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Advents-Spuk auf Norderney

GeschichteMystery / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne Nick Boyle OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
16.09.2016
16.09.2016
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Selvaggia kuschelte sich an ihren Mann, der ihr einen leidenschaftlichen Kuss gab. "Wie spät ist es denn?" wollte die Hexe wissen. Er streckte sich um sein Smartphone zu erreichen. "Neun Uhr." antwortete er. "Na dann sollten wir so langsam mal aufstehen und frühstücken, damit wir noch rechtzeitig in die Kirche kommen." sagte sie, löste sich aus seinem Arm und stand auf. Belial stöhnte genervt auf. Und erhob sich dann widerwillig. "Onkel Lucifer!" rief Christina Luciana erfreut als sie aufwachte. Das kleine Mädchen hatte gestern darauf bestanden, zusammen mit Luciano im Schlafzimmer ihres Patenonkels und Selvaggia zu schlafen. Auch Luciano wachte gerade auf. Gemeinsam liefen sie mit den Kindern hinunter in die Küche, nachdem sie alle gerichtet waren. Mathilde schenkte dem Höllenfürst sofort Kaffee in  eine große Tasse und stellte ihm die Kanne ebenfalls hin. "Ich denke den wirst du brauchen." grinste sie, da sie ja wusste wie "gerne" er in die Kirche ging  und die Gottesdienste nur seiner Frau zu Liebe über sich ergehen ließ.  Gemeinsam liefen sie die zehn Minuten zur Kirche. Sie wurden von den anderen Inselbewohnern freundlich begrüßt. "Guten Morgen Dr. Rayne. Gehen Sie auch mit in die Kirche?" fragte Henrik Rass etwas verwundert über die Anwesenheit des Teufels. Er redete sehr leise, nachdem er sich versichert hatte, dass keiner der anderen Insulaner in der Nähe stand . "Ja, ich kann Kirchen und alle anderen Gotteshäuser betreten." antwortete er ebenso leise. "Wie ist das möglich?" wollte Freya wissen. "Nun, mein Vater, für Euch Gott, hat mir dieses und einige weitere Privilegien wieder eingeräumt." Die Glocken läuteten zum Beginn des Gottesdienstes.
Belial atmete erleichtert aus als er die Kirche wieder verließ, obwohl er das moderne und innen schlichte Gebäude als doch recht angenehm empfand. Er hoffte instinktiv, dass sie Heute etwas Ruhe haben würden und noch einen gemütlichen, Tag mit der Familie verbringen könnten, bevor Kat und Julien Montagmorgen (Belial, Derek und Metatron hatten Kat für Montag in der Schule gemeinsam entschuldigt), wieder mit Luciano und Christina Luciana nach Paris flogen. Mathilde hatte Fisch mit Kartoffelsalat zum Mittag gekocht. Der frische Fisch direkt aus dem Meer schmeckte allen. "Selvi wenn du Lust hast könnten wir zusammen Plätzchen backen, da ja bald schon der erste Advent ist. Wenn der Fall hier abgeschlossen ist beginnen wir mit der Weihnachtsbäckerei in Paris und wenn du willst helfe ich dir auch, falls du in Venedig auch backen willst." schlug Mathilde vor. "Oh ja, wäre ist schön, das machen wir. Es sind ja genug Leute da, die sich um meine Kinder kümmern können." lachte Selvaggia erfreut. "Kat gehst du mit uns an den Strand?" fragte Christina ihre große Schwester. "Wenn Dad nichts dagegen hat, gerne. Und du frag mal deine Eltern Luciano, ob du auch mit darfst." Der kleine Junge nickte und rannte sofort davon. "Mama, Papa, darf ich mit Kat und Stina an den Strand?" Seine Eltern warfen sich einen kurzen Blick zu und nickten dann beide. "Onkel Belial kommst du mit? Du siehst nämlich schon wieder so nachdenklich aus und außerdem freuen sich die Kinder auch wenn du mitkommst.!" "Jaaaaa, Onkel Lucifer, kommt mit!" bestimmte das kleine Mädchen einfach. "Du fragst wenigstens noch, meine jüngste Patentochter bestimmt das einfach mal." lachte der Höllenfürst. "Na dann los, erheb dich und zieh dich an." meinte Katherine gespielt streng. Er atmete einmal tief ein. "Na da bleibt mir ja keine Wahl, wenn es nur nicht so kalt wäre." seufzte er.
"Ach komm, so ein bisschen Kälte hältst du doch locker aus!" neckte ihn Kat. Etwas lustlos stellte er seine Kaffeetasse auf den Küchentisch und zog sich seinen schwarzen Wintermantel und einen von Selvi selbstgestrickten Schal an. Christina nahm die Hand ihres Lieblingspatenonkels. Luciano nahm die Hand von Kat.
Sie suchten gemeinsam nach Muscheln, nachdem Kat vorgeschlagen hatte daraus Schmuck und Weihnachtsdekoration zu basteln. Nachdem die Eimer voll waren, stellten sie diese auf die Strandterrasse und dort spielten Kat und Belial am Strand fangen mit Luciano und Christina. Nach einer Weile kamen auch Metatron und Hagiel dazu, da Derek sich bereit erklärt hatte auf die Zwillinge aufzupassen. "Erst wolltest du nicht mitkommen und jetzt hast du so viel Spaß!" stellte Kat fest. "So ist Lucifer, man muss ihn fast immer zu seinem Glück zwingen." kommentierte Metatron lachend. Die Engel und die Kinder hatten viel Spaß, bis Mathilde sie zum Kaffee, Tee und ein paar ersten Keksen zum probieren herein bat. Kat hatte zuerst die Muscheln in der Badewanne abgebraust und ließ sie nun ein wenig abtropfen während sie beim Kaffee saßen. Während Kat mit Luciano und ihrer kleinen Schwester bastelte zogen sich die Männer zurück und genossen die gemütliche Atmosphäre bei mehreren Tassen Grog. Wobei die Engel ja nichts von dem Alkohol spürten setzte es Derek dann schon etwas zu so dass Belial etwas zauberte. Was Derek sehr wohl mitbekam, aber auch dankbar geschehen ließ. "Solche Tage sollte es öfter geben." seufzte Belial, der gemütlich auf dem Sofa lag. Metatron nickte zustimmen. "Ich denke wir sollten uns in Zukunft öfter mal zusammensetzen. Beispielsweise am Abend, wenn unsere Kinder im Bett sind." Die anderen beiden mächtigen Engel und Derek stimmten dem Erzengel zu. "Ich denke, wir werden hier bestimmt noch ein paar gemütliche Abende verbringen, während der Bearbeitung des Falles." sagte Hagiel.
Am nächsten Morgen saßen alle zusammen beim Frühstück. Wie immer beteiligte sich Belial kaum am Gespräch, bevor er seinen ersten Kaffee getrunken hatte. Nach dem ausgiebigen Frühstück, verabschiedeten sie sich von den Kindern, Kat und Julien. Belial zog Selvaggia dicht an sich, mit der er letzte Nacht, zum Abschied noch eine intensive Liebesnacht verbracht hatte, an sich und küsste sie so leidenschaftlich wie er sie noch nie vor den anderen geküsst hatte. Er musste sich zusammenreißen, um es beim Küssen zu belassen. "Ich liebe dich mein süßes Hexlein. Pass gut auf unsere Süßen auf!" flüsterte er liebevoll. "Klar mach ich und ich liebe dich auch!" "Wir hören uns und... viel Erfolg und auch zwischendrin etwas Spaß in der Männerrunde." flüsterte sie und zwinkerte lächelnd.
Als der Hubschrauber aus ihrer Sichtweite verschwunden war begaben sie sich wieder ins Haus.
Es wurde sehr schnell Abend. Die vier „Männer“ – sprich 3 Engel und Derek – saßen im Wohnzimmer vor dem Kamin. Ein gemütliches Feuer knisterte gemütlich vor sich hin. „Ich würde Morgen mal im Archiv bei Nadja Visser vorbeischauen und die Chroniken studieren. Ich denke, dann weiß ich, wann es zu dem Verschwinden der Kinder kam, wann das letzte hier auf der Insel verschwand und so weiter...“ „Guter Ansatz. Mensch, ich wünschte, Astaroth wäre hier. Als Astarte verdreht mein Sekretär jedem Mann den Kopf und als Astaroth – seit er seine Stimme wieder hat – ist er so charmant wie du, Lucifer, aber – entschuldige bitte – ein wenig lebenslustiger und nahbarer als du.“ meinte Metatron seufzend. Derek zuckte zusammen. Belial bemerkte es. "Hey,  auch wenn wir hier alle Engel um dich rum sind, Derek, du bist ein wichtiges Mitglied hier im Team. Das einzig menschliche, was bedeutet, dass du  unser "Ass im Ärmel" bist, wenn wir mit anderen Menschen interagieren müssen. Du weißt, dass wir da alle unsere Schwächen haben. Ich bin  homophob - um es mal... übertrieben zu sagen, Hagiel und Metatron sind den Umgang mit Menschen wenig gewohnt... Gut, Astaroth als Astarte ist da anders, Derek, aber du musst dich hier nicht ausgeschlossen oder gar  ungebraucht fühlen!" sagte er fast ein wenig streng. "Stimmt. Da gebe ich dir recht, Lucifer!" fügte Hagiel  freundlich bei.
Belial warf überrascht einen Blick zu Metatron, der in ein Gebet versunken war. Er zog fragend eine Augenbraue hoch, denn normalerweise schloss sein himmlischer Kollege ihn nicht aus. Im nächsten Moment wehte ein fast sommerlicher Wind durch den Raum und die Stimme war für alle hörbar: „Ich hätte diese Bitte eher von Lucifer erwartet als von dir, Metatron, doch da ich dir, Derek Rayne, verdanke, dass Lucifer sich wieder öfter im Himmel blicken lässt und auch den Mut fand sich zu Selvaggia zu bekennen, der Mutter von drei meiner vier Enkel, werde ich sehr viel mehr zugestehen, als erbeten. Du, Derek Rayne, wirst zwar nicht die Macht eines Seraphim haben, aber du wirst Metatron und Sandalephon als „menschlicher Berater“ zugeordnet und mit den Seraphim mental verbunden sein. Dazu wird deine Physis und deine Psyche gestärkt werden und du wirst dich auch mit Hagiel verständigen können. Du wirst die Verbindung der Seraphim zu den Menschen sein. Ich zweifle nicht daran, dass du dich bewähren wirst, auch wenn du dich oft auflehnst, wenn es um Katherine geht. Ich weiß, dass Lucifer den Tag von Rachels und deinem irdischen Ende fürchtet, doch sei gewiss: Es gibt nichts zu fürchten!“
Derek hielt sich erschrocken die Schläfen, als ein stechender kurzer Schmerz durch seinen Schädel jagte. „Was sollte das jetzt, Metatron? Worum hast du bei Vater gebettelt?“ hörte er gleich darauf Belial ärgerlich. „Nur darum, dass Derek sich in unsere Gespräche telepathisch einklinken kann, aber... also damit, dass Vater so weit darüber geht, habe ich nicht gerechnet.“
„Derek?“ fragte Hagiel besorgt. „Ja – und offensichtlich ist das unmittelbar – ich habe dich und Metatron gehört, Belial.“ antwortete der Praeceptor und massierte sich die Schläfen. Der himmlische Botschafter lächelte. „Versuch es mental, Derek. Sieh zu, dass die Gespräche mit Hagiel, Astaroth, Lucifer und mir wie von selbst mental ablaufen. Und wenn einer der anderen Seraphim dich „anfunkt“ lass es bitte zu. Ich denke, du bist ein wenig neugierig auf uns Seraphim und wir sind auch neugierig auf dich – soweit du nicht ab und an mit uns zu tun hattest – wie mit Astaroth, Lucifer, Michael oder mir... Und habe keine Angst davor. Sandalephon mag etwas distanziert wirken, vielleicht etwas kalt, aber... er ist mir an sich sehr ähnlich.“ Belial starrte konsterniert von Derek zu Metatron. „Geht es dir gut?“ fragte er besorgt. „Ich kann... Soll ich Sariel rufen?“
Der Praeceptor schüttelte den Kopf. „“Alles in Ordnung. Das war nur ein starker intensiver kurzer Schmerz. Jetzt ist alles gut...“ Überrascht sah er hoch, denn instinktiv hatte er das telepathisch geantwortet und offensichtlich hatten die drei Engel ihn sehr wohl gehört. Er lauschte tief in sich hinein und hörte den stetigen, beruhigenden Lobgesang zu Ehren Gottes. Und dann ein freundliches: „Willkommen, Derek. Wie schön, dass wir uns nun auch auf diesem Weg verständigen können.“ „Michael – ja... ich weiß nicht so richtig, was ich davon halten soll, aber... gut...“ „Vater hat wahrlich Großes mit dir und den deinigen vor. Ich sage nur soviel: Zwei Bäume waren Adam und Eva versagt... beim Baum der Erkenntnis haben sie nicht gehorcht..., beim anderen... nun... die Früchte sind gut geschützt... doch ich sollte letztens eine pflücken lassen... Falls ihr Hilfe gegen den Dämon braucht zu dem Mathildes Vater wurde, lasst es mich wissen. Ich würde Kats Legion schicken um euch zu unterstützen.“
Schockiert sah Derek die anderen an. Belial lächelte zufrieden, Metatron meinte zu Hagiel: „Wow... das war eine Ansage... die hätte unser Bruder bei uns nicht gemacht...“ während Hagiel Derek zuzwinkerte. „Was... was meinte Michael?“ fragte Derek. „Na, denk mal nach – als Theologe müsstest du wissen von welchem Baum der himmlische Marschall und stellvertretende Befehlshaber der Heerscharen gesprochen hat...“ erklang Astaroths Stimme stattdessen in seinen Gedanken. „Der Baum der Erkenntnis und der des... ewigen...?“ „Ja, genau. Ich vermute, Lucifer grinst gerade wie ein Kater der die Sahneschüssel gefunden hat...“ Derek schmunzelte ungewollt über die fast schon unverschämte Antwort Astaroths, immerhin war Lucifer sein Chef – zumindest in der Hölle – doch es traf zu.
„Das wird er nicht tun, oder?“ fragte Derek seinen brüderlichen Freund mit einer Mischung aus Entsetzen und Unglauben. Belial jedoch lächelte. „Wieso nicht? Habe ich nicht erwähnt, dass ich Angel Island ohnehin gekauft habe? Schon vor Jahren? Außer das Stück worauf das Legat steht... Niemand würde die Insel gegen deinen oder meinen Willen betreten... Und ich wäre beruhigter, Derek. Ich muss meinen besten, meinen fast einzigen Freund, nicht hergeben. Und überleg mal was du mit Rachel noch gemeinsam erleben kannst... Du wirst deine Urenkel und UrUrenkel kennen lernen und sie alle werden von euch und mir lernen – von uns allen...“ Metatron legte Derek einen Arm um die Schulter. „Glaub mir, das wird phantastisch! Ein entspannter Lucifer, der wesentlich glücklicher ist ohne die Angst dich zu verlieren..., dich und Rachel. Bleiben nur die Zwillinge... aber ehrlich gesagt... Vater hat einige Engel verloren, durch die Vergiftungssache, wo er einige – auch nicht gerade geringe – Engel eliminiert hat... und ER könnte in Erwägung ziehen, dass er mehr als drei „Höllische Erzengel“ – Wächter beider Seiten braucht... Und du weißt doch selber wie sehr deine Kleine an ihrem Patenonkel hängt...“ „Das wird mir gerade alles zu viel... ich will gar nicht darüber nachdenken...“ murmelte Derek. „Musst du auch nicht, überlass das Vater und mir...“ antwortete Belial grinsend.
