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Advents-Spuk auf Norderney

GeschichteMystery / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne Nick Boyle OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
16.09.2016
16.09.2016
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16.09.2016 4.070
 
Es war mittlerweile November geworden. Rachel und Derek waren zu Cassandra SaintCyrs Geburtstag eingeladen. Die Frau von Metatron – oder Merlin Tyrone – höllische Pressesprecherin und ein geschätztes Mitglied der Familie hatte sich von ihrem Chef und ihrem Mann überreden lassen.
Aus der Küche – in der immer Mathilde, die Frau von Hagiel, dem stellvertretenden Botschafter – auch beider Seiten, wobei Derek zweifelte, dass sein Freund – im bürgerlichen Leben sein Cousin namens Lucian B. Rayne – in Wahrheit Lucifer oder Belial höchstselbst – jemals zuließe, dass der liebenswerte und sympathische Fürst der Dynameis und Archai der Hölle je zu nah käme, hörten sie ein Gespräch: „Das kommt gar nicht in Frage, dass ihr Weihnachten irgendwo allein mit den Kindern in Kanada verbringt! Ihr nicht und die Raynes aus San Francisco auch nicht! Und Cassandra und Metatron auch nicht! Du hast Hagiel und mir praktisch mein Elternhaus auf Norderney zur Hochzeit geschenkt und es ist so groß, Lucian, dass genug Platz für alle ist! Weihnachten feiert ihr alle mit Hagiel und mir! Sonst kannst du das Haus gleich wieder zurück haben!“   verkündete Mathilde gerade energisch. Hagiel lachte leise. „Ich würde nicht widersprechen, Lucifer, meine Tilly ist da sehr energisch.“
Belial lächelte still in sich hinein, als er gespielt entsetzt fragte: „Und das lässt du dir gefallen? Du bist Fürst von zwei Engelschören, einer meiner ältesten Brüder und hörst dir in Ruhe an, wie deine Frau mir Vorschriften macht?“ Hagiel grinste. „Klar, ich lasse es mir genauso von Tilly gefallen wie du es dir von deiner Selvaggia gefallen lässt.“ antwortete er mit einem Schulterzucken. Belial lachte laut auf. „Gut, du hast mich erwischt!“ gab er zu. Metatron trat mit Astaroth ein – allerdings in Gestalt Astartes. „Lucifer, Post aus Rom für dich, deine Frau und die Kinder.“ sagte die attraktive Frau. Belial sah erstaunt zu den beiden. „Seit wann schreibt Sariel denn? Es ist für ihn doch viel einfacher...“ „Nicht von ihm – von Rodrigo, oder Franziskus II.“ unterbrach Metatron. „Sorry, Chef Zwo – ich hätte „aus dem Vatikan“ sagen sollen.“
Lucifer seufzte, nahm den Brief entgegen und öffnete ihn. Er stöhnte auf. „Eine persönliche Einladung in die Christmette im Petersdom – für die ganz Familie, also euch, Tilly, Hagiel, für Astaroth und auch Mr. Callaghan... und Derek und Rachel, Selvi und mich, Metatron und Cassie und die Kinder...“ Mathilde seufzte. „Och ne! Ich habe doch das Krippenspiel geschrieben und Pastor Bente fand das gut. Ich organisiere das doch schon seit einer Woche mit den Proben!“
„Aber mit dem Krippenspiel, der Gottesdienst, findet doch um 16 oder 17 Uhr statt – dann gehen wir halt danach in die Heilige Christmette!“ bestimmte Selvaggia und sah ihren Mann an, der sie erstarrt ansah. „Du willst allen Ernstes, dass ich erst in einen evangelischen Inselgottesdienst gehe und dann noch diesen Katholischen Budenz... Christmetten-Horror mitmache? Hab Mitleid, Selvi!