Terranigma

von Labrynna
GeschichteAbenteuer / P12
Ark (Oberwelt) Ark (Unterwelt) Fluffy (Oberwelt) Fluffy (Unterwelt) Melina (Krysta) Melina (Storkolm)
18.09.2016
11.11.2017
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Das alte Laub unzähliger, längst vergangener Herbsttage raschelte leise unter den dünnen Sohlen von Arks Lederschuhen, während sich der junge Mann ein wenig zögerlich tiefer in den Wald wagte und dabei an seine früheren Versuche, das Gehölz zu durchqueren dachte.
Von dem unbändigen Wunsch befallen, mehr über seine Herkunft zu erfahren oder zumindest den Weisen als Lügner zu entlarven, hatte Ark sich bereits früher mehrfach in den düsteren Wald gewagt. Doch anstatt ihn zu durchqueren, war Ark jedes Mal wieder an genau der Stelle aus dem Unterholz gebrochen, an der er den Wald betreten hatte.
Ob auf diesen Wäldern ein Zauber lag, der jegliches Durchqueren ohne die Zustimmung des Weisen unmöglich machte?
Aber warum?
Was verbarg sich hinter diesen Baumreihen, das man vor den Bewohnern Krystas fernhalten oder verstecken musste?
Ein plötzlicher Schauer lief Ark über den Rücken und er zog fröstelnd die Schultern vor. Fluffy warf ihm einen Seitenblick zu und sagte: „Vielleicht hättest du einen Mantel mitnehmen sollen – und etwas zu essen. Wir werden vermutlich eine Weile unterwegs sein.“
Bei diesem Gedanken blieb der junge Mann wie angewurzelt stehen und starrte seinen seltsamen Begleiter aus großen Augen an. „Aber ja! Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Ich bin zu…“ Den Rest des Satzes ließ Ark unvollendet. Stattdessen wandte er sich hastig um und lief zurück in Richtung seines Heimatdorfes.
Eigentlich hatte er sagen wollen, dass er mal wieder impulsiv war und gehandelt hatte, ohne nachzudenken. Doch aus einem ihm selbst nicht klaren Grund hatte sich etwas in ihm vor so viel Ehrlichkeit Fluffy gegenüber gesträubt.
Es war nicht so, dass er dem ulkig aussehenden Wesen misstraute. Aber das bedeutete im Umkehrschluss noch lange nicht, dass er ihm tatsächlich vertraute oder gar sein Innerstes vor ihm ausbreiten wollte. Das gehörte ihm allein und nur wenige auserwählte Personen wie Melina durften ab und zu einen Blick darauf werfen.
Während Ark nach Krysta zurückeilte, flog Fluffy neben ihm her und musterte ihn immer wieder nachdenklich von der Seite. Offenbar beschäftigte sich das Bonbon-Wesen mit der Frage, was Ark hatte sagen wollen und warum er abgebrochen hatte. Zu Arks großer Erleichterung blieb es jedoch stumm und drängte nicht tiefer in ihn.
Kaum, dass der junge Mann die letzten Baumreihen durchschritt, wäre er am liebsten wieder umgekehrt. Er hatte sich nie sonderlich wohlgefühlt in seinem Heimatdorf und die Totenstille, die nun über den wenigen Häusern lag, machte es nur noch schlimmer. Dennoch zwang Ark sich weiter vorwärts und rannte in sein Zimmer.
Dort holte er einen dicken Mantel aus rotgefärbter Wolle aus seinem Schrank und warf ihn sich um die Schultern. Der Duft, den das Kleidungsstück verströmte, versetzte Arks Herzen einen Stich. Melina hatte ihm diesen Umhang zu seinem letzten Geburtstag gewebt und ihr Geruch haftete noch immer an dem weichen Wollstoff.
Sofort sah Ark wieder ihr entsetzt und ängstlich wirkendes Gesicht vor sich und wie es plötzlich zu Eis gefror.
Was hatte er ihr bloß angetan in seinem Rachedurst?
Ob sie ihm jemals verzeihen würde?
Ark schüttelte den Kopf als hoffte er, all seine düsteren Gedanken und die mit ihnen verknüpften Bilder würden durch die Bewegung aus ihm herauspurzeln, und durchsuchte die verschiedenen Fächer und Schubladen seines Schrankes nach weiteren Gegenständen, die ihm auf der vor ihm liegenden Reise womöglich von Nutzen sein könnten.
