Zerbrochen

OneshotAngst, Horror / P18
OC (Own Character) Winter Soldier / James Buchanan "Bucky" Barnes
29.09.2016
29.09.2016
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Zerbrochen


„I'm haunted by my wildest dreams / I'm haunted by what's living inside me / I've witnessed the thing living in my dream / It's fighting and clawing it's way out of me...“
- aus 'Nightmares', Chelsea Grin

Das Gras unter seinen Füßen knirscht unheimlich laut, fast so als würde es schreien. Die kalte Luft weht durch sein Haar und er atmet schwer, denn er trägt eine Maske, die sein halbes Gesicht bedeckt.
Er läuft weiter, doch weiß er gar nicht, wo er ist. Die Dunkelheit klemmt ihn ein und presst sich auf auf seinen Brustkorb. Orientierungslos bewegt er sich durch einen Garten und stoppt vor einer Glastür. Jemand tritt ihm von hinten in den Rücken und er fällt hindurch.
Er landet unsanft auf den Knien und kann noch im letzten Moment seinen Sturz abfangen. Scherben bohren sich durch seine dünnen Handschuhe in seine Handflächen und zerstechen sein Fleisch.
Ächzend dreht er sich um und landet auf dem Rücken, weil ihn ein Stiefel auf dem Oberkörper nach unten drückt. Dann sieht er nach oben und erkennt einen Mann aus dessen Augen, Nase und Ohren Blut in Strömen hervor läuft.
Es ist sein eigenes Gesicht, in das er blickt. Die Haut der Stirn und am Kinn ist verbrannt, sie stinkt nach Kohle und Rauch. Seine Augen sind tiefschwarz und sie zeigen den Hass, der im Winter Soldier wohnt und alles zerfrisst.
Der Soldat über ihm fletscht die Zähne und entblößt verkrustete Reißzähne, zwischen denen sich Fleisch und Knorpel ansammelt. Er will nicht von ihm niedergedrückt werden, deshalb beginnt er zu zappeln.
Doch statt nachzugeben, zieht der Soldat seine Waffe und zielt auf ihn. Der Schuss durchschlägt seine Bauchdecke und zerfetzt Organe in ihm. Er spuckt Blut und verliert das Bewusstsein...

Schmerzhaft füllen sich seine Lungen mit Luft. Er reißt die Augen auf und drückt sich automatisch die Hand auf den Bauch. Die Wunde ist verschwunden. Warum? Er war doch gestorben?
Etwas unbeweglich setzt er sich auf und stützt sich an einem Stuhl ab, der neben ihm steht. Er befindet sich immer noch in dem Haus, das er durch die Glastür betreten hatte. Nur mühsam kommt er auf die Beine und er sieht sich um.
Das Haus ist menschenleer. Zumindest hört er nichts.
Er sieht an sich herunter und entdeckt Waffen, die er mit sich trägt. Die Uniform engt ihn ein, er bekommt kaum noch Luft, doch er versucht nicht zu schwächeln, schließlich weiß er nicht, was ihn hier erwartet.
Was soll er hier?
Vorsichtig zieht er eine Handfeuerwaffe – eine 44er Magnum mit Schalldämpfer – aus einer Befestigung an seinem Gürtel und macht die ersten Schritte über die weißen Fliesen, auf denen keine Scherbe mehr zu sehen ist.
Er läuft durch einen Salon, der mit protzigen Statuen und sonstigem Kitsch vollgestopft ist. Irgendwann kommt er in einen Flur, in dem eine riesige Treppe nach oben führt. Sie ist mit dickem Teppich ausgelegt und er macht einen ersten Schritt auf eine der Stufen.
Seine Schritte werden gedämpft, so dick ist der Teppich. Er ist unsichtbar...
Im oberen Stockwerk kommt er in einen weiteren Flur, der mit mehreren Türen versehen ist. Da steht der Soldat. Er lockt ihn zu sich und er geht widerwillig auf ihn zu.
„Komm zu mir“, haucht eine Stimme, doch gehört sie nicht dem Soldaten, der steht zu weit weg. Wieder fletscht das Ungeheuer die Zähne und er bleibt vor ihm stehen. Unsanft packt er ihn mit seinen Klauen am Oberarm und zerrt ihn in eines der Zimmer.
Die Dunkelheit gibt nicht viel von der Umgebung preis, doch kann er erkennen, dass sie sich in einem Schlafzimmer befinden. In dem Bett liegen zwei Menschen. Sein Herzschlag beschleunigt sich, denn er ahnt, was er als nächstes tun soll.
Der Soldat streckt ihm eine Waffe entgegen.
Er schüttelt energisch den Kopf, denn er will diese Menschen nicht töten. Er will es einfach nicht. Doch der Soldat zwingt ihn. Er drückt ihm die Waffe in die Hand und zwängt seinen Zeigefinger an den Abzug.
„Drück ab“, flüstert wieder diese Stimme und er erhebt die Hand zitternd. Alles in ihm sträubt sich dagegen einen Menschen feige im Schlaf zu ermorden. Aber der Soldat zerrt seinen Arm nach oben und richtet seine Hand aus.
Sein Herz galoppiert und seine Hand zittert unkontrolliert auf und ab. Das Gesicht des Soldaten nähert sich seinem und er knurrt ihm ins Ohr. „Drück ab“, zischt er und packt seine Hand. Sein Finger wird gezogen und die Kugel rast auf den schlafenden Hausherrn zu.
Sie durchschlägt seinen Schädel und der Hinterkopf platzt sofort auf. Die Gehirnmasse verteilt sich überall auf dem Kissen und besudelt die schlafende Frau daneben. Der metallische Geruch von Blut erfüllt den Raum.
Reglos bleibt er stehen und starrt die Leiche an. Der Soldat nimmt ihm die Waffe ab. Der Auftrag ist erledigt. Oder?
Ein Knurren entringt sich der Kehle des Soldaten und er tritt auf das Bett zu. Er richtet die Waffe erneut aus und schießt – die Frau stirbt. Ihr Schädel verliert seine ursprüngliche Form und auch ihr Blut tränkt das Bettlaken.
„Nein!“ ruft er und der Soldat dreht sich zu ihm um.
Er zieht ein Messer und rennt auf ihn zu. Die Klinge durchbohrt seinen Brustkorb und sticht ihm direkt ins Herz. Sein Körper bäumt sich auf und er sackt zusammen. Reglos bleibt er am Boden liegen, während die hässliche Fratze vor ihm kniet und ihm grinsend beim Sterben zusieht...

