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GeschichteAllgemein / P18
Harry Potter Severus Snape
15.09.2016
02.07.2020
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30.06.2020 2.169
 
„Meister Abel, guten Abend.“, begrüßte sie den, ein paar Zentimeter größeren, ruhigen Professor für Alte Runen, „Ich habe Sie auf der Versammlung vor einem Monat vermisst.“

„Dies war ein Treffen der führenden Fraktionen mit ihren besten Lehrlingen und des Vorstandes, Meisterin Margo, zu deren Personenkreis ich nicht gehöre.“, entgegnete Abel in höflicher ruhe, mit lächelnder Stimme ohne jedoch tatsächlich ein Lächeln zu zeigen.

„Sie sind viel zu bescheiden, Ihre Leistungen sollten Sie nicht so herunterspielen.“, tadelte Madam Lofairy, diesmal jedoch sanft.

„Zu freundlich von Euch, Meisterin Margo.“, neigte Professor Denbridge seinen Kopf leicht und sah die Dame dann wieder an, „Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, daher verzeiht meine Frage. Würdet Ihr mir…erläutern, was zwischen Euch und meinem Kollegen vorgefallen ist?“

„Sie haben gelauscht?“, kam es streng und weit weniger sanft, doch noch nicht hart.

„Nein, ich habe zufällig die letzten paar Worte Eures Gesprächs mitbekommen. Dafür entschuldige ich mich.“

Er war nervös, immerhin war dies vor ihm Margo Lofairy, doch er bewahrte Ruhe und verwandelte sich nicht in einen Schuljungen zurück, ließ nicht zu, dass es soweit kam. Es war nicht leicht, dennoch schaffte Abel es seine Mitte zu halten.

„Wie lange unterrichten Sie schon, Meister Abel?“, fragte die Dame ihn, Worte mit denen er nicht unbedingt gerechnet hatte und auch Severus wusste nicht, was das Ganze sollte.

Er wollte doch nur in seine Räume, die feuchte Kleidung ausziehen, etwas essen und dann schlafen gehen.

„Nun…an Hogwarts unterrichte ich…es müssten fast sieben Jahre sein.“

„Haben Sie Fehler in Ihrer Anfangszeit gemacht?“

Worauf wollte sie hinaus?

Abel räusperte sich leicht, er sah kurz zur Seite, zu seinem Kollegen und nickte letztlich: „Ja, ich habe Fehler begangen. Professor zu sein ist schwieriger, als es scheint. Auch jetzt manche ich hin und wieder Fehler, niemand ist perfekt.“, fragend wandte er sich an Meisterin Margo, „Was möchtet Ihr damit in Erfahrung bringen?“

„Einen Moment.“, winkte sie ab und fuhr fort, „Wurden Sie für Ihre Fehler getadelt?“

„Je nach schwere, wurde ich in der Vergangenheit ermahnt und zurechtgewiesen.“, er war ehrlich damit, so war es gewesen und auch wenn es ein wenig unangenehm war, schämte Abel sich nicht deswegen.

Neulinge und Anfänger machten Fehler, so war es nun einmal und dadurch lernte man. Ein Frischling zu sein bedeutete nicht nur Fehler zu machen, sondern sie auch machen zu dürfen. Dies vermittelte er seinen Schüler zumindest.

Margo wandte sich an den hochgewachsenen Mann: „Meister Abel vertritt eine nachsichtige Haltung. Sie könnten noch einiges von ihm lernen. Ich erwarte Sie morgen nach dem Frühstück vor dem Wasserspeier zum Büro des Schulleiters.“

Severus sah ausdruckslos auf sie hinab.

Zuerst dieser verrückte Vampir und nun diese lästige Frau. Ganz abgesehen von Mel, welche ihn auch schon vorwurfsvoll angesehen hatte und sicher nicht gut auf ihn zu sprechen war und der Offenbarung von Potter letzte Nacht.

Kopfschmerzen begannen ihn zu plagen, bei all den idiotischen Ereignissen.