Fluffy flatterte unterdessen wie ein aufgeregter Vogel durchs Zimmer und schien Arks Einrichtung zu bestaunen. Als er den kleinen Stoffteddybär entdeckte, der in einer Ecke von Arks Bett saß, stieß er ein lautes Prusten aus und wandte sich lauthals lachend zu seinem Begleiter um.
Dieser durchbohrte ihn jedoch mit eisigen Blicken und zischte: „Wag es ja nicht!“
Bei dem bedrohlichen Ausdruck in Arks Augen blieb Fluffy das Lachen im Halse stecken und er ließ ein wenig beschämt den Kopf hoch. „Es tut mir leid“, setzte er an, „aber ein Plüschtier passt nicht zu dir, so wie ich dich bisher kennen gelernt habe. Deswegen musste ich lachen. War es ein Geschenk?“
Ark warf einen langen Blick auf den Teddybären, wobei sich seine Augen verdunkelten bis sie die Farbe einer stürmischen See hatte. Dann wandte er sich abrupt ab und verließ mit einem leeren Seesack in den Händen sein Zimmer.
Fluffy blickte ihm ein wenig konsterniert nach, dann folgte er dem neuen Herrn der Truhe.
Während Ark Küche und Vorratskammer nach haltbarem Essen durchsuchte, um dieses in seinem Seesack mit auf die Reise zu nehmen, kehrten seine Gedanken unwillkürlich zu dem inzwischen ziemlich abgenutzt aussehenden Teddybären zurück.
Dieses Plüschtier begleitete ihn schon so lange er denken konnte. Angeblich war es, neben den Kleidern, die er am Leib getragen hatte, einer kleinen Wolldecke und dem Weidenkorb, in dem er gelegen hatte, das Einzige, was er dabei gehabt hatte, als der Weise ihn auf der Schwelle seines Hauses gefunden hatte.
Früher war der Stoffbär für Ark ein eindeutiges Zeichen dafür gewesen, dass seine Eltern ihn geliebt und nur schweren Herzens ausgesetzt hatten. Doch als er älter geworden war und sich der Zynismus in seinem Herzen festgesetzt hatte, hatte er angefangen, den Bären mit anderen Augen zu sehen. Inzwischen war er sich beinah sicher, dass er das Stofftier nicht von seinen Eltern bekommen hatte. Er glaubte vielmehr, die Frau des Weisen habe es ihm genäht, damit er weniger weinte.
Aber ein letzter Rest von Zweifel blieb und hatte ihn bislang daran gehindert, sich von dem Plüschtier zu trennen.
Was, wenn seine leibliche Mutter es doch extra für ihn genäht hatte?
Der junge Mann hatte bereits Stunden damit verbracht, auf seinem Bett zu sitzen und den Stoffbären zwischen seinen Händen hin und her zu drehen, in der Hoffnung die Näharbeit einer der Frauen aus dem Dorf zuordnen zu können – jedoch ohne Erfolg.
Waren seine Eltern womöglich wirklich von außerhalb Krystas gewesen?
Und würde er auf seiner Reise womöglich nicht nur sein Heimatdorf retten können, sondern tatsächlich etwas über seine Wurzeln herausfinden können?
Eine von hinten kommende Stimme platzte plötzlich in seine Gedanken und ließ erschrocken zusammenzucken: „Ich dachte, du wolltest erst zurückkehren, wenn du den Fluch gebrochen hast. Hast du etwa schon aufgegeben?“ In den Augen des Weisen stand deutlich geschrieben für wie nichtsnutzig er Ark hielt.
Dieser drückte trotzig den Rücken durch und hielt den inzwischen gut gefüllten Seesack in die Höhe. „Keineswegs. Mir ist lediglich aufgefallen, dass ich vergessen hatte, Vorräte mitzunehmen. Ich breche gleich wieder auf, keine Angst.“
Der Weise betrachtete mit nachdenklicher Miene Fluffy, der auf dem Küchentisch hockte und verstohlen an einem Apfel knabberte. Erneut wunderte Ark sich über die fehlende Reaktion des alten Mannes.
