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Ein Tag am Strand

Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Ole Plogstedt
13.09.2016
13.09.2016
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2.955
 
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Daniel und ich saßen am Elbstrand, und beobachteten die Möwen, die ihre Kreise am klaren Hamburger Himmel zogen. Hin und wieder nahmen wir einen Schluck aus den Weinflaschen, die neben uns im Sand lagen. „Du schaust wie drei Tage Regenwetter“, meinte er, und warf mir einen Seitenblick zu. „Würdest du auch, wenn du noch auf dem Kreuzfahrtschiff von deinem Freund verlassen worden wärst. Ich fasse das immer noch nicht!“ Schutz suchend lehnte ich mich an die Schulter des Jüngeren, und beobachtete einen Hund, der ein paar Meter von uns entfernt versuchte, seinen Schwanz zu fangen.
Unwillkürlich musste ich lachen. Daniel seufzte auf. „Eine Fernbeziehung ist auch nicht besser, als im Urlaub angesägt zu werden!“ „Dann heirat deine Sofia doch, und hol sie her!“ „Aber das Studium, außerdem bin ich erst 23, da heiratet man doch noch nicht?“
„Warum denn nicht?“ fragte ich, und nahm einen erneuten Schluck Wein. Daniel und ich hatten uns über einen guten Freund von mir kennen gelernt, und nach meiner Trennung hatte er mich für ein paar Tage zu sich nach Hamburg eingeladen-den Kopf frei bekommen. Und ich musste zugeben, der Zauber dieser Stadt wirkte bereits.
Langsam wurde es kühler, und unweit von „unserer“ Stelle hatten sich Jugendliche niedergelassen, die einen Ghettoblaster dabei hatten. Daniel schaute auf unsere inzwischen leeren Flaschen. „Warte hier, nicht weglaufen. Ich hole am Kiosk neue!“ „Um alles in der Welt, ich bin blau genug“, widersprach ich, doch das smarte Nordlicht war bereits verschwunden.
Seufzend ließ ich mich in den Sand sinken, und lauschte der Musik, die nun aus dem Ghettoblaster der Kids drang. Es war irgendein langsames Lied- hörten nicht alle Teenager Hip Hop? Dachte ich so bei mir. Dumm nur, dass gerade jetzt der Wein aus war.
Da hörte ich über mir eine Stimme. „Entschuldigung, aber darf ich mich kurz zu dir setzen?“ „Klar, mein Begleiter hat mich ja einfach im Stich gelassen“, antwortete ich, allerdings eher dem Himmel als dem Typen, der sich nun neben mich setzte. „Ich bin der Nils“, verkündete mir die sonore Stimme. „Pia, und zu betrunken, um noch zu sitzen.“ Er lachte. „Wenn du die Flaschen alleine getrunken hast, verstehe ich dich.“ Er legte sich neben mich, und grinste mich spitzbübisch an. Ich betrachtete ihn genauer. Er war rotblond, hatte durchdringend blaue Augen, und Sommersprossen. Alles in allem war er eine hübsche Erscheinung. „Hast du zufällig Feuer?“ fragte er, und ich nestelte kurz in meine Hosentasche. „Bitte. Wenn du noch eine Zigarette für mich hast?“
Daniel schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Mein Handy unterbrach das angenehme Schweigen zwischen diesem Nils und mir. Ich nahm das Gespräch an. „Pia, du bist mir doch nicht böse? Aber ich habe dich einfach nicht mehr gefunden, und gehe jetzt zur U-Bahn. Bleibt es bei dem Kaffee morgen?“ „Klar, hau schon ab, bis morgen!“  Nils schaute mich fragend an. „Mein Begleiter. Er findet mich nicht mehr, und dampft jetzt ab“, erklärte ich, während ich an meiner Zigarette zog.
„Dann gehörst du jetzt zu uns. Meine Freunde sind auch hier.“ Er wedelte in eine unbestimmte Richtung. „Klar, warum auch nicht?“ Ein südamerikanisches Lied erscholl und zerriss die Stille, die durch die vorangegangen, ruhigen Lieder untermalt worden war.