Es klingelte. Mathilde kam im Morgenmantel die Treppen herunter. „Wer kann das um diese Zeit sein?“ fragte sie als sie ins Kaminzimmer sah. Metatron ließ augenblicklich – genau wie Belial und Hagiel – seine mentalen Kräfte spielen, dann lächelte der Hausherr seine Frau an. „Astaroth mit dem kleinen Christian. Er kann nicht einfach so hier herein teleportieren, da er mit dem Auto gekommen ist und dem Pastor begegnete, der sich gerade noch mit ihm unterhält.“ beruhigte er sie. Mit einem erleichterten Aufseufzen ging Mathilde zur Tür und öffnete sie. Die wunderschöne Göttin Astarte stand vor der Tür. „Salut Tilly, ca va?“ fragte sie charmant. „Monsieur Bente war so nett mir Gesellschaft zu leisten.“ „Jederzeit, Madame Roth. Wobei, wann verraten Sie mir endlich Ihren Vornamen?“ antwortete der Pastor. „Sagen wir mal... Sie müssen selber drauf kommen. Noch einen schönen Abend, für meinen Kleinen ist es spät geworden und Sie sehen ja schon, dass er eingeschlafen ist. Christian braucht seine Ruhe, obwohl er sich schon auf seine Nennonkel und „Tante Tilly“ gefreut hat.“
Der Pastor begrüßte kurz Mathilde und Hagiel, die an die Tür gekommen waren und verabschiedete sich gleich darauf. Metatron trat lächelnd in die Diele als die Tür ins Schloss gefallen war. „Ich habe mir die Freiheit genommen oben die beiden nebeneinander liegenden Zimmer für Christian und Astaroth vorzubereiten.“ Mathilde lächelte ihn dankbar an. „Asta, du hättest doch sagen sollen, dass ihr beide kommt! Dann hätte ich das alles auf normalem Weg machen können.“ Die Schönheit umarmte die mollige Mathilde. „Ach Tilly, du weißt doch, dass das bei Metatron, Lucifer, Hagiel und mir wesentlich unkomplizierter geht. Da musst du dir doch keine Mühe machen. Ich hatte nur das Gefühl, dass die zwei „Bosse“ nicht ohne Sekretärin auskommen und da bin ich. Und wo nun auch Derek mit uns telepathisch reden kann ist das doch wunderbar. Wenn er es gestattet, werde ich ihm dann auch mal im Legat unter die Arme greifen, denn ehrlich gesagt, ist Euangelion ein echter Workoholic und erledigt ja sogar teilweise die höllische Buchführung für Samyaza und Lucifer... Da bleibt für mich nicht mehr viel zu tun...“
In diesem Moment öffnete der kleine Junge auf Astartes Arm die Augen. „Tante Tilly, Onkel Hagiel, Onkel Merlin!“ rief er erfreut. Die drei lächelten. „Hallo Chris, Onkel Merlin hat schon dein Zimmer neben dem von...“ Mathilde sah erstaunt, dass Astarte zu Astaroth geworden war. „... deinem Pflegevater vorbereitet.“ „Ich bin noch gar nicht müde!“ behauptete Christian und gähnte gleich darauf. Astaroth lachte leise. „Na, du weißt doch, dass ich merke, wenn du mich anflunkerst, du Schelmchen!“ tadelte er liebevoll. „Hast du noch einen Keks und ein Glas Milch, Tante Tilly?“ fragte der kleine Junge und grinste Astaroth an. Mathilde lachte. „Aber natürlich. Du machst dich bettfertig, mein Kleiner, und ich bringe dir Milch und sogar zwei Kekse – die mit den Gewürzen, die du so gern magst.“
In diesem Moment zuckte Christian zusammen. Belial war in den Flur getreten. Überrascht zog der Höllenfürst eine Augenbraue hoch. „Was ist denn mit dir los, hallo Christian.“ „Die... die hat immer gesagt, du wärst böse und...“ „Die gemeine Kindergärtnerin?“ unterbrach Belial ihn ruhig. Christian nickte. „Für viele bin ich das sicher auch, aber nicht für meine Familie oder meine Freunde – und du, junger Mann, gehörst zur Familie, denn dein zukünftiger Adoptivvater ist mein Bruder, das macht dich zu meinem Neffen und ich neige dazu meine Nichten und Neffen – und auch meine Patenkinder eher zu verwöhnen. Ich denke, das hast du bei Said und bei Christina-Luciana und Lucas-Lucian schon mitgekriegt, oder?“ sagte Belial ruhig und freundlich, schnippte mit dem Finger und hatte einen Schokoriegel in der Hand. „Der ist für dich, kleiner Mann.“ Christian griff danach und zog die Hand dann zurück. „Danke, aber ich möchte lieber Tillys Kekse und Papa Astaroth erlaubt mir nicht so viele Süßigkeiten.“ Belial schmunzelte. „Da bist du auf deine irdischen Tage so hart geworden, Kleiner?“ fragte er Astaroth. „Disziplin ist keine Härte. Und Philip verwöhnt ihn eh schon bis zum Abwinken!“
„Wieso bist du eigentlich jetzt wieder Astaroth und nicht Astarte wie vorhin?“ fragte Belial telepathisch. „Weil Rachel meinte, es sei besser, da er mich im Kindergarten als Astaroth kennen gelernt hat. Ich solle es langsam angehen und für ihn erstmal Astaroth sein und ab und zu mal Astarte werden... vor allem wenn ich mit Philip zusammen bin... das ist für Christian vielleicht manchmal in wenig verwirrend... aber ich habe das Gefühl, dass er sich langsam daran gewöhnt, dass ich beides sein könnte... Mutter und Vater...“
Er war neben Belial die Treppe hinaufgegangen und kurz darauf lag Christian im Bett und Mathilde kam mit einem Glas Milch und einem Teller Keksen ins Zimmer. Astaroth lächelte, als er sah, dass mehr als die zwei versprochenen darauf waren. „Zwei darfst du jetzt, dann putzt du Zähne und Morgen früh darfst du dann noch Kekse essen, wenn du aufwachst und Hunger hast!“ sagte er jedoch streng. Christian nickte und lächelte. „Mach ich, Papa Astaroth.“ Er umarmte ihn und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Astaroth wuschelte ihm zärtlich durch die Haare. „Schlaf gut, mein Kleiner.“ Christian nickte und griff nach dem ersten Keks. Astaroth war gerade an der Tür angelangt, als der kleine Junge meinte: „Papa Astaroth – als Mama Astarte mag ich dich auch gerne... und ich weiß, dass du das auch immer viel lieber bist, wenn du bei Papa Philip bist...“ Astaroth erstarrte kurz, drehte sich um und schluckte sichtlich. „Nun ja... du solltest dich nur nicht zu schnell...“ Er wurde zu Astarte. Der kleine Junge sprang aus dem Bett und umarmte sie. „Deine Verwandten haben mir doch in den letzten Wochen ganz viel beigebracht... Ich... also ich bin nicht so schlau gewesen und... und jetzt bin ich klug, Mama Astarte... ich... und ich habe dich lieb und Papa Philip auch. Und ich habe der Frau vom Jugendamt auch gesagt, dass ich bei euch bleiben will.“ Astarte hob ihn auf den Arm. „Du bist schon immer schlau gewesen, mein Kleiner, du bist nur nicht so richtig gefördert worden und Sandalephon, Jophiel und die anderen haben sehr viel Freude mit dir gehabt und dich immer gelobt, dass du ein sehr fleißiger Schüler bist. Ich bin so stolz auf dich. Und jetzt iss deinen zweiten Keks und vergiss das Zähneputzen nicht.“ Astarte küsste den Kleinen auf beide Wangen. „Ich hab dich lieb, Christian. Und ich möchte dich nicht wieder hergeben. Und jetzt schlaf gut.“ „Du auch, Mama...“ flüsterte der Kleine und ließ sich ins Bett legen.
Als Astarte die Tür schloss wischte sie sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Belial lächelte. „Da haben Sandalephon und Co ja ganze Arbeit geleistet. Vor einigen Monaten hat dein Kleiner sich nicht mal richtig  artikulieren können und jetzt spricht er neben seiner Muttersprache Französisch sogar gälisch wie ein Ire und Englisch wie ein Brite.“ „Ja, sie haben ein wenig übertrieben, aber... Lucifer, ich beschwere mich nicht... ich bin froh, dass er sich in Dublin auch schon heimisch fühlt und Philip auch Papa nennt... Und Gälisch und Englisch hilft ihm dabei.“ Metatron grinste. Die Unterhaltung hatten sie telepathisch geführt. „Na, ich hoffe, dass deine Arbeit als Sekretärin darunter nicht leidet, Asta.“ neckte er sie. Die Frau zog eine Augenbraue hoch. „Mal sehen...“ antwortete sie spöttisch. Metatron umarmte sie freundschaftlich. „Schön, dass du da bist. Zum Glück ist Christian ja schon fast sechs.“ „Ja, er kommt im Sommer zur Schule und gleich in die zweite Klasse in einer wirklich guten Privatschule in Dublin. Ich bin richtig stolz auf meinen Schatz. Aber ich hatte das Gefühl, dass ihr mich braucht. Worum geht es?“ „Du kennst dich mit Menschen echt besser aus als wir, Asta, und dazu kommt, dass du auf praktisch jeden Mann unwiderstehlich wirkst und dich mit der Technik der Menschen – mit Internet und allem andern beschäftigt hast...“ gestand Metatron. Sie machte lächelnd einen Schritt auf ihn zu. „Wirklich nur praktisch für jeden Mann unwiderstehlich, oder auch für dich?“ fragte sie belustigt. „Ich bin mit Cassie viel zu glücklich, Asta. Versuch es nicht.“ Sie zwinkerte.
„Also gut, zum Fall – worum geht es genau? Was habt ihr geplant und wie kann ich helfen?“ Telepathisch brachten sie Astaroth – zu dem war die schöne Frau wieder geworden – auf den neusten Stand. „Hm... Gut, ich werde mal in der Hölle recherchieren ob es wirklich der zum Dämon gewordene Vater von Mathilde ist oder ob seine Seele angekommen ist – und wenn nicht... dann muss er irgendwie noch mit jemandem einen Zusatzdeal abgeschlossen haben... Du hattest es ja auf 13 Generationen begrenzt. Ich werde wohl als allererstes mal den Pakt raussuchen, denn soweit ich weiß, hast du den zwar ausgehandelt, aber du hast ja nicht alle selbst zu Ende gebracht.“ Belial nickte. „Ich hatte es... einem von den Verrätern um Lilith überlassen. Damals hab ich noch gedacht, ihr seid mir in die Hölle gefolgt und ich könne euch vertrauen...“ sagte er hart, fast wütend.
„Den meisten von uns kannst du auch vertrauen. Ich würde mich dazuzählen, Lucifer. Und wir, die wir mit dir gegangen sind, wir haben unseren absoluten freien Willen behalten und unsere eigenen Entscheidungen getroffen. Ich hätte im Himmel bleiben können als ich für den letzten Fall spioniert habe, aber ich fand es total öde. Die Hölle und auch die Erde sind sehr viel spannender.“ Belial lächelte. „Danke, Astaroth, ich weiß das zu schätzen, auch dass du Metatrons Sekretär geworden bist und dich so gut mit Euangelion verstehst, denn den kleinen Engel, den Gabriel mir damals als Sekretär zugeteilt hat, schätze ich inzwischen wirklich. Er hat sich nie beschwert seit er mein Sekretär ist und ist zuverlässig und treu, auch wenn er sich manchmal sicher ein wenig ausgegrenzt fühlt.“
„Ach, ich habe ihn immer über unseren „privaten Kanal“ auf dem Laufenden gehalten. Er findet das so ganz okay. Und er will gar nicht wissen, was wir beispielsweise über Höllenangelegenheiten zu bequatschen haben. So wie es ist, findet er es ganz gut.“ entgegnete Astaroth lächelnd.
„Na gut, Hagiel wird Morgen ins Archiv von Norderney gehen, Astaroth forscht in der Hölle nach und was machen wir zwei?“ fragte Metatron an Belial gewandt. „Auf meinen Kleinen aufpassen!“ sagte Astaroth wie aus der Pistole geschossen. Schockiert sah Belial ihn an. „Du hast doch mitgekriegt, dass ich ihm unheimlich bin!“ protestierte er. „Unsinn! Er mag dich!“ widersprach Astaroth. „Und ich hatte eigentlich vor ihn taufen zu lassen – von dem Pater der im Bezirk des Legates in Dublin zuständig ist... und es ist ehrlich gesagt unsinnig, wenn er vor einem seiner Patenonkel Angst hat!“ Belial schluckte sichtlich. „Ähm... Astaroth... ich...“
„Lucifer! Ich kann nicht wirklich Mutter werden! Wenn ich mit Philip als Astarte zusammen sein und Kinder haben will, geht es nur über eine Adoption und Dank der Macht die hinter der Botschaft steckt ist Christian so gut wie mein Sohn!“ „Was hast du mit seinen Eltern gemacht?“ fragte Hagiel. Astaroth schnaubte. „In meiner... Position... Hagiel... hat man zu diversen subversiv-kriminellen Subjekten Kontakte. Christians Erzeuger ist eh tot und sein „Stiefvater“ falls man den Kerl so nennen kann... sagen wir mal er kam aus einem Umfeld das ohnehin schon verdächtig ist in heutigen Zeiten... und war so sehr schnell als radikalisierter potentieller Selbstmordattentäter ausgemacht. Ich habe dafür gesorgt, dass er durchgedreht ist... und Christians Erzeugerin... tja... ich war sehr großzügig zu ihrem Dealer... und sie hat dann wohl das reine Heroin nicht vertragen, weil er ihr sonst immer irgendwelchen gestreckten Dreck geliefert hat... Ich war dann auch noch so großzügig sie auf dem Friedhof verscharren zu lassen.“ Zum Ende hin klang Astaroths Stimme so verächtlich und kalt, dass Hagiel zusammenzuckte. „Nun dann... bleibt ja auch nur ihr... Philip und du...“ murmelte er. „Was sehr viel besser ist – auch Dank unserer Himmlischen Brüder, die immer bemüht sind, den Kindern einen guten Start zu ermöglichen! Noch vor zwei Monaten konnte Christian nur wie ein Kleinkind aber nicht wie ein Vorschulkind sprechen und heute hat er das Testergebnis der Privatschule in Dublin bekommen auf die er gehen wird, dass er wohl gleich in die Zweite, wenn nicht sogar Dritte kann! Er wird es gut bei uns haben!“
„Das bezweifle ich nicht... Aber dass du so... kompromisslos vorgegangen bist, das schockiert mich dann doch.“ Astaroth zog eine Augenbraue hoch. „Dieses Weib wollte mich allen Ernstes erpressen! Sie wollte eine monatliche Miete für Christian! Glaubst du auf so einen Schwachsinn gehe ich ein? Ich habe Nägel mit Köpfen gemacht und du hast mitgekriegt, dass Christian an Philip und mir hängt! Ende der Diskussion!“ Hagiel hob die Hände.
