Der Wolf und sein Walfänger

von Durah
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Billie Lurk Daud
26.09.2016
15.10.2016
5
18475
3
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Kapitel 1

Daud saß an seinem Tisch und wartete. Wartete auf den Bericht den Thomas ihm schon vor Tagen bringen wollte.
Sein Walfänger war vor zwei Tagen losgezogen, nun ging schon die Sonne des dritten Tages auf und er war noch immer nicht zurück.
Vor dem Attentäter stand ein randvoller Aschenbecher und aufgrund der ermangelung weiterer Zigaretten hatte er angefangen an seinem Stift zu kauen und merkte überhaupt nicht, dass er diesen schon zerbissen hatte und ihm Tinte aus dem Mund rann.
Die Glastüren zu seinem Raum wurden aufgestoßen und ein Novize kam hastig hereingestolpert.
Daud sah auf und realisierte nun auch endlich die Tinte. Er wischte sich die Farbe mit einem Ärmel weg und sah den hereingeplatzen Walfänger ernst an.
"Was gibt es?" fragte er etwas bissig. Er war völlig übermüdet.
"S...Sir, Thomas ist zurück..." keuchte der Novize und Daud erhob sich.
"Na endlich! Der kann was erleben, wenn ich ihn zwischen die Finger bekomme! Wo ist er!?"
"I...Im Krankenzimmer..."
"Was? Wieso denn das?"
Der Novize sagte nichts und Daud eilte aus seinem Zimmer, während der Andere ihm folgte.

Vor der Türe zum Krankenzimmer stand Rulfio, die Gasmaske am Gürtel tragend und sichtlich besorgt aussehend. Seine blaue Uniform war von Blut verklebt.
"Was ist hier los?!" Fragte Daud ernst und der Assassine sah auf.
"Thomas ist zurück Sir. Zachary versucht gerade ihn zu flicken, aber es sieht nicht gut aus..." erklärte Rulfio.
"Scheint, dass die Aufseher ihn in die Finger bekommen hatten."
Dauds Blick verfinsterte sich und er schob Rulfio von der Türe weg und trat ein.
Im Raum drinnen stank es furchtbar nach Blut, Desinfektionsmittel, Alkohol und auch verbranntem Feisch. Blutige Fußabdrücke führten bis zu einem Bett in der Ecke, über dass Zachary gebeugt stand.
"Was ist passiert!?" meldete sich Daud laut zu Wort, doch Zachary sagte nichts und legte nur einen Finger auf die Lippen, einen blutigen Lappen in der freien Hand.
Daud näherte sich dem Bett schweigend und seine Augen weiteten sich, als er die blutende und halbtote Gestalt im Bett sah, die mal sein bester und treuster Assassine war.
Die Augen waren geschlossen, Thomas war entweder bewusstlos oder eingeschlafen, doch er vermutete das Erste. Zachary hatte die meisten Wunden versorgt, darunter auch eine in seinem Gesicht und Daud bemerkte vor allem eine große Menge verkrustetes Blut im Mundbereich, welches Zachary versuchte vorsichtig weg zu wischen.
"Er wurde in diesem Zustand am Rande des Bezirks von zwei Novizen gefunden, die gerade die Runde machten." murmete der Attentäter Daud zu und sah zu ihm hoch.
"Die Aufseher müssen ihn irgendwie erwischt haben."
Daud schwieg und sah den jungen Mann vor sich an.
"Wieso hat er das Gift nicht benutzt?" fragte er leise und mit trockener Stimme.
"Keine Ahnung, des Giftpfeil hatte er auf jeden Fall nicht mehr bei sich als er gefunden wurde...Wir sollten warten bis er wieder aufwacht..."
Daud nickte und scheuchte den verwirrten Zachary dann aus dem Zimmer und setzte sich selbst neben Thomas' Bett.
"Du weißt schon, dass du der größte Idiot dieser Stadt bist oder?" fragte er leise und strich durch das verstrubbelte blonde Haar des Anderen.
"Du hättest diesen Qualen ohne Probleme entgehen können und was machst du?! Du kommst zurück und blutest alles voll!"
Das Gesicht des Bewusstlosen verkrampfte sich etwas, als hätte er den Vorwurf gehört und er öffnete das freie, nicht von Bandagen verborgene, Auge und sah zu Daud hoch. Der ernste Ausdruck in Dauds Gesicht löste sich auf und ehrliche Besorgnis trat an ihrer Stelle.
"Thomas, was ist passiert?"
Der Blonde bewegte stumm die Lippen, doch kein Ton entwich ihm. Daud beugte sich tiefer über ihn, doch noch immer hörte er nichts.
"Thomas, rede lauter...bitte..." Er sah zum Anderen runter, der traurig guckend den Mund öffnete.
"Was zum...." Daud wich etwas zurück. An der Stelle, wo sich eigentlich Thomas Zunge hätte befinden müssen, war nichts mehr, weiter hinten konnte er nur noch den zerfetzten Rest ausmachen, der bis vor wenigen Tagen noch die Zunge seines Attentäters war.
Daud sprang auf und stürmte aus dem Zimmer, ließ den verletzten Thomas allein in seinem Leid zurück.
Zurück in seinem Privatgemach lehnte Daud sich gegen eine Wand und atmete tief durch. Ein unglaublicher Hass keimte in ihm auf. Wie konnten die es wagen?! Wie konnten es diese Aufseher vom Orden nur wagen Thomas so etwas anzutun!?
"Das werden die mir büßen...Jeder Einzelne von ihnen..." Knurrte Daud zu sich selbst.
"Für jeden Tropfen Blut den Thomas verlor, wird ein Aufseher sterben!"
Er musste sich erst mal beruhigen und seine Gedanken sammeln, also legte er sich für ein paar Stunden schlafen.