„Reichen Sie eine Beschwerde ein, wenn es Ihrem kleinen Ego damit besser geht.“, schnarrte der Meister der Tränke höhnisch, welcher genug von diesem Theater hatte, „Und jetzt entschuldigen Sie mich, ich habe schon viel zu viel Zeit hier verschwendet.“

Professor Denbridge war fassungslos und stand mit leicht geöffneten Mund da, während sein Verstand noch dabei war zu verarbeiten, was er soeben gehört hatte. Mit entsetzten schrie seine innere Stimme ihn an, dass er sofort, augenblicklich, etwas unternehmen musste, um die eskalierende Situation zu verhindern, zu entschärfen.

Sollte dem Mann etwas passieren und wenn es nur ein harmloser Fluch oder ein Schlag ins Gesicht war, Lord Evans würde es in der Sekunde wo es geschah wissen und erscheinen, wodurch er auf Meisterin Margo treffen würde und bei den Göttern bewahre, Abel wollte sich gar nicht vorstellen was dann folgte. Ganz abgesehen von den weiteren Konsequenzen durch Professor Black.

Ein aufziehender Albtraum vom feinsten.

Severus hingegen hatte den Eindruck, dass die Hexe mit ihrem Hexenhut sehr wohl wusste, wer bzw. vor allem wusste was er war.

Die Zeit stand wie still, noch jedenfalls und Abels Körper war erstarrt, indessen sein Instinkt ihn weiterhin zur Aktion aufforderte.

Der Professor für Zaubertränke bewegte sich, tat den ersten Schritt, ging an Meisterin Margo vorbei.

Abel sah es mit an, sah alles mit an, konnte es ganz genau sehen und doch nichts unternehmen. Es war zum verzweifeln! Sein Körper blieb wo er war, nicht ein Muskel zuckte.

Sein Kollege setzte den Fuß auf, das Geräusch hallte laut in Abels Kopf wieder und brachten seine entsetzten Knochen aus der Bewegungslosigkeit heraus, wie ein Schalter der sich umlegte oder ein lautes Klatschen, welches einen zurück holte.

In anmutiger Eile griff der kleine Professor nach seinem Zauberstab, zeichnete bereits mit seiner linken Hand Runen in die Luft und übernahm sogleich mit seiner rechten Seite, kaum hatte er den Zauberstab erhoben und die Zeit lief wieder in ihren normalen Bahnen.

Gerade einmal ein Sekundenbruchteil blieb ihm, als Meisterin Margo auf diese Frechheit zu regieren gedachte.

Severus welcher die flimmernde Magie wahrnahm, wirbelte mit dem Zauberstab in der Hand herum. Er hatte bereits mit einem Angriff gerechnet, schließlich war er kein Schwachkopf. Ihm war bewusst gewesen, dass er diese Dame mit seinen Worten provozierte und es eventuell zu einer übereilten Reaktion ihrerseits kommen würde.

Womit er hingegen nicht gerechnet hatte, war sein Kollege einige wenige Meter entfernt.

Professor Denbridge schaffte es rechtzeitig seine Magie zu wirken, verhinderte dadurch den ersten höllischen Albtraum, während der zweite hingegen dadurch entstand.

Alles zog stets Konsequenzen mit sich, jede Entscheidung wie nicht-Entscheidung, jede Bewegung, ob bewusst oder unbewusst, absichtlich oder unbeabsichtigt. Alles hatte Folgen.

„Meister Denbridge.“, erklang in der Stille auch schon die strenge Stimme der Meisterin und Abel würde lügen wenn er behauptete, er würde sich in diesem Moment nicht fürchten.

Oh, er hatte Angst und Nervosität erfüllte ihn von oben bis unten. Wäre er noch ein Schüler oder gar Lehrling, hätte man ihn für diese Aktion gewiss gezüchtigt. Aber er war weder ein Schuljunge noch ein Lehrling, sondern ein anerkannter Meister und Professor von Hogwarts. Seine Handlung war richtig gewesen, das Recht stand auf seiner Seite. Vor ein paar Jahren jedoch, wäre er weit weniger ruhig gewesen als gerade in diesem Moment.

Innerlich zählte er ruhig bis drei, achtete dabei auf seine Atmung und konzentrierte sich auf seine Mitte, erlangte seine Balance wieder, auch wenn weiterhin Furcht und Unruhe an ihm nagte. Doch dies war in Ordnung, wie er sich selbst auch sagte, alles durfte sein, alles hatte seinen Platz.

