Mexican Summer

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Esteban Gutiérrez Jenson Button Nico Hülkenberg Sergio Pérez
01.10.2016
17.10.2019
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Kommentar: Hallo meine Lieben! Es hat etwas gedauert, denn entgegen meiner Erwartung bin ich gerade eigentlich nicht in Stimmung für Romantik. Ich hoffe, dass das neue Kapitel dennoch gelungen ist, oder sagen wir: Nicht so schlecht wie ich fürchte? Auf jeden Fall wünsche ich Euch dennoch viel Spaß und danke Euch für die lieben Reviews, die Favoriten-Einträge und Sternchen!





Abendsonne

Kapitel 2


Koh Samui, Thailand
4. August 2014


Falls es ein Paradies gab, konnten sie sich ziemlich sicher sein, es gefunden zu haben. Wenigstens erweckte diese Insel ganz den Eindruck. Obwohl sie das ganze Jahr an ganz verschiedenen Orten waren, konnte er sich zumindest nicht erinnern, dass es irgendwo sonst je so schön gewesen war. So schön, dass es sich nur schwer in Worte fassen ließ.
Er konnte sich nicht erinnern, schon jemals so einen Sonnenuntergang gesehen zu haben. Diese überwältigenden Farben… Er kam gar nicht dazu, seinen Koffer auszupacken, weil er einfach nur hier draußen stehen und diesen Anblick in sich aufsaugen konnte.
Dafür nahm er sich viel zu selten Zeit. Der Profisport war ein raues Business, in dem man es zwar gewohnt war, an sich selbst zu denken, allerdings nur bezüglich des eigenen Erfolgs. Entspannung und Zeit für ein bisschen Ruhe zu finden, gehörte leider nicht zu den Dingen, in denen ein Rennfahrer egoistisch war.

Und manchmal fragte er sich sogar, was es ihm gebracht hatte. Er galt immer noch als großes Talent, als jemand, der das Zeug dazu hatte, eine Weltmeisterschaft zu gewinnen, doch was nützte ihm das schon in so einem Auto? Eigentlich hatte er Esteban versprochen, dass er diese Gedanken in ihrem gemeinsamen Urlaub beiseiteschieben würde, aber nun merkte er, wie schwer das eigentlich war.
Dieser Job fraß einen im wahrsten Sinne auf und darum hatte er ja auch so sehr auf diese paar Tage der Entspannung bestanden. Sonst würde ihn der Druck noch in den Wahnsinn treiben, denn natürlich mehrten sich langsam die Stimmen, die aussprachen, was er selbst immer fürchtete. Dass er zur falschen Zeit, am falschen Ort gewesen war, so wie es Mark Webber stets erging.
Was hatte man Großes erwartet, doch immer war jemand dagewesen, der das notwendige Glück und den großen Vorteil auf seiner Seite hatte. Er wollte nicht daran denken, dass auch er irgendwann aus der Formel 1 aussteigen würde und immer ein Vettel oder Rosberg besser gewesen war, als er, aber…

Plötzlich schlangen sich zwei Arme um seine Mitte und das Kinn seines Freundes landete auf seiner Schulter. Er musste sofort lächeln und hatte vergessen, worüber er eben noch grübelte. Es war unglaublich, was für eine Wirkung Esteban auf ihn hatte. Der Mexikaner hatte ihn schon bei ihrem ersten Aufeinandertreffen neugierig gemacht. Eine Anziehungskraft, von der er nicht für möglich gehalten hätte, dass es sie gab.
„Zwei Sachen“, informierte Esteban ihn und er wartete schmunzelnd darauf, was jetzt kommen würde. „Erstens, du denkst nach und das ist im Urlaub verboten.“ Sein Schmunzeln weitete sich zu einem amüsierten Grinsen aus. Das war seine eigene Regel gewesen, wie er wusste. „Und zweitens, du bist nicht bei mir und das geht gar nicht.“
Jetzt musste er leise lachen. „Stimmt, das geht wirklich nicht. Aber jetzt bist du ja da und ich muss nicht mehr nachdenken“, gab er also zurück und drehte den Kopf zur Seite, um seinen Freund besser ansehen zu können.
Der löste sich langsam ein wenig von ihm und warf dann seinerseits einen Blick hinaus auf den Strand und das Meer, das direkt vor ihnen lag. Diese Insel war ein Paradies und sie waren vollkommen ungestört. Was hätten sie sich mehr wünschen können. Er beobachtete, dass Esteban nun selbst über irgendetwas nachdachte.

