Daphnes Augen wurden groß.
„Was zur Hölle willst du in Frankreich?“

„Arbeiten, Daphne. Ich hab‘ dort ein Jobangebot“, erklärte sie müde und Daphne wollte weiterschimpfen, doch Astoria ließ sie nicht. „Ich hab‘ das schon vor Monaten bekommen. Aber immer abgelehnt.“ Wegen ihm. „Ich hab‘ gestern einen alten Bekannten angerufen und er hat die Sache klargemacht.“ Daphne schüttelte den Kopf.
„Aber… ich dachte du wohnst wieder bei unseren Eltern und ruhst dich aus. Ich meine… Himmel, was willst du den in Frankreich. Du hast ja nicht einmal dort eine Wohnung.“
„Ich werde bei Freunden wohnen und die Arbeit stellt mir eine Wohnung. In maximal zwei Wochen habe ich eine eigene Bleibe. Und außerdem -  Ruhe bekomme ich bei unseren Eltern ohnehin nicht. Du kennst sie doch.“
„Mutter wird sich furchtbar aufregen.“
„Na und? Es geht hier nicht um Mutter, sondern um mich“, widersprach Astoria entschieden.

Daphne schwieg und Astoria fuhr sich durch ihre Haare „Und das ist genau das was ich brauche. Arbeit. Eine neue Aufgabe und vor allem Abstand zu England.“ Vor allem vor dem Gerede, denn das würde sie nicht noch einmal durchhalten. Dort kannte sie keiner. Zumindest nicht so, dass man hinter vorgehaltener Hand über sie sprach.
„Wenn es um Mutter geht, kannst du auch gerne bei Theo und mir…“ fing Daphne an und brach ab, als Astoria den Kopf schüttelte. „Nein. Es geht nicht darum. Ich…“ Sie atmete schwer aus. „Daphne, ich brauche einfach Zeit und Abstand. Von allem.“
Daphne musterte sie besorgt. Ihre Stimme war leise. „Wenn du glaubst, dass das wirklich hilft.“
Ja das glaubte sie. Vor allem der Abstand, der mehr als 700 Meilen betrug, würde helfen. Als Henrys Wagen hielt, wollte Daphne aussteigen, doch Astoria hielt sie auf. „Nein Daphne.“
„Aber... bei Merlin, ich darf mich doch verabschieden.“ Astoria grinste schief.
„Dann mach das jetzt. Ich ertrag nicht noch einmal einen Vortrag von dir, nur um mir eingestehen zu müssen, dass du Recht hattest.“

Daphnes Augen wurden feucht und fast mütterlich strich sie über Astorias Wange. „Es tut mir leid. Ich hätte dich einsperren sollen und…“
Astoria stürzte nach vorne und umarmte ihre Schwester fest. Sie spürte die Tränen und schloss die Augen, damit sie zu weinen aufhörte, als Daphne ihr durchs Haar strich. „Es ist nicht deine Schuld. Ich wollte es nicht sehen“, murmelte Astoria leise gegen das Ohr ihrer Schwester und es dauerte geschlagene fünf Minuten, bis Daphne sie entschieden von sich schob und über ihre Augen fuhr. „Dann steig schon aus. Aber wehe du schreibst mir nicht mindestens einmal in der Woche, dann werde ich kommen und dich wiederholen. Hast du gehört?“
Astoria grinste leicht. Das traute sie ihrer großen Schwester tatsächlich zu. „Ich verspreche es.“ Daphne küsste sie auf die Wange und Henry reichte ihr die kleinen zusammengehexten Koffer, als sie ausstieg. Es war das Ende. Das Ende einer eingebildeten Beziehung. Aber es war auch der Start etwas Neuem. Ihrem neuen Leben ohne einen Draco Malfoy.
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