„Entschuldigen Sie, Meisterin Margo. Es lag bestimmt nicht in der Absicht meines Kollegen-“

„Sie enttäuschen mich, Meister Abel.“, unterbrach die Dame den jüngeren, bei weitem jüngeren, Professor.

„Das verstehe ich.“, gestand Abel ein, fand Gelassenheit und dadurch innere Stärke, was sich in seinen hellen Augen widerspiegelte.

Mit entschiedener Stimme, teils streng und gleichmäßig, wie er sie unter anderem in seinem Klassenraum verwendete bzw. allgemein Schülern gegenüber, wenn er Auseinandersetzungen oder anderes nicht akzeptables mitbekam, nutze.

„Doch ich kann nicht erlauben, dass Sie den Professor für Zaubertränke, auf welche Weise auch immer, verfluchen oder anfallen. Mein Kollege ist ein Mitglied des Kollegiums von Hogwarts und solange keine Straftat oder Verdacht auf solche vorliegen, unterliegt er dem Schutz dieser Ländereien und hat die Regeln und Vorschriften dieser Schule, als Lehrer, zu befolgen. Es liegt in der Verantwortung des Schulleiters und seines Stellvertreters, die Professoren in ihrer Funktion als Lehrkräfte zu maßregeln, wenn es vonnöten ist.“

Madam Lofairy sah ihn so tief-gehend musternd an, dass es Abel ein wenig mulmig wurde, doch er behielt seinen Standpunkt bei, wich keinen Deut zurück.

Zu seiner großen Erleichterung, die sich geringfügig an seiner Körperhaltung zeigte, senkte die Meisterin der Dunklen Künste ihren Zauberstab, nickte leicht und steckte ihn wieder ein.

„Sie behalten selbstverständlich recht, Meister Abel. Ich bin zu Gast und nicht in der Position, jemanden wegen seines Verhaltens zu disziplinieren.“

Severus war genervt, nein er war nicht nur genervt, dass war eine Untertreibung. Er brauchte keinen Retter, niemanden der sich einmischte und ihm zu Hilfe eilte. Mit der Dame wäre er auch alleine zurechtgekommen und der Zauber welcher ihn treffen sollte, hätte er alleine bewältigen können.

„Ich sehe Sie beide Morgen, im Büro des Schulleiters.“, sprach Margo mit einer typischen Lehrerstimme, als wäre er, sie beide, Denbridge und er, kleine, aufmüpfige Schuljungen.

Finster starrte der Tränkemeister die ältere Hexe und seinen Kollegen an. Doch während der Professor für Alte Runen ein wenig Unwohlsein bei diesem Blick verspürte, ließ es Meisterin Margo völlig kalt. Wie auch schon zuvor andersherum, beeindruckte es die ehemalige Hufflepuff nicht im geringsten, was wiederum durchaus erstaunlich war, wenn man berücksichtige wer sie waren.

Zum einen eine Meisterin, Erfahrung im Überfluss, gealtert und unglaublich erfolgreich wie talentiert, respektiert und auch mit Ehrfurcht bedacht, ein magische Ausstrahlung einer Lady gleich, sodass selbst die mächtigsten Aristokraten ihr Haupt neigten. Und zum anderen der Begleiter eines jungen, mysteriösen Lord, selbst scheinbar mit Talent gesegnet, herrisch, einschüchternd, offenbar auch ein inoffizieller Meister und ein Sklave, welcher überhaupt nicht wie ein solcher wirkte.

Wäre Abel nicht derart überzeugt davon, dass er wach wäre, würde er meinen er schliefe. So skurril war die gegebene Situation.

„Gute Nacht, meine Herren.“, verabschiedete Madam Lofairy sich und dunkle wie helle Augen verfolgten ihr verschwinden.

Abel seufzte leise, als die Schritte verklangen und er mit seinem Kollegen allein im Korridore stand.

Stechende, dunkle Augen sahen ihn an und es schien, als wollte der andere Professor noch etwas sagen, doch dann drehte er sich einfach schwungvoll herum und ging, ließ Abel einfach stehen wo er war.

Noch eine schwierig zu handhabende Person, dachte sich der Meister auf dem Gebiet Alte Runen und machte sich ebenfalls auf den Weg, überprüfte die Gänge und kam seiner Aufgabe als Lehrer nach, jeden Schüler nach Sperrstunde in dessen Gemeinschaftsraum zurückzuschicken; vielleicht auch ein paar Punkte abzuziehen.

