Sergeant Benson

OneshotRomanze, Freundschaft / P12 Slash
A.D.A Alexandra Cabot Detective Olivia Benson
24.09.2016
24.09.2016
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24.09.2016 4.621
 
Gehetzt kam Alexandra Cabot im Polizeipräsidium an. Sie lief die Treppen hinauf und bog nach links ab. Die Türen des Saals standen offen, sodass sie ohne großes Aufsehen hineinschlüpfen konnte. Die Zeremonie war bereits im vollen Gange. Sie atmete schnell und sah sich kurz um. In der letzten Reihe waren noch ein paar Plätze frei und sie bewegte sich so leise wie möglich zu einem dieser Plätze. Als sie saß hörte sie noch das Ende der Rede des Polizeipräsidenten. „Und ich bin sehr stolz Ihnen heute die neuen Sergeants des NYPDs präsentieren zu können.“

Alex schickte ein Dankgebet gen Himmel, da sie es offensichtlich doch noch rechtzeitig geschafft hatte anzukommen. Ein paar Reihen vor ihr erhoben sich plötzlich Amanda Rollins und Fin Tutuola, die den Saal eilig verließen. Alex‘ Augenbraue hob sich skeptisch, doch sicherlich hatten die beiden einen guten Grund. Sie erkannte, dass Nick Amaro der Zeremonie weiter beiwohnte. Ihre Gedanken schweiften ab, zu ihrer Zeit bei SVU. Sie fand es befremdlich als plötzlich Nick neben Olivia arbeitete und mit ihr ein Team bildete. Sie vermisste Elliot und Alex fiel es schwer diese neue Konstellation zu akzeptieren.

Doch noch weniger mochte sie den anderen Partner an Olivias Seite. Brian Cassidy. Sie sah sich fragend um aber fand ihn nirgends. Wie konnte er heute, an Olivias wichtigstem Tag in ihrer beruflichen Karriere, nicht anwesend sein? Sie knirschte leise mit den Zähnen. Sie mochte ihn schon früher nicht als Detective. Doch als Lebensgefährte von Olivia noch viel weniger. Er ist und bleibt ein rücksichtsloser verantwortungsloser Macho.

Ehe Alex‘ Gedanken noch düsterer werden konnte hörte sie den Satz, wegen dem sie eigentlich gekommen war: „Sehr geehrte Damen und Herren, Sergeant Olivia Benson vom 16. Revier.“ Jubel brandete auf und Alex‘ Augen füllten sich leicht mit Tränen. Sie klatschte begeistert, als Olivia ihre Ernennung zum Sergeant in Form einer Plakette überreicht bekam. Ihr Herz schwoll an vor Stolz. Sie sah Olivia auf der Bühne stehen. In der neuen Sergeant-Uniform mit den drei blauen Streifen, welche den neuen Rang anzeigten. Sie lächelte ihr unnachahmliches Olivia-Strahle-Lächeln ins Publikum und in diverse Kameras.

Langsam trat Olivia von der Bühne ab und der nächste Kollege wurde aufgerufen. Sie wurde sogleich von Nick in Empfang genommen. Er gratulierte ihr offensichtlich und redete dann auf sie ein. Alex nutzte die Chance und verließ den Saal, ehe Olivia sie entdeckte. Sie war noch nicht soweit, die vielen Fragen, welche Olivia sicherlich an sie gestellt hätte, zu beantworten. Zu viel war passiert in den letzten Jahren. Ein Träne lief über Alex‘ Wange, als sie daran dachte wie sehr sie Olivia als Freundin vermisste. Doch Alex war selbst schuld. Sie hatte New York verlassen, sie hatte SVU verlassen, sie hatte Olivia verlassen… Als sie einem Taxi winkte, konnte sie ihre Tränen kaum mehr zurückhalten. Sie sprang in den Wagen und nannte dem Fahrer eine Adresse. Danach brachen alle Dämme…  

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Olivia betrat am gleichen Tag das Revier. Sie hatte nicht einmal die Zeit gehabt sich umzuziehen. Wegen eines neuen Falls kam sie direkt von der Ernennungszeremonie ins Revier, um ihre Führungsaufgabe zu übernehmen. Sie hatte noch viele Gratulationen entgegennehmen müssen. Der Polizeipräsident wollte diverse Fotografien von sich und seinen neuen Sergeants. Es dauerte alles viel zu lange für Olivia. Doch ihr neuer Rang brachte auch Politik mit sich. Das konnte sie leider nicht ignorieren.

