some nights

GeschichteAllgemein / P6
24.09.2016
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some nights


Während irgendwo draußen Feuerwerkskörper explodieren - ein kleiner Teil von mir denkt über den Grund nach, schließlich ist es kaum das Ende des Sommers und das Jahr ist noch lang, obwohl die Zeit ja doch viel zu schnell verstreicht und ich manchmal das Gefühl habe, es könnte genauso gut schon wieder das Ende des Jahres sein, wundern würde mich nichts mehr - liege ich auf dem Bett, das in meinem Zimmer im Haus meiner Eltern steht und höre Musik.

Nein, ich verliere mich darin und es könnte mir in diesem Moment kaum besser gehen, obwohl ich in der letzten Zeit so viele Gedanken habe, die mich so anstrengen und die sich so zerstörerisch anfühlen.

Eine Stimme - nein, eigentlich nicht, aber dieses Gefühl zu beschreiben funktioniert am besten, wenn ich sage, dass ich eine Stimme höre; also bleibt es dabei - flüstert. Some nights.

Ich weiß, dass mir mein Gefühl sagt, dass ich schreiben muss und heute gebe ich ihm nach.

Besser: Heute gelingt es mir, dem nachzugeben. Vielleicht ein Gedicht. Ich glaube, heute wäre eine gute Nacht für ein Gedicht.

Ich habe das Bedürfnis, es ist beinahe ein Zwang, all die Gefühle auf Papier festzuhalten. Nicht in irgendeinem Dokument, das hinterher für immer auf meiner Festplatte verschwindet. Nein, ich will das Kugelschreiberklicken und Notizbuchseitenrascheln, die durchgestrichenen Satzteile und Wortfragmente, das schmerzende Handgelenk und die Handschrift, die mit jedem Wort unordentlicher wird, weil ich sonst meinen eigenen rasenden Gedanken nicht mehr folgen kann. (In ein paar Jahren werde ich das hier vielleicht wiederfinden und grinsen, weil ich bei manchen Wörtern Buchstaben vergessen habe oder weil ich die Hälfte einfach nicht mehr lesen kann - weil die schiefen und gekritzelten Buchstaben so gut die Unordnung widerspiegeln, die in meinem Kopf herrscht.)

An manchen Abendenden schreibe ich mich selbst bis zur Gänsehaut und so lange, bis mir die Worte ausgehen und meine Welt endet und es ist so unfassbar schön, diese Enden der Welt zu erreichen.

Diese Ruhe zu finden gehört zu den Dingen, die mir viel zu selten gelingen und das macht es so viel schöner, wenn es dann doch geschieht.

In den Momenten, in denen mein Handgelenk so sehr verkrampft, dass ich nicht länger schreiben kann, singe ich - viel zu laut und viel zu schief - und auch das gehört an diesen Abendenden dazu.

Ich merke wieder, wie sehr ich all das vermisse, wenn ich vom Leben erdrückt werden und alles Andere irgendwie wichtiger ist - und viel zu oft leider auch wichtiger sein muss.

Manchmal - wie seltsam sich das anfühlt - vermisse ich das Schreiben mehr als ich andere Lebewesen vermisse.

Nicht, weil mir manche nicht unglaublich wichtig sind, sondern weil ich manchmal vergesse, mir selbst wichtig zu sein und weil das Schreiben mehr ist als nur Wort auf Papier.

Schreiben ist Ichsein; Kämpfe gegen das Gefühl, mich verloren zu haben, zu gewinnen und mich in mir zu verlieren - auf die gute Art.

Dann ist es auf einmal egal, wie fehl am Platz ich mich in diesem Kopf, in diesem Körper, an diesem Ort, auf dieser Welt oft fühle.

Meine Gedanken, meine Worte gehören hierhin. Gekritzelt auf Papier und begleitet von Musik und Liedtexten, die ich längst auswendig mitsingen kann.

Und dann bin ich auf einmal irgendwie von Bedeutung für mich. Und das ist gut. Alles ist gut.

***


Hallo.

Ich habe da was geschrieben. Übers Schreiben. Und übers Ich sein.
Es ist nicht (fremd)korrekturgelesen, nicht überarbeitet; nur ein paar rohe Gedanken.
Schön mal wieder hier zu sein.

Bis bald, hoffentlich.
- inmusikverliebt (früher Herzschlaege)
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