Maskenball

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Timothy Tiberius "Timmy" Turner
26.09.2016
26.09.2016
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„Ich gehe nicht hin! Das könnt ihr vergessen!“. Zum inzwischen siebten Mal wiederholte ich diese Worte, während ich mich mit einem leisen Seufzen auf mein Bett fallen ließ und das Gesicht in meinem Kopfkissen vergrub.
„Ach, jetzt komm schon, Timmy“, entgegnete Wanda in fürsorglichem Ton, als sie zu mir heruntergeschwebt kam und sich neben mich setzte. Vorsichtig griff sie nach meiner Hand und streichelte sie für einen kurzen Moment, brachte mich dadurch dazu, wieder den Blickkontakt mit ihr zu suchen. „Gib dir einen Ruck“, meinte sie mit einem sanften Lächeln. „Du wirst bestimmt eine Menge Spaß haben, glaub mir. Außerdem hast du es Sparky versprochen, oder täusche ich mich?“.
„Mmmh“, antwortete ich murrend, weil ich selbstverständlich wusste, dass sie mit dieser Aussage Recht hatte. Natürlich hatte ich Sparky versprochen, mit ihm zu dieser Halloweenparty zu gehen. Ein Kostümfest, das von meiner Bekannten und ehemaligen Mitschülerin Trixie Tang veranstaltet wurde und zu dem ich überraschenderweise eine Einladung erhalten hatte, die verkündete, dass ich noch eine Person meiner Wahl mitbringen durfte.
Natürlich war ich auch Feuer und Flamme gewesen, als die Einladung bei mir angekommen war und ich hatte Cosmo, Wanda und Sparky direkt alles darüber erzählt. Darüber hinaus war Sparky der erste und auch einzige gewesen, der für mich als meine Begleitung in Frage gekommen war. Er war der einzige, mit dem ich – wenn überhaupt – zu dieser Party gehen würde. Er war mein Freund. Und deshalb hatte er es auch verdient, dass ich mit ihm da auftauchte – und nicht mit irgendjemand anderem.
Im Nachhinein wurde mir jedoch bewusst, dass es vielleicht doch keine so gute Idee gewesen war, ihn gleich mit meinem Vorhaben zu überfallen. Vielleicht hatte ich doch wieder einmal zu vorschnell gehandelt. Denn auch wenn wir inzwischen seit knapp zwei Monaten ein festes Paar waren, war und blieb unsere Beziehung dennoch mehr als nur außergewöhnlich.
Natürlich liebte ich ihn über alles und war mir sicher, dass es niemals einen anderen an meiner Seite geben würde als ihn. Er hatte es vor nun fast schon zwei Monaten geschafft, mir den Kopf zu verdrehen und mein junges Herz im Sturm zu erobern. Er war derjenige, neben dem ich morgens aufwachte und mit dem ich abends einschlief. Derjenige, dem ich meine ganze Liebe für alle Zeiten schenken wollte. Ich wollte nur ihn ganz allein und hatte mir auch vorgenommen, zu ihm und unserer Beziehung zu stehen, egal, was die Leute sich dabei dachten und was sie darüber sagten. Deswegen war ich auch fest entschlossen gewesen, mit ihm zu dieser Party zu gehen und allen zu zeigen, dass er mein fester Freund war.
Aber jetzt, nachdem die besagte Party immer näher rückte, beschlichen mich immer häufiger Zweifel, ob wir nicht doch einen Schritt zu weit gingen, wenn wir zusammen dort auftauchten. Denn bisher wusste bis auf Cosmo und Wanda noch niemand etwas von unserer Liebe. Sie war noch geheim. Streng geheim.
Bis jetzt hatte ich es ja noch nicht einmal geschafft, meine Eltern darüber in Kenntnis zu setzen, geschweige denn meine Freunde und Bekannten. Und auch wenn ich mir ehrlich vorgenommen hatte, auf die Meinung anderer nichts zu geben, fehlte mir jetzt trotzdem der Mut, mich dazu zu bekennen.
Ich liebte Sparky wirklich. Ich liebte ihn mehr, als man es mit Worten jemals zum Ausdruck bringen konnte. Mein Herz gehörte ganz allein zu ihm und ich wusste, dass sich daran niemals wieder etwas ändern würde. Aber nichtsdestotrotz war er immer noch ein Hund. Ein Elfenhund zwar, aber dennoch ein Hund. Mein ehemaliges Haustier, das sich einfach so in mein Herz geschlichen und mich mit seiner süßen, kindischen Art verrückt gemacht hatte.
Nur deswegen lag ich jetzt hier und zerbrach mir den Kopf darüber, ob ich die Sache wirklich so reibungslos und konsequent durchziehen konnte, wie ich mir das vor wenigen Wochen noch vorgenommen hatte. Deswegen überlegte ich hin und her, ob es nicht doch besser war, zu Hause zu bleiben und mir mit ihm zusammen einen ruhigen Abend zu machen, statt auf die Party zu gehen.
Gleichzeitig biss mich aber auch das schlechte Gewissen ihm gegenüber. Wie Wanda mir noch einmal deutlich vor Augen geführt hatte, hatte ich ihm fest versprochen, mit ihm zu dieser Party zu gehen und den anderen zu zeigen, dass er mein fester Freund war. Ich hatte ihm versichert, dass es mich nicht interessierte, was sie dazu sagten und ob sie sich darüber lustig machten. Hatte ihm mein Wort darauf gegeben, dass ich mich von niemandem beirren ließ und ihn allen als meinen Lebensgefährten vorstellen würde.
Im Prinzip wollte ich das ja auch. Ich wollte endlich einmal mit ihm ausgehen und mein Versprechen einlösen. Ich wollte mit ihm in irgendeinem angesagten Club tanzen gehen, ihn ins Kino mitnehmen oder meinetwegen auch in irgendein Lokal einladen. Er war mein Partner. Und er hatte auch das verdammte Recht dazu, dass ich ihn so behandelte. Er hatte es verdient, dass ich endlich über meinen Schatten sprang und mich zu unserer Liebe bekannte.
Warum stellte ich mich dann so an? Warum sträubte ich mich mit Haut und Haaren dagegen, mit ihm zu dieser Party zu gehen? Warum hatte ich plötzlich nicht mehr den Mut, mich zu ihm zu bekennen? Was zum Teufel war denn nur los mit mir?
Ich selbst hatte doch auch genug davon, das mit uns ständig verstecken zu müssen und unter den Teppich zu kehren. Ich wollte mich doch auch nicht mehr länger verstellen, sondern fest zu ihm stehen und ihm zeigen, dass er mir unheimlich viel bedeutete. Dass ich ich ihn liebte und es mir völlig gleichgültig war, ob das gesetzlich erlaubt war oder nicht. Auch wenn wir aus zwei verschiedenen Spezies kamen, auch wenn ich ein Mensch war und er ein Elfenhund – wir liebten uns. Wir liebten uns über alles. Er war der eine, mit dem ich für alle Zeit zusammen sein wollte, das wusste ich.
Warum konnte ich dann nicht endlich über meinen Schatten springen und zu dem stehen, was sich zwischen uns entwickelt hatte? Was zur Hölle war es, das mich plötzlich wieder verunsicherte und vor diesem Schritt zurückschrecken ließ? Warum sträubte ich mich so dagegen? Ich liebte Sparky doch. Warum hatte ich dann plötzlich solche Angst davor, es zu zeigen? Warum malte ich mir auf einmal schreckliche Dinge aus, die passieren konnten, wenn jemand etwas von uns erfuhr? Warum konnte ich nicht einfach meinen Mut zusammennehmen und mit ihm zu dieser Party gehen?
Es war doch schließlich Halloween. Jeder würde in irgendeiner ausgeflippten oder eigenartigen Verkleidung herumhüpfen. Jeder würde irgendein Kostüm tragen, mit dem er möglichst viele begeisterte und zum Teil auch verwunderte Blicke auf sich ziehen wollte. Wem sollte da also bitteschön der Verdacht kommen, dass Sparky ein echter Elfenhund war? Wer sollte mich komisch anschauen, wenn ich mit ihm dort auftauchte und ihn als meinen Lebensgefährten vorstellte?
Niemand, wurde mir klar. Niemand würde auch nur ein Wort sagen, wenn ich von unserer Beziehung erzählte. Jeder würde glauben, Sparky hätte nur ein Kostüm an und wäre in Wirklichkeit ein Mensch, genau wie ich auch. Warum konnte ich also nicht einfach diese Chance nutzen? Eine bessere Gelegenheit, den Leuten zu erzählen, dass ich mich verliebt hatte, gab es doch überhaupt gar nicht.
Darüber hinaus war ich es Sparky schuldig. Ich schuldete ihm den endgültigen Beweis dafür, dass ich ihn so liebte, wie er nun einmal war und ihn gar nicht anders haben wollte. Egal, ob die anderen Leute um mich herum nichts weiter als den Hund in ihm sahen. Ich wusste und spürte genau, dass er so viel mehr war als nur das. Er war mein Prinz. Mein kleiner Prinz, der mir das Herz gestohlen hatte.
„Timmy?“. Wanda riss mich aus meinen Gedanken, als sie mir sanft auf die Schulter tippte, und lächelte mich ermutigend an. „Worüber denkst du nach?“, wollte sie wissen, während sie vorsichtig nach meiner Hand tastete und sie fest umschloss.
„Nichts. Nichts weiter“, antwortete ich und versuchte, ihr Lächeln zu erwidern, weil ich in diesem Moment beschlossen hatte, es zu tun. Ich würde mit Sparky da hingehen. Ich würde ihn zu dieser Party mitnehmen und ihn als meinen festen Freund vorstellen. Wenn ich jetzt nicht den Mut dazu aufbrachte, würde ich es vermutlich niemals mehr schaffen. Wenn ich jetzt nicht endlich reinen Tisch machte und zu ihm stand, würden wir niemals ein ganz normales Paar sein können.
„Was ist denn jetzt mit der Party?“, wollte Wanda gespannt wissen, woraufhin mein Lächeln noch breiter wurde und ich ihr optimistisch in die Augen schaute. „Ich gehe“, antwortete ich entschlossen und sprang aus dem Bett, womit ich sie erschreckte und sie überrascht zurückwich. „Du gehst?“, fragte sie dann und legte ein begeistertes Lächeln auf. „Ja, du hast Recht“, erwiderte ich und schüttelte kurz den Kopf, bevor ich meinen Fehler korrigierte. „Ich habe es völlig falsch ausgedrückt. Wir gehen muss es natürlich heißen“.
„Das bedeutet... du nimmst Sparky mit?“, schaltete sich Cosmo plötzlich ein, der lächelnd über mir schwebte und auf mich herunterschaute. „Aber klar“, stimmte ich ihm euphorisch zu. „Immerhin ist er doch mein Schatz. Und wenn ich schon hingehe, dann ausschließlich mit ihm“.
„Du bist auch mein Schatz, Timmy“, hörte ich Sparky plötzlich hinter mir sagen und wandte meinen Blick zur Tür. Ein süßes Lächeln auf seinen Lippen und die Pfoten lässig vor der Brust verschränkt, lehnte er im Türrahmen und sah zu mir herüber.
„Hi Baby“, erwiderte ich, als ich auf ihn zuging und mich vor ihm auf die Knie fallen ließ. „Wir haben gerade über die Halloweenparty gesprochen“. „Hab's mitbekommen“, antwortete er und legte seine Pfote sanft um meine Hand. Behutsam beugte er sein Gesicht dicht an meines heran und drückte mir einen kurzen Kuss auf die Wange.
„Weißt du, Timmy“, meinte er dann, während er unsicher seinen Blick senkte. „Du... du musst nicht mit mir da hingehen, wenn du nicht willst“. „Aber Sparky, wie kommst du denn auf so etwas?“, erwiderte ich rasch. „Natürlich will ich mit dir zu der Party gehen. Warum sollte ich das denn nicht wollen, hm?“.
„Ich... ich meine nur“, antwortete er leise. „Wenn du noch nicht dazu bereit bist, das mit uns öffentlich zu machen, dann verstehe ich das. Timmy, du weißt, dass ich dich nie zu etwas drängen würde. Ich gebe dir alle Zeit dieser Welt. Und wenn du lieber zu Hause bleiben möchtest, dann...“.
„Aber ich will hingehen“, warf ich dazwischen, noch ehe Sparky dazu kam, seinen Satz zu Ende zu sprechen. „Ich will da wirklich hingehen. Mit dir. Es wird doch langsam mal Zeit, dass wir den nächsten Schritt machen, findest du nicht auch?“. „Das... das wäre schon schön“, erwiderte er mit einem verspielten Lächeln. „Ich meine, ich würde mich sehr freuen, wenn du mich mitnimmst. Aber noch einmal, Timmy: Du musst das wirklich nicht tun, um mir irgendetwas zu beweisen, okay? Ich weiß auch so, dass du mich wirklich liebst. Und ich liebe dich auch, mein Süßer“.
„Sparky, woher weißt...?“, begann ich, hielt jedoch schlagartig inne und sprang wieder auf. „Cosmo!“, rief ich aus, als mir bewusst wurde, dass er wieder einmal getratscht haben musste. Immerhin hatte ich ihm vor wenigen Tagen alles über meine heimlichen Gedanken bezüglich der Party erzählt und ihn darum gebeten, es für sich zu behalten. Aber so wie immer hatte er sich offensichtlich nicht daran gehalten.
„Tut mir sehr Leid, Timmy“, entschuldigte er sich auf der Stelle und senkte beschämt seinen Blick. „Ich wollte Sparky einfach wissen lassen, was mit dir los ist, damit er sich nicht unnötig Sorgen um dich macht“. „Du bist schlimmer als die Klatschpresse!“, warf ich ihm vor, beruhigte mich jedoch wieder, als Sparky langsam nach meiner Hand griff und mir ein aufmunterndes Lächeln zuwarf.
„Ist schon okay, Timmy“, meinte er verständnisvoll. „Ich kann nachvollziehen, dass du unheimlich aufgeregt bist deswegen. Ich bin offen gestanden auch etwas nervös. Darum sage ich es dir noch einmal: Du musst da mit mir nicht hingehen, wenn du nicht willst oder noch nicht bereit dazu bist. Ich bin dir auch überhaupt gar nicht böse deswegen. Wirklich nicht, Timmy. Ich verstehe das, glaub mir“.
„Doch, Sparky, ich will“, entgegnete ich und lächelte wieder. „Ich will wirklich mit dir da hin. Ich will endlich reinen Tisch gegenüber meinen Freunden machen und ihnen sagen, dass ich mich Hals über Kopf in dich verliebt habe. Ich will, dass sie alles über uns erfahren, damit endlich Schluss ist mit dieser ewigen Heimlichtuerei. Du bist meine Liebe, Sparky. Mein Leben. Darum hast du es auch mehr als verdient, dass ich zu dir stehe. Und das werde ich von jetzt an auch. Ich werde mich nicht mehr durch meine Ängste und Befürchtungen beirren lassen, sondern mich einfach geradeheraus dazu bekennen. Und wenn die anderen sich deshalb auf den Kopf stellen, dann sollen sie das meinetwegen ruhig tun. Ich liebe dich, mein Hübscher. Daran könnte niemals irgendjemand etwas ändern“.
Erneut ging ich auf die Knie und griff vorsichtig nach seiner Pfote. „Und damit du weißt, dass ich es ernst meine...“, fügte ich lächelnd hinzu. „...frage ich dich jetzt ganz offiziell: Sparky, mein Schatz, möchtest du mich zu Trixies Halloweenparty begleiten?“.
„Oh Timmy...“, erwiderte er, gerührt von meinen Worten. „Natürlich möchte ich das. Mehr als alles auf der Welt“. Er fiel mir kurz um den Hals, ehe er mich freudestrahlend anschaute und mich sanft auf die Wange küsste. „Also, für diese Aktion hätte ich doch wohl einen richtigen Kuss verdient, meinst du nicht?“, neckte ich ihn kichernd und fuhr mit den Fingern kurz über seine Ohren.
Er grinste zurück, ehe er sein Gesicht dem meinen immer weiter näherte, bis seine Schnauze schließlich ganz sanft meine Lippen berührte. Aus einer Reflexhandlung heraus hob ich ihn hoch und presste ihn so eng wie möglich an mich, während ich ihn immer tiefer in diesen Kuss hineinzog.
Nach ein paar Augenblicken lösten wir unsere Lippen schließlich wieder voneinander und ich trug ihn vorsichtig zu meinem Bett hinüber. Dort setzte ich ihn langsam ab und nahm im Anschluss neben ihm Platz. Automatisch tastete er mit seiner kleinen Pfote nach meiner Hand und umschloss sie ganz fest.
„Dann gehen wir also hin, ja?“, wollte er noch einmal wissen und strahlte mich dabei überglücklich an. „Aber auf jeden Fall“, stimmte ich ihm zu und legte meine Hand vorsichtig auf sein Knie. „Wir waren noch nie zusammen weg. Höchste Zeit, dass wir das mal nachholen“. „Das ist so süß von dir, Timmy“, meinte er gerührt und schmiegte sich näher an meinen Körper. „Wirklich unheimlich süß. Ich... ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll“.
„Dann sei still und küss mich“, antwortete ich mit einem Grinsen und ließ mich mit ihm zusammen rückwärts ins Bett fallen, dabei natürlich völlig vergessend, dass Cosmo und Wanda noch immer im Raum waren und all unsere Bewegungen und Handlungen genaustens beobachteten. Gekonnt fing ich damit an, ihn zärtlich im Nacken zu kraulen, wodurch ich ihm einen zufriedenen Seufzer entlockte.
„Gefällt dir das, Sparky?“, wollte ich gespielt neckisch wissen und mein Grinsen wurde noch breiter. Zur Antwort stieß er einen weiteren Seufzer aus und legte seinen Kopf vollständig auf mir ab. „Mmmh“, murmelte er dann und entspannte seinen gesamten Körper, während ich mit meinen Streicheleinheiten fortfuhr.
Cosmo räusperte sich kurz und schaute mit einem Lächeln auf uns herab. „Sollen wir euch alleinlassen?“, wollte er leise kichernd wissen und warf Wanda einen Blick zu. Automatisch hielt ich mit meinen Streichlern inne und setzte mich wieder ein Stück auf. Sparky lächelte ganz verlegen und senkte seinen Blick. Allem Anschein nach war ihm die Situation ein bisschen unangenehm.
„Sorry“, entschuldigte ich mich lachend bei Cosmo und Wanda. „Aber bei so einem süßen Fratz kann ich einfach nicht anders“. Diese Aussage ließ Sparky rot werden und er kicherte noch einmal. „Bin ich das?“, wollte er gespielt skeptisch wissen, was ich durch ein kurzes Nicken bejahte. „Absolut, Sparky“, meinte ich und streichelte seine Pfote. „Das bist du“.
„Wenn du das sagst, Timmy“, erwiderte er und zuckte kurz mit den Schultern.
„Absolut“, wiederholte ich bekräftigend, ehe ich mich erhob und zu meinem Nachttischchen hinüberging. Rasch zog ich die oberste Schublade auf und holte meine Einladung zu Trixies Halloweenparty noch einmal heraus, um nachzulesen, wann genau sie überhaupt anfangen sollte. „Beginn 7:30 Uhr“, murmelte ich, als ich den entsprechenden Absatz gefunden hatte und sah wieder auf.
„Weißt du schon, als was du hingehst?“, wollte Sparky von mir wissen, während er die Einladung ebenfalls kurz überflog. „Hm?“, erwiderte ich seine Frage gedankenversunken. „Als was wirst du dich verkleiden?“, fragte er mich erneut, was mich unweigerlich zum Grinsen brachte. „Das wird eine Überraschung“, antwortete ich dann. „Deshalb kann ich es dir leider noch nicht sagen. Aber ich bin mir sicher, dass es dir bestimmt gefallen wird“.
„Ach komm schon, Tim“, meinte er und stupste mich sanft mit seiner Schnauze an. „Jetzt sag schon. Ich verrate es auch keinem, versprochen“. „Tut mir Leid, Sparky“, lehnte ich ab und schüttelte den Kopf. „Aber du wirst dich wohl oder übel bis zur Party gedulden müssen, wenn du es wissen willst“.
„Frechheit“, erwiderte er und tat so, als wäre er beleidigt. Doch ich beendete seine theatralische Darbietung ziemlich rasch, als ich ihn sanft auf die Wange küsste und seinen Kopf streichelte. „Das Zauberwort heißt Geduld“, flüsterte ich ihm ins Ohr. „Es sind doch nur noch ein paar Tage. So lange wirst du es schon aushalten“.
„Hast du eigentlich auch ein Kostüm, Sparky?“, schaltete sich Wanda plötzlich ein und schaute gespannt zu ihm herunter. Er schüttelte den Kopf und wechselte einen Blick mit mir, bevor er wieder zu ihr hochsah. „Nein“, antwortete er. „Timmy meint, ich kann so gehen, wie ich bin. Ist doch schließlich Halloween, da fällt das bestimmt keinem auf“.
„Genau“, unterstützte ich seine Aussage. „Niemand wird irgendwas bemerken bei all den merkwürdigen Gestalten, die sich auf der Party tummeln werden. Macht euch da mal keine Sorgen“.
„Ganz wie ihr wollt“, erwiderte Wanda schulterzuckend. „Wir wollen“, meinte ich, während ich Sparky kurz musterte und sich ein Lächeln auf mein Gesicht legte. „Er ist hübsch genug. Er braucht keine Verkleidung. Obwohl...“. „Obwohl was?“, hakte Sparky gespannt nach. „Naja, so als Vampir würdest du bestimmt auch nicht schlecht aussehen“, antwortete ich und zwinkerte ihm zärtlich zu. „Ich würde mich auf jeden Fall von dir beißen lassen“.
Auf diese Aussage hin grinste er nur und schob sich näher an mich heran, bis seine Nasenspitze mein Gesicht berührte. „Das kannst du gern haben, wenn du willst“, meinte er in einem sehr sexy Tonfall. „Auch ohne Verkleidung“. Kaum hatte er das gesagt, legte er seine Lippen erneut auf meine und drückte mit seinen Pfoten gegen meine Brust, bedeutete mir, mich wieder hinzulegen. Gehorsam kam ich seiner wortlosen Aufforderung nach und ließ mich noch einmal ins Bett fallen, während er sich eng an mich kuschelte und dabei bis über beide Ohren grinste.
„Ich denke, wir lassen euch mal besser allein“, meinte Wanda, die uns verzückt beobachtete, und nahm Cosmo an die Hand. „Ihr wollt doch sicher eure Privatsphäre, nicht wahr?“. „Wenn möglich“, erwiderte ich kichernd, bevor Sparky mich erneut mit einem Kuss überfiel und seine Pfoten um meine Schultern legte. „Selbstverständlich“, erwiderte Wanda. „Cosmo und ich müssen sowieso noch kurz in die Elfenwelt und ein paar Dinge erledigen. Dort findet an Halloween nämlich auch eine Party statt und die wollen wir uns unter keinen Umständen entgehen lassen. Viel Spaß euch beiden. Und seid bitte nicht allzu wild, okay?“.
„Was? – wir?“, entgegnete ich abweisend und grinste, als wüsste ich gar nicht, wovon sie überhaupt sprach. „Bis später, Jungs“, erwiderte sie und warf uns einen zufriedenen Blick zu, bevor sie sich zusammen mit Cosmo in einer dichten Wolke Elfennebel verflüchtigte.
Rasch wandte ich mich wieder Sparky zu, der eine seiner Pfoten an meine Hüfte gelegt hatte und sie langsam streichelte. „Was machen wir denn jetzt?“, fragte er neugierig, obwohl er die Antwort auf diese Frage bereits ganz genau kannte. „Keine Sorge, Süßer“, meinte ich und zwinkerte ihm zu. „Uns fällt bestimmt etwas Schönes ein“.

Fast zwei Stunden später lagen Sparky und ich immer noch zusammen in unserem Bett. Er hatte seinen Kopf gegen meine Schulter gelehnt und schlief, während ich meine Finger langsam durch sein Fell gleiten ließ, dabei darauf bedacht, ihn unter keinen Umständen aufzuwecken, da er wirklich unglaublich süß aussah, wenn er so seelenruhig schlummerte. Lächelnd beobachtete ich ihn eine Weile und küsste vorsichtig seinen Kopf, ehe ich meinen Blick Richtung Zimmerfenster wandern und meine Gedanken abschweifen ließ.
Vier Tage, überlegte ich für mich. Genau vier Tage waren noch übrig, bis wir beide zusammen zu Trixie Tangs Halloweenparty gehen würden. Bis ich ihn an die Hand nehmen und meinen Freunden vorstellen würde. Ihnen alles über uns erzählen würde. Erzählen würde, wie viel er mir bedeutete. Wie sehr ich mich in ihn verliebt hatte. Dass er mein Prinz war. Der Prinz, dem mein Herz für alle Zeiten gehören sollte.
Es war mir egal, was sie davon hielten. Um die Meinung anderer scherte ich mich schon seit langem nicht mehr. Sparky gehörte zu mir. Er war mein Freund. Mein erster fester Freund. Und er hatte es auch verdient, dass er als solcher anerkannt wurde. Er verdiente es, dass ich mit ihm zusammen ausging und ihm bewies, dass es mich nicht interessierte, ob die Leute damit zurechtkamen oder nicht. Ob sie nichts weiter als den Hund in ihm sahen.
Ich wusste, dass er so viel mehr war als nur das. Dass ich ihn mit Leib und Seele liebte. Ihn begehrte. Jede Minute mit ihm teilen wollte. Jeden Augenblick. Er war mein Leben. Und ich versprach mir, dass sich daran nie etwas ändern würde. Egal, ob man uns deswegen komisch anschaute. Egal, ob andere unsere Liebe verstehen konnten oder nicht. Sparky und ich wussten, dass sie echt war. Und dass nichts auf dieser Welt es jemals schaffen konnte, sie kaputtzumachen. Das ließ ich nicht zu. Niemals.
„Mmmh“. Sparkys leises Murmeln schreckte mich aus meinen Gedanken auf und brachte mich dazu, ihn anzusehen. Er gähnte, bevor er schließlich seine Augen aufschlug und mich verschlafen anlächelte. „Guten Morgen, Romeo“, meinte ich spaßeshalber, sein Lächeln erwidernd. „Gut geschlafen?“.
„Mmmh“, wiederholte er und streckte sich für einen kurzen Moment, bevor er sich vollständig aufsetzte und mich noch einmal anschaute. „Wie spät ist es?“, wollte er dann wissen und wandte seinen Blick zu meinem Nachttischchen um. „Kurz nach fünf“, antwortete ich, woraufhin er überrascht aufatmete. „Oh je“, meinte er dann und schüttelte kurz den Kopf. Erneut schaute er mir in die Augen und lächelte wieder dieses süße, verlegene Lächeln, das ich so an ihm liebte.
„Tut mir Leid, Timmy“, entschuldigte er sich bei mir. „Ich wollte überhaupt nicht einschlafen. Aber nach unserem... naja... du weißt schon... Spiel, da war ich irgendwie so müde“. „Ist doch kein Problem, Sparky“, versicherte ich ihm. „Dafür brauchst du dich doch nicht zu entschuldigen. Schlaf dich ruhig aus, mein Süßer“.
Er lächelte, als er sich mir zuwandte und seine Pfote an meine Hüfte legte. „Oh“. Ein überraschtes Kichern war zu vernehmen, als er fühlte, dass ich nichts weiter trug als meine Boxershorts. Er grinste mich schelmisch an, während er seine Pfote an mir entlangstreifen ließ. „Du hast dich ja noch gar nicht angezogen“, stellte er dann fest und zwinkerte mir zu. „Gibt's einen bestimmten Grund dafür?“. „Möglicherweise“, antwortete ich, sein Grinsen erwidernd, und schlug kurzerhand die Bettdecke zurück.
„Willst du nochmal?“, fragte er fast flüsternd und sein Grinsen wurde noch breiter. „Möglicherweise“, wiederholte ich und bemühte mich, dabei so sexy wie nur möglich zu klingen. Vorsichtig umschloss ich seine Pfote und führte sie ein Stück weiter an mir herab, sodass er eindeutig spüren konnte, wie sehr mir diese Situation gefiel. „Also Timmy...“, meinte er gespielt vorwurfsvoll und schmiegte sich noch dichter an mich heran. „Hast du denn noch nicht genug, hm?“.
„Von dir kriege ich nie genug, das weißt du doch“, antwortete ich, bevor ich ihn auf die Wange küsste und damit anfing, ihn im Nacken zu kraulen. Ich wusste ganz genau, dass ihm das über alle Maßen gefiel und dass es mir so am besten gelingen würde, seine Lust anzuheizen und ihn noch einmal in Stimmung zu bringen.
„Na, du bist mir einer“, meinte er grinsend und tat so, als wäre er überrascht, obwohl ich ganz genau wusste, dass wir in diesem Moment beide denselben Gedanken hatten. „Sorry, Sparky“, erwiderte ich und zuckte mit den Schultern. „Ich finde dich eben unwiderstehlich. Da kann es schon mal vorkommen, dass ich die Kontrolle verliere“.
„Unwiderstehlich?“, fragte er nach und kicherte verspielt. „Meinst du nicht, dass du damit ein wenig übertreibst, Timmy?“. „Kein bisschen“, versicherte ich ihm und beugte mich ganz nah an sein Ohr heran. „Du bist einfach sexy, Sparky. Da werde ich eben gerne schwach“. Wieder kicherte er, als ich diese Worte ausgesprochen hatte und schwang lässig die Beine übereinander. Dann rutschte er näher an mich heran und ließ mich in aller Ruhe mit meinen Streicheleinheiten fortfahren.
„Wenn du das sagst, wird es schon stimmen“, meinte er, teils zufrieden, teils geschmeichelt von meinem Kompliment. Dann führte er langsam seine Pfote an meiner Hüfte entlang, ließ sie ein paar Mal daran auf- und abgleiten, bis er sich schließlich weiter in die Mitte wagte und kurzerhand direkt zwischen meine Beine griff. „Willst du das, Timmy?“, fragte er mich so verführerisch wie nur möglich und setzte sich ein Stückchen auf. „Ist es das, was du haben möchtest?“.
Zustimmend nickte ich kurz, woraufhin er sich über mich beugte und mich behutsam streichelte. Ein Grinsen zog sich über sein Gesicht, als er seine Pfoten spielend über meinen Bauch führte und sie schließlich ein Stückchen in meine Boxershorts hineinschob. „Oh“, rief er kichernd aus, als er spüren konnte, wie stark er mich bereits erregt hatte und wagte sich noch ein bisschen tiefer hinein.
Ich spürte sein Fell an meinem Bauch kitzeln und schloss zufrieden die Augen, ließ ihn in aller Ruhe mit seiner Handlung fortfahren. „Ist das gut, Timmy?“, fragte er neckend, als er ein wenig fester zugriff. „Gefällt dir das?“. „Mmmh“, war alles, was ich ihm in diesem Augenblick antworten konnte und er beugte sich noch weiter über mich. „Entspann dich, Sweetie“, wies er mich mit flüsternder Stimme an, begeistert darüber, dass er auch einmal in die Rolle des Verführers schlüpfen durfte.
Denn für gewöhnlich war ich derjenige, der ihn bis zum Höhepunkt streichelte oder ihn zärtlich liebte. Nur selten war es umgekehrt, was aber nicht daran lag, dass ich ihn in irgendeiner Weise dominierte oder ihm vorschrieb, was er zu tun hatte. Im Gegenteil: Ich versuchte immer so gut wie möglich, mich auf ihn und seine Wünsche einzustellen und diesen nachzukommen. Und meistens war er derjenige, der sich verführen lassen wollte und es liebte, wenn ich zärtlich zu ihm war.
Allerdings gab es auch hin und wieder Male wie diese, bei denen er es sein wollte, der mich streichelte und mir zeigte, was er konnte. Und ich ließ ihn nur zu gerne. Es gefiel mir über alle Maßen, wenn ich mich einfach nur zurücklehnen musste und in Ruhe Sparkys Streicheleinheiten genießen konnte. Denn eines stand völlig zweifelsfrei fest: Er machte seine Sache jedes Mal gut. Unglaublich gut sogar.
„Oh“. Mir entkam ein überraschtes Stöhnen, als Sparky seinen Griff um mich verfestigte und seine Bewegungen intensivierte. „Gut so, Timmy?“, fragte er noch einmal, doch ich war überhaupt nicht fähig dazu, ihm eine Antwort darauf zu geben. Stattdessen seufzte ich zufrieden und entspannte mich voll und ganz, kostete diesen Augenblick in vollen Zügen aus. Eine Zeit lang bewegte er sich an mir auf und ab, bevor er einen Moment stoppte und von einer Pfote in die andere wechselte.
