The Lioness Among The Snakes

GeschichteDrama, Romanze / P18
26.09.2016
13.12.2018
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
Guten Abend, danke euch für eure Reviews. Hoffe ihr hattet alle einen schönen Nikolaus und falls nicht, vielleicht kann euch das Kapitel etwas aufheitern. Es passiert nämlich etwas Schönes!
Außerdem wollte ich euch auf den kleinen OS aufmerksam machen, denn ich geschrieben habe. Falls ihr Lust habt, könnt ihr auch dort einmal vorbeischauen. Es geht um Severus' Vergangenheit bzw. um ein Weihnachten, welches er als Kind erlebt hat. Der OS heißt "Severus' Weihnachtswunder"!
Liebe Grüße & viel Spaß beim Lesen
Ana :*

***************

Abstrakte Praktiken
- Hermines Sicht -

Meine Fassade bröckelte, als ich ihn so sah. Es war nicht seine Schuld, dass mir auf einmal alles zu viel wurde, dass mir bewusst wurde, wieder einmal bewusst wurde, wie sehr unser Leben von anderen beeinflusst wird. Oder dass mir klar bedrückend klar wurde, dass wir uns in einer beschissenen Situation befanden. Diese Vorladung zu dem Gespräch war eine einzige Farce gewesen. Diese unhaltbaren Anschuldigungen oder eher Verdächtigungen gegen mich… ich hatte nie… Rita… es waren ihre Berichte, die mich in dieses schlechte Licht rückten. Dass das Ministerium darauf viel Gewicht gibt, hatte ich bis vorhin nicht für möglich gehalten. Dann auch noch so damit konfrontiert zu werden, vor Lucius, vor seinem Anwalt… als würde ich hinter seinem Geld her sein. In diesem Augenblick hätte ich diesem Ministeriumstypen am liebsten die Augen ausgekratzt. „Was bedrückt dich wirklich, Kätzchen?“, fragte Lucius mich noch einmal, schaute mir tief in die Augen und direkt tat es mir leid, wie ich die letzte Stunde zu ihm war.
Er hatte mich nach allem hier in dieses abgeschiedene Restaurant gebracht, wo wir ungestört waren und wo das Essen wirklich gut schmeckte, ohne dass es zu hochgestochen war. Wie dankte ich ihm das? Mit meiner schlechten Laune… es tat mir leid, dass ich so… ja, unausstehlich zu ihm war. „Mir wird nur… diese ganze Situation, in der wir uns befinden… ich … mir wird immer mehr bewusst, wie schwierig das alles ist und dass wir … dass wir da nicht so einfach rauskommen“, gestand ich ihm stotternd. „Es tut mir leid, dass ich… naja, dass ich…“ Weiter kam ich gar nicht, meine Stimme brach ab, aber selbst, wenn dem nicht so gewesen wäre, Lucius sprach mir leise dazwischen: „Kätzchen, schon okay.“
Pure Erleichterung durchströmte mich bei seinen Worten. Denn um ehrlich zu sein hatte ich schon ein wenig Angst, dass er sauer sein könnte oder genauso reagieren würde wie ich. Immerhin hatte ich ihm die letzte Stunde die kalte Schulter gezeigt, anstatt mit ihm darüber zu reden, was mich wirklich beschäftigte. Ich hatte genau das getan, von dem ich nicht wollte, dass er und Severus es taten. Aber… das mit dem Verlies und dem Geld, irgendwie hat das bei mir den Knoten gelöst und… „Wir bekommen das hin“, versprach Lucius und wie von selbst griff ich über den Tisch hinweg nach seiner Hand und hielt diese fest. Ich drückte zu und war einfach nur froh, ihn an meiner Seite zu wissen. Mit ihm und Severus wusste ich einfach, egal wie schwierig mir unsere Situation vorkam, welche Steine man uns in den Weg legen würde, ich wusste schlicht und einfach, dass wir aufeinander vertrauen konnte und es zusammen schaffen würden. „Ich weiß“, sagte ich nur mit einem leichten Lächeln, „ich… habe Vertrauen darin, also in uns. Ich habe Vertrauen in uns, dass wir das zusammen schaffen.“

Mir ist einfach nur wichtig, dass er das auch wusste. Ohne die beiden… ohne die beiden würde ich das nicht durchstehen. Lucius und Severus hatten mich aus einem Tief geholt, aus dem ich nie alleine gekommen wäre. Sie forderten mich, machten mich stark, waren für mich da, wenn ich sie brauchte und sie gaben mir ein Gefühl von… nicht nur Liebe und Geborgenheit, sondern auch von Macht. Wenn ich mit ihnen zusammen war, fühlte ich mich machtvoll, als könnte nichts passieren. „Dann halt daran fest, Hermine. Das tun Severus und ich auch, wir vertrauen auf unsere Stärken und dass, wenn es darauf ankommt, wir uns gegenseitig unsere Rücken schützen“, gab Lucius mir zu verstehen.
„Manchmal wird mir nur alles zu viel. Verstehst du?“, fragte ich, doch in dem Moment kam der Kellner wieder an unseren Tisch. „Darf es noch etwas sein?“, wollte er von uns wissen. „Hermine?“ „Ähm, einen Tee. Schwarz, bitte“, sagte ich schnell. Der Feuerwhisky war vielleicht doch nicht so eine gute Idee gewesen, es war eher eine pure Spontanität. Und Lucius‘ Gesichtsausdruck war es auf jeden Fall wert. „Gerne. Für Sie auch noch etwas, Sir?“, richtete der Kellner das Wort an Lucius. „Nein“, sagte Lucius und hatte kein einziges Mal seinen Blick von mir abgewandt. Doch in seinen hellen Augen erkannte ich, wie sehr es ihn störte, dass wir unterbrochen wurden. „Wie Sie wünschen“, entkam es dem Kellner und schon war er auf dem Weg nach hinten in die Küche.
Lächelnd schüttelte ich den Kopf und schaute Lucius weiterhin in die Augen. „Unpassender Moment…“, murmelte ich leise, noch immer mit dem Lächeln auf den Lippen und konnte damit auch Lucius ein Lächeln entlocken. „In der Tat. Möchtest du lieber woanders hingehen?“, fragte er mich und strich mit seinem Daumen über meinen Handrücken. Verneinend schüttelte ich den Kopf und wie aufs Stichwort tauchte der Kellner mit meinem Tee auf. Ich nahm meine Hand vom Tisch und löste mich damit von Lucius, obwohl ich es sehr genossen hatte, seine Hand festzuhalten und die Wärme und den leichten Druck seines Daumens zu spüren. „Danke“, nickte ich dem Kellner zu, der das restliche Gedeck abräumte.

