Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Tales of Symphonia: Another Symphony

von Wedernoch
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
Kratos Aurion Presea Combatir Raine Sage Regal Bryant Sheena Fujibayashi Zelos Wilder
24.09.2016
20.10.2016
4
7.564
2
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
24.09.2016 1.494
 
Als Zelos erwachte, spürte er einen viel zu harten Boden unter sich. Die dünne Matratze unter ihm half nicht viel: Er war sich sicher, dass er sich hier niemals wohlfühlen konnte. Seufzend rappelte er sich auf und warf die Decke von sich. Morgendliches Sonnenlicht fiel in die kleine Kammer und blendete ihn. Für seinen Geschmack war es viel zu früh. Aber von draußen riefen schon Stimmen, Vögel sangen und Kinder lachten. Zelos‘ Blick schweifte müde zu dem kleinen Mädchen hinüber, dessen Bäuchlein sich unter regelmäßigen Atemzügen hob und senkte. Er zog eine Schnute und griff nach seinem Kissen. Wenn er nicht mehr schlafen konnte, sollte sie es auch nicht tun. Mit einem ungeschickten Wurf, der das Mädchen nur geradeso traf, weckte er es. Es gab ein jammerndes Quieken von sich.
     „Klappe!“, fauchte Zelos beleidigt.
     „Selber Klappe!“, nörgelte die Kleine und drehte sich, während sie sich streckte, auf den Bauch. Danach gelang es ihr, sich aufzurappeln. Kaum war sie aufgewacht, war sie auch schon auf den Beinen – aber nicht sonderlich stabil. Vielleicht war sie doch noch müde und plumpste deshalb gleich wieder auf den Hintern.
     Im selben Augenblick wurde die Tür zur Kammer aufgeschoben. Zelos blinzelte neugierig auf, als eine Frau hereingetreten kam, und er freute sich auf das Frühstück. Allzu begeistert war er danach jedoch nicht, denn er bekam wie fast jeden Tag, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur heimisches Essen vorgesetzt, das er nicht kannte. Schweigsam blähte er die Wangen auf.
     „Guten Appetit, kleiner Schatz“, sagte die Frau und schob ihm das Tablett hin, über das Zelos sich achtsam beugte, um einen genaueren Blick auf das Frühstück zu erhaschen. Er entschied, dass er das Leckerste zuerst essen würde. Danach konnte er so tun, als wär er schon satt.
     „Tante Kasumi“, murmelte Zelos. Er ließ den Kopf hängen. Die Frau drehte sich zu ihm, während sie das Mädchen auf ihre Schultern hob und zum Morgen mit einem Kuss grüßte.
     „Du bist nicht Sheenas richtige Mama, oder?“
     „Natürlich bin ich das“, sagte Kasumi gutgelaunt und wog ihre Tochter liebevoll in ihren Armen. „Ich bin nur nicht ihre leibliche Mutter.“
     „Wo ist ihre andere Mama?“, erkundigte Zelos sich. Sheena blinzelte zu ihm hinunter, ihr Ausdruck wurde ungewöhnlich ernst und erst, als Kasumi sie spielend in die Luft warf und wieder auffing, begann sie wieder abgelenkt zu kichern. Zelos hatte gehört, dass Sheena erst vor kurzem hierhergekommen war. Sie erinnerte sich bestimmt noch, was vorher gewesen war.
     „Ich weiß es nicht. Aber das ist auch nicht wichtig. Sheena ist jetzt meine Tochter. Jetzt hat sie eine große Familie.“
     „Aber sie hat keinen Papa“, bemerkte Zelos.
     „Sie hat einen Opa und einen Onkel“, Kasumi verzog grübelnd das Gesicht. „Ist mein Vetter ihr Onkel? Ich weiß es nicht. Ist ja egal.“
     „Hat Sheenas Mama sie verlassen, weil sie sie nicht liebt? So wie meine Mama mich nicht liebt?“
     Kasumi stutzte, als sie Zelos musterte. Der Knabe sah so unbedeutend aus, wie er dasaß und in seinem Frühstück stocherte und sich Fragen stellte, auf die kein Sechsjähriger kommen würde. Wäre er nur so unbedeutend wie er schien, hätte er all diese Probleme nicht.