Als er wieder erwachte war es später Mittag und er verließ seine Gemächer, nur um seine Truppe im Trainingszimmer vorzufinden.
"Boah, das sieht wirklich megawiderlich aus..." hörte er einen sagen und bemerkte auch, dass Thomas das Krankenzimmer schon wieder verlassen hatte.
"Thomas!" Sagte er laut und alle blickten auf.
"Solltest du nicht besser im Bett bleiben?"
Der Angesprochene zuckte nur mit den Schultern, ehe Daud ihn zu sich winkte. Leicht hinkend folgte der Blonde seinem Boss zu dessen Büro.
Der Ältere schloss die Türe hinter ihnen ab und wandte sich dem Kleineren zu.
"Ich will nun ganz genau von dir wissen was passiert ist." sagte er, bot Thomas einen Stuhl an, ehe er sich selber setzte und ihm einen Block und Stift hinlegte.
"Wo warst du?"
Thomas ergriff den Stift und den Block und fing an zu schreiben. Daud wartete geduldig, bis der Blonde ihm den Block zuschob.

"In der Nähe von Coldridge. Habe dort das Tunnelsystem genutzt um in die Innenstadt zu kommen."

"Und wie konnte es passieren, dass dich die Aufseher gefangen haben?"
Erneut wartete Daud bis Thomas was geschrieben hatte. Der Blonde überlegte kurz, schrieb weiter und gab es ihm.

"Sie warteten bereits am Ende des Tunnels auf mich. Es waren 5 an der Zahl, zwei mit diesen furchtbaren musikgeräten und ich war alleine, ich habs versucht aber sie haben mich überwältigt."

"Du kennst doch die Regel, für Gefangengenommene!"
Thomas schnappte sich schnell den Block und fügte etwas hinzu.

"Als Sie mich festnahmen, waren die Giftpfeile in meinen Ärmeln, das Erste, was sie mir wegnahmen. Sie haben gewusst, dass ich kam und sie wussten wo das Gift versteckt war."

Daud las den Absatz noch einmal und noch einmal, ehe er Thomas in die Augen sah.
"Und du lügst mich hier auch nicht an? Sie haben dir die Giftpfeile abgenommen? Du warst nicht bloß zu feige sie zu nutzen?"

Thomas wusste nicht, wie er darauf nun mit seiner Körpersprache reagieren sollte, also sah Daud an, hielt seinem Blick stand, versicherte ihm so stumm, dass es der Wahrheit entsprach.
Daud strich sich durch die Haare und seufzte, ehe er den Jüngeren wieder ansah.
"Wieso haben sie dir...du weißt schon...die Zunge rausgeschnitten? Hatte das, einen speziellen Grund?"
Thomas schnappte sich erneut den Block.

"Nicht geschnitten. Raus gerissen."