Lucius hatte sich in seinem Stuhl etwas nach hinten gelehnt und schaute mir dabei zu, wie ich an meinem Tee nippte. Ein Grinsen lag dabei auf seinen Lippen und bei diesem Grinsen wollte ich gar nicht erst wissen, was er dachte. Dabei konnte nichts Gutes herauskommen. „Severus hat mir von deiner Erkenntnis berichtet“, sagte er mit einem Mal und schnitt damit ein Thema an, welches seit Severus‘ Besuch in meinem Schlafzimmer nicht weiter angesprochen wurde. „Hat er das?“, entkam mir daher auch vage, immerhin hatte er sich mir gegenüber danach wieder einmal verschlossen. „Du klingst überrascht“, grinste Lucius weiterhin. „Severus und ich unterhalten uns oft. Man mag es kaum glauben.“ „Deswegen bin ich nicht überrascht, sondern eher darüber, dass er freiwillig mit dir darüber gesprochen hat. Mir geht er seitdem nämlich aus dem Weg.“ „Wirklich? Sicher, dass nicht etwas anderes vorgefallen ist?“, hakte er weiter nach und dann fiel mir wieder ein, wie die beiden sich heute Morgen angeblickt hatten.
Jetzt war ein genauso guter Zeitpunkt wie jeder andere, um darauf einzugehen: „Wenn du seine schlechte Laune meinst, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass die mit dir zu tun hatte.“ „Mit mir? Wie kommst du auf diese Idee?“, wollte er von mir wissen, aber mittlerweile war sein Grinsen verschwunden und mit Sicherheit dachte er auch an den heutigen Morgen. „Oh, ich weiß nicht“, grinste ich jetzt und genoss es, wie seine Maske bröckelte, weil er genau wusste, dass ich nicht lockerlassen würde. „Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass ihr heute Morgen so aussaht, als würdet ihr euch gleich gegenseitig umbringen?!“ Mit geschlossenen Augen schüttelte Lucius seinen Kopf und seufzte leicht. Oh ja, er wusste ganz genau, dass es jetzt kein Entkommen geben würde und ich erst danach mehr über meine Erkenntnis reden würde, soviel Zeit musste noch sein.

„Du wirst nicht lockerlassen, oder?“, fragte er eher rhetorisch, immerhin wusste er ganz genau, dass ich das nicht würde. „Mittlerweile solltest du mich besser kennen“, antwortete ich dennoch auf seine Frage. Das Lächeln, welches ich so liebte, breitete sich auf seinem Gesicht aus und er schüttelte amüsiert über meine Antwort den Kopf. „Gut, wie du willst“, sagte er dann, „Severus und ich hatten heute Morgen einen kleinen Disput.“ „Disput? Das sah schon nach ein bisschen mehr aus, Lucius“, entkam mir, jedoch mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
Mit einem Mal war die Lockerheit zwischen Lucius und mir wieder da. Es war wirklich egal, wie oft wir uns stritten oder wie oft wir unser Temperament mit uns durchgehen ließen, am Ende kamen wir immer wieder auf einen gemeinsamen Nenner. „Vor dir kann man auch nichts verheimlichen, nicht wahr?“ „Zumindest nicht für lange. Irgendwann finde ich es immer heraus. Aber auch das solltest du mittlerweile wissen“, grinste ich jetzt und nippte weiter an meinem Tee. „Wohl wahr“, schüttelte er wieder amüsiert den Kopf, diesmal lösten sich dabei ein paar blonde Strähnen aus seinem Zopf.
Für einen Moment war ich wie verzaubert, bis Lucius weitersprach: „Wenn du es unbedingt wissen willst.“ Dramatisch verdrehte er die Augen dabei, woraufhin ich auch nur die Augen verdrehen konnte, und dabei ein breites Lächeln auf den Lippen trug. „Severus erwartete mich an den Toren, schon als ich ihn sah wusste ich, dass etwas nicht stimmt. Er schien noch schlechter als üblich gelaunt zu sein, und das meine Liebe, will schon etwas heißen. Nicht lange und er machte mit wenigen Lauten seinen Unmut darüber deutlich, dass du die ganze Woche nicht bei ihm gewesen bist.“ „Wie bitte?“, unterbrach ich Lucius an dieser Stelle. Wenn hier einer Unmut haben durfte, dann ja wohl ich! Immerhin hat er mich ignoriert! „Kommen wir zu diesem Teil doch nachher. Wenn du erlaubst, Hermine, würde ich gerne erst zu Ende erzählen. Es sei denn, du hast urplötzlich kein Interesse mehr daran?“, fragte er und am Ende hob sich seine linke Augenbraue herausfordernd.
Ich schluckte jeden weiteren Kommentar herunter und setzte ein gezwungenes Lächeln auf, welches Lucius mit einem selbstzufriedenen Grinsen zur Kenntnis nahm. „Wie sonst auch, erlaubte ich mir einen kleinen Spaß auf Severus‘ Kosten. Daraufhin nannte er mich einen…“, begann Lucius, brach dann aber ab und drehte, offensichtlich, eingeschnappt den Kopf zur Seite. „Er nannte dich was?“, hakte ich direkt nach. Was konnte Severus nur gesagt haben, dass Lucius so reagierte? Die beiden nannten sich immer irgendetwas, bis jetzt schien das niemals einen von den Beiden gestört zu haben. „Gockel“, hörte ich Lucius leise sagen, doch ich glaubte mich verhört zu haben. Hatte er Gockel gesagt? „Ähm… was?“, entschlüpfte mir auch mit einem Kichern, doch ein kühler, oder eher gesagt eisiger Blick von ihm und ich biss mir auf die Lippe um nicht loszulachen. War das sein Ernst? Deshalb sah es so aus, als würden sie sich gleich gegenseitig umbringen?
„Ja, dass dich das amüsieren würde, hätte ich mir denken können. Doch Gockel… ich verbitte mir, dass mich jemand so nennt!“, brauste er auf, versuchte dabei mit größter Anstrengung ein neutrales Gesicht zu zeigen und seine Stimme nicht zu erheben. Es gelang ihm nicht. „Lass es raus, ich kann es in deinen Augen sehen, wie sehr du lachen willst“, knurrte er eingeschnappt und das war es für mich. Es brach aus mir raus und ich lachte einfach laut los. Viele Köpfe drehten sich nach uns um, doch das störte mich keinesfalls. Gockel… das war einmalig! „Es tut mir… es… nein, tut es nicht“, stotterte ich unter Lachen.

