In Der Nacht

OneshotRomanze / P12 Slash
28.09.2016
28.09.2016
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Schläfrig, aber glücklich lag Tom auf seinem Bett und starrte an die Decke. Was für ein Tag! Die Taufe seines Neffen, und Julius, der ihm gesagt hatte, dass er doch nicht in die USA gehen würde.
„Wegen uns“, hatte er gesagt.
Tom grinste.
„Uns“
Hörte sich gut an. Richtig gut. Julius war seinet- nein, ihretwegen hier geblieben. Einen Moment hörte Tom in die Stille. Die anderen schliefen wahrscheinlich schon – hoffentlich auch sein Vater. Katharina hatte ihn verlassen – sie hatten sie wegfahren sehen. Zuviel war einfach passiert. Dabei hatte Katharina seinem Vater gut getan, nach dem Tod seiner Mutter… Doch bevor er weiter seinen Gedanken nachhängen konnte, vibrierte sein Handy. Er nahm es zur Hand. Julius. Tom grinste.
„Ja?“
„Hey!“
Julius‘ Stimme klang leise, fast schon flüsternd.
„Selber hey!“
„Was machst du?“
„Ich liege im Bett und du…“
„Ich…kannst du kurz runterkommen?“, fragte Julius, ohne weitere Erklärung.
Tom versuchte, Eins und Eins zusammenzuzählen.
„Bist du…?“
„Ja, bin ich. Also?“
Zwei Sekunden. Dann war die Entscheidung klar.
„Okay, ich komme runter!“
Tom schwang sich aus dem Bett, zog sich eine Kapuzenjacke über, nahm seinen Schlüssel und schlich sich nach unten. Hoffentlich wachten die anderen Jungs nicht auf. Das brauchte er jetzt noch: seine schaulustige Familie. Er öffnete die Türe und trat nach draußen. Tatsächlich, dort stand Julius, die blonden Haare wie immer verstrubbelt und sah ihn an. Er schloss die Tür leise hinter sich, und kam auf Julius zu.
„Was machst du hier?“
Julius antwortete, in dem er Toms Hand nahm und ihm einen vorsichtigen, leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen drückte, der Tom erst überrumpelte, dann erfasste und schließlich mitnahm.
„Ich konnte nicht schlafen. Ich wollte dich sehen. Ich konnte nicht schlafen!“, sprudelte es aus Julius heraus.
„Das sagtest du bereits!“, meinte Tom amüsiert.
Er konnte es immer noch nicht fassen: Da stand Julius tatsächlich mitten in der Nacht vor seinem Haus, nur um ihn zu sehen. Und seine Hand hatte er auch nicht losgelassen. Die beiden sahen sich eine Zeit lang schweigen an, bevor beide in peinlich berührtem Lachen ausbrachen.
„Ja, jetzt bist du also hier“, stellte Tom fest.
Julius nickte.
„Ja“
„Willst du vielleicht…mit hoch, und bei mir…?“
Julius nickte wieder verlegen.
„Wenn es okay ist für dich, ich meine…“
Ohne ein weiteres Wort zog Tom Julius hinter sich her. Bevor er aufsperrte wand er sich noch einmal an Julius.
„Die anderen schlafen schon. Wir müssen also leise sein.“
Dann schloss er die Tür auf und zog Julius an der Hand in das dunkle Haus. Leise schlichen sie nach oben, auf jedes Geräusch bedacht. Tom stieß die Tür zu seinem Zimmer auf und er und Julius schlüpften hinein. Julius sah sich nervös um. Die Unruhe war ihm anzusehen.
„Also, du bleibst wirklich hier?“, fragte Tom.
„Ja. Ich will uns eine Chance geben…Ich weiß, dass ich viel falsch…“
Tom hob die Hand und Julius hörte sofort auf, zu reden.
„Du bist hier. Ich bin hier. Wir beide sind hier. Das ist das Wichtigste. Lass es uns einfach langsam angehen!“
Tom küsste Julius erneut, dieses Mal war der Kuss sicherer, gefühlvoller. Es schien als würde mit jeder Minute, die die beiden miteinander verbrachten, das Band zwischen innen fester und enger werden. Die beiden legten sich ins Bett und redeten miteinander, über die letzten Wochen, über die letzten Tage, die letzten Stunden, die letzten Minuten. Schließlich wurden beide schläfrig, und schließen friedlich ein…

