Die Höhle

OneshotThriller, Angst / P18
Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle
25.09.2016
25.09.2016
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Hallo !

Es freut mich, dass ihr zu dieser Kurzgeschichte gefunden habt.

Sie ist ein Beitrag zu dem Und ich bereue nichts! - Wichteln von Kyeira.
Mein Wichtelkind ist  Amaineko und ihre Vorgaben lauteten:

Max. erwünschtes Rating: P18 (kein Slash)
Fandom: Harry Potter
Charakter: Tom Riddle jr.
Was der Charakter nicht bereut: die zwei Waisenkinder Amy Benson und Dennis Bishop in die Höhle geführt zu haben
Sonstiges: Als Setting: Tom wird zur Waisenhausleitung  Mrs Cole zitiert, weil die beiden Kinder nach dem Ausflug völlig verstört sind.

Wie immer gilt:
Alle Figuren und Handlungsorte gehören J. K. Rowling.
Diese Geschichte entspringt meiner eigenen Fantasie und ich verdiene kein Geld damit.

Wie jeder Autor würde ich mich natürlich über Feedback, sei es in Form von Lob oder auch gerne Kritik, freuen.

Viel Spaß beim Lesen!
Vor allem natürlich dir, Amaineko. Ich hoffe, ich konnte dir damit eine Freude machen.

____________________________________________________



In einem jeden von uns kämpfen zwei Eigenschaften: Das Gute und das Böse.
Der Streit dauert unser ganzes Leben und einer muss gewinnen.
Es liegt an uns selber, was wir wählen.

Robert Louis Stevenson




Eine glatte Wasseroberfläche zwischen scharfkantigen Felsen.

Einsam.
Verborgen.
Ruhig.
Unschuldig.

Bedrohlich.

Rein und sündhaft zugleich.

Er spürte es.

Spürte so viel mehr, als andere sehen konnte.

Fühlte die Anziehung.
Die Faszination.

Das Versprechen auf mehr.

Auf Angst.
Gefahr.
Schmerzen.
Leiden.





Als er ihr in die Augen sah, entdeckte er sie wieder.  
Furcht. Abscheu. Bedrohung.
Nichts anderes als das pure Grausen las er in ihren Augen, sobald sie seinen Blick in ihrem Rücken spürte und sich zu ihm umwandte.
Immer. Auch heute wieder. Sie waren verlässliche Begleiter.

„Danke, Theresa.
Du gehst am besten zu Daisy und Emma hoch. Sie können Hilfe bei der Verteilung des Lebertrans gebrauchen. Und achtet auf Eric Whalley. Sonst artet das Ganze wieder in ein Chaos aus.“

Sie nickte. Linkisch. Ungelenk. Ein verstohlener Blick in seine Richtung – kurz, nervös – dann war sie weg. Sie verschwand auf genauso unscheinbare Art und Weise, wie sie bei ihm aufgetaucht war. Die Erleichterung, die ihren Körper auf der anderen Seite der Tür befiel, konnte er fast riechen.


„Halt! Warte doch, Tom!“

Zwei Kinder sprangen einen Hügel hinab.
Sand spritzte.

Die blonden Zöpfe des Mädchens flogen in der Luft.
Ihr Rock blähte sich auf wie ein Ballon.

Der Junge klopfte sich nach der Landung den Dreck von der Hose.
„Nun komm schon“, raunte sie ihm zu und zog ihn mit sich.

Hand in Hand rannten die beiden das letzte Stück bis zur Klippe.
Keuchend blieben sie dort stehen.

„Bis du sicher, Tom, dass das eine gute Idee ist?“, fing sich das Mädchen als Erste.
„Jaah“, ergänzte der Junge, „Mrs. Cole wird sowieso schon wütend sein,
weil wir so weit weg sind.“
Er sah zurück zu den Hecken.

„Ihr wolltet doch ein Abenteuer erleben. Da habt ihr es.“
Der Junge mit den dunklen Haaren und den fein geschnittenen Gesichtszügen verzog keine Miene.
Starr stand er am Rand des Abgrunds und blickte nach unten.

Die beiden Kinder warfen sich einen Blick zu. Dann wagte der Junge einen Schritt nach vorne.
Schnell trat er wieder zurück.

„Das ist verdammt hoch.“

„Das Wasser fängt euch auf.“

„Jim Hawkins ist auch keine so steilen Felsen hinabgeklettert.“
Vorsichtig streckte das Mädchen den Kopf aus.

„Wollt ihr nun mit oder nicht?“

Die Frage war ruhig gestellt
– keine Provokation, kein Zwang.
Umso bedrohlicher, die darin mitschwingende Schärfe, die unausgesprochenen
Konsequenzen einer Ablehnung, die zwischen ihnen schwebten.