Mit meiner Serviette wischte ich mir die Lachtränen aus dem Gesicht und versuchte tief ein- und auszuatmen, um mich zu beruhigen, was mir ehrlich gesagt nicht ganz so leicht fiel. Die Vorstellung, dass sich die beiden wegen eines Wortes so stritten, war absurd, aber auch höchst amüsant. „Fertig?“, fragte Lucius mit strengem Blick. Dabei war es für mich noch immer schwer, nicht sofort wieder loszulachen. „Lucius, das kann aber nicht euer Ernst sein, oder? Ihr habt euch doch nicht wirklich deswegen gestritten“, hakte ich nach, denn so witzig wie ich das auch fand, konnte ich nicht glauben, dass er das ernst meinte.
„Wechseln wir einfach das Thema, Hermine“, bat er mich, doch sein Gesicht und seine Augen zeugten nicht davon, dass er flehen wollte, sondern eher, dass er es für nötig hielt, dass wir das Thema wechselten. Ich spürte, wie sich meine Stirn in Falten zog, locker lassen war nicht meine Art und auch jetzt widersprach es mir, nicht weiter nachzuhaken und Lucius weiter mit Fragen zu löchern. Und doch zögerte ich. Vielleicht war es manchmal besser, locker zu lassen und nicht immer weiter und weiter zu bohren. Vor allem bei Lucius… „Okay. Willst du darüber sprechen, was Severus und ich herausgefunden haben?“, fragte ich dann und schluckte den bitteren Beigeschmack, weil ich meinem inneren Antrieb verleugnete, runter.

„Ja, das würde ich bevorzugen“, gab er kund, griff nach der Flasche und füllte sein Glas wieder auf. „Du weißt noch gar nichts? Haben du und Severus nicht miteinander gesprochen?“ „Nein. Seit letzter Woche war unser einziges Gespräch heute Morgen“, antwortete er mir und das erstaunte mich nun wirklich. Vielleicht hätte ich bei Severus nicht so nachlässig sein sollen. Ihm scheint die neue Erkenntnis über Cane schlimmer zu zusetzen als ich gedacht hatte. Klar, der Abend bei mir… der hat mich schockiert und bis aufs Innere erschüttert… doch ich hatte gedacht, dass… dass es einmalig war, dass er es einfach einmal rauslassen muss. Aber es schien viel tiefer zu gehen.
„Hermine?“, holte Lucius mich aus meinen Gedanken. „Mmm?“ „Du warst kurz weg, an was hast du gedacht?“, wollte er von mir wissen. „Nachdem Severus und ich herausgefunden haben, dass Voldemort…“, begann ich, doch Lucius hob mahnend die Hand. „Warte“, bat er diesmal sanfter, nicht so befehlend wie vorher und dann spürte ich, wie sich ein Schutzwall um uns legte. „Keine sollte hören, was wir jetzt sagen“, grinste er leicht und wartete bis ich fortfuhr. Sanft lächelte ich und legte meine Hand auf die von Lucius, er drehte unsere Hände und drückte sie feste. „Ich habe in der Bibliothek nach etwas gesucht, was uns helfen könnte zu erfahren, was Cane und das Dunkle Mal miteinander verbindet. Logischerweise musste es etwas mit Voldemort zu tun haben und dann habe ich dieses Buch über Blutmagie gesehen“, begann ich.
„Blutmagie“, murmelte Lucius, „natürlich…“ Ich überging sein Murmeln und sprach weiter: „Ich habe mich also mit dem Buch auf Severus‘ Couch gesetzt und gelesen.“ „Natürlich hast du das“, grinste Lucius wieder. Ich lächelte leicht, weil ich seinen Versuch die Atmosphäre zu lockern, durchaus willkommen hieß. „Das Buch war auf eine sehr verstörende Art und Weise interessant. Was… was da drin stand, Lucius“, brach ich ab und spürte den Schauer über meinen Rücken laufen. „Ich kenne die Bücher über Blutmagie, Kätzchen. Es ist keine Lektüre, die dich in Begeisterung versetzen sollte.“ „Das hat es auch nicht, nicht auf die Weise, wie mich Bücher sonst begeistern“, gab ich zu.