     „Deine Mama liebt dich“, war Kasumi sich sicher. Mit Sheena auf den Armen kniete sie sich zu Zelos runter und zerzauste ihm das rosenrote Haar. „Sie hat dich nicht verlassen. Sie darf nur nicht hier leben. Aber für dich ist es sicherer, mein Schatz.“
     „Wann seh ich sie denn wieder?“, fragte Zelos hoffnungsvoll. Kasumi presste besorgt die Lippen aufeinander, sie schlug ihren Blick nieder.
     „In naher Zukunft vermutlich nicht.“
     Zelos verstand und nahm einen tiefen Atemzug. Er wandte den Kopf ab, schob das Tablett von sich und verweigerte das Essen.
     „Heute wieder keinen Hunger?“
     „Ich will Wurst und Brot!“, meckerte und schniefte Zelos. „Keinen blöden Reis! Und warum ist das Ei roh? Wer isst denn rohe Eier!?“
     „Du wirst dich dran gewöhnen“, meinte Kasumi geduldig, die das Tablett wieder annahm und sich erhob. Sheena quietschte freudig, als sie das unangerührte Essen sah, und schnappte danach. Aber Kasumi ließ sie wieder zu Boden und war im Begriff, die Kammer zu verlassen. „Ich brate Fisch, wenn es dir genehm ist, Auserwählter. Hilf Sheena bitte beim Anziehen. Kommt dann zum Frühstück.“
     Zelos blickte ihr nach, seine Arme vor der Brust verschränkt und sein Herz raste noch von seinem kleinen Wutanfall. Er linste zu Sheena hinüber, die zu ihrer Wäschetruhe tippelte, und quälte sich auf die Beine, um ihr dabei zu helfen, ihre Gewänder anzulegen.

Nach dem Frühstück verabschiedete Kasumi sich, zusammen mit ihrem Vetter, den Sheena liebevoll „Onkel Tiga“ nannte, von den Kindern. Die beiden wurden vom Oberhaupt Igaguri auf eine Mission geschickt, wieder einmal. Um was es dieses Mal ging, erfuhr Zelos nicht. Es war nicht unwahrscheinlich, dass sie die nächstgelegene Menschenfarm ausspionieren sollten. Das waren schreckliche Orte, die Hölle auf Erden, aber Zelos wusste gar nicht wirklich, was genau darin geschah. Jedenfalls blieben Kasumi und Tiga und die paar anderen, die mit ihnen gingen, oft über mehrere Wochen hinweg fort, bis sie wiederkehrten.
     Nachdem sie aufgebrochen waren, hatte Igaguri Sheena und Zelos zum Spielen hinausgeschickt. Sheenas erstes Ziel war dann immer gleich die Nachbarhütte, in denen die Azumis lebten. Zelos folgte ihr. Mit den anderen Kindern hatte er sich bisher noch nicht anfreunden können, also war Sheena sein einziger Anlaufpunkt in diesem Dorf.
     Um sich anzukündigen, patschte Sheena gegen die hölzerne Tür. Ein Mann ließ sie und Zelos hinein, begrüßte die beiden freundlich und leitete sie zu dem niedrigen Tisch, an dem die Familie momentan aß. Das Ehepaar Azumi hatte zwei Söhne; der ältere, Orochi, war so alt wie Zelos, aber obwohl sie sich nie wirklich angriffen, kamen sie nicht allzu gut miteinander aus. Der jüngere war Kuchinawa, so alt wie Sheena, und die beiden verbrachten nahezu jede freie Minute miteinander. Trotzdem stritten sie sich ganz gern.