Wunderte er sich gar nicht darüber, einen lebenden, rosafarbenen Ball mit Flügeln auf seinem Tisch sitzen zu sehen?
Andererseits… Der Alte hatte die Truhe im Keller versiegelt. Vielleicht kannte er Fluffy tatsächlich schon lange.
Dann nickte der Weise plötzlich und verschwand wortlos aus der Küche. Doch kurz darauf tauchte er entgegen Arks Erwartungen wieder auf und drückte dem jungen Mann mehrere Knollen in die Hand.
Als Ark diese irritiert betrachtete, erklärte der Weise: „Dies sind Heilknollen. Sie sind sehr sättigend und unterstützen die natürlichen Heilfähigkeiten des Körpers. Solltest du auf deiner Reise verletzt werden, zögere nicht, einen Bissen von ihnen zu nehmen. Aber setze sie dennoch mit Bedacht ein. Wenn du sie in dich hereinstopfst, nur um dir den Wanst vollzuschlagen, wirst du es bitter bereuen, solltest du wirklich verwundet sein und keine Heilknolle mehr übrig haben.“
Arks Blick zuckte verwirrt zwischen den Knollen in seinen Händen und dem Dorfältesten hin und her.
Machte der Alte sich etwa Sorgen um ihn?!
Um seine Verlegenheit zu überspielen, stopfte Ark die Knollen in seinen Seesack, wandte sich Richtung Tür, sodass der Weise sein Gesicht nicht sehen konnte, und antwortete über die Schulter hinweg: „Dann breche ich mal wieder auf, um diesem Albtraum ein Ende zu versetzen, bevor du noch verhungerst, weil deine Frau dir als Eisskulptur nichts zu Essen kochen kann.“
Der Dorfälteste rollte angesichts von Arks flapsiger Reaktion genervt mit den Augen, schlurfte jedoch ohne ein weiteres Wort aus dem Raum. Fluffy sah ihm neugierig hinterher und wandte sich dann an Ark: „Ihr habt ein sonderbares Verhältnis zueinander.“
Ark schulterte seinen Seesack und verließ das Haus, ohne zu antworten. Erst als Fluffy am Rande des Waldes wieder zu ihm aufschloss, stimmte er zu: „Ja, das haben wir wohl.“ Das Bonbon-Wesen schien zu nicken und stellte fest: „Aber ich sollte nicht nach den Gründen fragen, richtig?“ Ein wölfisches Grinsen huschte über Arks Lippen, als er bestätigte: „Jedenfalls nicht, wenn dir dein Leben lieb ist.“

Den Weg durch den Wald hindurch schwiegen die beiden Abenteurer und hingen ihren eigenen Gedanken nach. Während Fluffy sich fragte, wie er sich mit dem abweisenden Ark anfreunden sollte, wunderte sich dieser noch immer über das Verhalten des Weisen.
Sollte er seinem Ziehvater trotz aller Rangeleien, die sie in den letzten Jahren immer wieder gehabt hatten, tatsächlich etwas bedeuten?
Waren die permanenten Nörgeleien des Alten womöglich Ausdruck seiner Sorge gewesen?
Hatte er sich etwa nicht mehr anders zu helfen gewusst haben, um seinen Ziehsohn davon abzuhalten ins eigene Unglück zu rennen?
Ark seufzte tief auf, was Fluffy dazu veranlasste, ihm einen neugierigen Seitenblick zuzuwerfen. Da es jedoch die letzten Male mit seinen Fragen an Arks Verschlossenheit aufgelaufen war, schwieg das sonderbare Wesen sicherheitshalber.
Während sie sich dem Rand des Waldes immer mehr näherten und Ark einen losen Stein vor sich her trat, fragte sich der junge Mann, warum der Weise nicht einfach das Gespräch mit ihm gesucht hatte anstatt ihn regelmäßig zurechtzuweisen. Damit wäre der Alte viel eher zu ihm durchgedrungen als mit Gardinenpredigten.
Oder hatte der Dorfälteste versucht, den Dialog mit ihm zu suchen und er hatte ihn in seiner ohnmächtigen Wut ungehört abgeblockt?
War es am Ende ganz allein seine Schuld wie alles gekommen war?