Das Buch war auf eine extrem beunruhigende und auch schaurige Art faszinierend. Beim Lesen war ich zu gefangen gewesen, die ganzen Informationen aufzusaugen, aber danach, als alles richtig eingesunken ist, da liefen mir die Schauer über den Rücken. „Dennoch hat dich das alles nicht davon abgehalten, es zu lesen“, sagte er und nippte an seinem Glas. „Was hast du herausgefunden?“ „Es gibt nur eine Möglichkeit, wie sie, wie Cane einen solchen Einfluss auf das Dunkle Mal haben kann, wieso ihr euch in ihrer Gegenwart manchmal so fühlt, als wäre er wieder da!“ „Und welche Möglichkeit ist es?“, hauchte er fragend, lehnte sich weiter vor über den Tisch. „Blutadoption“, flüsterte ich leise, als wäre es ein verbotenes Wort.
Scharf zog Lucius die Luft ein. „Bist du dir sicher?“, fragte er dann und rief den Kellner zu sich. „Ja, aber… Lucius was ist los?“ „Wir müssen gehen!“, sagte er abrupt und ließ ein Säckchen Galleonen auf den Tisch fallen, nickte dem Kellner zu und half mir in meinem Mantel. „Schnell, komm“, wies er mich an, scheuchte mich förmlich. Er würde doch nicht etwa auch so zusammensacken wie Severus? Ob ich das noch einmal ertragen würde, einen meiner Zauberer so zu sehen… „Lucius, was ist denn auf einmal los?“, wollte ich wissen, als er mich mit sanfter Gewalt aus dem Restaurant zog. „Nicht hier!“, zischte er leicht ungehalten und dirigierte mich in eine Seitengasse.
Jetzt verstand ich gar nichts mehr. Sicherlich, nachdem was ich gelesen habe, war eine Blutadoption keine wirklich schöne Sache, aber wieso… wieso schockierte es ihn so? „Lucius“, versuchte ich ihn noch einmal aufzuhalten, aber er zog mich unbarmherzig weiter hinter sich her. Was das für ein Bild abgeben musste! Merlin, wenn jemand von der Presse das sah, würde das wieder Gerüchtewellen schlagen. „Hier lang“, murmelte er nur, bog um die nächste Ecke und klopfte an einer alten, schwarzen Tür. „Was ist das hier?“ „Schh!“, machte er und hielt sich den Finger an die Lippen. Das alles wurde immer mysteriöser und komischer. „Passwort?“, kam es fragend von der anderen Seite der Tür. Passwort? Wo waren wir hier? Ich schaute über meine Schulter und es war eindeutig: wir waren in der Nokturngasse, aber hier… hier war es noch dunkler als auf den Hauptwegen. Was wollten wir jetzt hier? „Ob er lebt oder nicht wissen wir nicht, aber unsere Treue wird immer weiterleben“, sagte Lucius und ich glaubte mich verhört zu haben. Sprach er über Voldemort? Sprach er über seine Treue zu ihm? Nein… nein, nein… was… „Hermine, komm schon!“, wies er mich an und als ich mich aus seinem Griff lösen wollte, sah ich ihn die Augen verdrehen und mit einem kräftigen Zug war ich im Inneren des Gebäudes.

„Verdammt, Lucius! Was soll das? Was soll das heißen, unsere Treue wird immer weiterleben? Erklär mir das!“, fuhr ich ihn an, verlangte ich von ihm zu wissen. Das alles hörte sich in meinen Ohren schrecklich an und ich konnte, wollte nicht glauben, dass ich das wirklich gehört hatte. „Später“, sagte er nur wieder und dieses später ging mir auf die Nerven. Den ganzen Tag schon ließ ich mich auf später vertrösten. „Nein!“, stieß ich entschieden aus, entzog ihm meine Hand, griff nach meinem Zauberstab und hielt ihn hoch, zielte auf Lucius. Es schmerzte mich, das zu tun, aber ich wusste nicht, was ich von all dem halten sollte.
„Kätzchen…“ „Sag mir die Wahrheit! Jetzt! Nicht später!“, forderte ich noch einmal. „Vielleicht kann ich das erklären“, gesellte sich ein weiterer Zauberer zu uns, aber auch ihn kannte ich. „Du?“, stieß ich dann aus. Was tat er hier? Wieso war er hier? Das alles konnte nur ein Witz sein, ein riesiger Witz! „Hermine, setz dich erst mal und dann erklären wir dir alles“, sprach er, doch ich schüttelte nur den Kopf. „Nein… nein, ich…“, stotterte ich, holte dann einmal tief Luft und ließ nicht nach: „Was machst du hier, Remus?“ Diesmal würde ich nicht nachgeben, diesmal würde ich allem auf den Grund gehen. „Lupin ist hier, weil er an etwas forscht“, erklärte Lucius und trat auf mich zu, die Spitze meines Zauberstabes bohrte sich in seine Brust. „Kätzchen, vertrau mir“, bat er mich leise und legte seine Hand um meine, ließ dann zusammen unsere Hände sinken.
„Severus und Lucius kamen vor einer Weile zu mir, als das Dunkle Mal wieder dunkler wurde.“ „Wieso? Wieso zu dir?“, wollte ich wissen, schaute aber nur Lucius an. In seinen Augen sah ich, dass ich ihn verletzt hatte. Dass ich meinen Zauberstab gegen ihn erhoben habe, hatte ihn verletzt, dass ich ihm nicht vertraut hatte und direkt vom Schlimmsten ausgegangen bin. Wieso konnte ich diese Unsicherheit in mir nicht ablegen? „Um das Dunkle Mal zu entfernen, Kätzchen. Die Chance oder eher gesagt, das Risiko ist zu groß, dass man uns damit kontrollieren kann. Der Dunkle Lord, Hermine… er wusste Dinge über die Magie, darüber wie man andere kontrolliert…“, flüsterte er zum Ende hin ehrfürchtig. „Severus und ich wussten, dass egal was es ist, es nichts Gutes bedeuten kann, wenn wir in Canes Gegenwart uns fühlen, als wäre er wieder da. Deswegen haben wir Lupin aufgesucht“, erklärte er mir weiter.