Severus gelangte ohne Umschweife zu seinen Räumen, schlecht gelaunt von dem was vor allem in den letzten Minuten geschehen war. Von der Unterhaltung mit diesem verrückten Vampir abgesehen.

Seine Finger öffneten Knopf für Knopf seinen Gehrock, während er zu seinem Schrank im Wohnbereich ging und die Türen wie selbstverständlich aufriss, nur um festzustellen, dass es gar nicht sein Schrank war und der Inhalt ein völlig anderer.

Verärgert knallte er Türen wieder zu.

Natürlich war dies nicht sein Schrank, immerhin befand er sich auch nicht wirklich in seinen privaten Räumen. Er war hier gefangen, in dieser Zeit und die Tatsache an sich, dass er gefangen war, hatte etwas seltsam, verbittert ironisches.

Er setzte sich auf das Sofa, stütze seinen rechten Ellbogen auf seinem Oberschenkel ab und fuhr sich mit der rechten Hand über seine Augen. Erschöpft lehnte er sich im Anschluss zurück, schloss die Augen und blieb eine Weile einfach so wie er war; halb liegend, halb sitzend, auf den mit lederüberzogenen Sofa.

Während sich Severus auf dem Sofa befand, saß Harry auf seinem Bett und laß den Brief, den Mel ihm gegeben hatte.

Es stand nicht viel auf dem Pergament, Etikette wahrender Worte, eine Uhrzeit und Ort, wie der Bitte um den Gefallen seines Erscheinens, Abschiedsgrüße, eine Unterschrift und mehr nicht.

Nachdenklich legte Harry den geöffneten Brief vor sich auf das Bett, besah sich im Schneidersitz sitzend nochmal die einzelnen Zeilen.

Worum es ging war mit keinem Wort niedergeschrieben worden und der Sechstklässler fragte sich, was der Graf wohl von ihm wollte und es scheinbar derart wichtig war, dass er es nicht hatte näher erläutern können. Vielleicht war es aber auch etwas, was er sonst sofort abgelehnt hätte. Wobei sich in dieser Hinsicht nichts ändern würde, egal ob es nun mit Tinte und Papier oder verbalen Laute angefragt wurde. Dies müsste der Graf eigentlich wissen.

Deswegen musste es erstes sein, etwas, was man nicht einfach sorglos auf Pergament brachte. Was es wohl sein könnte? Dem jungen Lord fiel nichts ein.

Wenigstens wusste er nun, wo Mel gewesen war und weshalb der andere Hauself, Roul, am Mittag erschienen war, ihn an das Essen erinnert hatte.

Seine Hand griff nach seinem Zauberstab.

Der Gast von Hogwarts rief misstrauen in ihm hervor, er wusste nicht genau was er von der Dame halten sollte. Zudem sein Professor, der ganz steif und unruhig die meiste Zeit während der Unterhaltung gewesen war und dieser Zustand sich noch gesteigert hatte, nachdem er so direkt die Gemeinschaft der Meister erwähnte.

Er freute sich jedoch auch für den Mann, Asperglade hatte es geschafft und war anerkannt worden, fortan nun Teil der Gemeinschaft. Ob der Professor weiterhin in Hogwarts unterrichten würde?

Der Schwarzhaarige tippte den Brief vor sich mit seinem Zauberstab an, ließ ihn in Flammen aufgehen. Besser niemand erfuhr von dem Inhalt. Nicht einmal Asche blieb zurück, keinerlei Spuren. Seine Bettdecke wurde dabei natürlich auch nicht angekokelt, was ihm früher bestimmt passiert wäre bzw. im Bereich des möglichen gewesen wäre.

Doch seid er in dieser Zeit hier war, hatte sich vieles verändert.

Er lächelte leicht auf, streckte seine Beine aus und lehnte sich in seine Kissen.

Nächste Woche würde der Unterricht wieder beginnen, die Ferien wären vorbei und am Freitag, also Übermorgen, würde der Hogwarts Express am kleinen Bahnsteig einlaufen und die Schüler zurück bringen.

Unter ihnen Isaac Malfoy.
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