Die Katerchroniken

von Cuivienen
GeschichteHumor, Familie / P6
Marc-Uwe Kling
30.09.2016
07.05.2018
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Die Katerchroniken
Miau
>Miau! Miau!<
Ich blicke auf. Ein Kater steht auf der Schwelle.
Er ist schwarz.
Ich blinzle.
>Miau!<
Der Kater läuft in meine Wohnung. Er gehört mir nicht.
Er springt auf den Tisch und frisst aus meinem Teller.
Es ist mein Mittagessen. Ich lege die Gabel nieder.
>Hm! Ist da Thunfisch drin?<
Ich blicke irritiert, denn nicht ich hab gesprochen.
Der Kater räkelt sich. >Wow! Weiches Holz!<
Er kratzt zufrieden über den Tisch. Tiefe Kerben bleiben zurück.
>Mein, mein schöner Tisch...<, stammle ich.
Der Kater legt sich auf die Kerben. >So sieht es niemand!<
>Du, du kannst sprechen...<, sage ich immer noch irritiert.
Der steckt seinen Kopf in meine Tasse und gleich wieder raus. >Eigentlich habe ich gerade keinen Durst!<
>Warum hast du dann deinen Kopf in meine Tasse gesteckt?<, frage ich und fische ein Haarbüschel aus meinem Tee. Es ist verdächtig schwarz.
>Ich weiß nicht!<, sagt der Kater. >Ich habe nichts zu tun!<
Der Kater wedelt mit dem Schwanz und kratzt erneut über den Tisch.
>Jetzt kannst du es nicht mehr mit deinem Körper verdecken!<
>Und?<
Frühstück
Ich stehe auf und schaue mich in der Wohnung um.
>Ein Traum!<, seufze ich. >Es war ein Traum!<
>Morgen!<, hallt es schrill in meinen Ohren.
Der Kater schlittert über den Boden. Er zieht eine Computermaus hinter sich her. Der Laptop folgt nach.
>Das ist schlecht für die Festplatte.<, ist alles was mir dazu einfällt.
>Ich hab halt Hunger!<, sagt der Kater und springt mit der Maus auf mein Bett. Der Laptop knallt gegen den Bettrand.
>Der USB-Anschluss war wohl anhänglich!<, denke ich.
Der Kater stellt sich auf meinen Hals und fängt an zu kneten.
>Ich... keine Luft...<
Mit tiefer Stimme spricht der Kater zu mir. >Hab halt Hunger. Muss mich einschmeicheln!<
Als ich aufstehe springt der Kater von mir und tänzelt zum Kühlschrank. >Frisches Fleisch!<
>Ich weiß nicht ob ich noch was da hab...<
>Dann müssen WIR wohl zum Metzger!<, sagt der Kater. Hoffnung liegt in seiner Stimme.
>WIR?<, frage ich und stelle mir den Kater in einer Metzgerei vor.
Der Kater steht schon an der Tür.
>Gehörst du eigentlich jemandem?<
Der Kater hüstelt empört. >GEHÖRE?<
>War nur 'ne Frage...<
>Ein Kater gehört nicht, er nimmt!<
Ich verstehe. Glaube ich zumindest.
Als wir von der Metzgerei zurück sind hängt eine lange Rechnung aus meiner Tasche. Der Kater ist satt.
Er tappt schwerfällig zum Tisch und kann nicht hochspringen.
Ich hebe ihn hoch. Er ist schwer, vollgefressen wie er ist.
>So!<, sagt er. >Jetzt habe ich gefrüstückt!<
>Gefrühstückt?<, sage ich schockiert. >Das war Frühstück, Mittagessen und Abendessen zugleich!<
>Na, ich weiß nicht...<, sagt der Kater und schaut sich um.