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GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Harry Potter Severus Snape
15.09.2016
23.02.2021
189
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Der Tränkemeister packte ihn unwirsch an der Schulter, führte ihn etwas Abseits des Flures und stieß ihn schließlich von sich.

„Sie sollten tadellos auftreten, Potter.“, dunkle Augen durchbohrten ihn, „Oder zumindest, soweit es jemanden wie Ihnen möglich ist.“

Schritte klang von den Wänden wieder, einige Meter weiter liefen die ersten Gäste des Abends vorbei und keiner von ihnen besah sich das Geschehen genauer. Wer wäre auch so dumm einen Streit in diesem Moment vom Zaun zu brechen, noch dazu mit dem Schulleiter von Hogwarts.

Der hochgewachsene Zauberer griff nach dem seidigen Stoff um Harrys Hals und entzog es ihm. Der Professor war ihm dabei sehr nah und während der Mann noch ein paar herablassende Kommentare von sich gab, band er den Stoff anständig und fixierte alles mit der Brosche, welche zuvor alles nur notdürftig zusammengehalten hatte.

„Rührend.“, schnippte Severus mit einem Finger gegen das edle Schmuckstück.

„Nicht meine Idee.“, reagierte Harry sogleich, was ihm eine gehoben Augenbraue einbrachte und ihn nach unten schauen ließ.

„Kontrollieren Sie sich.“, ermahnte Snape ihn kühl und nicht sehr mitfühlend.

Dennoch halfen ihm diese Worte und er nickte kaum merklich. Heute durfte sich niemand auch nur einen einzigen Fehler erlauben, jeder im Anwesen der Malfoy wusste es, denn heute war der 30. April, der Beginn der Walpurgisnacht. Damit jedoch nicht genug, feierten sie gleichzeitig auch die Bekanntgabe der Schwangerschaft von Draco Malfoy und seiner Frau. Besonders für die Familie Malfoy war dies ein feierlicher Anlass, wurde so doch die Blutlinie fortgeführt.

Letztlich bedeutete dies aber auch, dass man an diesem Tag nicht nur den Dunklen Lord verärgern konnte, sondern ebenso auch den Zorn der Familie Malfoy und keiner war auch nur auf eines davon erpicht. Lucius Malfoy gehörte zum engsten Kreis des Lords, er war mitunter einer der einflussreichsten Menschen des Landes und sein Sohn Draco hatte ebenfalls Platz an dieser Tafel genommen.

Einen Moment noch verweilten die beiden Männer, bis Snape ohne ein Wort oder gar eine Regung einfach ging und Harry allein ließ.

Der Abend, die Nacht, war anstrengend, obwohl die Stimmung im magisch vergrößerten Saal ausgelassen war, die Gäste lachten und sich amüsierten, edlen Elfenwein und hervorragendes Essen genossen, fürchteten einige unterschwellig die Anwesenheit des Dunklen Lords.

Dabei war Lord Voldemort guter Laune, er betrieb Konversation, beglückwünschte sogar den baldigen Zuwachs der Malfoy und rief nicht ein einziges Mal nach Harry. Trotz der Stimmung jedoch, wurden herablassende Blicke gewechselt, gemeine und unterdrückende Worte, sodass auch in diesem Saal unter den Gästen deutlich wurde, wer wo zu stehen hatte.

Insbesondere ein paar der Jüngeren erfreuten sich daran ihre Macht ausnutzen bzw. den Einfluss ihrer jeweiligen Familien. Manch einer besuchte noch Hogwarts, ein paar weitere waren bereits im Besitzt ihres Abschlusses.

Aber nicht nur die Jüngeren der Runde hoben sich empor, auch einige der älteren Hexen und Zauberer erfreuten sich an spitzen Bemerkungen und Gesten. Allerdings behielt sich alles im Rahmen, denn vorerst war kein Tumult ausgebrochen.

Harry hielt sich derweil bedeckt, zwar war er als Gast hier, doch der Dunkle Lord konnte ihn jederzeit herbeirufen und er wollte Konflikte jeglicher Art vermeiden. Nicht jeder der Gäste war ein Befürworter des Regimes, doch keiner von ihnen sprach es offen an. Nichtsdestotrotz warfen ihm die verschiedensten Menschen auf dieser Veranstaltung die unterschiedlichsten Blicke zu.