Arks Grübelein wurden jäh unterbrochen, als die beiden Abenteurer durch die letzte Baumreihe brachen und sich vor ihnen die Außenwelt ausbreitete. Während Fluffy ein verwundertes Gesicht zog, stockte Ark der Atem.
Dies sollte die Welt außerhalb Krystas sein?!
In gewisser Weise hatte der Weise nicht gelogen, dass sich hinter dem Wald nichts befand…
Vor dem jungen Mann und seinem sonderbaren Begleiter breiteten sich unendliche Weiten ausgedörrter Ödnis aus. Weit und breit war kein Zeichen von Leben zu entdecken. Eine steife Brise fegte über das flache Land, wirbelte die oberste Sandschicht auf und ließ Ark fröstelnd seinen Umhang näher um sich ziehen.
Bei dem geschockten Ausdruck in den Augen des jungen Mannes wagte sich Fluffy vor: „Nicht ganz das, was du erwartet hast, hm?“
Ark schüttelte den Kopf und sah mit wachsendem Horror zum pechschwarzen Himmel auf. Während sie durch den Wald gewandert waren, war die Nacht hereingebrochen – dennoch hatte Ark ein klein wenig Licht erwartet. Zu seiner großen Überraschung waren jedoch nur über Krysta vereinzelte Sterne zu sehen. Der Rest des Himmels war eine undurchdringliche, schwarze Fläche, die aussah als könnte sie alles um sich herum verschlingen.
Bei diesem Anblick kroch Ark die Angst wie die eisigen Finger einer Geisthand den Rücken empor. Trotzdem zwang er sich weiter voran – schließlich hatte er Melina versprochen, sie so schnell wie möglich zu retten.
Der trockene, von kleinen Steinchen übersäte Boden knirschte leise unter den Sohlen seiner Schuhe, während er sich weiter in das trostlose Land vorwagte. Je mehr Weg er zurücklegte, desto toter wirkte die Gegend.
Dem jungen Mann traten Tränen in die Augen, als er einen in der Nähe fließenden Lavafluss entdeckte. Die das Flussbett umgebenden Felsen waren verkohlt und selbst das auf ihnen wachsende Moos verbrannt.
„Alles hier ist so trostlos…“ Ark war nicht bewusst gewesen, dass er seinen Gedanken laut ausgesprochen hatte. Entsprechend erschrocken war er, als Fluffy antwortete: „Stimmt schon, aber manches ist trotzdem verdammt schön. Sieh dir mal diese Kristallfelsen an!“ Das Bonbon-Wesen deutete auf eine Formation aus blauem Kristall, die sich in den Himmel hinaufschob.
Im Schein der in der Nähe fließenden, glühenden Lava funkelte das durchsichtige Material wie von innen beleuchtet, was ihm tatsächlich eine geradezu überirdisch wirkende Schönheit verlieh. Trotzdem entlockte es Ark nicht mehr als ein angedeutetes Lächeln. Bei dem Gesicht, das Fluffy angesichts seiner Reaktion zog, war der junge Mann sich sicher, das sonderbare Wesen hätte vor Enttäuschung Kopf und Schultern hängen lassen, wenn es soetwas gehabt hätte.
In einem, wie er hoffte, versöhnlichen Ton mutmaßte Ark: „Wenn wir diesem Weg weiter folgen, finden wir hoffentlich bald den ersten Turm.“ „Ja…“ Fluffy schien tief Luft zu holen, dann fügte er wieder deutlich vergnügter an: „Warum stehen wir dann noch hier herum?“

Es dauerte jedoch noch mehrere Stunden, bis die beiden Abenteurer das gesuchte Bauwerk am Horizont ausmachen können. Zunächst war es als noch dunklerer Schemen am schwarzen Himmel zu erkenen, aber je näher die Zwei dem Turm kamen, desto mehr Details schälten sich aus der Finsternis heraus.
Der Turm war aus grob behauenem, dunklem Gestein errichtet und mit bedrohlich wirkenden Fratzen verziert worden und schien mindestens drei Stockwerke zu haben. In unregelmäßigen Abständen war das Schimmern beleuchteter Fenster zu erkennen.
Ark legte den Kopf in den Nacken, starrte zur Turmspitze herauf und überlegte, wer oder was sich wohl in dem Gebäude aufhalten mochte. Er konnte sich nur schwer vorstellen, dass Monster Fackeln entzündeten, um der Dunkelheit zu entgehen.
