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Advents-Spuk auf Norderney

GeschichteMystery / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne Nick Boyle OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
16.09.2016
16.09.2016
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16.09.2016 8.625
 
Am Nachmittag klingelte es an der Tür. Selvaggia freute sich sehr als die junge Frau sah, die sie bei ihrem letzten Besuch auf der Insel mit einem Vorwand zurückgewiesen hatte, als Selvaggia sie nach einem Strandspaziergang noch auf eine Tasse Tee einladen wollte.
"Moin Frau Hansen-Archai ich... wollte mich entschuldigen für meine unhöfliche Absage bei Ihrer Einladung, als Sie das letzte Mal auf der Insel waren. Sie müssen wissen, dass ich... also ich habe nichts gegen Sie oder ihren Mann es ist nur das Haus... " "Ist kein Grund sich zu fürchten!" Wurde die junge Frau von einem ihr unbekannten ganz in schwarz gekleideten Mann unterbrochen. Ihr blieb bei seinem Anblick fast Luft weg, so gut sah er aus. "Gestatten Sie dass ich mich vorstelle. Lucian Rayne, der Vorbesitzer dieses Hauses. Ich habe wohl bei meinen Aufenthalten hier einiges falsch gemacht, dadurch dass ich mich nie im Ort blicken ließ und so zurückgezogen habe, aber... ich suche manchmal die Einsamkeit, zum Nachdenken und... aber Sie sollten das nicht auf Mathilde und Hagiel übertragen. Kommen Sie doch bitte herein." Mit einer einladenden Geste bat er die junge Frau herein, die nur stammelte: "Nadja Visser". Etwas zögernd trat sie dann über die Schwelle. "Danke Lucifer!" flüsterte Mathilde nur für ihn hörbar. Er erwiderte nichts sondern, zwinkerte ihr nur flüchtig zu, drehte sich um und verließ den Flur. Mathilde folgte ihm und servierte ihrem Gast, der bereits von Hagiel an den Tisch gebeten wurde, einen starken Friesentee und Hagiel und Belial einen steifen Grog zur selbstgebackenen Friesentorte.
"Wirklich ein sehr schönes Haus haben sie da." sagte die junge Frau um ein Gespräch zu beginnen. "Ja, nur leider ist der Dachstuhl komplett morsch und das Dach ist undicht. Morgen kommen Handwerker. Lucian hat den Dachboden vergessen als er sich bemühte das Haus in Stand zu halten." antwortete Mathilde. Nadja lächelte. "Kommen Sie mit ihren Freunden auch zum Biikebrennen? Wenn Sie noch da sind?" meinte sie freundlich. "Was ist denn das Biikebrennen für eine Tradition?" wollte Selvaggia wissen. "Der Ursprung des Festes ist unklar; wahrscheinlich sollte das Feuer im Mittelalter böse Geister vertreiben und die neue Saat schützen. Auf den Inseln diente das Biikefeuer später zur Verabschiedung der Walfänger, obwohl hier die Walfänger nicht so heimisch waren, aber... na ja... wir haben das hier halt eingeführt... Tourismus halt. Die Frauen zündeten die Feuer entlang des Strandes an, um den fahrenden Männern noch lange sicheres Geleit zu geben. Einer Sylter Legende nach galt dieses Signal gleichfalls den dänischen Männern auf dem Festland und sollte ihnen vermitteln, dass die Inselfrauen nun wieder allein auf dem Hof waren und Hilfe bei der Arbeit und „anderen Dingen“ benötigten." Belial zog die Augenbraue hoch. "Ehebruch... hm... ja... war im Mittelalter recht häufig..."
Der Gast sah ihn erstaunt an. Hagiel räusperte sich. "Mein Freund hier ist Historiker, das sollten Sie wissen, Frau Visser." Sie lächelte. "Mediavist?" "Unter anderem, ja." murmelte Belial belustigt." Sie nickte und fuhr fort: "Nun ja... ich bin die Insel-Chronistin" gestand sie und fuhr dann fort: "Der Beginn der jährlichen Walfangsaison am Petritag hing mit einem Beschluss der Hansestädte aus dem Jahr 1403 zusammen, nach dem zwischen Martini und Petritag die Schifffahrt ruhen sollte. Der Petritag am 22. Februar war ein ziemlich wichtiges Datum für die mittelalterliche Schifffahrt, denn er war das Datum für das Ende der Winterpause und den Frühlingsbeginn. Die Leuchtfeuer bestanden noch im 17. und 18. Jahrhundert aus primitiven Leuchtbaken an den Stränden, die den Seefahrern und Walfängern als Navigationshilfe dienten. Die heute üblichen großen Feuerstöße sind wahrscheinlich erst Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Auch die einheitliche Festlegung des Biikebrennens am Abend des 21. Februars ist erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt worden." erklärte die junge Frau.
"Und warum wird es dann jetzt schon im November  so groß vorbereitet wenn es erst im Februar gefeiert wird?" fragte Hagiel interessiert. Die junge Frau schluckte und sah plötzlich sehr ängstlich aus. "Das ist Inseltradition. Beruht auf einem alten Aberglauben." Mathilde runzelte die Stirn ."Also ich... ich habe mich mit dem 16. Jahrhundert auf der Insel mal befasst und da gab es dieses Biikebrennen und diesen Aberglauben noch nicht. Was hat es mit diesem Aberglauben auf sich?" wollte sie wissen. "Oh ja, bitte, spätmittelalterliche Spukgeschichten haben es in sich, das ist spannend, Frau Visser, erzählen Sie mal." meinte Belial betont launig. Nur Hagiel merkte, dass er angespannt war. "Nun es ist eine... Inselgeschichte... ist sicher nichts dran. Keiner weiß weshalb... der Aberglaube entstanden ist, aber... aber es wird gemunkelt, wenn wir das vorgezogene Bikkefeuer nicht am ersten Advent machen, wird in dieser Nacht ein Kind... verschwinden." sagte sie zögernd. Selvaggia starrte sie geschockt an. Belial verschluckte sich an seinem Grog und bekam einen heftigen Hustenreiz. "Kinder... verschwinden?" fragte er entsetzt und sah auf seinen spielenden Sohn. "Das soll das letzte Mal 1713 passiert sein. Seitdem wurde das Adventsbiikebrennen immer durchgeführt. Das ist ein wenig anders als das touristische Event im Februar... Pastor Bente wird den Holzstoß segnen und ein altes Banngebet sprechen. Ich meine..." Sie lachte nervös. "Ich glaube ja nicht daran, also nicht wirklich, aber... Legenden halten sich hier lange... und wir Friesen sind auch ein wenig stur..." "Was für Kinder verschwinden? Und gibt es irgendwelche "Ideen" wodurch die Legende entstanden ist?" hakte Belial nach.
Nadja Visser sah zu Luciano."Wie alt ist ihr Sohn, zwei, oder drei?" fragte sie. "Er ist zwei Jahre." antwortete der Höllenfürst. "Dann ist er nicht in Gefahr! Es verschwinden immer fünfjährige Kinder. Meistens auch Mädchen." erklärte sie. Die erleichterte Selvaggia hatte ihre Stimme wieder gefunden. "Bin ich froh, ich würde Luciano und die Zwillinge aber dennoch gerne zu Rachel und Derek bringen. die beiden kümmern sich gerne um die Kinder und ich habe Luciano versprochen dass er noch bei Christina Winterferien machen darf. Ich würde mich besser fühlen, wenn ich die Kinder bei dieser Gefahr in Sicherheit wüsste." bat Selvaggia ihren Mann. Belial nickte. "Ich werde sofort veranlassen, dass die Kinder zu Rachel und Derek kommen. Ich rufe Kat und Julien an, die beiden nehmen die drei dann im Privatjet mit nach Angel Island." versprach er seiner Frau und auch er schien über diese Option erleichtert. "Und wieso nur fünfjährige Mädchen? Und woher kommt der Aberglaube?" fragte nun Hagiel.
