Mein treuer Walfänger

von Durah
OneshotDrama / P12 Slash
Corvo Attano Daud
23.09.2016
23.09.2016
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Daud hatte gewusst dass es so kommen würde. Dass ihn der kaiserliche Leibwächter in die Enge treiben würde. Sein Leben lag in den Händen des Mannes, dessen Leben er völlig ruiniert hatte und Gnade, war das letzte was der Attentäter erwartete.
Seine Wunde an der Hüfte pochte schmerzhaft und er sah wie Attano näher kam, das Schwert fest in Händen, bereit ihn umzubringen.
Daud zwang sich aufzustehen. Er wollte, wenn schon, mit Würde sterben, als sich plötzlich Jemand zwischen ihm und Corvo manifestierte.
"Thomas?!" Daud schien verwundert.
"Verschwinde von hier..."
Der junge Walfänger ignorierte die Worte seines Vorgesetzten und sah Corvo stattdessen ernst an. Die Gasmaske baumelte an Thomas Hüfte, die Kapuze lag im Nacken, sodass sein blondes strubbeliges Haar im Sonnenlich glänzte.
Schützend stand er vor Daud, was Corvo für einen Augenblick zu verwirrden schien, denn er ließ die Schwerthand etwas sinken und neigte den Kopf etwas nach rechts.
"Thomas! Verschwinde endlich!"
"Nein Sir!" sagte Thomas ernst und warf einen kurzen Blick über die Schulter.
"Ich bleibe genau hier stehen!"
Das war das erste mal in fast 20 Jahren, dass Thomas sich ihm widersetzte.
Der kleine Junge, den er damals weinend in den Straßen gefunden hatte war zu einem Willensstarken Mann herangewachsen.

Daud wusste nicht, wieso ihn die Erinnerungen gerade jetzt einholten. 18 Jahre und 7 Monate war es her, dass er den Überschwemmten Bezirk für sich einnahm. Damals selber noch jung und doch schon sehr erfahren, hatte er den Bezirk mit ein paar Söldnern erobert und alles und jeden verjagt.
Und auf dem Rückweg von einem erfolgreichen Attentat hatte er dann dieses Kind am Flussufer gesehen.
Ein kleiner Junge, vielleicht 6-7 Jahre alt, wie er weinend am Wasser gesessen hatte. Etwas in ihm hatte sich in diesem Augenblick verändert, als er zu dem Kind ging und dieser ihn ansah.
Obwohl Dauds Mantel, Handschuhe, Gesicht und Schwert von Blut verschmiert waren, hatte der blonde Junge keine Angst gezeigt. Er hatte zum Älteren hochgeguckt, sich die Tränen mit dem Handrücken weggewischt und war aufgestanden. Sie hatten einander einen moment lang in die Augen gesehen, dann hatte Daud seine blutverschmierte Hand ausgestreckt, die der Kleine sofort ergriffen hatte.
"Wie heißt du, Junge?"
"Thomas, Sir." kam die Antwort, klar und deutlich und vor allem sofort Respektvoll. Thomas hatte von Anfang an, keine Angst gezeigt, selbst als Jüngster der Truppe, hatte er sich nie etwas anmerken lassen.
Es war nur des Nachts, dass der kleine Blonde sich einsam gefühlt hatte und Daud erinnerte sich gut daran, wie Thomas sich nachts zu ihm ins Zimmer geschlichen hatte.

Seine kleinen nackten Füße patschten über den metallenen Boden, während er, so leise es ging, versucht hatte zu Dauds Bett zu kommen, um sich dort einzukuscheln, das Gesicht gegen die Brust des Älteren gedrückt, die kleinen Händchen ins Hemd des Attentäters verkrallt, so als wolle er nie wieder loslassen.
Daud hatte dies durchaus bemerkt, doch er hatte nie versucht den Jungen fort zu schicken.
Erst mit 11 Jahren hatte Thomas diese Angewohnheit abgelegt und Daud hatte es am Anfang doch etwas seltsam gefunden nun wieder alleine aufzuwachen, doch es störte ihn nur gering.
Der Blonde hatte sich als einer seiner besten Schüler herausgestellt. Schlau, schnell und geschickt übertrumpfte er den Rest seiner Band schon mit 13 und war mit 14 bereits der beste Assassine den er je trainiert hatte.