"Das ist eine Info, die ich nicht wirklich wissen wollte...Die Frage war: Warum?!"
Thomas fing wieder an zu schreiben.

"Weil ich nichts sagen wollte. Sie wollten mich auf ihre Seite Ziehen, mich zwingen Sie und die Anderen hier zu verraten, zu sagen wo unser Versteck ist. Da habe ich mich geweigert und die Aufseher meinten, wenn ich eh nicht rede, würde ich meine Zunge ja auch nicht mehr brauchen."

Daud biss sich auf die Lippen.
"Du hast das für mich und die Anderen getan?"
Thomas nickte und Daud erhob sich, ging um seinen Tisch herum, vorauf hin auch der Blonde sich rasch erhob.
Daud sah ihn so ernst an, dass es ihm Angst machte. Der Ältere legte ihm eine Hand auf den Kopf und strich durch die blonden verstrubbelten Haare.
"Du dummer Junge..." murmelte er leise und Thomas sah ihm in die Augen, überrascht, wirkliche Trauer in ihnen zu sehen.
"Das machst du nie wieder, verstanden? Ich will nicht, dass sie dir noch einmal so weh tun..."
Der blonde Walfänger war sichtlich verwirrt über diese Worte. Daud machte sich Sorgen um ihn? Aber er war doch nur einer von vielen hier. War er nicht jederzeit ersetzbar?

Es klopfte an die Türe und Rulfio betrat das Zimmer, ein Buch unter den Arm geklemmt.
"Entschuldigt die Störung, aber ich habe da etwas für dich Thomas." Sagte er und reichte dem Blonden das Buch, der es verwirrt annahm und den Kopf leicht zur Seite neigte, um seine Verwirrung zu verdeutlichen. Rulfio wandte sich Daud zu.
"Sir, Zachary und die Anderen erwarten eine Anweisung, was wir nun tun sollen?"
"Was meinst du damit?" fragte Daud ihn und die Zwei vertieften sich in ein Gespräch, während Thomas das Buch betrachtete, welches Rulfio ihm gegeben hatte.
"Zeichensprache für Anfänger." stand auf dem Einband und ihm wurde das Herz etwas schwer, während er die Seiten kurz überflog.
Sollte so seine einzige Kommunikationsmöglichkeit aussehen? Wie ein Volldepp mit den Armen durch die Luft zu fuchteln? Nein, das wollte er nicht. Er warf das Buch, wortwörtlich über die Schulter weg.
"HEY!!" fauchte Daud ihn an, den er mit dem Buch am Hinterkopf getroffen hatte.
"Werfen wir nun hier schon mit Büchern um uns? Was sollte das sein? Literarischer Angriff oder was?!"
Auch wenn Daud ihn anfauchte konnte Thomas keinen ernsten Gesichtsausdruck halten.
"Er wirft mit Worten um sich." Warf Rulfio trocken ein und Thomas drückte beide Hände gegen seinen mund, um sein Grinsen zu verbergen. Es war nicht lustig, das wusste er, aber Rulfios trockener Kommentar war es.
Daud seufzte kurz auf.
"Okay Rulfio, ruf die Anderen zu einer Versammlung zusammen und schick die Novizen auf die Wachposten draußen. Wir treffen uns in 10 minuten wieder."
"Ja Sir." Rulfio verschwand wieder und Thomas sah Daud fragend an.
"Ja, du kommst auch mit."
Thomas zeigte erst auf sich, dann auf den Block auf dem Tisch.
"Ja das kannst du mitnehmen."