Sie trug ihren Hut in der Hand und ging als erstes in ihr Büro. Sie öffnete die Jacke der Uniform und hoffte diese loszuwerden. Doch es klopfte bereits nach wenigen Sekunden an ihrer Tür. Sie seufzte. „Herein.“ Nick  öffnete die Tür und brachte einen großen Blumenstrauß mit einem kleinen Schmuckkästchen herein.

„Das wurde vorhin für dich abgegeben.“ Lächelnd stellte er die Blumen mit Vase auf ihren Schreibtisch. Die kleine Box gab er ihr direkt in die Hand. „Ein Umschlag ist noch in den Blumen für dich.“ Nick deutete kurz auf die Blumen und verließ das Büro wieder, um seiner neuen Chefin etwas Privatsphäre zu geben. Als die Tür hinter ihm in das Schloss fiel öffnete sie die Schleife an der Box. Sie öffnete die Box langsam. Darin lag eine goldene Halskette. Der Anhänger bestand aus einem kleinen Rechteck auf welchem drei blaue Streifen eingraviert waren. „Ich wusste du hast mich nicht vergessen.“ flüsterte sie lächelnd.

Sie stellte die Box offen auf ihren Schreibtisch und nahm den Umschlag aus den Blumen. Während sie diesen öffnete setzte sie sich in ihren Stuhl. Sie entnahm eine Seite aus dem Umschlag und entfaltete diese. Die akkurate Handschrift verursachte ein Stirnrunzeln. Das war definitiv nicht Brians Handschrift. Neugierig las sie den kurzen Brief:

Liebe Olivia,
mit Freude habe ich erfahren, dass du heute zum Sergeant ernannt wurdest und meine besten Wünsche  sende ich dir mit diesen Blumen und dem kleinen Geschenk. Ich weiß, dass du diese neue Aufgabe ebenso professionell und leidenschaftlich ausfüllst wie alle anderen Aufgaben zuvor. Mein Herz quillt über vor Stolz, dass du deiner Karriere eine neue Richtung gegeben hast.

Bitte entschuldige, dass ich dir nicht persönlich gratuliere, aber ich wusste nicht, ob du mich überhaupt sehen willst. Trotzdem hoffe ich, dass dir das Geschenk gefällt und du es annimmst. Es soll dich an diesen besonderen Tag erinnern.

Viel Erfolg, Sergeant Benson, für die Zukunft.

In Liebe
Alex

P.S.: Die neue Uniform steht dir wirklich vorzüglich  :-)



Olivia seufzte leise auf. Ihr Herz schlug etwas schneller als sie den letzten Satz las. Alex machte da weiter, wo sie aufgehört hatte. Mit zweideutigen Anspielungen, ein leichtes Flirten, das nie wirklich greifbar wurde. Gott, sie vermisste die Staatsanwältin, als Kollegin und als Freundin. Nach ihrem letzten Fall in einer Schule, den sie gemeinsam bearbeiteten, verließ Alex New York für ein paar Wochen. Danach gab es nie wieder ein Lebenszeichen von der Blondine. Und nun das hier.

Olivia nahm ihr Handy und scrollte durch die Kontakte, bis sie auf Alex Nummer traf. Sie zögerte ein paar Sekunden. Doch dann wählte sie die Nummer der Staatsanwältin. Es klingelte drei Mal.  ‚Wie immer.‘ dachte Olivia schmunzelnd.

„Cabot.“ meldete sich die Angerufene.

„Hi Alex.“ antwortete Olivia. Es folgten ein paar Sekunden Stille.

„Liv…“ kam es leise aus dem Hörer. „Gott, es ist so schön deine Stimme zu hören.“

„Wie geht es dir?“ fragte die Dunkelhaarige.

„Es… es geht mir gut.“ Olivia hörte Unsicherheit in Alex‘ Stimme. „Wie geht es dir, Sergeant Benson?“

„Es geht mir auch gut, Counselor.“ Die Polizistin lächelte sanft, beim Gebrauch dieses Wortes.

„Eigentlich heißt es nun ‚Judge‘.“ Man konnte Alex‘ Lächeln in ihrer Antwort hören.

