Mexican Summer

KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Esteban Gutiérrez Jenson Button Nico Hülkenberg Sergio Pérez
01.10.2016
11.10.2018
6
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Kommentar: Hallo meine Lieben! Ich weiß, im Profil war diese Geschichte schon etwas länger angekündigt, auch schon für die Sommerpause. Das hat leider nicht so ganz geklappt, aber ich hoffe, dass Ihr Euch dennoch freut und Euch die Geschichte vielleicht ein bisschen Freude macht. Viel Spaß! :)

Disclaimer: Der Inhalt der Geschichte basiert nicht auf Tatsachen, sondern lediglich auf meiner Fantasie. Alle Ereignisse entspringen bloß meiner eigenen Phantasie. Ich kenne keine der hier genannten Personen, ich verdiene kein Geld damit und möchte auch niemandem zu nahetreten.





Zweisamkeit

Kapitel 1


Aéroport de Paris-Le Bourget
4. August 2014


Er konnte sich nicht erinnern, wann er vor dem Abflug das letzte Mal so aufgeregt gewesen war. Fliegen war für ihn schließlich Routine. Er zählte überhaupt nicht mehr, wie viel Zeit er im Jahr auf dem Flughafen verbrachte. Aber diesmal war es anders. Diesmal war es besonders. Weil er mit ihm zusammen fliegen würde.
Und zwar nur sie beide. Kein Team, keine Physiotherapeuten. Schon seit Nico ihm die Buchungsbestätigung unter die Nase gehalten hatte, befiel ihn immer wieder dieses vorfreudige Kribbeln, wenn er daran dachte.

Vor einer halben Stunde hatten sie das Gepäck aufgegeben und warteten nun nur noch darauf, dass sie endlich zum Boarding konnten. Die Menge an Kaffee, die er dabei vernichtete, schien bedenkliche Züge anzunehmen, so wie Nico ihn jetzt ansah.
„Was ist?“
Nico schüttelte nur grinsend den Kopf.
„Nichts. Gar nichts“, gab der Deutsche sich unschuldig, grinste aber weiter.
Er wünschte, Nico würde die Sonnenbrille endlich abnehmen. Hier drin brauchte er sie doch nicht und außerdem würde er ihm jetzt viel lieber in die Augen sehen können.
„Wenn es nichts wäre, würdest du nicht so gucken“, warf er ein.
Nico runzelte zwar die Stirn, lachte aber amüsiert auf. „Wie guck ich denn?“
Er überlegte. Er wusste nicht, wie er ihn beschreiben sollte. Das war ihm immer schwergefallen, schon als er nur heimlich für seinen Teamkollegen geschwärmt hatte. Damals, als er sich nicht hatte vorstellen können, dass aus ihnen je mehr werden könnte.

„Ich weiß nicht, so typisch du halt“, gab er also mit einem Schulterzucken zurück und begann in seinem Kaffee zu rühren, obwohl der Zucker sich bereits bestens verteilt haben dürfte.
Er hörte Nico erneut lachen. „Interessant. Was ist denn typisch ich?“, hakte der Deutsche nach, dem dieses Spiel anscheinend wieder einmal ziemlich gut gefiel. Dabei war das eigentlich gar kein schlechtes Stichwort.
„Das wäre eine ziemlich lange Liste, die ich dir da aufzählen könnte“, entgegnete er, doch davon ließ sein Freund sich nicht abschrecken.
Nico warf einen Blick auf seine Uhr und strahlte dann umso mehr. „Wir haben noch fünfunddreißig Minuten, also raus damit.“