Diese Versammlung, war eher eine Beratungsrunde von Daud und seinen besten Attentätern.
Alle Wichtigen waren schon anwesend, als Daud, gefolgt von Thomas den Raum betrat und alle den kleinen Blonden ansahen. Inzwischen hatte wohl auch der letzte Walfänger gehört was passiert war.
Billie, die am Kopfende des Tisches saß, ein Platz, der eigentlich Daud vorbehalten war, sah auf und sah Thomas finster an. Es war schon lange kein Geheimnis mehr, dass die junge Frau den blonden Walfänger auf den Tod nicht ausstehen konnte und nie eine Chance ausließ ihm eine reinzuwürgen.
"Daud, was macht er denn hier? Sollte er nicht das Bett hüten?"
"Thomas ist zäh genug, dass nun auch mit den Verletzungen durch zu stehen." erwiderte der Meisterassassine, während er Billie von seinem Platz scheuchte und Thomas sich etwas geehrt fühlte.
"Aber er kann doch nicht mehr reden, wie will er Vorschläge machen?" Sie sah den Blonden gehässig an, der mit dem Notizbuch vor ihrer Nase wedelte.
"Ach? Thomas, ich wusste gar nicht dass du schreiben kannst. Wenn du mir nun auch noch sagst, dass du lesen kannst, bist du wohl doch nicht so blöd wie ich immer dachte."
Natürlich KONNTE der Angesprochene nichts sagen und sie grinste.
"Billie, lass ihn in Ruhe!" Warf Rulfio ein und sie sah ihn von der seite an.
"Okay, Thomas wenn dir meine Sprüche zu weit gehen, sags mir einfach."
"GENUG!" Daud haute mit der Faust auf den Tisch. Da er dies fast jedes mal machte, hatte sich schon eine beeindruckende Delle in dem unbehandelten Holztisch gebildet. Mit Bolzen war eine Stadtkarte auf die Tischplatte gepinnt worden, die an verschiedenen Orten Markierungen trug. Thomas hatte diese Orte einst markiert. Sie zeigten Orte, die Informationen, mögliche Verstecke und Geldquellen beherbergten, aber auch Outsider-Schreine waren auf ihr vermerkt, sowie die absoluten Gefahrenzonen, die sich aber durch Farben unterschieden. Rotmarkierte waren komplett tabu, da konnte keiner hin oder sollte keiner hin, der auch nur etwas am Leben hing. Die Blauen waren nur für sehr erfahrene Attentäter zu betreten, die Herausforderungen dort waren enorm und die grauen Punkte, waren fast schon harmlos. Ratten und ein paar besoffene Schläger waren alles was man dort zu fürchten hatte, ein guter Ort wo Novizen den freien Kampf gegen Fremde probten.

Thomas stellte sich neben Daud, der das Kinn auf die Handflächen stützte und ernst in die Runde blickte.
"Ladies, wir haben ein Problem." begann Daud und ihm entgingen ein paar zerknirschte Blicke nicht, weil er die Truppe so angesprochen hatte. Es waren auch bei weitem nicht alle Anwesend, sie waren gerade einmal zu zehnt, aber Thomas war sich sicher, einige waren draußen unterwegs und daher nicht erreichbar.
"Nachem was Thomas mir mitgeteilt hat, wissen die Aufseher über einige unserer Laufrouten und Geheimwege bescheid. Noch dazu wussten sie von den Giftpfeilen in seinen Ärmeln. Ich will noch nichts in Stein meißeln, aber es könnte sein, dass sich vielleicht ein Verräter unter uns befindet."
"Und was sollen wir nun Ihrer Ansicht nach tun, Sir?" meldete sich Killian zu Wort. Killian war Thomas großer Bruder, er war Thomas' ewiges Vorbild gewesen, bevor er spurlos verschwunden war und Thomas ihn erst später bei den Assassinen wiedergetroffen hatte. Killian war groß, schlank, hatte ein schmales Gesicht und kurzes, braunes Haar. Über die Jahre hatte er sich ein paar Narben eingefangen, zählte aber was das anging noch zu dennen mit den Wenigsten Schrammen im Gesicht.
Killians und Thomas' Blicke trafen sich. Sie verstanden sich bestens ohne Worte.
"Lauschen. Als meine Loyalsten und besten Attentäter, erwarte ich, dass ihr Augen und Ohren offen haltet, ich will sofort informiert werden, wenn ihr etwas hört oder seht was verdächtig ist! Diese Aufseher-Schweine dürfen uns nicht finden!!"
"Glauben Sie, es könnte einer der Novizen sein?" fragte Zachary, mit seinem knallharten tyvianischen Akzent und Daud überlegte einige Augenblicke.
"Kann sein, ich weiß es nicht." gestand dieser und Zachary nickte, fuhr mit einer Hand durch seine roten Locken.
"Wenn ihr etwas Verdächtiges hört will ich es SOFORT wissen! Lasst alles stehen und liegen und kommt zu mir!!" Daud sah ernst in die Runde und jeder Einzelne nickte. Jeder ausser Billie.
"Was ist mit dir?" fragte Daud sie und sie schnaubte.
"Das alles hier, die ganze Paranoia NUR weil Thomas nicht auf sich aufpassen konnte?!" fauchte sie.
"Nur weil dieses...Baby zu dumm war? Wahrscheinlich hat er mal wieder genug Krach gemacht, damit ihn selbst Aufseher Taubstumm ihn hören konnte!"
"Billie, das war kein Vorschlag." Daud erhob sich und ging zu ihr rüber.
"Das war ein Befehl! Verstanden?!"
Sie sah ihn wütend an.
"Ja Sir!" Sie sah an ihm vorbei zu Thomas.
"Alles nur wegen diesem kleinen Arschkriecher." Knurrte sie, ehe sie das Zimmer verließ und die Türe hinter sich zuschepperte.