„Ich sehe, du hast die Zeit gut genutzt. Das freut mich für dich, Lexi. Du wirst bestimmt eine fabelhafte Richterin sein.“ Olivia blickte auf den Anhänger der Kette. „Ich wollte mich bei dir bedanken für die Blumen und dein Geschenk.“

„Ich hoffe die Kette gefällt dir.“

„Sie ist wunderschön, aber  ich kann das nicht annehmen, das ist viel zu teuer und…“

„Papperlapapp, du hast so lange auf diesen Tag hingearbeitet. Du hättest noch viel mehr verdient als Blumen und Schmuck.“

Olivia seufzte lautlos. Warum konnte Brian nicht so aufmerksam sein wie Alex. Sie liebte  ihn, doch an Tagen wie heute, hätte sie gerne seine Unterstützung gehabt. Stattdessen tauchte Alex wieder auf und Olivias Herz sprang hin und  her.

„Liv, bist du noch dran?“ hörte sie Besorgnis aus dem Telefon kommen.

„Ja, ich bin noch dran. Ich war nur kurz in Gedanken. Sorry.“ Olivia schluckte schwer.

„Liv, ich möchte dich gerne treffen. Hast du heute Abend Zeit für ein gemeinsames Dinner?“

Als Olivia nicht sofort reagierte kam ein leises Seufzen bei ihr an.

„Das war eine dumme Idee. Entschuldige bitte, du feierst bestimmt mit dem Department… oder mit Brian.“

Olivia rieb sich unsicher die Stirn. „Brian ist auf einem Kongress bis zum Sonntag.“

„Aber deine Kollegen wollen bestimmt mit dir feiern.“ Etwas Trauriges lag in Alex‘ Stimme.

Immer noch zögerte die Polizistin zu antworten. Es vergingen drei oder vier Sekunden.

„Eigentlich habe ich heute Abend nichts geplant. Ein gemeinsames Dinner wäre schön.“

Olivia spürte plötzlich Schmetterlinge in ihrem Bauch, die dort eigentlich nicht hin gehörten…

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Alex wartete im Lokal. Sie war wie immer überpünktlich. Ihr Blick ging kurz auf die Uhr. Noch immer zehn Minuten vor der verabredeten Zeit. Die Blonde rieb sich ihre Hände. Sie war nervös. Es war eigentlich alles perfekt außer… Wieder schweiften ihre Gedanken ab zu jenem Tag, als sie endlich den Mut hatte Olivia zu besuchen. Sie saß im Taxi und wartete darauf, dass Olivia nachhause kam. Was sie jedoch sah hinterließ nur eines… einen tiefen Schmerz. Olivia und Brian kamen Hand in Hand die Straße entlang gelaufen und lachten über irgendetwas. Vor dem Gebäude blieben sie kurz stehen und küssten sich verliebt, ehe sie gemeinsam hinein gingen. Alex‘ Tränen verschleierten ihren Blick, ehe sie sich wieder nachhause fahren ließ.

Sie schluckte kurz und versuchte dieses Bild zu verdrängen. Es ging hier um Olivia. Sie wollte mit ihr  diesen Tag feiern und den Abend genießen. Alex vermisste die Brünette. Es tat ihr leid, dass sie sich zurückgezogen hatte, aber sie hatte Angst davor, ihren Gefühlen für Olivia freien Lauf zu lassen. Deshalb hatte sie sich nicht mehr gemeldet. Sie wollte diese Gefühle unterdrücken, doch je enger sie mit Olivia befreundet war, desto stärker wurden die Gefühle. Sie dachte an den Augenblick, als ihr klar wurde, dass sie in Olivia verliebt war.

Sie waren gemeinsam Eislaufen am Rockefeller Center. Es war kurz vor Weihnachten und sie hatten nach langen arbeitsreichen Wochen endlich mal ein Wochenende frei. Olivia hatte die Anwältin gefragt, ob sie Lust hätte etwas zu unternehmen. Und so landeten sie schließlich auf der Eisbahn. Alex musste sich immer wieder an der Bande oder an Olivia festhalten. Sie war noch nie sicher auf den Schlittschuhen aber bei dem Gedränge am Rockefeller Center war es unmöglich nicht ständig auf den Hintern zu fallen.

Alex und Liv hatten schon lange nicht mehr so viel gelacht wie an diesem Abend. Immer wieder half die Polizistin der Blonden auf die Beine. Einmal fuhr Olivia rückwärts und hielt dabei Alex an beiden Händen fest. Sie sahen sich dabei in die Augen. Alex vergaß alles um sich herum. Sie verlor sich in den dunklen Augen. Und anschließend verlor sie den Halt. Olivia bremste um Alex aufzufangen und diese landete in den Armen der Brünetten. Alex sah erschrocken in Olivias Augen, ihre Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Da traf es die Anwältin wie einen Schlag. Sie hatte sich in die Polizistin verliebt und hätte sie in diesem Augenblick gerne geküsst. Stattdessen räusperte sie sich und löste sich sanft aus Olivias Armen.