„Du hältst dich an diese Vorgabe aber auch nicht sonderlich gut“, sagte er nach einer Weile und schon wurde er wieder mit diesen großen, braunen Unschuldsaugen angesehen. Wie machte der Jüngere das nur? Und wie hatten seine Eltern jemals mit ihm schimpfen können? Eigentlich hätte er sie doch nur so ansehen müssen und jeglicher Widerstand wäre dahin gewesen. Anders konnte er es sich zumindest nicht vorstellen.
Er konnte einen leichten, roten Schimmer auf den Wangen seines Freundes erkennen, als er schließlich meinte: „Naja, so schön es hier auch ist und es ist unbeschreiblich schön… Aber ich stelle gerade fest, dass ich sowas nicht brauche.“ Kurz war er verwirrt, weil er sich nicht sicher war, wie sein Freund das meinte. „Nicht solange ich dich hab.“
Sein Grinsen kehrte augenblicklich wieder zurück, als er das vernommen hatte. „Das klingt furchtbar kitschig“, ließ er seinen Freund wissen. Aber das war nicht schlimm. Ein bisschen kitschig musste manchmal auch erlaubt sein. Er wollte es überhaupt nicht anders haben, auch wenn ihm nie klargewesen war, dass er der Typ für sowas war. Esteban hatte alles auf den Kopf gestellt in seiner Welt.

Estebans Schmunzeln konnte man nur verlegen nennen. Seine Schüchternheit hatte er nie ganz abgelegt, aber wie er wusste, mangelte es ihm dennoch nicht an Selbstbewusstsein. Der Jüngere hatte ihn mehr als einmal überrascht, besonders, wenn er ihm die Meinung gesagt hatte. Gerade am Anfang, als sie noch nicht genau wussten, was sie eigentlich wollten, als sie so viel miteinander hatten reden müssen.
„Gehst du mit mir ein Stück?“, fragte er den Mexikaner also, der ihn erst ein bisschen verwundert und dann überglücklich ansah. Wie oft hatte Esteban schon angedeutet, dass es ihm fehlte, mal einen romantischen Spaziergang machen zu können, ohne sich vor Paparazzi zu fürchten. Ohne überhaupt von jemandem gesehen zu werden.
Hier hatten sie diese Möglichkeit und er wollte sie nutzen. Er sah den Jüngeren gerne so lächeln und hatte festgestellt, dass er viele Dinge mit ihm tun konnte, für die er vorher nicht so viel übriggehabt hätte, die erst besonders wurden, als er sie mit Esteban teilen konnte. Diese Beziehung war wohl das Wertvollste, was es in seinem Leben je gegeben hatte. Er wollte es nie wieder hergeben und alles dafür tun, dass sie so glücklich blieben, wie sie es in diesem Augenblick miteinander waren.

Es war ein vollkommen neues Gefühl, nicht einfach nur den Sand unter seinen Füßen zu spüren, sondern dabei auch eine warme Hand halten zu können. Dennoch sah er sich immer wieder um, obwohl er wusste, dass sie hier komplett ungestört waren. Es war ihm eben in eins übergangenen, seit er seine Beziehungen geheim halten musste.
Er genoss die Stille, das Rauschen der Wellen und die leichte Brise. Er wusste nicht, ob der seichte Wind oder Estebans Nähe für seine leichte Gänsehaut verantwortlich war. Er spürte, wie er sich an ihn lehnte und fühlte sich in diesem Augenblick vollkommen.
Nach dem anstrengenden Flug, der langen Anreise, war das der perfekte Abschluss des Tages und so schön war er noch nirgendwo angekommen. Er blinzelte der untergehenden Sonne entgegen und war einfach nur froh und dankbar, für jeden Augenblick, den er mit Esteban zusammen haben durfte.

Gan International Airport, Malediven
4. August 2014


Er seufzte mitfühlend und sah dem armen Jungen dabei zu, wie er sich auch weiterhin die Seele aus dem Leib kotzte. Wenn er gewusst hätte, dass Checo so empfindlich war, dann hätte er doch… naja zumindest dafür gesorgt, dass der vor der Landung ein paar Scheißegal-Tabletten bekam oder sowas.
Dazu kam eben auch, dass er nicht erwartet hatte, dass der Jüngere so empfindlich sein würde. Im Gegenteil. Er machte eigentlich immer den Eindruck, relativ hart im Nehmen zu sein, aber dieser etwas gewagte Landeanflug auf die winzige Insel, bewies ihm das komplette Gegenteil. Nun hatte er ihn heute schon vor Scham rot werden sehen und vor Übelkeit grün.
Ein fieses Grinsen schlich sich auf seine Lippen, als er anmerkte: „Wenn ich dich heute noch erschrecke, sodass du ganz blass wirst, dann habe ich dir heute die mexikanische Flagge aufs Gesicht gezaubert.“ Er konnte schallend darüber lachen, Sergio… eher nicht so.