"Na ja... der Überlieferung nach hängt das mit diesem Haus hier zusammen, Mr. Rayne..." "Signore - auch wenn ich in Paris arbeite, ich habe einen italienischen Pass." sagte Belial charmant lächelnd um die Inselchronistin ein wenig zu ermutigen. Sie lächelte wie erwartet.
„Das hängt mit unserem Haus zusammen?“ fragte dagegen Mathilde entsetzt. „Aber im... um 1530 war das noch nicht! Wir reden über die Renaissance, über eine Zeit wo man aufgeklärter war! Hagiel, das kann nicht sein!“ Nadja Visser seufzte. „Mathilde, ich erzähle nur was überliefert ist. Angeblich hat 1535 der damalige Bewohner, Knud-Sören Hansen, ein wohl recht armer Fischer, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, der ihm Reichtum und ein langes Leben bringen sollte. Zufällig soll seine jüngste Tochter, die übrigens auch Mathilde hieß und damals fünf Jahre alt war, den Teufel wohl gesehen haben. Sie muss sehr klug gewesen sein und verstanden haben, was da lief, zumal Knud-Sören wohl seine Kinder und Kindeskinder „verpfändet“ hat - es heißt, bis in die 13. Generation. Und es gab Hinweise... ich meine, er wurde innerhalb kürzester Zeit reich.“
Mathilde sah schockiert zu Belial. Der schüttelte leicht den Kopf und antwortete ihr telepathisch: „Ganz ruhig, Tilly, darüber reden wir nachher! Lass sie erst einmal zu Ende erzählen!“ Dann wandte er sich Nadja Visser zu. „Gut, und was hat sie gemacht, die kleine Mathilde?“ wollte er wissen. „Sie ist wohl mutig vor den Teufel getreten und hat gesagt, dass sie ihm nie dienen werde, sondern ins Kloster ginge und  ihm somit  entzogen wäre, also ihre Seelen, weil sie ja christlich und so sein würde und auch nie Kinder haben würde, die dem Teufel wiederum dienen oder gehören würden.“ Belial verschränkte mit einem Lächeln in Mathildes Richtung die Arme vor der Brust. „Interessant, und weiter?“ „Na ja... es heißt, der Deal drohte zu platzen, da Mathilde das jüngste von neun Kindern war und sie hatte wohl einen Paten, der Horoskope erstellte und ihr Geburtshoroskop war wohl sehr... außergewöhnlich. Sie war offensichtlich wichtig für den Teufel und hat... sich widersetzt. Was weiter war, ist nicht überliefert, nur, das der alte Hansen dem Teufel wohl... Ersatz angeboten hat. Da Mathildes Generationen wohl länger überleben sollten – wodurch der Pakt angehalten hätte, denn für jedes Kind sollte er wenigstens ein Jahrzehnt länger leben und erst mit dem letzten Nachkommen der 13. Generation – egal von welchem seiner Kinder – sterben. Was schätzungsweise... in circa 100 Jahren oder so wäre... Und dies Haus... also der Aberglaube sagt, dass der alte Hansen es auch dem Teufel vermacht hat...“
„Also ist es der „alte Hansen“, der die Kinder stiehlt um die Seelen an Lucifer zu verkaufen?“ fragte Hagiel. Nadja Visser nickte. „Aber es geht nicht nur um die Seelen... es heißt, dass er die Kinder adoptiert und so die 13 Generationen hinauszögert und somit auch sein Leben. Es ist nicht überliefert, was mit den Kindern dann passiert, aber es wird gemunkelt, dass sie mit 20 oder so wieder auftauchen könnten um Kinder zu kriegen... Oft an den Küsten Amerikas oder so... weit weg von zuhause. Und mit Fünf ist man noch... formbar genug... fasst noch Vertrauen... und es war das Alter in dem der Legende zufolge die kleine Mathilde sich widersetzt hat.“
„Hm... ich könnte mich mit meinem Cousin Derek Rayne mal dahinter klemmen und auch meinen... Kumpel Merlin fragen...“ murmelte Belial. „Auf jeden Fall danke ich Ihnen, dass Sie uns die Story erzählt haben. Aber ich versichere Ihnen, dass dieses Haus garantiert nicht dem Teufel gehört, sondern mit Hagiel einem waschechten Engel mit seiner reizenden Frau.“ Nadja Visser lachte leise. „Ja, die beiden sind wirklich sehr nett und eine echte Bereicherung hier auf der Insel. Fast könnte ich daran glauben, dass sie beide Engel sind.“ Sie sah auf die Uhr. „Huch, schon so spät? Danke für den Kaffee, Mathilde, war nett Sie alle kennen zu lernen, Signore Rayne, Signora Rayne. Ich muss los! In einer halben Stunde fängt meine Schicht an der Rezeption an.“ Sie verabschiedete sich, nicht ohne zu versprechen bald wieder auf einen Kaffee vorbei zu schauen.
Kaum hatte sich die Haustür hinter ihr geschlossen kehrte Mathilde in die Küche zurück. „Erklärst du mir das bitte, Lucifer?“ sagte sie hörbar ärgerlich. „Die Legende betrifft ja wohl mich! Und ich erinnere mich nicht daran, dass ich dich schon mit fünf Jahren gesehen hätte! Und ich erinnere mich auch nicht an dieses angeblich so tolle Horoskop!“ Belial seufzte. „Ja, sie betrifft dich, und du hast mich damals gesehen, Tilly.“ Die mollige Frau sank mit entsetztem Blick auf die Bank neben ihrem Ehemann. „Du warst eine wirklich resolute kleine fünfjährige Göre. Ich war wider Willen beeindruckt. Dein Vater wollte dich schlagen und ich habe ihn davon abgehalten und die Ereignisse des Tages aus deiner Erinnerung gelöscht. Ich hatte... gehofft..., dass du doch ganz normal einen kräftigen Burschen hier von der Insel heiratest und fertig... wobei... dein Horoskop war wirklich... bemerkenswert und macht jetzt auch Sinn... Es war davon die Rede, dass du zu Großem ausersehen bist und Vaters Blick mit Wohlwollen auf dir ruhen würde... und das tut er zweifellos, immerhin bist du seine dritte Schwiegertochter, von ihm geliebt, akzeptiert und gesegnet...“
Sie schluckte. „Das heißt... ich gehöre dir, Hagiels und meine Kinder werden dir gehören... und wenn sie sich entscheiden Engel zu sein... dann... dann wird mein... mein Vater bis in alle Ewigkeit Kinder holen?“ fragte sie entsetzt. „Theorie und Praxis liegen da weit auseinander, Tilly. Du hast mir letztendlich – widerwillig – gedient als Hexe, aber ich habe dich frei gegeben und Vater hat dir verziehen, immerhin bist du mit Hagiel verheiratet. Und wie könnte ich die Kinder von dir und Hagiel beanspruchen?“
„Knud-Sören Hansen... ist der in der Hölle angekommen, Lucifer?“ fragte Hagiel. Belial überlegte. „Ich müsste in der Buchhaltung nachfragen. Ich habe mich seit 300 Jahren nicht mehr persönlich um die Eingänge gekümmert. Ich frage wohl am Besten erstmal bei Samyaza an...“ Er wandte sich an Mathilde: „Und ganz klar Eins, Tilly: Wer oder was auch immer diese Kinder stiehlt: Das ist nicht dein Vater. Er mag so aussehen wie dein Vater, er mag so wirken, aber er ist inzwischen, wenn er noch auf Erden wandelt – oder auf den Meeren der Welt segelt – ein Dämon, etwas Widernatürliches, was außer dem Aussehen nichts, aber auch gar nichts mehr mit deinem Vater gemein hat!“