„Gut, abgemacht, ich versuche mich um den Jungen zu kümmern...“ murmelte Belial. „Super! Du wirst sehen, er ist ein echter Sonnenschein!“ antwortete Astaroth grinsend.
Am nächsten Morgen waren er und Hagiel bereits aufgebrochen als Belial bei Mathilde in der Küche vor seiner dritten Tasse Kaffee saß. Ein fröhliches: „Guten Morgen Onkel Lucian, guten Morgen Tante Tilly!“ ließ ihn hochsehen. „Oh, ja, auch dir, Christian. Astaroth ist mit Nachforschungen beschäftigt und Hagiel auch. Was willst du denn machen? Dein... Papa hat mich gebeten mich mit dir zu beschäftigen.“ Der kleine Junge sah ihn an. „Du willst aber nicht wirklich, oder Onkel?“ „Doch schon, aber da du gestern Angst vor mir hattest... habe ich gedacht, dass du vielleicht lieber... bei Mathilde bist.“ Der Kleine grinste. „Wir könnten in die Bücherei gehen, Onkel. Komm schon!“ rief er stattdessen begeistert. Doch Mathilde hielt ihn lachend zurück: „Erstmal wird gefrühstückt, Christian!“ Sofort setzte er sich an den Tisch und aß Rührei, das Mathilde ihm vorsetzte.
Unbefangen schritt der Junge neben Belial zur Inselbücherei. „Du liest also inzwischen gern?“ fragte der. Christian nickte. „Ja, es stehen sehr viele nützliche Sachen in Büchern, Onkel Lucian. Papa Philip hat mir zwar ein etwas langweiliges Märchenbuch geschenkt, das heißt Kinderbibel. Ich tue immer so als ob es mir gefällt, hoffe aber, dass ich es bald durchgelesen habe und Papa Philip mich in Ruhe lässt. Mama Asta findet das Buch auch langweilig...“ Belial unterdrückte ein Lachen. Das sah sowohl dem trotz allem noch etwas bigotten Philip, wie auch Astaroth/Astarte ähnlich. Er räusperte sich. „Weißt du, deinem Papa Philip ist das sehr wichtig, Christian, während es deinem Papa Astaroth, beziehungsweise deiner Mama Astarte weniger wichtig ist, weil sie in gewisser Weise Teil davon war und ist. Du weißt doch, was Engel sind, nicht wahr?“ Christian nickte. „Ich bin einem begegnet, den ich etwas... gruselig fand. Der hat mir richtig sprechen beigebracht und hieß Sandalephon. Eigentlich war er ja ganz nett und es hat auch Spaß gemacht, aber irgendwie habe ich das Gefühl gehabt, dass er nicht ehrlich ist... und Papa Philip hat mir in der Kirche in Dublin Statuen und Bilder gezeigt, Mama Astarte war darüber etwas böse, glaube ich. Sie meinte zu ihm, er solle mir keinen Unsinn beibringen und sagte etwas, was ich nicht ganz verstanden habe...“ „Okay, Sandalephon ist ein wenig kühl, das kann unheimlich wirken, da gebe ich dir recht. Aber was hast du denn bei deiner Mama nicht verstanden?“ fragte Belial ruhig.
Christian überlegte. „Also sie sagte: „Erzähl ihm doch nicht so einen Unsinn von lieben netten Engeln! Wenn ich mich dir oder unserem Kleinen in meiner richtigen Gestalt zeigen würde, wäret ihr beide nicht mal mehr Asche! Sein Schutzengel hat mehr Respekt, ja sogar Angst vor mir als vor Metatron und du zeigst ihm kitschige Statuen und Bildchen von Gabriel und Raphael, die beide auch sehr gefährlich sein können?“ Das habe ich nicht verstanden, Onkel Lucian. Onkel Gabriel und Onkel Raphael sind nämlich sehr nett und Mama Astarte ist es auch.“
Belial schmunzelte. „Nun, weißt du, deine Mama ist zurecht ein wenig verärgert, denn sowohl sie – als Astaroth – als auch Sandalephon, Metatron, beziehungsweise dein Onkel Merlin und ich sind Seraphim, sehr mächtige Engel, die eigentlich nur aus göttlichem Licht bestehen und das ist für Menschen nicht zu ertragen. Du könntest auch die unmittelbare Gegenwart deines Adoptivgroßvaters nicht ertragen. Du weißt, wer das von Astaroths Seite ist?“ Christian sah ihn mit großen Augen an und dachte nach. „Der liebe Gott?“ fragte er schüchtern. Belial seufzte. „Ja, so oder „Gott der Herr“ nennt dein Papa Philip ihn wohl. Selbst Said-Angelo, den kennst du ja sicher auch aus dem Kindergarten noch...“ Der Junge nickte, „... kann das nicht. Er ist nämlich, wie du, rein menschlich, auch wenn er... vorher auch nicht so klug war wie du jetzt auch bist. Meine Kinder und auch Jan können ihren Großvater aber besuchen und ihnen könnten wir, also Metatron und ich, auch in unserer Seraphimgestalt begegnen. Wenn du Sandalephon als unheimlich empfunden hast, verstehe ich das, Christian, aber er hat es gut gemeint und sich dir in einer Gestalt gezeigt, die für dich erträglich ist. Vermutlich mit großen Flügeln – und gleich drei Paar, aber trotzdem sonst auf zwei Beinen, mit Armen und in langen weißen Gewändern?“ Christian nickte. „Ja – und auf den Flügeln sind Augen, Onkel Lucian. Das ist wirklich gruselig.“
Belial seufzte. „Das sieht ihm ähnlich. Aber schau mal, deinen Papa Astaroth, deinen Onkel Merlin und mich hast du ja nur menschlich aussehend gesehen. Wir können auch so ausschauen, aber im Gegensatz zu Sandalephon finden Astaroth und ich das einfach nur affig und dein Onkel Merlin... na, ich denke, Tante Cassandra würde ihn ordentlich auslachen wenn er so vor ihr erscheint. Und dein Onkel Gabriel sieht in nicht menschlicher Gestalt auch ganz anders aus... auch dein Onkel Raphael. Und wie Seraphim sind sie in ihrer Gestalt als Cherubim oder Ophanim auch tödlich für einen Menschen, weswegen sie sich dir auch immer eher als Menschen oder als Engel mit einem Paar Flügeln gezeigt haben, wie ich die zwei kenne.“ Christian dachte nach, dann nickte er. „Danke, dass du mir das erklärt hast, Onkel Lucian.“ Belial legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Gern geschehen, Christian.“ sagte er ein wenig belustigt.
Sie waren an der Bücherei angekommen. „Was möchtest du dir denn wohl ausleihen? Märchenbücher? Oder... ähm...“ „Onkel Lucian, ich bin kein Baby mehr!“ sagte der Kleine grinsend. „Ich möchte ein Buch über Chemie haben oder über Computer!“ Innerlich seufzte Belial. Sandalephon hatte es eindeutig wieder übertrieben. „Na gut, dann werde ich mich um den Leserausweis für dich kümmern und dann schauen wir mal.“
Die Bibliothekarin sah erstaunt auf, als der gutaussehende Mann vor ihr stand. „Ich möchte für meinen Neffen einen Leseausweis haben.“ „Wir können nicht...“ „Hören Sie, meine... Schwester Asta ist mit mir bei den Hansen-Archais, geschätzten Freunden zu Besuch und hat ihren Sohn mitgebracht. Mein Neffe hat mich gebeten mit ihm in diese Bücherei zu kommen, weil seine Mutter noch zu arbeiten hat.“ „Wir geben nur gegen Vorlage des Belegs über die Entrichtung von Kurtaxe einen begrenzt gültigen Leserausweis und...“
In diesem Moment betrat Jasper Rass die Bücherei. „Hallo Frau Sörensen, oh, hallo Dr. Rayne.“ „Hallo Jasper, alles in Ordnung bei euch?“ Der Junge nickte. „Sie wollen ein Buch ausleihen?“ Belial lächelte. „Ich nicht, mein Neffe Christian, der mit seiner Mutter da ist. Merlin St. Cyr ist ihr Chef und brauchte ihre Hilfe, aber eure Bibliothekarin meinte ich brauche dafür einen Nachweis über entrichtete Kurtaxe oder ähnliches.“ Jasper überlege kurz, dann meine er zu der Frau: „Rufen Sie doch einfach bei Tante Mathilde und Onkel Hagiel an, Dr. Rayne ist ein echt guter Freund von denen und wohl auch der vorige Eigentümer vom Hansen-Haus. Er wird das Buch bestimmt nicht mitnehmen, sondern es bei den beiden lassen.“ Just in dem Augenblick kam Christian zu seinem Onkel. „Die haben keine schönen Bücher, Onkel Lucian.“ flüsterte er. „Aber natürlich haben wir sehr schöne Erstleserbücher für dich, Kleiner.“ sagte die Bibliothekarin jovial. Christian sah zu Belial hoch. „Erstleserbücher? Onkel Lucian, sehe ich so aus als ob ich nicht richtig lesen könnte? Ich möchte etwas lesen wo ich auch was lerne!“ „Äh... wir haben sehr schöne Märchenbücher, oder...“ Christians Blick wurde fast verächtlich. „Da hab ich von meinem Papa schon eins gekriegt, das heißt „Die Kinder...“ „Das interessiert Frau Sörensen sicher nicht, Christian.“ Unterbrach er den Jungen, da er genau wusste, dass der Titel des „Märchenbuches“ von dem der sprach „Die Kinderbibel“ lautete.
„Jasper, wie ist es, findest du in dieser Bücherei noch etwas was dich wirklich anspricht oder hast du Lust mit Christian und mir nach Norddeich in eine gescheite Buchhandlung zu kommen um dich – auf meine Kosten – mit vernünftiger Literatur, altersangemessenen und geistig herausfordernden Büchern einzudecken?“ Verlegen sah der Junge auf den Boden. „Sie haben schon in Hamburg so viel für das Kostüm und für meinen Konfirmationsanzug hingelegt, Dr. Rayne, das wäre zu viel...“ „Unsinn. Auch wenn du ein wenig älter bist als Christian, du bist ein kluger Junge und es war sehr nett mit dir. Ich würde mich wirklich freuen, wenn du mitkommst.“ Er zog sein Iphone heraus und reichte es dem Jungen. „Ruf deine Eltern an und frag um Erlaubnis.“ sagte er, während er aus der Innentasche seines Sakkos das IPad zog und einen Hubschrauber orderte, der sie abholen sollte.
Jasper gehorchte und gab das Iphone dann an Belial. „Papa möchte kurz mit Ihnen reden.“ „Moin Dr. Rayne, dat is mich jetzt n beten peinlich, dat Se min Lütten wedder mitnehmen wollen.“ hörte er Rasmus Rass. „Unsinn! Ich will eh mit meinem Neffen Bücher kaufen und wir haben uns hier in der Bücherei getroffen und keiner der Jungs hat was gefunden was wirklich interessant ist. Ich halte sehr viel von Bildung, Herr Rass, und will nicht, dass die zwei hier geistig verkümmern weil die Inkunabeln in dieser Inselbücherei nicht mehr den Anforderungen moderner Kinderliteratur entsprechen. Sie und... ähm... ich, wir fanden die Bücher sicher mal spannend, aber...“ Er sah sich um und entdeckte einige Bände von „Nesthäkchen“ und fuhr fort: „So antiquierte Bücher wie „Nesthäkchen“ würde nicht mal mehr meine siebzehnjährige Patentochter Katherine anpacken und auch meine Frau würde sicher eher amüsiert schauen wenn man ihr mit solchem Buch gekommen wäre.“ Schließlich gab Rasmus Rass sein Einverständnis.
„Sie müssen verstehen, wir... ähm... also die Urlauber wollen eigentlich nicht... also... ich...“ stottert die Bibliothekarin. Belial unterbrach sie mit einer Handbewegung. „Frau Sörensen, ein Vorschlag: Sie stellen mir jetzt einen Leserausweis aus und ich garantiere dafür, dass die Bücher die über meinen Leserausweis entliehen werden, fristgerecht wieder da sind – egal wo ich bin. Und außerdem wird Jasper zweimal im Jahr mit Ihnen die Neuerscheinungen durchgehen, vielleicht mit Mathilde und Hagiel zusammen oder mit seinem Onkel und seinen Freunden und gemeinsam entscheiden Sie dann für... sagen wir 1500 Euro im Halbjahr über Neuanschaffungen die ich zahle?“ Die Frau starrte ihn sprachlos an. „Das meint er ernst, Frau Sörensen.“ flüsterte Jasper, der sichtlich Spaß hatte. Fast mechanisch zog die Frau einen Vordruck  zur Beantragung eines Leserausweises heraus. „Ich denke.. ähm... Sie wollen keinen temporären, sondern einen... einen ständigen?“ murmelte sie. „Sehr schön, natürlich!“ meinte Belial, zwinkerte Jasper belustigt zu und füllte eilig den Bogen aus. „Ich – ähm... lasse den Leserausweis dann ins Hansen-Haus schicken?“ „Wunderbar, danke Frau Sörensen. Einen schönen Tag noch.“ antwortete Belial und ging mit Christian und Jasper zum Hubschrauberlandeplatz, wo sie schon erwartet wurden. „Nach Hamburg!“ murmelte Belial nach kurzem Zögern. „Aber Papa denkt ich wäre in Norddeich!“ flüsterte Jasper. Belial zuckte mit den Schultern. „Das macht keinen großen Unterschied, wenn du mit mir unterwegs bist.“ antwortete er belustigt. Am Abend kehrten sie mit Taschen voller Bücher auf die Insel zurück und die größte Filialbuchhandlung Hamburgs würde noch drei große Pakete zu Jasper, beziehungsweise teils auch nach Dublin schicken. Astaroth hatte mit Magie dafür gesorgt, dass sein Sohn auch Deutsch sprach und Belial hatte das verstärkt und praktisch unumkehrbar gemacht, damit keiner misstrauisch wurde.