Das war ja auch alles schön und gut. Aber wieso Remus? Wieso er? Nach allem was ich wusste, konnten die Drei sich nicht leiden. „Severus weiß von der Karte, Hermine“, sagte Remus plötzlich und es war das erste Mal, dass ich ihm in die Augen blickte. Er sah müde aus und es war kein Wunder, denn der nächste Vollmond stand vor der Tür. „Was hat die Karte damit zu tun?“, hakte ich dennoch misstrauisch nach. Denn das alles erklärte nicht, warum er hier war. Warum hier in der Nokturngasse, warum dieses komische Passwort, das eindeutig auf Voldemort hinweist. „Es ist ein beeindruckendes magisches Werk“, sagte Lucius nur und hob seine linke Augenbraue. Ein… was? Was sollte das bedeu… „Oh“, entkam es mir. Natürlich! Deswegen Remus, er hatte solch ein Werk zusammen mit Sirius und Harrys Vater geschaffen. „Ja“, nickte Remus, als er sah wie ich verstand. „Außerdem habe ich eine Menge Freizeit. Ohne Job“, lachte er und kratzte sich verlegen hinter den Kopf.
„Okay, Moment mal“, sagte ich und trat einen Schritt zurück, nahm räumlich einfach Abstand. „Verstehe ich das richtig? Ihr habt entschieden, zusammen nach irgendwas zu forschen… hinter meinem Rücken? Schon wieder? Statt mit mir zu reden? Dann habt ihr Remus da mit reingezogen, weil er Zeit hat? Wirklich?“, drehte ich mich mit finsterem Blick zu Lucius. Dieser war bei meinem Tonfall ebenfalls einen Schritt zurückgegangen und schluckte nervös. Sicherlich wünschte er sich jetzt, dass Severus hier wäre, damit er nicht den ganzen Ärger alleine abbekommt.
„Wenn du das so sagst, hört sich das nicht gut an“, entkam es Lucius zögerlich. „Wirklich? Wie kommst du nur auf diese Idee?“, mehr Sarkasmus konnte ich wirklich nicht in meine Worte legen. „Hermine, es war nicht unsere Absicht, dich zu hintergehen.“ „Nicht? Haben wir nicht darüber gesprochen? Keine Geheimnisse mehr, Lucius! Das war die Abmachung und ihr… ihr macht es einfach immer wieder!“, sagte ich und wusste einfach nicht, was ich noch dazu sagen sollte. Immer und immer wieder kamen wir zum gleichen Knackpunkt! „Ich will mich ja nicht einmischen, aber… wieso seid ihr hier? Wir wollten uns doch erst am Sonntag treffen“, mischte sich Remus ein, was Lucius und mich zu ihm blicken ließ. „Bitte, das würde ich auch gerne wissen“, zischte ich eingeschnappt. Aus dem Augenwinkel sah ich Lucius mit den Augen rollen, was mich wirklich zur Weißglut trieb.

„Wir sind hier, Lupin, weil wir herausgefunden haben, wieso das Dunkle Mal so auf Cane reagiert“, erklärte Lucius. „Wir… ja klar“, entkam es mir wieder und ich verschränkte die Arme vor der Brust. „Okay. Was auch immer da gerade zwischen euch läuft, solltet ihr später klären“, merkte Remus an und fuhr fort: „Jetzt sollten wir uns dem eigentlichen Thema zu wenden.“ „Voldemort hat mit Cane eine Blutadoption vollzogen“, sagte ich, ehe Lucius um den heißen Kürbispüree sprach.
„Was?“, kam es entsetzt über Remus‘ Lippen. „Ich bin noch nicht so weit, es gibt zu viele Variablen“, murmelte er jetzt. „Das ist mir bewusst, Werwolf, aber es muss jetzt sein!“ „Das halte ich für keine gute Idee. Es könnte schief gehen. Das Dunkle Mal zu entfernen ist gefährlich, wir wissen nicht, welche Schutzmechanismen Voldemort eingebaut hat. Der Zauber ist sehr kompliziert und wir können nicht viel ausprobieren, ohne euch dabei zu töten“, erklärte Remus ruhig, aber mit ziemlichem Nachdruck. Mit einem Mal sanken meine Arme hinab, mir wich jede Farbe aus dem Gesicht. Das hatte die beiden vor?! Sie wollten das Dunkle Mal jetzt entfernen… „Lucius…“, flüsterte ich jetzt und griff nach seiner Hand. Kühl und doch irgendwie warm. „Ist das wahr? Ihr wollt es loswerden?“ „Kätzchen, wir wussten, dass du uns davon abhalten würdest. Das Risiko ist einfach zu groß, dass uns etwas passieren könnte und du, du hättest es niemals zugelassen.“ „Natürlich nicht!“, fuhr ich ihn an, aber nicht sauer, wie noch vor kurzem, sondern einfach aufgelöst und verzweifelt. Dabei könnte so viel schief gehen, ich könnte die beiden verlieren. „Wir müssen es tun, Hermine. Verstehst du es nicht? Cane hat die magische Essenz des Dunklen Lords in sich, sie ist so gut wie seine Tochter… sie könnte uns zu sich rufen, uns gefangen nehmen, uns durch das Mal foltern. Wir haben keine andere Möglichkeit.“
Wieso kam er jetzt nur mit Logik? Es klang so logisch und ich konnte dem nicht widersprechen. Beides barg Gefahren für meinen Zauberer. Es war egal, was wir taten, ein hohes Risiko würde bleiben. „Hermine.“ „Ja, ja… ich weiß“, nickte ich, „holen wir Severus.“