Seine Nase zwickt unangenehm und er reißt die Augen auf. Der Blutgeruch wabert immer noch durch den Raum und er hebt den Kopf an. Hektisch steht er auf und sieht zu den beiden Menschen im Bett.
Sie sind tot, er aber lebt wieder.
Dann verlässt er den Raum im Laufschritt, denn er muss den Soldaten finden, der wahrscheinlich immer noch durch das Haus wütet. Er lässt das Schlafzimmer hinter sich und rennt auf den Flur, wo er den Soldaten sehen kann, wie er zwischen fünf Leichen steht und einen Mann an der Kehle gepackt hat.
Der Mann strampelt mit den Beinen, er scheint zu ersticken.
„Hör auf!“ brüllt er und läuft auf die beiden zu, um den Soldaten davon abzuhalten den Mann ersticken zu lassen. Er stößt das Ungeheuer weg, doch lässt er nicht von der Kehle des Mannes ab. Er fällt nicht einmal oder verliert das Gleichgewicht.
Stattdessen holt er aus und trifft seinen Widersacher am Kopf, der nun nach hinten strauchelt und gegen ein Regal kracht.
Das Holz knallt gegen seinen Rücken und der Schmerz zieht ruckartig durch seinen Körper. Er kann sich kurz nicht bewegen und rollt seine Augen hin und her, um die Orientierung wieder zu gewinnen.
Der Soldat hat sich derweil zu ihm gedreht und trägt den vor Angst stöhnenden Mann vor sich, sodass er am Boden in ihre beiden Gesichter blicken kann. Ein schleifendes Geräusch lenkt seine Aufmerksamkeit auf sich und er kann sehen, wie der Soldat ein Messer zieht und zur Kehle des Mannes führt, welcher nicht erkennen kann, was hinter ihm vor sich geht.
Die Munition ist wohl aufgebraucht, die anderen Leichen zeigen alle zwei Schusswunden – in der Brust und im Kopf. Dieser hier würde anders sterben müssen.
Die Klinge blitzt auf und der Soldat führt sie quälend langsam zum Hals des zappelnden Opfers. Die scharfe Seite berührt die Haut und schneidet sie augenblicklich auf. Blut quillt hervor und ein gurgelndes Geräusch dringt aus dem Mund des Sterbenden.
Der Soldat führt die Klinge weiter und öffnet den Kehlkopf, der ein zischendes Geräusch ausstößt und geöffnet zurückbleibt. Angewidert dreht er erst den Kopf weg, doch zwingt ihn etwas dazu, weiter hinzusehen.
Ungerührt lässt das Biest die Leiche fallen, seine Hände sind blutüberströmt, doch stört er sich nicht im Geringsten daran.
Er bleibt einfach reglos sitzen und starrt die frische Leiche an, deren Blick sich direkt auf ihn richtet.
Der Soldat wischt das Blut der Klinge an seiner Hose ab und läuft auf ihn zu.
„Jetzt du“, krächzt das Monster und führt die Klinge dieses Mal an seine Kehle. Er schließt die Augen und spürt noch, wie seine Haut aufgeschnitten wird...

