Wieso denn nicht mit Leuchtbuchstaben?

GeschichteAllgemein / P12
25.09.2016
25.09.2016
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Okay, das wird jetzt religös, ziemlich sogar. Nicht dein Ding? Dann skip das hier.


Teenager zu sein ist schwer. Nein ernsthaft, an manchen Tagen denke ich, die ganze Welt hätte sich gegen mich verschworen. Teenager und Christ zu sein, das ist noch schwerer. Für mich auf jeden fall. Ich bewundere jeden, der das jonglieren kann. Ich werde ehrlich sein, ich bin kein guter Christ. Ich vergesse viel zu oft, dass der Sonntag Gott „gehört“, denke viel zu oft schlecht über Menschen und lästere.

Ich denke zu weltlich, vergesse die kleinen Dinge und ich liege viel zu oft nachts im Bett und denke darüber nach, das ich heute wirklich nicht an Gott gedacht habe. Ich diskutiere mit Atheisten darüber, ob Schwulsein jetzt okay ist weil mit einem Christen darüber zu reden mir schwer fällt (die meisten machen darum einen Bogen, ernsthaft!!). Aber ich habe das Glück, dass ich eine coole Gemeinde habe, coole Eltern und allgemein eigentlich Leute haben, die zu mir halten. Und trotzdem wünsche ich mir manchmal, das Gott doch bitte Leuchtbuchstaben benutzen sollte.

Zum Verständnis, ich habe eine etwas eigenartige Beziehung zu Gott. Ich glaube an ihn, also so richtig Klischee haft mit Garten Eden und Adam und Eva, aber so eine wirkliche Verbindung habe ich nur selten zu ihm gespürt. Vielleicht habt ihr schon einmal davon gehört, dass Leute in Zungen sprechen oder umfallen. So etwas ist mir persönlich noch nie passiert, manchmal kommt dann diese kleine nagendende Stimme, ihr wisst schon, die in eurem Kopf die dann so lange quengelt bis ihr glaubt, die ganze Welt ist scheiße. Aber genug von meinem Glaubenskampf, kommen wir zu den Leuchtbustaben.

Die Metapher ist vielleicht ein bisschen unglücklich gewählt, aber in der Bibel gibt es eine Geschichte, die von Mose und dem brennenden Dornbusch. Grob geht es um einen Israeliten, der aus Ägypten flieht weil er da jemanden getötet hat und dann Schafe hütet bis eines Tages ein brennender Busch zu ihm sagt: „Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten herausführen!“ (2. Mose 3,12) Klare Anweisung, Mose hatte einen Auftrag (auch wenn er versucht hat sich rauszureden …). Es wird auch später gesagt, dass niemand mehr so eine Beziehung zu Gott hatte wie Mose. Aber wisst ihr, manchmal wäre dass doch ganz praktisch oder?

Ich zum Beispiel muss mir jetzt mal Gedanken über die Zukunft machen. Job und so, was mir um einiges mehr Kopfzerbrechen bereitet als ich dachte. Und wisst ihr, da wäre so eine Nachricht doch schon ganz praktisch oder? Gott sagt ja, er hat einen Plan für uns. Meiner Meinung nach hat er den auch, aber er lässt uns den freien Willen, zu tun und zu lassen, was wir wollen. Aber ich würde gerne diesen Weg gehen, nur leider habe ich keine Ahnung wo der den startet. Da wäre es doch schon cool, wenn plötzlich ein Strauch in Flammen steht (okay vielleicht auch ein bisschen seltsam, aber es geht ums Prinzip). Ich sage manchmal spaßeshalber, dass Gott doch bitte meine Zukunft in den Himmel schreiben soll, obwohl ich insgeheim tatsächlich auf so eine „Offenbarung“ hoffe.

Aber wieso erzähle ich das überhaupt dem wildfremden Internet? Nun, ich habe keinen blassen Schimmer. Vielleicht weil ich es gut finde, mir manche Sachen von der Seele zu schreiben, vielleicht aus der Naiven Hoffnung, dass es da draußen Leute gibt, denen es auch so geht.