Schließlich nickte das Mädchen.
„Also gut, wir kommen mit.“


„Setz dich, Tom.“ Margret Cole lächelte nicht. Das tat sie selten. Aber auch ohne das Zeichen eines Lächelns wirkte sie heute nicht freundlich gestimmt.
Er spürte ihren Widerwillen, ihren Missmut, dass sie sich schon wieder um ihn zu kümmern hatte. Dass es schon wieder Unerklärlichkeiten im Waisenhaus gab und sie nun Licht ins Dunkel bringen musste.

Ihrem Befehl folgend setzte er sich, während sie neben dem Schreibtisch stehen blieb.
„Nun Tom, ich denke du weißt wegen was ich dich sprechen will.“
„Es ist wegen Amy Benson und Dennis Bishop, nicht wahr? Weil sie noch immer in der Anstalt sind.“ Unentwegt blickte er sie an. Die Hände auf dem Schoß gefaltet, den Rücken gerade, die Gesichtszüge offen und voller Kenntnis.  
„Ja.“ Sie tat einen Schritt nach vorne. „Die beiden sind noch immer bei Professor Cainam. Er sagt, dass sie wohl einen großen psychischen Schock erlitten haben und darauf mit Abwesenheit und Rückzug reagieren.“ Mrs Cole machte eine Pause.
Ihm war nicht entgangen, dass sie bereits nach jedem Satz kurz gewartet und ihn nie aus den Augen gelassen hatte, um keine seiner Reaktionen zu verpassen. Doch außer, dass seine Mimik eine verbissene Anspannung annahm, regte er sich nicht.

„Die beiden sind wohl immer noch so schreckhaft, dass es noch ungewiss ist, wann sie zurück zu uns können. Sie haben Probleme durchzuschlafen. Liegen die ganze Nacht wach und wollen trotzdem nicht erzählen, was sie belastet.
Dabei meint Professor Cainam, dass es ihnen besser gehen würde, wenn sie darüber sprechen würden. Das würde ihnen helfen, das Geschehene zu verarbeiten und damit umzugehen. Aber zu mehr, als dass sie eine Höhle erkundet haben, lassen sie sich nicht hinreißen.“

Erneut wartete sie, aber noch immer keine Reaktion.

„Du warst bei ihnen, Tom. Ich weiß es. Ich habe gesehen, wie ihr zurückgekommen seid.
Erzähl‘ mir, was bei euerm ‚Ausflug‘ passiert ist.“


Der steife Meerwind blies kräftig. Er zerrte an ihren Kleidern und zerstrubbelte ihre Haare.
Der schrille Ruf des Jungen wurde von ihm davon getragen.

„Ich kann nicht mehr!“
Mühsam klammerte er sich an einen scharfkantigen Vorsprung.
Seine Arme zitterten, die Fingerknöchel waren weiß.

„Halt durch, Dennis! Es ist nicht mehr weit!“
Tapfer hielt sich das Mädchen einige Meter unter ihm an der steilen Felswand.
Der Wind zog an ihrem Rock und drückte mit aller Gewalt auf ihre schmächtige Gestalt.
Als sie einen Blick hinab riskierte, sah sie nur schäumendes Weiß und Blau.

Die Klippe war übersät von kleinen Steinvorsprüngen.
Damit bot sie zwar genügend Abstiegsmöglichkeiten,
doch ihre Steilheit und die Aussicht, in der tobenden Brandung
zwischen kleineren Felsspitzen zu enden,
schreckte selbst die Wagemutigsten unter den Wagemutigen ab.
Ein falscher Schritt und man war tot.

Verbissen kämpften sich beide Meter um Meter nach unten,
während der dunkelhaarige Junge mühelos hinabkletterte.
Er konnte sich nicht erklären, woher seine Sicherheit kam.
Er wusste nur, dass ihm nichts passieren würde.
Und diesbezüglich war er sich so sicher, wie er es auch bei der Existenz der Höhle war.
Dass sie diese noch nicht erreicht hatten, wurde ihm allerdings jäh in Erinnerung gerufen.

Ein gellender Schrei.
Dann nur noch das Brausen des Windes und ein herabstürzender Körper.

„Amy! A–“
Der Ruf des Jungen ging in einem Schrei der Angst unter.

Entsetzt starrte der dunkelhaarige Junge nach oben und musste mit ansehen, wie zwei Kinderkörper
vom Himmel herabfielen.


Nein! Das durfte nicht sein!
Sie durften nicht sterben!
Es würde alles umsonst sein, wenn sie auf den harten Felsen zerschmetterten
oder im tiefen Wasser untergingen!

Die Angst ergriff auch ihn.
Hilflos hing er an der Wand und sah, wie seine Begleiter stürzten
und sich den tödlichen Fluten näherten.

Noch drei Sekunden.
Noch zwei.
Noch eine.

Vorbei.

Doch der Schrei des Todes blieb aus.

Mit aufgerissenen Augen starrte er fasziniert auf ihre
knapp über der Wasseroberfläche schwebenden Körper.

Allerdings war der Zauber so schnell vorbei wie er gekommen war.
Als wäre eine unsichtbare Sperre gelöst worden, wurde die Schwebe aufgehoben
und die beiden Kinder fielen in das Meer.