Er legte nachdenklich den Zeigefinger ans Kinn, gab vor, nach den richtigen Worten zu suchen, dabei wollte er viel mehr seine Nervosität überspielen. Er war immer schrecklich nervös, wenn Nico in der Nähe war.
„Typisch du ist…“, begann er schließlich und musste sich schmunzelnd noch einmal unterbrechen, als Nico sofort interessiert näher an den Tisch rückte, um ihn durch die dunklen Gläser seiner Brille anzustarren. „Sowas zum Beispiel. Du bringst mich dauernd aus dem Konzept.“
„Das ist richtig“, bestätigte Nico begeistert. „Was noch?“
Er konnte nicht anders, als über seinen Freund den Kopf zu schütteln.
„Typisch du ist…“, überlegte er, was er ursprünglich sagen wollte. „Dass du niemals schlechte Laune hast.“
Nico wiegte den Kopf unschlüssig hin und her und meinte dann: „Stimmt so halb. Ich hab keine schlechte Laune, wenn du da bist, also kannst du das von mir gar nicht kennen.“
„Und das ist auch typisch. Du hast allem was ich sage noch was hinzuzufügen. Du überhörst nie was.“ Was ihn gewissermaßen sogar beeindruckte. Niemand hatte ihm je zuvor so gut zuhören können, wie Nico das tat.

Wenn er ganz ehrlich war, dann war Nico der erste Mensch in seinem Leben, bei dem er das Gefühl hatte, so etwas wie eine bedingungslose Liebe gefunden zu haben. Nico hatte ihm nie den Eindruck vermittelt, als müsste er irgendetwas tun, um sich seiner Liebe sicher sein zu dürfen.
Gewiss suchte doch jeder danach und er war froh, es bei ihm gefunden zu haben. Das machte ihn reicher, als sein Sport es jemals könnte.
„Du…“, setzte er dann an, um seine Erklärung noch auszuführen. „Naja, du hörst mir immer zu, selbst wenn ich etwas Belangloses sage.“
Nicos breites Grinsen wich einem ehrlichen und fast schon verträumten Lächeln, als er meinte: „Du sagst doch nie was Belangloses und selbst wenn… bei deinem Akzent muss man einfach hinhören.“

Diesmal wurde er bestimmt knallrot. Auch das passierte ihm nur in Nicos Gegenwart so extrem. Es mangelte ihm schließlich nicht an Selbstvertrauen, denn das wäre in seinem Job ziemlich hinderlich. Aber Nico schaffte es ständig, ihn irgendwie in Verlegenheit zu bringen.
„Das sagst du nur, weil du gerade schon wieder wie ein liebeskranker Spinner aussiehst“, gab er zurück, als Nico ihn nun wieder so sehr angrinste, dass man meinen mochte, seine Mundwinkel müssten übermenschliche Elastizität besitzen.
Mit dieser Aussage brachte er seinen Freund einmal mehr zum Lachen. „Okay, das könnte aber schwer daran liegen, dass ich einer bin.“
Er musste selbst lachen, überlegte einen Moment und was er Nico jetzt sagen wollte, kam absolut von Herzen.
„Und das ist am aller typischsten für dich. Dass du einen mit deinem Lachen ansteckst. Bei dir sind immer alle Sorgen vergessen.“ Das war nicht übertrieben. In Nicos Gegenwart musste er über Probleme und Ängste niemals nachdenken.

Auf Nicos Lippen breitete sich wieder dieses Lächeln aus, in das er sich verliebt hatte und von dem er nicht genug bekommen konnte. Früher wäre er sich dumm bei diesen Worten vorgekommen, aber nicht diesmal. Nicht bei ihm.
„Tja, diesmal hast du mich sprachlos gemacht“, gab Nico nach einer Weile zu und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Das sah ihm gar nicht ähnlich. Normalerweise ließ er sich nicht derart aus der Fassung bringen, aber es freute ihn, so etwas geschafft zu haben.
„Das wurde ja auch mal Zeit“, entgegnete er ihm noch, ehe er endlich dazu überging, seinen inzwischen gut abgekühlten Kaffee zu trinken, denn anderenfalls würde er wohl gar nicht mehr dazu kommen.
Seinen sprachlosen Freund konnte er dabei noch eine Weile sehr zufrieden genießen, denn das kam selten genug vor.