Mathilde sah ihn ängstlich an. „Aber wenn, dann... dann kommt der Fluch durch meine... Weigerung!“ schluchzte sie. Belial schnaubte: „Wenn du dich nicht geweigert hättest, Tilly, wenn du mich damals nicht beeindruckt hättest, wärst du heute in der Hölle wie deine Geschwister und würdest Qualen leiden! Aber du wärst kein geschätztes Familienmitglied und zudem meine Schwägerin! Und ich werde jetzt Derek und Metatron Bescheid geben, dass sie kommen sollen um hier mit zu ermitteln, Kat und Julien rufen, damit sie die Kinder mit nach Angel Island nehmen und dann kriegen wir das hier in den Griff! Und jetzt begleite ich dich in die Kirche, du hast in einer halben Stunde Proben für das Krippenspiel! Und wo Astaroth meinte, er habe mich da mit dir eingebaut, will ich mir das vorab mal ansehen!“ sagte er gespielt streng zum Ende, während er mit Hagiel kurz kommunizierte, der seine Frau unbemerkt von ihr besänftigte. Mathilde grinste so ein wenig widerwillig. „Du kommst sehr nett rüber, wirklich! Und du wirst sogar von Jasper Rass gespielt, der ist dunkelhaarig und hat Locken wie du.“
Eine halbe Stunde später saß Lucifer in der Kirche und sah zu, wie die Kinder die Probe angingen. Das Stück begann in der Hölle. Ein Teenager mit dunklen Locken, der sich blinkende Hörner aufgesetzt hatte, telefonierte mit einem Mobiltelefon: „Verstehe... Gut, dann nehmen wir Fusionskraftwerk drei in Betrieb. Ich will ja nicht, dass die Seelen meinen sie wären bei uns im Urlaub! Kümmer’ dich darum, Astaroth!“  lautete der erste Satz. Belial grinste. Das war typisch für den höllischen Sekretär seines himmlischen Kollegen. Moderne Technik, wie Telefone, zudem noch mobile und imaginäre Fusionskraftwerke... und die gewisse Eitelkeit, dass er selbst, Astaroth auch vorkam, wenn auch nur namentlich erwähnt... Im weiteren kam Boldi zum Einsatz, ein kleiner Hilfsteufel, der die Aufgabe bekam, die Geburt Jesu zu verhindern – unter Androhung, dass er bis in alle Ewigkeit Schnee auf dem Ätna schaufeln müsse, sollte er versagen. Natürlich versagte der kleine Teufel ständig und bekam eine Schneeschaufel von seinem Chef überreicht. "Du hast die gleichen, schwarzen Haare wie ich!" sagte Jasper zu Belial bevor er die Kirche mit den anderen verließ. "Ja, kleiner Teufel." lachte der Fürst der Hölle. "Und wie hat es dir gefallen?" fragte Mathilde, nachdem alle Kinder die Kirche verlassen hatten. "Sehr nett, wirklich ich fand es echt gut, ein wenig witzig und dann wieder ernst. Gute Mischung... nur rot blinkende Hörner? Tilly! Ist das dein Ernst? Ich behalte selbst in der Hölle meine menschliche Gestalt. Die höllische Gestalt und die Seraphimgestalt, wenn auch in schwarz statt in weiß, verwende ich meist nur um Leute zu erschrecken." lachte er. "Also keine Hörner?" fragte sie. "Wenn es schon Hörner sein müssen, dann bitte in schwarz und keine blinkenden - aber das kläre ich mit diesem Jasper und kümmere mich dann darum - vielleicht auch um schöne schwarze Flügel?"
Er legte den Arm um Tilly und lief mit ihr nach draußen zu seinem Auto. Er hatte keine Lust gehabt, bei der Kälte nochmal in den Ort zu laufen. Eine ältere Dame grüßte nickend, als sie auf den Friedhof zulief. "Ist es eigentlich schlimm für dich in der Kirche?" fragte die Hexe, als sie merkte, dass ihr Chef und Freund sichtlich erleichtert war das Gotteshaus wieder verlassen zu können. "Merkt man das?" Sie nickte. "Sagen wir mal so... es ist erträglich seit Vater mir gestattet hat alle seine Häuser betreten zu können, aber ich fühle mich schon etwas unwohl, ebenso verhält es sich im Himmel. Aber wie gesagt es geht schon, wenn man bedenkt wie es mir früher erging, wenn ich eine Kirche betrat. Das musste ich vor kurzem erst wieder erfahren als ich wegen der Spiegel mit Catherine im mittelalterlichen Paris war und Notre Dame betreten musste. Das war richtig übel, das willst du gar nicht wissen." antwortete er mit einem Lächeln.
Sie verbrachten noch einen schönen und ruhigen Abend, bis sich die beiden Frauen irgendwann müde verabschiedeten. Hagiel und Lucifer unterhielten sich noch lange, bei einer weiteren Flasche Wein. Hagiel lernte seinen höllischen Bruder jetzt mal von einer ganz anderen Seite kennen, die sonst nur Selvaggia und die Raynes kannten. Er mochte Lucifer, dadurch aber nur noch mehr als er ihn ohnehin schon gemocht hatte.
Am nächsten Morgen hatte der kleine Luciano wieder mal, schlechte Laune und benahm sich abermals nicht besonders nett und einsichtig. "Du kleiner Morgenmuffel, bist ja schlimmer als dein Vater, der sitzt wenigstens still vor seinem Kaffee, und weiß sich zusammenzureißen, bis seine Laune besser ist." wies Selvaggia ihren Sohn zurecht. Belial musste lachen. "Nun ich weiß etwas was deine Laune hebt, mein Kleiner." Der Junge sah seinen Papa fragend an. "Kat und Julien kommen nachher um dich mit nach Angel Island zu nehmen." Die Augen des kleinen Jungen begannen zu leuchten. "Ich darf zu Stina gehen? Und dort bleiben?" Sein Vater nickte. "Für die restliche Zeit, die deine Mutter und ich wegen des Falles hier verbringen." "Juhuuuuuu." rief der Zweijährige. "Und sofort hat mein kleiner Schatz gute Laune, gibt es bei dir auch etwas was deine Laune sofort hebt mein großer Schatz?" fragte Selvaggia an ihren Mann gerichtet. Belials Grinsen sagte den anderen drei Erwachsenen alles.  
Nachdem Selvaggia und Belial die Sachen ihrer Kinder gepackt hatten begaben sie sich auf den großen freien Platz zwischen Ort und dem Hansen-Haus, auf der ein Helikopter der "L. B. Rayne International" für alle Insulaner sichtbar landen sollte. Belial tobte etwas mit seinem Sohn herum um dem Kleinen die Wartezeit zu vertreiben. Auch ein paar der Insulaner waren mit ihren Kindern auf der Wiese zum Drachensteigen lassen. "Wer ist der in schwarz gekleidete Mann?" "Den habe ich noch nie zuvor auf der Insel gesehen." "Lucian... irgendein englischer Nachname, ist wohl ein Freund von Hagiel und Mathilde und... ich hörte er sei der Vorbesitzer des Hansen-Hauses." Und so weiter tuschelten die Leute - nur für Hagiel und Belial hörbar - die ihn noch nicht kennengelernt hatten.  Mathildes Ehemann grinste. "Wie immer sorgst du für Aufsehen, Lucifer..." flüsterte er dem Höllenfürsten belustigt zu.