“ keuchte er. Selvaggia verschränkte die Arme vor der Brust. „Hab ich ja – und ich sorge mich um dein... dein Seelenheil! Und du willst sicher Tilly nicht enttäuschen! Sie hat das Krippenspiel selber geschrieben! Ich war mit den Kindern letzte Woche kurz auf Norderney auf einen Strandspaziergang und die Leute dort auf der Insel haben Hagiel und sie sofort ins Herz geschlossen, Lucifer! Jeder kennt die zwei, die Hansen-Archais aus dem Hansen-Haus! Als wir zum Strand gegangen sind, hat jeder sie gegrüßt, sie um Rat gefragt oder nach einem Kochrezept oder ähnlichem! Das war unglaublich! Und die Kinder freuen sich schon auf Tillys Krippenspiel!“ Sie grinste schelmisch. „Du kommst übrigens auch darin vor, Schatz!“
Astarte kicherte. „Ja, und eine höllische Variante von Euangelion bevor er so richtig cool wurde... irgendwie...“ Belial sah die Sekretärin seines himmlischen Kollegen an. „Du kennst das Stück?“ Sie zog belustigt eine Augenbraue hoch. „Ich hab mit dran geschrieben, mein Hübscher. Und der Pastor auf Norderney ist ein echt lustiger Zeitgenosse. Wenn ich nicht in Philip Callaghan...“ sie errötete anmutig, „also der Hinnerk Bente könnte mir gefährlich werden – oder ich ihm.“ „Asta, du bist unmöglich!“ murmelte Belial, seufzte und meinte: „Gut! Ich werde mir das Krippenspiel nicht entgehen lassen! Aber nur weil es von Tilly und dir ist, Asta! Und dir zuliebe, Selvi, werde ich wohl auch diesen Mettendingens im Petersdom überstehen, aber dafür ersparst du mir den Gottesdienst am Jahresende!“ „Du willst, dass die Kinder und ich allein in den Petersdom gehen?“ fragte sie entsetzt. „Ja, wieso? Luciano ist im Kindergottesdienst gut aufgehoben und hat da immer Spaß und die Zwillinge bleiben bei mir. Wo ist das Problem? Und mein Seelenheil, Liebling, ich glaube, das steht außer Frage. Du weißt selbst, dass ich nicht in den Himmel will und auch nie vor der Wahl stehen werde – und selbst wenn, Vater nimmt mich mit offenen Armen auf.“
„Nun ja... ehrlich gesagt, bist du durch die Wahl von Lucas Paten ja ein wenig selber Schuld, wenn ihr dauernd die Einladungen kriegt. Erst Ostern, dann Fronleichnam, im Oktober Erntedank und erst am 1. November die Einladung zu Allerheiligen...“ meinte Metatron hörbar belustigt. „Ja, aber ich habe Rodrigo sehr schnell klar gemacht, dass ich Ostern und Weihnachten komme – und zu „Familienangelegenheiten“ – aber sicher nicht zu so konfessionellen „Trendveranstaltungen“! Darauf kann er lange warten!“ Astarte schmunzelte. „Ja, obwohl Euangelion und ich deinen recht geharnischten Brief sehr charmant umgeschrieben haben. Aber Rodrigo und Mario sind  schlaue Kerlchen.“ Astarte wandte sich an Selvaggia: „Übrigens hat Mario angerufen und gefragt, Selvi, ob du nicht zu den Adventssonntagen mit Luciano kommen magst. Die beiden Nonnen, die den Kindergottesdienst immer machen, lassen ihn auch grüßen und freuen sich auf ihn.“ „Sehr schön, ich werde mit ihm gehen und freue mich darauf!“ meinte sie und warf ihrem Mann einen herausfordernden Blick zu. Um dessen Mundwinkel zuckte es. „Meinen Unsegen hast du...“ murmelte er belustigt.
Telepathisch – auf dem Pfad der Seraphim – wandte er sich an Astaroth: „Ich will mir die Proben für dies Krippenspiel ansehen! Nicht, dass ihr mich lächerlich gemacht habt!“ „Nie im Leben, Lucifer! Mathilde mag dich viel zu sehr und respektiert dich unendlich! Sie würde dich niemals der Lächerlichkeit preisgeben! Aber selbstverständlich kriegst du einen Probenplan.“ Belial nickte knapp.  „Ich habe noch zu arbeiten. Ihr entschuldigt mich bitte.“ sagte er dann laut und verschwand in sein Arbeitszimmer.
