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Entgegen jeglicher Hoffnung

von Steffix3
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Adrian Pucey Alicia Spinnet Angelina Johnson Graham Montague Katie Bell Marcus Flint
28.09.2016
12.04.2021
56
120.663
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28.09.2016 1.291
 
Entgegen jeglicher Hoffnung


- Fortsetzung zu Gegen jede Vernunft -



Kapitel 1

Januar 1999

Panisch rannte Katie durch die engen Gassen.
Immer wieder wischte sie sich mit dem Ärmel Blut aus den Augen. Kurz zuvor hatte sie ein Fluch in eine Hausmauer geschleudert und sie hatte sich eine Platzwunde an der Augenbraue zugezogen.
Sie wusste nicht, wo der Rest ihres Teams war.
Vor wenigen Stunden war Katie gemeinsam mit Fred, George, Neville und Lee in der Winkelgasse eingetroffen, um einem Hinweis bezüglich eines Todessertreffens nachzugehen.
Dummerweise jedoch hatten die Todesser sie zuerst gefunden.
Flüche und Hexe waren geflogen und Katie war schließlich von ihren Freunden getrennt worden.
Sie hatte bereits versucht zu disapparieren, aber anscheinend hatten die Todesser eine Art Blockade über die Winkelgasse gelegt.
Katie bog um eine Ecke in die nächste Gasse, wischte sich erneut übers Gesicht und lehnte sich erschöpft an die kühle Steinmauer eines kleinen Klamottenladens.
Es war der erste gefährliche Einsatz, den sie durchlebt hatte seit sie dem Orden des Phönix vor zwei Jahren beigetreten war.
Nach ihrem Abschluss damals hatte sie sich dazu entschieden, eine Ausbildung zur Aurorin zu beginnen und ihr Ausbilder war niemand geringeres als Adrian Pucey gewesen.
Da Adrian zu diesem Zeitpunkt bereits Teil des Ordens gewesen war und Katie sich als äußerst talentiert erwiesen hatte, hatte es nicht lange gedauert, bis man ihr angeboten hatte, selbst Mitglied des Ordens zu werden.
Kurz darauf jedoch war das Ministerium von den Todessern eingenommen worden, Adrian und Alicia hatten fliehen müssen und Katie selbst ihre Ausbildung auf Eis legen und untertauchen müssen.
Katie atmete tief durch – dies war wohl kaum der richtige Zeitpunkt um in Erinnerungen zu schwelgen.
Sie musste einen Weg hier raus finden.
Nur wie? Würde sie es bis zum Tropfenden Kessel schaffen, ohne dass sie jemand entdecken würde? Die Wahrscheinlichkeit war nicht sehr hoch.
Aber sie hatte keine andere Wahl.
Katie schloss für einen Moment die Augen, atmete tief durch und verstärkte den Griff um ihren Zauberstab.
Dann stieß sie sich von der Wand ab und bog um die Ecke –
Plötzlich schlang sich ein Arm um ihre Taille und zog sie zurück; eine Hand legte sich auf ihren Mund und erstickte somit ihren überraschten, panischen Aufschrei.
„Bist du wahnsinnig?“, flüsterte eine vertraute Stimme in ihr Ohr.
Katies Herz schlug wild gegen ihren Brustkorb, doch sie beruhigte sich langsam.
Der Griff um ihre Taille lockerte sich, die Hand über ihrem Mund verschwand.
Katie drehte sich um und fand sich Montague gegenüber.
Seine Gesichtszüge sahen älter aus. Härter. Sie waren alle erwachsen geworden in den letzten Jahren, doch Montagues Gesicht wirkte älter als es im Alter von 21 Jahren hätte aussehen sollen.
Seine Augen, die einst nur so vor Schalk und Arroganz gefunkelt hatten, waren leer und kalt.
Das Todesser-Dasein hatte Spuren hinterlassen. Den Montague, den sie einst gekannt hatte, der ihr ein guter Freund gewesen war, gab es nicht mehr.
Und doch hatten sich manche Dinge nicht verändert.
Es war nicht das erste Mal, dass er ihr aus der Patsche half.

„Bell!“
Im nächsten Moment griff auch schon jemand nach ihrem Handgelenk und brachte sie somit zum Stillstand.
Katie drehte sich um und sah in Montagues blaue Augen.
„Ja?“, sie hob verwunderte eine Augenbraue. Seit er sich den Todessern angeschlossen hatte, hatte er sie keines Blickes mehr gewürdigt.
„Ich weiß von Dumbledores Armee.“
Katie erstarrte und ihre Augen weiteten sich vor Schreck. „Woher -“
„Unwichtig“, unterbrach er sie hektisch und sah nervös in alle Richtungen, so als ob er sichergehen wollte, dass sie unbeobachtet waren, „Mach dir keine Sorgen, ich verrate es niemandem. Hör zu, Umbridge ist euch dicht auf den Fersen. Wenn sie euch in ihr Büro zitiert – ihr dürft auf gar keinen Fall ein Getränk von ihr annehmen, hast du das verstanden?“
Katie nickte verdutzt.
„Gut.“
Er ließ von ihrem Handgelenk ab.
„Wieso hilfst du uns?“, Katie konnte sich nicht mehr länger zurückhalten.
„Weil ich einen Fehler gemacht habe“, sagte Montague traurig, ehe er sich abwandte und einfach davon schritt.
Verwirrt sah Katie ihm hinterher, als er plötzlich stehen blieb und sich noch einmal zu ihr umdrehte.
„Und Bell? Versuch Potter davon abzuhalten, etwas wirklich Dummes zu tun.“
Katie verstand kein Wort. Wusste er etwas, das sie nicht wusste?