***************

Remus hatte mir einen Tee angeboten, während Lucius durch den Kamin mit Severus sprach. Ich blendete die beiden aus, noch immer war ich nicht erfreut über die Wendung des Tages. Wenn etwas passierte, dann kam auch alles auf einmal. Würde es nie einen ruhigen Tag geben? „Teddy hat nach dir gefragt“, sagte Remus, während er mir Tee eingoss. „Wirklich? Wie geht es ihm?“, fragte ich und hieß den Themenwechsel willkommen. „Gut. Er… es ist anstrengend, ohne Tonks. Er… er spürt, dass sie nicht da ist“, lächelte er gezwungen. „Er hat noch dich und Andromeda. Du bist ein guter Vater, Remus. Glaub mir“, sprach ich ihm gut zu. „Fühlt sich manchmal nicht so an“, gab er zu und zog seine Strickjacke enger um seinen Körper.
„Wie geht es dir? Es sind nur noch ein paar Tage, oder?“ „Wie immer“, lächelte er verlegen. „Hat dir Severus den Trank gegeben?“, fragte ich und nippte an dem wohltuenden Tee. „Ja“, nickte Remus nur, sagte nichts weiter dazu. Wir schwiegen und ich hieß die Stille willkommen, mein Kopf war so voll mit neuen Informationen… ich wusste gar nicht, wie ich das alles verarbeiten sollte. Doch wenn Lucius Recht hatte und Cane wie Voldemort die Kontrolle über diejenigen bekommen kann, die das Dunkle Mal tragen, dann verstand ich auch, warum Severus so heftig reagiert hat.
Seine Angst und diese Verzweiflung, die ich an diesem Abend in seinen Augen gesehen habe, das würde alles erklären. Ich hätte ihn niemals einfach gehen lassen dürfen, ich hätte aufdringlicher sein und ihn zwingen sollen, mit mir zu reden, nachdem er sich die Woche so zurückgezogen hatte. Mir hätte es mehr zu denken geben sollen, immerhin war es nicht das erste Mal, dass er sich so verhielt. Es war ein Abwehrmechanismus von ihm. „Denkst du an Severus?“, wollte Remus wissen und lächelte wissend. „Ich mache mir nur Sorgen“, gab ich zu, „Um beide.“ „Ich habe auch Bedenken, Hermine. Aber wenn du Recht hast mit Cane, dann solltet ihr dieses Risiko eingehen. Ich habe gesehen, was Voldemort mit dem Dunklen Mal anrichten kann… glaub mir, du willst nicht, dass den beiden so etwas passiert“, versicherte mir Remus und bevor ich etwas erwidern konnte, klopfte es an der Tür.

Lucius war es, den ich die letzten Minuten komplett ausgeblendet habe, der zur Tür ging. „Wieso dieses Passwort?“, hakte ich bei Remus nach, ich musste es einfach wissen. „Niemand würde denken, hier wird an etwas geforscht oder gearbeitet, was das Dunkle Mal zerstören kann, Hermine. Manchmal ist es besser, sich hinter dem Offensichtlichen zu verstecken.“ „Deswegen dieser Spruch mit der Treue zu ihm?“ „Es war meine Idee“, sagte er. „Wirklich? Ich bin sicher, Sirius hätte es gefallen“, lachte ich dann.
„Amüsiert ihr euch?“, kam es bissig von Severus, der neben Lucius stand. „Ja, was dagegen?“, konterte ich ebenso bissig. Wieso er so schlecht gelaunt war, konnte ich auf der einen Seite verstehen, aber er musste das nicht wieder an mir auslassen. „Beruhigen wir uns doch erst einmal“, versuchte Remus die Spannung, die zwischen uns war, zu beruhigen. „Wie tun wir es?“, wollte Severus dann wissen und ging nicht weiter auf mich oder etwas anderes ein. Ich wollte auch wirklich sauer auf ihn sein, aber das konnte ich nicht. Ich konnte nicht, weil ich ganz genau wusste, dass er sich mit seinem Verhalten nur schützen will. Deswegen konnte ich nicht sauer auf ihn sein.