Mrs Coles Stimme hatte sich verändert. Nicht sanft lockend wie zuvor, sondern fest und drängend war sie nun. Er spürte, dass sie entschlossen war, anders als die letzten Male, heute mehr aus ihm herauszuquetschen. Doch genauso sicher wusste er, dass er auch dieses Mal über die Vorkommnisse schweigen würde.

Weil er nicht anfing, hakte sie nach. „Wie seid ihr überhaupt da hinunter gekommen?“
„Wir sind gesprungen.“ Mit Leichtigkeit kamen ihm diese Worte über die Lippen.
„Gesprungen?“ Entsetzt riss Mrs Cole die Augen auf. Bilder des tosenden Meeres und ihrer hin und her gepeitschten, zarten Körper mussten vor ihren Augen erscheinen. Bilder, die jeden Menschen in Fassungslosigkeit und Schrecken versetzt hätten, bei denen sie sich allerdings erstaunlich schnell fing. Sie schluckte einmal und fuhr dann unbeirrt fort.
„Ihr seid also gesprungen, nun gut. Aber woher habt ihr überhaupt gewusst, dass dort unten eine Höhle ist? Das sieht man doch nicht von oben.“
„Doch, denn statt zu branden ist das Wasser weitergeflossen.“
Margret Coles Stirn glättete sich. Sie nickte.

Er musste zugeben, dass sie, was das anging, anders war als die ganzen Helferinnen – vor allem als das dumme Ding, das ihn hier her gebracht hatte. Sie war nicht so leichtgläubig, nicht so leicht zu verschrecken. Sie hatte klare Vorstellungen und einen starken Willen und ließ sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Auch ihr ganzes Auftreten – die stehende Position, die verschränkten Arme, der harte Blick – ließ keinen Zweifel daran, dass sie einschüchternd sein konnte.
Bei Robert Anson, Eric Whalley oder Billy Stubbs hätte diese Haltung wohl funktioniert. Aber nicht bei ihm. Er ließ sich nicht verunsichern.

„Also gut. Ihr habt entdeckt, dass dort unten etwas sein muss und seid dann hinuntergesprungen. Dass das mehr als leichtsinnig ist muss ich dir nicht sagen. Aber warum? Habe ich nicht gesagt, dass ihr euch nicht weiter als bis zu den Hecken entfernen dürft?“ Ihre Stimme nahm einen grollenden Unterton an.
„Sie wollten ein Abenteuer erleben.“
Sie?“ Margret Cole zog eine Augenbraue hoch.
„Amy und Dennis.“
„Tom, du weißt, dass man nicht lügen soll.“ Als spräche sie mit einem uneinsichtigen Kind schüttelte sie den Kopf. „Daher frage ich dich nochmal: Warum seid ihr dort hinunter?“
„Wie ich schon sagte.“ Seine Hände ballten sich zu Fäusten und seine Stimme nahm einen gröberen Tonfall an. „Die beiden wollten ein Abenteuer erleben. So wie Jim Hawkins, von dem Sie uns vorgelesen haben.“

Margret Cole schloss kurz die Augen und atmete tief durch. Ihre Hände krallten sich in ihre Oberarme.
Zufrieden stellte er fest, dass ihr seine indirekte Schuldzuweisung nicht entgangen war. Und er wusste, dass sie ihn am liebsten angeschrien hätte, wie sie es bei Abigail Jones und der Biene und bei Billy Stubbs und seinem Kaninchen noch getan hatte. Aber seit Billy hatte sie eingesehen, dass es nichts brachte – dass er sich nicht von ihr einschüchtern ließ, wenn sie die Beherrschung verlor.

Es fiel ihr schwer, sich zurückzuhalten, aber sie zwang sich. Dementsprechend fuhr sie mit zusammengepressten Lippen fort.
„Ihr seid also dort hinuntergesprungen und in die Höhle gegangen. Und dann?“


„Das war gefährlich, Tom!
Wie sollen wir nur jemals wieder dort hinaufkommen?“
Amy Benson wrang ihren Rock aus und blickte gleichzeitig zuerst zu ihm und dann nach oben.
Dort sah sie allerdings nichts anderes als grauen Fels.

Nachdem er gesehen hatte, wie die beiden unverletzt aus dem Wasser aufgetaucht waren,
hatte er sich die Nase zugehalten und war selbst gesprungen.
Als sie allesamt prustend und mit Unterstützung des Sogs in Richtung der Höhlenöffnung schwammen,
stellte sich heraus, dass eine Felsspalte noch ein paar Yards in die Klippen hinein führte,
ehe sie das Wasser verlassen und auf trockene Felsen klettern konnten.

Zuerst hatte er Enttäuschung in sich aufsteigen spüren,
entsprach diese etwa fünf mal fünf Yard große Grotte
doch nicht dem Bild aus seinen Visionen.
Wie er aber den Ärger hinunterzwang,
wurde er des schwarzen Lochs an der Rückwand gewahr.

