Ungezähmt

OneshotDrama, Familie / P16
Scarlett Witch / Wanda Maximoff Vision
17.09.2016
17.09.2016
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Ungezähmt


„Unsere Macht ist das Maß unserer Pflicht.“
- Henry Edward Manning (1808 – 1892)

Der rote Schimmer umspielte ihre Finger. Es war eine Mischung aus absoluter Gefahr und zerbrechlicher Schönheit, die von diesem Phänomen ausging und sie in seinen Bann zog. Sie wusste nicht, wieso sie ausgerechnet diese Fähigkeiten erlangt hatte, doch hatte sie versucht sich damit zu arrangieren.
Sie saß hier, inmitten der Trümmer ihrer Heimat und versuchte klar zu denken. Sokovia war ein Schlachtfeld, es war nicht einmal mehr vorhanden. Der gigantische Krater, der nun im Zentrum der Stadt klaffte sah aus, als hätte man der Erde das Herz durch den Brustkorb herausgerissen.
Genau das, was ihr hier in Sokovia passiert war...
Pietro war hier verstorben, er war ihren Eltern ins ewige Vergessen gefolgt. Und es war genau das mit ihr geschehen, was auch der Stadt widerfahren war; sie war verstümmelt worden und siechte nun vor sich hin, den erlösenden Tod vor Augen. So nah und doch so fern. Anders konnte sie dieses stechende Gefühl nicht beschreiben.
Die Wut ergriff Besitz von ihr. Sie wünschte, dass sie diesem mechanischen Ungeheuer noch eintausend Male sein metallenes Herz entfernen könnte, um ihn all die Qualen spüren zu lassen, die sie seinetwegen spürte.
Die sie von dem gestrigen Tage an für immer spüren würde.
Pietro war von ihr gegangen, sie war alleine auf dieser Welt. Sie war alleine zwischen Menschen, die Angst vor ihr hatten. Auch damit versuchte sie sich zu arrangieren, denn sie konnte diese Furcht nur zu gut verstehen.
Es gab nämlich eine Person, die eine noch größere Angst vor ihr hatte als all die anderen – sie selbst.
Ihr war nicht im Ansatz begreiflich, wieso sie die Macht besaß in den Geist von Menschen zu blicken. Es war eine schwere Verantwortung, die auf ihren Schultern lastete. Ultron hatte gewollt, dass sie diese Macht missbrauchte und die Welt in den Untergang riss.
Sie hatten sich gewehrt, sie und Pietro, doch zu welchem Preis?
Die Zerstörung und die darauf erfolgte Vernichtung der Stadt und auch der Menschen, deren zu Hause sie gewesen war, war schließlich nicht verhindert worden. Sokovia war tot. Zusammengestürzt wie ein Kartenhaus, dessen sich niemand erbarmen würde.
Was könnte sie schon tun?
Wanda wusste es nicht, denn es gab sicherlich auch nichts, das sie tun könnte. Nicht einmal die 'Avengers' hatten hier das Schlimmste verhindern können. Sie waren unerbittlich gewesen, hatten alles versucht, doch sind sie gescheitert.
Wanda war gescheitert.
Eine Träne lief ihr über die Wange. Eine der vielen Tränen, die sie in den letzten Stunden vergossen hatte. Sie wünschte, dass sie ewig hier sitzen könnte, in der Stadt, in der sie mal ein gutes Leben gehabt hatte.
Doch es war nicht mehr möglich.
Mit ihren Kräften schon gar nicht, selbst wenn die Stadt noch stünde und die Sache mit Ultron nie passiert wäre.
Sie hätten sie hier weggejagt. Sie hätten sie eine Hexe genannt. Genau so, wie sie es jetzt in den Nachrichten taten, sie hatte die kurze Berichterstattung direkt nach der Katastrophe in der Obhut der 'Avengers' schließlich gesehen, sie hatten sie nicht vor ihr verbergen können.
Ihre Wut kochte wieder über und der rote Schimmer wuchs an zu einem blendenden Inferno, das direkt von ihr ausging. Sie verzog das Gesicht und begann zu schluchzen. Sie alle bekamen früher oder später, was sie verdienten.
War das hier das, was sie verdiente?
Für die Macht, die sie nun besaß und über ihre Mitmenschen ausüben konnte?
Für die törichte Entscheidung, die sie zusammen mit Pietro getroffen hatte, bevor sie sich bereitwillig dem Baron anvertraut hatten?
Letztendlich hatten sie nicht einmal ihr Ziel erreicht, nämlich die Rache an Tony Stark. Er war hier gewesen, direkt vor ihren Augen und sie hatten ihr Ziel geändert, hatten sich den Bedingungen angepasst.
Es war ihr Job gewesen, Clint hatte Recht gehabt.
Aber nun kniete sie hier im Staub und in den Scherben und wusste, dass sie nichts erreicht hatte. Es war alles umsonst gewesen. Pietro war tot...
Ihr Schluchzen entwickelte sich derweil zu einem wütenden Schreien, während sie die Gebäude um sich herum mit ihrer Feuersbrunst zum Einsturz brachte. Der Krach lenkte sie von dem Dröhnen in ihrem Schädel ab und verschaffte ihr für einen winzigen Moment Genugtuung.
Als sich der Staub legte, kamen auch schon keine Tränen mehr.
Da war nur noch Leere. Und der Wunsch, etwas zu verändern. Sie musste etwas tun, um diesen Fehler wieder ins Lot zu bringen. Sie war den 'Avengers' etwas schuldig, sie war der Welt etwas schuldig.
Ein Luftzug verriet ihr, dass jemand neben ihr erschien, doch dachte sie nicht daran, sich aus dem Dreck zu erheben. Eine Hand berührte sie sanft an der Schulter.
„Wanda, es wird Zeit“, hörte sie Visions Stimme. Sofort hatte sie das Gefühl, dass sich ihr aufgewühltes Inneres, der Sturm in ihrem Geiste etwas legte. Er hatte eine unheimlich beruhigende Wirkung auf sie, denn er war alles andere als falsch oder undurchsichtig.
Er war ein offenes Buch für sie und doch so spannend, weil er nichts preisgab.
Er war besser als die Menschen, denn auch er kannte das Gefühl, sich selbst nicht zur Gänze zu verstehen. Das hatte sie gesehen, als sie ihn gelesen hatte. Sie ließ sich von ihm aufrichten und auf die Füße bringen.
Sie würde ihm und den 'Avengers' folgen, denn sie konnte ihre Macht für etwas Besseres einsetzen. Weder der Baron noch Ultron hatten sie mit ihren falschen Plänen und Versprechungen zähmen können.
Wanda war ihr eigener Herr.
Und nun war es wirklich Zeit zu gehen, um ihrer Pflicht nachzugehen. Sie musste mit Hilfe ihrer Macht diese Welt zu einem besseren Ort machen.
Für Pietro.

Anmerkung: Ich wurde dazu gezwungen 'The Avengers - Age of Ultron' zu gucken und das hier ist das Ergebnis. Es ist das erste Mal, dass ich mich an Wanda herantraue, deshalb wäre mir eure bitte ehrliche Meinung sehr wichtig! :) Im Avengers-Fandom bin ich jetzt tatsächlich auch das erste Mal unterwegs, sonst eigentlich eher bei Captain America. Herzlich willkommen also an alle LeserInnen, die heute meine Wenigkeit kennenlernen sollten!
LG, Erzaehlerstimme
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