Es wurde plötzlich sehr windig, als der Hubschrauber landete. Luciano rannte sofort los und rannte Kat direkt in die Arme. Auch die anderen begrüßten sich. Ganz begeistert begrüßte er gleich darauf Christina-Luciana, die Julien auf dem Arm hatte, als er aus dem Helikopter stieg. "Was macht deine Schwester hier?" fragte Belial ärgerlich an Kat gerichtet. "Bleib bitte auf dem Teppich, Onkel Belial! Dad hat es genehmigt, Mom auch. Außerdem  - so meinte Onkel Metatron - wird es erst um den ersten Advent brenzlig, soweit er von dir gehört hätte. Und du kennst doch deine kleine, energische Patentochter: Die hat gehört, dass Luciano hier auf Norderney ist und wollte sofort mit um ihn abzuholen. Wir werden auch erst Morgen wieder abreisen. Die Seeluft ist hier anders als auf Angel Island und es ist gut, wenn meine kleine Schwester auch mal was anderes sieht." Belial seufzte, konnte dann jedoch nicht widerstehen, als seine kleine Patentochter auf ihn zu lief. "Onkel Luci...an!" rief sie und umarmte glücklich seine Beine. Er musste lachen und hob sie auf den Arm, dankbar, dass sie nicht - wie sonst in Paris - "Onkel Lucifer" gerufen hatte. "Hab ich das gut gemacht? Kat hat gesagt, ich darf nicht "Lucifer" sagen, weil die Leute sonst Angst vor dir haben. Und dann auch vor Tilly und Hagiel." flüsterte sie an seinem Ohr. " Ganz wunderbar, Herzchen. Und stimmt, die Leute hätten sich ganz doll gefürchtet, wenn sie erfahren hätten wer ich bin."
"Hallo Derek, Matatron schön dass ihr da seid." begrüßte Hagiel seinen Bruder und den Menschen. "Hast du Cassandra gar nicht mitgebracht?" erkundigte sich Belial. "Sie ist nach Angel Island gegangen um Rachel zu helfen, denn immerhin hätte Rachel sonst über längeren Zeitraum fünf Kinder, allein, da hat sie freiwillig gesagt, dass sie bleibt - Catherine Dubois hat momentan öfter Schichtdienst, weil eine  Kollegin in der Gemelli-Klinik fehlt, so dass sie Jan nicht immer nehmen kann, sie wird sich manchmal mit Said-Angelo und vielleicht ab und zu auch Sariel -  wenn er gerade Zeit hat  - nach Angel Island begeben." erklärte Metatron. Nachdem die Kinder und Kat und Julien - der auch der Pilot des Hubschraubers war - sich zu den Insulanern und deren Kindern gesellt hatten, begaben sich die Erwachsenen wieder in das Haus. Bei Grog und Kuchen erzählten Belial und Hagiel alles was sie von Nadja Visser bisher über das Biikebrennen erfahren hatten.
"Lasst uns später reden, die Kinder kommen rein." warnte Hagiel alle und wirklich:
Julien und Kat kamen lachend mit Luciano und Christina-Luciana herein – und mit ihnen ein halbes Dutzend anderer Kinder und zwei Frauen. „Mathilde, ich hoffe, wir stören nicht, aber Katherine und Julien meinten, das sei in Ordnung, dass wir hier einfach so mit reinschneien.“ sagte die eine etwas verlegen. „Aber natürlich, Swantje, ihr seid hier immer willkommen, wenn wir da sind! Ihr und die Kinder!“ rief Mathilde glücklich, sah strahlend die Kinder an und meinte: „Dann will ich euch mal einen schönen Kakao kochen, was meint ihr?“ Das wurde begeistert aufgenommen und kurz darauf saßen alle dicht gedrängt am Küchentisch, die Erwachsenen mit Grog und Tee, die Kinder mit heißem Kakao zum Kuchen.
Belial zwinkerte Kat zu. „Da hast du ja im Handumdrehen ein Leuchten auf Tillys Gesicht gezaubert.“ meinte er belustigt auf ihrem mentalen Pfad. „Ja,“ antwortete sie ebenso, „aber wenn Luciano und Christina-Luciana nicht mehr da sind, werden auch die Kinder nicht mehr kommen.“ Belial lächelte. „Oh doch, ich habe Tilly gestern bei der Probe für das Krippenspiel erlebt. Die Kinder lieben sie!“
Kat grinste. „Wie hat dir eigentlich die Probe für das Krippenspiel gefallen, Onkel Lucian?“ fragte sie laut. Belial hob belustigt eine Augenbraue. „Ganz nett, wobei ich zugeben muss, dass ich den Teufel nicht mit Leuchthörnern sehe und auch nicht – wie dieser Jasper das wohl plant – in einem roten Lycra-Anzug mit rotem Umhang...“ Eine der Frauen lachte. „Ja, mein Neffe Jasper hat da wohl echt etwas seltsame Vorstellungen. Aber meine Schwägerin ist da auch seltsam. Wir konnten sie davon abhalten dem armen Jungen einen Plüschanzug mit Schwanz und einer Lederweste mit blinkenden Lichtern anziehen zu wollen.“ Belial seufzte. „Also ich weiß nicht, wer da die Bibel nicht richtig gelesen hat, aber Lucifer ist ein sehr mächtiger Seraphim – laut Überlieferung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich so... entschuldige Freya, affig kleidet. Ich würde eher auf sehr elegant tippen. Mehr wie einen Manager aber nicht wie etwas aus dem Kuriositätenkabinett entlaufenes.“ meinte Hagiel mit einem sichtbar belustigten Ton.
Nur für Kat und Metatron hörbar – und natürlich für Hagiel – antwortete Belial ihm spöttisch: „Nur zu, mach weiter und sag ihnen wer ich bin, dann veranstalte ich hier auch noch eine Modenschau, samt Schwanz, roter Hautfarbe, riesigen Hörnern und Huffuß, inklusive Eau de Sulfur-Note und die werden dieses Haus meiden wie ich angeblich das Weihwasser!“
„Das habe ich Lene auch gesagt, aber sie will nicht hören – außerdem hat sie auch nicht so viel Phantasie und wollte ein Kostüm machen aus Dingen die sie Daheim hat.“ „Na, vielleicht greife ich da mal ein und gehe mit Jasper einkaufen.“ murmelte Belial. „Ach, das würde Rike, also Henrike nicht zulassen. Das wäre ja Almosen annehmen, wird sie sagen!“ Hagiel grinste. „Freya, wenn Lucian sich durchsetzen will, wird er sich durchsetzen, auch gegen deine Schwägerin. Und er ist verteufelt reich! Tilly war früher, als er noch Junggeselle war, seine Haushälterin und hat von ihm zur Hochzeit dieses Haus gekriegt... und Jasper wird doch im Mai konfirmiert, oder? Da kann Lucian ihm gleich einen schicken Anzug spendieren.“ Belial lächelte finster. „Manchmal, Hagiel, habe ich das Gefühl, dass du gern gefährlich lebst...“
„Ich würde es Ihnen auch bezahlen, ganz ehrlich, Mr. Rayne. Rike und Rasmus sind stur. Jasper soll den Anzug anziehen, den schon seine zwei Brüder zur Konfirmation getragen haben, dabei sind die zwei stämmige Raufbolde, während er der kluge Feingeist ist.“ meinte die Frau. Belial lächelte. „Lassen Sie mal, Hagiel hat recht, ich bin reich genug, ganz ehrlich. Einen Anzug für Ihren Neffen und ein Kostüm für das Krippenspiel... dafür muss ich nicht mal in die Portokasse greifen, das zahle ich aus dem Cent-Stück-Glas. Und wo Tilly das Stück mit Merlins Sekretärin Asta geschrieben hat, die leider abwesend ist, aber vielleicht später kommt... und da ich Tilly und auch Asta schätze... Ich denke, ich kümmere mich um die Kostüme und frage mal bei einigen Gewandmeistern an. Schließlich bin ich nicht umsonst Mäzen der Mailänder Scala, der Aida-Aufführungen vor den Pyramiden und auch der Metropolitan Opera. Wobei... vielleicht hilft mir da das Ensemble von Bayreuth besser... Ich kümmere mich drum. Und morgen fliegen Kat und Julien mit Luciano und Christina-Luciana eh aufs Festland und da schnappe ich mir einfach Jasper und erledige das Kostüm- und Anzugproblem, denn ehrlich gesagt, war der Bursche ganz sympathisch als ich mich mit ihm unterhalten habe.“ Er wandte sich an Mathilde: „Um die Kostüme würde ich mich gern kümmern, Tilly, darf ich?“ sichtlich erleichtert nickte diese. „Das wäre schön. Viele der Familien sind nicht so... betucht.“ Belial zwinkerte. „Keine Sorge... Wobei... Tilly... es gibt hier doch ein nettes Gemeindezentrum – wie wäre es, wenn du da eine Laienspiel-Gruppe organisierst? Meine finanzielle und die organisatorische Unterstützung von Merlins und meinem Vorzimmer  hast du. Und dass dir das Freude macht, das war zu sehen.“ „Oh ja! Das wäre toll für die Jugendlichen und ich würde auch mitmachen! Und ich kann den Ticketverkauf online machen!“ rief Freya begeistert. „Du siehst: Bedarf besteht. Überleg es dir, Tilly.“ meinte Belial lächelnd.