Wieder stöhnte ich dabei und fühlte, dass meine Lust sich schon ziemlich stark aufgebaut hatte und ich dieses Tempo mit Sicherheit nicht mehr lange aushalten würde. Reflexartig krallte ich meine Hände im Bettlaken fest und versuchte, ganz entspannt zu atmen, um diese Streicheleinheit zu genießen und meinen Höhepunkt so lange wie nur möglich hinauszuzögern.
Geschickt hielt Sparky noch einmal inne, als er einen kurzen Blick in mein Gesicht warf, bevor er seinen Griff um mich vollständig löste und so vorsichtig er konnte damit begann, über meine Spitze zu streicheln. Mein Herzschlag bebte und meine Lust steigerte sich ein weiteres Mal, drängte darauf, endlich herausgelassen zu werden. Rasch wollte ich ihn dazu anweisen, mir die Boxershorts auszuziehen, bevor es zu spät war, doch ich brachte kein einziges Wort über die Lippen, war viel zu erregt, als dass es mir gelungen wäre, einen anständigen Satz zu formulieren.
„S-Sparky...“, würgte ich schließlich mit Mühe hervor, als er seine Pfote ein weiteres Mal an mir entlanggleiten ließ und ich die Kontrolle über mich verlor. Bevor ich noch ein Wort sagen oder etwas dagegen tun konnte, musste ich abspritzen und mein ganzer Körper begann zu zittern. Als Sparky das bemerkte, wollte er rasch meine Boxershorts nach unten schieben und intensivierte dadurch ungewollt meinen Orgasmus.
Wieder entkam mir ein lautes Stöhnen und ich brauchte noch einige Augenblicke, bis ich meine Atmung, sowie meinen Herzschlag wieder vollständig normalisieren konnte. Rasch setzte ich mich ein Stück hoch und warf ihm einen Blick zu. Er zuckte kurz mit den Schultern und legte ein verspieltes Lächeln auf, als wäre er sich überhaupt keiner Schuld bewusst. „Ups“, meinte er dann und kicherte, während ich an mir herunterschaute, um mir den kleinen Unfall genauer anzusehen.
„War ich zu schnell?“, wollte er frech wissen und versuchte, so sexy wie nur möglich zu klingen. Auf diese Frage hin legte ich meine Arme um ihn, zog ihn näher zu mir heran und drückte ihm blitzartig einen glücklichen Kuss auf die Schnauze. „Überhaupt nicht“, meinte ich zufrieden und warf mir rasch die Bettdecke über die Hüften, bevor ich vollständig aus meiner Boxershorts herausschlüpfte. „Du warst einmalig“, flüsterte ich ihm ins Ohr, was ihn noch breiter grinsen ließ. „Absolut einmalig“.

Am Abend saßen Sparky und ich gemeinsam vor dem Fernseher im Wohnzimmer und verfolgten gespannt eine Wiederholung von 'Jeopardy'. Meine Eltern waren wie üblich ausgegangen und Cosmo war mit Wanda noch in der Elfenwelt, sodass wir das gesamte Haus für uns allein hatten und ganz in Ruhe Zeit miteinander verbringen konnten, ohne dabei von irgendwem erwischt zu werden.
Sparky hatte seinen Kopf auf meiner Schulter abgelegt und die Pfoten um meinen Körper geschwungen, atmete dabei ganz entspannt und ruhig, während ich mit den Fingern durch sein weiches Fell fuhr und ihm in unregelmäßigen Abständen ein Küsschen auf die Wange drückte. Das brachte ihn jedes Mal zum Lächeln und er schmiegte sich dann noch enger an mich heran. Der süßlich-milde, angenehme Duft seines Fells stieg mir dabei in die Nase und berauschte meine sämtlichen Sinne.
Wenn dieser Moment doch ewig anhalten könnte, dachte ich mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht, während ich meine Hand geschickt um seine Schultern legte und sie dann vorsichtig in seinen Nacken wandern ließ. Gekonnt begann ich damit, ihn langsam zu kraulen und zauberte ihm dadurch ebenfalls ein Lächeln auf die Lippen. „Mmmh, Timmy...“, seufzte er zufrieden und neigte seinen Kopf ein Stück weiter zur Seite. „Ein bisschen tiefer, bitte“, wies er mich an und schloss kurzzeitig die Augen. Seiner Aufforderung nachkommend, ließ ich meine Hand ein bisschen nach unten gleiten, bis er einen erneuten Seufzer ausstieß, lauter diesmal.
„Genau da“, ließ er mich wissen und warf mir einen glücklichen Blick zu. „Ich muss schon sagen, du machst das ausgezeichnet“, meinte er mit einem süßen Kichern. „Du weißt eben, was mir gefällt“. „Ich kenne dich auch schon lange genug“, entgegnete ich grinsend, ehe ich mich wieder dem Geschehen im TV zuwandte.
Wieder mal ein absolut perfekter Abend, überlegte ich für mich und legte die Füße hoch, dabei darauf bedacht, die Kerze, die ich zuvor angezündet hatte, nicht aus Versehen umzustoßen. Ein perfekter Abend mit meinem perfekten Sparky. Mit meinem unverschämt süßen Herzensbrecher.
„Du, Timmy...“, unterbrach Sparky plötzlich meine Gedanken und löste sich sanft von mir. „Ja?“, wollte ich lächelnd wissen, während ich zu ihm hinunterschaute. „Kann ich dich was fragen?“, erwiderte er und senkte kurz den Blick. „Natürlich“, antwortete ich erwartungsvoll. „Alles, was du willst“. „Es... es geht um die Party“, begann er zögernd. „Willst du wirklich mit mir da hingehen?“.
„Aber klar, mein Süßer“, versicherte ich ihm noch einmal. „Ich will unbedingt mit dir da hin. Das habe ich dir doch schon gesagt“. „Bist du dir wirklich sicher?“, fragte er erneut und wich ein weiteres Mal meinem Blick aus. „Ich... ich meine, wenn du nicht willst, dann habe ich vollstes Verständnis dafür und...“. „Sparky“, unterbrach ich ihn, ein bisschen geschmeichelt von seiner zurückhaltenden Art. „Das haben wir doch schon besprochen. Ich will mit dir zu dieser Party gehen. Unbedingt. Ich will dich meinen Freunden vorstellen. Ich möchte, dass sie wissen, wie glücklich ich mit dir bin. Dass mein Herz nur dir ganz allein gehört. Du bist mein Prinz, Sparky. Und daran wird sich niemals etwas ändern, okay?“.
„Ich liebe dich auch, Timmy“, meinte er bewegt und nahm mich kurz in die Arme. „Und ich fühle mich wirklich über alle Maßen geehrt, dass ich dich zu dieser Party begleiten darf. Ich hätte nie geglaubt, dass das mit uns dir so wichtig ist“. „Doch, das ist es“, versicherte ich ihm eindringlich. „Das zwischen uns ist mir sehr wichtig. Du bist mir sehr wichtig. Ich liebe dich, Sparky. Und ich werde dich immer lieben, völlig gleich, was auch kommt. Bitte denk immer daran, ja?“.
„Auch wenn ich nichts weiter als ein Hund bin?“, fragte er gerührt und schaute mich mit funkelnden Augen an. „Das bist du nicht“, meinte ich und küsste kurz seine Schnauze. „Sparky, du bist so viel mehr für mich als nur das. Du weißt, dass ich viel mehr in dir sehe als nur einen Hund. Du bist mein Freund, Sparky. Mein fester Freund. Und ich würde alles in meiner Macht Stehende tun, um dich glücklich zu machen und ein Lächeln auf deine hübschen Lippen zu zaubern. Was auch immer du dir wünscht, ich werde absolut nichts unversucht lassen, um dir deinen Wunsch zu erfüllen. Weil ich dich liebe, mein Kleiner. Viel mehr, als ich es dir mit Worten jemals erzählen könnte“.
„Du würdest wirklich alles tun?“, fragte er geschmeichelt und lächelte mich an. „Wirklich alles“, versicherte ich ihm noch einmal. „Ich würde bis zum Grund des tiefsten Meeres tauchen, wenn du es willst oder von mir aus auch barfuß durchs Feuer laufen. Egal, was du dir von mir wünscht, ich werde immer mein Bestes dafür tun, um deinen Wunsch wahr werden zu lassen“.
„Das ist so süß, Timmy“, erwiderte er gerührt. „Das... das hat noch nie jemand zu mir gesagt“. „Vermutlich hat dich auch noch nie jemand so sehr geliebt wie ich“, meinte ich und streichelte ihm sanft über den Kopf. „Und glaub mir, Sparky, das tue ich wirklich. Über alles, mein süßer Engel“. „Ich liebe dich auch über alles, Timmy“, antwortete er und schmiegte seine Schnauze dicht an mein Gesicht heran.
Dann schaute er kurz zu Boden, lächelte ganz verlegen, bevor er schließlich fortfuhr. „Würdest du mir heute Abend auch einen Gefallen tun?“, wollte er flüsternd wissen und legte seine Pfote um meine Hand. „Natürlich, Sparky“, erwiderte ich und nickte bejahend. „Du musst mir nur sagen, was du möchtest“.
„Würdest du vielleicht... mit mir... tanzen?“, fragte er schließlich und konnte es nicht vermeiden, dass er dabei ein bisschen rot wurde. „Mit dir tanzen?“, hakte ich lächelnd nach, was er mit einem Nicken bestätigte. „Damit würdest du mich sehr glücklich machen“, fügte er hinzu, noch verlegener als zuvor. „Du bist bestimmt ein unglaublich guter Tänzer. Und ich könnte ein bisschen Übung gut gebrauchen. Schließlich wird auf der Halloweenparty bestimmt auch getanzt“.
„Täusch dich mal nicht“, erwiderte ich lachend. „Ich bin ein miserabler Tänzer und schon heilfroh, wenn ich einen Tango halbwegs vernünftig hinkriege, ohne dabei über meine eigenen Füße zu stolpern“. „Du übertreibst“, meinte er kichernd, was ich kopfschüttelnd verneinte. „Absolut nicht“, entgegnete ich. „Ich kann nicht tanzen. Kein bisschen“. „Würdest du es trotzdem mal mit mir versuchen?“, bat er mich erneut und machte ein paar mitleiderregende Augenaufschläge.
„Wie ich dir gesagt habe“, entgegnete ich. „Für dich würde ich alles tun. Auch mit dir tanzen. Aber du darfst mir nicht böse sein, wenn ich dir auf die Zehen trete, okay?“. „Quatsch“, wehrte er ab und lächelte mich glücklich an. „Ich bin auch kein guter Tänzer. Aber wie gesagt, mit dir würde ich das sehr gerne mal versuchen“.
„In Ordnung“, stimmte ich ihm zu und schob ihn vorsichtig von mir herunter. Dann schaltete ich den Fernseher ab, in dem inzwischen eine Dauerwerbesendung für ein Bügeleisen zu sehen war und dimmte das Licht ein bisschen. „Was hast du vor, Timmy?“, fragte Sparky neugierig und verwundert zugleich, während er mich dabei beobachtete, wie ich zur Stereoanlage auf dem Wohnzimmerschrank hinüberging.
„Du wolltest doch tanzen, oder?“, erwiderte ich seine Frage und grinste ihn an. „Dann lass es uns mal versuchen. Mehr als schiefgehen kann es ohnehin nicht“. „Was?“, fragte er nach, offensichtlich ziemlich überrascht. „Ehrlich? Heißt das, du würdest wirklich mit mir...?“. „Aber klar doch, Sparky“, stimmte ich ihm zu, während ich Dads CD-Schrank nach passender Musik durchwühlte. „Wie ich schon sagte, mehr als schiefgehen kann es nicht. Und wenn du es dir wünscht, bin ich gerne bereit dazu, es zu versuchen“. Rasch sah ich einen Stapel CDs durch, bis mir schließlich ein Album mit Instrumentalstücken in die Hände fiel. „Na bitte“, rief ich aus, während ich die CD in den Player einlegte und mich danach wieder zu Sparky umdrehte.
„Was möchtest du denn tanzen?“, fragte ich ihn, als ich das Titelverzeichnis überflog. „Ich könnte dir Rumba, Jive, Tango, Quick Step und Swing anbieten“. „Hm“, überlegte er laut. „Also ich persönlich würde einen romantischen Tango bevorzugen, wenn das okay für dich ist“. „Sicher doch, Sparky“, meinte ich und suchte nach der entsprechenden Tracknummer. „Was immer du möchtest“.
Schnell drückte ich auf Pause und bat ihn dann mit einem kurzen Wink, zu mir herüberzukommen. Er kicherte verspielt, als er meiner Aufforderung nachkam und schaute dann gespannt zu mir hoch. Zugegeben, ein bisschen komisch musste das ja schon aussehen – immerhin war er nur halb so groß wie ich und seine kurzen Pfötchen reichten mir gerade mal bis zu meinen Handgelenken.
Nichtsdestotrotz wollte ich ihm diesen Gefallen tun und ein oder zwei Tänzchen mit ihm wagen. Schließlich hatte er Recht mit dem, was er zuvor gesagt hatte: Auf Trixies Party würde sicherlich auch getanzt werden und daher schadete uns ein bisschen Übung so oder so nicht. Außerdem war ich auch ein bisschen neugierig darauf, wie er sich beim Tanzen anstellte und ob er wirklich so schlecht war wie er behauptet hatte.
„Also?“, unterbrach er meine Gedanken und grinste mich an. „Was ist? Wer fordert jetzt wen zum Tanz auf?“. „Natürlich ich dich“, meinte ich mit einem Kichern und wollte meine Hand um seine Pfote legen, hielt dann jedoch kurz inne. „Halt, warte noch nen Moment“, meinte ich und zog mir rasch die Schuhe aus. „So“, fügte ich hinzu, während ich sie neben das Sofa stellte, damit sie uns beim Tanzen nicht im Weg standen.
„Du tanzt barfuß?“, fragte Sparky, offensichtlich überrascht und grinste mich an. „Wozu das denn?“. „Ist einfach angenehmer, finde ich“, erwiderte ich schulterzuckend. „Außerdem tue ich dir dann nicht so weh, wenn ich dir versehentlich auf die Füße trete“. „Das wird schon nicht passieren“, wehrte er lachend ab. „Sei dir da mal nicht so sicher“, meinte ich mit einem Grinsen, ehe ich zum CD-Player zurückging und die Play-Taste betätigte.
Die Melodie eines Tangos, gespielt von Dads italienischem Lieblingsorchester, füllte das Zimmer und ich streckte meinen Arm nach Sparkys Pfote aus. „Darf ich bitten?“, fragte ich und verneigte mich demonstrativ, womit ich ihn zum Kichern brachte. „Sehr gern“, meinte er, als er sich in meine Hände begab und wir unseren Tanz begannen. Den ersten in der Geschichte unserer Beziehung.
Erstaunlicherweise fiel es mir ziemlich leicht, den Rhythmus zu behalten und nicht aus dem Takt zu kommen, sodass Sparky und ich regelrecht über den Boden schwebten. Wie ich bereits erwartet hatte, war er ein guter Tänzer und ich tat mich ziemlich schwer damit, auch nur ansatzweise die Grazie und Eleganz hinzubekommen, die er beim Tanzen hatte. Seine Füße schienen von der Melodie geradezu magisch getragen zu werden und sein Körper stimmte in diese leichten Bewegungen wie aufs Wort mit ein, sodass ich die Führung unseres Tanzes bereits nach wenigen Augenblicken an ihn übergab.
Er zog mich regelrecht mit – ich konnte gar nicht anders, als seinen federleichten Schritten zu folgen und mich von ihm und dieser romantischen Atmosphäre mitreißen zu lassen. Auch wenn ich das Tanzen für gewöhnlich scheute, dieses Mal schien alles anders zu sein und ich wurde vom Rhythmus der Musik im wahrsten Sinne des Wortes angesteckt. Zusammen mit Sparky flog ich durch das Wohnzimmer, blieb stets im Takt der Melodie und fühlte mich dabei so unbeschwert und frei wie schon seit langer Zeit nicht mehr.
Nach knapp dreieinhalb Minuten Spielzeit ging das Stück zu Ende und ich ließ Sparky zum Abschluss unseres Tanzes in meine Arme fallen. „Wow“, rief er überrascht und kicherte begeistert. „Von wegen, du kannst nicht tanzen. Das war fantastisch, Timmy. Wirklich fantastisch. Du bist richtig gut“. „Gleichfalls“, erwiderte ich geschmeichelt, während ich zurück zum CD-Player ging und erneut auf Pause drückte. „Du hast mich angesteckt, Sparky. Ich habe einfach nur versucht, dasselbe zu machen wie du“.
„Das ist dir gelungen“, versicherte er mir glücklich. „Das ist dir wirklich mehr als gelungen. Du hast was drauf, Timmy. Du hast wirklich was drauf. Hut ab“. „Danke“, antwortete ich und räusperte mich kurz, verlegen von seinen Komplimenten. „Freut mich, wenn es dir Spaß gemacht hat“.
„Das hat es“, stimmte er mir nickend zu. „Und ich wäre gern bereit, noch einen Tanz mit dir zu wagen. Sofern du noch Lust hast natürlich“. „Warum eigentlich nicht“, meinte ich schulterzuckend und wandte mich wieder dem CD-Player zu. „Wie wär's mit Jive?“, schlug ich ihm vor und schaute ihn erwartungsvoll an. „Klingt gut“, erwiderte er und grinste mich glücklich an. „Sehr gut sogar“.

Drei Stunden später, nachdem wir noch fünf weitere Tänze gewagt und darüber hinaus zusammen geduscht hatten, saßen Sparky und ich auf dem Sofa und entspannten unsere sämtlichen Sinne. Wie immer hatte er sich dicht an mich herangekuschelt und seinen Kopf gegen meine Schulter gelehnt, sodass ich sein seidiges Fell in meinem Gesicht spüren konnte. Der Duft seines Parfums umhüllte mich und ließ mich alles andere völlig vergessen. Automatisch legte ich beide Hände um seine Hüften, drückte ihn noch näher an meinen Körper, fühlte die Wärme seines Fells auf meiner Haut.
Daraufhin grinste er und warf mir einen kurzen Blick zu, der mir eindeutig vermittelte, was er in diesem Augenblick im Sinn hatte. Vorsichtig führte er seine Pfote an meine Brust und kreiste ein paar Male darüber, bestätigte dadurch meine Intuition, und hob langsam seinen Kopf. Ohne auch nur ein einziges Wort zu verlieren, näherte er sein Gesicht dem meinen immer weiter, bis die Spitze seiner Schnauze schließlich meine Nase berührte.
Gekonnt formte er seine Lippen zu einem Kuss und presste mich dabei fester an sich heran. Noch eine Sache, die er wahnsinnig gut beherrscht, dachte ich zufrieden, während ich meine Zunge zärtlich von seiner streicheln ließ. Noch eines seiner unglaublich vielen Talente. Das Talent dazu, mich ihm mit einem einzigen Kuss erlegen zu machen. Mich schwach werden zu lassen. Etwas zu erreichen, das kein anderer bisher je geschafft hat.
Ein glückliches Lächeln überzog sein Gesicht, als er unseren Kuss nach einigen Augenblicken löste und sich neben mich aufs Sofa fallen ließ. Vorsichtig legte er seine Pfote auf mein Knie und ich fühlte sie einige Male daran auf- und abgleiten. „Und jetzt, Timmy?“, fragte er mich mit einem sexy Flüstern. „Was machen wir jetzt? Wir haben schon zusammen getanzt und geduscht. Worauf hättest du denn sonst noch Lust?“.
Sein breites Grinsen verriet mir eindeutig, worauf er mit dieser Frage anspielte und ich ließ ein leises Seufzen verlauten, ehe ich ihn unsicher lächelnd anschaute. „Darauf nicht, Sparky“, antwortete ich bestimmt. „Wir haben heute schon zweimal“. „Aller guten Dinge sind bekanntlich drei“, entgegnete er und wollte sich über mich beugen, was ich jedoch sanft abwehrte. „Sparky...“, meinte ich dann und streichelte über seine Pfote. „Bitte nicht jetzt. Und schon gar nicht hier im Wohnzimmer. Vielleicht später noch einmal, ja?“.
„Mmh, na gut“, stimmte er mir zu und tat so, als wäre er enttäuscht. „Tut mir Leid, mein Hübscher“, fügte ich hinzu und legte die Hand an seine Wange. „Ist nicht böse gemeint, okay? Aber ich bin jetzt nicht so in Stimmung dafür. Außerdem tun mir von unserer kleinen privaten Tanzstunde vorhin die Füße weh“.
„Du Ärmster“, erwiderte er und legte rasch einen mitleidigen Blick auf, bevor er mich bis über beide Ohren angrinste. „Habe ich ein bisschen zu viel von dir verlangt, hm?“. „Nein“, wehrte ich kopfschüttelnd ab und lächelte. „Es war schön, mit dir zu tanzen. Und ich bin gerne bereit, es zu wiederholen. Nur bitte nicht mehr heute Abend, in Ordnung?“. „Keine Sorge, Timmy“, versicherte er mir. „Für heute habe ich vom Tanzen auch genug“.
Er setzte sich hoch und rutschte ein Stück nach vorn, bevor er mir einen kurzen Blick zukommen ließ. „Tun deine Füße sehr weh?“, wollte er kichernd wissen und zog im nächsten Augenblick eine Schnute. „Geht schon“, antwortete ich lachend, was ihn dazu veranlasste, sich zu erheben und vor mir auf dem Wohnzimmertischchen Platz zu nehmen.
„Das ist wohl meine Schuld“, meinte er grinsend. „Und um das wiedergutzumachen: Wie wär's mit einer kleinen Massage?“. „Klingt nicht schlecht“, antwortete ich lächelnd, geschmeichelt von seinem süßen Vorschlag.
„Dann hopp“, erwiderte er. „Her mit deinen Füßchen. Ich sorg schon dafür, dass sie dir nicht mehr wehtun, versprochen“. „Vorsicht, Sparky“, entgegnete ich in gespielt mahnendem Ton. „Mit solchen Angeboten solltest du sparsam umgehen. Sonst kann es nämlich passieren, dass mir ständig irgendwas wehtut“. Ich grinste ihn breit an, bevor ich seiner Anweisung schließlich nachkam und meine Füße in seinen Schoß legte.
„Jetzt entspann dich“, wies er mich an und zog mir die Socken aus, ehe er damit anfing, meine Füße mit beiden Pfoten zu massieren. „Lehn dich einfach nur zurück und entspann dich, Timmy. Das hast du dir verdient. Nachdem ich dich dazu genötigt habe, mit mir zu tanzen“. Er lachte über seine eigene Aussage, während er seine Pfoten gekonnt über meine Füße gleiten ließ, sie behutsam, aber dennoch mit festem Griff streichelte.
„Du machst das gut, Sparky“, ließ ich ihn wissen und stieß einen Seufzer der Zufriedenheit aus. „Ich weiß“, bestätigte er kichernd, als ich mich zurücklehnte und seine Massage in vollen Zügen auskostete. „Aber ich habe ja auch von einem der Besten gelernt“. „Von wem?“, wollte ich wissen und lachte. Er ließ meine Frage unbeantwortet, zwinkerte mir nur kurz zu und intensivierte seine federleichten Bewegungen.
Eine Weile saßen wir so da, ohne auch nur einen Ton zu sagen und genossen die entspannende Ruhe, die uns umgab. Ich schloss instinktiv meine Augen, schaltete alles um mich herum einfach ab und konzentrierte mich voll und ganz auf das Gefühl, das Sparky mir in diesem Augenblick schenkte.
„So“, rief er schließlich nach einiger Zeit und hielt inne. „Das sollte meiner Meinung nach reichen. Tun dir deine Füße jetzt immer noch weh, Timmy?“. „Nein“, antwortete ich zufrieden, als ich meinen Kopf hob und ihn anlächelte. „Aber fünf Minuten könntest du trotzdem noch dranhängen“. Rasch setzte ich einen mitleidigen Blick auf und verzog das Gesicht zu einer Schnute. „Bitte, Sparkylein“, bettelte ich ihn an. „Würdest du mir den kleinen Gefallen tun? Bitte, bitte, ja?“. „Aber sicher doch“, erwiderte er lächelnd. „Für meinen Tim-Tim mache ich das doch gerne“.
Einen Moment lang hielt ich den Atem an, als Sparky diesen Satz ausgesprochen hatte und fühlte mein Herz schneller schlagen. Ein kalter Schauer jagte meinen Rücken hinunter und ließ mich vor Anspannung zittern. Für meinen Tim-Tim mache ich das doch gerne. Seine Worte wiederholten sich in meinem Kopf und ich krallte mich mit den Händen am Sofa fest. Reflexartig entzog ich mich aus seinem sanften Griff, während ich gegen die Welle von Erinnerungen anzukämpfen versuchte, die dieser Satz in mir ausgelöst hatte.
„Timmy?“, fragte Sparky überrascht, da meine ruckartige Reaktion völlig unerwartet für ihn kam. „Alles in Ordnung mit dir?“. Doch ich war überhaupt nicht in der Lage dazu, ihm darauf zu antworten. Zu stark fixierte ich mich auf die Gedanken, die durch seine Worte in mir hochkamen. Tim-Tim hatte er zu mir gesagt. Tim-Tim. Niemand hatte mich jemals so genannt. Niemand – bis auf...
Ich brachte es nicht fertig, meine Überlegung zu vollenden, war zu ergriffen von der Panik, die sich in meinem Körper breitmachte, als dass ich noch einen klaren Gedanken hätte fassen können. Verzweifelt bemühte ich mich darum, die Erinnerung an ihn zu ersticken und sie zurück in mein Unterbewusstsein zu sperren. Versuchte, mich wieder zu beruhigen, indem ich mir einredete, dass ich überhaupt keine Angst haben musste. Er war weg. Er war für immer weg. Gefangen auf einer Insel, tausende Kilometer von mir entfernt. Er konnte mir nichts tun. Ich war in Sicherheit. In vollkommener Sicherheit.
Nichtsdestotrotz schaffte ich es nicht, meine Erinnerungen zu zügeln und sah vor meinem inneren Auge die Bilder von damals ablaufen. Rasch stützte ich meinen Kopf in die Hände und versuchte, dagegen anzukämpfen. Versuchte, mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Auf etwas Schönes, Erfüllendes, Unbeschwertes.
„Timmy?“. Sparky rief erneut meinen Namen und setzte sich neben mich aufs Sofa, war immer noch durcheinander von meiner plötzlichen Reaktion. „Timmy, was hast du? Was ist denn los?“. „N-nichts, Sparky“, würgte ich hervor und bemühte mich, meine Gedanken in Zaum zu halten. „Gar nichts. A-alles gut, wirklich“.
„Habe ich was falsch gemacht?“, wollte er wissen und legte seine Pfote um meine Hand. „Habe ich dir wehgetan?“. „Nein“, antwortete ich rasch, um ihn nicht unnötig zu verunsichern. „Nein, Sparky, hast du nicht. Es ist alles gut. Mir... mir ist nur gerade ein bisschen schummerig geworden, das ist alles“. Mein Herz klopfte noch immer und ich atmete ein paar Male tief durch, um mich wieder zu beruhigen.
Dann wandte ich meinen Blick Sparky zu und versuchte, ihn anzulächeln, was mir aber selbst unter größter Anstrengung nicht wirklich gelingen wollte. „Timmy, jetzt sag schon“, forderte er mich noch einmal auf. „Irgendetwas stimmt doch nicht. Etwas hast du doch, das merke ich. Warum bist du plötzlich so komisch? Habe ich etwas Falsches gesagt?“. Erneut holte ich ganz tief Luft und setzte dann das unschuldigste Lächeln auf, das ich zu bieten hatte.
„Alles gut“, schwindelte ich ihm noch einmal vor. „Wirklich, Sparky. Wie gesagt, mir war gerade eben nur ein bisschen schwindlig. Aber es geht schon wieder, keine Sorge“. „Timmy, warum lügst du mich an?“, wollte er wissen und streichelte behutsam meine Hand. „Warum sagst du mir nicht, was du hast? Irgendwas stimmt doch nicht, das spüre ich. Warum erzählst du mir nicht einfach, was los ist?“.
„Dir kann man nichts vormachen, oder?“, fragte ich ihn und lächelte gezwungen, bevor ich ein lautes Seufzen ausstieß. „Naja, man kann es schon versuchen, aber ich durchschaue es meistens sofort“, antwortete er, mein Lächeln erwidernd. „Also, nun erzähl schon. Was ist los mit dir? Warum bist du auf einmal so komisch?“.
„Ich... ich habe mich gerade an eine unschöne Sache erinnert“, antwortete ich schließlich, weil ich ohnehin wusste, dass er mir keine Ruhe lassen würde, bis ich ihm nicht alles erzählt hatte. Also entschloss ich mich dazu, ihn in die Geschichte einzuweihen, wenngleich ich mir selbst geschworen hatte, nie wieder in meinem Leben auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Er hatte einfach ein Recht, es zu wissen. Außerdem tat es mir bestimmt ganz gut, wenn ich mich endlich mal einem Außenstehenden anvertrauen konnte.
„Eine unschöne Sache?“, fragte Sparky nach und umschloss meine Hand etwas fester. „Mhm“, stimmte ich ihm zu und schluckte. „Sie... sie ist mir passiert, als ich zehn Jahre alt war und eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, nie wieder daran zu denken. Aber als du mich gerade eben Tim-Tim genannt hast, ist plötzlich alles wieder über mich hereingebrochen“.
„Wieso denn das?“, wollte er wissen, da er anscheinend nicht ganz verstand. „Was ist denn damals passiert?“.
„Das ist eine lange Geschichte, Sparky“, antwortete ich und seufzte. „Eine sehr lange Geschichte“. „Erzählst du sie mir?“, bat er mich und legte seine Pfoten um mich, als er spürte, dass ich immer noch ein bisschen zitterte. Ich nickte kurz, bejahte damit seine Frage, während ich mir in Gedanken zurechtlegte, wie ich diese Sache am besten beginnen konnte.
„Dazu muss ich aber ein bisschen weiter ausholen“, erklärte ich ihm schließlich. „Denn die ganze Geschichte fing an, als ich gerade mal viereinhalb Jahre alt gewesen bin. Das war lange bevor ich dich kennengelernt habe. Sogar Cosmo und Wanda hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht“.
„Okay“, erwiderte er, um mir mitzuteilen, dass er aufmerksam zuhörte, und ließ mich dann ganz in Ruhe meine Erzählung fortsetzen. „Weißt du, damals war ich ziemlich oft allein“, berichtete ich weiter. „Mom und Dad waren so gut wie ständig weg und wenn sie doch mal zu Hause waren, nahmen sie kaum Notiz von mir. Es war immer sehr schwierig für mich, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, weswegen ich mich ziemlich häufig sehr einsam gefühlt habe. Richtige Freunde hatte ich zu dieser Zeit auch noch nicht, lediglich ein Junge aus der Nachbarschaft kam ab und zu rüber und spielte mit mir, allerdings auch nur äußerst selten“.
„Timmy, das... das tut mir Leid, ich wusste gar nicht...“, versuchte Sparky zu sagen, brach dann jedoch wieder ab. „Ist schon in Ordnung, Sparky“, meinte ich mit einem Lächeln. „Das konntest du ja überhaupt nicht wissen. Außerdem hatte ich mich mit der Zeit daran gewöhnt, alleine zu spielen. Mir sind immer neue Sachen eingefallen, mit denen ich mich beschäftigen konnte und deswegen war mir auch nie langweilig. Darüber hinaus war da noch Ms. Goldbloom, meine ehemalige Babysitterin, die immer auf mich aufgepasst hat, wenn meine Eltern nicht zu Hause waren. Mit ihr habe ich oft die verrücktesten und ausgefallensten Spiele gespielt. Sie hat sich immer tolle Sachen ausgedacht, um mir die Zeit zu vertreiben. Und dafür, dass sie schon vierundsiebzig war, war sie noch ganz schön auf Zack. Allerdings...“. Mein Lächeln erstarb.
„Allerdings... was?“, wollte Sparky wissen. „Wenige Tage nach meinem fünften Geburtstag ist sie gestorben“, antwortete ich und senkte betrübt meinen Blick. „Die Nachbarn haben sie an einem Mittwochmorgen in ihrer Küche gefunden, nachdem sie nicht zu einem vereinbarten Termin erschienen war“. „Oh Timmy...“, erwiderte Sparky deprimiert. „Das... das tut mir so Leid“. „Diesen Tag werde ich niemals in meinem Leben vergessen“, fuhr ich fort und seufzte leise. „Mom und Dad haben zwar versucht, es mir zu erklären, aber ich wollte es überhaupt nicht wahrhaben. Ich konnte nicht begreifen, dass ich diese nette, alte Dame niemals wiedersehen würde. Die Tage darauf habe ich mich in meinem Zimmer verkrochen und fast pausenlos geheult. Damals habe ich mich so allein gefühlt wie noch niemals zuvor“.