„Hallo Alex.“

Die Blonde wurde aus ihren Gedanken gerissen und sah Olivia vor sich stehen. Diese hatte einen schwarzen Hosenanzug mit einer dunkelroten Bluse an. Die kinnlangen Haare waren offen und umrahmten das Gesicht in leichten Locken. Um den Hals hing die Kette, welche Alex eigens für Olivia hatte anfertigen lassen. Ein Lächeln zog über Alex‘ Lippen. Sie stand auf um ihren Gast zu begrüßen.

„Hallo Liv. Es ist schön dich zu sehen.“ Sie war unsicher, ob Olivia eine Umarmung zulassen würde, doch die Polizistin nahm ihr diese Entscheidung ab. Sie ging einen Schritt auf die Jüngere zu und nahm sie lange in den Arm.

„Es ist auch schön dich wieder zu sehen, Lexi.“

Alex hielt die Augen geschlossen und sog Olivias Wärme und ihren Duft ein. Sie wünschte sich die Zeit würde stehen bleiben. Doch Olivia entzog sich ihr langsam. Sie setzten sich an den Tisch. Alex‘ Blick wanderte zu der Kette um Olivias Hals. Die Ältere sah den Blick und berührte mit den Fingerspitzen den Anhänger.

„Er sieht wunderschön an dir aus. Genauso habe ich es mir vorgestellt.“ Alex lächelte sanft.

Olivias Gesicht überzog sich mit einer leichten Röte.

„Alex, ich…“ Olivia wurde von Alex Hand auf ihrer unterbrochen.

„Liv, nicht. Ich möchte, dass du es behältst. Es soll dich für immer an diesen Tag erinnern.“

Olivia erkannte in Alex‘ Gesicht, wie ernst es ihr damit war.

„Das wird es. Vielen Dank dafür. Es ist wirklich wunderschön.“

Olivia zog langsam ihre Hand zu sich. Sie lehnte sich entspannt in ihren Stuhl und sah Alex vor sich an. Diese trug ein hellblaues Kleid, ihre langen blonden Haare waren hochgesteckt, eine weiße Perlenkette lag um den  langen schlanken Hals.

„Du siehst umwerfend aus, schade, dass du deine Kleidung ab sofort unter einer Robe verstecken musst.“ Sie konnte ein Grinsen nicht verkneifen.

Alex lachte leise. „Wer sagt denn, dass ich unter der Robe etwas trage?“

Olivias Mund öffnete sich kurz geschockt, doch sie fing dann ebenfalls zu lachen an. „Du solltest aufpassen  wem du das sagst. Ich wette, wenn Trevor Langan das hört glaubt er es noch und versucht alles Mögliche, um es selbst zu überprüfen.“

Alex winkte ab. „Pffff, der soll lieber was anderes prüfen. Ich bin ihm bisher noch nicht begegnet als Richterin, freue mich aber jetzt schon auf sein Gesicht.“

Olivia nickte grinsend. Der Kellner kam und sie bestellten ihre Getränke und kurz darauf ihr Essen.

Sie stießen auf Olivias neuen Rang an, aßen entspannt und hielten leichten Small Talk. Es war schon nach 22 Uhr, als der Kellner ihnen die Rechnung brachte. Alex zückte ihre Kreditkarte und legte sie auf die Rechnung.

„Liv, hast du noch etwas Zeit für einen Spaziergang? Ich würde gerne etwas mit dir besprechen.“

Die Ältere leerte gerade ihr Weinglas und nickte anschließend schweigend. Sie spürte, dass Alex noch etwas auf dem Herzen lag und auch sie hatte noch einige Fragen an die Blonde. Sie hatten beide beim Essen ein ganz spezielles Thema nicht angesprochen und Olivia hoffte dies jetzt nachholen zu können…

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Sie liefen gemeinsam am Hudson River entlang und genossen die kühle Nachtluft. Alex hatte ihre Hände in ihre Manteltasche geschoben und sie sortierte im Kopf ihre Gedanken. Doch ehe sie anfing sprach Olivia aus, was sie schon den ganzen Tag beschäftigt hatte.