Sein Herz schlug schneller und er wusste, dass er richtig war
und die Grotte nicht mehr als einen Vorraum für etwas Größeres darstellte.


„Nichts.“ Er zuckte mit den Schultern.

„Nichts?! Tom, irgendetwas muss passiert sein! Sonst wären Amy und Dennis doch nicht so verstört!“
Es hatte sich bereits zu viel Ärger angestaut, als dass sie bei dieser Antwort die Rage hätte herunterschlucken können. Ihre Stimme wurde lauter und überschlug sich. Den Mit einem Schlag auf den überfüllten Schreibtisch, dass die dort dekorativ platzierte Blumenvase wackelte, beendete Mrs Cole ihren Ausbruch.

Weder bei der verbalen noch bei der nonverbalen Freimachung ihres Ärgers  zuckte er zusammen. Er sah ihr einfach nur bewegungslos zu.

Als sie registrierte, dass sie ihr Vorhaben Ruhe zu bewahren gebrochen hatte, fuhr sie sich über die Stirn und verschränkte erneut die Arme. „Also gut. Gehen wir es anders an. Wie sah die Höhle denn aus?“

„Sie war groß und tief. In ihrer Mitte gab es einen See.“


Sie war es.
Als er den scheinbar unendlich langen See und die in den Fels immer
tiefer hineindringende Schwärze sah,
war er endgültig sicher.

Sie war es und sie hatte ihn gerufen.
Als hätte sie das drängende Verlangen in seinem Inneren gespürt
und ihm dann die Bilder voller Verlockung und Wunscherfüllung geschickt.

Schon lange nicht mehr hatte er das kribbelnde Gefühl der Aufregung in seinem Körper verspürt,
wie jetzt, als er im Eingang der Höhle stand.


„Und was habt ihr dort getan? Habt ihr überhaupt etwas gesehen?“
„Ja, durch die Höhlenöffnung kam Licht herein.“
Mrs Cole wartete in der Hoffnung, er würde im Eifer des Gefechts und gefangen im Redefluss auch ihre erste Frage beantworten. Aber er fiel nicht auf den Trick herein.

Dementsprechend blieb ihr nichts anderes übrig, als weiter nachzuhaken.
„Und hattet ihr da keine Angst?“
„Nein, denn es war ja hell.“
„Aber doch wohl nicht bis zum Ende der Höhle?“
„Nein, natürlich wurde es dunkler. So wie es immer dunkler wird, wenn man sich zu weit vom Licht entfernt.“
„Und ihr seid dann trotzdem weiter?“
„Ja.“

Er sah, wie sie ihren rechten Mundwinkel verzog, es aber unterließ nachzufragen, wer von ihnen die treibende Kraft gewesen war. Natürlich würde er es ihr nicht sagen.


„Tom, ich bin mir nicht sicher, ob wir hier weiter sollten.“

Amys helle Stimme hallte zwischen den Höhlenwänden wieder.
Ein Vibrieren schien durch die Luft zu laufen und im dunklen Schwarz aufgesogen zu werden.

Er musste sich nicht umsehen, um ihre Angst zu spüren.
Auch so nahm er das Flackern ihrer Stimme und die unsicheren Tritte wahr.
Von Dennis gar nicht erst zu reden.

Seit sie auf einen Erkundungsgang um den See aufgebrochen und das erste Mal in die
schattigen Ecken der Höhle vorgedrungen waren, stieß er jedes Mal einen Schrei aus,
sobald er auf dem rauen Felsenboden strauchelte.
Haltsuchend warf er sich dann immer zur Seite,
um von dem schmalen Pfad nicht herunter in das kalte Wasser zu fallen.
Schon jetzt musste seine rechte Seite von Kratzern und Schürfwunden übersät sein.


„Was habt ihr euch denn davon erhofft?“
„Zu sehen, wie die Höhle weitergeht. Wie sie aussieht. Wie tief sie ist.“ Die Anspannung von vorhin hatte nachgelassen. Er ballte seine Hände nicht mehr so fest zusammen und auch seine Gesichtszüge hatten sich gelockert. Dabei kamen nun erst die wichtigen Fragen.

„Und was habt ihr euch davon versprochen?“

„Das sagte ich doch schon. Ein Abenteuer.“

Mrs Cole war nicht überzeugt. Er sah die Skepsis in ihrem Blick. Das Rätsel was mit Amy und Dennis geschehen war.
Aber er würde ihr nicht nachgeben. Als wollte er sein Selbstbewusstsein unterstreichen, streckte er seinen Rücken weiter durch und hob das Kinn an.


„Können wir nicht umdrehen? Mir ist kalt.“

Er wandte sich um und sah, wie sie die Arme eng um ihren Körper geschlungen hatte.
Ihre Glieder zitterten und ihre Augen waren geweitet.

Jeder normale Mensch hätte bei ihrem Anblick Mitleid verspürt. Aber nicht er.
Mehr als Verachtung brachte er nicht auf.