Astaroth war wieder da und sah besorgt aus. Er lächelte jedoch, als er seinen Sohn begeistert mit Belial plaudernd zur Tür herein kommen hörte. „Papa Astaroth, es war total toll mit Onkel Lucian!“ rief Christian und umarmte seinen einen Adoptivvater. Der lachte. „Das habe ich mir fast gedacht – und dein Onkel Lucian hatte vorher sogar Angst vor dir.“ Überrascht drehte Christian sich zu Belial um. „Angst? Vor mir?“ fragte er. Belial lachte. „Tja, du hast schließlich gestern Abend gemeint, dass du dich vor mir ein wenig fürchtest und da habe ich halt Sorge gehabt, dass du mit mir nichts zu tun haben willst.“ „Na ja... gut... aber du bist voll cool, Onkel Lucian.“ „Danke für das Lob, Neffe. Ich bin sicher, du willst gleich deine Ausbeute aus dem Buchladen sichten und lesen, während ich mit deinem Papa hier und deinem Onkel Merlin noch zu reden habe.“ „Klar – Botschafts- und Höllenkram, schon klar. Nochmal danke für den echt tollen Tag, Onkel Lucian – und natürlich für die vielen neuen Bücher.“
„Neue Bücher? Ich dachte ihr seid in der Bücherei gewesen.“ meinte Astaroth etwas irritiert. Belial schnaubte. „Bücherei ist übertrieben. Außer der Saison haben sie offenbar da kaum was Lesenswertes und ansonsten vorwiegend „seichte Urlaubsschnulzen“ oder Bücher die dein Sohn nicht mal mehr anguckt. Und als Jasper Rass – der Lucifer aus Mathildes Krippenspiel – dann auch noch kam und wenigstens dafür sorgte, dass ich einen Leserausweis kriege und ich merkte, dass er auch nicht wirklich von der Auswahl begeistert war, sind wir nach Hamburg und haben uns da mit Büchern eingedeckt. Es kommen auch noch welche nach Dublin. Außerdem habe ich dafür gesorgt, dass die Bücherei hier aufgewertet wird. Aber egal. Ich brauche einen Kaffee und dann will ich hören, was du ausgegraben hast. Ist Hagiel zurück?“ „Er ist auf dem Heimweg. Metatron ist ihm entgegengegangen. Sie müssten in zehn Minuten sowas zurück sein und Tilly hat den Abendbrottisch schon gedeckt. Soweit ich weiß, hat sie eine große Kanne Friesentee und eine mit Grog gemacht und für meinen Kleinen will sie Kakao kochen. Sie hat ihm auch schon Kekse ins Zimmer gestellt.“
Es dauerte nicht mehr lange und sie saßen alle beim Abendessen. Christian erzählte begeistert von seinem Tag mit Belial, worauf die anwesenden Engel belustigte Blicke wechselten. „Darf ich aufstehen und noch lesen?“ fragte der kleine Junge Astaroth. „Aber klar, mein Schatz. Ich komme dann nachher um dir Gute Nacht zu sagen.“ Wohlerzogen bedankte der Kleine sich bei Mathilde für das Essen und huschte in sein Zimmer wohin Belial die Bücher gezaubert hatte.
Die Engel und Derek zogen sich ins Kaminzimmer zurück. „Was habt ihr rausgefunden?“ kam Belial zur Sache. „Zuerst wohl das Grundlegende: Wie vermutet hat einer von den abgeurteilten Verrätern die Feinheiten des Paktes mit Mathildes Vater ausgehandelt. Soweit ich dich kenne, Lucifer, bist du jemand der grundsätzlich eine zeitliche Begrenzung setzt oder die Fallstricke so setzt, dass die Begrenzung unweigerlich eintreten muss. Aber was ich entdeckt habe ist echt übel...“ Astaroth legte ein Pergament auf den Tisch. Derek kniff die Augen zusammen. Er konnte kein Wort entziffern. „Bemühe dich nicht, Derek. Das wird in der jeweiligen Landessprache der Zeit verfasst und dann in einen höllischen Code transkribiert – magisch – und den kannst du nicht lesen.“ sagte Belial als er merkte, dass der Praeceptor versuchte etwas zu entziffern.
„Auf jeden Fall ist es so, wie Nadja Visser wohl berichtet hat: Der alte Hansen hat die Möglichkeit erhalten sein Leben bis ins Unendliche zu verlängern indem er Kinder kidnappt und als eigene aufzieht. Dazu gehört ein Blutritual um die Kinder in seine Blutlinie einzubauen, das detailliert ausgeklügelt wurde. Mathilde ist in diesem Pakt seltsamerweise ausgenommen von diesen Regeln und explizit ist erwähnt, dass du, Lucifer, darauf bestanden hast, dass Mathilde nicht mehr zu den Kindern vom alten Hansen gehört. Freundlicherweise hat der Unterhändler darauf geachtet, dass eine Liste aller Kinder auf der Rückseite des Paktes steht – der letzte Kindesraub vom alten Hansen war vor einhundert Jahren. Geht man von einer verlängerten Generation von 35 statt 25 Jahren aus, wären das etwa noch 350 bis 400 Jahre, die der alte Hansen über die Meere schippern könnte.“
Hagiel nickte. „Das kommt mit dem hin, was Derek und ich in den Inselchroniken rausgefunden haben. Wobei der letzte Fall direkt hier von der Insel vor etwa 300 Jahren stattgefunden haben soll.“ Astaroth nickte. „Die Kinder müssen zwar von der Insel stammen, hier geboren sein, aber sie müssen nicht zwangsweise von hier geraubt werden. Das wissen die Insulaner offenbar aber nicht – oder sie wissen es und vermeiden im Advent die Küsten, wenn sie nicht auf Norderney sind.“ "Was ist wenn du den Pakt... beendest? Würde das funktionieren?" fragte Derek seinen brüderlichen Freund. "Ich habe den Pakt nicht geschlossen, Derek. Ich habe ihn nur gewährt. Und der, der ihn geschlossen hat ist selbstverständlich mittlerweile nicht mehr in meinen Diensten, beziehungsweise... nicht mehr verfügbar." erklärte der Höllenfürst. "Aber... du hast ihn gewährt. Sozusagen abgesegnet. Und da derjenige, der den Pakt mit Hansen geschlossen hat, tot ist... bist du vermutlich der Einzige, der den Fluch... wie auch immer beenden kann." meinte Hagiel. Belial seufzte. "Die Frage ist nur... wie? Ich habe noch nie einen von mir geschlossenen oder auch abgesegneten Pakt wieder gelöst." antwortete der Höllenfürst. "Könnte in einem Grimoire etwas stehen?" fragte Metatron, seinen höllischen Bruder. "In keinem von mir verfassten." murmelte dieser vor sich hin, aber dennoch für alle hörbar. "Wir könnten in der Hölle in den anderen Grimoires nachsehen, ob dort etwas über die Auflösung eines Teufelspaktes steht, ob direkt oder indirekt." schlug Astaroth vor. Belial seufzte. "Wäre eine Möglichkeit, aber dann müssen wir gleich gehen, das wir morgen früh wieder da sind. Wir müssen hier wie Menschen erscheinen."
Astaroth und Lucifer verschwanden und tauchten zum Frühstück in der Küche wieder auf. Christian umarmte seinen Papa. "Guten Morgen, Papa. Hallo Onkel Lucian." Morgenmuffelig und leicht gereizt von der Suche in den Büchern der höllischen Bibliothek nickte er seinem Neffen zu und murmelte ein: "Morgen." "Habt ihr etwas herausgefunden?" erkundigte sich Derek. Astaroth antwortete, da sein höllischer Chef schweigend in seine Kaffeetasse starrte.
"Ja, es gibt drei Möglichkeiten: Die erste und einfachste wäre, derjenige der den Pakt geschlossen hat bricht ihn, da dieser ein Mensch war und mittlerweile verstorben ist fällt das schon mal weg. Die zweite Möglichkeit - Hansen löst den Pakt aus freien Stücken, was dieser aber laut Lucifer nicht tun wird. Bleibt nur die dritte - Lucifer bricht den Bann mit Gewalt." der Höllenfürst sah von seiner leeren Kaffeetasse auf und sah die Hausherrin bittend an. "Das Problem dabei ist nur, ich weiß absolut noch nicht wie." „Und was wäre, wenn man meinen Vater überlistet?“ fragte Mathilde. Belial sah sie interessiert an. „Wie stellst du dir das vor?“ fragte er. „Wie lautet der Pakt genau, den er mit deinem Diener ausgehandelt hat? Vielleicht findet man da ein... Schlupfloch...“ Belial konzentrierte sich und gleich darauf stand Samyaza mit einer Rolle Pergament in der Küche. „Der Pakt, Chef, wie angefordert..“ sagte er und legte ihn auf den Tisch. "Danke, Samyaza." murmelte er dem gefallenen Engel, freundlich zu.
"Setz dich Samyaza. Möchtest du auch einen  Kaffee, oder Tee?" lud die Hausherrin den Freund ihres Herrn ein. "Gerne Tilly, Kaffee bitte. Danke." antwortete er begeistert und setzte sich auf den freien Platz neben seinen Chef und Freund. "Wie immer morgenmuffelig unser Lucifer." sagte er grinsend. Der Höllenfürst sah Samyaza tadelnd an. "Wärst du nicht mein Freund, würde ich dich für deine Frechheit bestrafen." Metatron und Hagiel sahen sich grinsend an. "Samyaza sollte öfter anwesend sein und wenn er nur auf einen Kaffee vorbei kommt, das ist witzig und lockt  Lucifer aus der Muffeligkeit." sagte Hagiel in Metatrons Gedanken. Der himmlische Botschafter nickte kaum merklich und sagte dann: "Lass mal sehen was in dem höllischen Schriftstück steht." Er zog das Blatt zu sich und las.  
"Onkel Lucian, hast du heute zwischen der Arbeit wieder Zeit für mich. Ich würde gerne mit dir etwas unternehmen." Etwas überrascht sah dieser seinen ältesten Neffen an. Ihm war nicht bewusst gewesen, dass der Junge so gern mit ihm zusammen war. "Jaaa, das müsste machbar sein. Hast du etwas bestimmtes vor?" Christian grinste. "Ich habe gestern etwas im Internet gesurft und mich ein wenig über die Insel erkundigt. Es gibt eine Reitschule hier auf der Insel, da kann man bestimmt Pferde ausleihen und dann am Strand entlang reiten. Kannst du reiten?" Belial sah ihn fragend an. "Du fragst mich ernsthaft ob ich reiten kann? Christian, es gibt eigentlich nichts was ich nicht kann. Erstens, war das Pferd zu Zeiten in denen es noch keine Autos gab das einzige Fortbewegungsmittel und zum Zweiten kann ich mir alles was ich können will mit Magie aneignen. "Dann ist das also ein "Ja". Papa bitte darf ich mit Onkel Lucian reiten gehen?" Astaroth grinste als er sah, dass sein höllischer Chef etwas überrascht wirkte. "Sicher darfst du. Ich bin mir sicher, dass du bei Onkel Lucian in den besten Händen bist." antwortete der gefallene Engel. "Siehst du, alle Kinder in der Familie mögen dich und da hast du dir so unsinnige Gedanken gemacht." sagte Samyaza. Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Höllenfürsten.
Metatron sah etwas merkwürdig auf die drei Unterschriften auf dem Vertrag. "Was ist los, Metatron?" fragten Hagiel und seine Frau zur selben Zeit, als ihnen auffiel, wie der Erzengel auf das Papier vor sich starrte. Die drei gefallenen Engel wurden aufmerksam. Er zeigte auf den Vertrag. "Hier ist das Siegel des - inzwischen toten - höllischen Unterhändlers. Das ist Lucifers Siegel samt Unterschrift, diese Unterschrift aus Blut ist von Hansen, und diese kaum lesbare... sieht für mich fasst aus wie... " "Rass!" rief Belial bei genauerem Hinsehen erstaunt. "Tilly wie lange lebt die Familie Rass schon auf Norderney?" wollte er wissen. "Es gab damals als ich ein Kind war und dieser Pakt geschlossen wurde schon eine Familie Rass auf der Insel. Sie könnten durchaus mit den heutigen Rass verwandt sein. Und die Familie Rass... die stammen irgendwie vom ersten Vogt von Norderney ab - einem Rassen oder so..." antwortete sie leise und etwas schockiert. "Dann könnten wir doch über Henrik und Freya Rass etwas herausfinden, vielleicht wissen die beiden über ihren Stammbaum, wer damals mit... meinem Vater Kontakt hatte?" fragte Mathilde gefasst. Belial nickte. "Und wer redet mit den Beiden? Ich würde vorschlagen..." Hagiel unterbrach ihn. "Nein Lucifer! Ich schlage vor, wir laden die Freya und Henrik heute Nachmittag ein und reden gemeinsam mit ihnen, sie wissen ja mittlerweile als einzige wer wir wirklich sind. Auch wenn du dich vielleicht gerne gedrückt hättest, aber das kommt nicht in Frage, Bruderherz." sagte der Erzengel bestimmt. Der Höllenfürst seufzte, etwas genervt über den Gedanken den Nachmittag schon wieder mit Menschen die nicht zu seiner Familie gehörten verbringen zu müssen.
"Dann können wir ja wenn du deinen Kaffee leer hast gleich mal zur Reitschule Junkmann gehen und uns Pferde zum Ausritt holen. dann sind wir bestimmt wieder da bis Nachmittag." schlug der Junge vor. "Könnte gerade so gehen, der zweite Kaffee hebt die Laune, deines Onkels schon ins Erträgliche. Und seine Neffen und Nichten wirken ohnehin Wunder!" erklärte Samyaza grinsend. "Dann geht euch eure Jacken anziehen und ich koche euch noch eine Thermoskanne Kaffee und Tee zum aufwärmen, falls euch kalt wird." bot Tilly an und machte sich sofort an die Arbeit.  Gemeinsam stiegen sie in Belials schwarzen Porsche. "Schade dass du nicht den anderen Porsche dabei hast, das Cabrio in Sportausführung." sagte Christian plötzlich. "Ist ein wenig unpraktisch mit drei Kindern, und da ich ja zuerst mit Selvi und den Kindern herkam... woher weißt du eigentlich von meinem Sportwagen?" Christian grinste. "Kat hat es mir mal erzählt. Und dass du nur Porsche fährst und auch wie bei deiner Kleidung bei deinen Autos schwarz bevorzugst." Belial lachte. "Na dann... das bin eben ich... " Christian nickte. "Ist doch egal, auch wenn ich anfangs etwas Angst vor dir hatte... du bist echt cool, Onkel Lucian!" Belial lächelte ihn freundlich an, bevor er ausstieg.
"Guten Morgen Herr Junkmann. Ich bin Lucian Rayne und das ist mein Neffe Christian, wir würden gerne einen Ausritt am Strand machen." Der ältere Herr nickte. "Sicher. Wenn Sie mir nur schriftlich bestätigen, dass Sie und ihr Neffe reiten können. Nur zu meiner Absicherung." sagte er und reichte Belial ein Formular. Er las es durch und unterschrieb dann mit Lucian B.Rayne . Sie nahmen die Pferde in Empfang - wobei das Pferd, das Belial sich ausgesucht hatte, offensichtlich  genau spürte, wen es tragen sollte und zuerst scheute. Schließlich gelang es ihm aber das Pferd zu beruhigen und sie ritten los in Richtung Strand. Belial genoss den Ausritt mit seinem ältesten Neffen. Die Aktionen die er mit ihm machte waren so anders als mit seinen Kinder und Patenkindern, da diese ja noch sehr klein waren. Aber er genoss die Gesellschaft des fast Siebenjährigen sehr.
