Genial... und ein Idiot

OneshotRomanze / P12
Paige Dineen Walter O'Brien
05.10.2016
05.10.2016
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Sonnenstrahlen fielen auf sein Gesicht. Er spürte ihre Wärme und musste lächeln. Glück durchströmte ihn noch bevor er es zuordnen konnte, doch dann war da wieder die Erinnerung. Ließ sich so einfach aufrufen, da sie frisch war und wahrscheinlich für immer in seinen scharfen Verstand eingebrannt.

Walter O'Brien war lange gefahren und hatte sich in seinem Kopf alle möglichen Szenarien ausgemalt. Aber es war ihm egal. Er war ein Idiot. Ein Dummkopf. Er hätte es früher merken müssen. Stattdessen war er stur und blind, und jetzt wo er um seine Gefühle wusste spülten sie über ihn hinweg.Er hatte genauso viel Angst wie er entschlossen war.

Es war spät in der Nacht als er ankam. Er parkte direkt neben dem Auto von Tim. Bereits seit einer halben Stunde schüttete es unaufhörlich. Sie mussten gerade angekommen sein, denn er konnte Tim und Paige auf der Veranda des kleinen malerischen Hotels sehen, dass direkt am See lag. Ein Pfad aus kleinen Laternen tauchte den Weg dorthin und die Eingangstür in ein malerisches gedämpftes Licht.
Walter stieg aus und verharrte im strömenden Regen, der keineswegs warm war. Unschlüssig stand er da und versuchte sich zu bewegen. Aber seine Beine gehorchten nicht. Hatte er denn überhaupt eine Chance?
Er verfluchte sich dafür, dass er hier kalte Füße bekam und nur dabei zusehen konnte wie Tim mit Paige sprach und ihre Taschen auf der Veranda abstellte. Obwohl es nicht weit entfernt war konnte er trotz dem Regen kein Wort verstehen und kaum etwas klar erkennen. Doch plötzlich drehte Tim sich um und ging zurück zum Parkplatz. Wahrscheinlich um das restliche Gepäck zu holen. Walter stand einfach nur da und sah ihn näher kommen, immer noch stand er einfach wie angewurzelt da.
Tim stolperte fast schon über ihn.

„Wow, hey Mann, was machst du denn...?“, plötzlich hielt er inne und sah zurück zu Paige, die angestrengt ins dunkle schaute. „Oh... du bist wegen Paige hier oder?“
Walter nickte knapp.

„Dann los geh und rede mit ihr. Ich glaube ihr habt einiges zu klären. Viel Erfolg.“

Wieder nickte Walter nur stumm aber dann trugen ihn seine Füße vorwärts durch den Regen und er hörte nur wie Tim hinter ihm schnell ins Auto stieg. Mit jedem Schritt den er machte schlug sein Herz schneller. Die Distanz wurde viel zu schnell kleiner, und doch konnte er es kaum abwarten.
Wieder fiel ihm auf wie hübsch sie doch war. Ihre Haare waren etwas feucht, als sie durch den Regen gerannt war und ihre Augen leuchteten wie gewohnt. Als er statt Tim auf der Veranda auftauchte wurden ihre Augen groß.

„Walter? Was...Was tust du hier?“

Er holte mehrmals Luft und versuchte seine zitternden Hände unter Kontrolle zu bringen.

„Paige, es tut mir Leid, dass ich so ein Idiot war. Ich liebe dich. Obwohl ich weiß, dass Liebe nur chemische Reaktionen im Hirn sind... will ich nicht mehr ohne dich sein. Ich wollte dich Fragen, ob du mit mir auf dieses Wochenende fährst, und dann habe ich es vermasselt. Ich hab Angst Paige. Bei dir fühle ich mich irgendwie... anders.“

Er stand vor ihr und sah sie an. Hoffte einfach nur, dass es genug war. Nach einer gefühlten Ewigkeit nahm sie seine Hände in ihre und Walter fühlte sich sofort ruhiger, sicherer. Nach einem Augenblick löste er seine rechte Hand und legte sie an ihre Wange. Es fühlte sich so anders an, wenn er zuließ, was das in ihm auslöste. Sein sonst so aktives Gehirn nahm sich nur Zeit dafür alles festzuhalten, aufzusaugen.
Als er seine Lippen auf ihre legte war es so anders, als der seltsame Versuch eines Kusses in der Werkstatt. Nicht stürmisch sondern vorsichtig und sanft. Als könnte das hier zerbrechen, wenn sie nicht vorsichtig genug waren. Paige kam ihm entgegen und automatisch zog er sie zu sich heran, nur um sich dann darüber bewusst zu werden, dass er komplett durchnässt war. Es kostete ihn Überwindung sich von ihr zu lösen.