„Warum hast du dich damals nicht mehr gemeldet? Und warum meldest du dich ausgerechnet jetzt wieder, nach über zwei Jahren?“

Alex blieb stehen und wartete bis Olivia sich zu ihr drehte. Sie war fest entschlossen nicht um den heißen Brei herumzureden.

„Nichts tut mir mehr leid, als dass ich ohne ein weiteres Wort weggegangen bin. Ich konnte damals aber nicht länger mit dir befreundet sein, da ich plötzlich mehr als freundschaftliche Gefühle für dich entwickelt habe. Die letzten zwei Jahre waren beruflich ein Sprungbrett, doch privat… eher ein Desaster. Ich habe dich so sehr vermisst, deshalb wollte ich zumindest noch einmal Kontakt mit dir aufnehmen um über all das zu reden. Wenn du nach diesem Abend und diesem Gespräch keinen Kontakt mehr haben willst, dann akzeptiere und verstehe ich das natürlich. Du kannst dein Leben dann weiterleben wie bisher und du wirst nur noch beruflich mit mir zu tun haben.“

Olivia ließ diese Worte sinken. Ihr Blick fand Alex‘ Augen, die aufrichtig aber traurig wirkten. Sie hatte immer vermutet, dass Alex etwas vor ihr verheimlichte in den letzten Wochen, ehe sie verschwand. Trotzdem war sie nun erstaunt, dass Alex so deutliche und ehrliche Worte fand.

„Alex…. Ich… ich hatte ja keine Ahnung was in dir vorging.“ Olivia lehnte sich perplex an die Kaimauer an. Alex stellte sich mit etwas Abstand neben sie.

„Liv, es tut mir leid, dass ich damals nicht gleich etwas gesagt habe. Ich war selbst mit dieser Erkenntnis überfordert und musste das erst einmal verarbeiten.“

Olivia nickte verständig. Ihre Gedanken überschlugen sich gerade.

„Hast du immer noch diese Gefühle für mich?“ fragte die Brünette leise.

Nach kurzem Zögern nickte Alex stumm, ohne Olivia direkt anzusehen. Olivias Herz fing an schneller zu schlagen. Ihr Bauch zog sich leicht zusammen, als sie dieses Nicken sah. In Alex‘ Augen bildeten sich Tränen und sie versuchte sie unbemerkt wegzuwischen.

„Ich weiß, du bist mit Brian zusammen und glücklich und gerade umgezogen. Ihr habt bestimmt schon eure Zukunft geplant. Ich weiß jedoch nicht, wie wir unsere Freundschaft neu gestalten wollen, aber ich werde deinem privaten Glück auf keinen Fall im Wege stehen. Du bist mir zu wichtig. Und es ist das wichtigste für mich, dass du glücklich bist.“

Olivia schluckte schwer. War sie denn glücklich mit Brian? Diese Frage stellte sie sich schon seit einigen Wochen selbst. Immer wieder gerieten sie aneinander, weil ihre Vorstellungen von einer gemeinsamen Zukunft langsam aber sicher auseinander trifteten. Olivia wollte Familie und Karriere unter einen Hut bringen. Brian wollte gar keine Kinder. Und er litt darunter, dass Olivia erfolgreicher im Job war und mehr Geld verdiente als er. Olivia litt immer noch unter Alpträumen, wegen ihrer Entführung und jede Berührung von Brian kostete sie große Überwindung zuzulassen. Immer öfter zog sich Brian deshalb verletzt zurück.

„Liv, bitte glaube mir, ich kann damit umgehen. Ich würde nur gerne unsere Freundschaft nicht deswegen verlieren. Du fehlst mir… als Freundin.“ Alex berührte leicht Olivias Oberarm, zog ihre Hand jedoch nach wenigen Augenblicken wieder zurück.

Olivia griff spontan nach Alex‘ Hand und hielt sie in ihrer fest. Sie sahen sich ein paar Sekunden lang an. Jede mit ihrer eigenen Angst beschäftigt. Alex hatte Angst Olivia endgültig zu verlieren. Olivia hatte Angst ihren Gefühlen endlich nachzugeben. Denn es würde nicht nur ihr Leben sondern auch das von Brian und Alex für immer verändern.

„Ich vermisse dich auch. Du hast bei jedem Weggang eine große Lücke hinterlassen. Und ich hatte immer Angst, dass diese Lücke irgendwann für immer als Narbe bleiben würde.“

Sie zog Alex sanft zu sich. Sie nahm nun auch die zweite Hand der Jüngeren in ihre.