„Darf ich bitten?“ fragte der smarte junge Mann. „Ob das noch gut geht?“ Er grinste, und rappelte sich auf. Dann reichte er mir seine Hand. „Das finden wir einfach heraus.“ Und siehe da, es funktionierte ganz gut. Nils zog mich fest an sich, und wenn man das so sagen konnte, war unsere Einlage ganz schön heiß.  „Na du hast aber einen Hüftschwung!“ neckte ich ihn. Er zwinkerte mir zu. „Ich würde alles tun, um unseren Ole aus der Reserve zu locken.“ „Huh? Stehst du auf den?“ „Nein, er auf dich, du dummes Ding!“  Er zeigte mit dem Kopf auf einen großen, dunkelhaarigen, dunkel gekleideten Mann mit blaugrauen Augen, und einem leicht sauertöpfischen Gesichtsausdruck. Das Lied hatte geendet, doch Nils machte keine Anstalten, mich loszulassen. Der Herrscher über den Ghettoblaster skippte, und ein weiteres Lied mit feurigem Rhythmus ertönte. Ich beobachtete aus dem Augenwinkel, wie Oles Gesicht immer verärgerter wurde. Ich löste mich von Nils, und tänzelte auf ihn zu. „Darf ich bitten, der Herr? Damenwahl!“ Er schaute mich an, und ergriff dann nach kurzem Zögern meine Hand.  Auch er bewies Taktgefühl und einen Hüftschwung, der den King vor Neid erblassen lassen würde.
Nach dem Tanz bedankte ich mich bei ihm, und wollte schon weg laufen, als er mich aufhielt. „Nicht so stürmisch, schönes Kind. Du hast mir noch nicht einmal verraten wie du heißt!“  „Pia mein Name.“ Ein brünetter mit tätowierten Armen winkte mich heran. „Hallo, ich bin der Andi, und der Brummbär neben mir ist mein Freund Frank.“ „Hallo ihr beiden Hübschen!“ „Und unseren Nils kennst du ja schon“, meinte Ole unwirsch.  Nils zuckte nur mit den Schultern, und drückte mir eine Flasche Bier in die Hand. So saß ich mit den vier Männern am Strand, bis die Sonne wieder aufging.

Drei Jahre später saßen Daniel und ich exakt an der gleichen Stelle. Er hielt mir eine Ladung Ultraschallbilder unter die Nase. „Ich habe dir doch gesagt, dass du sie heiraten solltest. War mein Rat wirklich so schlecht?“ meinte ich, während ich mir die Fotografien besah. Er nickte. „Du hattest Recht, wie immer. Aber dass DU noch Single bist?“
Ich musste unweigerlich an den Abend vor drei Jahren denken. Nils war irgendwann eingeschlafen, Andi und Frank am knutschen, als hatten Ole und ich viel Zeit für Gespräche gehabt. Wir hatten schnell bemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge waren, und uns war der Gesprächsstoff nie ausgegangen. Als es dann kühler geworden war, hatte er mir seine Jacke um die Schultern gelegt, und mich irgendwann einfach geküsst. Seit diesem Moment war mein Herz für andere Männer nicht mehr zugänglich, zumal er es direkt danach mit der Aussage, dass er verheiratet sei, wieder gebrochen hatte.
Als wir dann alle den Strand verlassen hatten, hatten wir uns herzlich von einander verabschiedet-Nils hatte mir auch seine Nummer hinterlassen, aber ich hatte sie direkt gelöscht.
„Bist du anwesend?“ Daniel wedelte mit seiner Hand vor meinem Gesicht herum. „Was hast du gesagt?“ „Dass ich nicht verstehe, dass du noch Single bist!“ „Ahso. Nein, ich habe genug von der Männerwelt. Mein Ex sägt mich noch im Urlaub ab, und der nächste, der mein Herz erreicht hatte, erklärt mir, dass er verheiratet ist. Mein Bedarf ist gedeckt“, brummte ich traurig, und umklammerte mit meinen Fingern den Flaschenhals. Daniel strich mir eine Strähne hinters Ohr. „Nun sei nicht so pessimistisch. Dieser Ole kann dir auch nicht einfach Hoffnungen machen, wenn er sie nicht erfüllen kann.“  Ich seufzte, und nahm einen großen Schluck Wein. „Und er geht dir nach all den Jahren nicht aus dem Kopf?“ „Leider nicht, so sehr ich es auch versuche. Ich bin ein Weichei“, jammerte ich nun.
Mein guter Freund schnaubte. „Nein, bist du nicht, aber es wird Zeit, diesen Ole los zu lassen.“
„Wenn das so einfach wäre“, meinte ich.