Irgendwann verabschiedeten die beiden Frauen und die Kinder sich. „Spielen wir Morgen wieder?“ fragte Christina-Luciana die anderen Kinder. Belial räusperte sich: „Junges Fräulein! Morgen fliegt ihr auf das Festland, zum Hamburger Flughafen und dann mit dem Privatjet nach San Francisco! Deine Eltern warten schon auf euch!“ „Aber die haben Lucas und Said ist auch da! Und Tante Cassie mit Jan, Luca und Sophia auch! Und Onkel Nick und Tante Alex haben auch Samantha geschickt! Und hier ist es so toll, mit dir, Tante Tilly, Onkel Hagiel und Onkel Meta... Merlin. Und wenn Tante Asta noch kommt, dann wird es ganz toll!“ bettelte das kleine Mädchen. Und auch die anderen Kinder schlossen sich an. „Dann können wir auch wieder zu Mathilde zum Kakao-Trinken kommen...“ flüsterte ein kleiner Junge. Die Hausherrin lachte leise, beugte sich zu ihm hinunter und sagte liebevoll: „Anders Bente, du und die Kinder von Norderney, ihr seid jederzeit willkommen. Und ich backe unheimlich gern, und ich koche unheimlich gerne. Einen Kakao oder im Sommer eine leckere Limonade habe ich immer für euch.“ Fasziniert sah der Junge sie an, umarmte sie und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Du bist nett, Tante... äh... Frau Hansen-Arche...“ „Sag ruhig Tante Tilly oder Tante Mathilde, nicht Frau Hansen-Archai. Sonst fühle ich mich viel zu alt.“ „Archai? Ich dachte auch immer es heißt Arche... Sind die Archai nicht Engel?“ fragte Swantje.
Hagiel lächelte und legte einen Arm um Mathilde. „Ja, ein Chor der dritten Hierarchie, zu Deutsch Fürstentümer.“ Swantje starrte den gutaussehenden Hagiel und die ebenso attraktiven beiden Männer an. Sie schaute zu Derek. „Sie sind irgendwie anders als Hagiel und ihr... Sie sagten Cousin, Mr. Rayne.“ Der Praeceptor lächelte. „Ich bin derjenige, der schwer arbeitet. Das hinterlässt Spuren.“ antwortete er belustigt. Swantje kniff die Augen zusammen. „Was sollte Tillys und Hagiels Nachname denn schon heißen? Es gibt Leute in Amerika, die heißen mit Nachname Archangel – und die sind mit Sicherheit keine Erzengel.“ wiegelte Julien sich einmischend ab. Hinter der Frau machte Metatron eine Handbewegung und sie begann zu lachen. „Na, wahrscheinlich haben Sie recht, Julien.“ sagte sie und alle verabschiedeten sich. "Bitte Papa, lass uns da bleiben." "Ja bitte Onkel Lucifer, bitte, bitte." bettelte auch Christina Luciana. Belial seufzte und rieb sich mit der Handfläche über die Stirn. "Derek! Sprich ein Machtwort, Luciana ist deine Tochter!" Derek lachte. "Was spricht denn dagegen, dass sie noch ein paar Tage bleiben?" wollte der Praeceptor wissen. "Das haben wir euch doch vorher erklärt, Luciana ist zwar erst drei Jahre, aber entwicklungstechnisch schon weiter ..." "Heute ist Freitag, die Kinder haben keinen Kindergarten und Kat und Julien müssen auch in die Schule und Uni ... Kat und Julien könnten doch auch bleiben und mit Luciano und Christina Sonntagabend zurückfliegen." Ja, bitte, bitte." riefen die beiden Kinder, und blickten Belial bei dem sie immer noch standen, bittend an. "Also gut, Luciana, wenn dein Papa einverstanden ist. Bis Sonntag, aber dann geht es nach Hause ohne Widerrede!" Die Kinder nickten. "Ich hoffe ihr unterstützt das dann am Sonntag auch, wenn ich schon nachgebe." sagte Belial an Derek, Kat und Julien gerichtet. Die drei bestätigten das nickend.
Beim Abendessen, das Selvaggia und Mathilde gekocht hatten sprach Mathilde eine Einladung aus. " Wir haben euch ja schon alle zu Weihnachten hierher eingeladen, ich hoffe mal ihr kommt alle. Und dann würde ich euch gerne auch für den Sommer einladen, hier Urlaub zu machen. Dann ist es warm und man kann auch im Meer baden und ins Watt gehen." Die anwesenden Engel und Derek nickten. Die beiden Kinder brachen in Jubel aus. "Dürfen die Kinder dann Morgen wieder kommen zum spielen, Papa?" fragte Luciano. "Das musst du mit Tilly und Hagiel ausmachen. Das Haus gehört jetzt den beiden." antwortete sein Vater. Die Engel merkten, dass ihm so viele Menschen jeden Tag fast zu viel waren. "Natürlich dürfen sie, Luciano. Ich freue mich immer wenn die Kinder hier sind." Hagiel lächelte, seinen höllischen Bruder an. "Das schaffst du schon Lucifer, du schlägst dich doch bisher ganz gut. Und die Leute fangen an Vertrauen zu fassen. Was Tilly sehr glücklich macht." sagte er in seinen Gedanken. Belial, der sah wie glücklich Mathilde darüber war, nickte.
Am Abend als die Kinder schon im Bett waren und Belial, der auf Bitten seiner jüngsten Patentochter unbedingt mit musste um noch eine Geschichte vorzulesen wieder da war, saßen die Erwachsenen bei einem Glas Wein zusammen. Derek trat zu Belial, der sich vor einer Weile kurz auf die große Terrasse zurückgezogen hatte. "Er zog sich seine Jacke etwas fester zu. "Ich habe mich schon gewundert, als du deinen Mantel geholt hast. Und dann warst du plötzlich verschwunden. Darf ich mich zu dir setzen oder störe ich?" Belial lächelte. "Hey du störst mich nie! Im Gegenteil du bist einer der Menschen mit denen ich meine Zeit gerne verbringe. Ich brauche nur hin und wieder etwas Ruhe, Zeit für mich. Auch wenn ich, wie Hagiel vorhin in Gedanken meinte, dass ich... den Umgang mit Menschen ganz gut meistere ist es doch... etwas anstrengend, vor allem wenn man - wie hier - komplett verheimlichen muss, wer ich eigentlich bin. Consuela und das Kindergartenpersonal... in der Botschaft an sich, da kann ich wenigsten ich sein und muss mich nicht verstellen."
Derek nickte. "Ja, das stimmt, aber dennoch muss ich Hagiel zustimmen. An was denkst du eigentlich, wenn ich fragen darf?" Belial blickte seinen menschlichen Freund kurz an und lächelte, ehe er seinen Blick wieder dem Meer zuwandte. Derek stellte fest, dass sein höllischer Freund glücklich wirkte. Er lächelte zufrieden, da er den Höllenfürsten wie auch die anderen oft wütend, gereizt oder auch traurig erlebte. Derek bewunderte aber auch die Selbstbeherrschung seines Freundes. "Ich bin gerade nur dankbar, für das was ich habe. Eine wunderbare Frau, drei süße Kinder... was ich mir nie erträumt hätte, dass Vater mir das genehmigt... ich... als gefallener Engel und Fürst der Hölle... und dann auch noch als erster vor Metatron, Hagiel  und... Du, Rachel, deine Kinder... das ist... einfach toll, das Gefühl. Ich hatte es Ewigkeiten nicht. Habe ich dir eigentlich schon mal erzählt, dass ich mich schon damals in Selvi verliebte als sie meine Schülerin war?"