"Ignorier sie doch einfach." Sagte Killian später zu Thomas, als sie auf dem Weg nach unten waren. Der Konferenzsaal befand sich direkt unterm Dach.
"Sie ist nur neidisch, weil du einen besseren Draht zu Daud, hast als sie."
Thomas sah zu Boden. Er hasste ihre Sticheleien und nun gabs für ihn keine Chance mehr sich dagegen zu wehren.
"Thomas!" Rulfio kam ihnen nachgerannt und die zwei Brüder stoppten.
"Hey, haste das Buch noch, was ich dir gegeben habe?"
Thomas schüttelte den Kopf und kramte den Block hervor.

"Hab ich in Dauds Zimmer liegen lassen."

"Na dann hols mal her und wir üben das ein wenig, ja?" über Rulfios braun gebranntes Gesicht zog sich ein breites Grinsen und seine grünen Augen strahlten, als Thomas sacht nickte.
Rulfio war neben Daud der Älteste hier. Groß, kräftig, braun gebrannt mit langen braunen Haaren und grünen Augen. Ein "Exot" wie die Anderen gerne sagten, denn Rulfio war nicht von den bekannten Inseln, er kam aus Pandyssian, hatte seine ganze Kindheit dort verbracht und war mit 18 auf einem Schiff nach Gristol gekommen. Er war einer der Wenigen, die Thomas als Freund bezeichnen konnte. Gnadenlos und kaltherzig zu seinen Feinden, war Rulfio doch sehr lieb und humorvoll zwischen Personen, die er mochte und den kleinen Blonde hatte er sofort ins Herz geschlossen.
Er gab Thomas einen sachten Schubs.
"Na dann hol das Buch mal her, ich warte im Alten Versandhaus auf dich." Und damit verschwand der Brünette und Killian grinste.
"Tja, da hast du wohl was zu tun über den restlichen Nachmittag Brüderchen." lachte er und fuhr Thomas durch die Haare.
"Wir sehen uns, ich guck mal, was die Novizen so treiben. Hoffentlich sind die nicht wieder eingepennt." Und damit verschwand auch er.
Thomas machte sich auf, zu Dauds Gemächern. Das Buch musste noch da irgendwo liegen, entweder immernoch auf dem Boden, oder Daud hatte es auf einen der Tische gelegt. Er nahm sich vor, nur kurz reinzuhuschen, das Ding zu krallen und wieder abzuzischen.

Von draußen brannte die Sonne heiß durch die zerbrochenen Scheiben. Der Monat der Ernte, war immer schon recht warm gewesen, doch dieses Jahr war es besonders schlimm. Vor allem in kompleter Kluft war es unerträglich und unter den Gasmasken kam man schnell ins Schwitzen, daher wunderte es Thomas auch nicht, dass alle Walfänger, denen er begegnete, ihre Hemden etwas geöffnet hatten und die Handschuhe nicht trugen, um es wenigstens etwas kühler zu haben.
Wirklich jeder trug die Kleidung etwas lockerer und Billie, die er auf dem Weg zu Dauds Gemächer an einem Tisch stehen sah, fächerte sich zusätzlich noch kühle Luft mit einem Block zu.
Es war wirklich heiß. Das Problem, was diese Jahreszeit mit sich brachte, vor allem im überschwemmten Bezirk, war dass die Gewässer, zwischen denen sie nun einmal lebten, anfingen übelst zu stinken. Alles tote verrottete in der Hitze, Hexenfische, die es nicht geschafft hatten, aus kleinen Wasserläufen in die großen zu kommen, gammelten in der Sonne nun vor sich hin und eigentlich alles was modern und stinken konnte beteiligte sich nun, wie an einem Wettstreit, wer am übelsten riechen und die meisten Walfänger so aus den Latschen kicken konnte.
Auch war es schwer nun Lebensmittel zu lagern. Erst letztes Jahr, war ihnen ein Novize an einer Lebensmittelvergiftung krepiert, weil er eine Dose Walfleisch gegessen hatte die, nicht nur schon 18 Wochen alt war, sondern auch einen Nachmittag in der Sonne verbracht hatte. Seitdem kontrollierte Thomas sein Essen doppelt und dreifach.

