Splitterglas

GedichtRomanze, Schmerz/Trost / P12
30.09.2016
30.09.2016
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Die Gegenseite zu meinem letztens ausgegrabenen Gedicht Glasblind.

Und weil mich der Gedanke von Splitterglasaugen nicht loslässt.


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Splitterglas

Du denkst, ich sehe dich nicht.
Du irrst dich.
Ich sehe dich.
Es gibt Dinge, Menschen, Wesen,
Die kann man nur sehen, wenn man an sie glaubt
Und ich glaube an dich.
Ich sehe dich.

Du denkst, ich höre dich nicht.
Du irrst dich.
Ich höre dich.
Auch wenn du nicht mit mir redest –
Dein Schweigen spricht Bände
So wie dein Seufzen
Und ich höre dich.

Du glaubst, ich bemerke dich nicht.
Du irrst dich.
Ich bemerke dich.
Ich sehe dich.
Ich höre dich.
Ich warte auf dich, jeden Tag.


Wenn ich mit meinen Freunden spreche
Und du neben mir stehst,
Gehörst du dazu.
Auch wenn du nicht antworten kannst.

Wenn ich alleine bin
Und du dich neben mich setzt,
Ist Einsamkeit nur noch Illusion.
Auch wenn du sie immer noch verspürst.

Denn ich bemerke dich.
Ich sehe dich.
Ich höre dich.
Ich warte auf dich.

Wenn ich mit meinen Freunden scherze
Und deine Augen so funkeln,
Stell ich mir vor, dass du mit uns lachst.
Weil du immer so traurig aussiehst.

Wenn ich alleine bin
Und mein Blick ins Leere schweift,
Denk ich an dich, an uns, an dich und mich.
Weil du das auch immer tust.

Und ich bemerke dich.
Ich sehe dich.
Ich höre dich.
Ich warte auf dich.


Ich will diese Mauer zwischen uns niederreißen,
Diese Wand aus Glas,
Ich will auf sie einschlagen,
Wieder und wieder,
Bis nur noch Splitter übrig sind,
Die um uns herum zu Boden fallen.

Dann könnte ich endlich zu dir gehen,
Begleitet vom knisternden, knirschenden, brechenden Glas.
Könnte dich endlich in meine Arme nehmen
Und deine Splitterglasaugen heilen.

Unsere Blicke würden sich treffen
Und dann unsere Lippen.
Wir würden uns küssen in diesem Meer von Scherben
Und sie würden uns Glück bringen.

Ich will diese Wand in Splitterglasscherben sehen.


Doch bis dahin
Beobachtest du mich.
Begleitest du mich.
Glaubst du, ich bemerke dich nicht.
Du irrst dich.
Ich bemerke dich.
Ich sehe dich.
Ich höre dich.
Ich warte auf dich.
Jeden Tag.



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Beitrag zu meinem eigenen Projekt Für mehr Poesie.
Monatliche Vorgaben. Für diesen September wie in der Kurzbeschreibung erwähnt die Schlagwörter feuerrot, knistern, fallen. Zwei mussten mindestens verwendet werden, ich hab offensichtlich auf feuerrot verzichtet.
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