Derek war etwas erstaunt. "Nein das hast du nicht. Und seitdem... liebtest du Selvi? All die ganzen... Jahre? und wusstest genau du darfst nicht?" Belial nickte. "So ist es." Derek atmete fest aus. "Puh das ist heftig! Ich selbst hatte schon lange bevor ich mit Rachel zusammen kam Gefühle für sie, eigentlich fast sein dem Moment als ich sie damals in Irland kennen lernte. Das muss hart für dich gewesen sein, zumal du deine Gefühle ja hunderte von Jahren verborgen hast." Belial nickte. "Glaub mir das war sehr hart. Ich musste mich teilweise so zusammenreißen wenn ich mit Selvi zusammen war. Als ich sie dann aus Liebe zu ewigen Dienst im Boulevard verpflichtet habe, wurde es richtig hart für mich. Sie täglich um mich zu haben... Ich denke auch... dass ich deshalb auch zu dir und Rachel... am Anfang so... gemein war... und dann habe ich angefangen Kat lieb zu gewinnen wie eine Tochter und... später entwickelte ich auch noch  freundschaftliche Gefühle für euch. Ich wusste nicht wie ich damit umgehen soll. Ich verstand auch ehrlich gesagt nicht, warum ich plötzlich solche Gefühle für Menschen empfand. Deshalb wollte ich dich auch dazu drängen dir wegen Yaotl helfen zu lassen. Und ich wollte deine Freundschaft... um jeden Preis. Doch du und Rachel, ihr habt mich am Anfang so abgelehnt, ich hätte schon fast aufgegeben und wollte einfach verschwinden. Bis du dann plötzlich anders zu mir warst." Derek nickte. "Ich hatte ein Gespräch mit Raphael." "Danke Raphael!" murmelte der Höllenfürst. Beide Männer mussten lachen. Derek wurde wieder ernst. "Du hängst oft diesen und anderen Gedanken nach, wenn du dich zurückziehst?" fragte er.  Belial nickte. "Ich möchte, dass du weißt, dass du mit mir reden kannst, wenn..."
Belial unterbrach ihn. "Das weiß ich Derek! Und das habe ich schon mehr als einmal getan, wie du selbst weißt. Irgendwie verrückt." "Was ist daran verrückt?" wollte Derek wissen. "Na ja der engste Freund des Teufels... ein Mensch, ein Theologe... Wenn das nicht verrückt ist, oder nicht?" wieder lachten sie. "Ja, das und vieles mehr in unserem Leben!" sagte der Praeceptor und hob sein Glas. "Du weißt du kannst jeder Zeit zu mir kommen auf ein Glas Wein, ich freue mich immer auf ein Glas Wein, in Gesellschaft meines brüderlichen Freundes." Belial stieß an und lächelte dankbar. "Na komm, lass und wieder rein gehen. Es wird langsam kalt hier draußen." Gemeinsam betraten sie das geräumige Wohnzimmer mit Meerblick. Selvaggia, der auch nicht ganz entgangen war, dass ihm der tägliche Umgang mit Menschen etwas zu schaffen machte, da er sich selbst immer noch ein wenig unsicher fühlte trat neben ihren Mann. "Alles in Ordnung, Schatz?" fragte sie etwas besorgt. "Sicher, ich habe eine wunderbare Familie und einen tollen Freund. Das ist viel mehr als ich je zu hoffen wagte." antwortete er und küsste seine Frau leidenschaftlich.
Es war Samstagmorgen. Belial hatte sich von Mathilde den Weg zu Freya Rass beschreiben lassen und klingelte. Als sie öffnete, mit einem Morgenmantel bekleidet, entschuldigte er sich. „Ich wollte eigentlich Jasper holen, aber Mathilde meinte, es sei besser, wenn ich Sie zur Unterstützung mitnehme um seine Eltern zu überzeugen, dass ich ein netter Kerl bin.“ Er lächelte gewinnend. „Ja... ähm... ich muss mich nur... also, anziehen... Kommen Sie doch mal rein, ist ja auch zu kalt draußen.“ Belial dankte ihr und trat ein.
Er fand sich in einem hellen Flur wieder. Von oben kam ein Mann, etwas älter als Freya Rass. „Mein Mann Henrik, Henrik, das ist der Vorbesitzer vom Hansen-Haus, Dr. Rayne.“ Der Mann gab ihm mit einem Nicken die Hand. „Rass, Henrik, der Veterinär auf der Insel.“ sagte er und musterte Belial aufmerksam. „Ich glaube, mein Bruder und seine Frau fühlen sich besser, wenn Freya mitkommt. Nichts für ungut, Dr. Rayne – wobei... welche Fachrichtung?“ Belial lächelte. „Nichts medizinisches, Dr. Rass. Ich habe einen Doktor in Betriebswirtschaft und einen in Mediavistik – Mittelaltergeschichte und bin am überlegen, ob ich noch einen in Pharmazie draufsetze... aber das ist noch nicht spruchreif. Der Arzt in der Familie ist mein Schwager, Prof. Dr. Dr. Sandro Ariel Bragi. Er leitet die Chirurgie in der Gemelli-Klinik in Rom und ist zum stellvertretenden Leiter der Gynäkologie berufen worden. Seine Haushälterin Catherine Dubois ist Hebamme – eine der fähigsten, die ich je getroffen habe – der Meinung ist auch ihr Chef, Dr. Rocalli. Sandro-Ariel und Catherine kennen Mathilde und Hagiel übrigens auch und werden sicher mal auf Urlaub nach Norderney kommen. Dann können Sie mit ihm fachsimpeln.“ Der Tierarzt grinste. „Wird sicher interessant... Chirurgie? Tja... leider bin ich da nie so begabt gewesen... auch bei Tieren fehlt mir da ein wenig...“
Er wandte sich an seine Frau. „Ich kümmere mich um Dr. Rayne, meine Möwe, geh du dich fertig machen. Rasmus und Rike werden Jasper wohl nicht so einfach mit einem Fremden mitgehen lassen.“ „Sehr verständlich.“ murmelte Belial und folgte dem Hausherrn in die Küche. „Auch einen Tee? Wir haben eine ausgezeichnete Friesenmischung!“ Innerlich schüttelte Belial sich, antwortete jedoch höflich: „Sehr gern.“
Während er das Wasser kochte und den Tee in einer blaugemusterten Teekanne aufgoss, machte Henrik Rass Smalltalk. „Und, haben Sie Kinder?“ „Ja, drei, Luciano – der ist gerade hier, während meine Zwillinge Luca und Sophia-Aurora auf Angel Island sind – bei der Frau meines Cousins Derek. Seine Zwillinge sind meine Patenkinder – Lucas-Lucian und Christina Luciana, und auch seine Stieftochter, Katherine ist mein Patenkind.“ „Muss schön sein, so eine große Familie...“ seufzte Henrik Rass. „Sie haben keine Kinder?“ fragte Belial. „Nein, liegt an mir..., aber Freya und ich haben unseren Neffen und die zwei Nichten.“ Er reichte Belial eine große Tasse schwarzen Tee und den Kandiszucker. Überrascht merkte der Höllenfürst, dass er sich auch für Friesentee erwärmen konnte.