Von Mitleid erfüllt, Hoffnungsklammernd, auf in Zeichen hoffend, voller Verachtung und Wut aus dutzend abweichenden Gründen, auch Spott und Böswilligkeit schimmerte in ihren Augen, dann und wann fiel auch ein herablassender Kommentar.

Er wurde vermeintlich angestoßen und ins stolpern gebracht, Gläser die er nahm leerten sich sogleich und an den kleineren Häppchen versuchte er sich erst gar nicht.

Es war schrecklich, auch wenn er nicht an der Seite des Dunklen Lords vorgeführt wurde, als Bediensteter auftrat oder kniend am Boden saß. Hinzu kam, dass er solche Festlichkeiten früher schon nicht gemocht hatte und mit den Jahren, mit dem Sieg des Lords, war es eindeutig nicht besser geworden.

Positiv jedoch war, dass er an Tagen wie heute nichts tun musste außer nicht aufzufallen und das hatte er bereits früh bei den Dursleys gelernt; damit war er aufgewachsen, auch wenn der Ärger ihn dennoch meist fand.

Harry stand Abseits, weit entfernt der freien Fläche und Sitzmöglichkeiten. Bedauerlicherweise musste er solange bleiben, bis der Dunkle Lord ihn entließ oder der letzte Gast sich verabschiedete, was noch Stunden dauern konnte.

„Wo ist dein Halsband, Hündchen?“, erklang es großspurig und eine kleine Gruppe Hogwarts Schüler näherte sich ihm.

„Er ist weniger wert als ein Hauself. Ein Wunder, dass er nicht dasselbe trägt wie sie.“

Sie fühlten sich stark, Harry wusste es und er schwieg auf ihre Worte. Er kannte ihr Gehabe, hatte es bei Draco einst selbst gesehen und in den Erinnerungen von Snape.

„Der ist es nicht wert, lasst uns was anderes machen.“, die jungen Menschen waren zu fünft und bis auf einer schienen sie im selben Alter zu sein.

„Sei keine Heulsuse, Greengrass.“, spottete derjenige, welcher von seinen Freunden im Mittelpunkt stand.

„Mach’ dich locker.“, klopfte ihm einer aus der Runde auf die Schulter, doch Greengrass stieß ihn leicht von sich.

„Er gehört dem Lord und diese Feier gilt auch meiner Schwester. Nachsitzen ist dann unsere geringste Sorge ihr Schwachköpfe.“

„Keiner hält dich hier, du Feigling. Und wenn etwas passiert war es einfach seine Schuld.“

„Nenn mich nicht Feigling, Avery. Wegen dir wurden wir vor zwei Wochen erst fast erwischt!“, zischte der Greengrass Spross.

Die zwei Siebtklässler funkelten sich an, bis der Jüngste der Runde vortrat; ein Fünftklässler.

„Slytherin hat doch bessere Schüler hervorgebracht, oder?“, es war eine Mahnung und gleichermaßen schlichtete es die Uneinigkeit von Greengrass und Avery.

Harry kannte die Sprösslinge vieler Familien und dieser Junge vor ihm war anders, als seine älteren Mitschüler. Zwar hatte er meist weniger mit ihnen zutun, gingen sie schließlich noch zur Schule und waren nur bei besonderen Veranstaltungen zugange oder wenn Ferien herrschten, doch hin und wieder gab es Begegnungen.

Oftmals machten die kleinen Pimpfe sich über ihn lustig, fanden es herrlich ihn zu beleidigen und dennoch fürchteten sie ihn und mögliche Konsequenzen. Nur wenige unter ihnen wichen nicht zurück oder verstummten, wenn er sich regte. Auch wenn ihnen Geschichten über die Trophäe des Lords erzählt wurde, gab es doch weiterhin andere, beeindruckende Erzählungen, Gerüchte welche kursierten, über einen Jungen der Überlebte, einen tapferen Gryffindor welcher sich dem Lord entgegen stellte und gleichauf stand. Ein Troll, eine Teufelsschlinge, ein dreiköpfiger Hund, ein Basilisk, Riesen Spinnen, Drachen, Wassermenschen, Dementoren, Todesser und der Dunkle Lord höchst selbst, das Haustier von Lord Voldemort hatte all dem und mehr standgehalten. Auch jetzt schien sich der Mann vor ihnen manchmal noch gegen den einzigen Herrscher des Landes aufzulehnen, dabei war er nur ein Besitztum.