Um halb eins brachten sie die Pferde zurück und fuhren an den Hafen um in einem Fischrestaurant zu Mittag zu essen. "Danke für den tollen Tag, Onkel Lucian. Ich hoffe wir können in Zukunft öfter mal etwas zusammen machen, vielleicht auch mal in meiner neuen Heimat, auch wenn... wie Mama Asta meinte, du Papa Philip nicht so magst, aber... er ist ganz nett und Dublin... Irland ist sehr schön und..." Belial unterbrach den Redefluss seines Neffen. "Halt, du redest ja wie ein Wasserfall. Jetzt bin ich dran. Ich kenne Irland, es ist ein wunderschönes Land und ja ich würde gerne öfter etwas mit dir unternehmen und wenn es dir Freude macht auch in Irland. Ich werde den... Philip schon ertragen, wenn er es kann." Der Junge lächelte. "Danke, Onkel Lucian. Mag Papa Philip dich nur nicht oder hat er Angst vor dir, weil du der... du weißt schon?" fragte der Junge um in der Öffentlichkeit das Wort "Teufel" nicht zu erwähnen. Belial grinste diabolisch. "Ich denke beides!" Christian lachte. "Dann erzähle ich ihm einfach wie nett du bist und dass er einfach akzeptieren  muss, weil du mein Lieblingsonkel bist." Belial lächelte ihn liebevoll an. Das Glücksgefühl, das er auch bei seiner Familie und seinen anderen Patenkindern empfand regte sich in ihm. "Dein Lieblingsonkel?" fragte er. Christian nickte und aß genussvoll weiter. Lucifer schloss kurz die Augen und atmete unhörbar durch.
Freya und Henrik Rass waren schon da, als die beiden, das große Herrenhaus betraten. "Guten Tag, Dr. Rayne." begrüßte Henrik den Höllenfürsten förmlich. Freya nickte höflich. Bei beiden spürte der höllische Botschafter mehr als Respekt, eher einen Hauch Angst... Belial nickte ebenfalls. "Guten Tag Herr Rass, Frau Rass." sagte er ausgesprochen höflich und setzte sich an den bereits gedeckten Kaffeetisch. Mathilde sah ihn im ersten Moment etwas verwirrt an als er sich auf einen nicht gedeckten Platz neben Derek setzte. Begann aber dann zu verstehen, dass er nicht unbedingt neben Henrik Rass sitzen wollte. Nachdem Tilly allen Kaffee oder Tee eingeschenkt hatte, begann Metatron zu berichten warum sie eingeladen wurden. Er schob den Gästen den Vertrag hin und deutete mit dem Zeigefinger auf die "Rass" Unterschrift. "Was ist das denn für ein Uralt-Pergament?" fragte er leise. "Was glauben Sie denn?" fragte Belial unheimlich ruhig. "Sieht aus wie ein Papier aus... der Hölle!" Belial starrte den Menschen eiskalt an. Freya saß stumm da und starrte den gutaussehenden Mann ihr gegenüber etwas ängstlich an. "Das ist ein Pakt aus der Hölle und da steht Ihr Name Herr Rass!" sagte der Höllenfürst sehr streng und starrte diesen fragend an. Henrik wandte den Blick ab, da er diesem wie die meisten Menschen nicht standhalten konnte. Auf Belials Gesicht formte sich ein fieses Grinsen. Nur zwei Menschen konnten seinem Blick mittlerweile standhalten. Derek und Rachel.
"Also ich war das nicht! Das muss irgendein uralter Vorfahre von mir gewesen sein, weil ich vermute mal das ist schon hunderte von Jahren her?" Belial nickte. "Wissen Sie etwas darüber Herr Rass?" wollte der Fürst der Hölle wissen. Henrik Rass räusperte sich. "Die Legende über die Kinder die verschwinden... erzählte mir mein Großvater... anders als sie auf der Insel erzählt wird.  Einer meiner Ahnen sah eines Abends eine... ganz in schwarz gekleidete, wunderschöne Frau, mit langen dunklen Haaren, fast schwarzen Augen... die seinen Vater ins Meer lockte. Sie hatte etwas höllisches, sagt man." Belial zuckte zusammen. "Er hatte keine Angst, da Hansen ihm bereits von der schönen Fremden erzählt hatte. Sie wirkte total verführerisch und er folgte ihr ohne zu zögern... im nächsten Moment war er verschwunden und ein Schiff tauchte vor der Küste auf.  Am selben Abend verschwand auch Hansen, Vater einer kleinen Tochter die den... Teufel sah und sich ihm aber verweigerte. Das war an einem 1. Advent. Mehr weiß ich auch nicht." murmelte Henrik Rass. "Belial alles in Ordnung, du wirkst als würdest du jeden Moment vor Wut platzen." stellte Derek besorgt fest. Belial atmete heftig ein. "Diese Frau - der Beschreibung nach - ist das - Lilith." sagte er wütend und schlug mit der Faust so heftig auf den Tisch, dass alle anderen zusammen zuckten. "Dieses verdammte Miststück hat mich schon damals hintergangen, sie mischte bei dem Pakt mit ohne mit ihrer Unterschrift zu bürgen! Sie hat mich schon damals gelinkt... ich möchte nur zu gerne wissen warum. Ich glaube ich begebe mich mal wieder in den Garten Eden und..." Metatron unterbrach ihn. "Lucian!" sagte er laut vor den beiden Menschen um diese nicht noch mehr zu erschrecken. In Gedanken sagte er. "Nicht vor den Beiden, und wir können uns denken was du im Garten Eden möchtest."
Derek legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Bleib ruhig mein Freund. Wir sollten erst mal weitere Details herausfinden und dann in Ruhe überlegen wie wir weiter verfahren." Belial atmete einmal weiteres mal tief durch und nahm einen großen Schluck von seinem Kaffee. Derek wandte sich nun an Henrik. "Herr Rass, haben Sie irgendeine Ahnung weshalb ihr Vorfahre mit in dem Pakt steht?" Dieser schüttelte den Kopf. "Ich könnte mir nur vorstellen, dass Hansen ihn bequatscht hat und ihm irgendwelche Versprechungen gemacht hat. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass... egal. Ich habe nicht die geringste Ahnung. Ich weiß nur, dass angeblich immer am 1. Advent ein Schiff an der Küste auftauchen soll und wenn wir das Feuer nicht entzünden wird laut Legende ein Kind geraubt. Hansen und ein weiterer Mann sollten dann von dem Schiff auftauchen. Das erzählt man sich auf der Insel. Dass es sich bei dem zweiten Mann um einen Rass handelt... wusste ich nicht. Ich hatte es als Kind nicht recht verstanden und nicht darüber nachgedacht, dass mein Großvater von einem Urahnen sprach." Derek nickte. "Danke Herr Rass, jetzt wissen wir wenigstens ein wenig mehr über die Legende... und kommen ein Stück weiter. "Ich hoffe sie beenden diesen... Pakt wieder, so dass wir wieder unbesorgt auf den 1. Advent feiern können." Belial nickte. "Das verspreche ich Ihnen Herr Rass. Ich wusste nicht, dass dieser Pakt... wie es scheint wohl nie endet, denn das war und ist etwas worauf ich immer Wert lege: Ein Pakt besteht nur eine gewisse Zeit und kann vom Paktnehmer niemals bis ins Unendliche verlängert werden. Aber wir finden einen Weg."
Mathilde wirkte etwas betroffen und meldete sich jetzt wieder zu Wort. "Freya, Henrik, ich hoffe die ganze Sache ändert jetzt nichts... ich möchte nicht als Aussätzige auf der Insel behandelt werden und ..." Freya unterbrach sie. "Ich mag dich Mathilde, daran wird sich nichts ändern und... was Dr. Rayne für Jasper gemacht hat, beziehungsweise, wie nett er zu unserem Neffen immer ist..." Sie schluckte. "Das ist auch nicht nur eine Geste der Freundlichkeit, ich mag Ihren Neffen sehr. Er ist ein... netter Junge."  
"Wollt ihr noch Kuchen und Tee, ich habe..." Freya hielt ihren Teller hin. "Ja gerne Mathilde." Trotzdem die Stimmung etwas angespannt war auf Grund dessen, dass zwei himmlische und zwei gefallene Engel und der Fürst der Hölle persönlich am Tisch saßen, wurde es noch eine gemütliche Stunde, bevor Freya und Henrik Rass sich verabschiedeten.
"Wie verfahren wir jetzt weiter? Hansen und Rass die angeblich auf dem Schiff sind können wir nicht fragen." sagte Hagiel. "Lucifer du hast doch immer noch Wut auf Lilith... und würdest sie gerne... wir könnten mit Vater reden, er kann bestimmt etwas machen, dass wir Lilith verhören können." schlug Metatron vor. Die anderen nickten zustimmend.
Im nächsten Moment standen die zwei Botschafter und der Vizebotschafter vor ihrem Vater. Sie nickten freundlich zur Begrüßung. "Seid gegrüßt meine Söhne. Ein seltener Anblick euch drei mal zusammen begrüßen zu können." Hagiel ergriff das Wort. "Himmlischer Vater, wir hätten da eine Bitte. In unserem Fall auf Norderney, steckt Lilith mit drin und wir müssten mal mit ihr reden. Gibt es da eine Möglichkeit?" Der himmlische Vater grinste. "Hagiel, du weißt dass ich alles ermöglichen kann, wenn ich möchte. Ich gewähre euch zwei Stunden im Garten Eden zum Verhör der Dämonin. Sie wird jedoch ein Baum bleiben."  Lucifer senkte leicht den Kopf. "Danke Vater, ich hätte nur auch noch eine Bitte. Ähm... du hast ja damals als ich... als Schlange... Eva verführte diesen Apfel zu essen... nun, da hast du ja Schlangen und Menschen für immer aus dem Garten verbannt. Ich... könntest du Derek für diese zwei Stunden Zutritt gewähren?" bat er etwas verlegen. Der himmlische Vater lächelte. "Da es sich um Derek Rayne handelt, einen Menschen, den ich sehr schätze und da DU mich selbst darum bittest, wo dir bitten so schwer fällt - sei dir dieser Wunsch gewährt mein Sohn." Jetzt lächelte auch Lucifer ein wenig. "Danke Vater!"  "Und wenn du schon mal im Garten bist, mein Sohn... du weißt wo welcher Baum steht und ich gebe dir die ausdrückliche Erlaubnis von DEM Baum, von dem Adam und Eva nicht aßen, dem zweiten Baum den ich verbot, zwei Früchte zu ernten um sie Derek und Rachel zu geben - und ihren Zwillingen..." Belial schluckte. "Danke Vater. Das... bedeutet mir sehr viel und..." Ein Lächeln war die Antwort. "Ja, ich weiß, und es befreit dich von einer großen Sorge und somit auch mich, da ich weiß, was die Raynes dir bedeuten."
Die drei Engel erschienen wieder im Wohnzimmer, wo Tilly, Derek und Samyaza immer noch am Kaffeetisch saßen. Sie berichteten kurz von dem Gespräch mit dem himmlischen Vater. Derek freute sich dass ihm kurzfristig der Zugang zum Garten Eden gewährt wurde und er so dabei sein konnte.
Alle zusammen tauchten sie etwa eine halbe Stunde später vor dem Lilithbaum auf. "Seid gegrüßt meine Söhne, auch du Schwiegertochter." vernahmen sie die Stimme des himmlischen Vaters. Mathilde errötete schüchtern und schmiegte sich an Hagiel, der sie liebevoll in die Arme schloss und ein kurzes Gebet des Dankes murmelte, was nur seine Frau und der Allmächtige hören konnten.
Im nächsten Moment wurden sie Zeuge wie sich in dem Stamm des Lilithbaumes eine Gesicht formte. Kurz darauf war ein Stöhnen in Lilith Stimme zu hören. "Lucifer!" säuselte sie in ihrer verführerischen Stimme. Der Höllenfürst seufzte angewidert. "Was hast du mit diesem Pakt zu tun und warum läuft der ewig? Darüber steht nichts in dem Pakt! Ich hätte ihn niemals genehmigt!" fragte Belial barsch, während Hagiel ihr das alte Pergament vor ihre Baumnase hielt. Sie begann hämisch zu grinsen. "Genau deshalb steht es nicht drin, mein Schatz!" antwortete sie verführerisch. Der Fürst der Hölle schlug ihr mit einem magischen Schlag mitten ins Gesicht. Der Baum schrie auf vor Schmerz. "Du hast einen Pakt geschlossen, auf dem du nicht unterschrieben hast und dann steht ein entscheidendes Detail nicht drin? Warum hintergehst du mich so Lilith? Schon damals? Aus welchem Grund?" Sie seufzte sehnsüchtig. "Ach Lucifer, ich liebe dich..." Dieser seufzte gequält. "Nicht schon wieder!" "...seit dem ersten Moment als ich in der Hölle das erste mal vor dir stand. Und dann bekam ich mit, dass du dich in diese Menschenfrau verliebt hast. Wo du doch mich haben konntest, da du dir Liebe und Sex mit einem Menschen nicht gestattet hast... habe ich begonnen dich zu verführen, was ja geklappt hat, da das sexuelle Verlangen zu stark war. Nur leider liebtest du immer diese dumme Menschenfrau. Und da..." Sie brach ab und stieß einen Schmerzensschrei aus, als aus dem nichts einige Peitschenhiebe um ihren Stamm knallten. "Wage es noch einmal meine Frau als dumm zu bezeichnen und du wirst unendliche Qualen erfahren!" drohte er.
"Das erklärt aber noch nicht, warum du diesen Pakt unendlich werden ließest!" fuhr Metatron den Lilithbaum an. "Aus Rache... ich wollte Lucifer... bestrafen... ich wollte  ihm zeigen, welche Macht er haben kann, welche Macht über Leben und Tod er besitzt und wie er dem Himmel trotzen konnte... " das Gesicht kicherte und wand sich Belial zu: "...und da ich schon damals, als die kleine Mathilde sich dir verweigerte, merkte wie viel Respekt du vor diesem kleinen Mädchen hattest und dass du freundschaftliche Gefühle für sie hattest. Deshalb habe ich es gemacht. Und weißt du was ich noch getan habe? Ich habe Selvaggias Mann verführt und als ich mit ihm im Bett war, erzählte ich ihm - sie würde ihn betrügen, mit ihrem Lehrer der Magie. Als ich das Haus verließ, sah ich wie er sie mit dem Gürtel schlug und ich genoss es zuzusehen! Ich sorgte sogar mehrmals dafür, dass er sie verprügelte." gestand sie nun. Der Höllenfürst stand für einen Moment starr da. Plötzlich verdunkelte sich der Himmel und ein Blitz schoss in Lilith Baumkrone. Sie brüllte vor Schmerz. Nach einem Fingerschnippen des Höllenfürsten begann sie zu brennen. "Lucifer!" ertönte die tadelnde Stimme des himmlischen Vaters. Regen prasselte auf den Baum und  löschte das Feuer. "Musste das jetzt sein Lucifer, dass du sie gleich abfackelst?" Der Fürst der Hölle ließ sich in das Gras fallen und vergrub sein Gesicht in den Händen. Er war total geschockt über die Erkenntnis, dass Lilith dafür verantwortlich war, dass Selvaggia von ihrem Mann misshandelt worden war und das allein wegen ihm, obwohl er sie nie angerührt hatte. "Aber Vater... du hast doch gehört was sie gerade..."  
"Ich verstehe, dass dir das im Moment sehr wehtut, mein Sohn. Aber was bringt es dir wenn du Lilith verbrennst? Und habe ich das Unrecht, das sie an Selvaggia begangen hat nicht mehr als ausgeglichen indem ich ihr erlaubte mit dir ihre wahre, ihre wirklich einzige Liebe zu finden und zu erleben? Ist es nicht Ausgleich genug, dass ich sie als meine geliebte Schwiegertochter und die Mutter von dreien meiner Enkel liebe wie eine Tochter und ebenso ehre?" Belial saß einfach nur da und sagte nichts dazu. Er versuchte nur seine Wut wieder unter Kontrolle zu bekommen. Das Gesicht im Baum verschwand wieder. 'Ich komme nach, nehmt ihr Derek mit." befahl er als Metatron meinte sie sollen gehen. Er saß noch eine Weile regungslos und nachdenklich da, ehe er sich langsam erhob, zu besagtem Baum lief um die zwei Früchte vom Baum des Lebens zu pflücken und verließ den Garten Eden ebenfalls.