Daniel lächelte mich an. „Pia, ich wäre nicht ich, wenn ich nicht eine Überraschung für dich hätte.“ „Ist das wieder einer von deinen kranken Kuppelversuchen? Erst Matze, dann Manu, dann Lorenz…es reicht!“ Er zog einen Flunsch. „Nein, dieses Mal gefällt dir die Überraschung. Versprochen.“ Ich schaute ihn zweifelnd an. „Ich muss dir deine Augen verbinden“, meinte er sanft, und holte einen Schal aus seiner Tasche. Er glitzerte und war quietschgrün. „Sofia hat einfach keinen Geschmack“, wetterte ich, ließ mir diese Hässlichkeit aber umbinden. „Und jetzt muss ich mich leider von dir verabschieden!“ Wie bitte? Der konnte mich doch nicht einfach…“DANIEL! Wenn du JETZT gehst!“
Ich hörte nur, wie er von weitem gluckste. Oh, ich könnte ihn….
Da spürte ich, wie sich jemand neben mich setzte. „Hallo, schönes Kind!“  Nein. Neinneinneinnein! Was machte DER denn hier? Warum hasste Daniel mich so? Was sollte an dem Mann, in den ich rettungslos verliebt, der aber wiederum verheiratet war, eine tolle Überraschung sein?
Ich nahm den Schal ab, und starrte Ole wütend an. „DU! Dass du dich wagst! Scher dich zurück zu deiner Frau!“ brüllte ich auch direkt los. Er schaute mich traurig an. „Du hast nie nach mir gesucht.“ „Sollte ich? Du bist verheiratet? Hallo?“  „Falsch. Ich WAR verheiratet.“ „Und was willst du jetzt von mir?“ schnauzte ich. Ich würde Daniel langsam und qualvoll töten, das schwor ich mir in diesem Moment.
Ole senkte seinen Blick. „Ich habe mich an diesem Abend damals schon in dich verliebt-wollte aber mit offenen Karten spielen. Ich wollte nichts mit einer Lüge beginnen.“ „Was interessiere ich? Hast du mal für 10 Cent an deine Frau gedacht in diesem Moment?“  Er nickte. „Ja, eben. Deswegen habe ich ihr am nächsten Tag direkt gesagt, dass ich sie verlassen werde.“ Ich stand auf. „Na wunderbar, und das willst du jetzt mir in die Schuhe schieben?“ Wütend hatte ich meine Hände in die Hüften gestemmt und funkelte ihn an. „Ich will dir gar nichts irgendwo hin schieben!“ „Fein, dann kann ich jetzt ja gehen!“ keifte ich, und stapfte davon.
Weit kam ich jedoch nicht, denn ich prallte gegen etwas Weiches. „Sorry“, brummte ich, und ging weiter. „Schon in Ordnung“, meinte die Frau, gegen die ich offensichtlich gelaufen war. „So ein Streit mit dem Mann ist nicht immer einfach, hm?“ „DER? Mein Mann? Vorher friert die Hölle zu!“
Sie lächelte. „Aber sie lieben ihn, das sieht ein Blinder!“ „Trotzdem! Ihnen noch einen schönen Tag, und nochmal Entschuldigung.“ Wütend setzte ich meinen Weg fort, während ich Daniel in Gedanken auf eine Streckbank spannte, und ihm Ameisen über den Körper kippte.
„Pia, nun warte doch“, wehte da Oles Stimme zu mir herüber. „Warum? Damit du mir wieder das Herz herausreißen kannst, so wie damals?“  Er holte mich ein. „Wie bitte? DU bist doch bei Nacht und Nebel verschwunden! Bei Nils hast du dich auch nie gemeldet!“ „Und warum bin ich verschwunden? Weil der Mann, in den ich mich Hals über Kopf verliebt habe, verheiratet ist! Weil ich nicht dazu tauge, Familien zu zerstören! Weil ich dich vor keine Entscheidung stellen wollte, und weil ich dachte, dass ich nur ein netter Zeitvertreib für dich war!“  Er lächelte schief. „Das warst du ganz und gar nicht. Ich hatte mich schon in dich verliebt, als du mit deinem Kumpel am Strand herumgealbert hast. Ich habe schnell durchschaut, dass ihr kein Paar seid. Und ich bin vor Eifersucht fast gestorben, als Nils zu dir gegangen ist. Und ich bin seit drei Jahren Single, weil ich keiner anderen Frau mein Herz schenken konnte oder wollte.“  Nun merkte ich, wie die Wut langsam von mir abfiel. „Meinst du das Ernst?“ fragte ich, und griff nach seiner Hand. „Jedes Wort. Ich konnte dich die ganzen Jahre über nicht vergessen.“ Und wie zur Bestätigung des gesagten, zog er mich an sich, und legte seine Lippen auf meine. Wie lange wir da so gestanden hatten, wusste ich nicht, aber ich wusste, dass dieser Mann nie wieder aus meinem Leben verschwinden würde.