Es klopfte. Seufzend sah er auf und bat Hagiel herein. „Was gibt es?“ fragte er statt einer Begrüßung. „Zunächst mal – Tilly und ich haben uns noch gar nicht richtig für das Hochzeitsgeschenk – ihr Elternhaus auf Norderney – bedankt. Und die Insulaner sind phantastisch, haben uns beide gleich aufgenommen als sie gehört haben, dass Tilly Hansen heißt – oder hieß... wir haben ja Hansen-Archai als Nachnamen genommen. Aber irgendwas ist seltsam. Ich weiß nicht wie ich das ausdrücken soll, Lucifer.“ Belial runzelte die Stirn. „Seltsam? Inwiefern? Setz dich!“ Hagiel nickte, ließ sich in der Sitzecke nieder und erklärte: „Die Leute haben an der Küste ein Ritual. Es heißt Biikebrennen. Normalerweise findet das am 21. Februar statt, am Vorabend des Tages von Petri Stuhlfeier in Antiochien – doch die sind jetzt schon am Planen für ein Biikebrennen an einem Tag weit davor - ich glaube am ersten Advent... Ich habe es nur mitgekriegt, weil ich nun mal kein normaler Mensch bin. Von Tilly habe ich es ein wenig fern gehalten, aber... keiner rückt richtig mit raus was los ist. Wir gehören einerseits zu den Insulanern, aber andererseits nicht... und dann gibt es Gerüchte, dass das Hansen-Haus... na ja... eigentlich dir gehört...“ „Na – es hat mir ja gehört. Ich habe es damals von Mathildes Großvater – mit den Seelen seiner Kinder und Kindeskinder bis ins 13. Glied – überschrieben bekommen. Bei einer durchschnittlichen Berechnung von 27 Jahren pro Generation war der Seelenpakt vor etwa 150 Jahren vorbei und das Haus – gut, das habe ich in meinem Besitz gehabt, es gepflegt, wieder auf- und dann auch ausgebaut bis es das heutige Aussehen hatte. Aber es ist seit eurer Hochzeit nicht mehr in meinem Besitz sondern in eurem! Und das Geschenk kam von Herzen, Hagiel - nicht nötig sich dafür zu bedanken. Ich schätze Tilly und dich und wollte das zum Ausdruck bringen - angemessen...“
Hagiel seufzte. „Ja, trotzdem hängt es dem Haus an... Du bist ja auch nie da gewesen und die haben nur mitgekriegt, dass es immer tipp top aussah obwohl niemand zu sehen war und ganz ehrlich, Lucifer, die Nachwirkungen der Schutzzauber – der dunklen Schutzzauber – die du gegen Eindringlinge gewoben hast, spüre ich noch immer. Tilly würde es nie sagen, aber sie leidet ein wenig darunter, dass sie zwar von allen akzeptiert wird, die Insulanerinnen sie auch einladen, aber irgendwelche Vorwände finden, wenn sie zum Kaffee oder Tee lädt um das Haus nicht betreten zu müssen – nicht mal unser Grundstück!“
Belial räusperte sich. „Ja nun... ich habe Schutzzauber um das Haus gelegt, klar... Sonst hätten sich da bestimmt irgendwelche Strandpenner eingerichtet und die Antiquitäten – und das eine oder andere dürfte Tilly wiedererkannt haben – im Kamin verheizt oder verkauft um an Fusel zu kommen oder sie hätten geraucht und die Hütte abgefackelt. Und es kam mir gelegen, dass das Hansen-Haus einen gewissen „Ruf“ hatte. Ich hab mich ab und zu auch mal dahin zurückgezogen... Aber ich hatte eigentlich gedacht, dass du diesen Insulanern einfach mal zeigst wer oder besser was du bist und die Sache ist gegessen, mal ehrlich, Hagiel!“ Belials Mundwinkel zuckten. „Du meinst wirklich, ich sollte den Menschen zeigen, dass ich ein Archai bin?“ fragte Hagiel ungläubig. „Ja – oder ein Dynameis, das ist egal. Du bist ein Engel, einer von den Guten. Und um dieses vorgezogenen Biikebrennen, von dem du berichtet hast... ich schaue mit Selvi und den Kindern demnächst einfach mal vorbei und dann höre ich mich mal um... vielleicht bin ich etwas subtiler... oder direkter... Und falls es ein Aberglaube sein sollte, dann kriegen wir das auch in den Griff.“
Belial fuhr nachmittags deutscher Zeit mit seinem fünftürigen, schwarzen Porsche, den er sich besorgt hatte, wenn er mit seiner Familie mal wie normale Menschen unterwegs war, auf die Fähre. Mathilde hatte ihn gebeten sich samt Auto unauffällig irgendwo kurz vor Norddeich zu zaubern um dann dort normal auf die Fähre zu fahren, so dass die Insulaner ihn mit seiner Familie ankommen sähen und nicht noch mehr Angst bekämen. Sie wusste, dass Belial mit den Zwillingen keine Autofahrt von Paris nach Norderney unternehmen wollte.