Als ihm keine Antwort einfallen wollte, stieg er die wenigen Stufen zum Eingangsportal herauf. Fluffy flatterte dabei neben ihm und zog ein unglückliches Gesicht. „Findest du nicht auch, dass dieser Ort etwas Bösartiges ausstrahlt?“
Die Lippen grimmig aufeinander gepresst, nickte Ark. „Du hast Recht. Irgendetwas stimmt hier nicht. Vielleicht sind es die gefangenen Seelen, von denen der Weise gesprochen hat, deren Präsenz wir spüren.“
„Hm-mh.“ Fluffy sah nicht aus als wäre er von dieser Theorie überzeugt. „Vielleicht ist es aber auch die böse Macht, die die Seelen gefangen hält…“
Ark hörte ihm jedoch schon gar nicht mehr zu. Stattdessen deutete er auf das Eingangsportal und fragte: „Was auch immer. Hast du eine Ahnung, wie ich das Tor öffnen soll?“ Weit und breit war kein Schalter zu sehen und es schien auch kein Vorrichtung zu geben, an der man die Tür hätte aufziehen können.
„Ich weiß nicht. Vielleicht solltest du klopfen“, mutmaßte Fluffy. Als Ark ihm daraufhin einen schrägen Seitenblick zuwarf, zog er ein kindlich-offenes Gesicht und verteidigte sich: „Jetzt guck doch nicht gleich so! Einen Versuch ist es wert oder etwa nicht?“
Für einen langen Moment sah es so aus als wollte Ark die Idee seines Begleiters verwerfen, doch dann stieß er einen langgezogenen Seufzer aus und zuckte mit den Schultern. „Das funktioniert niemals, aber ich will mir ja nicht nachsagen lassen, ich hätte nicht alles versucht.“
Die Miene eines Märtyrers im Gesicht schlug Ark dreimal mit dem stumpfen Ende seiner Hellebarde gegen das stählerne Eingangstor des Turms. Dann wandte er sich wieder Fluffy zu und sagte, nicht ohne Triumph in der Stimme: „Siehst du? Es bringt überhaupt nichts.“
Das seltsame Wesen erbleichte jedoch schlagartig und stammelte: „A-Ark! S-Sieh nur!“
Irritiert wirbelte der junge Mann herum und machte vor Schreck einen Satz nach hinten. In der Mitte des Tors war plötzlich das Gesicht eines riesigen Mannes aufgedacht, dessen Nase deutlich lädiert war und zu bluten schien.
„W-Wer bist du?!“ Ark konnte nicht verhindern, dass seine Stimme zitterte. Die Augen des stählernen Gesichtes fixierten ihn mit einem durchdringenden Blick, bevor eine geisterhafte Stimme antwortete: „Ich bin der Wächter des Turms. Ich vermute, du begehrst Einlass – wo du mir bereits die Nase zerschlagen hast, weil ich nicht schnell genug aufgetaucht bin?“
Für einen Moment fragte Ark sich, wie er antworten sollte.
War es vielleicht klüger, sich zurückhaltend und höflich zu zeigen?
Doch dann siegte sein ungestümes Temperament und er platzte heraus: „Du bist ja ein echter Blitzmerker! Ja, ich begehre Einlass – und zwar flott! Auf meinem Dorf liegt ein Fluch und man sagte mir, ich könnte ihn nur brechen, wenn ich die gefangenen Seelen aus den Türmen befreie. Also mach mir gefälligst Platz, bevor ich dir noch mehr als deine Nase demoliere!“
Fluffys Blick zuckte ängstlich zwischen Torwächter und Ark hin und her. Die beiden starrten sich mit einer solchen Intensität an, dass Funken zu fliegen schienen.
Dann stieß der Wächter plötzlich ein bedrohlich wirkendes Lachen aus. „Eines muss man dir lassen: Du hast Mut! Also gut, beweise, dass mehr in dir steckt als die Fähigkeit, große Töne zu spucken. Tritt ein.“
Mit diesen Worten zog sich das Gesicht des Torwächters zurück und kurz darauf lag der Eingang zum Turm offen und wenig einladend vor den beiden Abenteurern.
Es war Zeit, ein paar Seelen zu retten!
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