„Mein armer Timmy“, flüsterte Sparky tief bewegt und streichelte mir über die Wange. „Das tut mir ja so unglaublich Leid“. „Mom und Dad haben sich natürlich bemüht, schnellstmöglich einen Ersatz für Ms. Goldbloom zu bekommen“, erklärte ich ihm. „Und bereits nach einer Woche hat sich ein junges, rothaariges Mädchen gemeldet, das wir beide nur allzu gut kennen“.
„Vicky?“, fragte er und verzog angewidert sein Gesicht. „Exakt“, stimmte ich ihm mit einem Seufzen zu. „Mom und Dad gegenüber hat sie natürlich den Unschuldsengel gespielt, doch ich habe bereits am ersten Abend die volle Ladung ihrer ungezügelten Aggression zu spüren bekommen. Ich hatte wirklich große Angst vor ihr, sodass ich mich schnell in mein Zimmer zurückgezogen habe. Dort habe ich meinen ganzen Schmerz herausgeheult und mir gewünscht, dass Ms. Goldbloom wieder zurückkommen würde. Doch selbstverständlich kam sie nicht zurück und ich musste Vicky und ihre Wut immer häufiger ertragen. Es verging so gut wie kein Abend mehr, an dem sie nicht auf mich aufpassen sollte. In dieser Zeit habe ich mich von allen im Stich gelassen und verraten gefühlt. Ich war ganz allein. So allein wie noch nie zuvor. Bis sich eines Tages absolut alles geändert hat“.
„Wie kam das?“, wollte Sparky wissen und wunderte sich, als er das Schmunzeln auf meinen Lippen bemerkte. Ohne ihm darauf zu antworten, erhob ich mich vom Sofa und flitzte die Treppe hinauf in mein Zimmer. Dort angekommen lief ich zu meinem Schreibtisch hinüber, zog die unterste Schublade auf und holte einen kleinen Karton daraus hervor. Danach ging ich ins Wohnzimmer zurück und nahm wieder neben ihm Platz.
„Was hast du da, Timmy?“, fragte er gespannt und betrachtete die kleine Schachtel auf meinem Schoß. „Erinnerungen“, antwortete ich und musste lächeln. „Erinnerungen an Gary“. „Gary?“, fragte er verwundert und zog eine Augenbraue hoch. „Wer ist denn Gary?“.
„Er ist... ich meine... war mein ausgedachter Freund“, antwortete ich, während ich den Karton öffnete und eine Weile darin herumkramte. Nach einigem Suchen wurde ich schließlich fündig und holte eine Zeichnung daraus hervor, auf der Gary und ich im Park zu sehen waren. „Hier“, sagte ich, als ich sie Sparky überreichte. „Das ist er“.
„Dein... ausgedachter Freund?“, wollte er wissen, immer noch nicht ganz im Klaren darüber, wovon ich überhaupt sprach. Er betrachtete die Zeichnung einen Augenblick, bevor er sein Gesicht wieder mir zuwandte. „Ganz genau“, stimmte ich ihm zu. „Als ich fünf Jahre alt war, habe ich ihn erfunden, damit er mit mir spielt. Er war wirklich echt cool“.
„Du... du hattest einen Fantasiefreund?“, hakte Sparky erneut nach, was ich mit einem kurzen Nicken bejahte. Dann holte ich ein kleines Fotoalbum aus der Kiste, auf dem in Kinderhandschrift die Worte 'Gary und ich' zu lesen waren. Mit der Zeit war es ziemlich verstaubt, weshalb ich einmal kurz mit der Hand darüberwischte, ehe ich die erste Seite aufschlug.
Sparky rutschte ein Stück näher zu mir und betrachtete sich das Bild, das auf der Seite eingeklebt war. Darauf zu sehen war ich im Alter von fünf Jahren, wie ich in meinem Bett lag und Richtung Zimmerdecke starrte. „An diesem Tag haben Gary und ich beschlossen, einfach mal zu entspannen und nichts zu tun“, erzählte ich ihm mit einem Schmunzeln, bevor ich eine Seite umblätterte. „Und hier wollen wir gerade das Monster in meinem Kleiderschrank verjagen“.
Sparky starrte auf das Foto, auf dem wieder nur ich abgebildet war und einen Baseballschläger in den Händen hielt. „Wo ist Gary?“, fragte er verwundert. Offensichtlich hatte er erwartet, ihn auf einem der Bilder zu sehen. „Direkt hier“, antwortete ich lächelnd und zeigte auf einen leeren Fleck neben mir. „Du kannst ihn natürlich nicht sehen. Denn wie gesagt, er ist mein ausgedachter Freund. Aber ich weiß, dass er da ist“.
„Oh... ja...“, erwiderte er und senkte verlegen den Blick. „Sorry, Timmy. Das war wohl ne blöde Frage“. „Ach was“, entgegnete ich und umfasste wieder seine Pfote. „Du musst dich bestimmt auch erst mal daran gewöhnen, dass ich mal einen Fantasiefreund hatte“.
Ein weiteres Mal blätterte ich um, bevor ich mit meiner Geschichte fortsetzte. „Gary war wirklich cool“, erzählte ich Sparky weiter. „Er hat sich immer was einfallen lassen, damit mir ja nicht langweilig wird. Zusammen haben wir oft die ausgeflipptesten Sachen unternommen und Dinge getan, über die man nur fassungslos den Kopf schütteln kann. Aber egal, wie riskant seine Unternehmungen auch waren, ich war stets von seinen Vorschlägen begeistert. Außerdem hat er immer auf mich aufgepasst und darauf geachtet, dass mir nichts passiert. 'Ich bin immer für dich da, Tim-Tim', hat er einmal zu mir gesagt, als wir eines Nachts von meinem Zimmerfenster aus die Sterne beobachtet haben. Er war wirklich der beste Freund, den ich jemals hatte“.
Wieder blätterte ich ein paar Seiten um und erzählte Sparky dabei die verschiedensten und verrücktesten Geschichte aus meiner Kindheit. Kurz vor Ende des kleinen Fotoalbums hielt ich inne und warf ihm einen raschen Blick zu. „Gary war wirklich der beste Freund, den ich mir damals wünschen konnte“, wiederholte ich bekräftigend und stieß ein bekümmertes Seufzen aus. „Aber eines Tages, kurz vor meinem achten Geburtstag, haben sich unsere Wege getrennt“.
„Warum denn das?“, fragte Sparky und schaute mich gespannt an. „Wir sind zusammen zum Spielplatz gegangen“, erzählte ich. „Eigentlich hatten wir vorgehabt, uns ein bisschen auszutoben, doch alles kam ganz anders. Denn an diesem Tag sollte ich meine neuen besten Freunde kennenlernen. Das habe ich zu diesem Zeitpunkt nur noch nicht gewusst. Eigentlich schien alles so wie immer zu sein. Gary und ich haben Fangen gespielt und wie fast jedes Mal war er drauf und dran, mich zu kriegen. Natürlich haben mich hier und da ein paar andere Kinder komisch angeschaut, als ich an ihnen vorbeigerannt bin. Doch Gary und ich hatten nie großartiges Interesse an ihnen, waren immer viel zu fixiert auf unsere Spiele, so auch an diesem Tag. Wir durchliefen gerade unsere fünfte Runde, als mich ganz plötzlich zwei Jungs angesprochen und mich gefragt haben, warum ich denn ganz allein hier bin. Die beiden stellten sich als Chester und A.J. vor und luden mich ein, mit ihnen zu spielen. Eigentlich hatte ich ja vorgehabt, ihnen zu erklären, dass ich überhaupt nicht allein bin und bereits einen Spielkameraden habe, habe mich dann jedoch dazu entschlossen, nichts zu sagen und auf ihr Angebot einzugehen. Gary war zwar sehr enttäuscht darüber und hat versucht, mich davon abzuhalten, doch ich habe gar nicht mehr auf ihn geachtet, war viel zu begeistert davon, dass es endlich jemanden gab, der mit mir spielen wollte. Und so bin ich kurzerhand mit den beiden mitgegangen und habe ihn einfach stehenlassen“.
Einen Moment lang legte ich eine Pause ein, bevor ich wieder fortfuhr. „Die Tage darauf haben Chester, A.J. und ich uns richtig angefreundet und langsam aber sicher fing ich an, Gary zu vergessen. Ich habe all unsere Sachen in eine Kiste gepackt und sie in meinem Schreibtisch verstaut, bis die Erinnerung an ihn eines Tages schließlich ganz verblasste. Er war wieder dorthin zurückgegangen, wo er einst hergekommen war. In meine Fantasie“.
Ein Seufzen drang aus mir heraus, während ich das Fotoalbum noch einmal aufschlug und sich in meinem Kopf weitere Szenen abspielten. „Er war mein bester Freund“, wisperte ich betrübt. „Und ich habe ihn vergessen. Kannst du dir das vorstellen, Sparky? Ich habe ihn einfach vergessen“.
„Timmy...“, flüsterte er ganz leise und streichelte meine Hand, als er bemerkte, dass mir eine kleine Träne die Wange hinunterlief. „Timmy, was hast du denn? Warum weinst du?“. „Meine Geschichte ist an dieser Stelle noch nicht zu Ende“, antwortete ich, während ich mir kurz um die Augen wischte. „Sie geht noch weiter. Und leider nicht so glücklich und unbeschwert wie bisher“.
„Warum?“, fragte Sparky und verzog besorgt das Gesicht. „Was ist denn passiert?“. „Als ich zehn Jahre alt war...“, erklärte ich und zeigte ihm die nächste Seite meines Fotoalbums. „...da hat Gary zweimal versucht, mich umzubringen“. „Was?!“, quiekte er erschrocken und erschauderte für einen Moment. „Aber... aber ich dachte, er ist dein Fantasiefreund. Wie... wie kann er...?“.
„Er war mein Fantasiefreund“, fuhr ich fort und deutete auf das Bild im Album. „Bis ich mir von Cosmo und Wanda gewünscht habe, dass er wirklich existiert“. Sparky starrte auf das Foto, auf dem ein schwarzhaariger Junge mit 50er-Jahre-Frisur, schwarzer Sonnenbrille und roter Lederjacke abgebildet war. „Das ist er“, fügte ich hinzu. „In echt“.
„Aber... aber wie...?“, begann er, noch immer fassungslos über das, was ich ihm gerade erzählt hatte. „Eines Tages, als ich zehn Jahre alt war, habe ich diese Kiste wiedergefunden“, berichtete ich ihm. „Und plötzlich kamen all die Erinnerungen an ihn wieder in mir hoch. Ich wollte ihn wiedersehen, noch einmal mit ihm spielen, genauso wie früher. Also habe ich ihn von Cosmo und Wanda in die Wirklichkeit zaubern lassen. Ein fataler Fehler, wie sich schließlich herausgestellt hat“.
„Aber... warum?“, hakte Sparky verwirrt nach. „Und wieso hat er versucht, dich umzubringen?“. „Er war sauer“, antwortete ich leise. „Er war ziemlich sauer darüber, dass ich ihn fünf Jahre lang in meiner Fantasie eingesperrt und nicht mehr mit ihm gespielt habe. Deshalb hat er versucht, sich an mir zu rächen“.
„Wie?“, wollte Sparky wissen, noch immer entsetzt von dem, was er da gerade erfuhr. „Zuerst hat er all meine Freunde auf seine Seite gezogen“, erzählte ich ihm. „Er hat wirklich alles dafür getan, um mich dumm dastehen zu lassen und mich zu blamieren. Daraufhin wollte ich ihn zurück in meine Fantasie zaubern, doch das war schwieriger als gedacht. Denn laut den Elfenregeln mussten Cosmo und Wanda auch ihm jeden Wunsch erfüllen, da er ein Teil von mir war. Als er sich darüber klargeworden ist, hat er uns beide in mein Gedächtnis gewünscht und versucht, mich dort einzusperren. Schließlich konnte ich ihm aber entkommen, indem ich ihn mit seiner eigenen Waffe geschlagen habe: Der Fantasie“.
„Oh Timmy, das... das ist ja furchtbar“, brachte Sparky entsetzt hervor und legte mir rasch seine Pfoten um die Hüften. „Das war aber noch immer nicht alles“, erklärte ich ihm laut seufzend. „Leider hat Cosmo die Tür zu meinem Gedächtnis offengelassen, sodass es Gary gelungen ist, zu entkommen und seinen Racheplan weiter zu verfolgen. Ein halbes Jahr habe ich nichts mehr von ihm gehört, bis ich eines Tages von der Schule nach Hause gekommen bin und meine Eltern, sowie all meine Freunde spurlos verschwunden waren. Kurz darauf habe ich ein Videotape mit einer Nachricht von Gary erhalten, die verkündete, dass er sie auf der Insel der Unerwünschten gefangenhält“.
„Die Insel der Unerwünschten?“, fragte Sparky nach, was ich nickend bestätigte. „Dorthin werden alle von Elfen rückgängig gemachten Wünsche verbannt“, erklärte ich ihm. „Darunter war selbstverständlich auch Gary. Er hat sich mit ein paar anderen Feinden von mir verbündet und all meine Bekannten, einschließlich meiner Eltern, gekidnappt, um mich dadurch zu ihm zu locken. Cosmo, Wanda und ich haben uns selbstverständlich gleich auf den Weg gemacht, um meine Familie und Freunde zu retten. Das war jedoch alles andere als leicht, denn wie sich herausgestellt hat, funktioniert die Elfenmagie auf der Insel der Unerwünschten nicht. Somit war ich also ganz auf mich allein gestellt und wäre auch fast schon verloren gewesen, wäre mir nicht in allerletzter Sekunde die rettende Idee gekommen“.
„Welche Idee?“, wollte Sparky wissen, der völlig erstarrt meinen Worten lauschte. „Gary und all die anderen rückgängig gemachten Wünsche haben mich dafür gehasst, dass ich sie im Stich gelassen und mich von ihnen abgewandt habe“, antwortete ich. „Also habe ich ihnen klargemacht, dass ich das Einzige bin, das sie alle miteinander verbindet und sie, wenn sie mich tatsächlich auslöschen, nichts mehr haben, was ihre Zusammenarbeit noch lohnenswert machen würde. Als Gary erkannt hat, dass ich Recht habe, hat er mich und meine Freunde wieder freigelassen und ich habe ihn und seine Truppe mit ein paar Timmy-Klonen versorgt, an denen sie ihre Wut auf mich abreagieren konnten. Und seit diesem Tag habe ich nichts mehr von ihm oder meinen anderen Feinden gehört, aber das ist offen gestanden auch gut so“.
„Oh Timmy...“, flüsterte Sparky betrübt und senkte seinen Blick. „Mein armer, armer Timmy. Wenn ich das nur gewusst hätte“. „Jetzt weißt du es ja“, meinte ich und versuchte zu lächeln. „Jetzt kennst du die ganze Geschichte. Und es tut mir auch Leid, wenn ich dich vorhin mit meiner Reaktion verschreckt habe, aber als du Tim-Tim zu mir gesagt hast, ist plötzlich alles wieder über mich hereingebrochen. Gary war nämlich der einzige, der mich immer so genannt hat“.
„Nein, mir tut es Leid“, erwiderte er beschämt. „Wenn ich gewusst hätte, dass dich das so sehr mitnimmt, hätte ich das niemals zu dir gesagt. Aber ich habe mir nichts dabei gedacht. Es tut mir wirklich, wirklich Leid, Timmy. Ich verspreche, dass ich dich niemals wieder so nenne“.
„Du musst dich doch nicht entschuldigen, Sparky“, meinte ich lächelnd und küsste sanft seine Wange. „Du konntest das alles doch überhaupt nicht wissen. Es war sehr lieb gemeint und ich weiß ja, dass es nicht in deiner Absicht lag, mich damit an all das zu erinnern. Trotzdem wäre es mir lieber, wenn du dir einen anderen Spitznamen für mich suchst, in Ordnung?“.
„Ja, ja, natürlich“, stimmte er mir rasch zu. „Wie gesagt, Timmy, es tut mir unheimlich Leid. Ich hoffe, du bist nicht böse auf mich. Immerhin musstest du meinetwegen diese ganze, grässliche Geschichte noch einmal durchkauen“. „So ein Quatsch, Sparky“, wehrte ich rasch ab und streichelte ihm über den Kopf. „Ich könnte doch niemals böse auf dich sein. Außerdem hat es mir gut getan, diese Sache jemandem anzuvertrauen. Es war eine richtige Befreiung für mich. Darüber hinaus ist Gary für immer fort. Er wird mir niemals wieder im Leben Schaden zufügen können. Und jetzt – lass uns lieber über etwas anderes sprechen, okay?“.
„Natürlich, Timmy“, stimmte er mir zu und legte ein glückliches Lächeln auf. „Worüber denn?“. „Hm“, meinte ich und tat so, als würde ich überlegen. „Zum Beispiel über so etwas“. Mit diesen Worten führte ich meine Hand zwischen seine Beine und grinste ihn verführerisch an. „Jetzt?“, fragte Sparky überrascht, wehrte meinen Streichler jedoch nicht ab, sondern erwiderte stattdessen mein Lächeln.
„Warum denn nicht?“, fragte ich und nahm ihn rasch an die Pfote, um ihm anzudeuten, dass ich nach oben in unser Zimmer gehen wollte. „Ich habe im Augenblick wahnsinnige Lust auf dich“. Er kicherte verspielt, als ich das gesagt hatte und näherte seine Schnauze meinem Gesicht, bis unsere Nasenspitzen sich berührten. „Einverstanden, Timmy“, meinte er dann und hopste kurzerhand auf meinen Schoß. „Aber nur unter einer Bedingung“.
„Bedingung?“, wollte ich grinsend wissen, während ich meine Arme um ihn schlang und ihn hochhob. „Was denn für eine Bedingung?“. „Ich liege oben“, antwortete er, bevor er sein Gesicht an meines heranschmiegte und mich sanft küsste. „Einverstanden, Sparkylein“, willigte ich in seine Forderung ein und zwinkerte ihm zu. „Du liegst oben“.

Inzwischen zeigte mein Wecker schon kurz vor Mitternacht, doch ich war immer noch wach und dachte nach. Sparky hatte sich eng an mich gekuschelt und seine Pfoten um meine Hüfte gelegt, während ich mit den Händen durch sein Fell glitt und ihn anschaute. Seit mittlerweile drei Stunden lagen wir so da, ohne dabei auch nur ein einziges Wort zu sprechen. Wir brauchten auch nichts zu sagen – die beruhigende Stille, die uns umgab, reichte uns in diesem Augenblick vollkommen aus.
Darüber hinaus hatten Mom und Dad vorhin kurz bei mir angerufen und mir mitgeteilt, dass sie die Nacht außer Haus verbringen würden, was bedeutete, dass ich mit Sparky ganz ungestört war und wir alles machen konnten, wozu wir gerade Lust hatten. Cosmo und Wanda waren mittlerweile zwar wieder zu Hause, nachdem sie sich in der ganzen Elfenwelt nach der bevorstehenden Halloweenparty erkundigt und einige Besorgungen gemacht hatten, doch das störte uns nicht weiter. Die beiden wussten ohnehin über uns Bescheid, weshalb wir nicht großartig aufpassen mussten, sondern unserer Fantasie, sowie unserer Liebe zueinander freien Lauf lassen konnten.
Außerdem hatte ich Sparky seinen Wunsch erfüllt und ein weiteres Mal mit ihm unser Lieblingsspiel gespielt. Denn wie hatte er doch so schön zu mir gesagt? Aller guten Dinge sind drei. Und dass es gut gewesen war, daran bestand nicht der geringste Zweifel. Sparky war ein fantastischer Liebhaber. Er verstand es, mich zu befriedigen und dabei selbst voll und ganz auf seine Kosten zu kommen. Deswegen war jedes Mal mit ihm wie ein Abenteuer. Ein neues, aufregendes Abenteuer.
Ein Lächeln legte sich beim dem Gedanken daran über mein Gesicht und ich fühlte meinen Blick erneut zu ihm hinuntergleiten. Seine hübschen Augen geschlossen, lag er da und hielt sich an mir fest, atmete dabei ganz entspannt, was mich die Vermutung anstellen ließ, dass er sich bereits im Reich der Träume befand. Das Mondlicht, das durch unser Zimmerfenster hereinfiel, schimmerte auf seinem weichen Fell und ließ es funkeln wie ein Meer aus tausend Diamanten.
„Schlaf gut, mein hübscher Prinz“, hauchte ich ihm zu und küsste kurz seinen Kopf. „Mmh“, erwiderte er leise, bevor er sich zu mir umdrehte und verschlafen gähnte. Dann rappelte er sich ein Stück hoch und schaute mich an, was das Licht des Mondes in seinen Augen reflektieren ließ. „Timmy...“, sagte er mit einem Lächeln, bevor er noch einmal herzhaft gähnte und sich kurz streckte.
„Sorry, Sparky“, entschuldigte ich mich und fuhr mit den Händen über sein samtweiches Fell. „Habe ich dich aufgeweckt? Das wollte ich nicht“. „Ist schon okay“, entgegnete er und kuschelte sich zurück in meine Arme. „Ich bin sowieso viel lieber wach“. „Wieso denn das?“, wollte ich wissen, woraufhin er wieder dieses süße und zugleich ein bisschen freche Grinsen auflegte, mit dem er mich jedes Mal aufs Neue verzaubern konnte. „Dann habe ich mehr von dir“, antwortete er, als er mir einen Kuss auf den Mund drückte und seine Pfoten in meinem Haar vergrub.
Daraufhin entkam mir ein glückliches Seufzen und ich begann zu schnurren wie ein kleines Kätzchen. Sparky kicherte, als er das bemerkte und grinste mich bis über beide Ohren an. „Gefällt dir das, Tim?“, wollte er wissen und ließ seine Pfoten weiter abwärts in meinen Nacken wandern. Erneut stieß ich ein leises Schnurren aus, bejahte damit seine Frage und lehnte meinen Kopf an seiner Schulter an.
Sparky fuhr mit seinen intensiven Streichlern fort und ich entspannte mich voll und ganz, ließ mich zufrieden auf jede Berührung ein, die er mir schenkte. Auch wenn ich inzwischen sechzehn Jahre alt war – jedes Mal, wenn ich in seinen Armen lag, kam das Kind in mir wieder zum Vorschein. Das Kind, das ich einmal gewesen war und das immer noch ganz tief in mir lebte. Dann fühlte ich mich losgelöst und frei. Frei von allen weltlichen Geboten und Zwängen. Unbeschwert und leicht, als würde ich auf einer Wolke tanzen. Als würde sie mich weit fort von hier tragen, irgendwohin ans Ende des Universums. An einen Ort, an dem nur unser Glück existierte und alles andere um uns herum völlig bedeutungslos zu werden schien.
Vorsichtig schob ich meinen Kopf weiter abwärts, bis ich seinen gleichmäßigen Herzschlag hören und fühlen konnte und versuchte, mich ihm anzupassen. Meine Atmung zu dämpfen, bis sie mit seiner im Einklang war. Ich spürte seine Pfoten, die langsam und zärtlich durch mein Haar streichelten und immer wieder ganz behutsam in meinen Nacken wanderten. Die Wärme seines Fells in meinem Gesicht, das mich sanft an den Wangen kitzelte. Sein blumig-süßer Duft berauschte meine sämtlichen Sinne und ich schloss meine Augen, gab mich völlig dem Gefühl hin, das mich durchströmte.
Wenn dieser Augenblick doch für immer halten könnte, dachte ich überglücklich, während ich in meinem Kopf all die schönen Dinge, die ich seit Beginn unserer einzigartigen Beziehung mit ihm erlebt hatte, noch einmal Revue passieren ließ. Die vielen Zärtlichkeiten, die wir uns schon geschenkt hatten. Die vielen Küsse. All die besonderen Momente, die mein Herz vor Glück zum Flimmern brachten und sich tief in meine Seele eingebrannt hatten.
Unsere Liebe war so außergewöhnlich. So unglaublich. Fühlte sich so gut für mich an. So richtig. So hautnah. Sie war einfach etwas ganz Besonderes. Etwas, das ich mir nicht einmal in meinen schönsten Träumen hätte ausmalen können. Sie brannte wie ein Feuer in mir. Schenkte mir Kraft und Mut. Gab mir all das, was ich mir immer so sehnlichst gewünscht hatte. Deshalb wusste ich auch, dass sie für immer halten würde. Dass nichts und niemand es je schaffen konnte, Sparky und mich auseinanderzureißen. Das würde ich nicht zulassen. Dafür bedeutete er mir zu viel. Viel mehr, als ich es ihm mit Worten jemals erzählen konnte.
Überschwemmt von dem Glücksgefühl, das mich in diesem Moment durchströmte, spürte ich plötzlich Tränen in meinen Augen. Freudentränen, die ich schon viel zu lange Zeit zurückgehalten hatte. Die ich immer hinuntergeschluckt hatte, wenn sie sich in mir hochzudrängen versuchten. Weil ich für gewöhnlich nicht der Typ war, der wegen jedem kleinen Bisschen gleich losheulte.
Aber in diesem Moment konnte ich einfach nicht anders. Ich konnte mich nicht länger gegen sie zur Wehr setzen. Zu schön waren all die Erinnerungen, die in meinem Kopf tanzten und mir jede Sekunde unserer Liebe noch einmal vor Augen führten. Zu erfüllend das Wissen darüber, dass ich endlich den einen gefunden hatte, dem ich mein Herz schenken wollte. Den einen, für den es Tag und Nacht schlug und von dem es sich niemals wieder trennen wollte.
Ich konnte nicht länger gegen sie kämpfen. Also ließ ich sie raus. Ließ sie ungehindert über meine Wangen laufen, um mich endlich von ihnen zu befreien. Um endlich zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn man aus Glück weinen muss. Rasch vergrub ich das Gesicht in Sparkys Brust und gab mich meinen Gefühlen hin. Ich wollte sie nicht mehr länger unterdrücken. Ich wollte Sparky endlich wissen lassen, wie sehr ich ihn wirklich liebte. Wie unglaublich schön es für mich war, mit ihm zusammen zu sein.
Nein, ich war nicht sentimental. Ich weinte nicht wegen jeder Kleinigkeit gleich ganze Bäche, sondern versuchte immer so gut wie möglich, mich zusammenzureißen und mich nicht von meinen Tränen überwältigen zu lassen. Aber das musste jetzt einfach sein. Ich konnte mich in diesem Moment einfach nicht mehr bremsen. Und offen gestanden wollte ich das auch überhaupt nicht.
„Tim?“, fragte Sparky, als er meine Tränen auf seinem Fell spürte und hielt mit seinen Streicheleinheiten inne. „Weinst du?“. Ich antwortete ihm nichts darauf, sondern ließ mich stattdessen von meinen Gefühlen mitreißen und klammerte mich an ihm fest. „Hey Timmy“, wiederholte er und stupste mich sanft mit seiner Schnauze an. „Schau mich an. Was ist denn los?“.
Besorgt schaute er mir in die Augen, als ich meinen Kopf hob und legte seine Pfote an meine Wange. „Was hast du denn, Tim?“, wollte er noch einmal wissen. „Warum musst du denn weinen? Habe ich etwas falsch gemacht? Habe ich dir wehgetan?“. Rasch schüttelte ich den Kopf und lächelte ihn unter Tränen an. „Nein, Sparky“, flüsterte ich mit einem glücklichen Schluchzen. „Nein, das hast du nicht“.
„Aber was ist denn dann los?“, fragte er leise, weil er sich meinen Gefühlsausbruch scheinbar überhaupt nicht erklären konnte. Er drehte sich kurz um und knipste die Nachttischlampe an, bevor er sich wieder an mich wandte und seine Pfote auf meine Schultern legte. „Warum bist du traurig, Timmy?“, hakte er noch einmal nach und wischte mir vorsichtig um die Augen. „Bitte sag es mir. Wenn ich etwas falsch gemacht habe, dann tut es mir Leid“.
„Du hast doch nichts falsch gemacht“, wehrte ich ab, unter Tränen lächelnd. „Überhaupt nichts, Sparky. Ich bin nur so... so... glücklich“. „Glücklich?“, fragte er nach, was ich ihm mit einem kurzen Nicken bestätigte. „Aber Timmy...“, fügte er verwirrt hinzu. „Wenn man glücklich ist, dann weint man doch nicht“. „Doch, Sparky“, widersprach ich ihm und wischte mir mit dem Ärmel meines T-Shirts über die Wangen. „Wenn man so glücklich ist wie ich es mit dir bin, dann kann man ab und zu einfach nicht anders. Wenn man jemanden so sehr liebt wie ich dich, wird man manchmal einfach von seinen Gefühlen überwältigt“.
„Dann... dann ist alles okay?“, fragte er, während sich ein beruhigtes Lächeln auf sein Gesicht legte. „Natürlich, mein Kleiner“, stimmte ich ihm zu. „Es ist alles in Ordnung mit mir. Ich habe nur gerade an all die schönen Dinge gedacht, die wir schon zusammen erlebt haben. Es gab in meinem Leben schon so viele besondere Momente mit dir, Sparky. Und ich...“.
Wieder musste ich schluchzen, bevor es mir gelang, meinen Satz zu Ende zu sprechen. „Oh Timmy...“, erwiderte er gerührt und nahm mich fest in die Arme. „Timmy, ich weiß gar nicht, was ich darauf sagen soll“. „Sag bitte nichts, Sparky“, antwortete ich und versuchte, mich wieder einzukriegen. „Sag nichts dazu, okay?“. Er nickte nur, bevor er mich fest in die Arme schloss und mir sanft auf den Rücken klopfte.
Ich brauchte noch ein paar Augenblicke, bis es mir schließlich gelang, mich wieder vollständig zu beruhigen. „Tut... tut mir Leid, Sparky“, entschuldigte ich mich rasch bei ihm, als ich ihm in die Augen sah. „Ich war gerade einfach überwältigt von meinen Gefühlen für dich. Ich wollte dich damit nicht beunruhigen“. „Ist schon in Ordnung, Tim“, meinte er und lächelte mich an. „Ich kann das verstehen. Und ehrlich gesagt bin auch sehr gerührt darüber, dass du so denkst und empfindest. Dass dich das mit uns so glücklich macht, hätte ich nie gedacht“.
„Doch, das tut es“, versicherte ich ihm. „Das tut es wirklich, Sparky. Ich bin unbeschreiblich glücklich mit dir und spüre ganz genau, dass du die Liebe meines Lebens bist. Das wird sich niemals ändern, egal, was auch passiert“.
Auf diese Worte hin küsste er mich und nahm mich noch einmal in die Arme, bewegt von meiner Ehrlichkeit. „Ich liebe dich auch, Timmy“, wisperte er mir ins Ohr, bevor er mich wieder anschaute. „Du hast es geschafft, mein kleines Hundeherz ganz verrückt zu machen. Wegen dir schlägt es so schnell wie noch bei keinem anderen in meinem Leben. Und dafür danke ich dir, Timmy. Danke, dass du mich so liebst, wie ich bin“.
Ich erwiderte nichts darauf, küsste ihn stattdessen zärtlich auf seine Schnauze und bedeutete ihm dann, das Licht auszumachen und sich wieder hinzulegen. Gehorsam kam er meiner Aufforderung nach, knipste die Nachttischlampe aus und kuschelte sich dann fest in meine Arme. Eine Weile lagen wir so da, bevor ich mich noch einmal aufsetzte und nach seiner Pfote griff.
„Du, Sparky“, meinte ich leicht verlegen, während ich sie streichelte. „Was denn, Tim?“, wollte er wissen und rappelte sich ebenfalls noch einmal hoch. Er knipste das Licht wieder an und wandte sich dann erwartungsvoll an mich. „Ich... ich hoffe, du hältst mich jetzt nicht für eine Heulsuse“, erwiderte ich und räusperte mich. „Ich... ich meine, du weißt ja, dass ich für gewöhnlich nicht der Typ bin, der wegen jeder Kleinigkeit anfängt zu flennen“.
„So ein Quatsch“, wehrte er rasch ab und schüttelte verneinend seinen Kopf. „Du bist doch keine Heulsuse, Timmy. Das war einfach gerade ein sehr emotionaler Moment für dich. Emotionale Momente sind etwas Schönes. Etwas Wichtiges. Und ich halte dich noch lange nicht für eine Heulsuse, nur weil du mir deine Gefühle zeigst. Im Gegenteil: Ich bin sehr glücklich über das, was du gerade gesagt hast. Ein Grund mehr für mich, dich über alles auf der Welt zu lieben“.
„Gibt es noch andere Gründe?“, neckte ich ihn und streichelte über seinen Kopf. „Oh ja“, antwortete er, während er seine Pfoten um mich legte und sich in meine Arme kuschelte. „Sehr viele sogar“. „Welche denn zum Beispiel?“, fragte ich mit einem Kichern. „Sag mir doch mal ein paar“. „Was hältst du davon, wenn ich sie dir stattdessen zeige?“, wollte er wissen und ich spürte seine Pfote an meinem Körper abwärts wandern. „Würde dir das gefallen?“. „Mhm“, antwortete ich und zog ihn eng an mich heran. „Das würde es, Sparkylein. Sehr sogar“.