Sein erstes Ziel eliminierten sie gemeinsam und als Thomas zur Person blickte, deren Leben er gerade beendet hatte, dessen Blut an seinen Händen klebte, hatte er gezittert wie Espenlaub. Daud war sich nicht sicher gewesen, ob Thomas nun froh war, seinen Auftrag erledigt zu haben, oder ob Zweifel in ihm aufgekommen waren, denn der junge Attentäter hatte sich von der Leiche abgewendet und sich an seinen Boss geklammert, das Gesicht gegen seine Brust gedrückt, als könne er den Anblick nicht mehr ertragen.
Daud hatte ihn nur angesehen und über die Kapuze gestrichen.
"Das hast du gut gemacht, Thomas." hatte er zu ihm gesagt und der Junge hatte zu ihm hochgeguckt, das Gesicht hinter einer Gasmaske verborgen und doch konnte Daud Thomas Augen hinter den verspiegelten Linsen erkennen, in denen ein Leuchten zu sehen war.
"Danke Sir."

Erst als Billie zur Truppe hinzu kam, distanzierten sie sich. Dauds Aufmerksamkeit war vollends der jungen Frau gewidmet und doch merkte er, dass ihm etwas fehlte.
Er schickte Thomas mit anderen Attentätern los. Der Junge war kein Kind mehr, konnte nun gut auf sich selber aufpassen und doch konnte Daud erst dann wieder ruhig schlafen, wenn er den Blonden sicher im Hauptquartier wusste.
Und auch wenn Billie sich als noch bessere Schülerin entpuppte als Thomas, schätzte Daud den Jungen mehr, als sie. Etwas womit Billie nie wirklich klar kam und zwischen ihr und Thomas entwickelte sich absolute Rivalität.
Daud hatte die Beiden oft beobachtete, wie sie einander bekämpften und die Anderen Wetten eingingen, wer wen dieses mal in die Knie zwang. Die meiste Zeit gewann Billie, sie scheute sich nicht gemeine Tricks anzuwenden, während Thomas auf einen ehrlichen Kampf baute. Diese Ehrlichkeit würde ihn irgendwann noch mal umbringen, hatte Daud sich immer gedacht und dennoch kam er nicht umhin den Jungen zu bewundern.
Wie er sich im Kampf bewegte war pure eleganz, glich mehr einem Tanz, als einem Kampf. Er blieb völlig gelassen und konzentriert, sagte keinen Ton, während Billie ihn anstachelte, beleidigte und wollte, dass er die Nerven oder die Geduld verlor, doch er blieb ruhig.
Nur ein Spruch hatte ihn je aus der Fassung gebracht.
"Kleine Jungs wie du sollten nicht mit Schwertern Spielen!" hatte Billie gesagt.
"Geh lieber rein und lass dir vom alten Mann den Arsch vergolden!"

Daud hatte das genau gehört, aber nichts gesagt und zugesehen wie Thomas Gesicht knallrot geworden war und er, wie von Sinnen, Billie attackiert hatte, als wolle er ihr ernsthaft Schaden zufügen. Das Ganze ging sogar soweit, dass die Anderen ihn festhalten mussten, damit er Billie nicht wirklich umbrachte und das war auch der Augenblick gewesen, wo Daud selber eingegriffen hatte.
Er hatte den Blonden mit sich in sein Gemach genommen und ihn zur Rede gestellt.