Keuchend hob er den Kopf, löste sich von dem Mülleimer, der in der Eile hatte herhalten müssen und sah ihn nicht sonderlich erfreut an. „Wie kannst du jetzt noch Witze reißen? Mir geht’s voll scheiße und du… du…“
Er winkte ab. „Lass mal, spätestens, wenn wir wieder zu Hause sind, findest du den auch ganz super“, prophezeite er Checo, doch der hatte nichts weiter, als einen wenig überzeugten Blick für ihn übrig.
„Das bezweifle ich“, quälte er sich über die Lippen und setzte sich auf eine Bank in der Nähe. „Gott, ist mir schlecht… Wieso hast du mich nicht vorgewarnt?“ Das warf der Mexikaner ihm nicht zum ersten Mal an diesem Tag vor und trotzdem zuckte er wieder nur unbedarft die Schultern.
„Wie gesagt, ich hab nicht damit gerechnet, dass dir so ein kleiner Landeanflug solche Probleme bereiten würde“, verteidigte er sich mit demselben Argument, wie vorhin, während er in seinem Rucksack kramte und Checo wenigstens eine Flasche Wasser reichte, die er vorhin am Kiosk gekauft hatte.

Der Jüngere nahm sie dankbar an und nahm erst einmal ein paar Züge. Er hatte wirklich Mitleid mit Sergio. Erst das Chaos vor dem Abflug und jetzt das. Irgendwie entwickelte sich ihr gemeinsamer Urlaub schon jetzt zu einer absoluten Vollkatastrophe und diesmal war er nicht mal schuld daran, so wie sonst eigentlich immer.
„Wie kannst du sowas annehmen? Ich hab gedacht, wir krachen ins Meer!“, platzte es aus Checo heraus, der seinen Schock scheinbar noch immer nicht so ganz überwunden hatte und einen weiteren, tiefen Zug aus der Wasserflasche nahm.
Er konnte ihn schon verstehen. Er hatte es vorher gewusst, weil er schon einmal hier gewesen war, aber der arme Sergio hatte offensichtlich noch nie eine Landung auf einem so engen Fleckchen Land hinter sich gebracht. Es hatte wirklich so ausgesehen, als würde die Maschine direkt ins Meer steuern, weil man den schmalen Landstrich aus dem Flugzeuginneren nicht hatte erkennen können. Ausreichend, um dem Mexikaner den Schrecken seines Lebens zu verpassen.

Er beobachtete Sergio einen Moment, während die Menschen an ihnen vorüberzogen und sie nicht zu kennen schienen. Wenigstens das schien aufzugehen, denn gewiss waren sie nicht die einzigen Formel-1-Piloten, die in ihrem Urlaub darauf bedacht waren, einen Platz auf dieser Welt zu finden, wo sie nicht Gefahr liefen, von einem Haufen Fans belagert zu werden.
Das fehlte ihnen jetzt auch noch, wo Checo aussah, als hätte er sich irgendeinen fiesen Virus eingefangen. Hoffentlich würde es ihm morgen wieder bessergehen. Nicht, dass sie von ihrem Urlaub am Ende gar nichts hatten. Diese Wochen waren schließlich kostbar.
Er sah den Menschen eine Weile dabei zu, wie sie an ihnen vorbeigingen, hing seinen Gedanken nach und wartete darauf, dass es dem Jüngeren wieder besserging. Ihren Bus hatten sie auch schon verpasst und er konnte nur hoffen, dass sie noch einchecken durften, wenn sie so spät ankamen.


Am Ende waren sie noch knapp zwei Stunden unterwegs gewesen und er hatte sich bei der Rezeptionistin ein bisschen ins Zeug legen müssen, damit sie ihnen den Schlüssel noch aushändigte, obwohl sie gerade gehen wollte.
Aber die Hauptsache war, dass sie es geschafft hatten. Todmüde, vollkommen erschöpft, aber wenigstens gemeinsam. Das war das wichtigste.
„Sieh es mal so…“, setzte er irgendwann an, als sie ausgestreckt jeweils auf einer Seite des Bettes lagen und erschlagen an die Decke starrten.
Sergio drehte den Kopf in seine Richtung und schien zu erkennen, was er sagen wollte. „Oh nein! Sag bitte nicht, dass es nicht mehr schlimmer, sondern nur noch besser werden kann!“
Er runzelte die Stirn. „Ach? Und warum nicht?“ Eigentlich liebte Checo seinen grenzenlosen Optimismus oder hatte ihm die Anreise doch derart die Laune verhagelt?
„Na, weil… Immer wenn das jemand sagt, dann wird es eben doch schlimmer, also sag das bloß nicht!“, entgegnete der Mexikaner und brachte ihn einmal mehr dazu, über ihn zu grinsen.
Irgendwie… war das typisch Checo…
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