„Du willst, dass ich glücklich bin. Aber zurzeit bin ich das nicht. Brian und ich haben uns durch alles was im letzten Jahr passiert ist voneinander entfernt.“

Alex‘ Blick wechselte von unsicher zu hoffnungsvoll. Hatte sie vielleicht doch eine kleine Chance bei Olivia? Doch sie wollte die Polizistin nicht bedrängen. Das war eine Sache zwischen ihr und Brian. Alex war zu schlau um sich da einzumischen. Sie wusste von Olivias Entführung, wie der Fall Lewis zur Zerreißprobe wurde für das ganze Departement. Doch es war zu früh dieses Thema anzusprechen.

„Du solltest mit ihm darüber reden.“ schlug sie stattdessen vor.

Olivia seufzte. „Wir haben schon so oft darüber geredet. Aber keiner von uns hatte anscheinend die Courage eine Entscheidung zu treffen.“ Ihre Daumen strichen langsam über Alex‘ Handrücken. „Wir sollten weitergehen. Deine Hände sind eiskalt.“

Alex schüttelte den Kopf. „Nein, ist schon okay.“ Sie löste ihre Hände von Olivias und steckte sie in ihre Manteltaschen. „Liv, ich bin froh, dass du jetzt weiß, warum ich mich nicht mehr gemeldet habe. Und ich hoffe du kannst mir das irgendwann verzeihen. Ich bin eine furchtbare Freundin, denn ich hätte für dich da sein müssen, als so viele Veränderungen um dich herum passierten. Cragen, Munch, Elliot. Dann die ganzen neuen Kollegen. Von den wechselnden Staatsanwälten mal ganz abgesehen.“ Sie grinste Olivia vorsichtig an dabei.

„Keiner deiner Nachfolger hat dich ersetzen können.“ Olivia sah die Blonde lange an. „Wir haben dich alle sehr vermisst.“

Alex schluckte schwer bei der Erinnerung an die vergangenen Zeiten. Das Attentat auf sie, nach welchem sie ins Zeugenschutzprogramm gehen musste. Diese Nacht nagte immer noch an ihr. Immer wieder plagten sie Alpträume deswegen.

„Auch ich habe euch vermisst. Vor allem dich. Du hast mein Leben gerettet.“ Alex seufzte leise, als ihr Blick an Olivia vorbei auf den Fluss fiel. „Ich wünschte das alles wäre nie passiert. Das Zeugenschutzprogramm hat mein Leben verändert. Auch wenn ich wieder meine alte Identität habe. Aber ich bin nicht mehr dieselbe wie damals.“

Olivia nickte verständig. Ihr Blick scannte die blauen Augen der Anwältin und sah wie sich langsam Tränen darin bildeten. Ohne ein weiteres Wort zu sagen nahm sie Alex in den Arm. Diese schloss ihre Arme um Olivias Körper und klammerte sich an ihr fest. Die Tränen rollten über ihre Wangen und verfingen sich an Olivias Hals und Jacke. Sanft flüsterte diese immer wieder in Alex‘ Ohr.

„Es ist okay, Lexi, lass es raus… ich halte dich…“ Ihre Hand strich dabei  langsam über den Rücken der Blonden.. „Ich wünschte auch, dass du nicht hättest gehen müssen.“

Olivia dachte ebenfalls an diese Nacht zurück. Das Gefühl der Hilflosigkeit, als Alex‘ Blut unaufhörlich aus der Wunde lief. Die unbändige Trauer, als ihnen mitgeteilt wurde, dass Alex ‚gestorben‘ war. Und am Ende die Erleichterung darüber, dass Alex doch noch lebte. Aber der Abschied war genauso schlimm, wie Alex zu betrauern. Olivia schluckte schwer bei dieser Erinnerung.

So standen sie einige Minuten, bis Alex‘ Tränen langsam nachließen. Keiner von beiden wollte zuerst loslassen. Für Alex fühlte es sich in Olivias Armen an, als wäre sie nach einer lebenslangen Reise endlich zuhause angekommen. Ihre Tränen trockneten, ihr Herz schlug wieder langsamer, ihre Muskeln entspannten sich. Es war das erste Mal, dass sich die Blonde so geöffnet hatte. Olivia wusste das sehr zu schätzen und spürte, wie wichtig dies für sie beide war.