Ein paar Insulanern, die sich ebenfalls auf der Fähre befanden, fiel der dunkle Wagen mit französischem Kennzeichen auf, ebenso wie ein paar Leuten, die gerade unterwegs waren um ihre Einkäufe zu tätigen. Selvaggia wa auch bald schon in ein Gespräch mit einer Touristin vertieft, die aus Bayern kam und Erzieherin war, während Luciano schmollend in der Ecke saß, weil seine Freundin Christina-Luciana nicht mitgekommen war.
Die junge Familie wurde schon von Hagiel und Mathilde erwartet. "Schön, dass ihr endlich da seid." Mathilde umarmte den Fürst der Hölle, in dessen Dienst sie ja den Rest ihres unendlichen Lebens stehen würde, auch wenn sich mittlerweile eine Freundschaft entwickelt hatte, hatte sie dennoch sehr großen Respekt vor ihm. "Danke Lucifer! Für das Haus und für alles andere auch. Ich hätte mich schon längst mal bedanken sollen." flüsterte sie leise, damit keiner der Menschen am Anleger ein Wort mitbekam.
Belial, der die Umarmung sofort herzlich erwiderte wirkte überrascht. Er löste sich aus der Umarmung der leicht korpulenten, sehr sympathisch wirkenden Frau, so dass er ihr in die Augen schauen konnte. "Du brauchst dich für gar nichts zu bedanken Tilly. Ich mag dich... und mittlerweile auch Hagiel sehr und es kommt von Herzen - alles." Belial fuhr zusammen mit Hagiel und den Zwillingen, im Wagen zu dem komfortablen Strandhaus. Selvaggia machte mit Tilly und Luciano einen kleinen Spaziergang. Während Tilly ihrer Freundin das Haus zeigte blieb ihr Mann, der das Haus ja schon kannte bei Hagiel in der Küche und half ihm den Tisch zum Kaffee zu decken. "Tilly besteht darauf, dass wir so viel wie möglich wie die Menschen machen. Vor allem hier auf der Insel verbietet sie jede Zauberei." erklärte er seinem ältesten Bruder. "Warum soll es dir anders ergehen als mir? Du hast bestimmt schon öfter als einmal bemerkt, dass ich mir meinen Kaffee auch oft mit eigenen Händen mache und auch viele andere Dinge ohne Magie erledige." Hagiel nickte lachend. "Soll ich euch helfen den Ruf des Hauses und damit auch euren Ruf wieder herzustellen?" fragte Belial plötzlich. "Wenn du eine Idee hast wie... gerne!" antwortete Hagiel. Der Höllenfürst grinste und schnippte mit den Fingern der rechten Hand. "Tilly wird gleich herunterkommen und dir berichten dass es durch das Dach regnet und wir hochgehen sollen um uns die Balken auf dem Dachboden anschauen sollen, da sie denkt, dass sie morsch sind."
