Das Wiedersehen

KurzgeschichteHumor, Fantasy / P12
Afriten Bartimäus Dschinn OC (Own Character)
24.09.2016
27.10.2016
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(Erstmal vorweg: Die Geschichte spielt lange nach den Büchern und bezieht die Geschehnisse auch nicht wirklich mit ein, da das zu komplex geworden wäre. Hauptcharakter ist mein OC. Seht mir bitte auch nach, wenn irgendwas nicht 100% stimmt - es ist eine Weile her, dass ich die Bücher gelesen habe, und ich lese mich jetzt erst wieder ein. Ich würde mich aber sehr über ein paar Meinungen und Feedback freuen! ^.^)


Kapitel 1
Nezac

Der Geruch von Rosmarin und Lavendel erfüllte den Raum. Zu allem Überfluss gesellte sich noch eine Prise Knoblauch und Weihrauch dazu, vor allem Letzteren konnte ich bis auf den Tod nicht ausstehen. Als ich mich in der Mitte eines auf dem Boden mit Kreide aufgemalten Pentagramms zu materialisieren begann, nachdem das stechende Ziehen in meinen Eingeweiden endlich aufgehört hatte, das mich vom Anderen Ort hier her in die irdische Sklaverei befördert hatte, gewahrte ich vor meinen grün leuchtenden Augen zwei schemenhafte Gestalten. Als ich mich vollends in dieser Welt manifestiert hatte, glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen.
Beide standen in einem eigenen Schutzkreis, damit ich ihnen nicht schaden konnte. [1]
Der eine war hochgewachsen, hatte dunkle augen, einen leicht ergrauten Bart und pechschwarze, eindeutig gefärbte, kurze Haare. Er war gekleidet in einen Schicki-Micki-Anzug, mit den dazu passenden Schuhen, war gut genährt und trug eine kleine Brille mit runden Gläsern auf der langen, griechischen Nase, die zu seiner stocksteifen Haltung passte. Er war mir gänzlich unbekannt, hatte aber eine ungesunde, autoritäre Ausstrahlung, die einen jeden schon beim ersten Anblick erschaudern ließ. Eindeutig nicht der Typ Zauberer, mit dem sich meine Sorte Dschinn anlegen wollte.
Kaum aber wagte ich es, den zweiten anzusehen.
Sein Auftreten war kleiner, eindeutig gedrungener, ein wenig melancholisch. Das hatte sich nicht geändert. Was sich geändert hatte, war eindeutig der Blick seiner warmen, braunen Augen, denn dieser war nun kalt und berechnend. Ein Schauer durchfuhr meine Eingeweide, als mir dämmerte, warum ich hier her gerufen war. Es konnte nichts Gutes bedeuten.
Ich entschied mich schließlich für eine Gestalt, die ich schon öfter in der Vergangenheit angenommen hatte, und die weder zu bescheiden, noch zu übertrieben war, sondern mir gerade der Situation angemessen erschien. Ein kleiner, schmächtiger Junge mit dunkler Haut und schwarzen Haaren erschien in der Mitte des Pentagrammes – diesmal verzichtete ich aus gegebenem Anlass auf die rosarote Wolke, auf der er es sich sonst so gerne bequem machte – und betrachtete seinen – oder seine? – Beschwörer aus abwartenden, unschuldigen, braunen Augen. [2] Ein kleines Lächeln gesellte sich kurz auf seine Züge, als er die kleinere Gestalt vor sich anblickte, doch es wurde nicht erwidert. Daraufhin verschwand es so rasch wieder, wie es gekommen war.
»Nezac«, sprach der Mann, der mir nur zu gut bekannt war, mit einer Stimme, die vergleichbar war mit dem Luftzug, der durch ein zersplittertes Fenster im Winter weht. »Dieser Herr hier ist der neue Innenminister, und du wirst ihm alle Fragen beantworten, die er dir stellt, und das ohne zu Lügen oder Dinge auszulassen.«
Mir schwante Übles. Mein Blick flog kurz auf den netten Herrn im anderen Pentagramm, dessen ausdruckslose Augen weiterhin auf mir und meiner netten Gestalt lagen, die sich aber keinesfalls von meinem netten Aussehen auf der ersten Ebene täuschen ließen. [3] So ein Mist aber auch.
Mein Blick flog daraufhin wieder zurück zu dem, der einmal mein Meister gewesen war, und ich blickte ihn leicht flatterhaft an. [4] »Gibt es dafür auch einen Grund, warum ich das tun sollte?«, fragte ich in meiner sanftesten und ruhigsten Stimme, die mir im Moment möglich war. Immerhin hatte der Knabe den Stimmbruch gerade erst hinter sich.