Ohne nachzudenken drückte Olivia einen sanften Kuss an Alex‘ Schläfe. Sie sog dabei einen Duft aus Rosen und Vanille auf. Sie schmunzelte, denn Alex benutzte noch immer das gleiche Shampoo und Parfum wie damals, als sie noch Kollegen waren. Wie hatte sie diesen Geruch vermisst.

„Alex?“ fragte sie leise. Nur ein leichtes „Hm?“ war die Antwort.  Alex hatte keine Ambitionen diese Lage in Olivias Armen zu verändern. „Wir sollten zurück zum Auto gehen.“ Alex grummelte in Olivias Kragen. „Ich will nicht gehen.“

Olivia fing an zu grinsen, als sie die ersten Regentropfen auf ihrem Gesicht spürte. „Nun, dann werden wir wohl beide morgen sehr erkältet sein, wenn wir bis auf die Haut nass werden.“ Alex Kopf schoss nach oben. In diesem Moment öffnete der Himmel seine Pforten und ein Regenschauer zog über sie hinweg. Alex und Olivia fingen an zu rennen, hielten sich dabei jedoch immer noch an einer Hand fest. Bis zum Auto würden sie es wohl nicht mehr schaffen. Deshalb steuerte Olivia auf einen Hauseingang auf der anderen Straßenseite zu.

Dort angekommen drängten sie sich unter die kleine Überdachung. Als sie sich ansahen fingen sie gleichzeitig an zu lachen. Sie sahen aus wie begossene Pudel. Alex‘ Frisur löste sich gerade in alle Einzelteile auf. Olivias Haare hingen ihr teilweise nass im Gesicht. Alex kicherte noch leicht, als sie anfing ihre Frisur ganz zu öffnen. Olivia kam es vor wie Zeitlupe, als sie die Blonde mit leicht geöffnetem Mund dabei beobachtete. Sie sah zu, als die langen blonden Haare nach unten fielen, wie Alex ihren Kopf grinsend schüttelte um die Haare auszubreiten. Durch die Straßenlampe glitzerten einzelne Tropfen in den Haaren. Olivias Gedanken schweiften kurzzeitig ab…

„Liv? Ist alles in Ordnung?“ Alex winkte mit ihrer Hand vor Olivias erstarrtem Gesicht. Diese schreckte aus ihrem Tagtraum auf. Trotz der Dunkelheit in diesem Hauseingang konnte Alex sehen, wie Olivias Gesicht rot wurde. Diese räusperte sich, unsicher, ob sie ihrer Stimme trauen konnte. „Ähm… was?“ stammelte die Ältere. Alex lächelte sie an. Sie strich eine nasse Strähne von Olivias Stirn zur Seite. Danach eine von der Wange hinter das Ohr der Polizistin. Für ein paar Sekunden sahen sie sich tief in die Augen und die Zeit schien stillzustehen.

Olivia sah die junge Anwältin vor sich, die an ihrem ersten Tag in ihr Revier kam um sich vorzustellen. Die Haare waren kürzer und heller. Ihr Schritt war forsch. Alle Blicke folgten ihr. Olivia mochte diese neue Anwältin nicht. Doch schnell verflog jede Skepsis, als man gemeinsam an den ersten Fällen gearbeitet hatte. Innerhalb weniger Wochen hatte Alex jeden Zweifel zerstreut.

Alex dachte ebenfalls an die erste Begegnung mit Olivia Benson zurück. Als sie ins 16. Revier kam stand die Polizistin vor ihrem Schreibtisch. Die Arme verschränkt, ein graues Tanktop über einer engen schwarzen Jeans und schwarze Halbschuhe an. Die Waffe und die Dienstmarke am Gürtel. Alex spürte sofort die Abneigung, die ihr entgegen kam. Sie wusste, dass es viel Arbeit bedeutete, um das Vertrauen der Detectives zu verdienen. Doch sie fand einen Weg sich zu beweisen und verdiente sich in kurzer Zeit den Respekt des ganzen Reviers.

Alex streichelte mit den Fingerkuppen sanft ein paar Regentropfen von Olivias Augenbraue. Olivia legte ihre Hand an Alex‘ Wange und streichelte mit dem Daumen ebenfalls ein paar Tropfen von der hellen Haut. Alex schluckte leicht. Sie wusste, dass sie sich aus dieser Berührung eigentlich zurückziehen sollte. Ihre Beherrschung kämpfte mehrere Sekunden lang. Doch Alex kam es wie Stunden vor. Dann wurde alles still um die beiden Frauen. Der Regen, der Verkehr, andere Passanten, alles wurde ausgeblendet. Es gab nur sie beide in ihrem kleinen Universum.