Hagiel grinste auch. "Dir ist aber jetzt schon klar dass, ... du zu Fuß bis hochgehen musst und wohl in der nächsten Zeit auch des öfteren... ähm... dich mit den Insulanern abgeben musst, auch um wegen des Biikebrennens weiterzukommen. Und so menschlich wie möglich wirken musst." sagte Hagiel. "Das ist mir klar, wenn auch nicht begeistert von so viel menschlichen Begegnungen... aber dennoch machbar. Denn schließlich bin ich derjenige, der sich von euch allen am längsten auf der Erde aufhält und seit ich mit Selvi zusammen bin und der Träger der Kita im Boulevard bin - bin ich relativ geübt im Umgang mit Menschen und... mein Erscheinungsbild und nicht zuletzt mein Charme, den ich auf Kommando aufsetzen kann, kommen mir dabei sicherlich auch zu Gute." Hagiel lächelte. "Was?" fragte der Höllenfürst den Erzengel. "Nun ja... ich weiß dass du Recht hast, aber du wirktest gerade wieder mal so richtig arrogant." Belial zuckte mit den Schultern. "Aber genau das macht dich aus Lucifer... das bist du." fügte er hinzu, als Mathilde und Selvaggia die Küche betraten. "Schatz es regnet durch das Dach! Und... kommt mit..." sie nahm die Hand von beiden Männern und zog sie mit sich nach oben. "...ihr müsst euch mal die Balken auf dem Dachboden ansehen. Die sehen aus als ob sie jeden Moment zusammenkrachen." berichtete Mathilde ganz aufgeregt. "Das ganze Holz ist morsch." stellte Hagiel fest. "Warum das denn? Das ganze Haus ist super in Schuss und der komplette Dachboden ist morsch?" fragte Mathilde erstaunt. Belial lächelte die Hexe liebevoll an. "Den Dachboden hatte ich die letzten Jahre öfter mal vergessen. Sorry Tilly. Aber für dich ist das Chance einen oder mehrere Handwerker - auf meine Kosten natürlich - zu rufen und so mit... du weißt schon." sagte er und verließ den Dachboden.
Wieder in der Küche angekommen gab er Sophia die Flasche und lächelte sein kleines Töchterchen an. Mathilde genoss es Ihre Freundin und deren Familie in ihrem eigenen Haus zu verwöhnen. "Nachbarn?" fragte Belial, der gerade nach draußen schaute und ein Pärchen am Strand entlang gehen sah. "Joah, so halbwegs - direkte Nachbarn haben wir ja nicht." Belial sah zu Tilly. "Warum bist du traurig Tilly? Und lüg mir nichts vor, ich würde es merken." erkundigte sich Lucifer, der ihren traurigen Blick bemerkte. "Na ja... das ist Nadja... sie meinte... sie... wollte auch nicht kommen wegen des Hauses." erklärte die Hexe traurig. "Lucifer mach was!" hörte er die Stimme seiner Frau in Gedanken. "Was denn?" fragte er zurück. Sie zuckte mit den Schultern und ließ ihn nur wissen dass er etwas unternehmen sollte, da er das  Misstrauen der Insulaner auf sich gezogen habe und dies nun auch an Tilly und Hagiel haftete.
"Hagiel... gibt es hier eine nette Kneipe? Ich würde dich gerne heute Abend einladen... das ist längst überfällig , ich war schon mit Derek und Metatron einen Trinken. Sag ja  und sieh es als ein Zeichen meiner Freundschaft." sagte der Höllenfürst plötzlich beim Abendessen. Hagiel lächelte, da er sich sehr über die Einladung freute. Er konnte sich noch gut erinnern wie schroff sein ältester Bruder zu allen Engeln war, selbst wenn man ihm freundlich begegnete. "Gerne, wenn unsere Frauen nichts dagegen haben." Beide sahen ihre Frauen an. "Die Idee ist sehr gut, dann machen wir einen netten Frauenabend, da können wir mal wieder richtig über Frauenthemen quatschen. Wäre auch mal wieder mit Rachel, Alex und Cassie echt nett." sagte Selvaggia. "Woran denkst du Schatz?" fragte Mathilde ihren Mann der nachdenklich aussah. "Ihr wisst aber schon, dass ihr eine Frau immer außen vor lasst? Selbst Lucifer hat seinen Frieden mit ihr gemacht. Der Höllenfürst räusperte sich, da er sofort wusste um wen es ging. "Meinst du etwa diese kleine, weiße Hexe, die meinem Mann auch nur so lange schaden konnte wie er sie nicht kannte?" Belial seufzte. "Ach Selvi, ich dachte du hättest ihr auch verziehen, wenn selbst ich es kann und vor allem nachdem was sie für unsere Zwillinge gemacht hat. Ich habe mehr gesehen als du, Selvi und... ich denke du solltest ihr vergeben und ihr solltet sie echt mit einbeziehen. Auch wenn ich denke dass sie mich nicht mag, so ein unangenehmer Zeitgenosse ist sie gar nicht. Sie geht ganz toll mit den Kindern um auch mit unseren und so wie ich mitbekommen habe, hat Sariel sich in sie verliebt, ebenso wie sie sich in ihn." sagte Belial.