Der Zauberer erwiderte, ohne mit der Wimper zu zucken, sofort etwas, das mich stutzig machte. »Der Grund ist einfach, Dschinn. Er ist dein Meister.«
Autsch. Das war natürlich mehr als direkt – ich hatte gehofft, dass der andere mich beschworen hatte, aber, da sie beide in einem Schutzkreis standen, hatte ich es nicht mit absoluter Sicherheit wissen können, wer denn nun für mein Hiersein die Verantwortung trug. Es war aber höchst unwahrscheinlich, dass sie mich gemeinsam beschworen hatten, denn so stark war ich nicht. Viel eher war der zweite Kreis aus reinen Sicherheitsgründen gezogen worden. Immerhin handelte es sich auch bei mir um einen Halbafriten der vierzehnten Stufe, eine mächtige Wesenheit, die… [5] na, lassen wir es bei aller Bescheidenheit mal gut sein.
»Gut. Was wollen Sie wissen? Und welches Jahr haben wir überhaupt?«, fragte ich den anderen dann, aus Höflichkeit benutzte ich sogar die korrekte Anrede. Was ich nur sehr selten, und nur, wenn ich das Gefühl habe, ganz tief in der Klemme zu stecken, tat – so wie jetzt.
»2016. Informationen. Was weißt du über einen gewissen Bartimäus?«, fragte er knapp.
Na endlich, nun kamen wir der Sache näher.
»Welcher Bartimäus?«, fragte ich scheinheilig. In meinem Kopf begann sich ein Bild zu dem Namen, besser gesagt, ein Geruch, zu formen, denn er sagte mir tatsächlich etwas. Allerdings waren wir Geister im Regelfall nicht sonderlich erpicht darauf, unseresgleichen an die Menschen zu verraten, wenn wir nicht unmittelbar unter Druck standen.
»Bartimäus von Uruk. Gibt es etwa noch andere?«, kam es unwirsch von dem kleineren Mann daneben, der leicht vor Ungeduld auf seiner Unterlippe zu kauen begonnen hatte. Er hatte sich nicht verändert. Zumindest nicht stark.
Nun, ich schluckte alle frechen Antworten, die mir gerade durch die Gedanken gingen, hinunter, und überlegte stark, was ich ihm nun erzählen sollte. Ich hatte tatsächlich einmal einen Bartimäus von Uruk getroffen, allerdings war dies nun mehr als tausendfünfhundert Jahre her, und ich hoffe, dass er sich nicht an mich erinnert. Nun ja. Die Geschichte war bestimmt nicht das, was die beiden Zauberer jetzt von mir hören wollten, daher behielt ich sie für mich. [6]
»Was hat er denn diesmal angestellt? Hat der den Tower von London niedergerissen oder… das Parlament in die Luft gesprengt?«, fragte ich, und der Junge entblößte dabei ein lückenfreies Grinsen mit zwei weißen Zahnreihen, was man ihm gar nicht zugetraut hätte, wenn man bedachte, dass die Mundhygiene vor zweitausend Jahren noch nicht die beste war.
Die beiden Zauberer fanden meine Aussage allerdings weitaus weniger zum Grinsen und stierten mich beide mit finsterem Blick an. Sofort verschwand auch mein Grinsen und machte einem verstohlenen, fast unterwürfigen Blick platz, den man sich von einem Jungen erwartete, der ein Stück Schokolade geklaut hatte.
Dann geschah etwas Unerwartetes. Die beiden sahen einander kurz an, tauschten vielsagende Blicke aus, wie man es tut, wenn man wortlos absprechen will, ob man etwas Bestimmtes ansprechen sollte oder nicht, und schließlich meinte der Griechennasige: »Bartimäus hat bei einem Verhör ein paar Namen ausgeplaudert, darunter deinen. Was weißt du über den Verbleib des Premierministers von London?«
Der Junge fasste sich für einen Moment an die untere Hälfte des Kinns und kratzte sich dort, um seine Nervosität zu verbergen. Darum ging es also! Der Premier war verschwunden? Und das fragten sie ausgerechnet mich, einen Dschinn, der seit sechs Jahren nicht beschworen worden war und somit keine Ahnung über die Geschehnisse der letzten Jahre haben konnte?