„Wie geht es eigentlich Nils? Und den anderen beiden?“ „Prima geht’s denen. Andi und Fo haben inzwischen geheiratet (an dieser Stelle quietschte ich begeistert auf) und Nils heiratet morgen. Er hat vor zwei Jahren Ella kennen gelernt, ein hübsches, patentes Mädel. Ich bin eingeladen, mit Begleitung. Eigentlich wollte ja meine älteste Tochter mitkommen, aber wenn sie hört, dass ich dich wiedergefunden habe, tauscht sie mit dir. Nils wird Augen machen!“  Ich seufzte. „Und was haben deine Kinder gesagt, als du deine Frau verlassen hast?“ „Die Wahrheit?“ „Klar.“ „Sie waren erleichtert. Ich habe zwei Töchter, Marleen ist 20 und Nele 16, und einen Sohn, Finn, er ist 18. Alle drei haben mich immer bei der Suche nach dir unterstützt. Wie sich herausgestellt hat, ist Daniels Vater der Zahnarzt der Kinder, und Daniel arbeitet ja gerade bei ihm mit. Und so kam das ganze zustande hier.“  Ich musste lächeln. So viel Einsatz, das rührte mich dann doch.
Er griff nach meiner Hand, und verschränkte seine Finger mit meinen. „Und jetzt lasse ich dich nie mehr gehen!“
Er führte mich durch halb Hamburg (zumindest kam es mir so vor), bis wir vor einem Haus standen. „Ich sagte, doch, ich lasse dich nicht mehr gehen, und der erste Schritt ist, dass du heute bei mir bleibst.“ „Aber meine Sachen?“ „Hat Daniel mir schon längst mit gegeben.“ Ich fügte den Ameisen gedanklich noch Buttersäure hinzu.
Ole führte mich in den dritten Stock, und schloss eine Tür auf. Ich schaute mich staunend um, denn ich stand in einer Altbauwohnung mit bodentiefen Fenstern, dunklem Parkett und viel Platz. Ich hatte irgendwie Chaos erwartet, aber alles war aufgeräumt und stand an seinem Platz. „Willkommen zuhause“, meinte er. „Wow, hier ist es ja wunderschön!“ Er lachte. „Naja, als Junggesellenbude reicht es.“ „Das nennst du Junggesellenbude? Da würden wir zehn Kinder unterkriegen!“ Kaum hatte ich das gesagt, merkte ich, dass mir die Röte in die Wangen schoss.  Ole nahm mich von hinten in den Arm. „Zehn vielleicht nicht gerade, aber eins oder zwei wären ganz nett. Was meinst du?“ Ich nickte nur. „Aber wir müssen los, ich brauche ein Kleid für morgen!“
Wie aufs Stichwort klingelte es an der Tür. Eine hübsche junge Frau mit schwarzen Locken und Oles Augen kam herein. „Und du hast sie wirklich gefunden? Na endlich! Ist sie da? Kann ich sie kennen lernen?“ plapperte sie ihren Vater voll. Ich selbst stand in einer Ecke, die für sie nicht einsehbar war. Das musste wohl Marleen sein. „Ja, ich habe sie endlich gefunden. Macht es dir etwas aus, wenn….“ „Nein, Papa, das macht mir nichts aus. Im Gegenteil. Kann ich sie jetzt kennen lernen?“
Ole schob sie weiter in den Raum. „Marleenchen, darf ich dir meine Pia vorstellen? Pia, das ist meine Älteste.“ Weiter kam er nicht, denn Marleen war mir bereits begeistert um den Hals gefallen. „Freut mich. Wir mussten schließlich lange genug auf diesen Tag warten!“ Ich lächelte sie an. „Das löst mein Kleider-Problem nicht!“  
Sie schüttelte ihren Kopf. „Das lösen wir auch noch. Papa, du erlaubst?“ Ole brummte nur, und wir zogen durch die Stadt, um ein angemessenes Outfit für eine Hochzeit zu finden.
Am nächsten Tag stand ich mit Ole vor dem Standesamt. „Ich bin so nervös. Was ist, wenn er mir böse ist?“ „So ein Unsinn“, meinte er, und strich mir beruhigend über den Rücken. Auf einmal ertönte ein Jubelschrei, und ehe ich mich versah, hatte Andi mich an sich gedrückt. „Das wir dich noch mal wiedersehen“, freute er sich, und wirbelte mich einmal herum. „Schatz, nun schau doch, wer da ist!“ Auch Frank drückte mich fest an sich. „Wenn du wüsstest, wie ätzend Ole die letzten Jahre über war“, grinste er. „Nicht ätzender als sonst auch“, schnaubte Andi. „Aber schön, dass wir dich wiederhaben.“ „Ihr habt doch von dem Abend damals gar nichts mitbekommen“, neckte ich die beiden. Fo zwinkerte mir zu. „Mehr, als dir lieb ist mein Mädchen.“
Da fuhr ein Auto vor. „Nils kommt“, wisperte Andi. Und tatsächlich, kaum hatte das Auto gehalten, flog die Beifahrertür auf, und ehe ich mich versah, hatte Nils mich fest an sich gepresst. „Mach das nie wieder“, stammelte er ununterbrochen. „Ist doch gut, ich bin ja jetzt hier.“ „Ole, das ist das beste Hochzeitsgeschenk der Welt!“ jubelte der rotblonde, und fiel nun meinem Freund um den Hals.

Inzwischen war ein weiteres Jahr vergangen, und mein Leben hatte sich komplett geändert. Vier Wochen nach der Hochzeit war ich mit Sack und Pack nach Hamburg gezogen, sehr zur Begeisterung von Ole und seinen Kindern. Die drei hatten mich vorbehaltlos in ihrer Familie aufgenommen, und wir verstanden uns (von den kleinen Kabbeleien des Alltags abgesehen) sehr gut. Heute war Sonntag, und Ole und ich waren wie so oft im letzten Jahr am Strand. Ich bewegte mich inzwischen etwas schwerfällig, da mein Schwangerschaftsbauch eine grazile Fortbewegung unmöglich machte.  Ich schaute versonnen auf die Elbe hinaus, und musste lächeln, als mich etwas am Hosenbein zog. „Tante Pia, Arm!“ Ich schaute nach unten, und tatsächlich stand dort Cassandra, die kleine Tochter von Nils und Ella, wegen der die Hochzeitsfeier unterbrochen werden musste. Sie hatte es nämlich furchtbar eilig gehabt. Ich hob das rotblonde Mädchen hoch. „Baby, wann?“ „Bald, meine große.“  Ole schaute sie gespielt streng an. „Onki Ole!“ quietschte sie daraufhin, und streckte ihre Ärmchen nach ihm aus. Wir tauschten, und ich ließ mich im Sand nieder. Die Möwen zogen wie damals ihre Kreise, und der Strand war mit Leben erfüllt. Eine stumme Glücksträne stahl sich aus meinem Augenwinkel. Cassandra und Ole schmusten, so wie ich das aus dem Augenwinkel sah, hingebungsvoll mit einander, und ich war einfach nur glücklich. Welch wunderbare Wendung mein Leben genommen hatte! Und das war alles aus einer weinhaltigen Nacht am Strand entstanden.
Inzwischen war die kleine Teufelin an der Hand ihrer Mutter verschwunden, und Ole setzte sich zu mir. „Nicht, dass unser Sohn sich noch verkühlt“, meinte er liebevoll. „Wird er schon nicht. Sein Swimming Pool hat konstant 37 Grad“, gab ich zurück, und lehnte mich an ihn.
„Jetzt wo wir hier so sitzen, wieder mal“, fing er an, und kratzte sich verlegen am Hinterkopf.  Ich drückte seine Hand. „Die Antwort lautet ja“, flüsterte ich. „Aber du weißt doch gar nicht, was ich sagen will?“ „Die Antwort lautet trotzdem ja.“ „Fein“, lachte er, „dann erspare ich mir die lästige Fragerei. Findest du nicht auch, dass Daniel und Nils die Taufpaten unseres Sohnes werden sollten?“ „Wunderbare Idee. Ich sagte ja, dass die Antwort immer ja ist.“ Er küsste mich leicht auf die Schläfe.
„Ich liebe dich“, sagte er leise. „Ich dich auch. Sehr sogar.“  Er nahm mich fester in den Arm, und wir schauten dem Treiben noch eine Weile zu, bis wir Hand in Hand nach Hause zurückkehrten.
 
 
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