Am nächsten Tag schlug Tom schwerfällig die Augen auf. So ein Mist, dabei hatte er so einen schönen Traum gehabt. Julius war zu ihm gekommen, und sie hatten eine wundervolle Nacht verbracht. Er schloss die Augen wieder und drehte sich herum. Vielleicht, wenn er sich ganz fest konzentrierte, konnte er diesen wunderbaren Traum zurückholen. Doch als er auf die andere Seite des Bettes starrte, war er mit einem Mal hellwach. Es war kein Traum gewesen, es war Realität. Da lag wirklich Julius neben ihm und schlief tief und fest. Tom war ergriffen von diesem Anblick, eine warme Geborgenheit machte sich in ihm breit. Doch, daran konnte er sich gewöhnen. Er sog das Bild ein. Doch dieser morgendliche Frieden wurde jäh durch ein Klopfen an der Tür zunichte gemacht.
„Tom?“
Mist, sein Vater. Wieder ein Klopfen.
„Tom?“
Verdammt, verdammt, verdammt, was sollte er jetzt nur machen. Tom versuchte, Julius zu wecken, er schüttelte ihn an der Schulter.
„Hey, wach auf!“, flüsterte er eindringlich.
„Hmmm?“, murrte Julius.
„Pst! Mein Vater ist an der Tür!“
Und wie zur Bestätigung:
„Tom, bist du wach?“
Jetzt merkte auch Julius, was Sache war. Er sah Tom fragend an.
„Los, unter die Decke!“, flüsterte er.
„Ja!“, rief Tom, während er die Decke über Julius glattstrich.
Keine Sekunde Später ging die Tür auf und Andreas Tabarius schaute herein und sah gerade noch ein paar Füße unter der Decke verschwinden.
„Willst du mit uns frühstücken?“, fragte Andreas.
Tom nickte.
„Ja, ich bin gleich unten!“
Einen Moment dachte Andreas nach, ob er Toms Gast – zweifelsohne Julius – einladen sollte, aber vier Söhne hatten ihn gelehrt, sie besser nicht zu blamieren. Also hielt er sich zurück und schloss die Tür hinter sich. Tom atmete auf. Julius kam unter der Decke hervor.
„Meinst du, er hat was gemerkt?“, fragte er.
„Er ist mein Vater. Natürlich hat er was gemerkt!“, meinte Tom und stellte sich schon mal auf das Kreuzverhör am tabariusschen Frühstückstisch ein. Dann sah er Julius an.
„Noch fünf Minuten kuscheln?“, fragte Tom.
Julius grinste. Dann gab er Tom einen Kuss.
„Guten Morgen!“, hauchte er und legte seinen Hand um Toms Oberkörper.

Fünfzehn Minuten später schlichen die beiden nach unten. An der Tür verabschiedeten sie sich mit einem schnellen Kuss.
„Seh ich dich nachher?“, fragte Julius.
„Klar!“
Noch ein letzter schneller Kuss und Tom schloss die Tür. Er drehte sich um, und atmete durch. Auf in den Kampf. Er betrat die Küche und setzte sich an den Frühstückstisch. Andreas, Jo und Bart beäugten ihn neugierig, sagten aber nichts. Schließlich räusperte sich Andreas.
„Tom, habe ich mit dir schon einmal über…“
„Papa, lass es einfach!“, meinte Tom.
„Wir wollen es langsam angehen lassen. Nein, heute Nacht ist nichts passiert. Er wollte einfach nur bei mir schlafen. Nicht mit mir. Das wird in nächster Zeit öfter vorkommen, als gewöhnt euch schon mal dran, das bald noch ein Kerl mehr am Tisch sitzt.“, erklärte er.
Andreas sah ihn an.
„Okay, aber du hättest ihn gerne zum Frühstück einladen können!“
„Ich werfe ihn doch nicht gleich am ersten Tag den Hyänen zum Fraß vor!“, grinste Tom frech.
„Guter Einwand. Bart, möchtest du das Tischgebet sprechen?“, fragte Andreas schließlich.
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