Die nächsten drei Tage schienen im wahrsten Sinne des Wortes an uns vorbeizufliegen und noch ehe wir uns versahen, stand das Ereignis aller Ereignisse vor der Tür: Trixie Tangs Halloweenparty. Das größte und angesagteste Event, das unser kleines, verschlafenes Städtchen Dimmsdale an diesem Abend zu bieten haben würde.
Und ich war eingeladen. Ich war tatsächlich eingeladen. Kein Wunder, dass es mir in dieser Nacht ziemlich schwer gefallen war, zumindest halbwegs erholsamen Schlaf zu finden. Denn natürlich war ich ziemlich aufgeregt deswegen. Vor allem, wenn man die Tatsache in Betracht zog, dass ich mit Sparky dort erscheinen würde. Dass wir das erste Mal in der Geschichte unserer Beziehung zusammen ausgingen. Uns das allererste Mal gemeinsam in der Öffentlichkeit zeigten. Als Paar. Als festes, sich liebendes Paar.
Zwar war mir immer noch ein bisschen komisch zumute, wenn ich darüber nachdachte, was wohl meine Freunde sagen würden, wenn ich mit ihm dort erschien. Schließlich würden sie dann nicht nur wissen, dass ich mich verliebt hatte, sondern auch, dass ich mich zu Jungs hingezogen fühlte. Denn auch das hatte ich bisher vor allen geheimgehalten – Cosmo und Wanda selbstverständlich ausgenommen.
Noch nicht einmal meinen Eltern gegenüber hatte ich es bisher erwähnt. Und das, obwohl Sparky und ich nun seit fast schon zwei Monaten miteinander gingen. Obwohl wir seit fast zwei Monaten glücklich verliebt waren. Natürlich war mir klar, dass ich es nicht ewig vor ihnen geheimhalten konnte. Natürlich musste ich es den beiden früher oder später erzählen und sie wissen lassen, dass ich niemals eine Freundin mit nach Hause bringen würde.
Und auch wenn ich mir schon hundertfach vorgenommen hatte, endlich reinen Tisch zu machen und sie endlich über alles aufzuklären, irgendwie schreckte ich jedes Mal davor zurück. Zwar schätzte ich sie, was dieses Thema betraf, als relativ tolerant ein und konnte mir auch nicht vorstellen, dass sie mir eine Szene machen würden, wenn ich ihnen erklärte, dass ich schwul war.
Doch trotzdem war mir nicht ganz wohl dabei. Immerhin musste ich sie ja auch darüber in Kenntnis setzen, dass Sparky mein auserwählter Prinz war. Und das würde meiner Ansicht nach alles andere als leicht werden. Denn wie bitteschön sollte ich ihnen erklären, dass er kein normaler Hund war? Wie sollte ich ihnen klarmachen, dass ich mich ausgerechnet in ihn verliebt hatte?
Wanda hatte sich ja damals schon ein bisschen schwer damit getan, unsere Liebe zu begreifen. Und das, obwohl sie von Anfang an alles über Sparky gewusst hatte. Sie hatte gewusst, dass er ein Elfenhund war. Dass er die Fähigkeiten eines Menschen besaß und so viel mehr in ihm steckte als nur ein gewöhnliches Haustier. Trotzdem war es schwierig für sie gewesen, unsere neu entwickelten Gefühle füreinander richtig zu verstehen und sie hatte eine Weile gebraucht, bis sie unsere Liebe akzeptieren konnte.
Und wenn sie sich schon dagegen gesträubt hatte – wie sollte ich dann bitteschön meinen Eltern vermitteln, was los war? Wie sollte ich ihnen verständlich machen, dass Sparky mehr für mich war als ein Hund? Wie sollten sie begreifen können, dass ich ihn über alles liebte? Und die wichtigste Frage überhaupt: Was würden sie von der ganzen Sache halten? Was würden sie sagen, wenn ich ihnen erklärte, dass Sparky ein magischer Hund war? Würden sie mir überhaupt glauben?
Vielleicht, dachte ich und seufzte leise. Vielleicht würden sie mir meine Geschichte abnehmen. Immerhin waren sie ja schon immer ziemlich leichtgläubig gewesen. Im Laufe meines Lebens hatte ich ihnen schon so viele verrückte und absurde Sachen aufgetischt, von denen ich genaustens wusste, dass sie völlig an den Haaren herbeigezogen waren. Und trotzdem hatten sie meinen Aussagen jedes Mal Glauben geschenkt. Trotzdem hatten sie nie an mir gezweifelt. Weil ich ihr Sohn war. Weil sie mir grenzenlos und nahezu blind vertrauten.
Was hielt mich also davon ab, sie in die Angelegenheit mit Sparky einzuweihen? Warum sollte ich ihnen nicht einfach geradeheraus sagen, was zwischen uns beiden passiert war? Schließlich war das die absolute Wahrheit. Darüber hinaus hatte ich ihnen schon weitaus skurrilere Dinge erzählt. Und sie hatten mir jedes Mal wieder Glauben geschenkt. Warum sollte es also dieses Mal anders sein?
Ja, ich würde es tun, beschloss ich in diesem Augenblick für mich. Ich würde meinen Eltern die ganze Wahrheit sagen. Zum einen hatten sie einfach das Recht, es zu wissen und zum anderen war dann dieses ewige Versteckspiel, das Sparky und ich seit Wochen betrieben, endlich vorüber. Dann konnten wir ganz ungestört zusammen sein und mussten nicht ständig aufpassen, dass wir von niemandem erwischt wurden. Deshalb würde ich all meinen Mut zusammennehmen und die beiden einweihen. Ich würde ihnen alles erzählen.
Was konnte denn schon Schlimmes passieren?

Zwei Stunden später, nachdem ich vergeblich versucht hatte, zumindest noch ein bisschen Schlaf zu finden, schlich ich mich so leise wie es mir möglich war aus dem Bett, um Sparky nicht zu wecken, der immer noch tief und fest schlummerte und dabei ein Lächeln im Gesicht hatte, welches mich vermuten ließ, dass er einen sehr angenehmen Traum haben musste, und eilte hinüber ins Badezimmer.
Dort angekommen sprang ich rasch unter die Dusche und machte mir währenddessen Gedanken darüber, ob ich tatsächlich das Richtige tat, wenn ich Mom und Dad die ganze Geschichte erklärte. Schließlich war das zwischen Sparky und mir eine mehr als nur außergewöhnliche Liebe und ich war nicht sicher, ob sie wirklich dazu in der Lage sein würden, es richtig zu begreifen. Auch wenn sie mir bisher all meine Ausreden abgenommen und nie auch nur den leisesten Verdacht geschöpft hatten – ging ich nicht doch einen Schritt zu weit, wenn ich ihnen die Wahrheit sagte?
Nein, entschied ich kurzerhand. Nein, das tat ich nicht. Früher oder später würden sie ohnehin hinter unser Geheimnis kommen und herausfinden, dass Sparky und ich ein Paar waren. Früher oder später würden sie uns zusammen erwischen oder mitkriegen, dass ich mit ihm sprach. Dann würde es ohnehin keinen Zweck mehr haben, die Sache zu leugnen und ich musste mich so oder so zu der Wahrheit bekennen. Warum also diesen Prozess nicht einfach abkürzen und selbst mit der Sprache herausrücken? Dadurch ersparte ich nicht nur Sparky und mir, sondern auch ihnen eine Menge Unannehmlichkeiten und konnte ihnen deutlich vermitteln, wie wichtig mir unsere Beziehung war. Wie wichtig er mir war.
Deshalb musste ich diesen Schritt einfach machen. Ich musste ihnen reinen Wein einschenken. Sie hatten das Recht darauf, es zu erfahren. Ein Recht darauf, zu wissen, was in mir vorging. Dass ich verliebt war. Dass ich zum allerersten Mal in meinem Leben Hals über Kopf verliebt war.
Was Sparky wohl zu meinem Vorhaben sagen wird?, überlegte ich, während ich mir rasch ein Handtuch um die Hüften schlang und aus der Dusche stieg. Was wird er davon halten, wenn ich ihm erkläre, was ich möchte? Wird er sehr schockiert darüber sein? Wird er versuchen, mich davon abzuhalten? Überrumple ich ihn damit? Oder ist es vielleicht genau das, worauf er schon die ganze Zeit über wartet? Sehnt er sich vielleicht schon die ganze Zeit danach, dass ich endlich diesen Schritt mit ihm mache? Wartet er nur darauf, dass ich zu meinen Eltern gehe und sie über unsere Beziehung in Kenntnis setze?
Das wird sich rausstellen, dachte ich, während ich mir ein dunkelblaues Shirt überzog und in ein paar schwarze Sandalen schlüpfte. Im Anschluss daran machte ich mich zurecht und warf einen kurzen Blick in den Spiegel über dem Waschbecken. „Du schaffst das, Turner“, sagte ich zu meinem Spiegelbild, um mir Mut zu machen, und versuchte, ein optimistisches Lächeln aufzulegen. „Mom und Dad werden dich schon nicht umbringen, nur weil du dich in einen Hund verliebt hast. Wenn du ihnen erklärst, wie das alles gekommen ist, dann werden sie es mit Sicherheit verstehen. Vielleicht werden sie sich sogar für dich freuen. Immerhin bist du das erste Mal im Leben richtig verliebt. Also hör auf, dir den Kopf zu zerbrechen und vertrau einfach auf dein Bauchgefühl. Es wird bestimmt alles gut. Kein Grund, sich Sorgen zu machen“.
Ich holte ganz tief Luft, als ich meine selbstmotivierende Rede beendet hatte und machte mich dann auf den Weg zurück in mein Zimmer. Leise schlich ich zum Bett hinüber und schlüpfte so vorsichtig wie möglich zu Sparky unter die Bettdecke. Er zuckte einmal kurz mit dem Fuß, als ich ihn aus Versehen leicht streifte und für einen Augenblick befürchtete ich, dass er aufwachen würde.
Doch stattdessen drehte er sich zur anderen Seite um und schlummerte seelenruhig weiter. „Schlaf gut, mein hübscher Prinz“, wisperte ich tonlos in sein Ohr und streichelte kurz über seinen Kopf, bevor ich ebenfalls noch einmal die Augen schloss und versuchte, zumindest noch ein bisschen Ruhe zu finden. Irgendwann musste ich dann schließlich doch noch eingeschlafen sein, denn ich hatte einen ziemlich eigenartigen Traum.
Sparky und ich waren auf Trixies Party, genau wie wir es geplant hatten. Die Band spielte einen romantischen Tango und wir flogen zusammen über die Tanzfläche, vorbei an den unzähligen anderen Paaren, die sich ebenfalls im Rhythmus der Melodie bewegten. Alles war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Absolut perfekt.
Als der Song endete, lächelte Sparky mich zärtlich an und schmiegte sein Gesicht dicht an meines. Aus einer Reflexhandlung heraus hob ich ihn hoch, presste seinen Körper fest gegen meinen, bis nur noch ein paar Millimeter zwischen unseren Lippen lagen. „Mein Prinz“, flüsterte ich ihm zu, sein Lächeln erwidernd, und drückte ihm einen intensiven Kuss auf die Schnauze. „Ich wünschte, dieser Moment würde nie mehr vorübergehen“.
„Timothy Tiberius Turner!“. Plötzlich hörte ich jemanden laut meinen Namen rufen. Rasch wandte ich mich von Sparky ab und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen. In diesem Augenblick flog die Eingangstür mit einem lauten Krachen auf und meine Mom kam hereingestürmt. „Wie kannst du es wagen?!“, schrie sie, während sie auf mich zustürmte. „Was fällt dir eigentlich ein, deiner Familie so etwas anzutun?! Schämst du dich denn überhaupt nicht?!“.
„M-Mom...“, brachte ich perplex hervor, als sie nur wenige Meter vor mir stehenblieb und mich wütend anfunkelte. „Mom, ich...“. „Halt deinen Mund!“, fauchte sie giftig. „Du ekelhafter Bastard! Wie kannst du nur so etwas tun? Wie kannst du das tun?!“. „Ich... ich weiß nicht, was du meinst“, begann ich, immer noch verwirrt über ihre plötzliche Wut auf mich. „Du datest einen Hund!“, fuhr sie wutgeladen fort. „Du hast dich mit einem Hund verabredet! Was fällt dir überhaupt ein?!“.
Zornig zeigte sie mit ihrer Hand auf Sparky, den ich immer noch in den Armen hielt, und ging noch einen Schritt auf uns zu. „Du hast ihn missbraucht!“, warf sie mir vor. „Du hast dieses arme, unschuldige Tier gequält und missbraucht! Das ist krank, Timmy! Das ist total krank!“.
„N-nein...“, würgte ich hervor, entsetzt von ihren Vorwürfen. „Nein, Mom, so ist das nicht. Sparky und ich...“. „Halt deinen Mund!“, schleuderte sie mir keifend entgegen. „Du bist krank, Timmy! Völlig krank! Du hast mit einem Hund geschlafen! Du hast dieses arme Tierchen völlig verstört und misshandelt. Du bist ein Tierquäler! Ein dreckiger Tierquäler bist du!“.
„Nein, Mom...“, wollte ich erwidern, wurde jedoch lautstark von ihr unterbrochen.
„Tierquäler!“, wiederholte sie aufgebracht. „Tierquäler! Tierquäler! Tierquäler!“. „Nein!“, protestierte ich und fühlte Tränen in meinen Augen. „Nein, ich...“. Weiter kam ich allerdings nicht, denn auch die anderen Gäste stimmten in ihr Rufen mit ein. „Tierquäler!“, brüllten sie im Chor. „Timmy ist ein Tierquäler!“.
In meinem Kopf brach vollkommenes Chaos aus und mein gesamter Körper fing an zu zittern. „Nein!“, schluchzte ich unter Tränen. „Nein, das bin ich nicht! Ich habe Sparky nichts getan! Ich liebe ihn!“. Doch egal, wie sehr ich mich bemühte, niemand hörte auf meine Worte. Stattdessen verspotteten sie mich nur und lachten mich aus. Warfen mir vor, wie krank ich war. Dass ich Sparky misshandelte. Ihn missbrauchte. Ihn sexuell missbrauchte.
Aber ich hatte ihm doch gar nichts getan! Ich hatte ihn nie zu irgendetwas gezwungen. Alles, was wir zusammen gemacht hatten, war in beiderseitigem Einverständnis geschehen. Ich hatte ihn nicht gequält. Niemals!
„Timmy ist ein Tierquäler!“, hörte ich erneut jemanden schreien. „Er hat dieses arme, kleine Hundchen misshandelt! Dafür soll er bezahlen!“. „Bezahlen!“, stimmte ihm jemand anders aufgebracht zu. „Ja, bezahlen muss er!“. „Bezahlen, bezahlen, bezahlen“, begann der Chor plötzlich von neuem. „Timmy muss bezahlen!“.
Noch ehe ich mich wehren oder irgendetwas sagen konnte, wurde mir Sparky aus den Armen entrissen. Zwar versuchte ich, ihn festzuhalten und nach ihm zu greifen, doch leider vergeblich.
Bevor ich überhaupt richtig begriff, wie mir geschah, stieß mir eine Faust in die Magengrube und ließ mich laut aufkeuchen. Ich sank auf die Knie, bemühte mich, zu Atem zu kommen, während ich dabei zusah, wie zwei Jungs, die in etwa mein Alter hatten, ihn von mir wegtrugen. „Keine Angst, kleines Hundchen“, sagten sie zu ihm. „Er kann dir nie wieder etwas tun. Du bist jetzt in Sicherheit. Und glaub mir, wir werden dafür sorgen, dass dieser Tierquäler seine gerechte Strafe bekommt“.
„Strafe! Strafe! Strafe!“, stimmte der Chor wie aufs Wort erneut an. „Er muss bestraft werden!“. „Nein!“, wehrte ich mich und stieß ein lautes Schluchzen aus. „Nein! Ich liebe Sparky über alles! Ich würde ihm niemals wehtun! Nein!“. Doch wieder wurde ich von den lauten Schreien der anderen übertönt. „Stirb, Tierquäler!“, kreischte jemand dicht hinter mir und im nächsten Moment spürte ich einen stechenden Schmerz durch meinen gesamten Körper zucken.
„Stirb! Stirb! Stirb!“. Das laute Geschrei schien von Sekunde zu Sekunde leiser zu werden, sich immer weiter von mir zu entfernen und vor meinen Augen verschwamm plötzlich alles. „Sparky!“, schrie ich aus Leibeskräften, bevor es völlig dunkel um mich wurde und ich auf der Tanzfläche zusammenbrach.

„Sparky!“. Mein verzweifelter Schrei begleitete mich aus meinem Traum heraus und ich fuhr mit einem heftigen Ruck im Bett hoch. „Sparky!“, wiederholte ich aufgelöst, während ich versuchte, eine klare Orientierung zu bekommen und festzustellen, wo ich mich überhaupt befand. „Sparky, nein! Sparky!“.
„Timmy!“. Jemand tastete nach mir und diese Berührung ließ mich verängstigt herumfahren. „Timmy! Hey Timmy!“. Ich blinzelte einige Male, um mich zu vergewissern, dass ich auch wirklich wach und dieser Augenblick Realität war. „Ich bin da, Timmy“, sagte Sparky, während er meine Hand behutsam streichelte. „Ich bin da“. „Sparky!“, rief ich aufgelöst und fiel dem kleinen Elfenhund um den Hals. „Mein kleiner Sparky!“.
Schluchzend vergrub ich meinen Kopf in seiner Schulter und versuchte, die grauenerregenden Bilder aus meinem Traum abzuschütteln. „Ist ja gut“, flüsterte er mir leise zu und fuhr mit seiner Pfote durch meine Haare. Dann löste er sich von mir und warf einen Blick in mein tränenüberströmtes Gesicht. „Hast du schlecht geträumt, Tim?“, wollte er fürsorglich wissen und legte seine Pfote an meine Wange. Zustimmend nickte ich, bevor ich ihn noch einmal in die Arme schloss und einen leisen, schmerzerfüllten Schrei ausstieß.
„Psst“, wisperte er und streichelte mir durchs Haar. „Ist ja schon gut, Timmy. Ist alles wieder gut. Ich bin ja da. Hab keine Angst“. „Sparky“, wisperte ich tränenblind und gab ihm einen Kuss auf seine Schnauze. „Sparky, mein Baby“.
„Alles ist gut, Timmy“, wiederholte er und wischte mir vorsichtig die Tränen aus den Augen. „Was immer du geträumt hast, es ist jetzt vorbei. Du musst keine Angst mehr haben, okay?“. „Sparky, ich habe dich nicht missbraucht“, rief ich aus, als ich an die Vorwürfe aus meinem Traum dachte. „Ich habe dich zu nichts gezwungen“.
„Hä?“, erwiderte er überrascht, irritiert von meiner plötzlichen Aussage. „Ich habe dich nicht missbraucht!“, wiederholte ich laut, woraufhin er den Kopf schieflegte und mir verdutzt in die Augen schaute. „Aber natürlich nicht, Tim“, stimmte er mir dann zu. „Natürlich hast du das nicht. Wie kommst du denn auf...?“. Er unterbrach sich, als ihm bewusst wurde, dass mein plötzlicher Ausruf wohl etwas mit meinem Albtraum zu tun haben musste.
„Oh...“, flüsterte er leise und bedeutete mir, mich in seine Arme zu kuscheln. Darum bemüht, meine Fassung zurückzuerlangen, kam ich seiner Aufforderung nach und legte mich wieder hin, während er mehrmals durch meine Haare strich und mich festhielt. „Ganz ruhig“, wisperte er zärtlich und küsste mich auf die Wange. „Ganz ruhig, Timmy. Es ist alles wieder in Ordnung, ja?“.
Ich brauchte noch einige Minuten, bis es mir schließlich gelang, mich wieder vollständig einzukriegen. Mehrmals atmete ich tief durch, während sich ein beruhigtes Lächeln auf mein Gesicht legte. Es war nur ein Traum, machte ich mir selbst noch einmal klar. Nur ein furchtbarer Albtraum. Es gibt keinen Grund mehr, Angst zu haben. Sparky ist bei mir. Man hat ihn mir nicht weggenommen. Das war alles nur geträumt.
„Ich bin da, Timmy“, unterbrach Sparky meine Gedanken, der noch immer über mein Haar streichelte und die andere Pfote an meine Wange legte, um Blickkontakt mit mir zu bekommen. „Es ist alles wieder in Ordnung“. Mit diesen Worten küsste er mich sanft, ließ mich seine ganze Nähe spüren, um auch den letzten Rest meiner Angst vollständig zu verjagen. „Ich weiß“, stimmte ich ihm zu und holte noch einmal ganz tief Luft. „Ich weiß. Es ist nur... dieser Traum... er hat sich so real angefühlt“.
„Wovon hast du denn geträumt?“, wollte er daraufhin wissen und sah mich gespannt an. „Was hat dir solche Angst gemacht?“. „Ich habe dich verloren“, antwortete ich mit brüchiger Stimme. „In meinem Traum haben sie dich mir weggenommen. Sie haben dich einfach gepackt und mitgenommen, ohne dass ich die Chance hatte, dich festzuhalten“. „Wer hat mich mitgenommen?“, fragte er nach, offensichtlich nicht ganz klar darüber, was ich damit sagen wollte.
„Die anderen“, antwortete ich leise. „Die anderen Gäste auf Trixies Party“. „Du... du hast von der Party geträumt?“, erkundigte er sich weiter, was ich mit einem raschen Nicken bestätigte. „Anfangs war es auch ganz schön“, erklärte ich ihm. „Wir haben zusammen Tango getanzt und hatten einen wirklich schönen Abend. Bis plötzlich wie aus dem Nichts meine Mom aufgetaucht ist“.
„Deine Mom?“, fragte er verwundert und ich nickte abermals zur Bestätigung. „Sie ist ganz plötzlich durch die Tür gestürmt und hat mich angeschrien“, erzählte ich weiter. „Sie hat mich gefragt, was ich mir überhaupt einbilde und wie ich nur so etwas tun kann. Als ich nicht wusste, was sie meint, hat sie mit dem Finger auf dich gezeigt und mir vorgeworfen, dass ich dich missbraucht hätte“.
„Miss-missbraucht?“, hakte Sparky nach und starrte mich durcheinander an. „Ja“, antwortete ich mit einem betrübten Seufzen. „Sie hat gesagt, dass ich dich misshandeln und quälen würde“. Schockiert hielt er sich eine Pfote vor den Mund, konnte scheinbar gar nicht glauben, was ich ihm da erzählte. „Bevor ich etwas darauf erwidern konnte...“, setzte ich fort und schluckte schwer. „...haben auch die anderen Partygäste angefangen, mich zu beschimpfen und zu verspotten. 'Tierquäler' haben sie immer wieder geschrien. 'Timmy ist ein Tierquäler'. Noch ehe ich wusste, wie mir geschieht, kamen plötzlich zwei Jungs auf mich zu und haben dich aus meiner Umarmung entrissen. Sie haben dich von mir weggebracht, während das Geschrei der anderen immer lauter wurde. Und dann, wie aus dem Nichts, habe ich plötzlich einen stechenden Schmerz in meiner Brust gefühlt. Vor meinen Augen ist alles verschwommen und ich bin zusammengebrochen“.
„Oh mein Gott, Timmy...“, wisperte Sparky entsetzt und kuschelte sich nah an mich heran. „Das ist ja schrecklich. Ich... ich weiß überhaupt nicht, was ich dazu sagen soll. Ich...“. Er brach ab und ließ ein betroffenes Seufzen verlauten. Vermutlich wusste er, dass er mir jetzt am meisten helfen konnte, wenn er mich einfach nur wärmte. Meine Angst vertrieb und mich spüren ließ, dass er für mich da war.
Eine Weile herrschte tiefes Schweigen im Raum. Keiner von uns beiden traute sich, die Stille zu zerbrechen. Wahrscheinlich waren wir beide ziemlich geschockt über diesen grässlichen Albtraum. Ich fühlte Sparkys Pfote durch mein Haar streicheln und seinen Atem in meinem Nacken, während ich versuchte, die Gedanken daran abzuschütteln und mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Es hatte ohnehin keinen Wert, sich weiterhin darüber den Kopf zu zerbrechen. Schließlich war es nur ein Traum gewesen. Ein abstruser, bescheuerter Albtraum.
Nach einiger Zeit ergriff ich schließlich das Wort und wandte mein Gesicht Sparky zu. „So schweigsam?“, neckte ich ihn und knuffte ihn spielerisch in die Seite. „Hm?“, erwiderte er gedankenversunken und schüttelte kurz den Kopf. „Oh... tut... tut mir Leid, Timmy. Ich... ich hab nur grade nachgedacht“. „Worüber denn?“, fragte ich gespannt, obwohl ich es eigentlich schon erahnen konnte. „Über deinen Traum“, antwortete er und bestätigte damit meine unausgesprochene Vermutung. „Das klingt alles so... merkwürdig“.
„Das kannst du laut sagen“, stimmte ich ihm zu und seufzte. „So etwas Schräges habe ich vorher noch niemals geträumt. Ich weiß auch nicht, was da in meinem Unterbewusstsein vorgegangen ist. Und vor allem, dass Mom...“. Ich unterbrach mich und senkte meinen Blick, als mir plötzlich ein Gedanke kam, den ich noch überhaupt nicht in Erwägung gezogen hatte. Ein Gedanke, der mir eine Erklärung für diesen Traum lieferte. Denn vielleicht war er ja gar nicht so schräg wie ich anfangs geglaubt hatte. Vielleicht hatte er ja doch einen Sinn. Vielleicht war er die Antwort auf die Frage, die ich mir heute Morgen gestellt hatte. Die Antwort auf das, was ich mir im Badezimmer vorgenommen hatte.
„Was?“, fragte Sparky erwartungsvoll. „Was wolltest du sagen, Tim?“. „Vielleicht war dieser Traum doch nicht so merkwürdig wie ich dachte“, sprach ich meine Überlegung schließlich aus, woraufhin er mich verwirrt anschaute. „Was meinst du damit?“, wollte er wissen und legte den Kopf zur Seite. „Möglicherweise ist das ein Zeichen“, antwortete ich nachdenklich. „Vielleicht hat es einen Grund, dass ich ausgerechnet heute von der Party geträumt habe. Einen Grund, den ich bis eben vollkommen verdrängt gehabt hatte. Aber jetzt, wenn ich so darüber nachdenke, macht es plötzlich alles einen Sinn“.
„Tim, wovon sprichst du?“, entgegnete Sparky verwirrt, der natürlich noch nichts von dem Entschluss wusste, den ich heute Morgen gefasst hatte. „Sparky, ich... ich muss dir was sagen“, antwortete ich und senkte rasch meinen Blick. „Aber du darfst deswegen bitte nicht ausflippen, okay?“. „Versprochen“, versicherte er mir und bestätigte seine Aussage mit einem Nicken. „Also, was ist denn los, Timmy?“.
„Heute Früh...“, begann ich ihm schließlich zu erklären. „...als du noch tief und fest geschlafen hast, da habe ich sehr lange über uns und unsere Beziehung nachgedacht. Ich habe mir überlegt, wie lange das mit uns beiden noch so weitergehen soll. Wie lange wir uns noch zurückhalten und verstecken müssen, bis endlich alle erfahren, was zwischen uns ist“.
„Was... was meinst du damit?“, entgegnete er daraufhin und warf mir einen kurzen Blick zu. „Damit meine ich all das hier“, antwortete ich bestimmt. „Dieses ewige Hin und Her zwischen uns. Dieses ewige Versteckspiel vor den anderen. Ich habe lange überlegt und bin schließlich zu dem Schluss gekommen, dass ich so einfach nicht mehr weitermachen will. Ich will unsere Beziehung nicht länger geheimhalten. Du bist mein Freund, Sparky. Und es ist endlich an der Zeit, dass alle es erfahren“.
„Timmy...“, flüsterte er überrascht. „Heißt das, du willst...?“. „Ja“, unterbrach ich ihn, bevor er seine Frage zu Ende sprechen konnte. „Ja, Sparky, ganz genau das will ich. Ich will endlich zu dir stehen. Deshalb habe ich mir heute Morgen vorgenommen, endlich zu meinen Eltern zu gehen und sie in die ganze Geschichte einzuweihen. Sie sollen endlich erfahren, dass ich seit nun fast zwei Monaten glücklich verliebt bin“.
„Zu... zu deinen Eltern?“, hakte Sparky nach und riss verblüfft die Augen auf. „Du... du willst sie einweihen?“. „Ja“, bestätigte ich ihm. „Ich will ihnen endlich alles über uns erzählen. Geheime Liebe hin oder her, aber irgendwann muss auch mal damit Schluss sein. Irgendwann muss ich einfach mal – verzeih mir bitte, wenn ich so direkt bin – den Arsch in der Hose haben und mich zu dir bekennen. Ich meine, wir wissen doch beide, dass sich dieser Schritt nicht ewig aufschieben lässt. Irgendwann werden meine Eltern so oder so herausfinden, was zwischen uns ist. Warum also nicht gleich ehrlich sein und ihnen alles erklären? Dann haben wir das wenigstens hinter uns und können ganz ungestört zusammen sein. So wie jedes andere, normale Paar auch“.
„Wow“, brachte er völlig perplex heraus, als ich ihn in mein Vorhaben eingeweiht hatte und starrte mich verblüfft an. „Ich weiß überhaupt nicht, was ich dazu sagen soll. Ich meine, ich hätte niemals gedacht, dass du...“. Er brach ab. Vermutlich musste er meine Worte und meinen plötzlichen Entschluss dazu, meinen Eltern die Wahrheit zu sagen, erst einmal richtig verarbeiten. Nervös wippte er mit seinen Vorderpfoten auf und ab, während er sich alles ausführlich durch den Kopf gehen ließ.
Als er jedoch auch nach einigen Minuten keine Anstalten dazu machte, irgendetwas zu sagen, ergriff ich schließlich wieder das Wort und suchte den Blickkontakt mit ihm. „Also?“, fragte ich gespannt und sah ihn erwartungsvoll an. „Was hältst du davon, Sparky?“. „Ich... ich weiß nicht“, antwortete er unsicher und räusperte sich. „Das ist ein gewagter Schritt, den wir damit machen würden. Und ich bin mir nicht sicher, ob wir schon so weit sind“.
„Warum denn nicht?“, erwiderte ich und versuchte, ihn anzulächeln. „Früher oder später werden sie es ohnehin herausfinden. Deswegen halte ich es für geschickter, sie persönlich zu informieren, bevor sie es von irgendjemand anderem erfahren. Außerdem – wenn wir heute Abend zusammen zu der Party gehen, werden die Leute auch wissen, was los ist. Und irgendwann wird es bestimmt auch zu Mom und Dad durchdringen“.
„Aber das mit der Party ist doch etwas anderes!“, warf er ein, zunehmend unsicherer darüber, ob wir damit tatsächlich das Richtige taten. „Das ist eine Kostümparty. Eine Kostümparty, Timmy. Du kannst das doch nicht mit deinen Eltern vergleichen“. „Wieso nicht?“, fragte ich schulterzuckend. „Eines Tages kriegen sie ja ohnehin die Wahrheit raus. Besser, wir sagen es gleich, wie es ist. Dann brauchen wir uns wenigstens nicht mehr verstecken“.
„Aber Timmy...“, protestierte er erneut, doch ich legte ihm rasch den Finger auf die Lippen, bedeutete ihm dadurch, nichts mehr zu sagen. „Keine Angst, Sparky“, beruhigte ich ihn, während ich meine Arme um ihn legte. „Es wird alles gut, glaub mir. Mom und Dad werden uns schon nicht umbringen, nur weil wir uns verliebt haben“. Ich versuchte, über diese Aussage zu lachen, doch er blieb nach wie vor ernst.
„Dein Traum...“, wisperte er dann, als er langsam zu begreifen schien. „Deswegen hast du gesagt, dass er vielleicht doch einen Sinn hatte“. Ich nickte nur und streichelte ihm sanft über den Kopf. „Ganz genau“, antwortete ich dann. „Ich glaube, in meinem Traum haben sich all die Ängste davor, wie Mom und Dad auf unsere Beziehung reagieren, widergespiegelt. Aber nichtsdestotrotz, Sparky: Es war und bleibt nur ein Traum. Mom und Dad werden bestimmt Verständnis haben, wenn ich ihnen erkläre, was Sache ist und wie viel du mir in Wirklichkeit bedeutest. Deswegen lass uns bitte diesen Schritt zusammen machen“.
„Also, ich...“, begann er zögernd. „Ich weiß, dass du Angst hast“, fuhr ich fort und lehnte seinen Kopf gegen meine Schulter. „Glaub mir, Sparky, das weiß ich. Mir ist auch nicht ganz wohl bei der ganzen Sache. Aber irgendwann muss man auch mal an den Punkt kommen, an dem man seine Ängste hintenanstellt und endlich Fakten schafft. Irgendwann muss man seinen ganzen Mut zusammennehmen und es endlich sagen, wie es ist. Und bitte glaub mir, Sparky: Egal, was auch passiert, ich werde dich immer lieben, okay?“. „Ich dich auch“, flüsterte er gerührt und lächelte mich mit funkelnden Augen an.