Sicherlich waren manche Gerüchte auch übertrieben oder entsprachen nicht der Wahrheit, doch in Hogwarts lernten sie eine andere Geschichte und woher sollten sie auch wissen was nun letztlich wahr war und was nicht.

Es verunsicherte sie schlichtweg einfach, nicht nur die vielen Gerüchte, ein paar hatten ihn auch schon zitternd am Boden gesehen und trotzdem war der Schwarzhaarige nicht in sich zusammengebrochen. Etwas in seinen Augen war anders, als die Anderen, welche winselnd über den Stein zuckten.

Zudem war da noch die Tatsache der Folgen, durch den Dunklen Lord oder ihren Eltern. Was die Regeln des Mannes anging waren sie auch nicht auf dem Laufenden, ganz abgesehen davon das sie Kinder waren und sowieso nichts zu sagen hatten. Nur selten wurde jemand unter der Volljährigkeit und ohne Abschluss in den Kreis der Todesser aufgenommen und in ihrer Gruppe gab es noch keinen frühzeitigen Todesser.

„Also…“, begann der Jüngste charmant, „…möchtest du dich für deine Respektlosigkeit nicht entschuldigen?“, ein Lächeln überzog das junge Gesicht, „Ein Sklave sollte den Blick gesenkt halten und nicht unverfroren die hohen Herrschaften ansehen.“

Harry machte sich einerseits nichts aus dem was der Hogwarts Schüler sagte, der weitaus jüngere konnte ihn nicht erniedrigen, so sehr er es auch versuchte und irgendwie tat der Junge im sogar Leid. Andererseits jedoch waren diese Gedanken und Empfindungen nicht die Seinen, doch anstatt er selbst zu sein, neigte er den Kopf und sprach rau: „Ich bitte um Verzeihung, Mr Yaxley.“

Obwohl der Junge vor ihm ein Sohn von Corban Yaxley war, hatte er eine andere Mutter als seine Geschwister. Im Grunde war er ein uneheliches Kind, welches von der Familie Yaxley aufgenommen worden war und wegen seiner Herkunft hatte er es nicht leicht gehabt. Dafür war der junge Yaxley allerdings bei weitem intelligenter und talentierter, sogar seinen Vater übertraf er beizeiten. Zudem hatte der Dunkle Lord gefallen an Corbans Sohn gefunden, was mitunter ein Grund für diese Gruppendynamik vor Harry war. Vorher hatte der Junge viel einstecken müssen, auch wenn er sich für jede Handlung gerächt hatte, nun aber konnte er aufrechter umherwandern und offen zeigen, was in ihm steckte.

„Du hast meine Schuhe befleckt, möchtest du sie nicht säubern?“, und ehe jemand etwas anderes sagen konnte, griff er nach dem Glas in der Hand von Avery und kippte es aus.

Zwar war nicht mehr viel Inhalt im Glas gewesen, doch das bisschen spritze über den Boden und verteilte zwei, drei kleine Sprenkel auf den Schuhen des jungen Slytherins.

„Woraus wartest du?“, fixierten ihn spöttische Augen, während seine Stimmlage jedoch vollkommen entspannt blieb, „Du hast doch noch deine Zunge, nutze sie.“

Yaxley war ein gerissener Schüler, im Zeitalter des Dunklen Lords würde ihm noch großes bevorstehen und daher stellten sich bereits jetzt seine Mitschüler gut mit ihm, denn es war wichtig frühzeitig Verbindungen zu knüpfen.

Allerdings war der junge Yaxley nicht der einzige im Mittelpunkt, denn so findig und intelligent er auch war, den Zwillingen stellte sich keiner in den Weg. Auch wenn sie erst zwölf Jahre alt waren und heute nicht anwesend, würden sie eines Tages in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Ihre Familie gehörte zum engsten Kreis, sie standen auf einer Stufe mit den Malfoy und noch vor ihrer Geburt war ihre Zukunft bereits besiegelt. Sie existierten nur aus dem Grund, weil der Dunkle Lord es gewollt hatte, andernfalls hätte Bellatrix niemals ein Kind mit ihrem Mann in die Welt gesetzt.

„Snape nähert sich.“, flüsterte Avery leise und Ärger zuckte über das Gesicht des Fünftklässlers.