Er kehrte erst einmal nicht nach Norderney zurück, sondern erschien im Legat auf Angel Island. Selvaggia sah von dem Märchenbuch auf aus dem sie gerade den Kindern vorlas. „Lucifer, Liebling...“ sagte sie zärtlich als er auf sie zukam und sie liebevoll küsste. „Onkel Lucifer!“ rief seine Patentochter glücklich und umarmte seine Knie, gefolgt von ihrem Bruder. Er musste lachen als dann auch noch sein Sohn Luciano auf den Sessel stieg und ihn in der Taille umarmte. „Ich hab dich lieb, Papa.“ murmelnd. „Du wirkst so ernst, mein Schatz.“ flüsterte Selvaggia. Er seufzte. „Ich weiß jetzt wieso dein... Ex so ein mieser Kerl war... wir waren im Garten Eden um Lilith zu befragen... Sie hat... ihn verführt und dann belogen. Sie hat ihm erzählt, du würdest ihn mit mir betrügen und... sie war eifersüchtig auf dich... Sie... sie wusste, dass ich dich schon damals liebte und... Oh Selvi, ich war so wütend, dass ich diesen Baum der sie ist fast abgefackelt hätte – und hätte Vater nicht eingegriffen, dann wäre er nur noch Asche...“ Selvaggia küsste ihn sanft. „Lucifer, sie war ein intrigantes Miststück. Ich habe den Mann mit dem ich damals gelebt habe heiraten müssen und wenn er mir treu gewesen wäre – was er nie war – wäre ich nie eine Hexe geworden, denn ich hätte ihn respektiert. So konnte ich glücklich sein, dass er mich nicht mit der Syphilis angesteckt hat – denn mittels der Magie, die du mich gelehrt hast, konnte ich kurzfristig Strohpuppen beleben über die er rutschen konnte ohne zu merken, dass nicht ich es war. Und irgendwie bin ich ihr daher an sich auch dankbar... denn hätte sie den Kerl nicht verführt und wäre ich keine Hexe geworden, dann hätte ich den wunderbarsten, den liebsten, großzügigsten, charmantesten, manchmal unglaublich arroganten Mann nie kennen gelernt mit dem ich jetzt verheiratet bin.“ flüsterte sie liebevoll.
Belial lächelte zärtlich. „Die Antwort hätte ich von dir jetzt zwar nicht erwartet, aber... so habe ich das auch noch nie betrachtet.“ antwortete er und küsste sie leidenschaftlich. „Kommst du heute Nacht nach Norderney...?“ fragte er mit erotischem Unterton. Selvaggia lächelte errötend und nickte.
„Wo ist Rachel? Ich... muss ihr was geben...“ fragte er leise. „Küche... und was willst du ihr geben?“ Belial lächelte. „Anders als du sind Derek und Rachel nicht unsterblich – und auch ihre Kinder nicht... außer Kat... irgendwie... denn wenn sie als Mensch stirbt ist sie vollkommen eine Seraphe. Aber Vater hat mir... befohlen fast... zwei Früchte vom Baum des Lebens zu pflücken und den Raynes je eine halbe zu geben...“ antwortete er in ihren Gedanken. Ein erleichtertes Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Wie wundervoll! Dann wirst du die beiden nicht verlieren – wir beide werden unsere Freunde nicht verlieren!“ antwortete sie. „Ist nur die Frage ob sie es zulassen...“ flüsterte Belial besorgt. „Sag es ihnen einfach nicht.“ Schlug Selvaggia vor. Belial schüttelte den Kopf. „Das würde ich niemals tun, denn das ist gegen den freien Willen!“ widersprach er. „Ich kann den bei den Kinder umgehen... zu einem gewissen Grad und Christina liebt Luciano und wird für ihn alles tun, aber... ich weiß nicht... Derek und Rachel sind manchmal so... menschlich... so irrational.“
Selvaggia lachte ihr glockenhelles Lachen. „Und dafür magst du sie auch beide – dafür, dass sie dich mit ihrer Irrationalität oder ihrer Rationalität in den Wahnsinn treiben.“ sagte sie amüsiert. „Ich mag sie wegen vielem – aber bestimmt nicht deshalb!“ widersprach er eher halbherzig, dann nahm er Christina und Lucas beiseite. „Ich habe hier etwas für euch... von... Lucianos Großvater... Er... hält es für wichtig, dass ihr... immer gesund und munter bleibt...“ Damit zog er eine der zwei Früchte heraus und ließ ein Messer erscheinen mit der er sie teilte. Er reichte jedem der zwei Kinder eine Hälfte. „Esst, aber bitte schweigt gegenüber euren Eltern darüber!“ Lucas nahm die halbe Frucht und biss hinein, während Christina ihren Patenonkel fragend ansah. „Wieso darf ich Mommy und Daddy nichts sagen?“ wollte sie ein wenig misstrauisch wissen. „Weil ich sie manchmal nicht ganz einverstanden mit den Plänen von Lucianos Großvater sind, mein Spatz.“ antwortete er sanft, „Und nun iss, hab keine Angst.“ Sie zögerte, doch biss hinein. „Das schmeckt gut...“ Belial lächelte. „Esst auf, meine Süßen.“ flüsterte er, küsste beide auf die Stirn und ging in die Küche zu Rachel.
„Belial! Wie schön dich zu sehen. Hattest du Sehnsucht nach deiner Frau und deinen Kindern?“ begrüßte die hübsche Blondine ihn.  „Natürlich – und ich wollte auch dir Hallo sagen – und etwas mit dir besprechen...“ „Aber gern – was gibt es? Hast du Angst Selvis und deinen Hochzeitstag zu vergessen?“ Belial lächelte. „Wie könnte ich diesen wundervollen Tag je vergessen? Den Tag seitdem ich mit ihr zusammen sein darf? Nein, Rachel... es geht weniger um Selvaggia und mich als vielmehr um... Derek und dich.“ Erstaunt sah sie ihn an. „Um uns? Wieso?“ Belial holte die zweite Frucht vom Baum des Lebens aus seiner Tasche und legte sie auf den Tisch. „Darum... dies ist... eine ganz besondere Frucht, die ich vorhin auf Vaters Wunsch im Garten Eden pflückte...“ Rachel sah die goldgelbe, verführerisch aussehende Frucht erstaunt an. „Aber... du hast doch Adam und Eva schon zum... sie haben doch von der verbotenen Frucht gegessen...“ Belial lächelte ein wenig diabolisch. „Sie haben eine Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gekostet, Rachel. Sie haben es gegen Vaters Willen getan... Doch es gab einen zweiten Baum, Rachel... einen weiteren verbotenen Baum. Doch Derek und du, ihr sollt mit ausdrücklicher Erlaubnis von dieser Frucht essen. Du hast mein Wort, dass ich dich zu nichts Unrechtem, zu nichts Verbotenem überreden will. Aber du musst es freiwillig tun!“
Er griff zu einem der Messer und teilte die Frucht. „Eine Hälfte für dich, eine für Derek...“ flüsterte er. „Welcher Baum, Belial? Von welchem Baum reden wir?“ fragte Rachel als er nach ihrer Hand griff. „Iss, vertraue mir – und Vater.“ versuchte er auszuweichen. In diesem Moment betrat Derek mit Samyaza die Küche. Der Stellvertreter Belials lächelte. „Oh, eine Frucht vom Baum des Lebens?“ sagte er leichthin. Rachel erstarrte. „Das ist nicht dein Ernst!“ murmelte sie und wich vom Tisch zurück auf dem die Frucht lag. „Doch! Ich will euch nicht verlieren! Vaters Wunsch ist es, dass ihr... Derek, Rachel, ihr und die Kinder seid Familie! Ihr seid meine Familie! Mein Vater schätzt und liebt euch und du, Derek, du hast doch von Michael gehört, was vorgesehen ist! Verdammt! Ziert euch nicht!“ rief Belial. „Esst! Ihr könnt doch nicht wollen, dass... wollt ihr wirklich Kat und die Zwillinge im Stich lassen? Mich? Eure Patenkinder? Verflucht! Ihr seid hier auf Angel Island sicher! Ich habe dir doch gesagt, Derek, dass die ganze Insel mir und dir gehört! Niemand wird hierher kommen ohne unseren Willen! Das Portal des Legates kann überall hin führen! Ich kann dafür sorgen, dass ihr beide euer Aussehen verändern könnt, dass ihr für eure Freunde offensichtlich altert obwohl ihr in Wahrheit immer jung sein werdet – nie altert, sondern sogar eher wieder ein wenig verjüngt werdet!“
Derek schüttelte den Kopf. „Nein, mein Freund, mit dem ewigen Leben spielt man nicht – und auch nicht mit der Unendlichkeit!“ Belial fuhr sich unwillig durch die Haare. „Derek! Versuch mich nicht! Du weißt nicht wozu ich in der Lage bin, wenn ich...!“ Ein Aufleuchten unterbrach ihn. „Gegrüßet seiet ihr, Menschenkinder, geliebt vom Höchsten, der mit euch ist! Dir, Derek, wurde bereits die Gnade des Hörens, des Verstehens und der Verständigung mit uns Seraphim gegeben. Voller Dankbarkeit sieht der himmlische Vater mit Liebe auf dich und die Deinigen. Es wird euch an nichts mangeln und am Ende der Tage werdet ihr zu ihm in den Garten Eden zurückkehren. Diese Frucht vom Baum des Lebens ist nur die Vollendung seines Willens. Ihr werdet die Himmlische Gegenwart erblicken können, Vater und auch die drei Chöre des ersten Himmels sehen ohne zu vergehen! Er erhebt euch und die euren weit über die Menschen, Rachel, Derek. Esst die Frucht ohne Furcht! Es ist sein Wille, möge dieser geschehen in Ewigkeit!“ Derek und Rachel sahen Sandalephon fast eingeschüchtert an. Der Seraph ergriff die beiden Hälften der Frucht und gab beiden je eine. „Esst!“ befahl er sanft. Fast wie in Trance gehorchten beide.
„Und nun ruht euch aus, sorgt euch nicht um eure Kinder, wir werden auf sie aufpassen. 48 Stunden brauchen eure Körper zur Regeneration und zur Erneuerung ab jetzt jedes Jahr einmal. Mit dem Ende des christlichen Jahres werdet ihr einschlafen um nach dem Totensonntag wieder zu erwachen; verjüngt, gestärkt und voller Leben, geschenkt von unserem Vater.“ sagte Sandalephon leise und mit einer Handbewegung sandte er die beiden in ihr Schlafzimmer wo sie nebeneinander friedlich – Arm in Arm – schliefen.
Sandalephon wandte sich an Belial: „Vater hat Lilith durch Uriel nochmals ins Verhör nehmen lassen... Sie ist mit der Information herausgerückt, dass du im „Kleingedruckten“ schauen sollst in dem Pakt. Dort steht ein Weg den Pakt zu beenden. Es hat offenbar etwas damit zu tun, dass Mathilde sich unwürdig fühlt. Sie vertraut dir zwar, aber sie fühlt sich deiner Freundschaft nicht wert. Sie liebt Hagiel, doch fühlt sie sich seiner Liebe nicht wert, ja nicht würdig. Sie muss verstehen, dass Vater sie liebt wie eine Tochter und sich von ihrer Sterblichkeit zugunsten dessen was Hagiel ist lösen... Dynameis und Archai... sie ist klug und schön, mutig und liebevoll, denn so schuf Vater sie für Hagiel... Sie muss lernen und sie muss akzeptieren. Sie muss dem Dämon entgegentreten, mit dir und du musst tun, was du bisher noch nie tatest: Leugnen, dass du gewonnen hast, Lucifer, verneinen, dass ein Dienst getan wurde, der gefordert war! Du musst von dir weisen wer dir ans Herz gewachsen ist und die von Katherine-Lucia-Merina geführte Legion neben Hagiel diese Schlacht schlagen lassen!“
Belial sah Sandalephon an. „Was soll ich? Ich lasse doch nicht Hagiel oder Kat meine Kämpfe ausfechten und den von mir und meinen – wenn auch verräterischen, miesen – ehemaligen Gefolgsleuten begangenen Fehler beseitigen!“ sagte er ärgerlich. „Dann wirst du dieses Jahr verlieren, Lucifer!“ warnte Sandalephon ihn, nickte ihm freundlich zu und verschwand.
„Verdammt...“ murmelte Belial und ballte die Fäuste. „Wieso muss das bei Vater immer so verflucht zweideutig sein und wieso kriegt man nie eine eindeutige Antwort.“ Unbewusst hatte er das über die Verbindung mit den Seraphim gemurmelt und so hatte auch Hagiel das mitbekommen und auch Derek hätte es gehört, wäre er nicht gerade im Tiefschlaf gewesen. „Du kennst Vater doch. Wann hätte er es jemals einem von uns leicht gemacht?“ fragte Metatron belustigt, während von Astaroth ein „Er will halt nicht, dass uns langweilig wird.“ kam, das den Höllenfürsten fast schon zum lachen brachte. An Hagiel, Metatron, Astaroth und Samyaza aber auch an Kat übermittelte er die Worte von Sandalephon, dann gab er Befehle: „Samyaza, sieh dir den Pakt genau an, schau auch im Pakt nach, sieh zu was in der Schrift verborgen ist  und finde heraus wo etwas zweideutig und zu unserem Vorteil ausgelegt werden kann...“ „Geht klar, Lucifer!“ kam prompt die Antwort.
„Hagiel, von dir brauche ich Infos, wie ich, wie wir alle Tilly begreiflich machen können was für eine wundervolle Frau sie ist und wie sehr sie nicht nur dein Leben bereichert, sondern unser aller!“ „Ich sage ihr das jeden Tag und sie will es nicht wahrhaben, Großer, aber ich versuche mal rauszufinden wie wir sie überzeugen können. Eigentlich dachte ich, dass die Hochzeit und das, was Himmel und Hölle zu dem Gelingen beigetragen haben, sie vollends überzeugt hätten, aber... mein kleiner Paradiesapfel hat immer noch Minderwertigkeitskomplexe...“ Hagiel seufzte leise. Belial musste schmunzeln. „Du wirst das hinkriegen!“
„Käthchen – wie sehr steht die Legion hinter dir, die Sandalephon erwähnte?“ „Zu 100% Lucifer! Katherine ist als Befehlshaberin sehr geschätzt!“ kam die Antwort von Michael, der sich in die Unterhaltung irgendwie eingehängt hatte. Belial fluchte leise. Kat lachte in seinen Gedanken. „Onkel Mike hat recht, Lieblingsonkel. Die sind top trainiert – nicht zuletzt durch Onkel Mike und seine Adjutanten und in der Zeit die ich oben war sind wir echt ein tolles Team geworden!“ Belial seufzte innerlich. Die Zeit im Himmel hatte ihm Kat in gewisser Weise viel zu lange entzogen.