„Dann tun wir es also, ja?“, wollte ich wissen, während sich ein Lächeln über mein Gesicht zog. „Naja...“, meinte er aufgeregt. „Ich... ich bin nicht sicher, ob ich das wirklich tun kann. Immerhin brechen wir damit schon wieder eine Regel“. „Na und?“, entgegnete ich schulterzuckend. „Was ist denn schon dabei? Schließlich tun wir es ja aus Liebe. Also wird der Elfenrat auch dagegen nichts machen können. Genauso wenig wie er gegen unsere Liebe machen kann“.
„Bist du sicher?“, hakte er noch einmal nach, was ich mit einem Nicken bejahte. „Absolut sicher, mein Hübscher“, versicherte ich ihm. „Glaub mir, es wird alles gut gehen. Außerdem musst du es doch auch so sehen: Wenn die Leute über uns Bescheid wissen, brauchen wir uns nicht mehr zu verstecken und können unsere Liebe endlich voll und ganz ausleben. Das willst du doch auch, oder etwa nicht?“.
„Doch“, antwortete er zustimmend. „Doch, natürlich. Es wäre schon schön, wenn wir endlich nicht mehr aufpassen müssten, ob wir beobachtet werden“. „Na, siehst du“, meinte ich lächelnd und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
„Also ist das ein Ja?“, wollte ich gespannt wissen, woraufhin er mich sanft anlächelte. „Also gut, Timmy“, meinte er schließlich. „Ich werde diesen Schritt mit dir machen. Allerdings nur unter einer Bedingung“. „Bedingung?“, fragte ich überrascht und zog eine Augenbraue hoch. „Was denn für eine Bedingung?“. „Cosmo und Wanda müssen auch ihr Einverständnis geben“, antwortete er ernst. „Nur, wenn sie nichts dagegen haben, kann ich mich guten Gewissens darauf einlassen“.
„In Ordnung“, willigte ich mit einem leisen Seufzen ein. „Wir klären sie über unser Vorhaben auf. Dann sehen wir schon, was sie davon halten. Aber ich glaube eher nicht, dass sie irgendetwas dagegen haben werden. Die beiden wollen schließlich auch, dass wir ein ganz normales Paar sind“.
„Timmy, wir werden nie ein normales Paar sein“, entgegnete Sparky ernst, bevor sich ein glückliches Lächeln auf sein Gesicht legte. „Unsere Liebe wird immer etwas Außergewöhnliches bleiben. Das wissen wir beide doch ganz genau“. „Damit hast du wohl Recht“, musste ich ihm zustimmen und zuckte mit den Schultern. „Ich habe doch immer Recht“, neckte er mich, während er damit anfing, mit einer meiner Haarsträhnen zu spielen. „Kann sein“, meinte ich grinsend, während ich mich umdrehte und einen kurzen Blick auf meinen Wecker warf.
„Fast halb zwölf“, stellte ich überrascht fest, bevor ich mich wieder Sparky zuwandte. „Bis die Party anfängt, haben wir also noch mehr als genügend Zeit“. „Und was schlägst du vor, womit wir sie uns vertreiben?“, fragte er mich, während er sich in eine äußerst sexy Pose warf und mir zuzwinkerte. „Ich wüsste da etwas“, antwortete ich, bevor ich mich über ihn beugte und ihn angrinste. „Etwas, das dir mit absoluter Sicherheit sehr gefallen wird“. „Da bin ich aber mal gespannt“, flüsterte er mit einem Kichern, bevor er seine Pfote auf meinen Bauch legte und begann, mich zu streicheln.
„Ist es das, woran du gedacht hast?“, wollte er wissen, während er mein Shirt immer weiter nach oben schob, mich wortlos dazu aufforderte, es auszuziehen. „Wie hast du das nur erraten?“, erwiderte ich breit grinsend und ließ mich dann mit ihm zusammen voll und ganz auf das Spiel ein. Denn ich wusste: Es würde ganz bestimmt wieder sehr aufregend werden. So aufregend wie jedes Mal.

Zwei Stunden später war ich im Badezimmer gerade damit zugange, mich zurechtzumachen und meine Ansprache für Mom und Dad noch einmal ausführlich zu üben. Denn nachdem Sparky und ich vorhin mit Cosmo und Wanda gesprochen und sie über unser Vorhaben aufgeklärt hatten, stand unser Entschluss völlig zweifelsfrei fest: Wir würden ihnen die Wahrheit über uns sagen.
Zwar war vor allem Wanda anfangs sehr skeptisch gewesen und hatte Bedenken geäußert, ob wir damit nicht doch zu weit gingen. Doch nachdem ich ihr noch einmal ausdrücklich erklärt hatte, dass ich meine Beziehung zu Sparky nicht mehr länger geheimhalten wollte und es endlich an der Zeit war, dazu zu stehen, hatte sie sich schließlich doch überzeugen lassen und uns viel Erfolg, sowie viel Kraft und Mut gewünscht.
Danach hatten Sparky und ich abgesprochen, wie wir die ganze Sache am besten anfangen sollten und uns schließlich darauf geeinigt, dass ich zuerst allein zu ihnen ging und sie schonend darauf vorbereitete. Sobald ich ihnen erklärt hatte, dass Sparky kein normaler Hund war, würde er nachkommen und selbst mit ihnen sprechen. Das allererste Mal in seinem Leben.
Zugegeben – ich war mehr als nur aufgeregt, denn immerhin offenbarte ich meinen Eltern gleich drei Hiobsbotschaften auf einen Schlag. Zum einen musste ich mich ihnen gegenüber outen und ihnen klarmachen, dass ich mich mehr zu Jungs als zu Mädchen hingezogen fühlte.
Zum anderen erfuhren sie die ganze Wahrheit über Sparky und darüber, dass er ein magischer Hund war. Dass er sich im Prinzip verhielt wie ein Mensch. Und als krönender Abschluss kam auch noch unsere Beziehung dazu. Und das, so viel war jetzt schon sicher, würde der schwierigste Teil von allen werden. Denn auch wenn ich mir bereits zurechtgelegt hatte, wie ich ihnen am besten vermittelte, was Sache war, hatte ich trotzdem noch meine Bedenken, ob sie die Tatsache, dass ich einen Hund liebte – wenn auch einen magischen – einfach so locker hinnehmen konnten und würden wie ich mir das erhoffte.
Nichtsdestotrotz wollte ich diesen entscheidenden Schritt endlich machen. Es war ein für alle Mal an der Zeit, Klarheit zu schaffen und mit der Sprache herauszurücken. Denn wenn ich jetzt nicht den Mut dazu hatte, mich zu ihm und unserer Liebe zu bekennen, würde ich ihn niemals in meinem Leben haben. Dann würde es zwischen uns bis in alle Ewigkeit so weitergehen wie bisher. Wir würden uns immer und überall verstecken und darauf Acht geben müssen, dass wir von niemandem ertappt wurden.
Umso wichtiger war es jetzt, stark zu sein. Meine ganzen Kräfte zu sammeln und sie auf das anstehende Klärungsgespräch mit Mom und Dad zu konzentrieren. Ich liebte Sparky über alles. Und ich würde mir diese Liebe durch nichts und niemanden wegnehmen lassen. Mir war es egal, ob andere mich deswegen seltsam anschauten oder auslachten, wenn sie dahinterkamen. Es kümmerte mich nicht, ob sie sich das Maul über mich zerrissen und sich meine Gefühle für Sparky nicht erklären konnten.
Für manche Dinge gab es eben einfach keine Erklärung. Manche Dinge geschahen einfach aus heiterem Himmel, ohne dass man sich dagegen zur Wehr setzen oder sie richtig begreifen konnte. Und genauso war es zwischen Sparky und mir auch gewesen. Unsere Liebe war einfach passiert. Sie hatte uns in dieser warmen, sternenklaren Sommernacht einfach in ihren Bann gezogen und uns gefesselt. Ich hatte nicht gegen meine Gefühle für ihn ankämpfen können. Also hatte ich mich ihnen ergeben.
Und diese Entscheidung, das spürte ich ganz genau, würde ich niemals bereuen. Es war das einzig Richtige gewesen, mich auf ihn einzulassen. Durch ihn fühlte ich mich so unbeschwert und glücklich wie noch niemals zuvor in meinem gesamten Leben. Er schenkte mir Kraft und Mut, gab mir Vertrauen in mich und bestärkte mich in allem, was ich tat. Bei ihm fühlte ich mich frei und federleicht, als würde ich fliegen. Und dieses einzigartige Gefühl wollte ich nie wieder vermissen.
Deswegen würde ich auch alles dafür tun, damit wir zusammen sein konnten. Das schwor ich mir felsenfest. Wenn Mom und Dad sich trotz meiner Erklärungen gegen unsere Beziehung sträubten, dann hatten sie eben Pech gehabt. Denn mein Glück würde ich mir nicht nehmen lassen. Auch nicht von ihnen. Egal, wie auch immer ihre Reaktion ausfiel – Sparky und ich würden zueinander stehen und, wenn nötig, die Konsequenzen daraus ziehen.
Er gehörte zu mir. Er war meine Liebe. Und niemand auf der ganzen Welt konnte daran irgendetwas verändern. Ich ließ ihn nicht mehr los. Dafür fühlte ich mich viel zu gut mit ihm. Er war mir viel zu wichtig, als dass ich es jemals ertragen konnte, ihn zu verlieren. Was auch immer ich tun und wie weit ich auch gehen musste – für ihn nahm ich jeden Kampf in Kauf. Weil ich tief in mir spürte, dass er sich lohnte. Immer.

Mein Puls raste, als Sparky und ich den Flur entlang zur Treppe liefen. Noch einmal war ich gedanklich alles durchgegangen, was ich meinen Eltern sagen würde und hatte mit ihm abgesprochen, wie er sich später, wenn ich ihn dazuholte, ihnen gegenüber verhalten sollte. Natürlich waren wir beide ziemlich nervös und er hatte mich sogar gefragt, ob ich es mir nicht doch noch anders überlegen wollte. Doch ich hatte ihm erneut versichert, dass es endlich an der Zeit für uns war, reinen Tisch zu machen und mit unserem Geheimnis herauszurücken. Und genau aus diesem Grund standen wir jetzt hier, Hand in Hand – oder besser gesagt: Hand in Pfote – nur noch wenige Schritte von dem Ende unserer geheimen Liebe entfernt. Dazu entschlossen, den nächsten, entscheidenden Schritt zusammen zu machen.
Sparkys ganzer Körper zitterte, als wir die Treppenstufen nach unten stiegen und ich umschloss seine Pfote ein bisschen fester. „Hab keine Angst, mein Kleiner“, flüsterte ich und lächelte ihn ganz zuversichtlich an. „Es wird alles gut, glaub mir“. Er seufzte leise, im Unklaren darüber, was er von diesem Versprechen halten sollte und zog an meiner Hand, bedeutete mir damit, einen Augenblick stehenzubleiben.
„Timmy...“, wisperte er dann und ich spürte die Aufregung, die in seiner Stimme mitschwang. „Timmy, bitte... bitte lass uns wieder umkehren. Ich... ich halte das alles für keine gute Idee“. „Nanu?“, wunderte ich mich und schaute ihm verdutzt ins Gesicht. „Bitte lass uns das lieber nicht tun“, fügte er hinzu und biss sich angespannt auf die Unterlippe. „Lass uns diese ganze Sache vergessen und es bei der momentanen Situation belassen. Es ist doch schön so, wie es jetzt mit uns ist“.
„Plötzlich so mutlos, Sparky?“, fragte ich, ein bisschen überrascht. „Ich glaube... ich kann das nicht“, erwiderte er und seufzte. „Ich kann deinen Eltern einfach nicht gegenübertreten und ihnen alles sagen. Es geht nicht, Timmy. Es geht einfach nicht“.
„Aber Sparky...“, erwiderte ich verständnislos. „Wir haben doch alles ganz ausführlich besprochen“. „Mag sein“, entgegnete er und löste sich von mir. „Aber trotzdem halte ich das für keine gute Idee. Darum lass uns die Sache bitte vergessen, okay? Lassen wir es so, wie es im Moment ist. Es ist doch gut so. Bitte zwing mich nicht dazu, mit dir jetzt da runterzugehen. Das schaffe ich nicht, Timmy. Ich schaffe es einfach nicht“.
„Ja, aber Sparky...“, wollte ich erneut zum Protest ansetzen, doch er schüttelte nur den Kopf. „Bitte zwing mich nicht, Tim“, bat er mich erneut und ich sah eine kleine Träne über seine Wange laufen. „Bitte nicht. Ich kann das nicht tun“. „Mensch, Sparky“, wisperte ich, als ich mich vor ihm auf die Knie sinken ließ und seine vor Anspannung zitternde Pfote streichelte. „Was ist denn auf einmal los mit dir, hm? Wir haben doch alles ganz exakt und ausführlich durchgesprochen. Ich dachte, du bist auch dafür, dass wir endlich Klarheit schaffen. Ich dachte, du freust dich auch, wenn wir uns nicht mehr länger verstecken müssen“.
„Das tue ich ja auch“, entgegnete er flüsternd. „Ich wünsche mir ja auch nichts mehr als endlich die ganze Wahrheit zu sagen. Ich will diesen Schritt auch eines Tages mit dir machen. Aber nicht heute. Bitte nicht heute, Tim. Das schaffe ich noch nicht. Ich schaffe es einfach nicht“. „Aber warum denn nicht, Sparky?“, wollte ich wissen. „Gerade eben warst du doch noch damit einverstanden. Warum machst du jetzt plötzlich einen Rückzieher? Was ist los?“.
„Ich kann es einfach nicht, okay?“, antwortete er mit leiser, zitternder Stimme. „Ich kann den Gedanken einfach nicht ertragen, dass ich dich verliere. Und das werde ich ganz bestimmt, wenn deine Eltern erst einmal alles wissen“. „So ein Quatsch“, wehrte ich ab und schüttelte den Kopf. „Du wirst mich nicht verlieren. Du bist doch mein Baby, Sparky. Und ich würde es niemals zulassen, dass sich irgendwer oder irgendwas zwischen uns stellt. Das weißt du doch, mein Kleiner“.
Vorsichtig legte ich meine Arme um seine Hüfte und hob ihn sanft vom Boden hoch. „Ich liebe dich, Sparkylein“, fügte ich hinzu und lächelte ihn ermutigend an. „Und gerade deswegen, weil ich dich so sehr liebe, will ich endlich die Wahrheit sagen. Damit uns nichts und niemand mehr im Weg steht und wir endlich ganz ungestört zusammen sein können. Möchtest du das denn nicht auch?“.
„Doch“, antwortete er wispernd. „Doch, natürlich möchte ich das, Timmy. Ich habe ja auch nicht gesagt, dass wir diesen Schritt niemals machen werden. Eines Tages, wenn ich den Mut habe, werden wir zu deinen Eltern gehen und ihnen alles sagen. Aber bitte nicht heute, Tim. Nicht jetzt. Ich brauche noch ein bisschen Zeit, um mich darauf vorzubereiten. Bitte versteh das und zwing mich nicht dazu. Bitte, Tim“.
„Du brauchst also noch Zeit?“, wollte ich wissen, was er mit einem kurzen Nicken bejahte. „Bitte zwing mich nicht“, wiederholte er. „Wenn du mich wirklich liebst, dann gib mir noch ein bisschen Zeit, bevor wir diesen Schritt machen. Lass mir noch eine Weile, um über alles nachdenken zu können. Lass uns heute Abend zu der Party gehen und sehen, wie die Leute dort reagieren. Aber bitte verlang nicht von mir, dass ich jetzt mit dir da runtergehe. Ich flehe dich an, Timmy. Bitte zwing mich nicht dazu“.
„Ich werde dich doch nicht zwingen, Sparky“, versicherte ich ihm und lächelte. „Niemals würde ich dich zu irgendetwas drängen, das du nicht willst. Und auch, wenn ich ein bisschen enttäuscht bin, kann ich deine Bedenken und Ängste gut nachvollziehen. Darum – wenn du noch nicht so weit bist, dann akzeptiere ich das“. „Danke, Tim“, flüsterte er gerührt, mein Lächeln erwidernd. „Das bedeutet mir wirklich viel“. „Und du bedeutest mir wirklich viel“, antwortete ich, während ich ihn auf meinen Armen zurück in mein Zimmer trug. „Deswegen werde ich deine Entscheidung respektieren und dir alle Zeit geben, die du brauchst“.
„Bist du sehr böse?“, wollte er wissen und senkte beschämt seinen Blick. „So ein Quatsch“, wehrte ich ab und drückte ihm einen Kuss auf seine Wange. „Du weißt doch, dass ich niemals böse auf dich sein könnte, mein Hübscher. Außerdem ist die Sache damit ja nicht aus der Welt. Wenn du eines Tages den Mut gefunden hast, dann starten wir einfach einen neuen Versuch, ja? Aber bitte mach dir keinen Stress. Du kannst dir so viel Zeit nehmen, wie du brauchst, in Ordnung?“.
„Danke, Tim“, wiederholte er bewegt und schmiegte sich an mich heran. „Du bist ein Goldstück. Und genau dafür liebe ich dich so sehr“. „Ich liebe dich auch, Sparky“, erwiderte ich, während ich die Tür zu unserem Zimmer aufschwang. Langsam trug ich ihn zum Bett hinüber und setzte ihn ab, bevor ich mich schließlich neben ihn fallen ließ und einen raschen Blick auf meinen Wecker warf.
„Halb fünf“, stellte ich fest und legte meine Hand auf seinem Knie ab. „Noch drei Stunden“. „Hm?“, fragte Sparky verwundert, woraufhin ich ihn anschmunzelte. „Trixies Party“, antwortete ich und legte einen ernsten Blick auf. „Es bleibt doch dabei, dass wir zusammen hingehen, oder?“. „Klar“, versicherte er mir und lächelte schüchtern. „Natürlich nur, wenn du das immer noch willst“.
„Aber sicher, Sparky“, meinte ich und umschloss seine Pfote. „Ich will und werde heute Abend mit dir da hingehen. Und ich bin schon ziemlich gespannt, was meine Freunde zu so einer charmanten und darüber hinaus auch noch attraktiven Begleitung sagen werden“. Er kicherte leise, als ich diesen Satz ausgesprochen hatte. „Bin ich attraktiv?“, wollte er wissen und lächelte mich verlegen an. „Absolut“, antwortete ich. „Die anderen werden bestimmt ganz neidisch auf mich sein, weil ich das Glück haben darf, mit so einem hübschen Kerlchen dort hinzugehen“.
Wieder musste er kichern, während ich damit begann, über sein Fell zu streicheln. Automatisch lehnte er den Kopf gegen meine Schulter und ließ sich in aller Ruhe auf meine Berührungen ein. Eine Zeit lang saßen wir so da, bevor er sich schließlich wieder aufrichtete und mir einen gespannten Blick zukommen ließ. „Du, Timmy“, meinte er erwartungsvoll. „Als was gehst du denn jetzt eigentlich hin? Das hast du mir immer noch nicht verraten“. „Wart's ab“, antwortete ich schelmisch grinsend. „Das erfährst du schon noch früh genug“.

Kurz vor sieben Uhr war ich Badezimmer gerade damit beschäftigt, die letzten Feinheiten an meinem Kostüm abzustimmen und mich für die Party zurechtzumachen. Sparky hatte das bereits erledigt, doch das war auch kein besonders großes Kunststück gewesen. Schließlich würde er so hingehen, wie er war. Lediglich sein Fell hatte er noch einmal ordentlich durchgekämmt und sich sein Lieblingsparfum von Armani aufgelegt, welches ich ihm nebenbei gesagt zu unserem einmonatigen Jubiläum geschenkt hatte.
Darüber hinaus war er in einen dunklen Smoking geschlüpft, den er ebenfalls von mir bekommen hatte. Zwar hatte ich gemeint, dass er sich allein meinetwegen nicht so extravagant herausputzen musste und ich ihn so nahm, wie er nun einmal war. Doch er hatte sich um nichts in der Welt davon abbringen lassen, diesen Anzug heute Abend zu tragen. Immerhin, so hatte er gesagt, war dies unser erstes offizielles Date und da wollte er sich von seiner besten Seite zeigen.
Diese Aussage hatte mir über alle Maßen geschmeichelt und ich war hin und weg gewesen, als ich ihn vorhin in seinem stilvollen Aufzug gesehen hatte. Denn im Gegensatz zu meinem Kostüm – welches im Übrigen aus einer schwarzen Lederjacke, einer zerrissenen Jeans, einem goldenen Ohrstecker und einer schwarzen, mit dem Schild nach hinten gedrehten Basecap bestand – wirkte seines völlig natürlich und hatte zugleich diesen eleganten, glamourösen Touch, der meiner Wenigkeit leider gänzlich fehlte.
Was genau ich mit dieser gewöhnungsbedürftigen Verkleidung überhaupt darzustellen versuchte, das war mir selbst nicht ganz klar. Eigentlich hatte ich gehofft, den Look eines verwegenen Streetkids hinzubekommen, aber während ich mein Spiegelbild ausgiebig musterte, bekam ich langsam berechtigte Zweifel an meiner Entscheidung für dieses Kostüm. Irgendwie passte diese ganze Aufmachung einfach nicht zu mir. Denn ich hatte vielmehr Ähnlichkeit einem Mann in der Midlife-Crisis, der mit allen sich denkbaren Mitteln versucht, seine Jugend zurückzugewinnen als mit einem Streetkid.
Doch daran ließ sich jetzt beim besten Willen nichts mehr ändern. In einer knappen halben Stunde würde die Party beginnen. Wenn ich mir jetzt tatsächlich noch eine andere Aufmachung raussuchte, dann würden Sparky und ich mit hundertprozentiger Sicherheit zu spät kommen. Und das kam in den gehobenen Kreisen, in denen Trixie Tang für gewöhnlich verkehrte, ganz bestimmt nicht gut an.
Deshalb beließ ich mein Aussehen dabei, wie es im Moment war, warf noch einen letzten, prüfenden Blick in den Badezimmerspiegel und machte mich dann auf den Weg zu Sparky, der, soweit ich richtig lag, in unserem Zimmer auf mich wartete und es vor Neugier gar nicht mehr erwarten konnte, endlich einen Blick auf mein Kostüm zu werfen.
Ein letztes Mal sah ich an mir herunter und atmete tief durch, bevor ich schließlich die Tür aufschwang und ins Zimmer trat. Sparky saß auf dem Bett und machte große Augen, als er mich ausgiebig von oben bis unten musterte. „Wow, Timmy“, rief er aus und legte ein ehrlich begeistertes Lächeln auf. „Du siehst... du bist... ähm...“. Er hielt mitten im Satz inne, musste mein Outfit wahrscheinlich erst einmal auf sich wirken lassen, bevor er etwas dazu sagen konnte.
„Ich sehe bescheuert aus, ich weiß“, meinte ich und grinste. „Aber was besseres habe ich auf die Schnelle nicht gefunden. Ich hoffe nur, es ist dir nicht peinlich, in so einem Aufzug mit mir gesehen zu werden“. „So ein Quatsch“, wehrte er rasch ab, als er vom Bett aufsprang und mit einem Lächeln zu mir herüberkam. „Du siehst doch fantastisch aus. Wirklich, absolut umwerfend“.
„Schleimen verboten“, erwiderte ich und lachte, bevor ich mich auf die Knie fallen ließ und seine Pfote mit meiner Hand umschloss. „Nein, ehrlich, Tim“, wiederholte er begeistert. „Dein Kostüm gefällt mir wirklich echt gut. Ich bin nur gerade am Überlegen, was das darstellen soll“. „Ein Streetkid“, antwortete ich kichernd. „Aber ich glaube, davon bin ich mit diesem Fummel weit entfernt“.
„Ach was, nein“, entgegnete er kopfschüttelnd. „Ich finde, das ist ein richtig cooles Kostüm. Und glaub mir, Tim: Das meine ich wirklich ganz ernst“. „Naja...“, erwiderte ich schulterzuckend. „Jetzt ist es ohnehin zu spät, mich noch einmal umzuziehen. Für den heutigen Abend wird's schon gehen“. „Ganz bestimmt“, versicherte er mir und gab mir einen Kuss auf die Wange. „Wie ich schon sagte, mir gefällt es sehr gut. Und wenn es nach mir ginge, dann könntest du so etwas gerne öfter tragen“. Er zwinkerte mir zu, als er diese Worte ausgesprochen hatte und brachte mich dadurch erneut zum Lachen.
„Dann findest du es also nicht peinlich, ja?“, wollte ich wissen, was er mit einem weiteren Kopfschütteln verneinte. „Absolut nicht“, antwortete er dann. „Ich finde es sehr außergewöhnlich und cool. Aber vor allen Dingen...“. Er unterbrach sich mitten im Satz und grinste mich an. „Ja?“, fragte ich gespannt, woraufhin er sich ganz nah an mein Ohr heranbeugte. „Sehr sexy“, flüsterte er mir zu und küsste mich noch einmal.
„So?“, fragte ich mit einem breiten Grinsen, als ich mich wieder von ihm löste. „Findest du das, ja?“. „Auf jeden Fall“, stimmte er mir zu und nickte zur Bestätigung. „Also, wenn es nach mir ginge, dann könntest du dich öfter so anziehen. Das hätte ganz sicher seine gewissen Reize, wenn du verstehst, was ich meine“. „Ich versteh schon, Sparkylein“, kicherte ich, während ich meine Arme um ihn legte und ihn vom Boden hochhob. „Du denkst wie immer nur an das Eine, stimmt's?“.
„Gibt's denn noch was anderes?“, erwiderte er frech, während ich seinen Kopf streichelte und einen raschen Blick hinüber zu meinem Wecker warf. „Wir sollten dann langsam mal los“, meinte ich und setzte ihn behutsam wieder ab. „Sonst kommen wir wirklich noch zu spät“. „Stimmt“, gab er mir Recht, als ich die Zimmertür aufschwang und in den Flur hinaustrat.
Eilig liefen wir zusammen bis zur Treppe und blieben kurz vor dem ersten Absatz stehen. „Also, wir machen es wie abgesprochen“, flüsterte ich ihm leise zu. „Du gehst schon einmal vor und wartest dann draußen auf mich. Ich verabschiede mich solange von Mom und Dad und lenke sie ab, damit sie nichts merken“.
„Verstanden“, meinte er und salutierte spaßeshalber, womit er mich zum Schmunzeln brachte. Typisch Sparky, dachte ich, sagte allerdings nichts weiter dazu, sondern schlich mich stattdessen die Treppe hinab, dabei stets lauschend, ob Mom und Dad in der Nähe waren.
Als wir schließlich unten angekommen waren, blickte ich mich schnell nach allen Seiten um und lief dann zur Küchentür hinüber. Ich spähte kurz hinein, um sicherzugehen, dass die Luft rein war und gab Sparky mit einem kurzen Wink zu verstehen, nach draußen zu verschwinden. Meiner Anweisung folgend, schwang er rasch die Haustür auf und flitzte dann hinaus in die Nacht. Unterdessen lief ich den Flur entlang und suchte nach den beiden.
„Mom? Dad?“, rief ich. „Wo seid ihr?“. „Hier drüben, Timmy“, hörte ich meine Mutter aus dem Schlafzimmer antworten und rannte zu ihr hinüber. Sie war gerade damit beschäftigt, ihren Kleiderschrank umzuräumen, als ich eintrat, und warf mir einen freundlichen Blick zu. „Was gibt's denn?“, wollte sie wissen, ehe sie kurz innehielt und sich vollständig zu mir herumdrehte. Sie musterte mich ganz ausführlich, während sich ein Lächeln auf ihr Gesicht legte. „Wow“, rief sie beeindruckt aus. „Tolles Kostüm, Timmy. Was stellst du denn dar, wenn ich fragen darf?“. „Ein Streetkid“, antwortete ich. „Was anderes ließ sich auf die Schnelle nicht finden“.
„Warum? Sieht doch gut aus“, entgegnete sie und wandte sich wieder dem Stapel Shirts und Pullover zu, der auf dem Bett thronte. „Danke“, sagte ich rasch und räusperte mich kurz. „Ich finde es sehr gelungen“, versicherte sie mir, während sie sich ein paar von Dads Hemden schnappte und sie ebenfalls aufs Bett warf. „Wirklich, gar nicht schlecht“.
Ich versuchte, ihr freundliches Lächeln zu erwidern und verschränkte meine Arme vor der Brust. „Ähm... ich gehe dann, ja?“, meinte ich, woraufhin sie kurz innehielt und mich noch einmal ansah. „Du musst schon los?“, fragte sie, offensichtlich überrascht. „Mhm“, stimmte ich ihrer Aussage zu. „Ich bin schon ein bisschen spät dran“. „Oh... na gut“, erwiderte sie und kam auf mich zu.
Langsam schloss sie mich in die Arme und fuhr mit ihren Fingern durch meine Haare. „Viel Spaß, mein Junge“, wünschte sie mir, während sie mich noch fester drückte. „Und pass gut auf dich auf, in Ordnung?“. „Werd ich“, versicherte ich ihr, als ich mich wieder von ihr löste. „Keine Sorge“. „Meine Nummer hast du ja“, fuhr sie in fürsorglichem Ton fort. „Ruf mich bitte sofort an, wenn irgendetwas ist, okay? Und bitte sei vorsichtig. Sprich nicht mit Leuten, die du nicht kennst. Heutzutage weiß man nie, ob...“.
„Mom...“, unterbrach ich sie und seufzte. „Bitte lass das, okay? Ich bin schließlich kein kleines Kind mehr. Ich kann sehr gut auf mich selbst aufpassen“. „Es tut mir Leid, Timmy“, entschuldigte sie sich und nahm mich an die Hand. „Da kommt einfach der mütterliche Instinkt bei mir durch. Natürlich weiß ich, dass ich dir all diese Sachen nicht mehr sagen muss. Ich weiß doch, dass du inzwischen erwachsen geworden bist. Aber nichtsdestotrotz bist und bleibst du mein Sohn. Und was wäre ich denn bitteschön für eine Mutter, wenn ich mir keine Sorgen um dich machen würde, hm?“.
„Ich weiß ja, Mom“, entgegnete ich und setzte wieder ein Lächeln auf. „Vergiss nicht, Timmy: Egal, wie groß du bist – für mich wirst du immer mein kleiner Junge bleiben“, fügte sie hinzu und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Darum pass bitte gut auf dich auf, in Ordnung?“. „Natürlich“, versprach ich ihr und warf einen raschen Blick auf meine Armbanduhr. „Aber jetzt muss ich wirklich los, okay? Sonst schaffe ich es nicht mehr pünktlich“. „Ist gut“, erwiderte sie und drückte mich noch einmal kurz an sich. „Bis später, mein Sohn. Und viel Spaß bei der Party“. „Danke, werd ich haben“, entgegnete ich, als ich mich von ihr löste und mich zum Gehen wandte.
„Ach, Timmy...“, rief sie mir hinterher, als ich im Hausflur verschwinden wollte und ich drehte mich noch einmal zu ihr um. „Ja?“, wollte ich wissen. „Ich habe dich lieb“, antwortete sie mit einem Lächeln. „Ich dich auch, Mom“, entgegnete ich, ihr Lächeln erwidernd. „Bis später dann, okay?“.
Mit diesen Worten wandte ich mich um und marschierte dann den Flur entlang zur Tür. Dort angekommen hielt ich noch einmal kurz inne und atmete ganz tief durch. „Jetzt oder nie“, motivierte ich mich selbst, bevor ich schließlich die Haustür aufschwang und zu Sparky in die kühle Nachtluft hinaustrat. „So“, sagte ich zu ihm, als ich die Tür ins Schloss fallen ließ und mich ihm mit einem breiten Grinsen zuwandte. „Können wir los?“, fragte er, als ich ihn sanft um die Hüfte nahm und auf meine Arme hob. „Oui, chéri“, bestätigte ich ihm und versuchte, dabei mit französischem Akzent zu sprechen. „Wir können los. Auf zu Trixies Party“.

Ein kalter Herbstwind wehte uns entgegen, während wir auf meinem Fahrrad die Straße hinunter zu Trixie Tangs Anwesen radelten. Sparky hielt sich dabei an meiner Hüfte fest und zitterte ein bisschen, was mich dazu brachte, meine Geschwindigkeit etwas zu verringern. Schließlich wollte ich nicht, dass er sich meinetwegen noch eine Erkältung oder dergleichen holte.
„Wir sind gleich da“, sagte ich zu ihm, als ich nach rechts in die Loxlake Road einbog. „Am Ende dieser Straße ist ihr Haus“. „Mmmh“, antwortete er mit vor Kälte zitternder Stimme und krallte seine Pfoten fester in meine Hüften. „Ich hab dir doch gesagt, dass du eine Jacke mitnehmen sollst“, entgegnete ich und beschleunigte mein Tempo wieder. „Dieser Smoking allein hält bestimmt nicht sonderlich warm“.