Thomas stoppte vor der großen Türe zu Dauds Gemächern, klopfte kurz und trat ein. Sofort stoppte er.
Daud hockte, zurückgelehnt auf einem der Stühle, die Füße auf dem Tisch und rauchte. Sein roter Mantel lag neben ihm auf einem weiteren Stuhl. Er hatte seine Handschuhe ausgezogen und das Hemd komplett geöffnet, wodurch Thomas zum ersten mal, seit er da war, den freien Oberkörper seines Vorgesetzten sah. Daud hatte die Augen geschlossen und die Arme hinter dem Kopf verschränkt, während die Zigarette in seinem Mundwinkel vor sich hin glimmte. Scheinbar hatte er Thomas gar nicht gehört und der Blonde blieb einfach da stehen und beobachtete wie sich Dauds breiter, starker aber auch leicht vernarbter Brustkorb langsam hob und senkte. Sein Blick wanderte runter, über die gut ausgeprägten Bauchmuskeln, ebenfalls von einzelnen Narben gezeichnet. Der Blonde konnte nicht aufhören zu starren. Er hätte nie gedacht, dass Daud so einen tollen Körper hatte.
"Bist du da festgewachsen? Was willst du?" erklang Dauds Stimme und riss Thomas aus seinen Gedankengängen.  
Der Blonde schreckte auf und krackelte etwas mit zittrigen Händen auf den Block, den er Daud prompt zeigte.

"Ich wollte das Buch holen, welches Rulfio mir gab."

Daud erhob sich, legte die Zigarette in den Aschenbecher, schnappte sich eins der Bücher vom Tisch und ging zum blonen Walfänger rüber um es ihm zu geben.
Thomas' Wangen zierte ein leichtes Rosa, als Daud vor ihm stand und er wieder nicht umhin kam ihn anzustarren.
Daud sah unglaublich gut aus und Thomas verspürte plötzlich den Wunsch, diesen starken Körper einmal berühren zu dürfen, doch er wusste, wollte er alle seine Finger behalten, sollte er sie besser bei sich behalten.
Daud reichte ihm das rote, in Leder gebundenen Buch und sah den Jüngeren verwirrt an.
"Was ist?" fragte er und Thomas suchte rasch nach einer Ausrede und bemerkte dann die feinen Linien auf Dauds Haut, die unter dem Hemdärmel hervor lugten und zeigte dadrauf.
"Ach das." Daud schob den Ärmel etwas hoch und präsentierte Thomas sehr feingezeichnete Tattoos.
Sein Blick reichte um dem Älteren klar zu machen, was er sagen wollte.
"Ja, ich hab Tattoos und nein, das wusste hier keiner. Nun, du weißt es ja nun." Er grinste etwas und Thomas wurde etwas roter im Gesicht. Er deutete auf Dauds Arm und ließ seine Hand diesen hochwandern, ohne den Anderen dabei zu berühren. Daud aber verstand.
"Ja, die ziehen sich den ganzen Arm hoch." sagte er und Thomas war stolz auf sich, sich trotzdem noch einigermaßen ausdrücken zu können.
"Und ehe du fragst, ja ich hab noch mehr, aber hattest du nicht noch was vor?"
Thomas haute sich gegen die Stirn. Klar, Rulfio wartete ja noch auf ihn, deswegen war er doch hier. Er wollte ja nur das Buch haben.
Etwas schwerfällig wandte er sich ab, nachdem er sich dankend verneigt hatte und eilte los, das Gesicht immernoch ganz rot, um Rulfio im Versandhaus zu treffen.
Review schreiben