Belial rief nach Gadreel und Satanael. Die beiden erschienen umgehend – da beide Kats Paten waren lag auf ihnen keine Beschränkung was ein Betreten des Legates betraf, was bei sonstigen Engeln aus Himmel oder Hölle oder Dämonen der Fall war. Er erläuterte ihnen kurz die Lage, dass Derek und Rachel schliefen. „Ihr seid für den Schutz der Frauen und Kinder zuständig!“ befahl er. „Sollte auch nur einer Person etwas zustoßen, werde ich euch Vater überlassen! Und der ist manchmal ungnädiger als ich!“ „Fürst Lucifer, Ihr wisst, dass Ihr euch auf uns verlassen könnt! Sonst wären weder Gadreel noch ich unter den höllischen Paten von Katherine-Lucia!“ „Ich sage es nur, Satanael!“ sagt er und verschwand zu Selvaggia.
„Mein Liebling, ich habe Gadreel und Satanael dagelassen zum Schutz. Rachel und Derek schlafen 48 Stunden, denn sie regenerieren sich, weil sie gerade je eine halbe Frucht vom Baum des Lebens gegessen haben.“ Selvaggia lächelte. „Sie werden also nicht sterben? Du – wir beide brauchen keine Angst mehr davor haben die beiden zu verlieren?“ Belial lächelte und küsste sie zärtlich. „Ja, Vater hat dafür gesorgt. Und die zwei Kleinen haben sich auch eine Frucht geteilt. Sie werden normal groß werden aber so ungefähr mit Mitte, Ende 20 aufhören zu altern...“
Belial schloss seine Frau in die Arme und küsste sie leidenschaftlich. Er löste sich von ihr und blickte sie nachdenklich an. "Was ist?" fragte Selvaggia überrascht. "Die Raynes samt der Zwillinge schlafen... das heißt wir wären hier momentan total ungestört und ich habe hier im Haus ein eigenes Zimmer von Derek bekommen, als Rückzugsmöglichkeit. Und ich will dich, jetzt!" Selvaggia starrte ihn mit großen Augen an. "Du meinst, du willst... hier und jetzt?" fragte sie. Er nickte und fing erneut an sie zu küssen und und begann ihre Bluse aufzuknöpfen. Im nächsten Moment befanden sie sich in einem großen Schlafzimmer wieder sanft schob Belial seine Frau auf das Bett und fuhr mit der Hand sanft über ihren Oberkörper, während er weiter küsste. Der Rest ging dann sehr schnell. "Ich liebe dich. Du fehlst mir mein süßes Hexlein." Sie lächelte ihn liebevoll an und flüsterte ihm ebenfalls liebe Worte ins Ohr. Sie lagen noch eine Weile eng umschlungen im Bett, bevor Lucifer sich wieder nach Deutschland zauberte. Hagiel und Metatron sahen ihn lächelnd an. Den beiden war klar, warum er wirklich so lange im Legat gewesen war.
Sandalephon saß im Schaukelstuhl als Selvaggia aufwachte. „Ave Selvaggia, Unser Vater sieht voll Gnade auf dich.“ „Sa... Sandalephon? Wieso bist... bist du da?“ fragte Selvaggia ein wenig unsicher. Sandalephon lächelte geheimnisvoll. „Ich weiß von Vater, dass Lucifer vor vier Stunden gegangen ist – nachdem ihr „wilde Sachen“ gemacht habt.“ Er zwinkerte. „Wir sind verheiratet! „Wilde Sachen“ gibt es da nicht!“ fauchte die Hexe entrüstet. „Und woher weißt du das überhaupt? Ich denke nicht, dass Lucifer das über den „Seraphen-Sender“ geschickt hat!“ Sandalephon grinste. „Erstens: Du weißt doch, dass Vater alles sieht. Und Zweitens: Ich kann es riechen, die Atmosphäre in diesem Raum ist mit dem Geruch von Intimität aufgeladen. Aber du wolltest wissen, warum ich hier bin... Möchtest du in 7 Monaten einen dritten Sohn oder eine zweite Tochter?“ Selvaggia saß innerhalb von Sekunden senkrecht im Bett. "Das ist jetzt nicht dein Ernst?" fragte sie etwas geschockt. Der Erzengel grinste. "Wäre ich sonst hier und würde dir diese Frage stellen? Also was willst du?" "Ein... ein Mädchen." flüsterte Selvaggia und ließ sich wieder ins Bett fallen. Sandalephone verschwand.
"Frag mal deinen Vater wann er gedenkt uns mal eine Kinderpause zu gönnen." hörte  der Höllenfürst in Gedanken seine Frau sagen. Er verstand sofort. Ihm wurde vor Schreck schwarz vor Augen. Metatron und Hagiel standen sofort besorgt neben ihm, bevor er das Gleichgewicht verlor. "Lucifer! Was ist passiert?" fragte Hagiel. "Setz dich besser, du bist ja ganz blass." meinte Metatron. Belial ließ sich auf einen Sessel fallen und sagte erst mal nichts." Mathilde betrat den Raum und hielt ihm eine Tasse Kaffee hin. Er nahm sie mit leicht zitternden Händen und trank erst mal ein paar große Schlucke, bevor er stammelte: "Vater... soll das ewig so weiter gehen?" Die beiden Erzengel sahen ihn fragend an. Der Höllenfürst zuckte zusammen als er statt einer Antwort ein Gefühl vernahm. "Lucifer, du machst mir Angst!" sagte nun auch Mathilde. Er lachte. "Und Vater macht mir Angst!" bekam sie zur Antwort. "Großer sagst du mir jetzt was los ist oder muss ich mich mit Gewalt in deine Gedanken drängen, die du vor uns verbirgst? Du weißt dass ich es kann!" sagte Metatron. "Er hat schon wieder eingegriffen und... Selvi ist... Sandalephone war gerade bei ihr und fragte sie... was sie haben möchte. "Mädchen oder..." Mathilde starrte ihn sprachlos an. Metatron und Hagiel ebenfalls, ihnen war aber anzumerken, dass sie nicht wussten ob sie jetzt in Lachen ausbrechen sollten oder nicht.
Die Luft flimmerte ein wenig – und Sandalephon saß Belial gegenüber. Sichtlich – und hörbar – belustigt meinte er: „Ich wusste doch, dass du dich freust, Lucifer. Und ich freue mich irgendwie schon auf die Zeit wenn deine Töchter den ersten Verehrer haben... Wobei, wahrscheinlich sollten die armen Jungs mir ja auch leid tun...“ Ein verärgerter Blick traf ihn. „Hast du Vater angestiftet?“ fragte Belial wütend. Sandalephon zuckte mit den Schultern. „Du bist nun mal das Schwarze Schaf der Familie, Lucifer. Die Versuchung ist da schon groß... und wo Vater sich nun mal Drillinge in den Kopf gesetzt hat – eineiige wohlgemerkt... sei froh, dass ich DIR und Selvaggia DAS erspart habe.“ Damit sah er zu Mathilde. „Auch für dich, liebe Schwägerin habe ich eine Frage: Jungen oder Mädchen?“
Jetzt wurden auch Mathilde und Hagiel blass. Der Erzengel umarmte seine Frau im nächsten Moment aber glücklich, da ja schon etwas angedeutet wurde, dass sie Drillinge bekommen würden. "DU hast MIR die Drillinge erspart? Du meinst damit Vater hätte mir jetzt nochmal drei...?" fragte Belial in Sandalephones Gedanken. "Er hat mit dem Gedanken gespielt, ja. Manchmal - zumindest in letzter Zeit - hat er was dich betrifft einen schrägen Humor... Ich habe es ihm aber ausgeredet." antwortete der Zwilling von Metatron ruhig. "Danke. Ich glaube das wäre mir eine Nummer zu groß gewesen. Mir reichen jetzt vier erst mal völlig." Sandalephone sah etwas überrascht aus, da er mit einem Danke von seinem höllischen Bruder jetzt nicht gerechnet hätte. "Gern geschehen!" sagte er mit einem freundlichen Ton, der Lucifer jedoch auch dezent zu verstehen gab, dass der recht kühl wirkende Seraph diesmal ein Patenamt für sich einforderte, wenn Selvaggia die Tochter bekam. Belial starrte den Erzengel der ihm gegenüber saß ausdruckslos an. Ihm wurde klar, dass er gar keine andere Wahl hatte als auf den Wunsch des anderen Seraphen einzugehen, da er wusste, dass dieser ihren Vater in Sachen Kinder sofort überzeugen konnte. Er fühlte sich das erste mal etwas überfordert mit der Situation.
Belial räusperte sich. „Ich glaube... wenn du keine bescheuerten Namen wie „Amadea“ oder ähnlich Grässliches aussuchst, kann ich mich sogar mit dir als Paten anfreunden...“ Sandalphon lächelte. „Keine Sorge, ich werde über einen passenden Namen mit der Person mit dem höheren Emotionsquotienten verhandeln...“ „Mit wem?“ verlangte Belial Auskunft. „Mit deiner Frau, Großer.“ Belial sah ihn einen Augenblick kühl an, dann nickt er. „Damit kann ich leben.“ Sandalephon grinste. „Hab ich mir jetzt fast gedacht...“ Er lächelte ihm freundlich zu ehe er sich zum wiederholten Male an Hagiels Frau wandte. "Also was wünscht du dir, Mathilde?"
Die mollige Haushälterin des Boulevard sah hilflos zu ihrem Mann, der nickte ihr zu und dann sagte sie leise: „Ich... Hauptsache sie sind gesund, Herr Sandalephon, ich... es ist egal...“ Der Seraph sah sie verblüfft an, sah dann zu Hagiel und fragte ihn: „Hat mich deine Frau gerade indirekt gesiezt?“ Der stellvertretende Botschafter nickte. „Ich fürchte ja...“ gab er zu. Sandalephon sah Mathilde an. „Tilly, Mathilde, wieso siezt du mich? Ich bin einer deiner vielen Schwäger, wie Lucifer, Metatron, Michael, Gabriel und alle anderen Seraphim, Cherubim, Ophanim, Dynameis, Kyriotes, Archai und alle anderen Engel auch. Du bist unsere Schwägerin auf die wir alle – genau wie auf Selvaggia und Cassandra – ein Auge haben. Metatron und Lucifer mögen zwar Seraphim sein, gut, aber wusstest du, dass dein Mann Vater bei der Schöpfung zur Hand ging? Du magst einen Engel des zweiten Himmels geheiratet haben, einen Engel der scheinbar geringer ist als die bisher zwei, bald jedoch wohl drei anderen, aber Vater liebt dich umso mehr, Mathilde, denn du machst Hagiel glücklich, der bisher stets für seine Pflicht lebte. Ich bitte dich, sieh mich als Bruder, als Freund... sieh mich nicht als Bedrohung oder Fremden. Du hast für jeden der die Botschaft oder auch dieses Haus betritt immer ein gutes Wort, einen Tee oder Kaffee und Gebäck – apropos Gebäck: Vater bittet um eine Schachtel deines Spekulatius und er dankt für das Lebkuchenhaus und lässt fragen, ob ich es gleich mitnehmen dürfte.“ "Mathilde?" fragte Sandalephone, als Mathilde nicht reagierte. "Was? Ja, ich... hole das Haus. Kekse... sind im... Backofen." stammelte sie. "Und verbrannt, so wie es riecht." fügte der Erzengel lächelnd hinzu. Mathilde sauste in die Küche. Sie begann zu husten als ihr Rauch aus dem Backofen in die Nase stieg. Sie nahm zwei Topflappen, öffnete den Backofen und holte das Blech mit den schwarzen Keksen heraus.
Mathilde errötete „Das... ist mir noch nie...“ sie schluchzte fast. „Ich schäme mich so, ich hätte frische Kekse...“ Belial legte Mathilde eine Hand auf die Schulter. „Wo ist das Problem?“ fragte er tröstend ließ die Hand über das Blech schweben und sofort waren die Kekse tadellos und dufteten verführerisch. Sandalephon lächelte, als er sagte: „Die Zimtsterne sehen sehr gut aus. Soll ich dir beim glasieren helfen?“ Mathilde schüttelte erschrocken den Kopf. „“Die müssen doch erstmal auskühlen und...“ „Ich würde sehr gern ein paar davon für Vater mitnehmen, wenn es recht ist.“ „Aber natürlich, He...“ Sandalephon räusperte sich leise. „Lieber Schwager.“ murmelte sie, während sie aus der Speisekammer ein prächtiges Lebkuchenhaus holte und eine Dose mit Spekulatius und Pfeffernüssen vor Sandalephon stellte. „Mit herzlichen Grüßen an... ähm... den... Vater von... ähm...IHN... Ich habe gar nicht gefragt, ob... ob du einen Kaffee oder einen Tee möchtest... und natürlich kannst du auch von den Keksen essen. Es stehen genug auf dem Tisch...“ Sandalephon lächelte. „Danke Tilly – darf ich Tilly sagen?“ Sie nickte. Er zwinkerte. „Ich hätte gern einen deiner wunderbaren Kräutertees, wenn du so freundlich wärst.“ Er sah sie einen Moment lang an, dann schmunzelte er: „Ja, ich glaube, ich weiß jetzt was für ein Trio in diesem Haus in Zukunft für Wirbel sorgen wird." Hagiel sah zu Belial und Metatron, die einander angrinsten. „Perfekt... drei blonde, blauäugige kleine Mädchen...“ murmelte der himmlische Botschafter und Belial lachte:
   „Ich glaube, ich schenke dir eine Schrotflinte, Hagiel... die wirst du brauchen. Ich muss gestehen, wenn Kat nicht mit Julien zusammen wäre... also ich hätte schon längst das Bedürfnis gehabt anderen Verehrern eine Ladung auf den Pelz zu jagen... Zu seinem Glück mag ich den Burschen allerdings echt gern und auch wenn ich nicht wollte, dass er so tief in die Hölle und ihre Angelegenheiten vordringt... er ist eine echte Bereicherung... Und wenn der Freund von Christina-Luciana nicht mein eigener Sohn wäre... ich weiß nicht... Nur bei meiner Sophia-Aurora... da wird es wohl gefährlich...“ Hagiel wehrte erschrocken ab. „Ich kann die Elemente kontrollieren, da brauche ich keine Waffen!“ Belial schmunzelte. „Das war auch nur ein Scherz, Brüderchen.“
Christian, der gerade in seinem Zimmer gelesen  hatte, betrat das Wohnzimmer. "Ich habe Kekse gerochen. Darf ich..." Er blickte kurz auf Sandalephone dann sah er zu Belial und danach zu den anderen. "Was ist denn los? Warum wirkt ihr alle so... geschockt?" Er sah dabei wieder den Höllenfürsten an, von dem er eine Antwort erwartete, da er zu diesem von allen Anwesenden die engste Bindung hatte. "Das ist kompliziert, Christian." Der Junge lächelte ihn an. "Ich bin schon groß Onkel Lucian."  Belial lächelte freundlich zurück. "Das weiß ich, aber im Moment ist das zu viel zu erklären und ich sollte erst mal mit Selvi reden. Lass es dir von jemand anderem erzählen oder warte bis ich wieder zurück bin." sagte er ruhig und freundlich, dann verschwand er.