     Nachdem sie ihre Mahlzeit beendet hatten und Orochi und Kuchinawa ihren Eltern geholfen hatten, das Besteck abzuräumen, erlaubte die Mutter des Hauses ihnen, die naheliegende heiße Quelle aufzusuchen; unter der Voraussetzung, dass die anderen auf Orochi hören würden.
     Für Erwachsene war der Weg zu den heißen Quellen ein kaum erwähnenswerter Spaziergang von fünf Minuten, der über einen steinigen Pfad führte. Kinderfüße brauchten ein wenig länger und waren danach auch viel erschöpfter. Deshalb freuten sich die kleinen Wanderer besonders, als sie die blubbernde Quelle erreicht hatten, und gleich schlüpften sie aus ihren Gewändern. Was Kuchinawa sich dann als Erstes gönnte, war natürlich, Sheena vom Ufer ins Wasser schubsen. Nachdem sie sich gefangen hatte, suchte sie ihre Rache, griff nach Kuchinawas Bein und riss ihn hinterher, sodass er wie sie vom Wasser verschluckt wurde.
     „Tut euch nicht weh!“, tadelte Orochi die beiden, als sie damit begannen, in der Quelle miteinander zu ringen. Das war möglich, weil Orochi einen flachen Teil des Gewässers ausgesucht hatte, in dem auch die Kleinen noch stehen konnten.
     „Ich tu ihm weh!“, brüllte Sheena entschlossen und stieß Kuchinawa von sich. Der kleine Junge konnte nur schwer sein Gleichgewicht halten, tauchte stattdessen in das Wasser ein und flüchtete an die Felswand, die die Quelle ihm Halbkreis umrahmte, während er Sheena die rausgestreckte Zunge präsentierte.
     „Orochi“, wollte Zelos, der den Kleineren noch nicht gefolgt war, Orochis Aufmerksamkeit erlangen, und er pikte ihm großäugig in die Seite. Orochi wandte sich zu ihm, doch da wies Zelos schon die Felswand hinauf und lockte den Blick des Jungen dorthin.
     Alles, was Orochi sah, war reine Luft.
     „Was ist?“, erkundigte er sich. Zelos wich irritiert zurück.
     „Ich bin mir sicher, da war was …“
     „Was denn?“
     „Ein Fuchs vielleicht“, meinte Zelos.
     „Ich spür da auch was!“, sagte Sheena und legte den Kopf in den Nacken, um die Felswand hochzuschauen. „Da ist was!“
     „Ich geh nachgucken“, seufzte Orochi und umwanderte die heiße Quelle, bis er bei der Felswand ankam und festen Halt auf ihr fand, um sie zu besteigen. Es war nicht so, dass er tatsächlich erwartete, etwas zu finden. Aber als er oben ankam, hing er da, Auge in Auge mit einer kleinen Kreatur, deren gelbliches Fell in einen dreigespalteten, blauen Schwanz überging. Sogleich war das Wesen in einer Rauchwolke verschwunden.
     „Orochi!“, rief Kuchinawa nach seinem Bruder. Orochi beugte sich über die Felswand und blickte zur Quelle hinunter. Zelos war jetzt auch im Wasser, und er und Kuchinawa waren vom Ufer zurückgewichen, während Sheena sich derselben Kreatur näherte, die nun dort erschienen war. Das Geschöpf ließ Sheena nahe an sich heran. Als sie ihre Hand nach ihm ausstreckte, gestattete es dies jedoch nicht. Seine Ohren zuckten nach den Geräuschen, die die Kinder von sich gaben. Und dann sprach es, sodass Sheenas Mund schockiert aufklappte.
     „Du bist noch klein und schwach. Ich warte, bis du groß bist.“
     Dann war die Kreatur in einer Rauchwolke verschwunden. Sheena stand überrascht da, als sich der Rauch vor ihrer Nase wieder verzog. Hilfesuchend blinzelte sie zu Orochi hoch, doch der wusste nicht so recht, was er von der ganzen Situation halten sollte. Fürs Erste entschied er, alles zu vergessen, bis sie wieder daheim waren und er dem Oberhaupt Bericht erstatten konnte.
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast