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GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Harry Potter Severus Snape
15.09.2016
19.09.2021
203
489.252
233
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Dieses Kapitel
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14.09.2021 1.667
 
Harry sprang über eine Trickstufe, war auf dem Weg die ganzen Stufen hinunter ins Erdgeschoss um zu den Kerkern zu gelangen. Da es mit der Bibliothek nicht hatte sein sollen und sein ursprünglicher Plan, bevor das ganze Chaos mit diesen seltsamen Bildern, seine Unterhaltung mit Pierce und der Begebung von Prewett begonnen hatte, gewesen war Snape zu suchen, nahm er ihn nun wieder auf.

Ob er dem Professor jedoch von Voldemort und diesem anderen Mann erzählte, da war er sich noch nicht sicher. Immerhin handelte es sich noch immer um Snape, den charmanten Meister der Tränke und Albtraum unzähliger Schüler.

Auch wenn ihr Umgang sich gebessert hatte, jedoch einzig und allein auf den Sklavenbund zurückzuführen jedenfalls nahm Harry es an, waren sie noch lange nicht an dem Punkt einer Freundschaft angelangt.

Nichtsdestotrotz verspürte er manchmal ein nicht erklärbares und dennoch unerschütterliches Vertrauten in Snape, was für ihn keinerlei Sinn ergab. Aber eventuell lag auch das an dem Bund, denn wo sonst sollte dieses Gefühl herkommen? Ihre Beziehung zueinander war vom ersten Tag an katastrophal gewesen und seitdem hatte es sich über die Jahre nur noch verschärft.

Nachdenklich blieb der junge Lord am unteren Teil der Treppe stehen, hatte es endlich geschafft die bewegenden Treppen hinter sich zu lassen und legte eine Hand auf das steinerne Geländer.

Der Stein unter seiner Hand war kühl, was er allerdings nur am Rande seines Bewusstseins wahrnahm. Leicht legte er seinen Kopf in den Nacken, blickte hinauf zu den sich bewegenden Treppen und zahlreichen Gemälden an den Wänden.

Alles sah noch genauso aus, wie an seinem ersten Tag. Nichts hatte sich scheinbar verändert und für einen Moment konnte er Ron und Hermine dort entlanglaufen sehen, wie sein Freund dabei versuchte die Hausaufgaben von der Hexe zu bekommen und sie schließlich genervt einwilligte ihm zu helfen, gefolgt von predigten Worten.

Sachte lächelte Harry, konnte ganz genau Rons Erleichterung und Grinsen sehen, seine überschwänglichen Sätze des Dankes und der Lobpreisung hören.

Das gesamte Schloss war erstaunlich, es gab keinen Ort wo er sich derart wohlfühlte wie hier und auch wenn es gefährlich und schwer gewesen war, sich schreckliches ereignet hatte, er konnte nicht umhin sich in diesen Mauern dennoch zuhause zu fühlen.

„Ah, my Lord.“, erklang es plötzlich und Harry blickte zur Seite, „Wahrlich meisterlich, nicht wahr? Jeder bestaunt die Magie des Schlosses. Ihr müsstet die Augen der jungen Sprösslinge sehen, wenn sie zum ersten Mal durch die Türen schreiten.“

„Sir Nicholas.“, grüßte er den Hausgeist von Gryffindor, „Genau genommen bin auch ich dann ein Erstklässler. Jedenfalls verlaufe ich mich wie einer.“

„Nicht doch, Euer Lordschaft.“, zeigte der Geist ein Lächeln, „Ihr schlagt Euch sehr gut.“, und er freute sich richtig, dass endlich ein Schüler mehr ihn mit Achtung und Respekt behandelte.

Die meisten nannten ihn einfach gedankenlos „Nick“, als wäre er ein dahergelaufener Knabe oder gar Verbrecher!

Für Harry war es eigenartig mit Nick zu sprechen, wo der Geist ihn immerhin, noch, nicht kannte. Dabei hatten sie schon einige Gespräche miteinander geführt, sogar über den Tod von Sirius hatten sie vor gar nicht allzu langer Zeit gesprochen und jetzt wusste Nick nicht einmal wen er eigentlich vor sich hatte.

Der Fast Kopflose Nick sprach gerade ausschweifend darüber, wie vielen verirrten Schülern er bereits geholfen hatte den Weg wiederzufinden, als er plötzlich, ganz untypisch für ihn, innehielt und nicht weiter sprach.

Harry hatte ihm nicht die ganze Zeit aufmerksam zugehört, war mit eigenen Gedanken beschäftigt gewesen und doch horchte er sogleich auf, als Nick mit einem Mal inmitten seiner Erzählung verstummte.

Ernst sah der Geist ihn an, schien nachdenklich oder etwas zu suchen, Harry wusste es nicht genau.

„Stimmt etwas nicht, Sir Nicholas?“

„Wie?“, erklang es perplex, als hätte Nick alles um sich herum vergessen, „Oh, aber nein.“, lächelte der Geist und seine ernsten Züge verschwanden, „Verzeiht. Ich empfehle mich.“, und schon schwebte er davon, mit einer derart eiligen Drehung, dass sein Federhut richtiggehend schwankte und auch sein Kopf geringfügig für einen Bruchteil wankte.

Seltsam, dachte Harry und konnte sich dieses eigenartige Verhalten nicht erklären. Oder hatte er etwas falsches gesagt? Immerhin war Nick leicht zu kränken.

Letztlich zuckte er die Schultern und ging weiter, vielleicht war dem Geist auch einfach irgendetwas eingefallen was er auf halben Wege vergessen hatte.

Auf den Gängen der Kerker war es kalt, Harry konnte seinen Atem sehen und die feuchte Luft förmlich riechen. Ihn fröstelte es leicht wegen der eisigen Temperatur, war es hier doch nochmals kühler als überall sonst im Schloss.

Eine kleine Gruppe von Zweitklässlerinnen aus Slytherin kam ihm entgegen, ein paar von ihnen lächelten zaghaft, die anderen nickten ihm förmlich zu und kaum waren sie einige Meter hinter ihm, tuschelten sie sogleich miteinander.

Am Eingang des Gemeinschaftsraumes, der kahlen Wand, nannte er das Passwort, wenngleich er es nicht zwangsläufig musste und trat ein. Auch hier war es kühl, doch das Feuer im Kamin prasselte und man merkte die Wärme dessen deutlich, im Gegensatz zu den kalten Gängen außerhalb.

„Harrison.“, erklang es im Gemeinschaftsraum und Harry sah sich um, entdeckte Gilbert bei einer kleinen Gruppe von Slytherin.

Sollte er zu ihnen gehen? Eigentlich hatte er vorgehabt Snape aufzusuchen, dennoch bewegten sich seine Füße von selbst und traten zu der gemischten Gruppe. Neben Gilbert saß einer ihrer Klassenkameraden, allerdings konnte Harry sich nicht an den Namen des Slytherins erinnern. Hatten sie bisher überhaupt ein Wort gewechselt?

Gegenüber der beiden Sechstklässler saßen zwei Mädchen und eine junge Dame, eine Siebtklässlerin, die ihn prüfend musterte.

Es war wahrlich eine seltsame Zusammenstellung fand Harry, denn üblicherweise, zumindest kannte er es so, blieben die Jahrgänge meist unter sich. Aber womöglich kannten sich die fünf untereinander auch oder es war in Slytherin schlichtweg anders.

„Das sind Callidora und Cassiopeia Black.“, stellte Gilbert die zwei Viertklässler vor, „Und das ist-“

„Ich kann für mich selbst sprechen, Rose.“, fiel die Siebtklässlerin ihm ins Wort und wandte sich wieder dem jungen Lord zu; bedachte ihn mit klaren, unbeeindruckten Augen.

Anstatt jedoch etwas zu äußern, schwieg die junge Dame und stand letztlich von ihrem Platz auf.

„Wir vergessen niemals.“, flüsterte die Slytherin ihm zu, ehe sie sich zu ihren Freundinnen und Robert Yaxley gesellte.

Harry blickte ihr nach, sich fragend was sie mit ihren Worten wohl gemeint hatte.

„Lasst uns auch schon mal gehen. Das Duell wird bald anfangen.“, äußerte Gilberts Sitznachbar und die beiden Blacks erhoben sich mit ihm.

„Duell?“, fragte Harry nach und seine Augen wanderten zu seinen beiden Klassenkameraden.

„Prides und Alton wollten sich duellieren.“, erklärte Gilbert, während auch er aufstand, „Und diese Unterhaltung lassen wir uns nicht entgehen.“, dabei zeigte er ein kurzzeitiges, tückisches Lächeln der Freude, „Besonders wenn es zwei Gryffindor wie sie sind.“

Dabei hatte Harry den Verdacht, dass es Gilbert jedoch vermehrt um Henry ging und nicht um den anderen Gryffindor oder das es überhaupt zwei Gryffindor waren. Zuvor hatte der Slytherin sich schon anders verhalten, wenn Henry Prides zur Sprache gekommen war.

Ob Gilbert eine Fehde mit dem Gryffindor führte, ähnlich wie Harry selbst sie irgendwie mit dem Malfoy aus seiner Zeit hatte?

„Fünf Sickel auf Alton.“, hörte Harry zum gefühlt ersten Mal seinen Mitschüler sprechen, von dem er keine Ahnung hatte wie sein Name war.

Cassiopeia Black schnaubte leise, abwertend und sprach kühn: „Alton gewinnt niemals, zehn Sickel auf Prides.“

„Abgemacht!“, rief der Slytherin aus und war weiterhin davon überzeugt von Alton’s Sieg.

Die andere Black derweil schien ein wenig genervt, aber sie schwieg und zog ihre Cousine schließlich mit, während der namenlose Slytherin Gilbert anstieß und meinte, dass er doch auch ein paar Sickel setzten sollte.

Gilbert allerdings lehnte ab und der Andere zuckte die Schultern, sah den jungen Lord einen Augenblick an und folgte den zwei Cousinen.

„Kommst…du auch?“, wurde Harry schließlich zögernd gefragt, als ob Gilbert sich plötzlich unsicher wäre was er tun sollte.

Nachdenklich blickte der derzeitige Slytherin daraufhin zur Seite, besah sich eigene Atemzüge lang einfach die hohen Fenster des Gemeinschaftsraumes. Wasser plätscherte gegen die Fenster, sogar ein paar Tierwesen zischten an dem magischen Glas vorbei. Es war gar kein Vergleich zum Gemeinschaftsraum von Gryffindor, wo die Fenster nicht das Wasser des Sees und dessen Bewohner zeigte, sondern die weite Landschaft und den Himmel.

„Harrison?“

Er hörte Gilberts Stimme, sie war geduldig und wartete nichtsdestotrotz auf eine Antwort. Sollte er mitgehen? Wollte er dieses Duell der zwei Gryffindor mitverfolgen? Seltsamerweise reizte es ihn kein bisschen.

„Nein.“, sprach er leise aus, während seine Mundwinkel sich zu einem dezenten Lächeln verzogen, „Du darfst gehen, Gilbert. Wir sehen uns später.“, seine Augen verweilten dabei auf dem Fenster.

Der Slytherin jedoch entfernte sich kein Stück, blieb wo er war und sah seinen Mitschüler zwiegespalten an. Gilbert konnte es sich selbst nicht genau erklären, doch sein Körper bewegte sich einfach nicht. Lag es dem Blick aus den grünen Augen zugrunde oder war es die seichte Stimme des Anderen?

Unbeholfen griff Gilbert in seine Hosentasche, holte ein, in golden-schimmerndes, Papier gebundenes, Bonbon hervor und hielt es in seiner verschlossenen Hand, bewegte es kaum merklich hin und her.

„Hier.“, begann er letztlich und öffnete seine Faust, „Es schmeckt nach süßem Kürbis.“

Harry wandte sich von dem Anblick des Fensters ab, blickte auf die geöffnete Hand und das Bonbon was präsentierend auf ihr lag.

Warum bot Gilbert ihm ein Bonbon an?

Und während Harry sich fragte was diese Geste sollte, war es für Gilbert etwas vollkommen normales. Er selbst kannte es nicht anders, da er früher oftmals etwas Süßes erhalten hatte wenn er traurig oder frustriert gewesen war; natürlich auch wenn er etwas gut gemacht hatte, doch diese Stimmung herrschte zurzeit nicht.

Meisterin Margo hatte ihm ein Stück verzauberte Schokolade in die Hand gelegt, auch seine Mutter hatte ihm ein buntes und hüpfendes Bonbon vor die Nase gehalten, wenn etwas ihn bedrückt hatte, sein Onkel, seine Tante; sie taten es auch heute noch, obwohl er schon lange kein Kind mehr war. Diese kleine, vertraute Geste war allerdings weiterhin sehr tröstend und half ihm oft, selbst jetzt noch, wenngleich er es niemals laut zugeben würde.

„Danke.“, nahm Harry das seltsame Bonbon aus der Hand des Slytherin.


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