Nun war es zu spät, ihr kleines Machtspielchen vorzeitig beendet und besonders Yaxley missfiel dieser Umstand sehr. Doch was sollten sie jetzt noch tun, Snape wickelte man nicht einfach um den Finger, den Schulleiter zu täuschen war schier unmöglich. Auch wenn der mürrische Mann sicherlich nichts sagen würde wenn ein Missgeschick geschah, gab es dennoch keinen Platz für solche Fehler. In der Schule war es noch eines, doch außerhalb, wenn sie Hogwarts und ihr Haus vertraten, etwas schlichtweg anderes.

Wer wusste schon wie Schulleiter Snape reagierte und so wie er aussah hatte er außerdem keine gute Laune, obwohl auch dies meist schwer einzuschätzen war. Ein Slytherin durfte sich vieles erlauben, doch alles ließ der ehemalige Hauslehrer nicht durchgehen.

Greengrass allerdings nutze diesen Moment für sich aus, griff nach einer vorbeischwebenden Karaffe und entleerte die schimmernde Flüssigkeit flink über Harrys Kopf.

„Die Hauselfen haben bestimmt noch ein altes Bettlaken für dich.“, und Avery grinste auf diese Worte, während der junge Yaxley sich übergangen fühlte. Doch Greengrass hatte einen Ruf zu schützen und in dieser Welt war Herkunft und Talent das wichtigste, nur die Starken standen an der Spitze. Auch wenn seine beiden Schwestern erfolgreich waren, eine von ihnen hatte immerhin in die Familie Malfoy eingeheiratet, und auch seine Eltern nicht klagen konnten, hatte er doch größeres geplant. Ihnen ging es sehr gut, doch Greengrass wollte mehr erreichen.

Immerzu wurde er mit seinen zwei fantastischen älteren Schwestern verglichen und auch in Slytherin sah man ihn nur als Nachzügler der Familie Greengrass an.

Es nervte ihn außerdem, dass ein Bastard wie Yaxley an Einfluss gewann und sogar dem Dunklen Lord imponierte. Der Fünftklässler dürfte nicht einmal den Namen Yaxley tragen, doch bedauerlicherweise lag es nicht an ihm darüber zu entscheiden. Schon heuchlerisch, dass in einer Gesellschaft von Reinheit jemand wie Yaxley gleichauf mit ihm, einem Reinblut, stehen konnte. Jeder sollte seinen Platz kennen, sowie der Mann vor ihnen. Er hätte sich wehren können, doch er ertrug es, denn Avery und er waren vom reinen Blut und Yaxley stand unter dem Schutz einer Reinblut Familie.

Tatsächlich wollte Harry einfach kein Aufsehen erregen, womit er nicht nur sich selbst schützte, sondern ebenso auch die dummen Schüler und deren Eltern.

Triefend stand er also da, während die Slytherins verschwanden um nicht in den Fokus von Snape zu geraten, der teure Stoff seiner Kleidung durchtränkt und die Gäste in der Nähe warfen ihm bereits Blicke zu. Alles wäre ja so einfach zu beseitigen, die klebrige Flüssigkeit und Flecken, er müsste nur seinen Zauberstab zücken und schon wäre alles wieder wie vorher. Unglücklicherweise trug er nur keinen Zauberstab bei sich, der Dunkle Lord hatte seinen treuen Begleiter mal wieder an sich genommen. Zurzeit lag das magisch Stück Holz auf dem Kaminsims im Anwesen des Lords, im bevorzugten Salon natürlich, zur Schau gestellt wie ein Ausstellungsstück. Niemand durfte diesen Zauberstab anrühren, es sei denn der Lord gestattete es.

Mit gesenktem Blick ging Harry durch die Menge, verließ den Saal so unauffällig wie möglich und schritt rasch den Gang entlang um sich umzuziehen, bevor jemanden bewusst wurde das er nicht länger anwesend war.

Zunächst war der Weg frei, auf den Gängen hielt sich keiner auf und den patrouillierenden Todessern wich er geschickt aus. Selbst ohne Zauberstab und Tarnumhang schaffte er es durch unerkannt durch das Anwesen der Malfoy zu wandern, was jedoch mitunter auch daran lag, dass er vertraut mit der Architektur war und hier gab es keine Türen, die einfach auftauchten oder Treppen welche sich bewegten.