Wir starrten uns alle an, schwiegen, zumindest Lucius, Severus und ich. Für Remus, da war ich mir sicher, war das hier keine angenehme Situation. Sicherlich würde er lieber bei Teddy sein, als hier mit uns festzusitzen und sich unseren Disput anzusehen. „Ähm, wenn ich was sagen dürfte“, durchbrach Remus die Anspannung zwischen uns. „Bitte, Remus, wenn du eine Lösung hast, die die beiden nicht umbringt, wäre ich dir sehr dankbar“, drehte ich mich zu ihm und lächelte leicht. „Eine Idee, die Umsetzung ist etwas anderes“, begann er und auch Severus und Lucius schienen jetzt interessierter zuzuhören.
„Nach allem, was ihr beide mir erzählt habt und was ich durch die Bücher von euch herausgefunden habe, denke ich, dass das Dunkle Mal eine Art Anker ist. Ein Anker, der sich in eurer Magie verfestigt hat. Ein Stück Essenz von ihm, Voldemort, hat sich in eure Magie verwebt. Deswegen konnte er euch rufen und ihr ihn. Zumindest nehme ich das an, hundertprozentig sicher sein kann ich mir da nicht sein“, erklärte er, aber für mich klang es durchaus plausibel. Voldemort hatte die Todesser an sich gebunden und er brauchte etwas, mit denen er sie an sich binden kann, ein Teil seiner Essenz, ein winziger Teil seiner Magie, allein gesehen unbedeutend, aber in Verbindung mit einem Zauber, oder einen Fluch… ja, dann war es keineswegs unbedeutend.
„Essenzen kann man entfernen, Lupin“, knurrte Severus verächtlich. „In Zaubertränken vielleicht, Severus, aber ich denke nicht, dass es so einfach werden wird.“ Ich bewunderte Remus wirklich dafür, bei dieser ganzen Spannung ruhig und vor allem immer noch respektvoll zu bleiben, während er von Severus und Lucius gleichermaßen entwürdigt wurde. „Vielleicht“, begann Lucius und schien einen Moment innezuhalten. Dann fand sein Blick den von Severus und einfach so war deren Disput vergessen. „Lucius?“, entkam mir fragend, weil er nicht weitersprach, sondern lieber still mit Severus kommunizierte. „Meine… ähm, diese Heilerin, die ich wegen meinem Bein aufsuche, könnte uns vielleicht helfen“, sagte er etwas zögerlich, offenbar war es ihm wieder einmal unangenehm darüber zu sprechen, dass er ein Problem hatte. Männer und ihre Eigenheiten, als wäre es ein Verbrechen, Schwäche zu zeigen.

- später am Tag -

Hier ging Lucius hin? Zu dieser Frau? „Unangemeldet… Frechheit“, brummte sie vor sich hin, während wir ihr durch den Flur ins Behandlungszimmer folgten. Diese Heilerin war mir unheimlich, ihre Art war mir… unheimlich. „Das wird sie extra kosten, Mr. Malfoy“, warf sie Lucius über ihre Schulter zu. „Ja, ja“, brummte er zustimmend und mit einem Mal wurde sie mir sympathisch. Normalerweise hätte Lucius jeden anderen zurechtgewiesen, aber von ihr ließ er sich anmeckern. „Kommen Sie schon rein, ewig habe ich nicht Zeit. Jimmy kommt gleich“, schubste sie uns förmlich in das Zimmer rein.
Der Behandlungsraum sah nicht so aus wie ich ihn kannte. Bei meinen Eltern war immer alles steril, aber dennoch freundlich, vor allem, weil sie auch Kinder behandelt haben. Doch hier… hier war einfach gar nichts wie in einer richtigen Praxis. „Sie beide“, sagte sie streng zu Severus und Lucius, „setzen!“ Ihre Stimme war rau und befehlend, jagte mir sogar einen Schauer über den Rücken. Jetzt gerade wünschte ich mir, dass Remus mitgekommen wäre. „Was gucken Sie so, Sie dürres Ding?“, fuhr die Hexe mich an. „Nichts… ähm, gar nichts“, wehrte ich schnell ab, stellte mich in die nächstbeste Ecke und wollte kein bisschen stören.

- Severus‘ Sicht -

Wie ein kleiner Junge fühlte ich mich. Lucius hatte mich gewarnt, wie störrisch die alte Hexe ist, aber sie übertrumpfte meine Erwartungen noch einmal. Wie kleine Kinder behandelte sie uns, sprach respektlos… Dass sie bei ihrem sonnigen Gemüt überhaupt Patienten hatte, wunderte mich sehr. „Wird’s bald? Hemden hochkrempeln“, wies sie uns an, schob einen kleinen Beiwagen zu uns, auf dem… waren das Nadeln? Riesengroße Nadeln? Merlin und Morgana stehen mir bei, wo hat Lucius mich hier nur reingezogen?
Andererseits, wenn ich zu Hermine blickte, die angestrengt versuchte, ihre Sorgen zu verstecken, wusste ich, dass ich jeden Schmerz und jede Unannehmlichkeit auf mich nehmen würde. Gedankenverloren schüttelte ich den Kopf, während ich mein schwarzes Hemd an den Armen hochkrempelte. Das Dunkle Mal, schwarz und hässlich, zeichnete sich von meiner Haut ab, beförderte mich in die dunklen Stunden, Monate und Jahre meines Lebens zurück.
Wie ich mich die Woche aufgeführt hatte unterstrich alles nur noch einmal. Als Hermine mir von ihrem Verdacht erzählte… oder eher gesagt, als ich ihre Notizen durchlas, die sie bei mir gelassen hatte… es war wie ein Schlag in die Magengrube. Meine schlimmsten Albträume waren zum Greifen nah. Wenn alles umsonst gewesen wäre, das Leid, die Opfer, die vielen Toten, die Hexen und Zauberer, Muggel, die ich töten musste um meine Tarnung aufrecht zu erhalten, Albus… wenn alles umsonst gewesen wäre, ist… damit konnte ich nicht, ich konnte nicht noch einmal… meine Kraft neigte sich dem Ende zu, ich war verzweifelt und an diesem Abend hatte ich Hermine genau das gezeigt und es danach bereut. Niemals sollte sie sehen, wie schwach ich war, wie viel Leid ich noch immer mit mir herumtrug. Wie viel Schuld auf meiner Seele lastete, wie viel Angst ich davor hatte, den Krieg und den Dienst für den Dunklen Lord noch einmal zu durchleben.
Die Woche über hatte ich das getan, was ich immer tat; ich hatte mich zurückgezogen. Mich verkrochen, mich rar gemacht. Hermine davon abgehalten, Fragen zu stellen oder mir auch nur ein wenig Trost zu spenden. Davon hatte ich nichts wissen wollen. Doch ich… ich wollte es, aber ich konnte ich es nicht zulassen. In meinem Inneren tobte jedes Mal ein Kampf, wenn solche emotionalen Situationen in meinem Leben auftauchten. Auf der einen Seite wollte ich, dass sie mir Trost spendet, dass sie für mich da ist, einfach nur da ist, ihre Anwesenheit zu spüren reichte schon. Eine andere Seite von mir schämte sich jedoch für alles. Für die Fehler, für die Schuld und für die Angst.