Daud wusste nicht mehr wie genau es dazu gekommen war, doch nach einer Weile fanden sie sich auf seinem Bett wieder, eng aneinander gekuschelt, Thomas Kopf ruhte unter Dauds Kinn und er strich ihm durch die blonden Haare.
Diese Nähe tat dem älteren Attentäter gut. Er hatte Thomas nun schon soweit gebracht, aus dem kleinen Jungen war ein junger, hübscher Mann geworden, den Daud nie verlieren wollte.
Er sah zu ihm herab und drückte einen Kuss ins weiche Haar, als Thomas zu ihm hoch sah, ihn verwundert anschaute, die Wangen zierte ein sachtes Rosa. Seine haselnussbraunen Augen sahen hoch in seine eigenen Sturmgrauen, ein Augenblick, der sich wie Stunden anfühlte, bevor Thomas seine Hände auf Dauds Schultern legte, sich zu ihm hochzog und ihn küsste.
Der moment, wo Thomas weiche Lippen die seinen berührten hatte sich für Daud angefühlt, als würde ein Feuerwerk in seiner Brust losgehen und nicht mehr aufhören. Er erwiderte diese zarte Berührung, zog den Jungen näher zu sich, legte eine Hand auf seinen Rücken, die andere auf dessen Hinterkopf, vertiefte den Kuss noch mehr. Thomas schlang seine Arme um den Hals seines Vorgesetzten, drückte ihre Körper enger zusammen. Dieser Augenblick war falsch und doch fühlte sich doch so richtig an. Für sie Beide, war es richtig. Die Regeln des Ordens waren ihnen eh immer am Arsch vorbeigegangen und auch wenn es keiner sah und auch keiner erfahren sollte, so war dieser Kuss, diese über Jahre unterdrückte Liebe zueinander, der ultimative Arschtritt für diesen lächerlichen Orden, mit Gruß von Daud und Thomas.

Sie hatten die ganze Nacht zusammen verbracht, eingeschlossen in Dauds Zimmer, testeten sie ihre Grenzen, erforschten leidenschaftlich was der jeweils Andere mochte, was diese Lust zueinander noch mehr steigerte, was dieses Verlangen  noch weiter stärken konnte und Daud wusste, dass es Liebe sein musste. Deswegen hatte er sich immer unwohl gefühlt, wenn Thomas nicht in seiner Nähe war. Er brauchte ihn, er brauchte seinen kleinen, blonden Walfänger mit den großen, unschuldigen braunen Augen bei sich und es schien so als erginge es Thomas nicht anders.
Sie waren glücklich wenn sie zusammen waren.

Und nun, ein Jahr später standen sie hier, Daud blutend und mit dem Rücken zur Wand, vor ihm Corvo Attano und zwischen ihnen Thomas, der den Leibwächter finster ansah.
"Thomas, ich flehe dich an, geh!!"
Thomas ignorierte Dauds Flehen und blieb stehen, als Corvo auf ihn zukam.
"ATTANO NICHT!!!"
Doch der Leibwächter reagierte nicht auf Dauds flehen, packte Thomas an der Schulter und jagte seine Klinge durch die Brust des jungen Mannes. Thomas keuchte, hielt sich seinerseits an Corvos Schulter fest, ehe dieser die Klinge zurückzog und auf Abstand ging. Der Blonde drückte beide Hände gegen die Wunde und fiel auf die Knie. Er blickte hoch zum Leibwächter, dann auf seine blutverschmierten Hände, ehe er zu Boden fiel.
Corvo wandte sich Daud zu, der geschockt auf die Knie fiel und zu Thomas krabbete und ihn auf den Rücken drehte.
"Nein...Tho...." Weiter kam der Attentäter nicht, als sich die Klinge des Leibwächters durch seinen Hals bohrte.
Er hatte es bereits kommen sehen und keine Sekunde daran gedacht sich zu verteidigen oder zu fliehen. Wo sollte er auch hin? Wieso fliehen und verstecken, wenn das Wichtigste seines Lebens hier tot auf dem Boden lag?
Die Kräfte verließen Dauds Körper, seine Hände und Knie wollten ihn nicht mehr halten, während das Blut seinen Körper verließ und er neben Thomas zusammenbrach.
Schwarze Schlieren tanzten vor seinen Augen, während sein Blick auf das Gesicht des Blonden geheftet waren und er mit letzter Kraft dessen Hand packte.
/Wo immer man nach dem Tod auch hinkommt...ich will dahin, wo du bist.../ War Dauds letzter Gedanke, ehe sich seine Augen schlossen.
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