Selvaggia und Mathilde starrten ihn an. "Bitte was? Sariel hat Gefühle für Catherine Dubois?" Die beiden Engel nickten. "Uns ist das entgangen Selvi, weil Sariel nicht der Typ ist der es sofort allen unter die Nase bindet und wir es nicht sehen wollten. Unsere Männer bekommen da schon mehr mit und ... vielleicht hat Lucifer recht und wir sollten sie mit einbeziehen, denn immerhin wird sie dann vielleicht unsere Schwägerin und wenn selbst Lucifer sie, wenn auch nur eine ganz kleines bisschen mag..." Selvaggia seufzte. "Ja das stimmt schon, sie war schon echt toll als Hebamme bei der Geburt der Zwillinge, aber ich habe mich trotzdem nicht mit ihr abgegeben... bisher." Belial trat neben seine Frau. "Und eigentlich ist das nicht deine Art, meine Liebe!" sagte er fast etwas streng. Die Hexe nickte etwas betroffen. "Ich werde mit ihr reden sobald wir wieder in Paris sind." meinte sie.
"Lass uns laufen, so weit ist es nicht, und wir sollten auf dieser Insel nicht trinken und fahren, die Insulaner sehen alles. Es sei denn du begnügst dich mit Wasser und Saft." sagte Hagiel als der gefallene Engel in seinen Wagen steigen wollte. "Sehe ich so aus als würde ich in einer Kneipe Saft trinken?" gab dieser als Antwort. Hagiel schüttelte den Kopf. "Na dann komm Großer, laufen wir ein wenig um menschlich zu wirken." grinste er und lief los. Belial seufzte und folgte dem Erzengel. Die Leute die in der Kneipe starrten die gutaussehenden Männer an als die beiden eintraten. Einige, die Hagiel erkannten. nickten ihm zu. Hagiel steuerte auf einen Tisch in der Ecke zu. Der Kellner trat sofort an den Tisch. "Guten Abend Herr Hansen-Archai. Was darf ich Ihnen und Ihrem Freund bringen?" fragte der Kellner höflich. "Wir nehmen eine Flasche Rotwein, den gleichen wie immer." sagte Hagiel. Sie bemerkten. dass die anwesenden Insulaner an ihren Tischen tuschelten, seit die beiden die Kneipe betreten hatten. Hagiel genoss die Zeit allein mit seinem gefallenen Bruder, er lernte ihn gerade von einer ganz anderen Seite kennen. die Zeit verging rasend schnell.
"Herr Matthiesen!" rief Hagiel den Mann zu sich, als dieser die Kneipe betrat. Er trat an den Tisch heran. "Guten Abend Herr Hansen..." ihm fiel der der Rest des Namens nicht ein. "Hansen-Archai. Und das ist Lucian Rayne, ein sehr guter Freund der Familie und Vorbesitzer des Hansen-Hauses." stellte Hagiel seinen höllischen Bruder vor. "Oh... freut mich Herr... Rayne. Wir wussten nur, dass dieses Haus jemandem gehörte vor den jetzigen Besitzern und dass Sie hin und wieder dort waren, aber niemand von uns hat Sie jemals gesehen, das fanden wir etwas merkwürdig und... nun es jagte uns ein wenig Angst ein." gestand Herr Matthiesen. "Guten Abend, das war mir nicht bewusst. Ich bin eher ein Einzelgänger und ziehe mich deshalb zwischendurch auch zurück um die Einsamkeit zu genießen. Ist teilweise auch sehr von meiner Laune abhängig. Ich wollte Ihnen und den anderen Inselbewohnern keine Angst einjagen oder Ähnliches. Aber jetzt gehört das Haus ja nicht mehr mir." sagte er charmant wie immer und reichte dem Fremden die Hand. Dieser nahm sie und setzte sich dann mit an den Tisch. "Sie sind doch zuständig für kaputte Dachstühle? Lucian und ich haben vorhin festgestellt, dass die Stützbalken auf dem Dachboden morsch sind und  ich konnte heute Nachmittag niemand in der Firma erreichen." Herr Matthiesen nickte. "Jou, ich bin der Dachdeckermeister hier auf Norderney, ich werde Morgen mal vorbei schauen und ...dann weitersehen." antwortete der Handwerker mutig. Da es unhöflich gewesen wäre sofort wieder aufzustehen blieb er bei den beiden, aus seiner Sichtweise, jüngeren Männern sitzen. Matthiesen stellte fest, dass der Vorbesitzer des Hansen-Hauses ein ganz netter Mensch zu sein schien.