„Beim ersten Termin hätten Sie davon erzählen sollen“, brummte die Heilern, holte mich mit ihrer rauen Stimme und ihrem festen Griff an meinem Unterarm aus meinen Gedanken. Meine Augen flogen noch einmal zu Hermine. Mit einem sanften Lächeln fing sie meinen Blick auf und ich wusste, dass sie nicht wirklich sauer war. Nicht auf mich, sie war enttäuscht, dass ich sie nicht miteinbezogen habe, aber sie verstand es. Sie war zu gut für mich, zu gut für Lucius, für uns… einfach zu gut.
„AU!“, stieß ich aus und löste meine Augen von Hermine, schaute auf meinen Arm. Das Dunkle Mal bewegte sich, schlängelte sich… es war eine Qual, meinen größten Fehler Tagein, Tagaus sehen zu müssen. Vor allem jetzt, wo es wieder so dunkel geworden war, schwarz… nicht mehr verblasst. „Halten Sie still!“, wies mich die plumpe Hexe an und stach eine weitere Nadel direkt durch den Totenkopf. Ein Blick zu Lucius‘ Arm zeigte mir, dass dieser schon mit Nadeln übersät war. Das ließ meine Hoffnung zerplatzen, dass es die Letzte gewesen war. Es würden noch einige folgen.

Als alle zehn Nadeln in meinem Arm verstaut waren, trat die Heilerin einen Schritt zurück. Zielstrebig ging sie zu einem alten, klapprigen Holzschrank. Schon beim Öffnen machte er den Eindruck als würde er jeden Moment auseinanderfallen. „Ah“, entkam ihr nur, sie griff nach irgendetwas und kam mit ungewöhnlich flinken Schritten wieder zu uns. Sie hielt eine grün schimmernde Tinktur in ihrer Hand und ließ einige Tropen – fünf um genau zu sein – auf das Dunkle Mal fallen. Mit einem zufriedenen Grinsen trat zurück.
Leider konnte ich nicht wirklich sagen, dass mich dieses Grinsen beruhigte. Ganz im Gegenteil, es beunruhigte mich extrem! Sie sah uns an, als würde sie irgendwas erwarten. Dies war eben das, was mich so in Unruhe versetzte. „Gleich fängt es an“, grinste sie noch immer und dann hörte ich Lucius auch schon aufzischen. „Wagen Sie es nicht, den Arm zu berühren!“, befahl die Hexe und im nächsten Augenblick spürte ich, was Lucius auch spüren musste.
Feuer… wie… wie ein Höllenfeuer, dass sich ausbreitete, über meinen Arm, nur in meinem Arm. Es sammelte sich direkt unter dem Dunklen Mal. „Verdammt“, brachte ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und krallte meine andere Hand in meinen Oberschenkel. „Was passiert da? Tun Sie doch was?“, bat Hermine die Heilerin, doch ihre Worte schienen auf einmal so weit weg zu sein. Kaum zu hören, wie ein leises Rauschen… mehr nicht. Es war beinahe unerträglich, vielleicht war es nur Einbildung, aber ich glaubte verbranntes Fleisch zu riechen… in mir kam alles hoch. „Nicht auf meinen Teppich“, brummte jemand und im nächsten Augenblick verschwamm meine Sicht, ich spürte nur mein Frühstück den Weg nach oben nehmen und dann… dann…

- Hermines Sicht, eine Stunde später -

Das letzte Mal hatte ich mir so viele Sorgen gemacht, da war Severus im St. Mungos und Lucius in Askaban. Damals hatte ich nichts tun können und auch jetzt spürte ich diese Hilflosigkeit in mir aufsteigen. Beide lagen auf dieser Holzliege, nur ein altes Kissen unter dem Kopf. „Sie werden bald aufwachen, dann können wir den nächsten Schritt vollziehen“, erklärte sie mir, reichte mir erneut eine Tasse Tee. „Danke.“ „Danken Sie mir nicht, der nächste Schritt wird ebenfalls sehr schmerzhaft werden“, warnte sie, doch irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie sich darüber freute.
„Wieso helfen Sie uns?“, wollte ich von ihr wissen. Denn wie eine freundliche Heilerin sah sie nicht aus und verhielt sich auch nicht so. „Es gibt gutes Geld“, grinste sie nur. „Es wird funktionieren oder? Das Mal wird verschwinden? Sie werden frei sein?“, wechselte ich das Thema. Außerdem musste ich einfach wissen, dass Lucius und Severus diese Tortur nicht umsonst auf sich nehmen. „Ja“, nickte die Hexe. „Woher wissen Sie das? Haben Sie das schon einmal gemacht?“, fragte ich weiter und ihre grauen Augenbrauen zogen sich zusammen. „Viele Fragen die Sie da stellen, für eine junge Hexe.“ „Ich will nur, dass es den beiden gut geht, Mrs. Oszkowic“, antwortete ich ihr, schaute sie aber weiterhin erwartungsvoll an. „Ja, einmal... einmal habe ich es schon getan“, ließ sie mich wissen und ließ mich mit Lucius und Severus alleine im Raum zurück.

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Beta: Saphirpfote & Lina-Tweety
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