Ich habe noch keine Leuchtbuchstaben bekommen, meine Wunder sind meist klein und ziemlich alltäglich. Ein Stift der zurückgegeben wird, ein Lächeln, die Tatsache das meine „Atheisten-Freundin“ eine bessere Christin ist als ich (Atheist ist in Klammern weil sie an Karma glaubt, außerdem ist die Höhere Macht für sie Energie, nicht so personifiziert). Meine Wunder sind nicht groß, ich habe noch keine Knochen heilen gesehen, das schlimmste was bei mir geheilt wurde war eine Erkältung. Man könnte sagen, dass ich manchmal sogar ein bisschen neidisch bin, auf alle diese großartigen Erlebnisse. Wie ich am sagte, Vorzeigechristin bin ich auf jeden Fall schon mal nicht.

Meiner Meinung nach könnte Gott sich mal ruhig Whats App zulegen, mit der Zeit muss man ja gehen. Und dann waren wir heute in der Kirche und hatten es von Geschenken die uns Gott gemacht hat. Am Ende sollte das Geschenk, das die ganze Predigt über immer wieder gezeigt wurde, ausgepackt werden. Also, Freiwillige vor. Habe mich gemeldet weil, hallo? Geschenke auspacken ist so was von das coolste auf der Welt. Als ich dann da vorne stand und mich mit dem Auspacken abmühte, lag neben zwei großen Packungen Merci Schokolade ein Zettel bei.

Auf diesem Zettel stand:
Danke das du den Mut hattest, dass Geschenk auszupacken.

Du sehnst dich nach mehr von mir und ich sehne mich nach Dir.

Du hast heute ein Geschenk ausgepackt, ich möchte Dir aber viel mehr schenken als nur dieses hier.

Ich möchte Dir neuen Mut schenken, die Dinge anzugehen di Du dir schon lange wünschst.

Ich möchte dich in etwas hineinführen, wonach du dich sehnst aber wovor du dich auch etwas fürchtest.
Sei weiterhin mutig und gehe voran Ich bin bei Dir und werde dich auf dem Weg begleiten.

Du wirst sehen, dass du mehr kannst als du Dir zutraust und auch als andere dir vielleicht zutrauen. Du bist mehr als du selbst von Dir denkst.

Du bist mein geliebtes Königskind.
Dein himmlischer Papa

Der Prediger hat gesagt, dass es ihm schwer gefallen ist, den Text zu verfassen ohne zu wissen, wer ihn am Ende bekommt. Aber er hatte es auf dem Herzen und jetzt stand es da, schwarz auf weiß.

So, da hast du deine Leuchtbuchstaben, dachte ich mir da und hier bin ich und schreibe das erste Mal über meinen Glauben. Es ist kein Kompass oder Wegbeschreibung wie es vielleicht bequemer für mich gewesen wäre. Nicht ein „studiere Theologie und nach drei Semester wirst du eine E-mail bekommen mit einem Stellenangebot“. Aber seit wann ist Gott denn bequem? Er möchte das wir zu ihm kommen, von selbst und dafür nimmt er ihn kauf, dass das dauern könnte.

Ich habe keine Ahnung, wohin mich mein Leben führen wird, vielleicht sitze ich mal in vier Jahren unter der Brücke und habe eine Ratte namens Karl oder ich stehe mit einem „Free Hugs“ und Hippi Zöpfen auf einem Bahnsteig. Aber ich weis, dass ich nicht allein bin, solange ich nicht allein sein will.

Daran muss ich noch arbeiten, daran dass ich akzeptieren muss, dass manche Dinge tatsächlich besser in Gottes Händen aufgehoben sind als in meinen eigenen. Aber ich habe meine Leuchtbuchstaben, und ich weis, dass er mir den Weg zeigen wird, irgendwie
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