Olivia sah auf Alex‘ Lippen. Wie würden sie sich anfühlen? Sollte sie es einfach wagen? Hör auf zu denken und mach einfach, was dein Herz dir sagt, schimpfte sie mit sich selbst. Olivia nahm auch Alex‘ zweite Wange in ihre Hand und ehe sie sich versah lagen ihre Lippen auf Alex‘. Die Blonde war sichtlich überrascht von Olivias Initiative doch sie wehrte sich nicht. Im Gegenteil. Sie drängte Olivia an die Wand und erwiderte den Kuss leidenschaftlich.

Viel zu viel hatte sich in den letzten Jahren aufgestaut. Wie oft hatte sie sich diese Situation vorgestellt, davon geträumt und immer wieder das Verlangen unterdrückt, wenn sie Olivia begegnete. Nun spürte sie Olivias Körper an ihrem. Dieser Kuss war mehr als sie sich erträumt hatte. So viele Gefühle kamen wieder hoch und der Blonden kam es vor, als würde sie jede Sekunde in Ohnmacht fallen.

Olivia spürte die harte Wand in ihrem Rücken, aber Alex weichen Körper vor sich. Sie fühlte sich das erste Mal seit vielen Monaten wieder frei. Frei, das zu tun, was sie wollte und nicht was von ihr erwartet wurde. Dieser Kuss war so intensiv, dass es Olivia den Atem raubte. Sie ließ Alex‘ Gesicht los und legte die Arme um die schmale Taille. Sie zog die Jüngere noch etwas enger an sich. Der Kuss raubte ihnen den Atem. Olivia zog sich langsam zurück. Sie atmete tief ein, ehe sie die Augen öffnete.

Alex spürte den Sauerstoff in ihrer Lunge. Ihr Gesicht glühte und sie weigerte sich die Augen zu öffnen. Vielleicht hatte es Olivia nicht gefallen. Vielleicht war diese schockiert über die Intensität. Vielleicht…

„Wow…“ entrang es der Älteren. „Das war… unglaublich.“ Jetzt öffnete Alex doch die Augen. Olivias Gesicht lag im Schatten, doch sie konnte ein breites Grinsen erkennen.

„Ich… ich konnte… es tut mir leid. Das ging… wohl alles etwas schnell.“ Alex stammelte ungewohnt und versuchte etwas Abstand zwischen sich und Olivia zu bringen. Doch diese hielt sie weiterhin eng an sich gedrückt. Ein Lächeln machte sich breit.

„Also mir tut gar nichts leid. Im Gegenteil. Ich bereue es, das hier nicht schon viel früher gemacht zu haben.“ Erneut legte sie ihre Lippen auf die von Alex‘. Dieser zweite Kuss war etwas zärtlicher. Alex war erneut überrascht, doch genoss es, dass die Polizistin die Initiative ergriffen hatte. Sie wünschte dieser Augenblick würde nie vorüber gehen.

Erst ein Räuspern ließ beide gleichzeitig aufschrecken. Eine ältere Dame stand in der Tür, die das Wohnhaus offensichtlich verlassen wollte. „Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht erschrecken. Aber wenn Sie mich kurz durchlassen können Sie weitermachen.“ Die Dame konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Alex löste sich von Olivia mit hochrotem Kopf. Olivia biss sich auf die Lippen und machte ebenfalls Platz.

Als die Frau einige Meter entfernt war, fingen Beide gleichzeitig an zu lachen. Es dauerte ein paar Minuten, bis sie wieder Luft bekamen. „Ich glaube, das ist mir noch nie passiert.“ kicherte Alex. Olivia schüttelte ihren Kopf und wischte sich ein paar Lachtränen aus den Augenwinkeln. „Mir auch nicht. Ich habe allerdings auch noch nie wie zwei Teenager in einem Hauseingang geknutscht.“

Olivia suchte Alex Hand. Der Regen hatte mittlerweile aufgehört. „Komm, ich fahre dich nachhause.“ sagte die Ältere lächelnd. Alex nickte und hakte sich schließlich bei Olivia ein. „Sehr gerne, Sergeant Benson.“

So liefen sie gemeinsam die Straße entlang. Einer gemeinsamen Zukunft entgegen, auf die sie beide schon zu lange gewartet hatten.

ENDE
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