Er ließ seine Gedanken schweifen. An den Ort, an dem sie die nächsten zwei Wochen sein würden. Ganz für sich und ohne ihren stressigen Alltag. Er konnte es kaum erwarten.
Seit Nico wieder für Force India fuhr, bekam er ihn so selten zu Gesicht, obwohl sie ja immer noch am selben Ort waren, wenn sie von Rennen zu Rennen flogen. Er hatte gewusst, dass es anders werden würde, aber er hatte sich eingebildet, dass es nicht so schlimm werden würde.
Jetzt musste er sich eingestehen, dass er Nico doch ziemlich vermisste. Mehr als vorher. Obwohl es natürlich auch Vorteile hatte, dass sie an den Wochenenden nicht mehr so aufeinander hocken konnten.
Sergio hatte ihn inzwischen einige Male gewarnt, dass es langsam auffällig wurde, dass er an der Strecke zu viel mit Nico gesehen wurde. Zwar hatte er ihm auch immer versichert, dass sich noch niemand über sie das Maul zerriss – und da konnte er Checo wirklich vertrauen – aber dennoch sei es ungewöhnlich, Teamkollegen derart häufig miteinander zu sehen.

Das passierte ihnen nun nicht mehr. Trotzdem wünschte er sich diese alte Nähe zurück. Nico hatte ihm geholfen, mutiger zu werden und noch so vieles mehr.
Er fragte sich, ob Nico diese Sehnsucht aufgefallen war und ob er deswegen auf diesen gemeinsamen Urlaub bestanden hatte, denn das war zuvor nie ein Thema für sie gewesen. Eigentlich war es klar, dass sie die Sommerpause dafür nutzen würden, ihre Familien zu sehen, die sie das ganze Jahr über vernachlässigen mussten.
Doch dann hatte Nico plötzlich gemeint, dass sie zusammen irgendwo hinfliegen sollten, dass ihre Familien warten mussten, weil es wichtiger war, dass sie ein wenig Ruhe zu zweit fanden. Ihm hatte dieser Gedanke von Anfang an gefallen, auch wenn es schwer gewesen war, es seiner Familie zu erklären.
Für Nico würde er allerdings so einiges tun und so hatte er seinen Brüdern, seiner Schwester und seinen Eltern abgesagt und ihnen versichert, dass er dafür im Winter wieder nach Mexiko kommen würde.

„Weißt du… ich hab’s dir nicht gesagt, bis jetzt“, begann Nico nun reichlich verlegen, was irgendwie so gar nicht zu ihm passen wollte. Er sah fast verunsichert aus, wie er da so vor ihm saß und sich unbehaglich den Nacken rieb.
Er blickte seinen Freund interessiert an, wartete darauf, dass er fortfuhr.
„Checo hat mir erstmal klargemacht, was deine Familie dir eigentlich bedeutet, also… Naja, ich denke zwar nicht, dass meine mir egal ist, aber trotzdem glaube ich, dass es da einen Unterschied gibt also…“ Nico machte eine längere Pause, bevor er ihn dann etwas hilflos ansah und dabei mit den Schultern zuckte. „Na, eigentlich will ich auch nur sagen, dass es mir viel bedeutet, dass du mir den Vorzug gegeben hast und diesem gemeinsamen Urlaub zugestimmt hast.“

Jetzt konnte er nicht mehr anders, als Nico anzustrahlen. Vermutlich würde er sich dafür wieder einmal auch bei seinem besten Freund bedanken müssen.
Er hatte Sergio so oft gesagt, dass er sich nicht in sein Liebesleben einmischen sollte und immer, wenn er ihn dabei erwischte, dann behauptete der Mexikaner, dass es vollkommen anders gewesen sei und er gar nichts dafürkonnte.
Aber wie dem auch sei, es hatte sich bisher immer als sehr hilfreich herausgestellt und das war es doch, was eigentlich zählte. Dass er einen so guten Freund hatte, der einfach alles tun würde, um ihm zu helfen.
Was der wohl gerade so machte…?