Bartimäus. Wenn ich den in die Finger kriege! Aber das hatte alles Zeit. Jetzt musste ich erst einmal aus diesem Pentagramm heraus, und womöglich wurde ich ohnehin gleich wieder entlassen, wenn sie mit der Befragung fertig waren. Ich blieb daher so ruhig und gelassen, wie es mir möglich war, und sagte, gefasst: »Ich weiß nicht, wovon Sie reden. Als ich das letzte Mal hier war, war er noch putzmunter in seinem Kämmerchen.« Was weiß ich denn wo so hohe Tiere residieren, wenn sie nicht gerade bei einer Besprechung sind?
Daran, dass die Augenbrauen des Dunkelhaarigen sich langsam senkten, erkannte ich, dass ihm meine dreiste Antwort nicht gefallen hatte. Er schnippte kurz mit dem Finger, und ein stechend heißer Schmerz bohrte sich durch meine Substanz. Es war nicht schlimm, aber auch nicht angenehm – eben ganz wie ein Glühheißer Stichel sich anfühlte. Dieser hier war aber scheinbar etwas schmerzhafter, als andere, was darauf schließen ließ, dass der Zauberer vor mir mindestens der vierten Stufe angehören musste und kerngesund war. [7]
»Du bleibst hier und wartest auf weitere Befehle«, sprach der Zauberer schließlich, und verließ sein Pentagramm umgehend mit dem anderen gemeinsam – etwas, das ich ihnen neidete, denn dummerweise war ich an den Befehl gebunden und musste bleiben. Sowas Dummes aber auch! So erfuhr ich nicht, was sie jetzt vorhatten, oder, viel wichtiger noch, wie lange ich noch hier bleiben musste.
Dann fiel mir aber etwas ein. Nicht ganz die feine Art, aber, naja, ich konnte ja nicht tatenlos zusehen und mir waren in dem Bannkreis leider nunmal die Hände gebunden.
Als sie den Raum bereits beinahe verlassen hatten, rief ich ihnen zu: »Hey! Würdet ihr mir freundlicherweise verraten, was hier los ist, oder muss ich Herrn Lovelace erst bei seinem wirklichen Namen nennen?«
Ich merkte sofort, wie dieser blassweiß im Gesicht wurde, und der andere sich zu ihm umdrehte und ihn einen Moment kritisch musterte. Als Lovelace den Kopf schüttelte und hektisch zu gestikulieren versuchte, dass das, was ich so eben gesagt hatte, nicht der Wahrheit entsprach, meinte der Hühne zu ihm: »Das ist doch nur ein Bluff. Sie werden diesem Dämon doch nicht etwa Ihren wahren Namen verraten haben, Lovelace. Wenn doch… dann sind Sie nicht würdig für diesen Posten, sollte unser Plan gelingen.«
Plan? Posten? Plötzlich wurden meine Ohren um einiges größer. Ein breites Grinsen legte sich auf mein Gesicht, das von keinem der Anwesenden im Raum erwidert wurde.
Lovelace drehte sich noch einmal mit eiskalter Miene um und bedachte mich mit einem warnenden, vielsagenden Blick, während er nur mit erstaunlich ruhiger Stimme sagte: »Natürlich blufft er. Und selbst wenn er ihn kennen würde, würde er ihm nichts bringen, da Sie derjenige waren, der ihn beschworen hat.«
Und damit hatte er leider Recht. Ich saß – wieder einmal – bis zum Hals in der Patsche!


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[1] Das mussten sie, denn wenn auch nur ein Rockzipfel herausschaute, bedeutete das für mich einen entscheidenden Vorteil. Aber der ein oder andere war auch schon bei meiner bloßen Erscheinung tot umgefallen!
[2] Dass die Wesenheit, die sich dahinter verbarg, alles andere als unschuldig war, brauchte ja niemand zu wissen – im Übrigen fühlte ich mich im Moment aber tatsächlich keiner Schuld bewusst.
[3] Zwar hatte ich mich ordentlich bis zur vierten Ebene verwandelt, sodass die Zauberer meine wahre Gestalt nicht sehen konnten, aber das hieß nicht, dass er keine vage Vorstellung davon hatte, welches Wesen er vor sich hatte – und dass es mit Sicherheit nicht aussah, wie ein unschuldiger, ägyptischer Junge.
[4] Nicht gut? Na, ihr wisst schon, eben unschuldig. Manchmal habe ich es nicht so mit der blumigen Sprache der Menschen.
[5] …die schon viel, ich will mal ehrlich sein, Unheil angerichtet hat. Ihr erinnert euch, als Rom abgebrannt ist? Ja? Das war ich. *hüstel*
[6] Was? Seid nicht so neugierig. Es gibt auch für Geister eine Privatsphäre!
[7] Man konnte ja nicht immer das Glück haben, von einem Herzkranken beschworen zu werden.
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