Kurz darauf kam Freya in die Küche. Sie stellte ein paar Kekse auf den Tisch. „Sind zwar nicht so gut, wie Mathildes selbstgebackenen, aber man kann sie essen.“ meinte sie mit einem Lächeln. Er probierte einen. „Na ja... Tillys sind mir lieber.“ gestand er grinsend. „Wollen wir dann los? Und Ihr Mann meinte, Sie sollten besser auch mit aufs Festland kommen. Ich denke, wir sollten nach Hamburg fliegen und dort einkaufen. Dort gibt es Läden, die es in Norden oder Emden nicht gibt...“
„Hamburg? Aber Dr. Rayne! Der Junge braucht doch kein... also das muss doch nichts Luxuriöses sein!“ protestierte Freya Rass. Ihr Mann musterte Belial nachdenklich. „Doch, ich glaube, für Dr. Dr. Lucian Belial Rayne, den höllischen Botschafter und Wirtschaftsmogul – kurz den Höllenfürsten persönlich – ist das sehr wohl von Belang.“ Konsterniert sah Belial sein Gegenüber an. „Wie kommen Sie darauf?“ fragte er so ruhig wie möglich. „Das Internet... Es gibt zwar kein Foto auf der Seite der Botschaft in Paris, auch keinen Namen für den höllischen Botschafter, aber der Hinweis darauf, dass Sie verheiratet sind. Und die Namen der Kinder weisen darauf hin: Luciano, Luca, Luciana und Lucian... und Hagiel Archai – ich bin nicht sehr religiös, Dr. Rayne, aber Hagiel ist einer der Dynameis- und Archaifürsten und Mathilde ist eine sehr nette Frau, aber sie ist in vielem auch sehr... altmodisch. Wir alle haben sie sofort als Insulanerin aufgenommen. Sie und ihr Mann sprechen Norderneyer Platt als wären sie hier geboren. Das ist auffällig. Sie ist die Mathilde, die Tochter von Knud-Sören Hansen, oder? Und ich bin gestern ihrem... „Cousin“ kurz begegnet. Er ist ein normaler Mensch, oder? Der Leiter von irgendeiner Foundation in Amerika.“
Belial schluckte. „Okay, Sie haben also die Wahrheit herausgefunden, nun gut. Und ja, das Hansen-Haus hat mir gehört. Ich hoffe nur, dass  mein schlechter Ruf nicht auf Mathilde und Hagiel übertragen wird, denn zufällig mag ich die beiden. Mathilde ist eine gute Freundin meiner Frau und die Patentante meiner Tochter! Und ja, sie ist die besagte Mathilde. Ich werde auf Ihr Schweigen vertrauen! Ihr beider Schweigen! Ein Wort davon hier auf der Insel, ein Hinweis darauf... und glauben Sie mir, meine Rache wird furchtbar sein!“
„Ich werde nichts sagen, keine Sorge. Ich wollte nur sicher sein, dass... alles gut wird, hier auf Norderney... Verstehen Sie mich nicht falsch, Dr. Rayne, wir alle mögen die Hansen-Archais – Mathilde und Hagiel – und glauben Sie mir, keiner von uns möchte die beiden missen. Hagiel hat sich ja ein Theologie-Studium bescheinigen lassen und hat einige Predigten am Sonntag hingelegt, die uns mitgerissen haben, wobei wir vermuten, dass er auch Pastor Bentes aufpeppt... aber... das konnten wir bisher nicht beweisen. Und Mathilde bringt sich in die Jugendarbeit ein wie kaum jemand zuvor. Ich möchte nur, dass Sie dafür sorgen, dass das Biikebrennen am ersten Advent nicht mehr nötig ist – und dass wir Tilly und Hagiel nicht mehr hergeben müssen.“ versicherte der Henrik Rass beschwichtigend.
Belial sah ihn forschend an. „Darum sind wir hier: Metatron, Derek und ich... Wir könnten auch notfalls alle Kinder von der Insel wegbringen lassen. Ich werde nicht zulassen, dass noch ein Kind zu Schaden kommt. Sie beide schweigen dafür. Da Mathilde, ein... Mensch den ich sehr mag und schätze hier mit einem meiner Brüder lebt, werde ich auch stets ein Auge auf Norderney haben und meine Hand über die Insel halten. Das wird nicht zum Nachteil sein. Und Ihr Schweigen wäre auch zu ihrem Vorteil, Dr. Rass!“ Der Mann hob eine Augenbraue. „Soll ich einen Schweigepakt mit Blut unterzeichnen?“ „Ich glaube, so pathetisch brauchen wir nicht werden.“ Er hielt ihm die Hand hin. „Ein Handschlag unter Männern würde mir als Versicherung reichen! Das – und ihr Vertrauen... quid pro quo... Sie vertrauen mir Ihre Frau an... Sie kommt mit Ihrem Neffen und meinem Sohn, meinen Patentöchtern und Julien, Katherines Verlobten, nach Hamburg und hilft mir, was Hübsches bei Cartier für meine Frau auszusuchen.“
Freya Rass zuckte zusammen, nickte dann jedoch tapfer. „Und auch von Ihnen, Frau Rass, erwarte ich Schweigen!“ Der Tierarzt ergriff Belials Hand. „Versprochen – unter... Männern.“ Freyas Hand zitterte als Belial sie umfasste. „Keine Angst. Mein Wohlwollen gegen Schweigen...“ sagte er ermutigend.
Kurz darauf war er mit ihr auf dem Weg zu ihrem Schwager und ihrer Schwägerin. Rasmus Rass öffnete die Tür. „Moin!“ meinte er und ließ Belial und Freya draußen in der Kälte stehen. „Ist Jasper da?“ fragte sie. „Ja, aber er hat noch Hausarbeiten zu machen!“ „Rasmus! Dein Sohn ist 14 und Rike braucht keine Hilfe bei den anderen beiden! Lass ihm doch mal einen Tag! Und deinen ollen Konfirmationsanzug muss er doch auch nicht tragen!“ rief sie wütend. „Was der Junge tut oder trägt, das bestimmen immer noch wir! Und du weißt genau, dass Rike Hilfe braucht! Jasper kann gut mit seinen Geschwistern und...“ „Dann wird es Ihre Frau doch freuen, wenn Sie heute mal frei hat. Die beiden Kleinen könnten doch zu Mathilde und Hagiel und Ihre Schwägerin kommt mit Jasper und meinen Patenkindern und meinem Sohn nach Hamburg auf einen kleinen Shoppingtrip.“ Mischte Belial sich ein und machte eine Handbewegung. „Na gut. Solange er auch noch für die Schule lernt! Schließlich will er Arzt werden.“ Belial lächelte. „Mein Schwager ist Arzt in Rom., seine Freundin Hebamme. Ich kann ja mal anfragen, ob Jasper mal im Krankenhaus ein Praktikum machen kann.“ „Der Junge kann kein Römisch!“ meinte der Mann verächtlich. „Italienisch kann man lernen, aber alles zu seiner Zeit.“
Eine zierliche, etwas ausgezehrt wirkende Frau kam hinter Rasmus Rass zum Vorschein. Auf ihrer Hüfte hatte sie ein Baby. Belial lächelte freundlich. „Frau Rass?“ Sie nickte. „Lucian Rayne, ein Freund der Hansen-Archais. Ich wollte Jasper für einen Tag mit nach Hamburg nehmen. Und Sie könnten mit den Kleinen bei Mathilde und Hagiel vorbei schauen.“ Sie nickte.
„Jasper!“ rief Rasmus und gleich darauf kam der Junge die Treppe hinunter. Er war angezogen. „Tante Freya, Dr. Rayne, was gibt es?“ „Ich habe gedacht, du brauchst ein vernünftiges Kostüm für das Krippenspiel. Bist du fertig? Dann können wir gleich gehen. Deine Tante Freya kommt auch mit.“ sagte Belial freundlich. „Ja, klar.“ Kurz darauf lief er ein wenig vor seiner Tante und Belial in Richtung Hansen-Haus.