„I-ich d-dachte, ich b-b-brauche k-keine“, antwortete er, während er sich noch stärker an mich klammerte. „Falsch gedacht“, meinte ich, als Trixies Anwesen in Sicht kam und ich noch schneller wurde. Vor dem Eingangstor trat ich schließlich auf die Bremse und stieg danach von meinem Fahrrad ab. Im Anschluss daran sicherte ich es entsprechend, bevor ich Sparky auf den Arm nahm und ihn fest in meine braune Lederjacke einhüllte.
„Wird gleich wieder wärmer“, meinte ich und lächelte ihn sanft an. Dann machte ich mich mit ihm zusammen auf den Weg zur Eingangstür, blieb jedoch einen Moment stehen, als ich spürte, dass er mit seiner Pfote an meinem Ärmel zog. „Was ist los?“, erkundigte ich mich erwartungsvoll und schaute ihm kurz in die Augen. „Tim, ich... ich bin ein bisschen nervös“, gestand er mir und wich meinem Blick aus. „Immerhin ist das hier das erste Mal, dass wir...“.
„Zusammen ausgehen“, beendete ich seinen angefangen Satz und griff dann vorsichtig nach seiner Pfote. „Ge-genau“, stimmte er mir aufgeregt zu und räusperte sich. „Ich weiß, dass es sich bestimmt ziemlich bescheuert anhören mag, aber ich habe irgendwie Bedenken, was die ganze Sache hier angeht“. „Das glaube ich dir“, versicherte ich ihm zustimmend. „Und ich halte es auch keineswegs für bescheuert. Im Gegenteil: Ich kann dich sehr gut verstehen. Du hast Angst davor, wie die Leute auf dich reagieren, habe ich Recht?“.
„Mhm“, bestätigte er leise. „Ich... ich meine, wir beide wissen ja, was Sache ist. Und wenn irgendjemandem auffallen sollte, dass ich überhaupt kein Kostüm trage, dann...“. „Das wird nicht passieren, Sparky“, wehrte ich schnell ab, bevor er seinen Satz zu Ende sprechen konnte. „Vertrau mir. Niemand wird irgendetwas bemerken. Heute ist doch Halloween. Und da drinnen tummeln sich bestimmt eine Menge merkwürdige Gestalten mit den ausgeflipptesten Kostümen. Da wird sicherlich niemandem der Verdacht kommen, dass du ein echter Elfenhund bist. Und falls doch, dann lassen wir uns einfach irgendeine Ausrede einfallen, in Ordnung?“.
„Das heißt... du willst das jetzt wirklich tun?“, erwiderte er meine Frage und lächelte mich gerührt an. „Du weißt, noch ist es nicht zu spät, um es dir anders zu überlegen. Noch haben wir die Möglichkeit, einfach wieder umzudrehen und nach Hause zu gehen“. „Das kommt überhaupt nicht in Frage“, weigerte ich mich, sein süßes Lächeln erwidernd. „Wir lassen uns doch die aufregendste Party des Jahres nicht entgehen“.
Kaum hatte ich diese Worte gesagt, setzte ich ihn langsam auf dem Boden ab und wandte mich dann der Eingangstür zu. „Wir gehen da jetzt rein“, informierte ich ihn und strich mir rasch eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann ließ ich mich vor ihm auf die Knie sinken und legte meine Hand auf seiner Schulter ab. „Nur Mut, Sparky“, flüsterte ich und streichelte ihm über den Kopf. „Es wird ganz bestimmt eine unvergessliche Party werden. Wir sind schon viel zu weit gekommen, um jetzt noch einen Rückzieher zu machen. Deswegen gehen wir beide jetzt da rein und beweisen den anderen, dass uns ihre Meinung nicht interessiert. Ich liebe dich, Sparkylein. Und deswegen möchte ich heute Abend diesen Schritt mit dir machen. Darum hab bitte keine Angst, okay? Was auch da drin passiert, ich bin immer da. Ich werde nicht von deiner Seite weichen, das verspreche ich dir“.
„Danke, Timmy“, entgegnete er, bewegt von meinen Worten und schloss mich fest in die Arme. „Ich liebe dich auch. Und ich finde, dass du absolut Recht hast. Lass uns jetzt einfach da reingehen und Spaß haben. Wie du schon treffend gesagt hast, wird es bestimmt ein toller Abend und es wäre zu schade, wenn wir ihn versäumen würden. Also los. Jetzt oder nie“.
„Jetzt oder nie“, wiederholte ich seine Worte, als ich mich wieder erhob und zur Tür umwandte. Zugegeben, ein bisschen aufgeregt war ich natürlich auch und machte mir Gedanken, was wohl meine Freunde und Bekannten von meiner Begleitung halten würden. Doch das hinderte mich keineswegs, diese Sache hier durchzuziehen. Wenn wir uns jetzt nicht dazu durchrangen, zu unserem Glück zu stehen, würden wir es nie mehr schaffen, das spürte ich.
Deswegen schob ich all meine Bedenken beiseite und drückte schließlich mit klopfendem Herzen auf die Klingel. Nach einigen Momenten des Wartens waren Schritte im Flur zu vernehmen und bereits kurze Zeit später öffnete Trixie Tang persönlich die Tür. „Timmy Turner“, begrüße sie mich mit einem Lächeln. „Wie schön, dass du es einrichten konntest“.
„Hi Trixie“, antwortete ich und legte ebenfalls ein Lächeln auf. „Danke für die Einladung. Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut“.
„Oh, wie ich sehe, bist du in Begleitung“, fügte sie hinzu, als ihr Blick auf Sparky fiel. Sie trat einen Schritt nach vorn und reichte ihm die Hand zur Begrüßung. „Ich glaube, wir kennen uns noch nicht“, meinte sie, während ihre mit einem weißen Seidenhandschuh verhüllte Hand sanft seine Pfote schüttelte. „Timmy, möchtest du uns nicht bekanntmachen?“.
„Ja, selbstverständlich“, erwiderte ich lächelnd. „Trixie, darf ich dir vorstellen? Sparky, mein Lebensgefährte“. „Sehr angenehm“, wisperte Sparky mit heiserer, aufgeregter Stimme, während er sich aus ihrem Griff löste und versuchte, ebenfalls ein Lächeln aufzulegen. „Ganz meinerseits“, meinte Trixie, die, wie ich mir bereits gedacht hatte, nicht den leisesten Verdacht hegte, dass er in Wirklichkeit überhaupt kein Mensch war.
„Ein wirklich außergewöhnliches Kostüm“, fügte sie dann hinzu, während sie ihn ausgiebig und mit begeistertem Blick musterte. „Als was hast du dich denn verkleidet, wenn ich fragen darf? Oh, pardon – ich darf doch Du sagen, oder?“. „Ähm... natürlich“, erwiderte Sparky zurückhaltend, scheinbar ein bisschen unsicher, wie er sich jetzt am besten verhalten sollte. Rasch legte ich ihm meine Hand auf die Schulter, um ihm seine Aufregung zu nehmen und wandte mich im Anschluss wieder an Trixie.
„Er ist ein Elfenhund“, antwortete ich an seiner Stelle, woraufhin er anfing, leicht zu zittern. „Ziemlich ausgefallene Idee, nicht wahr?“. „Durchaus“, stimmte Trixie mir zu, bevor sie uns mit einem raschen Wink bedeutete, ihr zu folgen. „Bitte“, meinte sie dabei. „Kommt doch rein. Wir haben euch bereits erwartet“. Ihrer Aufforderung nachkommend, traten wir schließlich ein und folgten ihr den Flur entlang in den großen Saal.
Sparky hielt währenddessen ununterbrochen meine Hand, war scheinbar immer noch sehr aufgeregt und unsicher. Doch ich lächelte ihn beruhigend an, um ihm dadurch klarzumachen, dass es nichts gab, weswegen er sich Sorgen machen musste. Trixie hatte schließlich rein gar nichts bemerkt. Und genauso würde es bei den anderen Partygästen auch sein, da war ich mir absolut sicher.
„So“, unterbrach Trixie meine Gedanken, als sie vor einer riesigen Doppeltür stehenblieb und sich wieder an uns wandte. „Da wären wir“. Sie hielt kurz inne und fixierte sich auf mich, betrachtete sich in aller Ruhe meine Verkleidung. „Bitte entschuldige, Timmy“, meinte sie dann. „Ich habe ja noch gar nichts zu deinem Kostüm gesagt. Deshalb erlaube mir bitte, dies jetzt nachzuholen“.
Erneut legte sie eine Pause ein, während sie ihren Blick mehrmals an mir auf- und abwandern ließ. „Es ist wirklich... toll“, gab sie dann bekannt, während sie vermutlich überlegte, was ich mit meinem Aufzug darzustellen versuchte. „Ich bin ein Streetkid“, klärte ich sie auf und lachte. „Etwas anderes konnte ich bedauerlicherweise nicht finden“.
„Ah“, erwiderte sie und musterte mich währenddessen noch einmal. „Ja... natürlich... jetzt, wo du es sagst. Ganz eindeutig“. Sie lachte über ihren eigenen Witz und verschränkte ihre Arme vor der Brust. Ihre Augen waren dabei stets auf Sparky gerichtet. Allem Anschein nach schien sie wirklich fasziniert von ihm zu sein. Als er das bemerkte, senkte er seinen Blick rasch zu Boden und tippte nervös mit seinem rechten Füßchen auf und ab.
„Er ist ein bisschen schüchtern“, erklärte ich Trixie, während ich meine Hand um seine Pfote legte. „Heute ist sozusagen unser erstes, offizielles Date musst du wissen. Und da ist er verständlicherweise ziemlich aufgeregt“. „Ich verstehe“, entgegnete sie mit einem kurzen Nicken und ein paar Schritte auf ihn zuging. „Bei der ersten Verabredung will man einfach alles richtig machen und sich von seiner besten Seite zeigen. Stimmt's, Sparky?“.
„Mhm“, antwortete er zurückhaltend, vermied dabei allerdings den Blickkontakt mit ihr. Sie lächelte nur und streichelte kurz über seine Pfote. „Wow“, rief sie dann aus. „Fühlt sich ja an wie echt. Sehr eindrucksvoll, wirklich“. „Äh... danke“, entgegnete er und schmunzelte ein bisschen. „Timmy hat dieses Kostüm für mich ausgesucht“.
Clever, Sparky, dachte ich, als er diese Worte gesagt hatte und musste mir ein Kichern verkneifen. Richtig clever. Wenn du das den ganzen Abend so gut machst, wird garantiert niemand irgendetwas bemerken. Da bin ich mir sicher.
„Achso?“, fragte Trixie interessiert und warf mir einen freundlichen Blick zu. „Ja, er hat darauf bestanden, dass ich ihn bei der Auswahl berate“, unterstützte ich rasch seine Aussage. „Und ich habe mir gedacht, dass dieses Kostüm perfekt zu ihm passt. Findest du nicht auch?“. „Absolut“, gab Trixie mir Recht und nickte bestätigend. „Es sieht richtig toll aus“.
„Danke“, meinte Sparky schüchtern und nahm mich vorsichtig an die Hand, woraufhin sie sich kurz räusperte und ihren Blick zwischen uns hin- und hergleiten ließ. „Also...“, begann sie dann, offensichtlich nicht ganz sicher, wie sie das, was sie uns sagen wollte, am besten ansprach. „Bitte entschuldigt, wenn ich euch das so direkt frage. Es geht mich ja im Prinzip auch gar nichts an und wenn ihr nichts dazu sagen möchtet, dann respektiere ich das. Aber darf man fragen, wie lange ihr schon zusammen seid?“.
„Seit fast zwei Monaten“, antwortete ich stolz und lächelte. „Alles begann in einer heißen, sternenklaren Sommernacht im August. Sparky und ich waren zwar schon vorher sehr gut befreundet, aber in dieser Nacht habe ich das erste Mal gefühlt, dass ich viel mehr für ihn empfinde als nur das. Irgendwie hat es sehr stark zwischen uns gefunkt und ich habe mich dazu entschlossen, einfach meinen ganzen Mut zusammenzunehmen und ihm meine Gefühle zu gestehen. Und... nun ja... was soll ich sagen, es hat sich auf jeden Fall gelohnt“.
Mit diesen Worten beugte ich mich zu ihm hinab und drückte ihm ein kleines Küsschen auf seine Wange. „Timmy...“, flüsterte er ganz verlegen und konnte es nicht verhindern, dass er dabei rot wurde. „Das freut mich für euch“, meinte Trixie begeistert. „Und deshalb möchte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, euch zu beglückwünschen“.
„Danke“, erwiderte ich und legte meinen Arm um Sparkys Schultern. „Wir sind wirklich sehr glücklich zusammen. Nicht wahr, Sparky Baby?“. „Timmy...“, wiederholte er, dieses Mal etwas lauter und räusperte sich vor Verlegenheit. „Bitte lass das, okay?“ „Ach, nur nicht schüchtern sein“, sagte Trixie zu ihm und lächelte ihn an. „Das ist doch ein nettes Kompliment, oder nicht?“.
„Doch, schon“, gab er zu und legte ein sanftes Schmunzeln auf. „Es ist nur ein bisschen ungewohnt für mich, dass man uns dabei zuhört“. „Daran gewöhnst du dich mit der Zeit schon“, entgegnete ich mit einem Kichern. „Außerdem ist das doch nichts, was dir unangenehm sein müsste. Ich sage schließlich immer nur, was ich denke. Darüber hinaus dürfen die Leute doch wissen, dass du mein Baby bist, oder etwa nicht?“.
„Ähm... natürlich...“, antwortete er rasch. „Aber genug der Schmeicheleien. Wir wollen doch die Party nicht verpassen, stimmt's?“. „Selbstverständlich nicht“, gab ich ihm Recht und wandte mich wieder Trixie zu. „Wenn das so ist, dann kommt mal mit“, erwiderte sie, bevor sie die Tür zum großen Saal aufschwang und nach drinnen verschwand. Abermals umfasste ich Sparkys Pfote, bevor ich ihrer Anweisung nachkam und ihr schließlich folgte.
Sowohl Sparky als auch ich machten große Augen, als wir uns nach allen Seiten umschauten. Der Raum war rappelvoll mit den ausgeflipptesten und verrücktesten Gestalten. Unzählige Paare tummelten sich auf der Tanzfläche und drängten sich aneinander, während die von Trixie engagierte Liveband einen alten Bon-Jovi-Klassiker neu aufleben ließ. Ein paar weitere Gäste saßen zusammen an den bereitgestellten Tischen und unterhielten sich angeregt über die Lautstärke der Musik hinweg über Dies und Jenes. Andere bedienten sich ausgiebig am Buffet, um möglichst viel von den exklusiven Spezialitäten, die Trixie servierte, ergattern zu können.
Unglaublich, dachte ich, während ich meinen Blick durch den Raum schweifen ließ und mich dann zusammen mit Sparky an ein paar tanzenden Pärchen vorbeidrängelte, um noch einen Platz an einem der zahlreichen Tische zu bekommen. Er hielt sich ganz eng an mir fest, wahrscheinlich, um mich in dem ganzen Trubel nicht aus den Augen zu verlieren. „Ziemlich voll, was?“, fragte ich und musste dabei beinahe schreien, um über das Geplapper und die Musik der anderen hinweg zumindest halbwegs verstanden zu werden.
„Ja“, rief er aus, als er mir zu einem leeren Platz am hinteren Ende des Zimmers folgte. Dort angekommen hopste er kurzerhand auf einen freien Stuhl und sah dann mit einem Lächeln zu mir auf. „Ich bringe kurz meine Jacke raus in die Garderobe“, informierte ich ihn und wies mit der Hand Richtung Ausgang. „Bin gleich wieder da“. Er nickte kurz, um mir mitzuteilen, dass er mich verstanden hatte und richtete seine Aufmerksamkeit dann auf die vielen bunten Gestalten, die auf der Tanzfläche herumhüpften. Rasch wandte ich mich um und bahnte mir einen Weg zurück nach draußen, vorbei an den ganzen Pärchen, die sich – zumindest mehr oder weniger – im Takt der Musik bewegten.
Ein Wahnsinn, überlegte ich währenddessen für mich. Da drinnen ist wirklich die Hölle los. Trixie muss die gesamte Stadt zu ihrer Party eingeladen haben. Und Sparky und ich sind mittendrin. Wie schade wäre es gewesen, wenn wir all das hier aufgrund meiner oder seiner Zweifel verpasst hätten. Ein echter Jammer. Zum Glück konnte ich ihn doch davon überzeugen, mich zu begleiten. Und wie man sieht, hatte ich Recht. Trixie hat nicht das Geringste bemerkt. Niemandem wird irgendetwas auffallen, da bin ich mir absolut sicher. Dafür spielt Sparky seine Sache zu überzeugend. Die Ausrede mit dem Kostüm war wirklich allererste Klasse. So etwas Brillantes wäre nicht einmal mir eingefallen. Hut ab, Sparky. Das hast du dir toll ausgedacht. Respekt.
Ein Lächeln legte sich auf mein Gesicht, während ich aus meiner Jacke schlüpfte und sie an einem der Garderobenhaken aufhing. Heute würde ein rundum perfekter Abend werden, das wusste ich jetzt schon mit absoluter Sicherheit. Und ein besonderer noch dazu. Immerhin war es das erste Mal, dass Sparky und ich zusammen ausgingen. Das erste – aber ganz bestimmt nicht das letzte.
„Buh!“, hörte ich plötzlich jemanden hinter mir rufen und fühlte, wie mir das Herz in die Hose rutschte. Meine Jacke glitt mir aus der Hand und segelte zu Boden, während hinter mir ein schadenfrohes Kichern zu vernehmen war. Ruckartig fuhr ich herum und blickte in das breit grinsende Gesicht meines Freundes Chester, der sich schon seit Ewigkeiten stets einen Spaß daraus gemacht hatte, mich an Halloween zu Tode zu erschrecken.
„Großer Gott!“, rief ich überrascht aus, während ich mir an die Brust griff und versuchte, meinen Herzschlag wieder zurück unter Kontrolle zu bekommen. „Hi Timmy“, erwiderte er kichernd, als wäre überhaupt nichts passiert und grinste mich frech und rundum zufrieden mit seinem kleinen Streich an. „Chester...“, antwortete ich, als ich mich nach meiner Jacke bückte und sie zurück an den Haken hängte. „Hast du mich vielleicht erschreckt“.
„Das war ja auch der Plan“, meinte er lachend, während ich ihn ausgiebig musterte und seine Verkleidung auf mich wirken ließ. Wie immer trug er ein Dracula-Kostüm, welches aus einem schwarzen Cape, einer ebenfalls schwarzen Leggings und einer Reihe von Plastikzähnen bestand, die ein kleines Stück über seine Unterlippe ragten. Seit ich mich erinnern konnte, war dies schon immer seine Lieblingsverkleidung gewesen, die er schon eine halbe Ewigkeit lang in Besitz hatte und jedes Jahr zu Halloween aufs Neue hervorholte.
„Wird es dir nicht irgendwann mal langweilig, mir jedes Jahr wieder denselben Streich zu spielen, hm?“, wollte ich wissen und schüttelte unbeholfen meinen Kopf. „Nein“, antwortete er mit einem frechen Grinsen, wodurch sich auch die obere Hälfte seiner Plastikzähne ein Stückchen nach außen schob. „Ach, verdammt!“, beschwerte er sich daraufhin und spuckte sie rasch in seine Hand aus. „Dieses Mistding ist langsam reif für den Müll“. „Liegt's vielleicht eher an der Zahnspange?“, wollte ich wissen und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
„Vielleicht ist's auch das“, stimmte er mir schulterzuckend zu, woraufhin ich herzlich lachen musste. Das war mal wieder typisch Chester.
„Du hast also auch ne Einladung, ja?“, wechselte ich rasch das Thema, um mir nicht schon wieder aufs Neue anhören zu müssen, wie sehr er seine Zahnspange doch verabscheute. Denn über diese Tatsache war ich bereits ausführlich informiert. Seit er sie in der Grundschule bekommen hatte, verging fast kein Tag, an dem er sich nicht über sie beklagte. Aber in gewisser Weise konnte ich das auch nachvollziehen, da ich aus eigener Erfahrung wusste, wie es sich anfühlte, wenn man an so ein Ding gefesselt war.
Zwar hatte ich zu meinem Glück nie eine Zahnspange gebraucht, war allerdings in der siebten Klasse fast viereinhalb Wochen lang an einen Gips gebunden gewesen, weil ich mir beim Sportunterricht die rechte Hand verstaucht hatte. Daher wusste ich in etwa, wie er sich damit fühlen und sehnlichst den Tag herbeiwünschen musste, an dem er endlich von diesem Teil befreit wurde.
„Klar“, beantwortete er meine Frage und holte mich aus meinen Gedanken zurück in die Realität. „Wenn ich mich da drin so umschaue, hat glaube ich so gut wie jeder in Dimmsdale eine Einladung erhalten“. „Dasselbe hab ich mir auch schon gedacht“, meinte ich schulterzuckend und legte ein Lächeln auf.
„Und?“, fragte er gespannt und schaute mich erwartungsvoll an. „Bist du allein hier?“. „Nein, in Begleitung“, antwortete ich stolz, seinen Blick erwidernd. „Wir haben heute sozusagen unsere erste, öffentliche Verabredung“. „Ah, da schau an“, entgegnete er und kicherte. „Timmy ist verliebt. Wer hätte das gedacht?“. Er schlug mir freundschaftlich auf die Schulter, während er sich mein Kostüm genauer betrachtete. „Wer sagt denn, dass ich verliebt bin?“, wollte ich wissen und lachte, woraufhin er ein breites Grinsen auflegte. „Ach komm schon“, meinte er dann und stupste mich sanft in die Seite. „Wenn du schon vom ersten Date sprichst, dann musst du ja verschossen sein. Das merke ich dir doch an. Also sag schon, wer ist denn die Glückliche? Kenne ich sie vielleicht?“.
„Wie kommst du darauf, dass es eine Sie ist?“, entgegnete ich, woraufhin sein Lächeln für einen kurzen Augenblick erstarb. „Oh... nicht?“, hakte er dann nach, was ich mit einem raschen Kopfschütteln verneinte. „Oha“, wiederholte er und räusperte sich, allem Anschein nach unangenehm berührt von seiner voreiligen Frage. „Ein Er also, ja?“.
„Richtig“, antwortete ich zustimmend. „Ein Er. Ein ziemlich süßer Er sogar“. „Also...“, meinte er auf diese Aussage hin und fuhr sich mit der Hand kurz durch sein strohblondes Haar. „Das heißt... du bist... ich meine, das bedeutet...“. Er brachte es nicht fertig, seinen Satz vernünftig zu Ende zu sprechen, weshalb ich mich dazu entschloss, ihm diese Aufgabe abzunehmen. „Ja“, antwortete ich, ein bisschen geschmeichelt von seiner Schüchternheit. „Ich bin schwul“.
„Okay“, erwiderte er unsicher und räusperte sich abermals. „Das... das wusste ich nicht, Timmy. Bitte entschuldige, wenn ich dich mit meiner Frage überrumpelt habe. Das lag nicht in meiner Absicht. Ich konnte ja nicht ahnen, dass...“. „Lass gut sein, Chester“, fiel ich ihm ins Wort ich und legte wieder ein Lächeln auf. „Du musst nichts erklären. Ich weiß, wie es gemeint war. Und natürlich konntest du das nicht wissen. Ich habe es bis jetzt auch noch so gut wie niemandem erzählt“.
„Unter diesem Umständen muss ich meine Frage von gerade eben anders formulieren“, erwiderte er und lächelte zurück. „Wie heißt denn DER Glückliche?“. „Sein Name ist Sparky“, antwortete ich. „Und wir sind jetzt seit fast zwei Monaten zusammen“. „Sparky...“, wiederholte Chester laut denkend. „Also, den Namen habe ich noch nie gehört. Kommt er von hier?“. „Nun, nicht direkt...“, antwortete ich, während ich mir in Gedanken eine passende Antwort auf diese Frage zurechtlegte. „Er ist... ähm... erst vor kurzem hierhergezogen“.
Mit diesen Worten nahm ich ihn an die Hand und bedeutete ihm, dass ich wieder reingehen wollte. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass er mich mit noch weiteren Fragen dieser Art bombardierte. „Warum kommst du nicht mit?“, bot ich ihm höflich an. „Dann stelle ich ihn dir vor. Er fragt sich wahrscheinlich ohnehin schon, wo ich bleibe. Eigentlich wollte ich nur kurz meine Jacke rausbringen. Ich konnte ja nicht wissen, dass du auch dieses Jahr wieder einen auf Boogeyman machst“.
Chester lachte, als ich das gesagt hatte und willigte schließlich in mein Angebot ein. „Warum nicht?“, meinte er. „Macht immer Spaß, neue Leute kennenzulernen. Außerdem bin ich ja schon neugierig darauf, wie der Ritter aussieht, der dein Herz erobert hat“. Abermals musste er lachen, ehe ich die Tür aufschwang und wir uns wieder in den überfüllten Saal begaben.
„Da hinten ist unser Tisch“, informierte ich Chester über den Lärm der anderen hinweg und wies mit der Hand zum Ende des Raumes. Dann quetschte ich mich an zwei Mädchen vorbei, die gerade zum Rhythmus von 'Take Me Home, Country Roads' mitklatschten, zurück zu unserem Platz.
Sparky saß noch immer dort, wo ich ihn zurückgelassen hatte und bemerkte Chester und mich zunächst gar nicht, war zu fixiert auf die tanzenden Pärchen um uns herum. Erst, als ich ihm vorsichtig auf die Schulter klopfte, reagierte er und wandte den Blick in meine Richtung. „Hey“, rief ich laut und lächelte ihn an. „Da bin ich wieder. Hat leider etwas gedauert“.
„Hey Timmy“, antwortete er, mein Lächeln erwidernd. „Ich möchte dir jemanden vorstellen“, fügte ich hinzu und deutete mit der Hand auf Chester, der daraufhin einen Schritt nach vorne trat. „Sparky, das ist Chester. Er ist ein alter Freund von mir. Chester – mein Lebensgefährte Sparky“. „Sehr erfreut“, schrie Sparky laut und schüttelte seine Hand, als er sie ihm reichte. „Ganz meinerseits“, rief Chester zurück und warf mir im Anschluss einen raschen Blick zu.
„Sollen wir vielleicht kurz rausgehen?“, schlug er mir vor, doch zunächst verstand ich kein einziges Wort. „Was?“, fragte ich deshalb nach und beugte mich ein Stück näher zu ihm heran, um ihn besser hören zu können. „Wollt ihr rausgehen?“, schrie er über den Lärm hinweg noch einmal. „Frische Luft schnappen. Dann können wir uns besser unterhalten“. „Klingt gut“, stimmte ich ihm zu und nickte bestätigend, als ich merkte, dass auch er kein Wort verstanden hatte.
Rasch nahm ich Sparky an die Pfote und wies mit der Hand Richtung Tür. „Wir gehen raus“, informierte ich ihn und bedeutete ihm dann, mit uns zu kommen. Eilig hüpfte er von seinem Stuhl herunter und folgte mir dann durch die Menge zum Ausgang. Chester hielt uns die Tür auf, als wir dort ankamen und warf uns ein Lächeln zu. „Nach euch“, rief er aus, bevor auch er das Getümmel hinter sich ließ und in den Flur heraustrat.
Unterdessen lief ich zur Garderobe hinüber, nahm meine Jacke wieder vom Haken und schlüpfte rasch hinein. Danach nahm ich Sparky an die Hand und warf ihm ein fürsorgliches Lächeln zu. „Möchtest du nicht lieber drin bleiben?“, schlug ich ihm vor und streichelte über seinen Kopf. „Ist ziemlich kalt draußen“. „Ach was“, lehnte er ab, mein Lächeln erwidernd. „Ohne euch ist es da drin sowieso total langweilig. Da komme ich lieber mit“.
„Gute Entscheidung“, meinte Chester und kicherte leise. „Dann haben wir gleich die Gelegenheit, uns ein bisschen kennenzulernen. Timmy hat mir nämlich noch so gut wie gar nichts von dir erzählt. Das sollten wir nachholen“. Mit diesen Worten schwang er die Eingangstür auf und trat einen Augenblick später in die kühle Nacht hinaus. Rasch legte ich meinen Arm um Sparkys Schultern, bevor wir es ihm schließlich gleichtaten.
Der Halbmond erhellte den düsteren Nachthimmel und ein frischer Wind erfüllte die Luft, während wir zusammen ein Stück liefen und schließlich auf der rechten Seite des Hauses stehenblieben. Chester griff in seine Jackentasche und holte eine Schachtel Pall Mall-Zigaretten, sowie ein Feuerzeug daraus hervor, woraufhin ich ihn überrascht musterte.
„Sag bloß, du rauchst wieder?“, erkundigte ich mich erstaunt, woraufhin er nur mit den Schultern zuckte. „Hab nie aufgehört“, ließ er mich kichernd wissen, während er eine Zigarette aus der Schachtel nahm und sie sich ansteckte. Dann hielt er Sparky und mir die kleine Packung hin. „Auch eine?“, wollte er wissen, was Sparky mit einem schnellen Kopfschütteln verneinte. „Ich rauche nicht“, informierte er Chester und hob abweisend seine Pfoten.
„Und du, Timmy?“, fragte er mich in bewusst neckischem Tonfall. „Willst du eine? Oder kannst du der Versuchung mittlerweile widerstehen?“. „Normalerweise schon“, antwortete ich mit einem Grinsen. „Aber ich denke, heute kann ich mal eine Ausnahme machen“. Kaum hatte ich das gesagt, nahm ich mir ebenfalls eine Zigarette und erntete dafür einen ziemlich verdutzten Blick seitens Sparky. „Wie jetzt?“, fragte er verwundert, während er mich dabei beobachtete, wie ich sie mir ansteckte. „Ich dachte, du rauchst nicht“.
„Für gewöhnlich nicht“, erklärte ich ihm schulterzuckend und stieß ein Husten aus, als mir der erste Schwall Zigarettenrauch in die Nase stieg. „Mit vierzehn hab ich es mal eine Zeit lang versucht, doch irgendwie festgestellt, dass das nichts für mich ist. Aber gegen ein Zigarettchen hier und da habe ich trotzdem nichts einzuwenden“. „Ja, aber Timmy...“, begann Sparky verwundert. „Ich habe immer geglaubt, du machst so etwas nicht. Weißt du denn nicht...?“.
„Doch“, fiel ich ihm rasch ins Wort und hustete erneut. „Doch, natürlich weiß ich das, Sparky. Gesundheitsschädlich und so weiter. Glaub mir, ich bin bestens darüber informiert. Wie ich schon gesagt habe – für gewöhnlich rauche ich ja auch nicht. Aber heute ist doch ein besonderer Anlass. Außerdem: Hier und da mal eine Zigarette wird mich schon nicht gleich umbringen“.
Chester musste lachen, während er unserer kleinen Diskussion aufmerksam zuhörte und ich warf ihm einen vielsagenden Blick zu. „Da hast du aber einen sehr fürsorglichen Freund“, kommentierte er Sparkys Aussage und grinste mich an. Ich brummte nur, um ihm zu signalisieren, dass ich auf solche Bemerkungen gut und gerne verzichten konnte und wandte mich dann wieder Sparky zu.
„Keine Sorge“, erklärte ich ihm und lächelte ihn sanft an. „Ich weiß schon, was ich da tue. Vertrau mir“. „Wenn du das sagst, Tim“, erwiderte er und zuckte kurz mit den Schultern. Daraufhin stieß Chester ein leises Quieken aus und sein Grinsen wurde noch breiter. „Tim?“, wiederholte er. „Ist das dein Kosename? Nein, wie süß“. Abermals brummte ich zur Antwort und versuchte, seinen Kommentar einfach zu ignorieren und das Thema zu wechseln.
„Bist du eigentlich auch in Begleitung, Chester?“, erkundigte ich mich interessiert und sah ihn gespannt an. „Ne“, antwortete er, während er einen Schwall kalten Rauch ausströmen ließ und seine freie Hand in die Tasche seiner Jacke steckte. „Mutterseelenallein. Darum ist es umso erfreulicher, dass ich euch beiden über den Weg gelaufen bin“. „Heißt das, dass es da noch niemanden gibt, dem dein Herz gehört?“, fragte ich neugierig nach.
„Ne“, wiederholte er kopfschüttelnd und tat so, als müsste er sich übergeben. „Freundinnen, bah. Komm hör mir doch auf“. Auf diese Aussage hin mussten Sparky und ich unweigerlich lachen. „So beziehungsscheu?“, fragte ich kichernd, was er lediglich mit einem Schulterzucken beantwortete. „Ich bin gern Single“, ließ er uns wissen, als er seine Zigarette ausdrückte und wieder lächelte. „Dann kann ich tun und lassen, was immer ich will und muss mich nicht ständig wegen alles und jedem zanken“.