Erst zwei Monate später hatte sich herausgestellt, dass er in der Tat mehr gewusst hatte als sie.
Er hatte sie gewarnt. Katie hatte es erst begriffen, als sie gemeinsam mit Harry und den anderen in der Mysteriumsabteilung gewesen war und sich herausgestellt hatte, dass Voldemort ihn unter einem Vorwand dorthin gelockt hatte.
Erst dann hatte sie verstanden, was Montague ihr bereits vor Wochen versucht hatte klarzumachen.
Sie hatte sich seitdem immer wieder gefragt, ob Black noch am Leben wäre, wenn sie seine Warnung damals verstanden hätte.
„Bell“, Montague packte sie an den Schultern und brachte sie zurück in die Realität, „Die Winkelgasse ist dicht. Ihr könnt nicht disapparieren. Sie warten nur darauf, dass ihr es über den Tropfenden Kessel versucht. Wenn du rausgehst, werden sie dich töten.“
„Wenn ich hier bleibe, töten sie mich auch“, antwortete Katie trocken, „Wenn ich schon sterben muss, dann kämpfend und nicht hinter einem Stück Wand kauernd.“
Ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht, aber es berührte nicht seine Augen. Für einen kurzen Moment war er beinahe wieder der Alte.
„Du hast dich kein bisschen verändert, Bell.“
„Ich wünschte, ich könnte das Gleiche von dir sagen, Graham.“
Er wandte den Blick ab, das Lächeln erstarb.
Katie wollte ihn am liebsten in den Arm nehmen. Er hatte so ein Leben nicht verdient. Er hatte nur versucht, seine Schwester zu schützen.
Die Schwester, die jetzt mit Marcus zusammen ist.
Katie schob den Gedanken beiseite.
„Wie geht es Adrian?“, platzte es plötzlich aus ihrem Gegenüber heraus, ehe er erschrocken die Augen aufriss und eilig hinzufügte, „Sag mir nicht, wo er ist! Wenn sie meine Gedanken lesen, wissen sie sofort Bescheid. Ich will nur wissen, ob es ihm gut geht. Und Spinnet.“
Katie nickte. „Sie sind in Sicherheit. Isabelle?“
Diesmal war er es, der nickte. „Marcus geht es auch gut.“
„Schön.“
Sie starrten aneinander an und für einige Minuten herrschte Stille zwischen den Beiden.
Aus der Ferne hörten sie eine Explosion und Katie erinnerte sich daran, wie ernst die Lage eigentlich war.
Auch Montague schien sich wieder gefasst zu haben.
„Hör zu“, sagte er schließlich entschlossen, „Du wartest hier. Ich sage den Wachen am Tropfenden Kessel, dass ihr über die Nokturngasse versucht zu fliehen.“
„Nein!“, zischte Katie sofort, „Ich weiß nicht, wo die Anderen sind – du könntest sie direkt zu ihnen führen.“
„Ich kann nicht alle retten, Bell“, sagte Montague düster und schluckte.
„Warum dann mich? Wegen Marcus? Du hast keinerlei Verpflichtungen mir gegenüber. Wir sind seit Langem fertig miteinander“, zu ihrem Ärger klang sie verbittert.
„Das hat nichts mit Marcus zu tun“, entgegnete er, „Du warst meine Freundin. Und ich lasse meine Freunde nicht sterben.“
Sie starrte ihn aus großen Augen an – und fiel ihm im nächsten Augenblick um den Hals.
Verdutzt erwiderte er ihre Umarmung, während Katie alle Mühe hatte, nicht loszuweinen.
„Ich wünschte, wir wären wieder 16“, murmelte sie mit belegter Stimme.
„Ich auch, Bell“, antwortete er in ihre Schulter, „Ich auch.“
„Pass auf dich auf“, sagte Katie und ließ ihn los.
„Du auch.“
Er nickte ihr ein letztes Mal zu und schritt dann um die Ecke. Es dauerte nicht lange, bis sie ihn rufen hörte: „Hey, sie versuchen über die Nokturngasse zu entkommen! Wir brauchen Verstärkung!“
Katie presste sich so flach wie möglich gegen die Hauswand, als sie plötzlich hektische Schritte in ihre Richtung vernahm. Kurz darauf sah sie Montague, gemeinsam mit drei weiteren Todessern an sich vorbeirauschen.
Für den Bruchteil einer Sekunde drehte Montague den Kopf in ihre Richtung und nickte.
Katie zögerte keine Sekunde. Sie stieß sich von der Wand ab und rannte los.
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