„Warte, warte. Wir sollten reingehen, ich bin total nass und du musst es nicht auch noch werden.“ Paige blinzelte verwirrt und schien es erst jetzt so richtig zu bemerken.

„Oh, ja dir muss kalt sein. Los komm mit.“

Vor der Tür drehte sie sich zum Parkplatz um. Walter folgte ihrem Blick und sah wie Tim gerade seinen SUV gestartet hatte, ihnen Lichthupe gab und dann davonfuhr.


Das Bett war kein richtiges Doppelbett. Es war gerade mal 1,40 Meter breit. Allein die Vorstellung mit ihr in einem Bett zu schlafen machte ihn nervös. Dass nur seine Boxershorts den Regen trocken überstanden hatte half nicht gerade. Eben sowenig wie die Vorstellung, dass sie sich im angrenzenden Badezimmer bettfertig machte. Doch kaum betrat sie den Raum und lächelte ihn an, wurde er wieder zuversichtlicher. Sie hatte sich von ihm küssen lassen.
Entschlossen ging sie auf ihn zu und legte vorsichtig eine Hand auf seine nackte Brust. Walter wusste, dass er nicht wirklich definierte Muskeln besaß, da er nur genug Sport machte um seinen Körper fit zu halten, aber Paige schien das egal zu sein. Sie näherte sich ihm vorsichtig.
Ihr Schlafanzug schien nur aus einem weiten T-Shirt und ihrem Slip zu bestehen. Bereitwillig kam er ihr entgegen und küsste sie wieder, und spürte wie sie sich an ihn schmiegte. Er rechnete jeden Augenblick damit, dass sein Hirn aussetzen würde.

Das war real. Er spürte sie hier in seinen Armen und er wusste kaum wohin mit seinen Gefühlen. Erst als sie beide Luft brauchten lösten sie sich, doch Paige drückte sich direkt danach an ihn. Legte ihre Stirn an seinen Solarplexus und drückte ihn an sich.

„Danke das du gekommen bist“, sie flüsterte es fast. Instinktiv drückte er sie an sich und hauchte ihr einen Kuss auf das Haar.

„Na komm, wir sollten uns hinlegen, es ist mitten in der Nacht.“
Wie aufs Stichwort gähnte sie. Also legten sie sich in das wunderbar weiche Bett und Walter legte einen Arm um sie während Paige sich an ihn schmiegte, den Kopf auf seiner Brust. Sie hatte die Decke mit hoch gezogen, sodass ihm sofort angenehm warm wurde. Er vergewisserte sich noch einmal, dass sie gut zugedeckt war und schaltete dann die Lampe am Bett aus. Erst als die Dunkelheit hereinbrach und er sich bewusst wurde wie lang der Tag eigentlich gewesen war erschlug ihn die Müdigkeit fast. Dazu noch ihre Wärme und das Glücksgefühl. An Paiges ruhigem Atem konnte er erkennen, dass sie bereits eingeschlafen war, und so sank er in einen tiefen traumlosen Schlaf.

Ebendiese Erinnerungen durchfluteten ihn als er jetzt Paige sah, die immer noch schlief aber ihre Hand war fest in seiner verschränkt. Er wusste einfach nicht wie er mit diesen Gefühlen umgehen sollte. Auf seinem Gesicht war ein dümmliches Grinsen, er bekam es nicht weg, denn er war glücklich. Hatte den Wunsch sie zu küssen, ihr zu sagen wie schön sie war, wie sehr er sie vergötterte. Erst jetzt merkte er, was ihm die ganze Zeit gefehlt hatte, was an ihm genagt hatte. Wieder erkannte er wie wenig er über sich selbst und seine Gefühle wusste. Ja es wurde besser...er konnte eher wissen was in anderen Menschen vorging. Aber für ihn selbst war Walter O'Brien immer noch ein Buch mit sieben Siegeln, also musste er sich darauf verlassen, was seine engsten Freunde ihm aufzeigten.
Und jetzt hatte er Paige. Sie zeigte ihm wie er die normale Welt verstehen konnte. Ohne ihn zu verurteilen. So hatte er sich noch nie bei einer Frau gefühlt.

Gerade als er sich fragte, ob er das nur träumte öffnete sie langsam die Augen und blickte verschlafen zu ihm herüber. Dann lächelte sie und griff mit einer Hand in seine Haare um ihn zu sich heranzuziehen. Sanft küsste er ihre vollen Lippen.
Nein, das war kein Traum. Auf keinen Fall.
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