Reborn

GeschichteRomanze / P16
Ahkmenrah OC (Own Character)
04.10.2016
24.10.2016
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10.10.2016 1.209
 
Gelangweilt lauschte ich der Musik, welche aus meinen Kopfhörern dröhnte. Mein Blick starr auf das Fenster gerichtet, betrachtete ich die Wolkenberge. Gähnend strich ich ein paar Haare, welche sich aus meinem Dutt gelöst hatten, aus meinem Gesicht.
Ich vermisste Kalifornien jetzt schon, doch konnte ich dort nicht bleiben. Ich konnte weder Ausbildungsplatz noch Job finden, weshalb mir das Geld für eine Wohnung fehlte. Ich hatte dort zwar Angehörige, doch wollten diese mich nicht bei sich aufnehmen. Meine einzige Zuflucht war in New York und nannte sich Larry. Ich hatte vor Jahren das letzte Mal gesehen. Um genau zu sein an meinem achten Geburtstag. Er sah es als eine Art Wiedergutmachung für die versäumten Jahre.

„Evie!“, begrüßte mich ein Mann mittleren Alters. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich ihn als Larry identifizierte.
„Larry!“, grüßte ich zurück und eilte auf ihn zu. Wir standen uns erst schweigend gegenüber, wussten nicht was wir jetzt tun sollten. Doch zog er mich dann schnell in eine Umarmung, die ich erwiderte.
„Du bist groß geworden“, sagte Larry und grinste mich an.
„Kein Wunder, schließlich ist es fünfzehn Jahre her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben.“
Larry lachte leise in sich hinein, legte einen Arm um meine Schulter und schob mich durch den Flughafen.

„Und hier wäre dein Zimmer, fühl dich wie Zuhause. Das Bad ist den Flur runter.“
Ich nickte langsam und kehrte mich dann meinem neuem Zimmer. Die Wände waren noch kahl, die wenigen Schränke waren nicht befüllt. Noch wirkte alles sehr unpersönlich, doch würde ich das in den nächsten Wochen ändern.
Ich wühlte in meinem Koffer herum, bis ich eine kleine Dose fand. Ich öffnete sie und holte vorsichtig den in Zeitungspapier verpackten Gegenstand heraus. Mein wertvollstes Hab und Gut. Eine kleine Nachbildung Tutanchamuns Maske. Behutsam stellte ich sie in eines der Regale, sodass ich sie vom Bett aus sehen konnte. Ein kleines Lächeln huschte über meine Lippen.
„Evie, ich muss gleich zur Arbeit. Willst du mitkommen? Nicky ist auch dabei.“
Überrascht drehte ich mich zu Larry um. Wahrscheinlich hatte ich gerade den Fisch-Blick des Jahrhunderts drauf. „J-ja klar! Wo arbeitest du nochmal?“
„Im Museum.“
Das Grinsen auf Larry's Lippen wurde breiter. „Ich bin mir sicher, dass es dir dort gefallen wird; du bist doch immer noch so fasziniert von den alten Ägyptern wie damals?“
Ich schluckte. Ein heikles Thema, aber ja, ich war noch immer fasziniert von ihnen. Ein langsames Nicken war meine Antwort. „Wunderbar! In einer halben Stunde wollen wir los.“ Wieder nur ein Nicken meinerseits.

„Ich geh mit Rexy spielen!“, rief Nicky und rannte los. Wer oder was Rexy auch immer sein sollte. Mit ziemlich dummen Blick schaute ich dem kleinen Jungen hinterher. Was sollte ich jetzt tun? Die ganze Nacht blöd herum stehen? „Schau dich doch etwas um, Evie. Aber pass auf, bald erwacht hier alles zum Leben!“
Ich lachte leise. Was auch immer er damit meinte. Wahrscheinlich nur eine Metapher, oder so, dafür, dass es hier so spannend war.

Meine Schritte hallten durch die leeren Gänge des Museums. Zum Leben erwachen! Ziemlich witzig, wenn man so darüber nachdachte. Etwas gelangweilt blieb ich vor einem riesigem Kopf aus Stein stehen, welcher denen der Osterinseln sehr ähnlich sah.
„Hast du Gummgumm?“, fragte die Statue plötzlich. Ich stieß einen spitzen Schrei aus und rannte los. Die Statue hatte zu mir gesprochen. Ein Stein hatte zu mir gesprochen!
Gerade noch rechtzeitig wich ich einer wandelnden Bronzestatue aus; rannte an einem Haufen Steinzeitmenschen vorbei, welche vergeblich versuchten ein Feuer zu entzünden. Larry hatte keinen schlechten Witz gerissen, er hatte die Wahrheit gesagt. Irgendwie erwachte gerade alles zum Leben.
Keuchend blieb ich stehen, stützte ich auf meinen Oberschenkeln ab. Das konnte nicht real sein! Es war alles nur ein schlechter Traum! Es musste einer sein! Doch wirkte alles so real. Zögernd kniff ich mir in den Arm, bis ich den Schmerz nicht mehr aushielt. Es war kein Traum.