„Klingt ja sehr zuversichtlich“, meinte ich und lachte. „Du bist wie immer der Optimismus in Person“. „Ach was“, erwiderte er rasch. „Um mir eine Freundin zu suchen hab ich noch mehr als genügend Zeit. Ich genieße mein Leben so, wie es im Augenblick ist“. „Aber Chester...“, neckte ich ihn und zog eine Schnute. „Sehnst du dich denn nicht nach der einen, wahren Liebe, hm?“. „Tz“, erwiderte er verächtlich. „Worüber du so alles nachdenkst, Timmy. Wahre Liebe gibt es doch eh nur im Märchen“.
„Das stimmt nicht“, mischte sich Sparky plötzlich ein und trat einen Schritt neben mich. „Sie existiert. Sie existiert wirklich. Das weiß ich ganz genau. Denn ich habe sie am eigenen Leib erfahren. Mit Timmy“. „Och, Sparkylein“, erwiderte ich geschmeichelt und warf ihm ein Lächeln zu. „Das ist süß von dir“.
„Schleimen kann er also auch, was?“, grinste Chester und zwinkerte ihm spielerisch zu. „Das kann er“, antwortete ich, als auch ich meine Zigarette ausmachte und meine Arme um Sparkys Hüften legte. „Das kann er sogar ziemlich gut. Aber meinetwegen darf er das auch gerne. Ich hab nichts dagegen“. Mit diesen Worten hob ich ihn hoch und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.
„Er ist ziemlich leicht“, stellte Chester verblüfft fest, als er uns dabei beobachtete. „Ich meine, wenn du ihn einfach so hochheben kannst“. „Oh... ähm... ja...“, antwortete ich zurückhaltend und setzte Sparky rasch wieder auf dem Boden ab, während ich mir in Gedanken eine passende Ausrede dafür zurechtlegte. „Er... er ist von Natur aus sehr schlank“. „Okay, cool“, meinte Chester daraufhin und ging einen Schritt auf ihn zu. Er lächelte, bevor er sich ein Stück zu ihm hinunterbeugte und ihm seine Arme an die Hüften legte.
„Darf ich auch mal, Sparky?“, bat er ihn und ließ seine Hände an ihm entlangwandern. „Wow“, rief er dabei verblüfft aus. „Dieses Fell fühlt sich an wie echt. Unglaublich“. Sparky reagierte blitzschnell und entzog sich aus Chesters Griff, bevor er sich wieder an meine Seite stellte.
„Darf ich dich nicht hochheben?“, fragte Chester und tat so, als wäre er sehr enttäuscht darüber. „Weißt du... lieber nicht“, antwortete Sparky und blicke mit einem Lächeln zu mir hoch. „Dieses Privileg besitzt ausschließlich Timmy“. „Schade“, meinte Chester seufzend und zog eine Schnute. „Ich würde dich auch ganz bestimmt nicht fallen lassen, versprochen“. „Tut mir Leid, Chester“, wehrte Sparky ab und tastete nach meiner Hand. „Aber für heute würde ich es bevorzugen, sicheren Boden unter den Füßen zu haben. Bitte sei nicht enttäuscht, okay? Vielleicht lässt sich ja ein anderes Mal was arrangieren“.
„Bestimmt“, erwiderte Chester und zwinkerte ihm zu. „Und keine Sorge: Ich werd's überleben“. Er kicherte, als er diesen Satz ausgesprochen hatte und Sparky begann zu grinsen. „Das will ich doch hoffen“, meinte er spaßeshalber und zitterte kurz, als ein kalter Nachtwind über ihn hinwegstrich. „Lasst uns wieder reingehen“, schlug Chester vor, als er das bemerkte und lächelte ihn an. „Die anderen vermissen uns bestimmt schon“.
Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg zur Tür und bedeutete uns mit einem Wink, ihm zu folgen.

Inzwischen war es schon kurz vor halb elf und auf der Tanzfläche war nach wie vor die Hölle los. So gut wie jeder der anwesenden Gäste hatte sich einen Partner geschnappt und drehte sich mit ihm im Rhythmus des Cher-Klassikers 'Believe'. Sparky und ich hatten uns eine kleine Pause gegönnt, nachdem wir zuvor zu fünf Nummern ein Tänzchen gewagt und den anderen gezeigt hatten, was wir konnten. Und eines ließ sich mit absoluter Bestimmtheit sagen: Unser kleines privates Tanzstündchen hatte sich auf jeden Fall gelohnt.
„Huch“. Überrascht schreckte ich aus meinen Gedanken hoch, als ich Sparkys Pfote auf meiner Hand fühlte und schenkte ihm ein Lächeln. Er erwiderte es, sagte allerdings nichts dazu, weil er bestimmt wusste, dass ich mich bei diesem Lärmpegel ohnehin sehr schwer damit tun würde, ihn zu verstehen.
Stattdessen streichelte er vorsichtig über meine Hand und gab mir mit einem kurzen Blick zu verstehen, wie glücklich er darüber war, dass ich ihn hierher mitgenommen hatte. Dann hob er sein Glas Tropical Sunshine, das ich ihm zuvor geholt hatte, und nahm einen kleinen Schluck. „Gut?“, wollte ich laut wissen, was er mit einem Nicken bestätigte. Dann wandte ich meine Aufmerksamkeit der Liveband zu, die gerade einen alten Bonnie-Tyler-Song gespielt hatte und nun dabei war, ein paar Worte an die Gäste zu richten.
„Unseren nächsten Song möchten wir allen verliebten Pärchen hier im Raum widmen“, verkündete der Bandleader, ein blonder, mittelgroßer Junge meines Alters, den ich zwar schon einmal irgendwo gesehen hatte, im Moment allerdings nicht einordnen konnte. „Es ist ein spezieller Wunsch der Gastgeberin Trixie Tang, die uns sehr lieb darum gebeten hat, diesen Titel heute Abend zu bringen. Natürlich möchten wir ihr diesen Wunsch erfüllen und spielen deshalb jetzt für sie und für alle Liebespärchen im Raum einen alten Klassiker von Audrey Landers: 'For The Rest Of My Life'. Darum schnappt euch jetzt euren Partner, eure Partnerin oder wen immer ihr dabei habt und lasst euch gemeinsam von diesem wunderschönen Song entführen. In die Welt der Träume“.
„Das gibt es nicht“, rief ich überwältigt und strahle Sparky glücklich an. „Das ist mein Lieblingslied! Dazu müssen wir tanzen!“. „Was?“, wunderte er sich ein bisschen verwirrt, weiter kam er allerdings nicht, denn ich hatte ihn mir bereits geschnappt und zog ihn mehr oder weniger hinter mir her auf die Tanzfläche. „Timmy...“, wollte er protestieren, doch ich gab ihm überhaupt keine Gelegenheit dazu, konzentrierte mich stattdessen voll und ganz auf die Musik und ließ es mir selbstverständlich auch nicht nehmen, dabei mitzusingen.
Das ist ein Zeichen, überlegte ich im Stillen für mich. Dass sie ausgerechnet diesen Song heute Abend spielen, muss etwas zu bedeuten haben. Das kann einfach kein Zufall sein. Viel zu genau passen die Textzeilen dieses Liedes zu Sparky und mir. Viel zu treffend beschreiben sie unsere Beziehung und unsere innige Liebe zueinander:
>For the rest of my life. I will love you forever. For the rest of my life. You're gonna know what love is. Every day, every night. Our love will keep us together. Yes, I'll love you for the rest of my life<.
Für den Rest meines Lebens. So lange würden Sparky und ich zusammen sein. So lange würde ich ihn lieben. Für alle Zeiten. Jeden Tag und jede Nacht. Dieses Lied war perfekt für uns beide. Es war absolut perfekt. Nicht nur, weil es mein Lieblingslied war, sondern auch, weil es all das ausdrückte, was ich ganz tief in mir spürte. Dass meine Liebe zu Sparky für immer war. Dass ich für alle Zeit mit ihm gehen würde. Jeden einzelnen Tag mit ihm teilen würde. Für den Rest meines Lebens.
Als der Song zu Ende ging, drehte ich Sparky ein letztes Mal im Kreis und drückte ihn zum Abschluss fest an mich heran. „Wow“, rief er beeindruckt aus und warf mir ein breites Lächeln zu. „Timmy... das... das war... wow“. Er war nicht in der Lage dazu, etwas darauf zu sagen, was mich unweigerlich dazu veranlasste, leise zu kichern. Dann nahm ich ihn an die Pfote und führte ihn zurück an unseren Tisch, während die Band bereits den nächsten Song spielte: 'Ain't No Mountain High Enough'.
Ein bisschen außer Atem ließ Sparky sich auf seinen Platz fallen, woraufhin ich ihm ein unschuldiges Grinsen zukommen ließ. „Sorry“, meinte ich schulterzuckend. „Das musste einfach sein. 'For The Rest Of My Life' ist mein absolutes Lieblingslied. Außerdem passt es doch auch gut zu uns beiden, oder?“. Er nickte kurz, während er nach seinem Glas Tropical Sunshine griff und einen Schluck davon nahm.
„Aufregend war es auf jeden Fall“, bestätigte er mir lächelnd, bevor seine Miene sich verzog und er sich mit der Pfote an den Bauch griff. „Au weia“, meinte er dann und schien dabei leicht angespannt zu werden. „Was ist los?“, erkundigte ich mich. „Alles okay?“. Daraufhin schaute er mich ein bisschen verlegen an und deutete mit der Pfote auf seinen Cocktail. „Ich... ich hatte ein bisschen zu viel, glaube ich“, antwortete er.
„Aber Sparky“, lehnte ich lächelnd ab. „Dein Glas ist doch noch halb voll. Außerdem hast du ansonsten nur Wasser getrunken. Vertrau mir, das war noch nicht zu viel“. „Du verstehst nicht, Tim“, erwiderte er und griff sich etwas stärker an den Bauch, bevor er sich über den Tisch an mein Ohr heranbeugte. „Ich muss mal“, flüsterte er mir zu und schaute sich kurz um, um sicherzustellen, dass niemand ihn gehört hatte. Doch die Atmosphäre war ohnehin viel zu aufgedreht, als dass irgendjemand außer mir ihn hätte verstehen können.
„Ach so“, meinte ich und erhob mich kurzerhand von meinem Platz. „Sag das doch gleich“. Mit diesen Worten nahm ich ihn an die Pfote und bedeutete ihm, mir nach draußen zu folgen. Erneut drängelten wir uns an ein paar tanzenden Pärchen vorbei und verließen kurze Zeit später den großen Saal. „Die Toiletten sind da hinten, glaube ich“, sagte ich zu ihm, während wir den langen Flur entlangliefen und er sich dabei immer wieder umschaute, als wollte er sicherstellen, dass niemand uns folgte.
„Alles okay?“, erkundigte ich mich verwirrt, woraufhin er kurz den Kopf schüttelte und zu mir hochschaute. „Sorry, Timmy“, entschuldigte er sich. „Mir war gerade so, als wäre da irgendjemand hinter uns. Wahrscheinlich nur Einbildung“. „Nein, wahrscheinlich Alkohol“, erwiderte ich und konnte mir ein Kichern nicht verkneifen. „Auch eine Möglichkeit“, gab er mir Recht, als wir bei der Herrentoilette ankamen und ich mit einem Schwung die Tür öffnete. „Wartest du hier?“, wollte er wissen, als er reinging. „Nein, ich muss auch“, antwortete ich und folgte ihm nach drinnen. „Bevor ich mich nachher noch einmal an den ganzen Leuten vorbeizwänge, gehe ich lieber gleich“.
„Wow“, rief ich aus, als ich mich kurz im Raum umschaute. „Sogar ihre Toiletten hat sie stilvoll eingerichtet. Respekt“. „Timmy...“, flüsterte Sparky zur Antwort und ich drehte mich verwirrt zu ihm um. „Was denn?“, wollte ich wissen, woraufhin er mich irritiert anschaute. „Was?“, erwiderte er meine Frage und blickte mich erwartungsvoll an. „Das frage ich dich“, entgegnete ich lachend. „Du hast doch gerade eben meinen Namen gesagt. Also, was ist los?“.
„Habe ich nicht“, protestierte er kopfschüttelnd, bevor sich ein Grinsen auf sein Gesicht legte. „Wer von uns beiden hatte hier zu viel, hm?“. „Du hast wirklich nichts gesagt?“, hakte ich noch einmal nach, was er kopfschüttelnd verneinte. „Wirklich nicht“, bestätigte er mir. „Komisch“, überlegte ich laut, entschloss mich dann allerdings dazu, mir keine weiteren Gedanken darum zu machen und erledigte in aller Ruhe, was ich zu erledigen hatte.
Danach wollte ich hinüber zum Waschbecken gehen, als Sparky erneut meinen Namen sagte. „Timmy...“, hörte ich ihn leise flüstern. „Timmy...“. „Was ist denn los, Sparky?“, wollte ich wissen und blieb vor seiner Kabinentür stehen. „Nichts“, antwortete er. „Was soll denn los sein?“. „Aber du hast doch gerade nach mir gerufen...“, erwiderte ich verwirrt, woraufhin ich ihn laut lachen hörte. „Deine blühende Fantasie ist einer der vielen Gründe, warum ich mich in dich verliebt habe“, erwiderte er und verwunderte mich damit noch mehr.
„Timmy...“. Ein weiteres Mal erklang dieses Flüstern und ich spitzte angestrengt die Ohren, versuchte, herauszufinden, woher es kommen konnte. Wenn Sparky mir tatsächlich keinen Streich spielte, wer um alles in der Welt war es dann, der da ständig nach mir rief?
„Timmy... der Spiegel...“, wisperte die Stimme erneut und ich wandte mich gründlich im Raum um, bemühte mich, den Ursprung dieses Flüsterns zu finden. Rasch ließ ich mich auf die Knie fallen und spähte unter sämtliche Toilettenkabinen. Doch bis auf die, in der Sparky sich befand, waren sie alle völlig leer. „Der Spiegel... Timmy... der Spiegel...“. Das leise Flüstern war ein weiteres Mal zu vernehmen und ich sprang abrupt wieder hoch, lauschte angestrengt nach seinem Ursprung.
„Sparky?“, fragte ich schließlich, während meine Augen jeglichen Winkel des Raumes absuchten. „Hast du das gehört?“. „Was gehört?“, wollte er wissen und stieß ein Seufzen aus. „Der Spiegel... der Spiegel, Timmy... der Spiegel...“. „Das!“, rief ich aus, als ich es erneut vernahm und sah mich noch einmal nach allen Seiten um. Doch außer Sparky und mir schien wirklich niemand anders im Raum zu sein.
„Schau in den Spiegel, Timmy...“, flüsterte die merkwürdige Stimme ein weiteres Mal. „Komm her zum Spiegel“. Langsam wurde mir ein bisschen seltsam zumute, weshalb ich mich dazu entschloss, der Anweisung dieser eigenartigen Stimme zu folgen und zum Spiegel hinüberzutreten. Mit gemischten Gefühlen blieb ich schließlich davor stehen und warf einen ausgiebigen Blick hinein.
Doch selbstverständlich war, von meinem eigenen Spiegelbild mal abgesehen, nichts darin zu erkennen. Aber was hatte ich denn bitte auch anderes erwartet? Dass mich ein Geist daraus anschauen würde? Vielleicht hatte auch ich schon ein bisschen zu viel getrunken. Vielleicht hatte ich mir diese merkwürdige Stimme auch nur eingebildet. Oder es handelte sich einfach um einen Halloween-Streich.
Aber natürlich! Das musste es sein. Trixie hatte den Spiegel bestimmt mit irgendetwas präpariert, um ihren Gästen einen schönen Schrecken einzujagen. Schließlich war es ja Halloween. Und bestimmt würde sie sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, für eine Portion Extra-Gänsehaut zu sorgen, indem sie ihnen das Gefühl gab, der Spiegel würde zu ihnen sprechen. Bestimmt hatte sie auf der Damentoilette haargenau dasselbe angestellt. Bestimmt waren die Mädchen ebenso verblüfft wie verunsichert, wenn plötzlich ein lebloser Gegenstand zu ihnen sprach.
Es war ein Halloween-Streich. Ein blöder Halloween-Streich. Und ich war natürlich vollständig darauf hereingefallen. Zu meinem Glück würde keiner der anderen Partygäste jemals etwas davon erfahren. Wie dumm würde ich denn dastehen, wenn jemand mitbekam, dass ich mich von diesem – wenn auch raffinierten – Trick hatte verunsichern lassen und allen Ernstes daran geglaubt hatte, dass sich ein Geist im Raum befand? Damit wäre ich ganz sicher die Lachnummer des Abends. Und um das zu verhindern, beschloss ich, die ganze Sache einfach zu vergessen. Es war ja schließlich nur ein Trick. Ein fein ausgedachter, wohl überlegter Trick.
„Timmy... schau in den Spiegel“. Die Stimme war erneut zu hören, während ich einen Blick auf mein Spiegelbild warf und sich ein Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitete. Netter Versuch, Trixie, dachte ich bei mir und tastete mit meiner Hand vorsichtig das Glas ab. Ich frage mich ja wirklich, wie du das hingekriegt hast. Hast du hier irgendwo eine Aufnahme versteckt, die sich jedes Mal automatisch abspielt, wenn jemand die Toilette betritt? Oder sitzt da irgendwer hinter den Kulissen und flüstert immer und immer wieder diese Worte? Nun, egal, wie auch immer du es machst, mir jagst du damit jedenfalls keine Angst ein. Ich habe dich durchschaut, meine Liebe.
„Bist du bald fertig, Sparky?“, wollte ich wissen und warf einen Blick hinüber zu seiner Kabine. „Moment noch“, hörte ich ihn durch die geschlossene Tür antworten und wandte mich wieder meinem Spiegelbild zu. „Schau in den Spiegel... genau in den Spiegel...“, wisperte es abermals und ließ mich breit schmunzeln. Wirklich schlau, dachte ich für mich und streckte spaßeshalber meinem Spiegelbild die Zunge heraus.
Und in diesem Augenblick schien es sich zu verändern. Es schien im wahrsten Sinne des Wortes zu zerrinnen, bis ich nur noch schemenhaft die Umrisse meines Gesichts erkennen konnte. „Genau in den Spiegel... genau in den Spiegel“, wiederholten sich die Worte der namenlosen Stimme, während ich wie gebannt dabei zusah, wie mein Abbild von dichtem Nebel eingehüllt wurde.
Ein Trick, redete ich mir selbst gut zu, auch wenn mir allmählich wirklich flau im Magen wurde. Das alles ist nur ein Trick. Nur ein blöder Halloween-Witz. Nicht mehr und nicht weniger. Doch meine positiven Gedanken fanden ein abruptes Ende, als sich der Nebel plötzlich auflöste und ich endlich wieder in ein Gesicht blicken konnte. Doch es war nicht meines. Es war nicht mein Gesicht, in das ich schaute.
Es war SEIN Gesicht! Ich sah tatsächlich SEIN Gesicht im Spiegel! Aber das konnte nicht möglich sein! Das konnte einfach nicht möglich sein! Nie und nimmer konnte Trixie etwas von ihm wissen. Nie und nimmer konnte sie einen Spiegel derart manipulieren, dass er mir dieses Gesicht zeigte. Es war überhaupt kein Trick. Er war wirklich da. Er starrte mich wirklich aus dem Spiegel heraus an und winkte mir zu.
„Nur eine Illusion“, redete ich mir ein und versuchte krampfhaft, gegen all das hier anzukämpfen. „Das alles ist nur eine Illusion. Du bist nicht wirklich da! Du kannst nicht wirklich da sein!“. „Doch, Tim-Tim“, antwortete er mir und auf seinem Gesicht breitete sich ein kaltes Grinsen aus. „Doch, ich bin es. Live und in Farbe. Hast du mich denn vermisst?“.
„Du bist nur ein Hirngespinst!“, rief ich laut aus und wandte mich von ihm ab. „Du existierst nicht wirklich!“. „Natürlich tue ich das, Tim-Tim“, antwortete er mir und stieß ein trockenes Lachen aus. „Du hast dir doch gewünscht, dass ich existiere. Du hast mich gemacht, erinnerst du dich nicht mehr?“. „Geh weg!“, rief ich laut aus und schüttelte heftig meinen Kopf. „Du bist nicht wirklich! Du bist nicht echt!“.
„Timmy!“. Sparkys plötzlicher Ruf ließ mich aufschreien und ich wich zurück, als er nach meiner Hand griff. „Timmy, was ist denn los?“. Hastig fuhr ich herum und warf erneut einen Blick in den Spiegel. Er war verschwunden. Spurlos verschwunden. Zu sehen waren nur die Abbilder von Sparky und mir. „Ich...“, versuchte ich Sparky zu erklären. „Ich... ich habe...“.
„Ruhig, Timmy“, flüsterte er und streichelte mit der Pfote über meine Hand. „Ganz ruhig. Es ist alles gut. Also, noch einmal ganz langsam, ja? Was hast du? Was ist denn passiert?“. „Ich... ich habe Gary gesehen!“, rief ich aus und zeigte mit der Hand auf mein Spiegelbild. „Da drin! Er... er ist ganz plötzlich aufgetaucht!“. „Gary?“, hakte Sparky verwirrt nach. „Du meinst deinen Fantasiefreund?“.
„Er ist kein Fantasiefreund mehr!“, protestierte ich aufgeregt. „Er ist echt! Ich habe mir gewünscht, dass er echt ist. Und jetzt... und jetzt...“. „Ruhig, Timmy“, wiederholte er sanft und streichelte mich. „Ganz ruhig. Du zitterst ja richtig. Was ist denn bloß los mit dir?“. „Das habe ich dir doch gerade gesagt!“, schrie ich laut. „Ich habe Gary im Spiegel gesehen!“. Hastig tastete ich mit der Hand ein weiteres Mal die Spiegelfläche ab, doch es waren keinerlei Auffälligkeiten daran zu entdecken. Es handelte sich um einen ganz normalen Spiegel, wie die meisten ihn bei sich im Bad hatten.
„Aber Timmy...“, erwiderte Sparky verwirrt. „Das ist doch gar nicht möglich. Du hast mir doch erzählt, dass er...“. „Er ist wieder da!“, kreischte ich außer mir, ehe er den Satz zu Ende sprechen konnte. „Er hat mich gefunden! Er hat mich irgendwie gefunden! Und jetzt will er sich an mir rächen!“. „Timmy, das ist doch unmöglich“, wehrte Sparky bestimmt ab. „Was du da sagst, macht doch keinen Sinn“. Er winkte kurz mit seiner Pfote und deutete dann auf unsere Spiegelbilder.
„Siehst du?“, meinte er dann. „Nichts“. „Aber er war da!“, wiederholte ich aufgeregt. „Er war wirklich da, Sparky. Ich schwör's“. „Timmy...“, entgegnete er und schüttelte den Kopf. „Weißt du noch, was du mir vorhin zum Thema Alkohol gesagt hast? Ich glaube, dass dasselbe auch für dich gilt“. „Aber Sparky, ich bin doch nicht besoffen!“, wehrte ich mich heftig. „Ich weiß doch, was ich gesehen habe. In dem Spiegel war Gary. Er war wirklich da. Und er hat mit mir gesprochen!“.
„Timmy, vielleicht sollten wir jetzt besser nach Hause gehen“, meinte er, ohne auf meine Aussage einzugehen. „Du wirkst ein bisschen übermüdet. Wenn man übermüdet ist, bildet man manchmal Dinge ein, die eigentlich gar nicht vorhanden sind“. „Aber ich weiß doch, was ich gesehen habe!“, beharrte ich schrill. Dann packte ich Sparky heftig an der Schulter und zeigte noch einmal auf unsere Spiegelbilder. „Ich bin nicht verrückt!“, erklärte ich ihm aufgewühlt. „Schau mich an, Sparky. Ich bin nicht verrückt. Ich weiß ganz genau, was ich gesehen habe. In diesem Spiegel da war Gary. Und er hat mit mir gesprochen. Er hat richtig mit mir gesprochen!“.
„Ruhig, Tim“, versuchte er, mich zu besänftigen und streichelte behutsam meine nach wie vor zitternde Hand. „Ganz ruhig, okay? Ich glaube dir ja“. „Das tust du nicht!“, protestierte ich laut und schlug mit der Faust gegen das Waschbecken. „Du denkst dir jetzt wahrscheinlich, dass ich nicht mehr alle Latten am Zaun habe, stimmt's? Du glaubst, ich bin vollkommen plemplem geworden. Gib es doch zu. Gib zu, dass du mich für übergeschnappt hältst“.
„Das ist doch gar nicht wahr, Tim“, wehrte Sparky kopfschüttelnd ab. „Ich halte dich doch nicht für übergeschnappt. Aber du musst schon zugeben, dass deine Geschichte ein kleines bisschen merkwürdig klingt, oder nicht?“. „Das mag ja sein“, musste ich ihm seufzend zustimmen. „Aber ich weiß, was ich gesehen habe. Ich bin nicht verrückt!“. „Ich glaube dir, Timmy“, wiederholte er und legte beide Pfoten um meine Hände. „Wirklich?“, fragte ich misstrauisch nach, was er mit einem Nicken bejahte.
„Ja“, versicherte er mir noch einmal. „Ja, ich glaube dir. Wenn du sagst, dass du Gary gesehen hast, dann hast du ihn auch gesehen. Die Frage ist nur, warum er gerade heute und hier wieder auftaucht. Und wie er es angestellt hat, in diesem Spiegel zu erscheinen“.
„Er nutzt seine Fantasie“, antwortete ich und schaute noch einmal mein Spiegelbild an. „Die Fantasie ist seine effektivste Waffe gegen mich. Er kann sie immer und überall benutzen, um Menschen oder in diesem Fall Gegenstände zu manipulieren und sie zu seinem Vorteil einzusetzen“. „Aber warum ist er wieder da?“, fragte Sparky ratlos. „Was will er von dir?“. „Das weiß ich noch nicht“, entgegnete ich und wandte mich zur Tür um. „Aber ich werde es noch herausfinden“.
Mit diesen Worten stürmte ich in den Flur hinaus und Sparky hatte regelrecht Mühe, mit mir Schritt zu halten. „Warte! Wo willst du hin?“, rief er mir hinterher, doch ich schenkte seinem Ausruf überhaupt keine Beachtung, war viel zu fixiert auf all die Fragen, die sich mir in diesem Augenblick stellten. Fragen, auf die ich absolut keine Antwort wusste.
Warum war Gary mir erschienen? Was bezweckte er damit, hier aufzutauchen? Was plante er? Wollte er sich immer noch an mir dafür rächen, dass ich ihn vergessen hatte? Beobachtete er mich etwa schon den ganzen Abend hindurch? Oder womöglich sogar noch länger? Hielt er immer noch an seinen Rachegedanken fest und war dazu entschlossen, mich auszulöschen? War er deswegen wieder da? Wollte er endlich seinen Plan zu Ende führen, an dem er vor sechs Jahren gescheitert war? Oder war er aus einem ganz anderen Grund wieder hier? Aber welcher konnte das denn bitteschön sein? Wenn nicht aus Rache, warum sollte er mich dann ein weiteres Mal verfolgen? Was hatte er nur vor?
„Timmy! Jetzt bleib doch mal stehen!“. Sparky holte mich schließlich ein und packte mich an meinem Arm, zwang mich dadurch dazu, für einen Moment innezuhalten und ihn anzusehen. „Wo willst du denn überhaupt hin?“, fragte er und atmete tief durch. „Ich muss ihn finden“, antwortete ich entschlossen und löste mich sanft aus seinem Griff. „Gary ist hier irgendwo. Irgendwo in der Menge hat er sich eingeschlichen und wartet wahrscheinlich darauf, dass er mich erwischen kann“. „Ja, aber Tim...“, protestierte Sparky verständnislos. „Woher willst du das denn überhaupt wissen?“.
„Ich spüre es, Sparky“, antwortete ich und ließ meinen Blick durch den Flur schweifen. „Ich spüre es ganz deutlich. Er ist hier. Irgendwo ganz in unserer Nähe. Ich kann seine Anwesenheit eindeutig wahrnehmen. Ich weiß zwar nicht genau, wo er sich befindet oder was er vorhat. Aber er ist hier. Meine sämtlichen Sinne sagen es mir“.
„Bist du dir sicher, Tim?“, wollte er wissen, was ich mit einem zustimmenden Nicken bestätigte. „Absolut sicher, Sparky“, antwortete ich dann. „Er hält sich irgendwo in der Menge versteckt, verborgen hinter irgendeiner unscheinbaren Halloweenmaske. Aber ich werde ihn finden. Und wenn ich dafür jeden einzelnen Quadratmeter dieses Hauses absuchen muss“.

Die Uhr zeigte mittlerweile weit nach Mitternacht und die ausgelassene Partystimmung im großen Saal erreichte langsam aber sicher ihren Höhepunkt. So gut wie alle Gäste drängten sich auf der Tanzfläche aneinander und boten die unglaublichsten und spektakulärsten Tanznummern dar. Sparky hatte mich zwar ebenfalls dazu aufgefordert, noch ein Tänzchen zu wagen, doch ich rührte mich nicht einen Millimeter vom Fleck.
Dafür war ich viel zu fixiert auf all die Tatsache, dass Gary mir im Spiegel erschienen war und sich höchstwahrscheinlich irgendwo in diesem Zimmer aufhalten musste. Angestrengt konzentrierte mich auf alle Paare, die an unserem Tisch vorbeitanzten und versuchte, ihn hinter irgendeinem der unzähligen Kostüme zu erkennen. Doch selbstverständlich war dies alles andere als leicht, wenn man bedachte, wie viele Menschen sich im Raum befanden.
Darüber hinaus hatte ich ja nicht einmal den geringsten Anhaltspunkt dafür, welche Art von Verkleidung er überhaupt trug. Aus diesem Grund standen mir genau zwei Möglichkeiten offen: Entweder ich riss jedem einzelnen Gast höchstpersönlich die Maske herunter und riskierte damit einen Rauswurf – oder ich ließ die Sache auf sich beruhen und genoss zusammen mit Sparky den Rest dieses bisher wunderschönen Abends.
Letzteres, entschied ich kurzerhand und schüttelte all meine Überlegungen bezüglich Gary einfach ab. Dieser Mistkerl war es definitiv nicht wert, dass ich mir seinetwegen die gute Laune und das nahezu perfekte Date mit Sparky ruinieren ließ. Von jetzt an, versprach ich mir selbst, würde ich ihn einfach ausblenden und mich nur noch auf Sparky konzentrieren. Denn im Gegensatz zu Gary hatte er meine Aufmerksamkeit voll und ganz verdient.
Mit einem Lächeln blickte ich zu ihm hinüber und tastete über den Tisch hinweg nach seiner kleinen Pfote. „Huch“, rief er aus, als ich ihn berührte, da auch er sich bis eben auf die tanzenden Pärchen um uns herum konzentriert hatte. „Willst du noch was trinken?“, fragte ich ihn über den Rummel der anderen hinweg, was er mit einem Kopfschütteln verneinte. „Nein danke, Tim“, lehne er ab, mein Lächeln erwidernd. „Okay“, rief ich zurück. „Sag einfach Bescheid, ja?“.
Er nickte wortlos und wandte sich wieder den anderen Gästen zu, beobachtete sie dabei, wie sie sich im Takt eines Walzers, den ich nicht kannte, drehten. Auch ich ließ meinen Blick noch einmal herumschweifen und spielte unterdessen mit dem Gedanken, noch ein bisschen frische Luft zu schnappen. Zwar war es hier drin nicht direkt heiß, aber ein bisschen kühle Nachtluft konnte mir trotzdem nicht schaden.
Rasch erhob ich mich von meinem Platz, woraufhin Sparky mich verwundert ansah. Ich beugte mich kurz zu ihm hinüber und warf ihm ein Lächeln zu. „Ich gehe kurz raus. Brauche noch ein bisschen frische Luft“, ließ ich ihn wissen. „Kommst du mit?“. „Nein“, antwortete er und schüttelte seinen Kopf. „Ist mir schon ein bisschen zu kalt draußen. Aber geh du ruhig. Ich warte einfach solange hier, okay?“.
„Klar“, stimmte ich ihm zu. „Ich bin eh nicht lange weg. Höchstens ein paar Minuten“. Mit diesen Worten gab ich ihm ein flüchtiges Küsschen auf die Wange und wandte mich danach um. „Bis gleich“, rief ich ihm noch zu, bevor ich mich wieder durch die Masse drängelte und zum Ausgang kämpfte. Ein paar der anderen Gäste hatten inzwischen schon ordentlich was weggekippt, was sie allerdings nicht davon anhielt, noch das ein oder andere Tänzchen zu wagen, wenn auch mit leichter Improvisation.