Aéroport Nice Côte d‘Azur
4. August 2014


„D-das darf doch jetzt nicht wahr sein!“
Geschockt starrte er auf sein treues Gepäckstück. Es hatte ihn nie im Stich gelassen. Seit das Reisen ein Teil seines Lebens geworden war, flog er damit um die ganze Welt und nun…
Ein fieses Loch und so wie die Koffer geworfen wurden, musste man leider befürchten, dass es ganz aufreißen und der Inhalt sich über das gesamte Gepäckband verteilen könnte.
Er warf einen hektischen Blick auf die Uhr. Er würde es nicht mehr schaffen, sich einen neuen zu besorgen.

„Hast du nicht so ein Kofferband?“, riss Jenson ihn aus seinen panischen Gedanken und ließ ihn noch blasser werden.
Er hatte Estebans Stimme noch genau im Ohr, die ihn daran erinnert hatte, sich vor dem Urlaub noch eins zuzulegen. Das durfte sein guter Freund auf gar keinen Fall erfahren, sonst wäre er geliefert und würde ständig damit aufgezogen werden.
„Sehe ich so aus?“, gab er also bloß zurück und war der Panik nahe.
Er wusste auch nicht, wo Jenson jetzt diese verdammte Ruhe hernahm, mit der er selbst so gar nichts anfangen konnte. Was sollte das?!

„Naja, nicht, dass ich einem am Gesicht ablesen könnte, ob er praktisch denkt oder nicht, aber, wenn du mich so fragst…“, setzte der Brite an und ließ ihn genervt aufstöhnen.
„Das tut doch jetzt überhaupt nichts zur Sache!“, rief er aus und sah Jenson voller Verzweiflung an. „Ich bin total geliefert, es wird eine Katastrophe geben und… und…“ Seine Stimme überschlug sich beinahe.
Und Jenson? Der lächelte ihn voll innerer Ruhe und Zufriedenheit an, als sei die Welt vollkommen in Ordnung. Wie brachte er das nur fertig?
„Hey, immerhin bist du mit mir unterwegs. Und mir fällt immer etwas ein, klar?“, erinnerte Jenson ihn, doch für derartige Sprüche war er gerade nicht in Stimmung.
„Na dann unternimm doch endlich was, du Genie!“, rief er ungeduldig aus und deutete auf sein Koffer-Desaster.

Jenson hob bloß die Schultern. „Eine meiner leichtesten Übungen“, gab er noch von sich und öffnete seine Gürtelschnalle.
Seine Augen weiteten sich, denn er konnte sich beim besten Willen nicht erklären, was ihm das bringen sollte und da er den schrägen Humor der Briten inzwischen kennengelernt hatte, wollte er lieber gar nicht wissen, wie es weiterging.
Dass sie dabei die ganze Zeit immer noch von der Frau beobachtet wurden, welche für den Ablauf des Gepäckaufgebens zuständig war, gefiel ihm noch weniger und die hob bereits verdächtig die Augenbraue.
Also begann er lieber wild mit den Armen rudernd, den guten Jenson von seinem Vorhaben abzuhalten.

„Hast du sie noch alle?! Lass gefälligst deine Sachen an! Wieso denken Briten eigentlich, dass sie alle Probleme lösen können, indem sie sich ausziehen?!“
Jenson blinzelte ihn verwirrt an, hatte den Gürtel inzwischen in der Hand und schüttelte dann verständnislos den Kopf.
„Also wirklich, was du immer gleich so denkst“, murmelte der Ältere undeutlich, ehe er damit begann, den Gürtel fest um den Koffer zu ziehen, damit alles an seinem Platz bleiben konnte.
Nun war er es, der den Briten verwirrt anblickte.

„Ähm…“, kam es ihm lediglich noch über die Lippen.
Jenson legte ihm eine Hand auf die Schulter und grinste breit.
„Gern geschehen…“
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