„Wieso verletzt Ihr euch selbst?“

Erschrocken drehte ich mich um. Nur zwei Meter von mir entfernt stand ein junger Mann, ungefähr so alt wie ich. Als er mein Gesicht sah entgleisten ihm jegliche Gesichtszüge. „Sarahfeya?“, flüsterte er, gerade laut genug, dass ich ihn hören konnte. „Sarahwas?“ Ich versuchte mich mit einem flüchtigen Lächeln zu retten, während ich ihn von oben bis unten musterte. Er kleidete sich wie ein Pharao, so trug er die goldene Krone des Nordens, welche für seine Regentschaft über Unterägypten stand, und ebenfalls goldene, mit edlen Steinen verzierte, Gewänder. Doch was mich am meisten fesselte waren seine Augen, welche mich groß und hypnotisierend anstarrten. Wie eingefroren stand er vor mir.

„Oh, Evie, du hast Ahk also schon kennen gelernt.“
„Was?“, fragte ich Larry, welcher grinsend auf uns zu kam.
„Evie, das ist Ahkmenrah, vierter König des vierten Königs“, stellte mein Onkel mir den Pharao vor. „Und Ahk, das ist meine Nichte Evie.“
Ahkmenrah zitterte am ganzen Leib, als er meine Hand nahm und auf diese einen Kuss hauchte. „Es ist mir eine Ehre dich kennen zu lernen, Evie.“
Ich spürte wie mir das Blut uns Gesicht schoss. Ein Kuss auf die Hand hatte ich noch nie bekommen, was vermutlich daran lag, dass ich nie wirklich Kontakt mit Jungs hatte, überhaupt mit anderen Menschen.
Und in diesem Moment sah ich sie wieder, eine Frau, welche genauso aussah wie ich. Nur irgendwie anders. Ihre Haare waren im Gegensatz zu den meinen offen und mit goldenem Schmuck verziert, welcher aus ihrer Stirn einen Schlangenkopf bildete. Sie trug ein weißes Kleid, sowie ein goldenes Netz, als eine Art Umhang, von welchem an den Schultern goldene Flügel, oder so ähnlich, abgingen, verziert mit roten Steinen.
Sie nickte mir zu und verschwand dann wieder.
Ich starrte noch ein paar Sekunden auf die Stelle, wo die Frau eben noch geschwebt hatte, ehe ich bemerkte, dass die anderen ihren Blick auch dorthin gerichtet hatten.
„Was ist da, Evie?“, fragte mich Larry.
„Nichts! Nichts. Ich werde mir das Museum dann mal weiter anschauen.“
Ich schenkte meinem Onkel und Ahkmenrah ein flüchtiges Lächeln, ehe ich mit schnellen Schritten weiter ging. „Nimm doch Ahk mit, sonst erschreckst du dich noch vor dem T-Rex!“
„Haha, sehr witzig!“, rief ich und streckte Larry spielerisch die Zunge raus.
Den Rest der Nacht verbrachte ich mit Theodore Roosevelt, Sacagawea, Jedediah und Octavius, lauschte ihren Erzählungen über die vielen Dinge, die sie erlebt haben. Ich hatte vor kurzem ein Buch über das Spurenlesen gelesen und hoffte, dass ich mit meinem dadurch resultierendem Wissen mit ihr mithalten könnte, doch hatte ich mich getäuscht. Nie hätte ich gedacht, dass jemand so viel über das Spurenlesen weiß. Die Informationen mit denen sie mich überflutete überforderten mich um Längen, doch machte es Spaß ihr zu zu hören, weshalb ich nichts sagte.
Irgendwann bewegten sich die Ausstellungsstücke auf ihre Plätze zurück, was auch die anderen als Zeichen für die verflogene Zeit sahen. Sacagawea verabschiedete sich mit einer Umarmung von mir, stieg zurück in ihre Vitrine und verharrte dann in ihrer Position. Ein Lächeln huschte über meine Lippen, ehe die ersten Sonnenstrahlen durch die Fenster in das Museum fielen.

****

Für die, die sich fragen wie genau Evie aussieht:
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