Der Flur liegt still vor ihm. Er kann sich daran erinnern, seinen eigenen Kehlkopf aufplatzen zu hören, doch lebt er immer noch. Der Winter Soldier hat ihn ein drittes Mal getötet – und er würde es wieder und wieder tun, bis er wirklich stirbt.
Er steht auf und folgt der Blutspur, die sich durch den Flur bis zu einer weiteren Treppe zieht. Auf dem ersten Treppenabsatz liegt eine weitere Leiche. Schnell wendet er den Blick ab und läuft die Treppe nach oben in den zweiten Stock.
Eine der Türen steht offen und er sieht Schatten darin, die sich bewegen. Hier muss es sein, das Biest, das ihn heimsucht.
Aufgeregt nähert er sich der Tür und bleibt einen Moment im Rahmen stehen. Der Soldat lehnt lässig an der Wand und sieht ihn an, so als hätte er ihn schon länger erwartet. Ungeduldig hat das Monster die Arme vor der Brust verschränkt.
Er selbst atmet immer schneller und reißt sich die Maske endlich vom Gesicht, denn sie raubt ihm den Verstand. Dann drückt sich der Soldat von der Wand ab und zieht eine neue Waffe. Wo er sie her hat, weiß er nicht, denn eigentlich war die Munition schon aufgebraucht.
Wieder wird er angelockt und wieder kann er nicht widerstehen. Schleichend nähert er sich der schwarzen Gestalt und sieht an ihr vorbei. Sofort wird ihm schlecht und er weitet die Augen. Das konnte er doch nicht verlangen?
„Tu es, Soldat“, fordert er neutral und hält ihm die Waffe entgegen.
Er schüttelt energisch den Kopf und tritt ein paar Schritte zurück, denn er will eigentlich nichts anderes als hier verschwinden. Er hat Angst vor dem Ungeheuer und vor dem, was es nun von ihm verlangt.
Soldat, das ist ein Befehl“, insistiert die kratzige Stimme und ein eiskalter Schauer macht sich auf seinem Rücken breit. Das darf er nicht verlangen, nein.
„Nein, ich mache das nicht“, ruft er und bewegt sich immer weiter rückwärts durch den Raum zurück zur Tür. „Ich mache das nicht!“ wiederholt er und will sich gänzlich aus dem Zimmer zurückziehen, doch als er sich umdreht, um auf den Flur zu laufen, steht der Soldat direkt vor ihm.
Sein Gesicht ist verzerrt vor Wut und er streckt eine Hand nach ihm aus.
Er bekommt ihn am Hals zu packen und schiebt ihn mit geballter Kraft zurück in das Zimmer. Verängstigt beginnt er gegen den Griff anzukämpfen, doch hat er keine Chance. Langsam sieht er Sterne vor den Augen und seine Gegenwehr lässt nach.
Sein Blickfeld schrumpft und die Welt wird grau. Dann lässt ihn der Winter Soldier unvermittelt fallen und er schnappt nach Luft wie ein Ertrinkender. Eine Hand drückt er sich aus Reflex auf den malträtierten Hals und reibt sich über die gereizte Haut.
„Warum wehrst du dich dagegen, Soldat?“
Bei dem letzten Wort zuckt er zusammen. Das Ungeheuer läuft vor ihm auf und ab und tritt ihm in den Bauch. Wenn er zur Seite kippt, dann tritt er ihm ins Gesicht, wenn er sich aufrichtet, tritt er ihn zu Boden.
„Soldat“, wiederholt das Monster und grinst ihn unverschämt an.
„Soldat, Soldat, Soldat“, kreischt es und kriecht vor ihm auf und ab, sodass es mehr einem katzenhaften Raubtier ähnelt als einem Menschen. „Du gehörst mir, denn du bist ich“, faucht das Raubtier und hockt nun direkt vor ihm.
Ihre Blicke treffen sich und das Monster holt tief Luft. Der Atem stinkt nach Verwesung und es reißt den Schlund weit auf. Ein unmenschlicher Laut erfüllt die Luft und er macht sich kleiner vor lauter Angst.
SOLDAT“, kann er noch verstehen, dann stürzt das Zimmer zusammen und das Haus verschwindet im Abgrund, der in der Mitte des Bodens aufreißt...

Soldat
Der Traum klemmte ihn ein, als wäre er in einer Schraubzwinge gefangen, die immer enger zugezogen wurde. Sein Brustkorb schmerzte und er konnte sich nur langsam, sehr langsam, aus der imaginierten Wirklichkeit befreien...

Anmerkung: Das war es auch schon – das Alptraum-Special zum Kapitel tempestad. Was der Winter Soldier von Bucky in dem letzten Raum verlangt hat, wird allerdings erst in Zukunft aufgelöst, denn ich wollte ungern meine eigene Fortsetzung spoilern ;D Am Montag geht es allerdings schon weiter und ich hoffe, dass euch diese kleine doch eher spontane Idee hier auch gefallen hat, auch wenn sie etwas harscher als meine anderen Geschichten hier im Fandom war. Eure Meinung würde mich natürlich auch interessieren!
LG, Erzaehlerstimme

P.S.: Ich kann nicht anders und muss hier einfach ein bisschen Werbung für den OS Babaj machen – schaut da vielleicht mal vorbei, es lohnt sich wirklich!
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