„Seit wann leidet ihre Schwägerin an postnataler Depression?“ erkundigte Belial sich. „Seit Lina, die Kleine, da ist. Sie will sich aber nicht helfen lassen und Rasmus meint, das kommt von selbst in Ordnung.“ Belial seufzte. „Ich werde Rachel, Dereks Frau, fragen ob sie etwas tun kann oder eine kompetente Kollegin kennt. Sie ist Psychologin.“ „Das wäre schön. An sich ist Rasmus nämlich ein sehr netter Kerl, aber seit Rike so depressiv ist... nun er versucht sie zu beschützen.“ „Er wirkte auf mich etwas... überbeschützend. Aber wenn Sie sagen, dass er an sich ganz in Ordnung ist.“
Mathilde sorgte für ein üppiges Frühstück, dann brachen sie mit dem Hubschrauber auf nach Hamburg. Am Flughafen erwartete bereits eine Limousine die alle in die Innenstadt brachte. Am Neuen Wall betraten sie schon kurz darauf Armani. Zu Freya Rass’ Entsetzen fand der anspruchsvolle Höllenfürst dort lediglich Accessoires für ihren Neffen und ließ sich kurz entschlossen mit allen zum Atelier von Hamburgs bestem Herrenschneider, Tom Reimers bringen. Er wurde sofort empfangen. Der Designer persönlich begrüßte ihn. „Ich brauche für den Jungen zweierlei: Einerseits spielt er im Krippenspiel Lucifer persönlich und ich finde es einfach stillos das in einem roten Lycraanzug mit blinkenden Hörnern zu tun, zumal eine gute Freundin das Krippenspiel leitet. Zum zweiten braucht der Junge einen vernünftigen Konfirmationsanzug. Sein Vater will zwar, dass er seinen trägt, aber das Ding ist inzwischen so unmodisch wie Tunika und Toga!“
Jasper wurde vermessen – auch Luciano -  und währenddessen suchte Belial Stoff für die Anzüge aus. „Der schwarze hier für den Anzug für das Krippenspiel, den Marineblauen für den Konfirmationsanzug von Jasper, der mit den Nadelstreifen und dieser Marineblaue für meinen Sohn.“ Bestimmte der Höllenfürst als er zwei der edelsten Stoffe ausgesucht hatte, die vorrätig waren. „Lieferung nach Norderney, direkt an den jungen Mann hier, die Rechnung geht an mich.“ „Natürlich, Dr. Rayne.“ sagte die Assistentin so höflich, dass Freya Rass merkte, dass Belial hier Stammkunde zu sein schien.
Zurück in der Innenstadt – es war inzwischen Mittag – führte Belial alle in ein Sternerestaurant zum Essen, bevor sie wieder zu den Luxusläden am Neuen Wall und den umgebenden Straßen zurückkehrten. Belial kaufte einige Seidentücher bei Hermes und schob schließlich Freya Rass in die Chanel Boutique. „Sie brauchen was Nettes für Jaspers Konfirmation!“ sagte er nur als sie sich weigern wollte. „Ich habe ein paar nette Sommerkleider und...“ „Werden jetzt was Anständiges tragen! Sie sind immerhin Innenarchitektin! Also fangen Sie an was aus sich zu machen! Ich habe ein Appartement in San Francisco gekauft und möchte, dass Sie das einrichten. Wenn ich damit zufrieden bin, habe ich noch einige andere Objekte wo Sie sich austoben können!“ Kat grinste. „Onkel Lucian ist da sehr energisch und glauben Sie mir, wenn er zufrieden ist, dann haben Sie bald mehr Kundschaft als sie sich jetzt erträumen!“ beruhigte sie die Frau.
Bei Dolce und Gabana erstand er etwas für Kat und Christina-Luciana. „Nächste Woche schleppe ich dich zu Brioni in Italien, Julien. Ich sehe hier bei Armani nichts was mir für dich gefällt.“ Nach einem Besuch bei Cartier, wo Belial allen etwas aussuchte, nicht nur für Selvaggia, sondern auch für Mathilde, Rachel, Freya Rass und Kat , wobei seine Patentochter sich eigentlich wehrte, was er aber nicht akzeptierte, kehrten sie endlich nach Norderney zurück. Belial seufzte, als Mathilde die Haustür öffnete und er merkte, dass das ganze Haus voller Menschen war. Eigentlich hatte er sich nach diesem Einkaufsmarathon nach etwas Ruhe  gesehnt, stattdessen erwartete ihn und die anderen ein Haus voller Kinder. Luciano, und Christina Luciana rannten voller Freude zu den anderen Kindern. Selvaggia, Mathilde, Rike und noch eine Frau die dem Höllenfürst noch nicht bekannt war, waren damit beschäftigt für alle Mittagessen zuzubereiten, während die Kinder in dem großen Wohnzimmer spielten. Freya gesellte sich zu den Frauen in die Küche. Belial seufzte abermals als er die Männer zusammenstehen sah und auch Henrik und Rasmus Rass erblickte. Der eine war ihm reichlich unsympathisch und der andere Rass war ihm unheimlich, da dieser wusste wer er war. Er verzog sich, so dachte er unauffällig über die Terrasse an den Strand. Kurz darauf stand Hagiel neben ihm. "Was ist los, Lucifer?" fragte der Hausherr. "Ach Hagiel, ich war den ganzen Tag unter Menschen und hoffte jetzt noch etwas Ruhe zu haben, ich dachte die erscheinen erst nachmittags zum Kaffee. Und die zwei Rass-Brüder sind mir unsympathisch, zumal Henrik weiß wer ich bin ebenso, dass ihr - du, Metatron, Tilly und Selvi keine Menschen seid." Hagiel sah ihn  überrascht an. "Was? Woher weiß er das?" fragte der Erzengel fast entsetzt. "Internet, da steht wohl etwas zu viel über unsere Botschaft in Paris drin."
"Wir sollten uns sobald die Besucher weg sind zusammen setzen und das besprechen. Metatron kann dann sofort Cassandra benachrichtigen, sie soll sich die Seite mal anschauen und eventuell verändern, wäre nicht so gut, wenn noch jemand herausfindet wer wir sind." Belial nickte bestätigend. "WIr sollten wieder reingehen. Und auch du... auch wenn es dir vielleicht gerade nicht in den Kram passt. Unsere beiden menschlichen Besucher beobachten uns." sagte der Erzengel.
"So viel Trubel ist nicht mal im Boulevard, jedenfalls nicht oft." sagte Belial und massierte sich mit den Händen die Schläfen. "Hagiel grinste. "Heute Abend ist es bestimmt wieder ruhiger, wenn alle wieder zu Hause sind." "Na das will ich hoffen, auf Dauer sind mir so viele Menschen echt zu anstrengend." Hagiel grinste während Belial ihm ins Haus folgte. Nachdem der Kaffee, Tee und Kuchen vertilgt war, begaben sich die meisten Erwachsenen zu ihren Kindern nach draußen. Der Höllenfürst nutzte den kurzen Moment der Ruhe, bevor seine jüngste Patentochter eintrat und ihn bittend mit nach draußen zog. "Onkel Lucian, du musst auch mitspielen!" sagte die kleine bestimmend. Gegen frühen Abend verabschiedeten sich die Gäste dann.
"Hagiel und ich gehen morgen früh in die Kirche, das kommt hier auf der Insel recht gut, wenn man sich beim Gottesdienst sehen lässt." erklärte Mathilde kurz. "Nein... bitte nicht." seufzte Belial, der den bittenden Blick seiner Frau sah. "Ich denke wir sollten alle gehen." schlug Hagiel vor. Alle außer Belial nickten. "Tja ich denke da wirst du dich fügen müssen Onkel Lucian, du wurdest einstimmig überstimmt." sagte Kat grinsend. "Ich glaube heute ist sogar Abendmahl. In der evangelischen Kirche gibt es Wein dazu um die Hostie herunter zu spülen." grinste Mathilde ihren Herrn und Freund an. Den Abend verbrachten sie nachdem Metatron Cassandra angerufen hatte und sie kurz besprachen wie sie Montagmorgen wenn die Kinder abgereist waren, mit dem Fall beginnen wollten, noch recht locker bei einem Glas Wein.
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