„Ihr wolltet sie also nur auskundschaften?“
„Ja.“
„Und warum sind Amy und Dennis dann so verstört? In der Höhle gab es doch nichts weiter als einen See.“


„Was ist da?“

Amys Stimme ließ ihn innehalten.

„Tom! Was ist das?“

Er musste sich nicht umsehen um zu wissen,
dass sie stehengeblieben war und auf das Wasser starrte.


„Ich weiß es nicht.“


Das Wasser kräuselte sich.
Sanfte Wogen stießen gegen die Felsen.
Schwappten über, zogen sich zurück und kamen erneut.
Kraftvoller.

Das vormals ruhige Wasser wogte sich zu Wellen auf.

„Tom?“

Ihr Ausruf verhallte zu einer Frage.

Einer zitternden Frage.

Und schließlich zu einem Schrei.

Ein dröhnendes Flattern und ein kreischendes Ziepen erfüllte die steinerne Halle.
In langen Tönen schwang das Schwirren hin und her.
Schraubte sich zusammen mit dem schrillen Kreischen zu einer beängstigend Kaskade von Schreckenstönen empor.

Wurde lauter –
und flog in einem schwarzen Schatten über sie hinweg.

Das Mädchen schrie und duckte sich neben den Jungen.

Auf den Boden gekauert, die Augen geschlossen, hielten sie sich die Augen zu.


Mrs Cole sah ihn lange an. Dieses Mal konnte er nicht abschätzen, was in ihrem Kopf vor sich ging.
Würde sie ihn weiter ausquetschen? Würde sie die nächste Möglichkeit nutzen, um dieses Mal in einen richtigen Tobsuchtsanfall auszubrechen? Oder würde sie ihn zurück in sein Zimmer schicken? Womöglich mit irgendeiner dieser lächerlichen Strafen – Hausarrest, zusätzlichen Lernaufgaben, Kürzung der Mahlzeiten –, die sie Kindern aufbrummten, die gegen Hausregeln verstoßen hatten.

Es war nichts dergleichen – und damit überraschte sie ihn.

„Tut es dir denn nicht leid, was mit Amy und Dennis geschehen ist?“


Jeder normale Mensch hätte bei ihrem Anblick Mitleid verspürt. Aber nicht er.
Mehr als Verachtung brachte er nicht auf.

Kein normaler Mensch hatte Angst vor Fledermäusen,
nur weil sie überfallartig einfielen, es finster und die Höhle fremd war.
Sie waren harmlos.
Kein Grund zum Zusammenkauern und Schreien.

Und doch konnte er sich eines Grinsens nicht erwehren.

Es war sein Wasser.
Es waren seine Fledermäuse.


Er hatte ihm befohlen aufzuschäumen.
Er hatte ihnen befohlen, ihren Schlafplatz zu verlassen.

Er war es gewesen, der ihnen Angst eingejagt hatte.


Wieso sollten sie ihm leid tun? Wieso sollte er sich um Amy und Dennis sorgen? Sie, die wie die anderen Kinder nie etwas für ihn übrig gehabt haben? Die ihn ausgegrenzt hatten?

Erst hatte er nicht verstanden warum. Hatte keinen Unterschied zwischen ihnen und sich festgestellt und immer nur ihre zögernden Blicke gespürt. Keiner von ihnen hatte es je ausgesprochen, aber er hatte trotzdem gemerkt, dass seine Anwesenheit nicht erwünscht war.
Kam er dazu, verstummten die Gespräche. Kam er dazu, musste er sich beklommene Blicke gefallen lassen. Kam er dazu, nahm das Spiel stets eine andere Wendung.
Irgendwann hatte er es akzeptiert. Hatte sich nicht weiter aufgedrängt, sondern zurückgezogen. Hatte ihnen von außen zugesehen und sie dabei verachtet.

Bei der Erinnerung daran, spürte er noch immer ein Brennen in sich. Ein wütendes Brennen. Ein rachsüchtiges Brennen. Aber keine Schmerzen. Er hatte noch nie Schmerz gefühlt. Nicht einmal wenn er hinfiel und sich das Knie aufgeschürft hatte.
Robert Anson war bei dem Ausflug an dem Kiesstrand ebenfalls gestürzt und hatte sofort angefangen zu weinen. Zu weinen und nach seiner Mutter zu schreien. Nach einer Mutter, die ihn im Waisenhaus abgegeben und zurückgelassen hatte.
Er wusste, dass er über so viel Empfindsamkeit den Mund verzogen hatte.

Als er dann damals, vom Spielen ausgegrenzt, an dieses Ereignis zurückgedacht hatte, war dies der erste Moment gewesen, in dem er seine Andersartigkeit das erste Mal selbst wahrgenommen hatte. Und zu seinem Erstaunen hatte sich das gut angefühlt.

Allein der Gedanke, dass er sich von diesen, bei jeder Kleinigkeit weinenden und nach Trost schreienden, bemitleidenswerten Kreaturen unterschied, gab ihm Hoffnung. Hoffnung, doch nicht so zu sein wie sie.
Nicht so gewöhnlich.
Nicht so feige.
Nicht so schwach.