Sandalephon wandte sich an Christian. „Du bekommst bald Cousinen, mein Junge – eine von Lucifer und Selvaggia und – auf Beschluss von deinem Adoptivgroßvater - auch drei von Mathilde und Hagiel. Und ich fürchte, das hat gerade Lucifer etwas... mitgenommen.“ Christian lächelte Mathilde und Hagiel an, umarmte die Hausherrin und flüsterte: „Das ist so toll, Tante Tilly. Sind sie schon in deinem Bauch?“ Mathilde streichelte dem Jungen über den Kopf. „Ja... ich... bin irgendwie auch ein wenig... überrascht, aber ich freue mich natürlich.“
Er tauchte neben Selvaggia auf , die noch immer im Bett in Belials Schlafzimmer auf Angel Island lag, die Hände auf ihrem Bauch verschränkt. Sie warf ihrem Mann den sie gerade noch leidenschaftlich geliebt hatte, einen flüchtigen Blick zu. "Du bist nicht gerade begeistert." fragte er ruhig. "Die Zwillinge sind gerade Mal ein paar Monate alt. Und ich hätte jetzt eigentlich erst mal mindestens gerne fünf bis zehn Jahre Pause gehabt!" fauchte sie ihren Mann an. "Und du siehst auch nicht wirklich begeistert aus." fügte die schöne Hexe hinzu als er nichts sagte. Er seufzte und legte eine Hand auf ihren Bauch. "Mir geht es wie dir, ich hätte auch noch gerne eine größere Pause gehabt. Aber ich werde unser kleines Töchterchen lieben." Sie lächelte. "Da bin ich mir sicher!" antwortete die Hexe.
Er schloss kurz die Augen und dachte daran wie zickig seine Frau in kurzer Zeit wieder sein würde, da sie ein Mädchen erwartete. "Ich frage mich gerade was Vater damit bezweckt... Sandalephon ist gerade auf Norderney. Er hat mir gesagt, dass du dir ein Mädchen ausgesucht hast und er meinte ich solle froh sein, dass er mir die Drillinge erspart hat, die Vater unbedingt haben möchte. Und..."  Selvaggia unterbrach ihn. "Was hat er gemacht? Der da oben wollte uns Drillinge bekommen lassen?" fragte sie entsetzt. "Wir haben doch schon Luciano und die Zwillinge, und... das sind dann vier kleine Kinder, mit drei wären es... sechs! Er wird doch nicht ...?" fügte sie hinzu und starrte ihn fassungslos an. "Nein ich denke nicht, denn Sandalephone meinte, ...er hätte Vater bequatscht die Drillinge... Mathilde und Hagiel zu schenken. Tilly ist auch schwanger." Sie starrte ihn immer noch mit großen Augen an. "Es gibt da nur einen kleinen Haken, süßes Hexlein: Sandalephon erwartet diesmal so zusagen als Dank, dass er mir die Drillinge erspart hat, genau so hat er sich nämlich ausgedrückt und so habe ich das in seinem Unterton rausgehört... Pate unserer Tochter zu werden. Und ich denke ich sollte ihm den Wunsch besser gewähren. Wobei ich ihn jetzt an sich nicht so schlimm finde und im Notfall werde ich mit ihm schon fertig, wenn es sein müsste."
Selvaggia nickte. "Ja, damit könnte man leben, allerdings einen guten höllischen Gegenpart und einen von uns ausgesuchten himmlischen zweiten Paten." meinte sie. Jetzt nickte der Höllenfürst. "Ich werde unter diesen Umständen Samyaza nochmal bitten und notfalls bequatschen, bei ihm bin ich mir zu... mehr als 100% sicher, dass er mir treu ergeben ist und immer an meiner Seite stehen wird. Und er ist mir ein Freund geworden. Was den zweiten himmlischen Paten angeht, da überlegen wir noch." sagte er. "Damit bin ich einverstanden. Ich sollte ich jetzt erst mal um Luciano kümmern. Und... Rachel hat ihre ganze Arbeit liegen lassen, bevor sie in diesen Schlaf fielen. Und du hast dich noch um den Fall zu kümmern. Geh zurück nach Norderney, sie brauchen dich." Sie stand auf, nahm die Hand ihres Mannes und zog ihn in seine Arme. "Es war dennoch wunderbar, ich liebe dich Lucifer! Wir bekommen das auch mit vier Kindern hin." Er lächelte und küsste sie abermals sehr leidenschaftlich, er müsste sich zügeln um nicht gleich wieder über seine Frau herzufallen. Wobei das jetzt auch egal wäre, dachte er ein wenig ironisch, da sie ja gerade schon schwanger geworden war. Er verschwand und tauchte im Flur des Hauses auf Norderney wieder auf wo, wie er aus dem Esszimmer hörte, Sandalephon immer noch anwesend war.
In diesem Moment erschien auch Astaroth im Esszimmer des Hansen-Hauses. „Ist Lucifer gar nicht da?“ fragte er überrascht, bevor er mit Metatron ein High-Five zur Begrüßung austauschte und Hagiel in Gedanken begrüßte. „Sandmännchen, was tust du denn hier?“ fragte er dann spöttisch an Sandalephon gewandt.
Christian sah seine/n Adoptivvater/-mutter überrascht an, erwiderte dann jedoch das Grinsen. Der Seraph zog eine Augenbraue hoch. „Das Sandmännchen wollte Tilly eine Entscheidung überlassen und die Kekse für Vater abholen.“ antwortete er jedoch nicht im mindesten verärgert, was Astaroth fast wunderte. „Papa, Tante Tilly kriegt drei Cousinen für mich – auf einmal!“ rief Christian, „Und Onkel Lucian und Tante Selvaggia kriegen auch eine Cousine für mich!“
Astaroth sank auf den nächsten Stuhl. „Lucifer auch? Schon wieder? Kann Vater ihn nicht mal mit Babys verschonen oder war das irgendein makabrer Vorschlag von dir?“ Sandalephon lächelte. „Ganz im Gegenteil. Ich habe ihm das Trio erspart... wobei er offenbar – unbeabsichtigt – herausgehört hat, dass ich Pate werden will. Vermutlich denkt er, wenn ich das nicht werde, dann überrede ich Vater noch zu tauschen und Selvi die Drillinge zu schenken, nicht Tilly.“ „Ach du Schei...benkleister! Das hat er sicher etwas quer gekriegt... Wo ist er gerade?“ Metatron schmunzelte. „Bei seiner Herzensdame. Die hat unser Sandy hier nämlich vorher besucht um sie zu fragen ob sie Sohn oder Tochter will und dann hat er Tilly und Hagiel die „frohe Botschaft“ überbracht.“
Mathilde lächelte. „Ja, und ich habe mich wirklich gefreut, Metatron! Ich wollte immer Kinder – nur habe ich sie mir wegen... wegen meines Vaters... Abkommen mit der Hölle versagt... Aber sie werden nicht... also sie werden dem Teufel nicht gehören, auch wenn ich... also ich mag Lucifer oder Lucian wirklich, als Chef, als Freund, als... als Paten von wenigstens einer Tochter..."
Belial tauchte auf und stand neben dem Tisch im Esszimmer an dem alle saßen. "Kaffee! Groß, schwarz und stark!" sagte er. Mathilde sprang sofort auf und wollte  in die Küche laufen. Belial hielt sie zurück und wies seine Freundin höflich an sitzen zubleiben. "Lass gut sein Tilly, ich mache ihn mir schnell selbst, du bist im Moment ebenfalls etwas durcheinander." Als er zurück kam und seine Tasse auf den Tisch stellte, kam Christian angerannt und umarmte ihn ebenfalls. "Ich freue mich über deine Tochter, Onkel Lucian. Ist sie auch schon im Bauch von Tante Selvaggia?" Belial musste lachen und nahm den siebenjährigen Jungen in den Arm und drückte ihn kurz liebevoll. Er mochte den Adoptivsohn, von Astarte/Astaroth. "Ja, mein Kleiner!" Christian blickte kurz hoch. "Freut ihr euch denn nicht? Du siehst auch so..." Belial setzte sich neben ihn an den Tisch und trank einen großen Schluck Kaffee. "Doch, es ist nur so, dass diese Schwangerschaft von Selvi nicht unbedingt geplant war und... na ja wir haben dann vier kleine Kinder. Was schon sehr anstrengend ist muss ich gestehen und... vieles andere was mich beschäftigt. Von daher bin ich gerade etwas durcheinander." Der Junge nickte.
Belial musterte Sandalephon nachdenklich. "Sag mal... ich habe vorhin gehört, dass du..." er räusperte sich, "Ich meine, dass ich mich offenbar in deiner Intention geirrt und bei der Tonlage... verschätzt habe?" Sandalephon sah ihn fragend an. "Du willst gar nicht... Pate... werden?" Der Seraph seufzte. "Du hast offensichtlich eine Drohung rausgehört wo keine war, Lucifer. Das heißt nicht, dass ich nicht sehr gern Pate eurer Tochter wäre, aber ich würde das niemals verlangen! Und ich würde niemals damit drohen, dass ich euch doch die Drillinge aufdrücke!  Wenn ihr euch für mich als Paten entscheidet, würde ich mich geehrt fühlen, Lucifer, ich würde mich freuen, aber nur, wenn es ohne einen vermuteten Zwang geschieht, der gar nicht besteht. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?" Belial lächelte ein wenig erleichtert. "Ja, hast du - und ich habe mit Selvi geredet. Auch wenn... ich es mit ihr wegen dieses Missverständnisses diskutiert habe... Wir hätten dich gern als Paten, beide. "Der Seraph lächelte. "Danke, das bedeutet mir sehr viel!" sagte er leise. Es  wurden noch ein paar nette Stunden, bevor Sandalephon sich nach dem Kaffee, mit dem Lebkuchenhaus und den Keksen für den himmlischen Vater verabschiedete. "Vielen Dank für den Tee und die wirklich vorzüglichen Kekse Tilly, auch im Namen von Vater, der mich auszurichten bat, dass er sich jedes Mal auf die Ergebnisse deiner Backkunst freut." sagte er freundlich zu der liebevollen Hausherrin und verschwand.  
Belials Blick fiel auf Mathilde, die wieder einmal verlegen wirkte. "Okay, jetzt reicht es Tilly!" rief Belial, der gerade völlig unbeabsichtigt ihre Gefühle mitbekam. Sie blickte ihren Freund und Chef, vor dem sie trotz der Freundschaft nach wie vor noch sehr viel Respekt hatte, erschrocken an. "Lucifer, ich... was habe ich gemacht?" fragte sie ängstlich. "Du zweifelst an dir! Sorry, aber wegen meiner Fähigkeiten als Höllenfürst, kann ich durch schwarze Magie manchmal... Gefühle anderer spüren, wenn ich es nicht verhindere, und da ich gerade selbst so durch den Wind bin habe ich es eben nicht..." Er erhob sich, lief zu ihr und nahm die Hand der molligen Frau. Er führte sie vor den Standspiegel der im großen Eingangsflur im Eck stand und stellte sich dicht hinter sie. Er fuhr ihr sanft über den Kopf, öffnete den Dutt, den sie immer trug und fuhr ihr durch ihr langes, glattes Haar. Eine Haarsträhne legte er ihr über die Schulter.
"Sieh dich an! Und jetzt sage mir ins Gesicht dass du hässlich bist! Denn das denkst du doch! Du bist neidisch auf Selvi, Cassie, Rachel und so weiter, weil du alle für schön und schlank hältst. Zugegeben... sie sind alle schlanker als du, aber an Schönheit, kannst du locker mit ihnen mithalten! Schönheit, Tilly, ist nicht nur eine äußere Sache, für einen Engel - egal ob gefallen oder nicht - ist es viel mehr eine innere Sache. Du könntest äußerlich ein Model sein, aber innerlich gefühlskalt und hartherzig - glaubst du, Hagiel würde dich so lieben? Dein Mann liebt dich gerade wegen dieser Schönheit von innen, wegen deines goldenen Herzens, wegen deiner Güte." sagte er ruhig aber sehr streng. "Also, sieh dich an, deine Haare, deine Augen ... deine Haare sind wunderschön, trage sie öfter offen, deine Augen strahlen Liebe und Güte aus. Und ich bin sicher Hagiel sieht das ebenso. Und was die verbrannten Kekse angeht, ist das so schlimm, dass du schon wieder an dir zweifelst? Du kochst und backst so lecker... Sogar Vater lässt sich DEINE Kekse mitbringen! Und ich denke, ICH bin der einzige der hier im Moment zweifeln darf Tilly. Ich werde gerade ständig hintergangen, von meinen eigenen Leuten und Engeln aus dem Himmel die mitmischen... warum? Um mir einfach eine reinzuwürgen? Um mich fertig zu machen? Wem kann ich noch vertrauen? Aber DU hör endlich auf an DIR zu zweifeln! Du hast keinen Grund dazu, du bist du! Eine der nettesten und liebenswertesten Personen die ich kenne. Und dich trifft keine Schuld an den Taten deines Vaters oder den Meinen, nur weil du eine Hansen bist. Du hast dir keine Vorwürfe zu machen was den Pakt angeht und was mich angeht, hast du deine Schuld bei mir schon längst verbüßt, wenn du je Schuld auf dich geladen hast."
"Ich hoffe das hat dich jetzt endlich mal überzeugt!" rief Metatron. Die Kräuterhexe nickte errötend. "Außerdem bist du Sophia-Auroras Patentante! Das haben wir nicht von ungefähr entschieden, Selvi und ich, denn wir wollten beide die liebste, netteste und freundlichste Patentante für unsere Kleine haben, die wir haben konnten, dich! Und wo wir gerade beim Thema sind: Ich will Pate von eurem kompletten Trio werden! Einen vernünftigen Lieblingsonkel brauchen die drei schließlich. Metatron braucht ja wenigstens ernstzunehmende Konkurrenz!" fügte er mit einem Zwinkern hinzu. "Damit ist auch diese fixe Idee von dir beendet, dass die Kinder mir gehören! Sie gehören euch und Vater! Ich habe lediglich ein Auge und eine schützende Hand auf euren Kindern!" Mathilde lächelte scheu. "Danke, Luci..fer, und sehr gern, wenn du... Pate von allen drei Mädchen werden möchtest, würde ich... ich mich sehr freuen. Würdest du Samyaza fragen ob er... ähm... auch für ein Mädchen zusätzlich...?" Belial lächelte gespielt finster. "Ich sichere dir das zu, Tilly, glaub mir, ich bin sehr überzeugend." antwortete er mit einem Zwinkern. "Prima, und Astaroth, wo du grad da bist: Du übernimmst sicher auch gern ein Patenamt..." meinte Hagiel belustigt. Astaroth grinste. "Klar, wo mein Kleiner sich schon so auf seine Cousinen freut wird das bestimmt lustig, wenn ich mit Lucifer um die Gunst meiner Patentochter wetteifere... Wäre doch gelacht, wenn ich ihn als Lieblingsonkel nicht an die Wand spiele." neckte er den Höllenfürsten freundschaftlich. Belial grinste diabolisch. "Tilly, Hagiel, gebt dem Kleinen doch eine echte Chance und er und ich werden beide Paten aller drei Mädchen... wird  für mich dann auch chilliger, weil ich weiß, dass ich nicht immer eins von meinen unzähligen Augen auf den Mädels haben muss, weil er auch immer nachsehen kann..." Hagiel und Mathilde lächelten. "Ich glaube, allein schon um den Wettbewerb zu genießen, mein Schatz, sagen wir ja..." meinte der Hausherr belustigt.
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