Don't drop the soap

GeschichteHumor / P16 Slash
Christian Mann Coco Faber OC (Own Character) Oliver Sabel
21.09.2016
06.10.2016
3
2607
 
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Christian Mann bereute seine Entscheidung sofort. Er hätte niemals für seinen Vater in den Knast gehen sollen. Die nächsten zwei Jahre würde er jetzt in diesem Betonklotz verbringen!
Das würde er nicht aushalten. Da war er sich ganz sicher.
Er hatte nur schon die Zellentrakte gesehen, da ist ihm schon ganz bang geworden.
Und bei der Vorstellung, mit einem echten Kriminellen in einer Zelle zu sein, wurde ihm noch schlechter.
Er hatte sich eine Einzelzelle gewünscht, jedoch wurde ihm mitgeteilt, dass keine Einzelzelle frei sei im Moment.
So konnte er nur hoffen, dass er einen friedlichen Zellennachbarn hatte.
Die zwei Justizvollzugsbeamten zu seiner linken und rechten stoppten bei einer Zelle.
Der eine öffnete die schwere Tür und Christian schluckte, als er diesen riesigen Kerl auf dem unteren Bett erblickte.
Das war also sein Zellennachbar... „He du, das is' dein neuer Nachbar.“, stellte der eine Beamte Christian vor. Der Mann, der ziemlich indianisch aussah, nickte nur. „Mhm.“, machte er und wendete sich dann wieder seinem Kreuzworträtsel zu.
Der schien sich ja nicht gerade sonderlich für ihn zu interessieren... Das könnte für Christian durchaus von Vorteil sein.
Also sollte er darauf achten, dass sein Zellennachbar ihn auch weiterhin uninteressant findet.
Er richtete sich wortlos in der Zelle ein, nachdem die zwei Beamten wieder gegangen waren und saß nun auf seinem Bett, starrte an die Wand.
Er traute sich nicht, den anderen Kerl anzuschauen. Einer der Beamten hatte ihm geraten, dass er Blickkontakt vermeiden sollte.
Und genau das tat er dann auch.
Und die Methode bewährte sich: Sein Mitbewohner ließ ihn in Ruhe. Ignorierte ihn einfach komplett.
Und langsam fing Christian an, neugierig zu werden. Lag vielleicht daran, dass er wusste, dass er mit diesem Kerl die nächsten zwei Jahre verbringen würde und dass er diesen Menschen dann lieber ein bisschen näher kennenlernen würde. Vielleicht wurde er aber auch durch sein permanentes Schweigen interessant.
Allerdings funktionierte die 'Ich gucke niemanden an' Methode nur bei seinem Zellenkameraden.
Die restlichen Häftlinge wussten, dass er der Neue war und sie wollten ihn spüren lassen, dass er hier nichts zu sagen hatte.
Beinahe wäre es in den Duschräumen zu einer Massenschlägerei gekommen, da war der Indianer überraschenderweise dazwischen gegangen und hatte Christian vor schlimmerem gerettet.
„Don't drop the soap.“, war das einzige, was er zu ihm gesagt hatte.
Später, als Chrisitan sich einigermaßen von diesem Schock erholt hatte und in der Zelle saß, wollte er sich bei seinem Retter bedanken.
„Hey, ähm... Danke mann. Danke, dass du da vorher wortwörtlich meinen Arsch gerettet hast.“
„Hmhm.“, brummte der Indianer nur.
Christian schwieg einen Moment, da er nicht wusste, was er sagen sollte. Allerdings ärgerte ihn diese Wortkargheit seines Mitbewohners langsam! Hielt der sich für was besseres oder was?!... Oder konnte er vielleicht gar kein Deutsch? Dann wagte er es einfach.
Er stand auf und ging zu dem Indianer hinüber, hielt ihm die Hand hin. „Christian Mann.“, stellte er sich vor. „Marius Kleinn.“, erwiderte der Indianer, nachdem er Christians Hand einen Augenblick lang angeschaut hatte und ergriff nun eben jene, um sie zu schütteln.
„Was hast'n gemacht?“, fragte Marius ihn, nachdem Christian sich ihm gegenüber gesetzt hatte.
Christian seufzte innerlich vor Erleichterung. Das Eis zwischen ihnen schien gebrochen zu sein.
„Tankstelle überfallen.“, antwortete er. Der Indianer musterte ihn und nickte. „Mhm.“, machte er wieder. Dieses Mal klang er allerdings ungläubig.
„Und du?“, fragte Christian, einerseits, um das Gespräch am laufen zu halten und andererseits, weil es ihn auch brennend interessierte. Der Kerl schien nicht wirklich einer der bösen Sorte zu sein, sonst hätte er Christian doch schon längst zu Pulver verarbeitet... Oder?
„Totschlag.“ Christian schluckte. Er hatte es hier also mit jemandem zu tun, der einen Menschen getötet hatte. Zwar vielleicht nicht absichtlich, aber getötet ist getötet.
„Wie... Wie lange hast du bekommen?“, fragte Christian. „Ursprünglich 7 Jahre. Aber komme wegen guter Führung früher raus.“ Christian nickte. „Äh... Das klingt doch gut. Wie viel früher?“ „In zwei Jahren.“ Christian nickte. „Ich komm' auch in zwei Jahren wieder raus!“ Marius nickte und  lächelte sogar leicht.
„Das ist doch schön.“

Und ob man es glaubt oder nicht, das war der Anfang einer sehr starken Freundschaft.
Dadurch, dass Marius und er im selben Boot saßen und sich auch noch eine Zelle teilten, wurden die zwei ziemlich dicke und letztendlich waren sie sogar so etwas ähnliches wie Brüder.
Sie wussten so gut wie alles übereinander, Christian hatte ihm sein ganzes Leben vor den Füßen ausgebreitet und auch Marius hatte alles über sich erzählt; Über ihre Herkunft, Familie, die genauen Umstände, die sie in den Knast gebracht hatten. So wusste Marius auch, dass Christian unschuldig war und so hatte Christian ihm auch von der Brieffreundschaft mit Coco, mit der er später zusammenkommen würde, erzählt. Und so wusste Christian, dass Marius ursprünglich Bestatter war und im Affekt einen Mann, der ihn schon seit längerer Zeit immer wieder provoziert und teils sogar bedroht hatte, zu Tode geprügelt hatte.
Christian wusste, dass er vielleicht Angst oder Abneigung seinem Zellennachbarn gegenüber verspüren sollte, aber er wollte es eigentlich nicht einmal versuchen. Er hatte die Reue in Marius' Stimme gehört, nun, wo er Jahre später darüber sprach und er war wirklich ein komplett anderer Mensch geworden.
Viel ruhiger, geklärter.  
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