Feige, wie sein Vater, der seine Mutter verlassen hatte.
Schwach, wie seine Mutter, die die Existenz ihres Sohnes als nichtüberlebenswert angesehen hatte.

Er wollte besser sein. Stärker. Er wollte sie alle, die so wenig für ihn übrig hatten, übertrumpfen. Er wollte ihnen zeigen, dass er auch ohne sie klar kam. Dass er sie nicht brauchte. Dass er jemand Großes werden konnte.

In dem Moment als er zu akzeptieren begann, dass er im Waisenhaus ein Außenseiter war, machte ihm diese Tatsache nichts mehr aus. Vielmehr genoss er es zu wissen, dass er anders war. Dabei hatte er zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Vorstellung davon wie anders er tatsächlich war.

Er war selbst überrascht, als das Taschentuch plötzlich neben ihm lag. Er hatte es nicht berührt, war nicht aufgestanden, nicht gelaufen, um es vom Tisch zu holen. Und doch lag es plötzlich da. Direkt neben ihm.
Und es sollte nicht nur bei dem Taschentuch bleiben.

Ein Glas, das auf das Tablett schwebte.
Ein Knoten, der sich zusammenzog.
Schlangen, die zu ihm kamen.

Die Schlangen.

Zuerst hatte er geglaubt, dass er verrückt wurde und Professor Cainam ihn bei seinem nächsten Besuch mitnahm. Immerhin waren weder die sich bewegenden Dinge noch die überproportional große Anzahl Schlangen in seiner Nähe normal – wobei letzters Mrs Coles scharfen Blick leider nicht verborgen geblieben war. Wenn er dann auch noch erzählt hätte, dass ihm so war, als würden die Tiere ihm etwas zu wispern …

Bis er sich überwand, den Stimmen zu antworten, hatte er diesen Gedanken gehasst – diesen schrecklichen Gedanken, dass seine Andersartigkeit vielleicht in einer Verrücktheit begründet lag.
Aber als er es dann getan hatte, wusste er: Er war nicht verrückt.
Zwar hatten die Schlangen ihm nicht erzählen können, woher seine Fähigkeiten stammten. Aber die Tatsache, dass er, wann immer er mit ihnen zischende Worte austauschte, eine seltsame Vertrautheit bemerkte, ließ ihn an keinen unehrenhaften Grund glauben.
Dementsprechend verfestigte sich der Stolz auf sein Können und seine Besonderheit.

So neu und aufregend diese Entdeckung zu Beginn noch war, irgendwann wollte er auch davon mehr. Wieso sollte er sich nur mit Schlangen zufriedengeben? Wieso sollte es nicht auch mit anderen Tieren funktionieren?
Schnell musste er diese Hoffnung jedoch begraben – nur Schlangen antworteten ihm. Die Enttäuschung darüber hielt aber nicht lange an, weil ihm bereits ein neuer Gedanke kam, den es auszuprobieren galt. Als Abigail Jones ihm eines Tages die andere Hälfte seines Brötchens klaute, bot sich die Gelegenheit.

Es war Frühling und damit die Zeit, in der die Kinder wieder in den kleinen Garten durften. Die ersten frischen Grasspitzen brachen schon durch den Boden, das Laub trieb aus und die Frühblüher hießen das neue Jahr willkommen. Wie immer saß er auf einer Bank, während die anderen Kinder über das Areal tobten.
Noch immer von Rachegedanken erfüllt, fiel sein Blick auf das verwilderte Beet, in dem sieben Narzissen um ihr Überleben kämpften. Eine Biene flog von der einen zur anderen und sammelte den gelben Pollen ein.
Es war ein kleiner Gedanke nur – wie ein Funken blitzte er auf – der ihn eine Verbindung zwischen Abigail und der Biene ziehen ließ.
Als Ergebnis trug Abigail einen angeschwollenen Fuß und entstellende rote Flecken davon.

Das geschah alles vor einem halben Jahr. Nicht, dass er die Bereiche seiner Macht nicht zu schätzen wusste. Nur je länger diese letzte Entdeckung zurücklag, desto mehr drängte sich ihm eine neue Frage auf: Wie weit konnte er gehen?

Er konnte Macht über Gegenstände ausüben.
Er hatte die Kontrolle über Schlangen und andere Tiere.
Aber auch über Menschen?


Es war erstaunlich leicht gewesen, die beiden zum Bleiben zu überreden.
Er musste sie nicht einmal überreden.

„Ihr bleibt hier.“

Mehr hatte er nicht sagen müssen und jegliche Bestrebungen der Zwei, die Höhle zu verlassen,
waren vergessen gewesen.
Dennis hörte auf zu Jammern und auch Amy verfiel in Schweigen.
Er sah das Aufglimmen in ihren Augen, aber sie rührte sich nicht.