Als ich schließlich die Tür erreicht hatte, drehte ich mich noch einmal um und winkte Sparky über die Menge hinweg zu. Leider hatte er seinen Blick auf zwei Mädchen gerichtet, die in einer Ecke standen und versuchten, ein halbwegs normales Gespräch zu führen, sodass er es nicht bemerkte. Also wandte ich mich wieder ab und setzte schließlich meinen Weg nach draußen fort.
Eilig holte ich meine Jacke aus der Garderobe und schwang danach die Eingangstür auf. Inzwischen deutlich kühlerer Nachtwind peitschte mir beim Öffnen entgegen und jagte mir einen Schauer über den Rücken. Der blasse Halbmond wurde von einer dichten Wolke verhüllt, sodass die Hoflaterne meine einzige Lichtquelle darstellte und ich aufpassen musste, um nicht aus Versehen falsch aufzutreten und die Stufen vor der Tür hinunterzufliegen.
Unten angekommen sog ich zunächst einmal einen Schwall kühler Luft in mich ein und ließ sie ganz langsam wieder ausströmen. Genau das brauche ich jetzt, dachte ich, während ich ein paar Schritte lief. Eine kleine Pause von dem ganzen Trubel da drin. Ein paar Momente nur für mich, um abzuschalten und meine Gedanken ganz in Ruhe zu sortieren. Um den Kopf freizubekommen und mich zu entspannen. Um nicht mehr über diesen Zwischenfall auf der Herrentoilette nachdenken zu müssen.
Vielleicht hatte ich mir die ganze Sache wirklich nur eingebildet. Vielleicht hatten mir meine Sinne einfach einen bösen Streich gespielt und mir nur vorgemacht, Gary würde aus dem Spiegel zu mir sprechen. Vielleicht hatte mich diese Party doch ein bisschen mehr geschlaucht als ich mir selbst eingestehen wollte. Immerhin war es doch nahezu unmöglich, dass er ausgerechnet hier auftauchte. Ausgerechnet heute an Halloween.
Wenn er tatsächlich noch immer von seinen Rachegelüsten zerfressen war und die Absicht verfolgte, mir zu schaden, warum hatte er mich nicht schon früher einmal aufgesucht? Warum sollte er ausgerechnet heute Abend auf mich lauern, noch dazu, wenn hier so viele Menschen waren, die ihn dabei beobachten konnten? Wenn er mich wirklich umbringen wollte, dann würde er das doch bestimmt nicht vor all diesen Leuten machen. Er würde einen günstigen Zeitpunkt abwarten, um mich ganz allein zu erwischen. Einen Moment, in dem ich ihm vollkommen schutzlos ausgeliefert war und er sicher sein konnte, dass niemand ihn bei seinem Vorhaben stören würde.
So einen Moment wie... diesen! Mein Herz fing an zu rasen, als mir bewusst wurde, dass ich in diesem Augenblick ja völlig allein und schutzlos ihm gegenüber war. Warum hatte ich daran nicht schon viel früher gedacht? Welcher Teufel hatte mich denn nur geritten, ganz alleine hier nach draußen zu gehen? Die ganze Zeit über war ich so darauf fixiert gewesen, Gary in der Menge ausfindig zu machen, dass ich darüber gar nicht nachgedacht hatte. Ich hatte nicht eine Sekunde lang in Betracht gezogen, dass er sich überhaupt nicht im Haus aufhalten musste. Genauso gut konnte er sich hier draußen versteckt halten – umgeben vom Schutz der Dunkelheit – und auf mich lauern.
Als ich mir dieser Sache bewusst wurde, schlug mir das Herz bis zum Hals und ich wollte einfach nur noch die Beine in die Hand nehmen und rennen. Wegrennen. Zurück ins Haus. Zurück zu Sparky und den anderen. Mich einhüllen in die Sicherheit der Masse. Doch mein Körper schien vor Panik wie erstarrt zu sein. Ich konnte mich keinen einzigen Schritt vom Fleck bewegen, war durch und durch von dieser Angst überflutet, die meinen Puls rasen ließ und mir das Atmen schwer machte.
Weg, redete ich mir selbst ein. Ich muss auf der Stelle weg. Gary ist hier. Das fühle ich. Er ist ganz in meiner Nähe und wartet nur darauf, mich endlich anzugreifen. Er wird mich umbringen, wenn ich nicht schleunigst verschwinde. Ich muss rein. Rein zu Sparky. Dort bin ich in Sicherheit. Also macht schon, Füße. Lauft. Lauft weg. Bringt mich zurück nach drinnen. Holt mich raus aus diesem Albtraum. Bitte!
Doch egal, wie angestrengt ich es auch versuchte, ich konnte mich nicht bewegen. Mein gesamter Körper schien wie eingefroren zu sein. Alles, was ich tun konnte, war dazustehen und meinen Blick nervös in alle Richtungen schweifen zu lassen. Du bist hier, Gary, nicht wahr?, dachte ich und spürte, wie meine Hände zu zittern begannen. Du wartest irgendwo da draußen auf den richtigen Moment, um mich anzugreifen. Ist es nicht so, Gary? Ist es nicht so?!
Plötzlich hörte ich hinter mir die Eingangstür ins Schloss fallen und wäre am liebsten vor Angst aufs Dach gesprungen. Mit einem schnellen Ruck fuhr ich herum und fühlte, wie mein Herz mir dabei fast aus der Brust hüpfte. „Timmy?“, hörte ich Sparkys Stimme fragen und stieß einen langen Seufzer der Erleichterung aus. „Sparky!“, rief ich und griff mir an die Brust, um meinen Herzschlag wieder zu beruhigen. „Du bist es. Dem Himmel sei Dank“.
„Wer sollte es denn bitte sonst sein?“, erwiderte er verwirrt und tastete langsam nach meiner Hand. „Meine Güte, Timmy, du zitterst ja“, rief er überrascht und legte mir beide Pfoten um die Hüften, während er sich an mich heranschmiegte. „Dir muss ja furchtbar kalt sein. Komm wieder mit rein, ja? Wir setzen uns zurück an unseren Tisch und ich wärme dich wieder auf. In Ordnung?“.
„Ich fürchte, daraus wird nichts“, rief eine Stimme aus der Dunkelheit, als ich gerade zu einer Antwort ansetzen wollte. Eine Stimme, die das Blut in meinen Adern gefrieren ließ. Bei der ich gehofft hatte, sie niemals – NIEMALS – wieder in meinem gesamten Leben hören zu müssen. Zeitgleich wandten Sparky und ich uns um und sahen, wie Gary sich von den Schatten der Nacht löste und aus der Dunkelheit hervortrat.
„Ich wusste es!“, rief ich aus, während ich instinktiv Sparkys Pfote umklammerte. „Ich wusste, dass ich mir das nicht eingebildet habe. Du hast aus dem Spiegel zu mir gesprochen, stimmt's?“. „Timmy, wer ist das?“, wollte Sparky verwundert wissen, doch ich schenkte dieser Frage gar keine Beachtung, fixierte mich stattdessen auf Gary, der mit zielstrebigen Schritten auf uns zukam und dabei ein unheimliches Lächeln im Gesicht hatte.
„Lange nicht gesehen, Tim-Tim“, erwiderte er auf meine Aussage, als er schließlich nur wenige Meter vor uns stehenblieb und mich mit diesem falschen Grinsen durch die Gläser seiner Sonnenbrille hindurch eindringlich musterte. „Hey, cooles Kostüm“, sagte er dann und schnalzte dabei mit der Zunge. „Als was hast du dich denn verkleidet, wenn ich fragen darf?“. „Was willst du, Gary?“, entgegnete ich und bemühte mich, möglichst selbstsicher zu klingen, wenngleich mir ziemlich flau im Magen war.
„Wie bitte?“, rief Sparky überrascht und starrte verblüfft zu ihm hoch. „Oh, natürlich“, entgegnete Gary daraufhin und reichte ihm demonstrativ die Hand. „Wie unhöflich von mir. Erlaube mir bitte, mich vorzustellen. Gary mein Name. Ich bin Timmys allererster und zugleich -bester Freund. Mit wem habe ich denn das Vergnügen?“. „Ich... ich heiße Sparky“, erwiderte er und schüttelte ihm kurz die Hand, bevor er sie reflexartig wieder zurückzog.
„Ach, du bist also Timmys Haustier“, entgegnete Gary in seinem aufgesetzt freundlichen Ton. „Das ist ja interessant. Freut mich, dich endlich mal persönlich kennenzulernen“. „Was willst du hier, Gary?“, fragte ich ihn misstrauisch und legte meine Hand automatisch um Sparkys Schulter. „Und woher weißt du das überhaupt?“. „Ach Tim-Tim“, sagte er und schüttelte kurz den Kopf. „Mein süßer, kleiner Tim-Tim. Ich weiß absolut alles über dich. Ich bin schließlich ein Teil von dir, schon vergessen?“.
„Und was zum Teufel willst du hier?“, wollte ich wissen und versuchte, möglichst sachlich und ruhig zu bleiben. „Was sollte diese dämliche Nummer mit dem Spiegel?“. „Verzeih mir bitte“, antwortete er und warf mir einen kurzen Blick zu. „Aber ich wusste mir nicht anders zu helfen. Ich hatte Sehnsucht nach dir, Tim-Tim. Deshalb habe ich mir die Freiheit genommen, dich mit einem spontanen Besuch zu überraschen. Freust du dich denn nicht, mich zu sehen?“.
„Ob ich mich freue?“, zischte ich aufgeregt. „Ob ich mich freue?! Du hast zweimal versucht, mich umzubringen. Du hast mich nach allen Regeln der Kunst schikaniert. Lächerlich gemacht hast du mich. Ausgelacht und verspottet. Und jetzt, nach sechs Jahren, tauchst du einfach aus dem Nichts wieder auf und tust so, als wäre zwischen uns nie irgendetwas vorgefallen. Und da fragst du mich allen Ernstes noch, ob ich mich freue, dich zu sehen?!“.
„Du trägst mir diesen Streit von damals also immer noch nach, was?“, wollte er wissen und sein Lächeln verschwand. „Du konntest dich noch nicht dazu durchringen, mir zu verzeihen?“. „Dir verzeihen?!“, schrie ich ihn außer mir an. „Ich soll dir verzeihen? Nach all deinen hinterlistigen Intrigen? Ich glaube, du tickst nicht mehr ganz richtig!“. „Ach komm schon, Tim-Tim“, entgegnete er und suchte den Blickkontakt mit mir. „Das ist schon Ewigkeiten her. Ich weiß ja, dass es nicht fair von mir war, dich so zu hintergehen und auszutricksen. Aber ich war sehr enttäuscht darüber, dass du mich vergessen hast. Ich wollte dir nicht schaden, Timmy, wirklich nicht. Ich war einfach so besessen von diesem ewigen Verlangen nach Rache, dass ich mir über Konsequenzen meines Verhaltens keine Gedanken mehr gemacht habe. Aber inzwischen ist mir klargeworden, wie sehr ich dich damit verletzt haben muss. Dabei war das doch immer das letzte, das ich wollte. Du bist mein bester Freund, Tim-Tim. Und ich weiß, dass die Wunden, die ich dir zugefügt habe, auch heute noch wie Feuer brennen. Aber du musst mir glauben: Ich habe mich geändert. Ich habe mich wirklich geändert. Und ich würde mir nichts sehnlicher wünschen als wieder dein Freund sein zu dürfen“.
„Du hast dich geändert, aber sicher...“, entgegnete ich sarkastisch und stieß ein trockenes Lachen aus. „Pah, wer's glaubt! Du bist ein Lügner, Gary. Ein schmutziger, widerlicher und dazu noch grottenschlechter Lügner. Dein billiges Gequatsche von Einsicht und so weiter kannst du irgendjemand anderem auf die Nase binden. Aber ich glaube dir nicht ein einziges Wort. Niemals wieder, hast du das verstanden, du Mistkerl? Und jetzt tu mir bitte einen Gefallen und verschwinde. Geh dorthin zurück, wo du hergekommen bist und lass uns in Ruhe. Je schneller ich dich wieder los bin, desto besser“.
„Aber Tim-Tim...“, erwiderte er und senkte deprimiert seinen Blick. „Du kannst mich doch jetzt nicht einfach wieder wegschicken. Ich will mich doch mit dir aussprechen. Ich möchte wieder dein Freund sein, Timmy. Ehrlich“. „Steck dir dein Gesäusel an den Hut!“, schnauzte ich ihn wütend an. „Du und ich werden niemals wieder Freunde sein, Gary. Niemals wieder, hast du das kapiert? Von mir aus kannst du dich im nächsten Loch verkriechen und dort vermodern!“.
„Timmy...“, mischte Sparky sich plötzlich ein und atmete erschrocken auf. „Was sagst du denn da?“. „Halt dich da raus, Sparky“, entgegnete ich bestimmt. „Diese Sache geht nur Gary und mich was an. Außerdem ist es doch wahr. Meinetwegen kann er sich auf der Stelle wieder dorthin verkriechen, wo er hergekommen ist. Er kann zurück zur Insel der Unerwünschten verschwinden und von mir aus da krepieren. Das ist mir vollkommen egal. Er hat sich schließlich auch nicht darum geschert, ob ich bei seinen Racheaktionen verletzt werde oder nicht“.
„Das tut weh, Tim-Tim“, flüsterte Gary enttäuscht und ließ betrübt den Kopf hängen. „Das tut wirklich weh. Bedeute ich dir denn überhaupt nichts mehr? Hast du unsere vielen Abenteuer alle schon vergessen? Weißt du nicht mehr, wie schön es damals mit uns war?“.
„Halt die Klappe!“, schnauzte ich ihn an und stampfte mit meinem Fuß auf den Boden. „Halt deine dreckige Klappe, Gary! Du Egoist denkst sowieso immer nur an dich selbst. Also erzähl mir nichts von damals, denn diese Zeit ist schon lange vorbei. Du hast versucht, mich umzubringen, du Bastard. Und das werde ich dir niemals verzeihen. Niemals, hast du gehört? Also tu uns allen am besten einen Gefallen und scher dich zur Hölle. Verschwinde in das Drecksloch, aus dem du gekommen bist und lass mich in Ruhe. Ich will nichts mehr – aber wirklich gar nichts mehr – mit dir zu tun haben!“.
„Tim-Tim...“, flüsterte er erneut mit brüchiger Stimme. „Bitte lass mich doch...“. „Halt die Schnauze!“, fuhr ich ihn aufgebracht an und stürmte auf ihn zu. Wutgeladen schmetterte ich ihm mit voller Wucht meine Hand ins Gesicht, woraufhin ihm Tränen über die Wangen kullerten und er sich auf die Knie sinken ließ. „Verschwinde, du verdammtes Ekel!“, keifte ich giftig. „Lass Sparky und mich endlich in Ruhe und spar dir deine billigen Erklärungsversuche. Ich will deinen erbärmlichen Anblick niemals wieder in meinem Leben ertragen müssen, hast du kapiert? Oh, und wenn du es noch ein einziges Mal wagst, mich Tim-Tim zu nennen, dann schlage ich dir solange in deine dreckige Fresse, bis du mit deinen Zähnen Ping Pong spielen kannst, verstanden?!“.
Gary winselte, als ich ihm diese Worte entgegengeschleudert hatte und hielt sich mit einer Hand die schmerzende Wange. Er heftete seinen tränenblinden Blick zu Boden und biss sich auf die Unterlippe. „Timmy! Hör auf!“, rief Sparky plötzlich dazwischen und eilte dann zu uns herüber. Vollkommen entsetzt über mein eben dargebotenes Verhalten starrte er mich an, konnte gar nicht richtig glauben, was ich da gerade alles gesagt und getan hatte.
„Bist du wahnsinnig?!“, schrie er mich fassungslos an. „Du kannst doch nicht einfach zuschlagen!“. „Dieser Mistkerl hat es doch nicht besser verdient!“, entgegnete ich scharf. „Er hat versucht, mich umzubringen!“. „Das ist Jahre her!“, erwiderte Sparky, während er vorsichtig ein paar Schritte auf Gary zuging, der noch immer winselnd auf seinen Knien kauerte. „Er hat sich bei dir entschuldigt. Er will wieder dein Freund sein. Und du schlägst einfach zu! Das tut man doch nicht!“. „Halt dich bitte da raus, Sparky...“, versuchte ich zu sagen, doch er fiel mir lautstark ins Wort.
„Nein!“, rief er und warf mir einen enttäuschten Blick zu. „Nein, Timmy, ich werde mich nicht raushalten. Nicht, wenn du dabei handgreiflich wirst. Es mag ja sein, dass Gary einen schlimmen Fehler begangen hat. Ich weiß auch nicht genau, wie das damals zwischen euch beiden war. Aber was ich weiß, ist, dass man irgendwann auch mal über seinen Schatten springen und dem anderen seine Fehler verzeihen muss. Gary bemüht sich doch wirklich darum, dein Vertrauen zurückzugewinnen und wieder dein Freund zu sein. Er will dir die Hand zur Versöhnung reichen und alles vergessen, doch du schlägst sie einfach beiseite. Auch wenn ich euren Streit damals nicht miterlebt habe, muss ich mich doch fragen, wie es sein kann, dass er stark genug war, um zwei beste Freunde von einem Tag auf den nächsten auseinanderzureißen. Als du mir vor kurzem die ganze Geschichte erzählt hast, habe ich immer wieder sehr lange Zeit darüber nachgedacht und mich gefragt, ob es zwischen euch beiden vielleicht doch noch Hoffnung auf Versöhnung gibt. Und plötzlich, völlig unerwartet, bekommst du die Möglichkeit dazu, eure Differenzen zu klären und endlich Frieden mit Gary zu schließen. Aber du willst sie nicht nutzen, beschimpfst ihn stattdessen nur und tust ihm auch noch weh. Das ist schäbig, Timmy. Total schäbig ist das“.
„Sparky, ich...“, wollte ich beginnen, als er mir seine Meinung dazu gesagt und mir den Kopf gewaschen hatte, doch er hob nur seine Pfote, brachte mich dadurch wieder zum Schweigen. „Ich bin noch nicht fertig“, setzte er fort und sah kurz auf Gary hinab, der sich beide Hände vors Gesicht geschlagen hatte und weinte. „Ich kenne Gary nicht“, fügte er dann hinzu. „Ich weiß nicht, wie es damals war und was genau die tiefen Wunden zwischen euch verursacht hat. Ich weiß nicht, wie es passieren konnte, dass ihr euch so weit voneinander entfernt habt, anstatt euch miteinander auszusprechen. Aber eine Sache weiß ich ganz sicher, Timmy: Gary ist auch nur ein Mensch, genau wie du. Jeder Mensch macht mal einen Fehler. Und jeder Mensch verdient eine zweite Chance, um ihn wiedergutzumachen“.
Mit diesen Worten ließ er sich auf die Knie sinken und griff dann ganz vorsichtig nach Garys Hand. „Komm hoch, Gary“, flüsterte er ihm zu, während er sie streichelte. „Steh wieder auf. Du wirst sonst noch erfrieren“. „Und wenn schon“, heulte Gary zur Antwort. „Das wäre Timmy doch sowieso am liebsten!“. „Das stimmt nicht“, warf ich schnell ein und ging ein paar Schritte auf ihn zu. „Bitte glaub mir, Gary, das ist nicht wahr“. Langsam ließ ich mich ebenfalls auf die Knie fallen und versuchte, Blickkontakt mit ihm zu bekommen, was er jedoch zunächst nicht zulassen wollte.
„Gary, sieh mich an“, bat ich ihn und tat dann etwas, von dem ich glaubte, es niemals wieder in meinem Leben zu tun. Ich nahm seine Hand. Ich griff nach ihr und umschloss sie ganz fest mit meiner, während ich einen weiteren Versuch unternahm, ihm ins Gesicht zu sehen. „Du bist ganz kalt“, musste ich feststellen und bückte mich ein Stück näher zu ihm heran, ehe ich meinen Arm bei ihm einhakte und ihm dabei half, wieder hochzukommen.
„Komm, steh auf“, bat ich ihn, als ich merkte, dass er sich gegen mich sträubte. „Bitte steh auf, Gary. Sonst wirst du noch krank“. „Was kümmert dich das denn?!“, keifte er mich verletzt an und versuchte, mich von sich zu weisen. „Wenn ich hier draußen draufgehe, dann hast du wenigstens, was du willst“. „Aber Gary, das war doch gar nicht so gemeint“, erwiderte ich und zog ihn schließlich mit all meiner Kraft nach oben. „Das habe ich einfach nur so dahergesagt, ohne großartig darüber nachzudenken. Natürlich möchte ich nicht, dass dir irgendetwas passiert, Gary. Du bist mir doch wichtig“.
„Bin ich das, ja?“, wollte er mit einem Schluchzen wissen, noch immer sehr gekränkt von meinen harten Worten. „Aber natürlich bist du das“, antwortete ich und legte meine Hand in seine. „Egal, was ich gerade zu dir gesagt habe – du bist mir wichtig, Gary. Sogar sehr wichtig. Darum gib dich bitte nicht auf. Ich brauche dich“. „Plötzlich bin ich dir also wieder wichtig, ja?“, wollte er wissen und wies mich zurück, als ich sein Gesicht berühren wollte.
„Nein, schon immer“, antwortete ich, während ich mit meinen Gefühlen kämpfte. „Du warst mir immer schon sehr wichtig. Ich habe dich immer in meinem Herzen getragen, egal, wie weit wir auch voneinander entfernt gewesen sind. Ich war glaube ich einfach zu stolz dazu, es mir einzugestehen. Aber glaub mir, es ist die Wahrheit. Es ist die absolute Wahrheit“. Langsam legte ich die Hand auf seine Schulter, als ich das gesagt hatte und drückte ihn dann vorsichtig an mich heran. „Ich habe dich lieb, Gary“, flüsterte ich ihm leise zu und spürte, dass auch mir ein paar Tränen über die Wangen kullerten. „Ich hatte dich immer schon sehr lieb, egal, was auch zwischen uns gewesen ist“. Er erwiderte nichts darauf, ließ nur ein Schluchzen verlauten, während ich meine Hand behutsam in seinem schwarzen Haar vergrub und ihn streichelte.
Auch wenn ich es nur ungern zugab, aber Sparkys Standpauke hatte mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Sie hatte mir die Augen geöffnet und klargemacht, dass Gary mir noch immer unheimlich viel bedeutete. Er war mir nicht gleichgültig – das war er niemals gewesen. Egal, wie heftig wir uns damals auch gestritten hatten. Auf die ein oder andere Weise hatte er immer eine Rolle in meinem Leben gespielt. Auch wenn ich es mit allen Mitteln zu verdrängen versucht hatte. Ganz tief in mir war die Erinnerung an ihn immer dagewesen. Und ich wusste, dass sie für alle Zeit da sein würde. Weil ich ihn liebte. Weil er trotz allem noch mein Freund war. Mein allerbester Freund.
Deswegen entschied ich mich dazu, die Vergangenheit hinter mir zu lassen und einen Neuanfang mit ihm zu machen. Ich wollte ihm verzeihen. Ihm alles verzeihen, was sich zwischen uns abgespielt hatte und nach vorne blicken. Immerhin war er nur meinetwegen wieder da. Nur wegen mir war er wieder nach Dimmsdale zurückgekommen. Weil er mich vermisst hatte. Genau wie ich ihn auch.
„Pssst“, flüsterte ich ihm leise ins Ohr und löste mich vorsichtig aus unserer Umarmung. „Ist ja schon wieder gut. Nicht mehr weinen, Gary, okay? Es ist alles wieder gut“. Mit diesen Worten tupfte ich ihm vorsichtig die Tränen weg und legte ein unsicheres Lächeln auf. „Lass uns diese Sache ein für alle Mal hinter uns lassen und neu anfangen. Was hältst du davon?“. „N-neu anfangen?“, fragte er nach und sah mich erstaunt an. „Was... was meinst du damit?“.
„Ich verzeihe dir“, antwortete ich und fuhr ihm mit den Fingern durch die Haare. „Ich verzeihe dir alles, was damals zwischen uns war. Weil du mir noch immer sehr wichtig bist. Ich liebe dich, Gary. Ich habe dich immer geliebt. Darum möchte ich diesen Streit endlich vergessen und sehr gerne wieder dein Freund sein. Sofern du das noch möchtest, natürlich“.
„W-wirklich?“, wollte er wissen, was ich mit einem kurzen Nicken bestätigte. „Wirklich, Gary“, versicherte ich ihm. „Ich verzeihe dir. Ich verzeihe dir alles. Und ich hoffe, dass du mir meinen Ausraster von gerade eben auch verzeihen kannst. Ich wollte dir nicht wehtun, Gary. Wirklich nicht. Ich weiß nicht, was da in mich gefahren ist“.
„Meinst du das ehrlich?“, fragte er gerührt, woraufhin ich zustimmend nickte. „Ganz ehrlich, Gary. Ich meine es wirklich ganz ehrlich“. „Oh... Timmy... ich... ich...“, wollte er erwidern, doch ich bedeutete ihm mit einem kurzen Wink, zu schweigen. „Nenn mich Tim-Tim“, meinte ich dann und lächelte. „Nenn mich einfach nur Tim-Tim, okay?“.
Auf diese Worte hin fiel er mir noch einmal um den Hals und weinte gerührt. Behutsam klopfte ich ihm ein paar Mal auf den Rücken und schaute ihm noch einmal in die Augen. „Na, na“, flüsterte ich und strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ist ja schon wieder gut. Lass uns diese ganze Sache jetzt einfach vergessen und wieder Freunde sein, in Ordnung?“. Er nickte nur, sagte aber nichts darauf. Dann legte er seinen Kopf auf meine Schulter, während ich meine Hand durch seine seidige, schwarze Mähne gleiten ließ.
Plötzlich spürte ich Sparkys kleine Pfote auf meiner Hand und blickte kurz zu ihm hinunter. Ein zufriedenes Lächeln schmückte sein Gesicht, offensichtlich war er auch sehr glücklich darüber, dass Gary und ich unseren Streit beigelegt und uns wieder vertragen hatten. Aus einer Reflexhandlung heraus beugte ich mich zu ihm hinunter und nahm ihn dann langsam auf meinen Arm.
„Danke“, flüsterte ich ihm zu und drückte einen raschen Kuss auf seine Schnauze. „Wofür?“, erwiderte er und sah mich ein bisschen erstaunt an. „Für alles, Sparkylein“, antwortete ich leise. „Aber vor allem dafür, dass du mir die Augen geöffnet hast. Wenn du nicht dazwischengegangen wärst, hätten Gary und ich unseren Streit wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit weitergeführt“.
„Das habe ich doch gern gemacht“, entgegnete er mit einem geschmeichelten Lächeln. „Ich kann es einfach nicht ausstehen, wenn zwei Leute sich so heftig zanken. Vor allem dann nicht, wenn sie früher einmal beste Freunde waren. Freundschaft ist eines der wertvollsten Dinge, die wir auf dieser Welt haben. Deshalb sollte jeder einzelne von uns alles dafür geben, um sie sich zu erhalten“. „Da hast du absolut Recht“, stimmte ich ihm lächelnd zu. „Mein kleines, schlaues Sparkylein“. Mit diesen Worten zog ich ihn in einen neuen Kuss und presste ihn so fest ich konnte an mich heran, dabei völlig außer Acht lassend, dass man uns dabei beobachtete.
Erst, als Gary sich durch ein kurzes Räuspern bemerkbar machte, löste ich mich schließlich von Sparky und setzte ihn wieder auf dem Boden ab. „Tschuldigung“, sagte ich mit einem verlegenen Lächeln zu Gary und zuckte unbeholfen mit den Schultern. „Er ist einfach zu niedlich“. „Sieht ganz so aus, als wäre mein Tim-Tim ein kleines bisschen verschossen“, antwortete er, während sich ein Grinsen über sein Gesicht legte.
„Nicht nur ein bisschen“, ließ ich ihn kichernd wissen und warf Sparky einen kurzen Blick zu. „Stimmt's, mein Hübscher?“. „Äh... ja...“, gab er mir Recht und räusperte sich verlegen. „Timmy und ich... ähm... wir sind zusammen“. „Oha“, rief Gary aus und grinste noch breiter. „Das sind aber interessante Neuigkeiten. Dann würde ich mal sagen: Herzlichen Glückwunsch euch beiden“. „Danke“, antwortete ich geschmeichelt, bevor ich mich noch einmal zu Sparky hinunterbeugte und ihn auf meine Arme hob. „Wir sind auch sehr glücklich zusammen. Stimmt's, Sparkylein?“. „Allerdings“, gab er mir Recht und legte ebenfalls ein Grinsen auf. „Das sind wir“.
„Das freut mich für euch“, meinte Gary begeistert und streichelte Sparky kurz über den Kopf. „Und ich möchte es natürlich nicht versäumen, euch alles Gute zu wünschen“. Mit diesen Worten klopfte er mir freundschaftlich auf den Rücken und zwinkerte. „Du machst das schon, Tim-Tim“, meinte er, bevor er sich wieder an Sparky wandte.
„Und jetzt zu dir“, sagte er in gespielt mahnendem Ton. „Pass du mir ja gut auf Tim-Tim auf. Und wehe dir, wenn du es wagst, ihn unglücklich zu machen. Dann kriegst du es mit mir zu tun, verstanden?“. „Mach dir keine Sorgen, Gary“, warf ich ein und schüttelte demonstrativ den Kopf. „Das wird nicht passieren, da bin ich mir ganz sicher“. „Dann ist es ja gut“, entgegnete Gary neckend und kraulte Sparky kurz über den Bauch, woraufhin dieser kurz zitterte.
„Ist dir kalt, Sparkylein?“, wollte ich wissen und drückte ihn fest an mich heran. „Ein bisschen“, antwortete er, während er seine Pfote um meinen Nacken schwang. „Sollen wir wieder reingehen?“, bot ich ihm an, was er mit einem leicht unsicheren Nicken bestätigte. „Wenn möglich“, meinte er dann und ließ seinen Blick zu Gary hinüberwandern.
„Naja...“, sagte dieser darauf hin und stieß ein kurzes Seufzen aus. „Dann werde ich mich mal wieder auf den Weg machen, ja? Nicht, dass dein Sparkylein sich meinetwegen noch eine Erkältung holt“. „Du willst schon gehen?“, erwiderte ich erstaunt, was er mit einem Schulterzucken beantwortete. „Warum kommst du nicht mit rein?“, schlug ich ihm vor und lächelte. „Du willst doch nicht die aufregendste Party des Jahres verpassen, oder?“.
„Naja, das ist ein netter Vorschlag“, entgegnete Gary nachdenklich. „Aber ich würde euch zwei Turteltäubchen bestimmt nur stören“. „Ach was, Quatsch“, wehrte ich schnell ab und schüttelte den Kopf. „Von trauter Zweisamkeit kann hier sowieso keine Rede sein. Da drinnen ist die Hölle los“. „Nun...“, meinte Gary, noch immer überlegend. „Jetzt komm schon“, quengelte ich und stupste ihn freundschaftlich an. „Gib dir einen Ruck. Komm mit uns rein. Wird ganz bestimmt cool“.
„Na, also schön“, gab er sich schließlich geschlagen und willigte in meinen Vorschlag ein. „Aber nur unter einer Bedingung“. „Welche denn?“, fragte ich mit einem erwartungsvollen Lächeln. Er wandte sich noch einmal Sparky zu, bevor sich ein Grinsen auf sein Gesicht legte. „Ich darf auch mal mit Tim-Tim tanzen, einverstanden?“. „Wieso nicht“, antwortete ich an seiner Stelle und kicherte. „Wenn du das möchtest“.
Mit diesen Worten streckte ich meine Hand nach ihm aus und wir liefen zusammen den Weg entlang zur Eingangstür. Ein Lächeln lag dabei auf meinen Lippen, weil ich bereits zu diesem Zeitpunkt eine Sache haargenau wusste: Es würde ganz bestimmt noch eine ziemlich lange Nacht werden. Und eine aufregende noch dazu.
Und noch eines wusste ich: Es war die absolut richtige Entscheidung gewesen, Trixies Einladung anzunehmen und hierherzukommen. Sparky und ich hatten unser erstes, öffentliches Date und konnten in Zukunft offen zu unserer Liebe stehen. Darüber hinaus hatten Gary und ich uns nach sechs Jahren Funkstille endlich ausgesprochen und wieder vertragen. Ich hatte endlich meinen engsten Freund zurück. Und ich versprach mir ganz fest, ihn niemals wieder fortgehen zu lassen.
„Tim-Tim? Kommst du?“. Gary unterbrach meine Gedanken, als er meinen Namen rief und warf mir von der Tür aus ein Lächeln zu. „Ja, natürlich“, antwortete ich rasch und folgte ihm, Sparky noch immer auf dem Arm tragend, nach drinnen.
Ein unglaublicher Abend, dachte ich dabei und lächelte schweigend in mich hinein. Eine unglaubliche Party. Eine unglaubliche Nacht, die vor uns lag und mit Sicherheit noch so einige Überraschungen auf Lager haben würde. Ein unglaubliches Halloween.
Das beste meines gesamten Lebens.
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