Das Glück schwand jedoch mit einem Mal, als er direkt in einen Todesser lief der in Begleitung der jungen Mrs Malfoy war. Kein seltener Anblick, wurde Astoria doch oftmals von zwei Todessern begleitet. Draco hatte deshalb auch immer wieder Streit mit ihr, wie Harry genau wusste, doch der Blonde ließ sich in dieser Angelegenheit nicht umstimmen. Das Wohl seiner Gattin hatte für ihn Priorität, selbst wenn er dafür zwischendurch in seinem eigenen Raum schlafen musste; ohne seine Frau.

„Du kannst jetzt gehen Theodore, danke. Er kann mich zu meinem Flügel geleiten.“

Der Todesser blieb stumm, wartete noch einen Atemzug lang, überdachte es vermutlich und nickte dann, ging davon.

„Wurdest du entlassen?“, fragte sie ihn ruhig und ihrer Stimme barg eine Sanftheit mit derer Harry üblicherweise nie angesprochen wurde, zumindest nicht aufrichtig.

„Nein.“, hauchte er und senkte den Blick, „Verzeiht die Umstände.“

Astoria war nicht dumm und schlussfolgerte, dass der ehemalige Mitschüler ihrer Schwester entweder nicht zaubern durfte oder gar keinen Zauberstab bei sich trug. Und so wie er aussah, hatte jemand ein Fass über ihn ausgekippt. Er hinterließ sogar kleine Tropfen auf dem Boden. Jedenfalls da wo er gerade stand, die restlich Spur war bereits verschwunden, vermutlich von einem Hauselfen beseitigt worden.

Sie kannte ihn selbst noch aus ihrer Schulzeit, auch wenn sie nicht im selben Jahrgang gewesen waren. Diese schwarzen Haare mühsam zurecht gelegt und gekämmt, die feine Brille mit den runden Gläsern und grüne Augen hinter ihnen. Bedachte man die Umstände, hatte er noch immer Ähnlichkeit mit dem vierten Champion des Trimagischen Turniers. Er war ohne jeden Zweifel beeindruckend, denn egal was auch kam, der Gryffindor stellte sich dem, ertrug die Schikanen der Anderen und die Launen des Dunklen Lords. Viele hielten für schwach und einen Feigling, doch Astoria ließ sich nicht täuschen, sie wusste aus welchem Grund Draco’s einstiger Rivale so gehandelt hatte. Auch wenn nur wenige letztlich über die Vereinbarung wussten und die ehemalige Slytherin nicht zu diesen Personen gehörte, war ich doch bewusst, dass es irgendetwas zwischen Harry Potter und dem Dunklen Lord geben musste. Weshalb sonst hätte der Lord von den Freunden des Anderen absehen sollen? Warum jagte er sie auch heute noch nicht, ließ sie sogar, wann immer Vergehen festgestellt wurden, oftmals wieder frei.

Allerdings behielt sie ihre Gedanken und Vermutungen wohlweislich für sich, denn derart töricht war sie nicht. Harry selbst wusste nichts davon, während ein Teil von ihm es dennoch tat.

Astoria zog ihren eigenen Zauberstab, richtete ihn auf die größte Trophäe des Lords und trocknete die durchnässte Gewandung. Zusätzlich säuberte sie den edlen Stoff, denn trocken und tadellos war ein unterschied in diesem Fall.

Sie sprachen kein Wort darüber und anstatt sich verbal zu bedanken neigte Harry seinen Kopf und ging ihr nach, begleitete sie an den Rand ihres Flügels, welchen sie mit Draco teilte.

„Meinen Glückwunsch.“, sprach Harry und die Jüngere zeigte ein kurzes Lächeln, während ihre Hand für einen Moment auf ihrem Bauch ruhte. Noch konnte man nichts erkennen, was sich in wenigen Monaten allerdings ändern würde.

Es gab keine Verabschiedung zwischen ihnen, sie ging einfach und er neigte den Kopf, bis er schließlich den Weg zurück ansteuerte. Müde werdend und die Stille der leeren Gänge genießend, sah er aus eines der unzähligen Fenster dieses Anwesens. Die Nacht war klar, Sterne funkelten auf ihn hinab und dieser Anblick weckte Melancholie in ihm. Er war einsam, doch damit hatte er seinen Frieden geschlossen. Leise seufzte Harry, wandte seine Augen vom Sternenhimmel ab und lächelte wehmütig. Besser er kehrte umgehend zurück bevor sich jemand wunderte, wo er so lange blieb, denn immerhin hatte der Dunkle Lord ihn noch nicht entlassen.
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