„Tom! Ich habe dich etwas gefragt.“

Seine Augen huschten von dem ihm gegenüberliegenden Fenster zu Margret Cole. Noch immer stand sie in ihrer strengen Pose neben dem Schreibtisch.
Es dauerte einen Moment, bis ihm einfiel, was ihre Frage gewesen war.

„Nein“, hauchte er schließlich.

„Nicht? Du bereust es nicht, mit Amy und Dennis in die Höhle gegangen zu sein?“

Er wollte nur die Erinnerungsfetzen vertreiben um einen klaren Kopf zu bekommen, doch für Mrs Cole musste es danach aussehen, als schüttele er den Kopf.
„Nein.“ Seine Stimme war wieder fest. „Ich bereue es nicht. Wir waren dort unten und haben die Höhle ausgekundschaftet. Weshalb Amy und Dennis den Verstand verloren haben weiß ich nicht. Ich habe ihnen nichts getan.“

„Bist du sicher?“ Skeptische Falten gruben sich in ihre Stirn.

„Ja. Ich schwöre, dass wir nur aus Entdeckungslust dort unten waren.“

Nachdem sie das ganze Gespräch gestanden hatte, setzte sich Mrs Cole jetzt.
„So, so, du schwörst.“
Sie warf einen Blick nach links, wo an der Wand ein unauffälliger Bilderrahmen hing. Weil er nicht das erste Mal in diesem Zimmer saß, wusste er, dass darin ein Bibelspruch stand. Über die Sündlosigkeit und Reinheit der Kinder.
Das Glasbild stammte noch von Mrs Coles Vorgängerin und sie hatte es nie abgehängt. Er vermutete aus rein praktischen Gründen, um potentiellen Spendern damit Geld für das Waisenhaus aus der Hosentasche zu ziehen.
Als sie bemerkte, dass er ihrem Blick gefolgt war, wandte sie sich ihm rasch wieder zu. Dabei entging ihm nicht, dass sie kurz an dem schmalen Bücherregal verharrte, in dem Grundsätze der Erziehung und Pflege des Kindes stand. Auf den ersten Blick unterschied es sich nicht wesentlich von den anderen Erziehungsratgebern, aber er wusste, dass es nur eine Täuschung war. Dass in seinem Innern ein Hohlraum verborgen lag, in dem stets eine gefüllte Flasche Gin aufbewahrt wurde.

„Aber für die Bußbereitschaft der Kirche kannst du dich nicht begeistern?“

„Nein.“

Er spürte, dass sie die Kraft verlassen hatte. Einer leeren Hülle gleich saß sie vor ihm, zerrissen von dem Bedürfnis ihm ein Geständnis zu entlocken und der Ratlosigkeit, wie ihr dies gelingen sollte.
Sie startete einen letzten Versuch, fragte ihn eindringlich, ob er Amy und Dennis auch wirklich nichts getan habe. Ob er ihnen nicht doch wehgetan habe? Sie geschlagen habe? Mit einem Stein beworfen?
Er verneinte alles und verwies darauf, dass sie dann schwerer verletzt gewesen wären, als die paar Aufschürfungen, die sie sich vom Klettern zugezogen hatten.

„Also gut, Tom“, begann sie schließlich, „ich denke wir belassen die Sache für heute dabei.“ Sie stand auf und trat neben ihn. „Aber ich rate dir dasselbe, wie Professor Cainam empfiehlt: Erzähle was passiert ist und dir wird es besser gehen.
Vielleicht könnte uns das sogar helfen, Amy und Dennis wieder zur Besinnung zu bringen, wenn wir wissen, wegen was sie in diesen Zustand gefallen sind.“

Er erwiderte nichts darauf. Nur stumm sah er sie an.

So ging sie zu der Tür und zog diese auf. Er erhob sich und trat zu ihr.
„Du findest allein zurück?“
„Ja, Mrs Cole.“
Sie nickte nur und wartete, bis er über die Schwelle getreten war. Dann schloss sie die Tür.

Die Gänge waren leer.
Es war nach dem Mittagessen und die Kinder mussten nach ihrer Ration Lebertran auf den Zimmern bleiben.
Er hatte keine Eile. Geruhsamen Schrittes lief er durch die schwarzweiß geflieste Eingangshalle. Einzig seine Schritte hallten zwischen den gefliesten Wänden hin und her.

„Tom!“

Auch aus der Küche drang kein Lärm.

Schmerzensschreie gellten durch die Luft.

Selbst das Wetter vor den Fenstern war ruhig. Es war einer der kühleren Sommertage.

Die vormalige Kühle war von der Ekstase des Aufruhrs vertrieben worden.

Der Gaslicht-Kronleuchter in dem großen Treppenhaus schwang nicht hin und her und bot mit seiner Staubschicht einen jämmerlichen Anblick.

Eine Gestalt krümmte sich am Boden.

Er legte seine Hand auf das kühle Metall des Treppenlaufs und stieg die Stufen empor.

Er fühlte die Angst.

Auch der erste Stock war verlassen. Nur am Ende des langen Ganges war das Schlagen einer Tür zu hören.