Auf dem Heimweg musste Hagiel grinsen als er bemerkte, dass Belial vor Kälte zitterte. "Ist dir so kalt, Großer?" fragte er belustigt. "Ja, da wir in unseren menschlichen Körpern leider Kälte und Schmerz empfinden können und ich die Kälte nicht wirklich gewohnt bin... aber egal, dann renne ich einfach ein  Stück, dass mir warm wird." sagte er fröhlich und rannte los. Hagiel folgte ihm. Am Ende des Ortes hielten sie völlig außer Atem an. "Frierst du jetzt immer noch?" Belial lachte. "Nicht wirklich." "Danke Lucifer." sagte der Erzengel plötzlich. "Wofür?" fragte Belial verwundert. "Dafür dass du so nett und charmant zu Herr Matthiesen warst. Spätestens Morgen wird es sich rumgesprochen haben, dass der Vorbesitzer des Hauses doch ein netter Kerl ist." antwortete Hagiel. Belial lächelte, sagte aber nichts mehr dazu.
Am nächsten Morgen saßen alle zusammen beim Frühstück. Luciano benahm sich heute morgen ziemlich unmöglich. Er quengelte die ganze Zeit herum und weigerte sich sein Müsli zu essen. Mathilde und Hagiel gaben gerade den Zwillingen die Flasche. Selvaggia aß ihr Brot und sagte nichts weiter dazu. Belial nahm eine Schluck seines ersten Kaffees und fuhr sich anschließend seufzend mit zwei Fingern über den Nasenrücken. "Kleiner Mann dir ist aber schon klar, dass du dann nichts mehr zu Essen bekommst, bis Mittag." Der kleine Junge bockte noch mehr und stieß wütend seinen Becher um, in Richtung seines Vaters. Dieser reagierte blitzschnell, sprang auf und fing den Becher. Er knallte den Becher auf den Tisch und verließ die Küche. Luciano war zusammengezuckt als sein Vater den Becher so auf den Tisch schlug. "Musste das jetzt sein? Was ist denn los mit dir?" fragte Selvaggia ihren ältesten Sohn. Luciano schmollte. Seine Mutter hob den kleinen Jungen aus dem Stuhl. Er rannte schreiend ins Wohnzimmer und warf sich dort auf den Boden.
Etwa eine halbe Stunde klingelte es. "Moin, Herr Matthiesen!" begrüßte Hagiel den Dachdeckermeister und seinen Kollegen. Auf dem Dachboden angekommen, sah der Handwerker sehr nachdenklich aus. "Das Holz ist schon sehr morsch. Hier muss fast der komplette Dachstuhl erneuert werden. Hier geht es zwar noch müsste aber dann spätestens in zwei Jahren erneuert werden. Da ist das Loch im Dach echt noch ihr geringstes Problem." erklärte Herr Matthiesen. "Na das habe ich nun davon dass ich, die Sanierung in den letzten Jahren so habe schleifen lassen. In den Wohnräumen habe ich mich viel selbst gekümmert, aber den Dachboden habe ich total vergessen." gab Belial vor. "Sieht ziemlich vernachlässigt aus. Das wird teuer, Herr... wer übernimmt denn die Reparaturkosten?" fragte er. "Ich übernehme das! Ich habe den beiden das Haus geschenkt und stehe für meinen Fehler gerade. Machen Sie was gemacht werden muss." Der Dachdeckermeister nickte. "Das wird aber ein paar Tage dauern und  es werden schon so acht bis zehn Tausend Euro werden, wenn wir den kompletten Dachstuhl samt Stützbalken und Dach machen, Herr Rayne." Belial nickte. "Alles klar, ist kein Problem! Wann fangen Sie an?" wollte er noch wissen. "Morgen früh. Ich muss mir erst einen Teil des Materials vom Festland liefern lassen und könnte dann morgen früh so gegen neun Uhr mit der Arbeit beginnen." Die beiden Engel nickten und begleiteten die Handwerker nach draußen.
 
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