Denn die Gefahr war noch nicht vorbei.

Unbeirrt folgte er den Treppen in den zweiten Stock.

Die Schmerzen würden andauern.

Als er sein Zimmer betrat, stellte sich kein Gefühl des Zuhauseseins ein.

Das Leiden würde andauern.

Ohne die zwei weiteren Gegenstände im Zimmer, den Schrank und den Stuhl, zu betrachten, setzte er sich auf das Bett. Anders als sonst erfüllte ihn heute kein Gefühl der Überlegenheit. Keine Freude über ihre missglückten Aushorchversuche. Stattdessen gab es da nur eine unangenehme Leere.
Eine Leere, die ihn Sekunde für Sekunde mehr aufzufressen schien, weil er sie nicht begriff – bis sie sich nach einigen Minuten in Entschlossenheit wandelte.

Sie wollte, dass er bereute?

Bereuen?

Was gab es da zu bereuen?


Zwei Kinder waren zu Schaden gekommen. Sie sind jetzt wirr im Kopf und nicht mehr normal.

Ja, und?

Sie hatten sowieso keine Chance auf ein gutes Leben. Sie wurden im Waisenhaus abgegeben und waren viel zu verlaust und ungezogen, um adoptiert zu werden. Hatten ihn, zusammen mit den anderen Kinder, gehänselt und ausgeschlossen. Hatten geglaubt, dass er schlechter sei, als sie. Aber dabei war es umgekehrt.

Er war besser als sie.
Er war stärker.
Er war keiner dieser Jammerlappen, die für den Schmerz so empfänglich waren.

Was sollte er sich mit solchen Gefühlen abgeben, wenn er viel besser ohne sie zurechtkam. Wenn er niemanden brauchte, der ihn tröstete und stattdessen sogar anderen Schmerzen zufügen konnte. Andere dafür bezahlen lassen konnte, dass sie ihn nicht mochten.


Der Junge lag regungslos auf dem Boden.
Eben hatte er sich noch unter Schmerzen hin und her gewälzt.

Das Mädchen kniete neben ihm.
Sie beugte sich über seinen Körper und versuchte ihn wachzurütteln.

„Er ist tot!“

Tränen strömten über ihre Wangen.
Hektisch griffen ihre Hände nach seinem Körper und versuchten ein Lebenszeichen zu erhaschen.

„Du darfst nicht tot sein. … Du darfst nicht tot sein. …“
Immerzu murmelte sie dieselben beschwörenden Worte.

Abrupt hielt sie inne, als ein Schatten sie in tiefste Schwärze tauchte.

Sie wollte nicht aufsehen und tat es schließlich doch.

Der dunkelhaarige Junge stand vor ihr.

Er, der sie unter falschen Vorspiegelungen hier hergeschleppt hatte.
Er, der sie in diese Falle gelockt hatte.
Er, der ihren Freund gefoltert hatte.

Sie hatte Angst.

Hilflos schob sie sich nach hinten über den Boden.
Dabei war es ihr egal, dass ihr bester Rock, den sie sonst wie ihren Augapfel hütete,
von den rauen Steinen aufgerissen wurde.

Sie wollte nur weg, da spürte sie den Fels im Rücken.

Es gelang ihr noch die Augen zu schließen, bevor der erste Stich durch ihren Körper zuckte.
Dann wurde auch sie von einer Welle der Schmerzen erfüllt.

Ein Pochen. Ein Reißen. Schmerzen.
Zuckende Gliedmaßen. Rauschendes Blut. Krämpfe.
Höllenqualen. Schreie. Ihre Schreie.
Ein Wimmern. Ihre zitternde Haut.
Ein weiterer Hieb in ihren Körper.

Pause.

Dann ein weiterer Schlag.
Zur Seite geworfen. Zurück.
Ohne Unterlass –
bis es  irgendwann Schwarz wurde.

Mit zerrissenem Rock und gelösten Zöpfen blieb ihr Körper auf dem kalten Stein liegen.


Und das sollte er nun bereuen?
Seinen größten Triumph?

Dass ihm das Unmögliche möglich geworden war?


Nein, er würde das nie bereuen.






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* Da wir nicht wissen, was Amy und Dennis von Tom genau angetan wurde und aber bekannt ist, dass magische Kinder unbewusst Magie wirken können, habe ich seine Misshandlungen an den Cruciatus-Fluch angelehnt. Bei diesem tragen die Gefolterten keine sichtbaren Wunden davon, erleiden aber trotzdem Schmerzen bis hin zum Verlust des Verstandes, weshalb  Mrs Cole keinen weiteren Beweis für Toms Taten in der Hand hat.
Ich denke, das dürfte auch in Toms Sinn gewesen sein bzw. das war das, was er erreichen wollte.

** Ansonsten würde ich mich wirklich über Rückmeldungen freuen, v.a. bezüglich der Glaubhaftigkeit der Schilderungen und ob die Alterskennzeichnung passt/zu hoch/zu niedrig ist.
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